161. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 108
Gffcheinl täglich mtt Ausnahme deS Sonntags.
Die „Gießener ZamlNenblätter" werden dem „Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, da- „Krebblatt für de» Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftllchen Leitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
sondern indem wir ihm eine bescheidene Geltung belassen, die uns der Brüderschaft auf Wald und Flur bewußt labt. Es sind hier im Meinen ähnliche Fragen, wie im Gröberen bei dem Begradigen und Nivellieren auch ohne Not zum Beispiel wo, wie vielerorts, das Belassen oder Aufheben der natürlichen Fluß- ufer in einer Stadt in Rede stehl. 3it doch Kultur erst die innerliche Vereinigung von Zivilisation und Leben.
ganz unbefangen, was es denn gebe. Als man ihn unterrichtete, grft'f er nach seiner Uhr und seinen Ringen — auch das war fort. Im selben Augenblick hörte man aus dem Flusse ein Geschrei: ,Ä>üfe, Hilfe, rettet mftb, ich ertrinkeTer Schrecken war allgemein. Eomle selber und ein Schiffer cm lebig len sich der Kleider und sprangen ins Wasser, um den Gefährdeten zu retten, der immer wieder Hilseruw ausstieß, bald auf der einen, bald auf
Blumentag.
Heuchelheim, 8. Mai. Der gestrige Dlumentag ist in unserer Gemeinde überaus günstig verlausen. Die uns zur Ven'ügung gestellten Blumen usw. waren in kurzer Zeit verkauft. Bei dem Konzert im Garten „Zum Schwanen" sorgten die Gesangvereine Germania, Liederkranz und Teutonia für gute Unterhaltung. Ihre schönen Darbietungen wurden mit reichem Beifall ausgenommen.
— Steinbach, 8. Mai. Unter lebhaster Teilnahme der ganzen Gemeiitd-- fand hier geifern die Feier des bdiifdfcn Blumen- lagcs statt. Zwanzig Mädchen in rotem Rock und schwarzem Mieder boten auf der Siraßc und in den Häusern Maßliebchen zum Kaufe an und fanden bei den Steftibachern willige 'Abnehmer,
Dienstag, 0. Mai 1911
Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen Universität« - Buch- und Sleindruckerei.
R. Lange. Ließen.
der anderen Softe des Schiffes. Es war jedoch alles vergeblich. Und rasch gelangte die ganze Gesellschaft zu der Ueberzeugung- der Ertrunkene müsse der Dieb sein, der an das Ufer hatte schwimmen wollen, um seine Beute in Sicherheit zu bringen, und den nun GoN sozusagen auf frischer Tat gestraft habe. Nur der Polizeikommissär, der auf dem Schiffe war, meinte noch einigem Ucb erleg en, das fei doch unmöglich, daß ein einziger Mensch alle diese Diebstähle in der kurzen Zeit sollte ausgesührt haben ohne Helfershelfer. Sv forderte er die Gesellschaft kraft seines Amtes aus, iamllick thrc Taschen zu leeren und umzukehren. Natürlich fand sich nichts. Dann meinte der Ztonrmissar, seiner eigenen Ehre lei er es schuldig, auch seine Taschen zu wenden, und siche da: aus den Taschen des Herrn Poli^ikommifsärs fielen alle die Dinge heraus, die von den Mitreisenden vermißt wurden. Nun trat Eomle mit schelmischer Büßfertigkeit vor die Leute und erklärte ihnen den Zusammenlxing. Die Mitreisenden sollen am Schlüsse sehr ergötzt gewesen fern über diese toftenlose Vorstellung in der Kunst der Tafchensvielerei und des Bauchredcus, und für den nötigen Umerhaltungsstoff auf der Weiterfahrt war gründlich gesorgt.
— Ein vernichtendes Urteil. Von einem Dozenten, der es sich nicht verdrießen ließ, das Urteil seines Auditoriums, von den Bänken des H ö r s a a l s abzulesen, erzählt der „Frkf. Ztg." ein Leser in Lothringen. Es handelt sich um keinen (geringeren als Heinrich v. Treitschke. „Mit dem ihm eigenen, schalkhaften Lächeln," so schreibt der Einsender, „erzählte uns der große Äistorifer einmal, daß er in einem Kolleg zu Beginn seiner TozeMenzeit — ich glaube, es war in Leipzig - nur einen Zuhörer hatte, der aber zu seinem Tröste regelmäßig erschien und auf der vordersten Bank Platz nahm. Ob- schon er infolgedessen über diesen Hörer vom hohen Katheder bin- wegsah und gewissermaßen vor leerem Saal dozierte, sei es ihm doch gelegentlich vorgekommen, als ob der Getreue sich während des Vortrags an der Bant zu schassen machte Um sich Gewiß heft zu verscdaften, sei er dann einmal nach Schluß der Vorlciung in den 'Saal zurückgegana n und hab? sich dort überzeugen müssen, daß der Kommftuone, aus dessen Gefolgschaft er so stolz gewesen war, in die Bank nach offenbar mühevoller Arbeit den Svruch eingeschnitzt hatte: „£ , wenn ich doch ein Vöglein wär- und Flügel hätte."
ich einige hundert Liter Milch zu liefern, die ick mir zwei Tionaie lang anderswo zum vollen Preise verschaften mußte, wenn ich > meine Kundschaft nickt.verlieren wollte.
Und nun zur B e h a n d l u n g der M a u 1 - und Klauen senche. 'Es ist falsch, alle Tiere anzustecken, indem man den । Geiser eines erkrankten Tieres auf das gesunde Tier überträgt und so sämtliche Tiere krank macht. ~
Bei angemessener Behandlung und großer »orgialt ist es möglich, daß ui einem verseuchten Stall 30—40 o des Bestandes nicht erkranken, also keinen -schaden nehmen.
Bei solcher Behandlung wird die Maul und Klauemencke niemals bösartig verlaufen, cs werden keine Tiere eingehen und die Tiere durchseuchen rascher und ohne erheblichen Schaden zu nehmen, d. h ohne im Ernährungszustände wesentlich abzunehmcn
Beim Ausbruch der Seuche lasse ick sofort den Stall peinlich sauber machen Tic. Krippen werden mit ^lar- bolroafier abaewaschen, auch das Pflaster und die Raufen. Dazu gehören beste Hilfskräfte, der Schweizer allein kann das nicht machen.
Nun wird eine reinliche, tunlichst staubfreie «treu hergestelll, die mindestens 20—25 Zentimeter dick ist. Auf die>er Streu stehen die Tiere trocken und die Füße leiden Nickt durch das Harle Pflaster. Nun beginnt sofort die Behandlung aller Tiere, der gesunden und kranken, von dem ersten bis zum letzten.
Ich verschaffe mir ein Dutzend Flaschen rohe Karbolsäure, verdünne dieselbe nach und nach mit kaltem Brunnenwasser so sehr, daß die Mischung auf meiner Hand, ivenn ^ch sie eintauche,
-. hervorrn'i. In diese Flüssig!
ick einen großen Sckwamm, der vielleicht 1 _> Liter Flüssigkeit saßt und spüle durch Ausdrücken des Schioanunes die erkrankten Stellen ab. In den ersten Tagen hatte das seine Schtvierigkeiten, hie Tiere widerstrebten, besonders war es anfangs schwer, die Hinterfüße auszuheben. Aber schon nach wenigen Tagen schienen die Tiere zu merken, daß man ihnen wohl wollte. Die kühle Fllrssigleit milbcric oifenbar die Schmerzen der brennenden Wunden. Nack drei Tagen ivaren übrigens durch die täglich drei- maligeu 2lusspülungen der Klauen spalt en diese und die ganze Umgebung der,eiben so sauber, daß jede Veränderung der Wunden zum Guten oder zum Schlechten deutlich wahrnehmbar war.
Man hüte sich nur, mit dem Schivamm zu wischen, die Wunden dürfen nur sauber abgespült werden. Durch das Abwischen, auch mit dem weichsten Sckwanuu, würde man die Wunden nur reizen, neue Wunden ,(baffen und den Zustand verschlimmern.
Alles etma beidjmuvte Stroh muß alsbald durch sauberes Stroh ersetzt werden. Die durch die Kranlheit erzeugten Wunden dürfen nickt int geringften verschmutzen. Der Besitzer muß den Sd.roautm selbst fuhren, kein Verwalter oder Schweizer oder Tag- löhner kann ihn dabei ersetzen. ^Obgleich ich die kranken und die gesunden Tiere mit demselben Schwamm behandelte, erkrankten die von Anfang an geiunben Tiere zum großen Teil nicht und darin liegt hauptsächlich der Vorteil einer so peinlich sauberen Behandlung aller Tiere. Fck hatte nicht_baraii gedacht, daß ich durch diese Behandlung einen erheblichen Teil der Tiere vor der Seuche schütze, sonst wurde ich wohl nicht bei allen Tieren denselben Sckwamm benutzt haben.
Nun erkrankt aber nicht allein der Klauenspalt, sondern auch die Schleimhaut der Mundhöhle und besonders aum dm Zunge. Ich bin morgens früh in den Stall gekommen, während die Tiere noch widcrlaiitcn. Dann floß den erkrankten Tieren der Geifer in dicken weißen Schaumflocken vom Maul. Diese Tiere nehme ick zuerst vor. Das Maul darf nickt ausgewifchl nxröcn nm dem Schwamm, so würde man ganze Fetzen von Halft, besonders von der Zunge ablösen. Auch hier wird das Maul des Tieres nur gründlich ausgespült, das Tier bewegt dabei die Zunge lebhaft und hilft die Karbollösung in alle Winkel der Maulhöhle zu, bringen. Bei dieser Behandlung gingen die Kranlheftserscheinungen in der Mundhöhle sehr raich zurück, die Tiere verschmähten die Aufnahme von Futter nicht mehr und gingen daher in ihrem Ernährungszustände nicht sehr zurück.
Aufgelöste £cinüid)cn, die eine schleimige Flüssigkeit bilden, weiches, auseinandergezupftes Grummet, sind in der schwersten Krankheftsperiode dic geeigneten Aut'.emnttcl. '?lud) Getränke von gelochten uiib zerdrückten Kartoffeln, die auch ab'ührend wirken, sind angebracht. Peinlichste Sauberkeit im Stalle und auf den Wundflächen, sind nut größtem Fleiß aufrecht zu erhalten.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Sckuk- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:«^ 112. Tel..Adr^AnzeigcrDießen.
Die Behandlung der an Mau! unb Klauenseuche ertränkten Tiere.
Von einem alten angesehenen Landwirt wird uns geschrieben:
Man liest tagtäglich über den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche, über die immer weitergehende Verbreitung der Seuche, über das Verbot von Vichmärktcn, über andere unlieb* die Ausbreitung der Scud>? im Gefolge bat. Ein Erlöschen der Seuche scheint noch gar nicht in .Aussicht ju stehen.
Was soll aber der Besitzer erkrankter Tiere tun? Soll er ruhig abwarten, bis die Tiere eines nach dem anderen erkrailken und die Seuche nach Wochen m seinem Staftc erlöscht? Ist ein«
I oci Xievi notwendig, oder soll man die Tut sich überlassen? Darübe» habe ich noch nie etwas gelesen obei Kaiid'lag gaben crialjrcne Landwirte schon imm . und er wurde gutgläubig angenommen: man übertrage die Seuche, wbald m b i inz In n Tieren ausbricht auf alle anderen Tiere in einem Stalle, damit sie gleichmäßig erkranken und auch gleichmäßig gesund werden. Nach Meinen Erfahrungen ist auch das falsch
'.Uocftbcm ich fünfmal in meinen Wirtschaften die Seuche im Stalle gehabt habe und habet ohne Verluste durch Eingehen von Tieren davongekommen bin, du Seuche verhältnismäßig m kurzer Zeit erlosch, glaube ich einige gute Ersahrungen in der Behandlung der Seuche gewonnen zu haben.
Tic Seuche ist sehr leicht zu erkennen. Es ist mir unbegrcislick, wie ältere Landwirte in öffentlichen Versammlungen erklären konnten, sie wären nicht imstande, die Seuche zu er kennen. Wer zur Fütterzeit in seinen Stall gebt, in dem die Seuche eben zum Ausbruch kommt, und seine Tiere ausmerkfam beobachte!, wird rasch die wenigen heraus finden, die bei dem Hin- und ftcrtreten anfänglich leicht lahmen, die gesträubtes Haar, kette Ohren, trockenes Flötzmaul — kurz Fiebererscheinungen zeigen, hie im uorgclegtcn Futter mit dem Maul herumwühlen und jroar fressen möchten, aber nickt dazu kommen. Spukt dic Seuche mi der Gegend, so wird der Beobachter sosort aus den Gedanken fommM . richtete Seuche haben. Hebt
er nun, um das sestzustelleu, dem Ticrc den Vordersuß auf, was in leicht geht und sieht zwischen dic Miauen des Tieres, so mtio er gegebenen Falls am Gruirde des Klauenspaltes eine zähe Flüssigkeit erlernten, die hier entstanden ist durch kleine Bläschen, die zerplatzten uno ihren Inlmtt in den Klauenspalt ergossen. Ist die Kranlheit schon vorgefchritten, so ist der Klauenspalt am Grunde wund, Hautsetzen lösen sich ab. Wer das Bftd einmal gesehen hat, kann und dars cs nicht wieder vergessen, oder man muß ihm Beobachtungsgabe und Aufmerksamkeit absprechen.
Ich komme eines Morgens kurz nach dem Melken zur Fütterzeit m den Stall. Der Schweizer hat schon einmal Futter hereingegeben. Auf den ersten Blick sehe ich drei Mühe, oie mit gesträubtem Haar dastehen, mit dem Mvul im Futter hcrum- üblen, aber teilt Futter ausnehrnen. Ick) ruse dem Schweizer zu, was tiu das mit den drei Mühen hier? Ganz gelassen dreht er sich um und fragt zurück: mit ivelcheii Kühen? Er haue noch gar nichts gesehen. Ich hebe der einen Muh den Fuß nui, sehe m den Klauenspalt, lasse den Fuß wieder los und sage dein Schweizer: wir haben die Maul und Klauenseuche im Stall. Zufällig kommt der Händler hinzu, der die Mühe in seinem Dorfe nach dem Viehmarkte eine Woche lang in feinem Stall gehabt hatte, früher nahm ich die Kühe nicht ab. Aber gerade diese Kühe waren nun erkrankt Ich tonnte nicht wissen, öaü dic Maul und Mlauemeuthc gerade in seinem Torfe bestand, aber von den Bauern und bm Händlern streng geheim gehalten wurde. . tw ,
Ter Händler suchte mir auszureden, bau bas bic Maul- unb Klauenseuche sei. Ich hörte ihn zwar nicht an, zog mich um und zeigte den Ausbruch der Seuche an der zuständigen Stelle an. Ter Händler begleitete mich zur Stabt, untenvcgs ging er in den Rindvichstcill eines fleinen Besitzes ohne Rücksicht haram, baß er eben aus einem verseuchten Stall kam. Ich erwähne bas, um barzulun, wie gewissenlos bic Händler damals wenigstens noch waren. Dieser Händler erhielt 6 Tage Gesang- lies, da ich ihn bei den späteren Verhandlungen nicht schonte. — Ick wußte, was sür mich aus dem Spiel fianh. Täglich hatte
Dom ungcnchmigtcn Grün.
Wohnst du in einer sauberen Gemeinde, Leser, und zwar in Norddcutscklaiid ober etwa gar in Sachsen, so wirst bu erleben, daß in gemessenen Zeiträumen Berufen, ausziehcn, um aui alles Grün zu fahnden, das in dcn Straßen ohne Genehmigung wächst. Tun sie das, wo es wirklich stört, mitten aus den Fuuwegen zum Beispiel, so haft bu nichts dagegen. Aber — so lesen wir in der Moiiatsswnst „Blätter iür oie Volisgeiundheftspstcge" (Ge- mcinverständlickc Zeitschrift. Deutscher Verlag für Volkswohl- das । i s rnc vvn ihnen, i «auf beschvänkben!
eingenommen: Du baufeft in einer irillen Vororlstraße, unö du freuteft dich nun darüber, wie zwischen den Grundsteinen der Garteugeländer Gras und Glockenblumen sprießen, ganz dicht am Gitter, ivo fein Fuß je hintritt, freust dich, wie zwischen den gestrichenen Latten her Eien aus den Gärten hervor guckt und auch ans der Straßenseite zierlich am Zaune entlang fingert, freust dich, wie dein Birnbaum droben über den Zaun büiülxr-jadt. Wie vermittelt sieht nun das Getrennte, wie malcrijd) nun das Nüchterne aus! Leichtfertiger Leser, du denkst iridit an Piepenbrinks. Piepenbrinks sitzen im Gemeinderate, und einer von ihrer Familie ist Ortsgärtwr. Heute kommt ein Mann mit der Harke und jätet mit Gewissenhafter Gediegenheit jedes Hälmchen aus, das zu grünen wagt, wo es dock gar nicht erlaubt ist. Morgen kommt der Fachmann mit der Schere und schneidet alle Triebe ab, bic durch den Gartcnzami hcrausgrünen. Unb übermorgen erhäftt bu einen Brief mit dem gemessenen Ersuckwn, bic Zweige beincs Birnbäume^, dic etwa zwei Meter über dem Boden, den Zaun, übergucken, cibzusckncidcn, bicmctl sic damit Luftraum beanspruchen, der ihnen gar nicht gehört.
'£.'0^ Piepenbrinks unter „Reinlichkeit verstehen, bekämpft nickt" den S ch m u tz , sondern das Leben Alles grüne Leben, bas Piepenbrinks nickt gepftanzt haben, nennen sie „11 ntraut", während man doch mit Vernunft ilnfraut nur nennen könnte, was gepflanztes Leben st ö r t Piepenbriift hat kein höheres Ideal, als daß alles „neu" aussehen soll, ungebraucht, gcidjont, wie die gute Stube, wenn man Sonntagnachmittags, bevor Cbcrfteucr* cinnchmcrs zum Kaffee lonunen, die Bezüge vom <Doia zieht, Unb ebenso „orhcntlidi" muß alles aussehen, nchttger ebcmo auf- geräumt. Im körperlickcii Sinne, versteht lieh, im geifrigen «sinne „aufgeräumt", bas wäre ja wicber was andres.
Wird man nie iintcrfdjciöen zuftsche i Unorbcnllichkeilcn, b:e Folge von Liederlichkeit, und „Unordentlichkeiten",,die Folge von ircunblidiem Leben sind? Die eigene bescheidene Schönheit und auch jenes Vermitteln des Getrennten, jenes Malerischmacken des Nuck- lernen, an das wir eben backten, in ja bnrckaus nid't das einzige, was den Feinerfühligen die kleinen Eigenmächtigkeiten des Grüns crireulid) macht. Wir empfinden sie, ob bewußt ober unbewußt, in unserer llcbcrzivilisation als Zeichen bes Eigeiiwirkens der Natur: sic bilbci immer noch nicht bloß aus untere Besehle und gleichsam an unteren Staketen, sie bietet immer auch von
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oderhefsen
r— 14 000 MarksüreinmodcrnesBuch. AusNeuhork wird bericklet: In der Regel sind es nur bildende Künsller, bic bei ihrenr Lebensabend mft emer Mischung von Stolz und begreif* liier Wehmut mitansehen müssen, wie die Werke, bic sie einst als bedrängte junge Künstler iür cüi paar Mark lossckstugen, später im Munfibanöcl Riesenpreise erzielen, ohne daß bAn Schöpfer her Werke ein Anteil an den materiellen Verdiensten mit seiner Schöpfung gewährt wftd. Die Versteigerung der berühmten Bückersanimlung Hoc in Neu York bringt nun ein Beispiel, wie das Buck eines modernen Dichters eine gewaltige Wertstcigerung erfahren kann. Für ein Exemplar des Jugend Werkes von Wftliam Eullen Brvant, „The Embargo", für das Hoe seinerzeit nur einen unbedeutenden Betrag bezahlt holte, wurde von einem Liebhaber die stattliche Summe von 14 000 Mark erlegt. Das Buck war das erste Werk, das Bryant veröffentlichte: er zählte damals 18 Iohre. Für ein Exemplar der Mllmamock-Ausgabc der Gedichte von Burns legte ein amerikanischer Kunsthändler 23 200 Mark an, und Blakes „Milton", den Hoe seinerzeft für 4800 Mark angekauft hatte, fand auf der Versteigerung einen Liebhaber, bet 36 000 Mark bezahlte. Für die erste französische Ausgabe des Boccaccio halte der verstorbene amerftanischc Bibliophile 13600 Mark bezahlt: bei der Versteigerung ging es nun für 28 000 Mark in neuen Besitz über.
— Ein Stückchen vom alten Comte. Der französische Physiker Eomte, der zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts lebte, war ein geschickter Tufchensoicler unb Bauchredner und leistete sich mit diefen Münften manchen gelungenen Scherz, wenn auch vielleicht etwas derberer Natur, als wir es heute angenehm finden würden. Am 15. Juli 1814 schiffte er sich sam: ieiner Familie auf einem Rhoncschiffe in Lyon ein, um nach Ehalons zu reifen. Der Tag war sehr schwül und bas Schiff fckaukeltc angenehm — halb waren alle Mftreifenben, eine zahlreiche unb bunlgemrfchte Gefellsckaft, in Schlaf versunken. Da stibitzte Eomle einigen Offizieren ihre Orden unb Achselstücke, ohne daß sie es mciftcn: einer jungen Tarne eittwendelc er bas an der Halskette hängenbe Bild ilMs Mannes: einer alten Betschwester führte er die Brille I aus und den Rosenkranz, einem Priester das Käppchen unb das Gebetbuch, und so wcftcr, bis alle Mirreifendcn um etwas er- I laichtet ivaren, was sie rasch vermissen mußten. Als die Leute
sich aus etwas. Nicht wie schulmeisterliche Tyrannen, sondern wie, nach unb nach auswachten, trat bc£ Erfolg cm. JKajd) cntftanb Freunde sollten wir dem gegenüberftcfrm, nicht, indem wir der-1 Mißtrauen und Streu unter den (Y.ihrgaitcn, und als so etwas gleichen ohne weiteres drücken unb buckem, wo es nur auftaucht, l wie eine allgemeine Keilerei m Jus licht jtxmb, fragte Eonue . . ■ ___ -tx. ■ v ai ____ t. -< - s.:. I ..... h«un «rill’ 'Illa mim ihn iiiilrmmti-t.’.
Bösartig tritt die Mau! und Klauenfcuckc nur mn, wenn die Tiere Heb selbst ick erlassen bleiben. Durch bic mi schmutzten Wunden entstehen Blutvergiitungcn, Brand Die icrc flcbcn ein, wie das dmnals in vielen Dörfern und Höfen der oall war, durch die Schuld der Besitzer. 1
Mein S d)iv ei liebe ftano wurde and1 von der Scuaic ergriffen. Die im Hose hmimlairicnöcn Ferkel idudncii wohl laniilich aus und liefen auf d- n uadten Klauen, oluic locitcrcii Nachteil. Eure Bcbandliuig der Sckwcine habe ich nicht vorgcnommcn, |ic Iduibtrn ohne jeden Naducil durch die Sauberkcu her Füße unb eine genaue Desinfektion der Füße nmrbc durch das llmbcrlanfcn gewährleistet. ... „ .
Guten Tierarzt habe ick nicht zu Rate gezogen, ^ci Kreis- ricrar.it stellte nur auf Grund meiner Anzeige die <scudK fori und hob die an geordnete Sperre meines Hofes nach dem Er- löidicii der Seuche wieder auf.
Vielleicht erweise ich dem einen ober anderen meiner unerfahrenen >h)llcgai durch diese Mitteilungen einen -tienft. Er bat cs danach in der Hand, sich vor äußerem Lckmden zu bewahren.
Der Hücftritt 6cs Präsidenten Via; von lUcrito.
Mexiko, 8. Mai Präsibcilt T i n erklärte, er beabsichtige zurückzutrelen, sobald der Friede wiederher- gestellt sei. ......
Die Veröffentlichung dieses Entschlusses erfolgte tu Extrablättern am Sonntag abend und erregte überall Jubel. Tiaz kündigte die Entscheidung in einer Versammlung des Kabinetts an und behält sich das Recht vor, nach seinem Urteil zu entscheiden, wann der Friede tatfadjlid) wicbcr- hergestellt ist. Dies tverbe der Fall sein, wenn er die gewisse llcberzeugung l)abc, daß seinem ?Küdtritt nidjt die Anarchie folgen werbe. Er wendet sich an die Vaterlandsliebe der Bevölkerimg und fordert sie auf, für den Frieden und den Fortsdfrilt der Nation in Einigkeit zu handeln.
Madero befand sich bereits auf dem Vormarsch nach Süden gegen bic Haitptslabt, als die 'Hadjridjt von Diaz Ankündigung eintraf. Madero erklärte, er werbe an Diaz ein Telegramm senden, in dem er ihn zu bem Akt bödutcr . Selbstaufopferung und höchster Vaterlandsliebe hcrunci • wünsche. Madero küirdigle weiter an, er werde in einen neuen Waffenstillstand willigen, um bic Friedensverhandlungen wieder aufzunehinen. Irn Lager werden Festlichkeiten veranstaltet, da die Ankündigung tatfädriidi dic Aii- nalimc des kürzlichen Ulnrnaturns Maderos bcbcutcl.
El P asc, 8.'Mai. Trotz des Waffcnstillstandes und der Ankündigung Maderos, daß er die Friedcusverhand- lutißcn wieder aus nehme, dauert das Gefecht fort. Ein Boote Maderos mit dec Parlamenterrslaggc wurde vom Pferde gcsd)ofsen. Die Rebellen führen schwere Geschütze aus. Mehrere Häuser im Wohnviertel wurden von 0c- schossen getroffen Ma d e r o S lln ter f c l ö I)c r r c n sind anscheinend ungehaltcii über feinen Entschluß, Iuarez indjt anzngreifen.
Einer späteren Meldung znsolge schlosseii Madero und der Kommandantvon I n a r e z einen Waffensttll- ftaiti) ab.


