20 Jäger waren an der
die Jugend fand schnell Ersatz für ihr Vergnügen. Sie zog seitwärts von der Straße auf einen wüst liegenden Abhang auf dem Galgenberg und bald war eine neue Bahn geschaffen. auf der sich jetzt Jung und Alt eifrig tummelt. — Bei einer heute hier abgehaltenen Treibjagd wurden 2 34 Hasen zur Strecke gebracht. Jagd beteiligt.
Kreis Lauterbach.
7s-Hutzdorf, 10. Jan. Bei der landespolizeilichen Prüfung der N eb e nb a h n str e ck e Nieder-Aula — Schlitz am 29. und 30. September v. I. wurden Bedenken geltend gemacht, daß durch Anlage des Bahnkörpers bei dem sehr leicht eintretcnden Hochwasser der Schlitz und Fulda die Ueberschwemmungsgefahr für Hutzdorf erhöht und die Hochwasser- schaden vermehrt werden. Es sand daher heute nochmals eine Besprechung und Besichtigung des Bahngeländes von Vertretern des Ministeriums, der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M., des Kreisamts Lauterbach und der Kulturinspektion Gießen statt. Der Schlitzsluß, der zwischen Schätz und Hutzdorf in verschiedenen Windungen ein breites Wiesental durch,ließt, tritt bei letzterem Orte bis dicht an die Häuser heran. Das Gelände ist dort durch beiderseitige Erhöhungen sehr eingeengt, weshalb durch die Stauung der Schlitz, bic wenige Minuten unterhalb Hutzdorf j.n (Nie Fulda fließt und deren Hochwasier gewöhnlich früher erntritt, der Ort am meisten durch Hochwajier zu leiden hat Die Visenbahnbehörde hat nun beabsichtigt, den Schlitzsluß in ein
Aus Stabil Mit» Lc,nd.
Gießen, 11. Jrnuar 1911.
** Ein ehemaliger Gießener Professor f- In Greifswald ist am 8 ds. der Geh.ime Medizinalrat Dr. Friedrich Mo s l er, ord. Prozessor der speziellen Pathologie und Therapie, erneut. Direktor der mediz nischen Klinik an der dortigen Universität, im nahezu vollendeten 80 Lebensjahre gestorben. Er stammte aus Ortenberg. Seine Hauptlehrer waren Jul. Vogel, Frerichs und Virchow. 1858 wurde er Privatdozent in Gießen, erhielt hier später eine a. 0. Professur und kam 1864 als Ordinarius nach Greifswald. Seine Hauptwerke sind: Untersuchungen über den Einfluß des innerlichen Gebrauches von gewöhnlichem Trinkwasser auf den Stoffwechsel des Menschen" (preisgekrönt), „Ueber die Behandlung des Typhus exanthema- tieus" (1867), „Pathologie und Therapie der Leukämie" (1872), „Ueber Lungenchirurgie" (1885) und vieles andere.
** Stadt the ater. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß von Björnsons ,Ueber die Kraft" auch der zweite Teil noch im Laufe dieser Svielzeit aufgeführt wird. Wenn auch jeder Teil als selbständiges Stück für sich bestehen kann, so dürste doch mancher Freund des Dichters Veranlassung nehmen, die heutige letzte Aufführung des ersten Teiles zu besuchen. — Das Vaudeville „Er und seine Schwester"' mit der reizenden Mu.ik von Einöds- höfer war ursprünglich für Sonntag abend geplant und für Freitag war ,Othello" angesetzt. Da jedoch wegen des Festkommerses die Musik für Sonntag nicht in ausreichender Stärke gestellt werden konnte und das Werk laut V r ags- kontrakt bis zu einem bestimmten Termin in einer Abendvorstellung gegeben sein muß, so ist di.-se Vaudevilleposse ausnahmsweise auf einen Abonnementstag angesetzt worden.
** Ueber die Stenographie in der Rechtspflege wird am Donnerstag abend im Cafs Ebel von Gerichtsreferendar Ploch (Mitglied des Gabelsbergerschen Stenographenvereins) ein Vortrag gehalten.
Landkreis (Sieben.
-g. Hungen, 10. Jan. Die hiesige Schuljugend hatte sich bei dem sog. Galgenberg auf der Kreisslraße eine hübsche Rodelbahn eingerichtet und übte sich fleißig in dem gesunden Sport. Auch von Erwachsenen wurde dem Rodelsport gehuldigt. Heute aber sollte dem frohen Spiel ein Ende bereitet werden, indem das Rodeln an dieser Stelle durch kreisamtliche Verfügung verboten wurde, da der Fuhrwerksverkehr an der steilen Stelle gefährdet war. Aber
DKtz M V6). M einer Verfügung dieser Garantie würde bas Htlfswerk scheitern. - Nach den gemachten Berechnungen hofft man, aus den Nachlassen nach Bestreitung der Binsen für die aufzunehmenden Kapitalien und der Auslagen der Landeshypothekenbank noch einen Ueberschuß zu mieten. Dieser würde zur Verfügung des HilfsausschufleS stehen und zur Unterstützung Der armen Kassennntglieder, zum Teil eventl. auch zu Rückvergütungen an Einlageglau- biger auf die Nachlässe verwendet werden. Es ist ledoch nicht ausgeschlossen, daß nichts übrig bleibt und weiter, daß die schließliche Abrechnung mit einem Fehlbetrag av- schließt, der dann von den garantierenden Kreisen zu decken wäre. Je schneller'der Konkurs zu Ende geht, und je reichlicher die Abschlagszahlungen von der Konkursverwaltung eingehen, desto günstiger gestaltet sich das Ergebnis des geplanten Unternehmens. Bei einer 5jährigen Konkursdauer ist ein Ueberschuß, bei einer 7- und mehrjährigen em Fehlbetrag wahrscheinlich. — Bei der Berechnung des von den Mitgliedern zu leistenden Vorschusses von 2300 Mk. ist ein Ausfall von 20>Proz. der Forderungen an die Kasseschuldner angenommen^ sollten sich bei der BeitreibunL mehr Ausfälle ergeben, so müssen sie in der Form von Nacyschuß en auf die wohlhabenden Kassemitglieder umgelegt werden; die Hilfsaktion würde hierdurch keine Verluste erleiden. Der Kreis Büdingen hat sich, wie wir s. $t. meldeten, bereit erklärt, die von ihm verlangte Garantie in der Höhe von ä/6 zu übernehmen, wenn der Kreis Friedberg Ve gewährleistet und von anderer Seite ein Vorgaran'.iefond von 30 000 Mk. beschafft wird. Frankfurter phi.antropische Kreise haben sich bereit erklärt, für diesen Vorgarantiefond 15C0u Mark aufzubringen. — Der Direktor der HHifchen Landes- Hypothekenbank Dr. Arnold hat in der KreiStagssitzuna noch folgende neue Berechnung ausgestellt: Darnach wird angenommen: Es sind noch 2100 000 Mk. Konkursforderungen vorhanden; die Hälfte davon wird vom Hilfsaus- schuß erworben, 25 Proz. sind bereits durch zwei Abschlagszahlungen bezahlt; also 1050000 Mk., ab 25 Proz.: 262500 Mark, zusammen 787500 Mk.; Nachlaß von 20 Proz. wird aefordert von 157 500 Mk., zum Ankauf also nötig 630 003 Mark. Angenommen: 1. es werden Abschlagszahlungen vom Konkursverwalter geleistet Ende 1911: 10 Proz., Mitte 1913: 10 Proz., Mitte 1915: 10 Proz., Schlußzahlung Ende 1916: 45 Proz.- 2. es werden durchschnittlich 4 Proz. zur Verzinsung oer aufzunehmenden Kapitalien nötig; 3. es erwachsen .alljährlich der Landeshypothekenbank 3500 Mark Derwaltungskosten; 4. Anfang 1911 sind die Forderungen zur Hälfte erworben; 5. die Schuldzinsen werden halbjährlich bezahlt, so wird die Schuldenlast Ende 1911 sein 553 952 Mk., Mitte 1913 486 430 Mk., Mitte 1915 428 830 Mark, vor der Schlußzahluna Ende 1916 462 230 Mk., die Schlußzahlung beträgt 472 500 Mk., also verfügbar Ende 1916:10 300 Mk. Endigt das Konkursverfahren schon 1 Jahr früher, Ende 1915, dann verbleibt ein Ueberschuß von 31600 Mk., endiat es 1 Jahr später, Ende 1917, so wird ein geringer Fehlbetrag entstehen.
Gedenket der hungernden Vögel!
loS
Vors.: Sie hatten einen Revolver bei sich?
Angekl.: Ja, den trug ich aber schon lange bei mir.
V 0 r Was machten Sie damit?
Angekl.: Ich habe den Revolver Minor gegeben.
Vors.: Und weshalb?
Angekl.: Minor wollte ihn haben und ich wollte ihn sem.
Korf.: Was hat Minor damit getan?
neues, schlankeres Bett zu leiten, um dadurch ein stärkeres Ge- fälle zu erzielen, das die Wassermassen schneller absuhren und die Ueberschwemmungsgefahr vermindern soll.
Kreis Schotten.
Q Vom oberen Vogels berg, 10. Jan. Heute nacht hat eS wieder ziemlich Neuschnee gegeben, so daß die Schneedecke sich immer bester für den Wintersport eignet. — In einer großen Anzahl Dörfer tritt die Influenza in starkem Umfange auf.
----- Burkbards, 10. Jan. Am 18. d8. Mts. findet hier wieder Bürgermeisterwahl statt, die letzte war im Dezember 1909.
X Michelbach bei Schotten, 10. Jan. Hier wurde der seitherige Bürgermeister Schäfer in der zweiten Wahlperiode wiedergelvählt.
Kreis Friedberg.
x Bad-Nauheim, 10. Jan. Im Bildung s v er- ein gab heute abend vor ausverkauftem Hause das Rhetn- Mainische Verbandstheater H enttl en” „Stützen der Gesellschaft". Ausstattung und Darstellung des Stückes waren für die zugrunde liegenden Verhältnisse vortrefflich, so daß oas an ernsten Problemen lind erzieherischen Momenten so reiche Gesellschaftsdrama des großen nordischen Dichters seine Wirkung nicht verfehlte und allgemeinen Beifall fand. — Im Äortragsverern veranstaltet das Frankfurter Rebner-Quartett am Samstag seinen 4. dieswinter.'ichen Beethoven-Abend. — Der -Uc 111= tär verein assi a" ist jetzt auf über 250 Mitglieder angewachsen. Das Vermögen der Sterbekas e beträgt jetzt nahezu 800 Mark. Hauptlehrer Storch-Butzbach, em geborener Nauheimer, wird auf Anregung des Kriegervereins seinen kürzlich im Vortragsverein gehaltenen Vortrag über „Erlebtes aus großer <Zeir' in nächster Zeit nochmals halten.
Starkenburg und Rhein Hessen.
m. O f f e n b a ch a. M., 11. Jan. Wie gemeldet, wurden in der letzten Zeit hier und in der Umgegend zahlreiche falscheFünf-undZwei m a r k st ü ck e angehalten und auch von der Frankfurter Kriminalpolizei zwei Falschmünzer dingfest gemacht. Jetzt hat man die Spur eines dritten Falschmünzers gefunden, in dessen in der Kölner Straße in Frankfurt belegenen Wohnung em Koffer und bei der Gepäckausgabe des dortigen Hauptbahnhofs em Schließkorb beschlagnahmt wurde, in denen Gießformen zur Prägung von Falsifikaten und außerdem zahlreiche Geaen- ftände, die offenbar von Diebstählen herrühren, vorgefunden wurden.
Hfssen-Nastan
fc. Aus dem Taunus, 10. Jan. In Oberreifenberg im Obertaunuskreis wurden 11 falsche Fünfpfennig- stücke bei Gewerbetreibenden tovgefl nden Trotz cif iger Nachforschung konnten die Anfertiger dieser Münzen bis jetzt nicht ermittelt werden. Die Gewerbe reibenden, bei denen das falsche Geld vorgesunden wurde, konnten über die Herkunft demselben nichts angeben. Tie Fünfpfenn-g stücke vom Jahre 1LOO find ohne Münzzeichen, aus fast reinem Nickel mit nachgeahmten Stempeln geprägt.
X. Kassel, 10. Jan. Vom Landesausschusse, der soeben hier tagt, ist beschlossen worden, dem demnächst zusammentretenden Kommunallandtage eine Vorlage zu unterbreiten über die Aufnahme einer Anleihe bis zum Betrage von 1050 000 Mk. zur Deckung außerordentlicher Ausgaben des Bezirksverbandes. Bei den Ausgaben handelt es sich u. a. für folgende Zwecke: Für die Erbauung eines Wohnhauses für verheiratete Aerzte bei der Landesheil- anstalt zu Marburg (55 000 Mk.), für die Erweiterung der Räume der Landesbibliothek in Kassel durch die Erwerbung der dem Staate gehörigen ideellen Hälfte des Gebäudes des Museums Friedericianum (200 000 Mk.) und die Einrichtung der bisherigen Druseumsräume für Bibliothekszwecke (180 000 Mk.), für Leistung von Beiträgen zu den Grunderwerbskosten für Sekundärbahnen (300 000 Mk.).
(BcrtcbrsfanL
F. C. Darmstadt, 8. Jan. TaS Obersandesgericht hatte lief) mit der ibnqe zu beschäftigen, ob im Rechtswll deS amerikanischen Rechtes aut Grund schristlichen Zeugnisses eines öffentlichen Notars hi den Vereiniateu Staaten von Nordamerika in Teut'chland von dessen Werichien entschieden werden könne. Tas Oberlandesgecicht bat diese Frage verneint. In der llrteils- begrünbuug wurde ausaestihrt: Tie traulichen Notare stnd nicht wie in Demschland in allen Fällen juristisch vorgebildet und unter staatlicher Autorität aevrüste Beamte. Ihre Ernennung seht außer eem Bürgerrecht nicht enimnl eine gewisse Schulbildung, geschweige j ni'tische Slenninn'fe voraus. Tie Notare in Amerika sind weiter nichts als Urkmidspersonen, die zur Beglaubigung von Unter- schritt en und daneben zur Entgegennahme emseitiaer Erklärunaen berechtigt sind. Aut keinen «flall erstreckt sich ihre Zuständigkeit aus Geschähe, die ihrer Natur nach unbetiinqt juristische Kenntnisse voraussetzen. Tie von einem amerikanischen Notar abgegebene schriitliche Erklärung kann erst die Bedeutung einer Beweisurkunde in Deutschland erlangen, wenn dessen Eigenschait alsRechlsbeflissener sestgestellt ist.
)(' ).'( q r b n r q, 10. Jan. Vor der Straskammer standen heute 11 Mitglieder der OrlsieuerweHr von Fron Hausen, die gelegentlich einer Hebung widerspenstig waren und den Anord- mniqen des Brandmeisters keine Folge geleistet haben. Sie mußten ir e ia e i p r 0 ch en werden, weil der Strafantrag zu sväi gestellt und dre Sache verrührt war.
Die Moabiter Ztiatzeiitrawalle vor dem Schwurgericht.
< Berlin, 10. Januar.
Nach Eröffnung der heutigen Sitzung durch den Vorsitzenden Landgerichtsdiicltor Unger wird die Vernehmung der Angeklagten foripacijt. Der Angeklagte Hans Rode, 20 Jahre alt, bekundet auf Befragen, daß er s/< Jahr Tischler gelernt habe und dann ans der Lehre gelaufen. Am 27. Sept, traf er vor seiner Wohnung ein Fräulein Franke, die ihm sagte, sie könne nicht nach Hause, weil Schutzleute vor der Tür ständen. Da die Straße, wie er wußte, von Schu^euten frei war, begleitete der Angeklagte das Mädchen in seine Wohnung Waldstraße 12. Dort fand er den Friseur Haase auf der Treppe liegen, der eine zweifingertiefe Wunde am Kopf hatte., Der Angeklagte bemühte sich um den Verwundeten und wusch ihm das Blut ab. Als er wieder snach Hause gehen wollte, schlugen ihn Kriminalbeamte mit Stöcken über den Arm.
Vors.: Woher wst'sen Sie, daß es Kriminalbeamte waren?
Angekl.: Sie sahen so aus, und andere Leute schlagen doch auch nicht mit einem Stock. Ter Angeklagte ging dann wieder nach Hause und kam um Veil Uhr nochmals vor die Tür. Tort standen ferne Mitangeklagten Albrecht, Marquardt, Minor und Scharfenberg. Die Straße kam eine Menschenmenge herauf, die lärmte.
Meteorologische Beobachtungen der Station
Bei 60 groß. Flaschen frachtfrei in ganz Hessen.
Niederlage, unmittelbarer Versand frischer Füll 11 ng.
Mittwoch 61 soll in btm hief tcilimyn bcÜehei letztere einschliksjli kgenen Domania vttpachtkk werden, pgb fmb 14,62 l
Sriinberg, oir.
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Montag den ' «erden im Saale bi ktbitieboslache im D giia-@rebennul und der jZoritwartei Eifa Stämme: 2 Eiche IV 14 Eiche ' 13,ßi> Ri U2 Kies Krone $li 171,706 ni. hl = iLchnitlh! Va. HL = au.»! ^varren Dnbftaugcn: 22;
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Eisfeld, den ßti/. Groh!
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dem Säbel ab.
Ter Angeklagte Minor war früher Seiler und zuletzt bei Ludwig Löwe & Eo. als Arbeiter beschäftigt. Er wurde am 27. September von einem Kriminalbeamten mit einem Stock Über den Arm geschlagen. Kurz darauf traf er Rode, der ihm seinen Revolver zeigte. In der Aufregung Über den Schlag faßte er zu Rode, er solle ihm den Revolver yeben. Rode erwiderte, er wolle erst laden. Nach ein paar Minuten Jam Rode wieder gab ihm den Revolver wieder und saate, es seien drei Schüsse darin. Der Angeklagte will dann zweimal in die Luft geschossen und die dritte Patrone hecausgenommen haben. — Vors.: Warum haben Sie überhaupt geschossen? — Angell.: Ich war über die Mißhandlung aufgeregt. Ein Mann aus der Waldstraße 43 sagte zu mir: Du hast einen Revolver und traust dich nicht zu schießen. — Staatsanw. Porzelt: Ist nach dem ersten Schuß ein Schutzmann gekommen? — Angekl.: Nein. — R.-Ä. Jacobi: War der Angeklagte Marquardt angetrunken? — Angekl.: Ja, er war stark angeheitert.
Damit ist die Vernehmung der Angeklagten beendet.
Nach der Mittagspause beginnt die Beweisaufnahme. Erster Zeuge ist der Polizeimajor Klein, dessen Vernehmung die ganze Nachmittagssitzung in Anspruch nahm. Er gibt aur Befragen des Vorsitzenden ein Bild von den bekannten Vorfällen in Moabit. Er bemerkt u. a.: Wenn einzelne Schutzleute Ueber- schreitunaen ihrer Dienstgewalt begangen haben, so sind die einzelnen Beamten dafür verantwortlich zu machen, nicht aber das Polizeipräsidium oder die Polizei als kollektiver Begriff, wie das geschehen ist. Andererseits ist aber ein ganz unbegründeter Haß gegen die Polizei zum Ausdruck gekommen. . Als ich in der Nähe des Kohlenplatzes eine Wohnung mietete, in der die Mannschaften während der Unruhen eine Unterkunft haben sollten, kam kurz nachher der Hauswirt zu mir und bat mich flehentlich, die Sache doch rückgängig zu machen, da ihm seine Mieter gedroht hätten, sie würden ihm die Knochen im Leibe zerschlagen^ wenn er die Polizei ins Haus lasse. Ich mußte die Leute dann in Zelten, die mir vom 4. Garderegiment zu Fuß zur Verfügung gestellt wurden, unterbringen. Am Sonnabend, 24. September, nun geschah der erste ernstliche Zusammenstoß zwischen Polizei und Tumultuanten. In der Mittagszeit war ein Kohlenwagen in der Nähe der Löweschen Fabrik von der Menge angegriffen worden. Der Wagenbegleiter erhielt einen Steinwnrs an den Kopf und antwortete darauf mit einem Schuß aus einem Revolver. Darauf hat der Zeuge dem Mann den Gebrauch der Schußwaffen verboten. Im Kontor fand der Zeuge noch eine ganze Reihe von Revolvern, die, wie er aus Befragen erfuhr, den Begleitern zum Schutz mitgegeben werden sollten. Er verbot jedoch strengstens, diese Absicht auszuführen, da er der Meinung war und noch ist, daß es den Leuten an der rechten Ueberlegung gefehlt hätte, wie weit der Gebrauch der Schußwaffe erlaubte Notwehr war und wo die Ueberschreitung der Notwehr ansing. Die Waffen sind dann auch nicht zur Ausgabe an die Arbeiter gelangt. Der Zeuge gibt weiter an: Da wir nun die Arbeitswilligen schützten, so richtete sich die Wut der Menge gegen uns. Das ist ja menschlich nur verständlich, und ich befahl deshalb, mit größter Ruhe und Milde vorzugehen. Es wurde aber von den Arbeitern der Fabriken ein wahrer Hagel von Steinen auf die Schutzleute geworfen, und ich sah mich nun gezwungen, die Schutzleute mit blanker Waffe Vorgehen zu lassen. Damit wurde aber nichts ausgerichtet, denn sobald wir gegen die Menge vergingen, verschwand diese hinter den Türen und war nicht zy erreichen. Gingen die Schutzleute wieder zurück, so öffneten sich die Türen wieder und die Menge drang wieder vor und bombardierte wieder mit Steinen.
Die Weiterverhandlung wurde auf morgen vertagt.
Im Strafkammerprozeß wird morgen nachmittag 2 Uhr das Urteil verkündet werden, nachdem heute die Plädoyers beenoet worden sind.
Liehen ünmerhunqi
Es wirb hierbur «bracht-
1. Unsere Gericht btr Sonn^ un
12 Uhr, sür i 2 Als AmtSiag ' unb zwar vo nachmittags
3. Für MUNvbi von vormitta 2-6 Uhr (ei
Ausrerimlb der o «ausgenommen —n
Hungen, 81. T
Angekl.: Er hat zweimal hamü gestossen, aber niemanden getroffen, denn es war niemand auf der Straße.
N.-A. Heinemann: Ist der Angeklagte etwa zu dem ihm zur Last gelegten Schimpfen gereizt worden? Angekl.: Ein Kind von 11 Jahren war von Schutzleuten mit dem Läbcl über die Stirn geschlagen worden und darüber war ich empört.
Der folgende Angeklagte Arbeiter Albrecht, ebenfalls 90 Jahre alt, wohnte in der Waldstraße und hat am 27. September abends mit Minor und Scharfenberg mehrere Restaurants besucht. Gegen 10 Uhr trafen sie mit Rode zusammen. Der Angeklagte gibt zu, mit einem Stein nach einer Laterne geworfen zu haben. Er habe aber nicht getroffen. Die Laterne habe dann Rode entzwei geworfen.
Der Angeklagte Albrecht behauptet weiter, daß mehrere Kriminalbeainte Minor und Scharfenberg in den Hausflur zurück- geschlagen hätten. Vors.: War denn eine Menschenmenge da, als geschossen wurde und als Sie mit dem Steine warfen? Angekl. : Nein, die Straße war ganz leer.
Der Angeklagte Marquardt ist am 1. Januar 1911 erst 18 Jahre alt geworden, er gehörte also zurzeit der Straftat noch zu den Jugendlichen. Auf Beiragen gibt er zu, daß er mit den beiden Angeklagten gegen 11 Uhr zusammengekommen sei. Rode habe ihm dabei erzählt, daß er die Laterne vor -em Hause Waldstraße 44 eingeworsen habe. Scharfenberg gab ihm darauf einen Stein und er warf damit eine andere Laterne entzwei.
Der Angeklagte Scharfenberg wohnt in der W fldstraße und traf am 27. September mit den anderen Angeklagten zusammen. Er bestreitet entschieden mit Steinen geworfen zu hab.n, er habe nicht einmal einen Stein in der Hand gehabt und auch Marquardt keinen Stein zugesteckt. Ter Angeklagte hat Menschenansammlungen beobachtet, die von einer Schutzmannskette vorwärts getrieben wurde. Die Schutzleute schlugen alles mit S-beln nieder, auch Frauen und Kinder. Darauf wurde aus der Menge em Stein auf die Schutzleute geworfen. R.-A. Rosens eldz Haben die Frauen und Kinder Widerstand geleistet? Angekl.: Nein. Wer eben nicht schnell genug fortfam, bekam etwas mit
hi s hwerer heisser Herzensangst laffen 1fornfnme Mütter ihre Kinder bei hartem Frost unb CS I o QVSvh X»I.. ... Q-llf bCH Weg Aur
das böse Wetter den zarten, enivfiiidlichen □ Geichopien auch nicht schaden? Nun, wenn man die ®eiabr einer (rrfaltunn nach Möglichkeit ausschallen und vorhandene Reizungen sofort betämpfen will, dann aeroobne man mb baran den Kindern stets ein paar M"« Sodener Mmeral-Pamllen «Fays ächte» mit aus den V nicht teuer und nützt den Kindern
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