Zweites Blatt
161 Zahrgang
Nr. 288
Gießener Anzeiger
Erscheint tüflUd) mü Ausnahme bei Sonntag!.
Eeneral-Anzeiger für Oberhejsen
t« „fleBenei LamIttendlStter" roerben btm „tirnetaer* otennal roödjeniltd) betgelegt, bat „Kretiblati für bei Kreis Dietzen" »wennal wöchentlich. Tie ..tandwirklchasllichrv Lett« fragen" erlchemen monatlich »roeunaL
Donnerstag, 7. Dezember 19U
RotanonSdruck und Serlag der Vrüdl'fchea UntDtrfuäü - Buch- und Siembnufcret R. Lange. Gießen.
flebaftion, Ervkdition und Druckerei: Schulstraße 7. Exped.non und Verlag: 5L
Redaktton:lel.-'.'lbrj'.’bueiger^ieben.
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<x. Henne berg, Zürich*
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der Welt, und zu wissen, roa» der andere »ul, heißt schon daS
höchste Temperatur am 5.
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pnederichlaq: 2,9 mm.
London, 6. Tez. Tie „Morning Post' meldet au! Schanghai: Die Delegierte «Versammlung von 14 Provinzen hat iur die vorläufige Mili - lärregierung mit Nanking als yaupiftabt entschieden, Huaugsl.in zu in (Scncralijimud und Llimanghang zum .weiten Befehlshaber zu bestimmen. Lutz dem S'jnp.qinir- .ier in Wutjchang wird gemeldet, daß die Revoluno- nare von Zkiukiang, die im Vormarsch begriffen sind, um Die Bahnlinie Pe.uig-Lanlau zu unterbrechen, 12 Meilen von der Bahnlinie entfernt, den Punkt erreichten.
Mut und nationalen C p i e r i i n n großgewordener: Nation spricht au8 der Äaniicrrcbe, icneS Se.bndcmußtscin, daS, der eigenen Kraft vertrauend, den Frieden wtll, aber auch (einen Feind für
zu bewahren, so ist es siwcr diese bauliche, ruhige Uncr chüuerlichkeit. Die nichts verbirgt, aus den Rechtsan,prücycn fein Hehl macht, lid) gegen die ök-gner des Friedens aber sd'!agber.-il zeigt.
Lin pcrji|d)es Ultimatum an Rutzland.
London, 6. Tez. -t ic „Morning Poft' meldet ans Teheran: Persien habe gestern an Rußland ein Ultimatum gerichtet, in dem verlangt werde, daß die russischen Truppen nicht über naswin vorrnckcn füllen, und daß |ich Rußland verpflichte, etiva weiter gc- planic Te.achierungen von Truppen rückgängig zu machen. Wenn diese Foroerungen nicht innerhalb 30 Stund en bewilligt werden würden, werde Persien die Offen- ,ive ergreifen. Tie Bachtiaren unlerftitye» die Regierung.
halbe Spiel gewonnen haben.
Tie Pariser Preße.
P a r i s, 6. Tcz. Vorläufig erörtern nur wenige Blätter die Rede des Reichskanzlers. Ter „Gaulois" schreibt:
Tas Hauptinteresse der Rede liegt in dem Schlui.iatz, der deutlich zeigt, daß man in Berlin von Seiten Englands ein Entgegenkommen erwartet, bad nicht erfolgt ist, und daß Teutsch- land deshalb in einer -uwartenden von Mißtrauen erfüllten Haltung bleibt. Tie an die Adressen Englands gerichtete Mahnung und der Appell an die Vater- lanbdliebc und die Gemcinbürgickunen res deutschen Volles in allen großen nationalen Fragen beweist, daß die deutsche Regierung ihre politische Richtung, die die freie Entwickelung der tolonialm und handelspolitischen Ausdehnung Teutschiands sichern will, nicht ausgeben werde. Wir Franzosen sehen barm kine Un- zukömmlichkeit unter der Bedingung allerdings, daß die neulichen nicht gleichzeitig eine Hegemonie über Frankreich anstreben, wie sie es unter dem Vorwande versucht haben, ihre wirtschanlicheu Rechte in Marokko zu verbürgen. Wenn Teutichland in gutem Einvernehmen mit Frankreich bleiben will, dann muß es in feinen Beziehungen zu uns dieselbe Redlichkeit und Offenheit wie wir betätigen.
Lesterrcichische Stimmen.
Wten, 6. Tez. Fast alle Biatter besprechen die Rede des Reichskanzlers, wobei sie Vergleiche nut der Rede Etr Edward Grcvs anstellen. Tie Worte des Reichskanzlers finden lebhafte Zustimmung Tie „Neue Fr. Presse"
Tie Rede war selbstbewußt aus dem Vollgefühl eines 2>am- sters, der ein großes Reich vertritt, aber nicht anmaßend und nicht verletzend, sondern nur streng und gegenständlich, vcrr von Beih- mann-Hollweg hat nut nachdrücklich.,: Betonung dem Reichstag, vor den Wahlen gesagt, die deutsche Regierung wolle au mein ,g den Frieden und die Freundschaft mit England. xaS lei nickt nuv ein persönliches, sondern ein nationales Glaubensbekenntnis.
Das „Neue Wiener £ a g b 1 a 11" führt aus:
S)err v. Bethmaim-Hollweg maigte in seinen^ gestrigen programmatischen Ausführungen einen bedeutsamen ^djntt aur dem Wege „durch Mißverständnis zum EinverstMidnis". a.as deutsch e Reich ist wohl gerüstet, aufwärts und vorwärts zu schreiten. Wir in Oesterreich-Ungarn wünschen ihm als r r euc ite n Verbündeten alles Glück auf dem Rtarsch. Tas deutsche Reich ist aber nicht aggressiv. Es läßt seine Interessen nicht berühren, berührt aber auch nicht andere m feindseliger Art. Damit ist das Terrain gegeben, aus dem die FrlLdens'r^nde die Besserung der üeutsch-engiiichcn Beziehungen mit größerer Be- stimmtheit als bisher erhonen dürfen.
Tie „Reichspost" jagt:
Wenn es iwu) eine» Leacages zur Erkenntnis bedurste, day die Gefahr riesengroß war, die über dem Frieden wie ein Geist her Finsternis wahrend des Sommers schwebte — >?err v. Lethmann-HoiLwcg hätte damit nicht gespart. Trotzdem verrät die Rede nichts von Unruhe, Nervosität oder Zagheil, -tad große, edle Selbstbewußtsein einer burd) Arbeit,
Märkte.
fc. Frankfurt a. M. Cckweinemarktberich t vom 6. TeZ Aufgetrieben waren 1506 Schweine. Bollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 47.50—50.00 l’tt, Schlachtgewicht 61.00 - 63.00 Mk., üoUfleifd)ige Schiveine unter 80 Kg Lebcndgewidn 47.00-49.00 Alk., Schlachtgewicht 58- 60.00 SDit.; voltfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 48.00—60.00. All., Schlachtgewicht 60—62.00 Alk. -. voll fleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 49.0*1—49.50 'DIL, Schlachtgeivicht 01,00—02 Alk. Eeschast mittelmäßig, bleibt Ueberstand.
Limburg n. d. Lahu, 6. Dez. ,?rud.) 1 niarft. Durchschnittspreis pro Malter. Roter Weizen Oiassaulscher) 17,00 Mk., weißer Weizen (angebaute uremblorte) 16,50 Horn 13,50 'l-L, Berste: cuttergerfte 00,00 Alk., Braugerste 13,50 Ack., Haler 3)if. k,90, Qrbjen Alk. 0,00, Kartoffeln 7.60—8, 0 All.
Die Rede der Reichskanzlers.
Tie Rede des £crrn v. Beft.mann-HoUwcg vom lepten TienStag, in der er Versäumtes nachholie und gegenüber den englischen Minislererklarungen nochmals heroorhob, daß Deutschland nickst gewillt sei, auS dem Welttyeater sic.) verdrängen zu lafien, hak auä) im Äuolanoe Eindruck gemacht. Sogar die Engländer, denen der Kanzler doch manch kräftiges Worthen ins Stammbuu) schri.o, scheinen endlich den Spott zu verlernen, denn ihre Presse nimmt die Rede ruhig und achtungsvoll aus:
Englische Presfestimmen.
London, 6. Dez. Fast die gesamte Presse behandelt die gestrige Rede des deut.chen Reichskanz ers v. Beth- mann-Hollweg. „Taily Chronicle" betont, daß die Rede so wenig polemisch war, als die Umftdnbe es erlaubten. Tiefes Beispiel verdiene auch in der Presse beider Länder befolgt zu werden. Nichts werde gewonnen durch eine kritische Analyse der verichiedenen Berichte oder Auslegungen derselben Tatsachen, die Grey und Bekhmann gegeben bält.n. Es sei nützlicher, von der Versicherung deS Reichskanzlers Itcnittnü ui nehmen, daß nichts herausforderndes in der deutschen Politik liege und von (einem Wunsch nach guten Beziehungen zu England. England hätte diesen Wunsch ebenfalls, und seine Verwirklichung sollte aus der Grundlage gegenseitiger Achtung möglich fein.
Bezugnehmend au, oie genüge t.ube des Staatssekretärs Sir Edward Greß fährt das Blatt fort:
Man könnte nicht erwarten, daß die jüngste Tepression beS politischen Barometers in einem Augenblick vcrschw.nde. Es sei ein großer Segen, daß eine sriedliche Lösung der Krisis ge- sundcn worden fei. Es sei kein Grund vorhanden, die Polemik jortzusetzen. — Man solle cs der Zeit überlassen, ihr heilendes Werk au tun.
z „Standar d" sagt zu der Rede des deutschen Reichskanzlers nach einem scyarfen von seinem Parteistandpunkt diktierten Angrifs auf Lloyd George und seine Rede:
Ter Ausspruch des Reichskanzlers, daß Teutichland nicht übcrgangeii werden dürfe, werde in England nicht bekrittelt, wo vielmehr der aufrichtige Wunsch nach Herbeiführung beferer Beziehungen zwischen Berlin und London bestehe. xaS Blatt erklärt lief) nicht einverstanden mit dem Reichskanzler da, wo er den Vertrag von 1904 als bie ursprüngliche Ur- i a d) e beS Maroklostreites bezeichne. Eine solche Kritik des deutsck)en Staatsmannes werde die Entente cordiale nur befestigen. Aber sonreit eS mit den Verpflichtungen der Freundschast zu Frankreich und Rußland vereinbar sei, bestehe hier der auf- rickMge Wunsch, Teutschland die Hand der Freundschaft zu reichen.
„Daily News" meint:
Im diplomatischen Verhalten beider Länder sind Fehler v o r g e f o m m e n. Argwohn und Fragen des Ehrenstandpunktes I.aben anscheinend viel dazu beigetragen, ein gesährliches Mißverständnis An erzeugen Vertrauen und Offenheit jedoch hätten i.den Augenblick die Wollen zerstreuen können. Tie Zukunft kann frei von Spannung und Rivalität fein, wenn die Staatsmänner der beiden Länder sich nicht von Reibungen,
sondern von den Interessen ihrer Staaten leiten lassen. Wenn der Reichskanzler fordere, daß England seiner freundschastlichen Gesinnung in der Presse Ausdruck geben solle, so muise derselbe Grundsatz auf die deutsche Politik "Anwendung iinben. Es solle nickst darüber gestritten werden, an wem eS sei, den ersten Schritt zu tun.
„Morning Leader" sagt:
Deutschlands wirlliche Beschwerden waren, daß eS im Vertrage von 1904 ignoriert wurde. Tie verständigen Leute in England erkennen an, daß die rücksichtslose Entsendung des ~ ' dem sehr realen Gefühl gerechter Erbitte
rung. Wir sind tue beiden praktischsten Nationen
2lit» Hessen.
Tie Prüfung oer Landtag.walsterglbnisfe.
rb. Tarmstadl, 5. Tcz. lieber die Gültigkeit ) er Wahlen zur Zweiten Stände.ainnicr hat sowohl nach den Bcstiininuugcn der i)e)jijchen Veriassungsur.undc, nne nach dem neuen Wahlgesetz (Art. ö8) ausschließlich die stamm er selber zu cnt,cheiden. Ter dritte Ausschuß der .iammer hat sich alsbald n.ich seiner Lkonstituterung vor- äujig ausschließlich mit der Prüfung aller Neuwahlen zu bescha,Ligen und dura) feine Berichterstatter die Gültigkeit oder UiigüUigEcil der belr. Wai)l zu beantragen. In )en Fällen, in denen die Gulttg.eit e.iur Wahl nicht ange- ochten wird, nimmt der Ausschuß in der R.gel nur Kenntnis von dem Wahlprotowll und stellt dann den Antrag auf Gulttgkeitserklärung, dem das Kammerplenum zuzu- timmen hat Liegt jedoch ein Wahlprotest vor, so wird der Ausschußberichterstaller mit d?r Berichtersicutung beauftragt und je nach Lage der Sache vom Ausschuß ent- chieden, ob die vorgebrachten Veichwerocn ein weiteres Eingehen daraus eriorder.ich erscheinen lassen oder niajt Ist das der frail, so hat auf Eriuchen der Kammer das Staatsministerium die nötigen Ermittelungen und Beweise vorzunehm.n und alle staatlichen und kommunalen Behörden sind al.-saun verpflichtet, dem Ersuchen der mit en Erhebungen beauftragten Verwaltungsbehörde um Aus- kunst oder um Rechtshilfe zu entsprechen.
Ta es in früheren Jahren tat.ächtich vorgekommen ist, >aß in den Wählerlisten luirichtiglccken absichtlich hineingebracht wurden oder solche trotz ihrer (Sricnnuiig deren Beseitigung von den Interessen.cn nicht veranlaßt wurde, um gegebenenfalls einen Anlaß zur Protesteinlegung zu erhalten, jo hat, wie schon früher erwähnt, die Ztvcite Kammer in den Art. 53 des neuen Wahlgesetzes ausdrück- ich die Bcstimmuug eingefügt, daß Wcustbeanstanbungcn nicht berück,ichtigt werden sollen, die sich aus unrichtig abgeschlossene Wählerlisten jiutzcn, sosern nicht bei deren Aufstellung oder Führung strafbare Handlungen begangen worden sind.
Ta zurzeit noch keine konstituierte Kammer vorhanden ist, so ist auch bisher beim Bureau der Kammer noch keiner der anläßlich der jüngsten Landtagswahlen angekündigken Wahlproteste cingcgangen. Es sei hierbei aber auf einen Widerspruch an der Gcfetzge bung hingewiesen. Während nach Art. 58 des neuen Wahlgefettes nur bestimmt wird: Anfechtungen einer Wahl find bei oer Zweiten Kammer anzubringen (also eine bestimmte Frist dafür nicht festgesetzt wird), bestimmt Art. 7 der laut)* ständischen Geschäitsorduung, daß Wahlanfechtungen und Einsprachen, welche später crls 14 Tage nach Eröffnung der Kammer stutlfinden, unberücksichtigl bleiben, sofern die Kammer dann bereits über die Gültigkeit der Wahl entschieden hat. — Nach demselben Artikel 7 hat der Gewählte olange Sitz und Äimme in der Kammer, bis diese die Ungültigtcitderflärung der Wahl ausgesprochen hat. Nack- Art. 8 dürfen Mitglieder, deren Wahl beanstandet wird, in Beziehung auf ihre Wahl alle ihnen nötig erscheinenden Ausklärungen geben, sich jedoch nicht an der Abstimmung beteiligen, was ja eigentlich auch selbstversländlich ist.
Von den bereits angefünbigten Wahlprotesten dürsten mehrere der sozialdemokraiischen Proteste schon nach der angcsührten Zusatzbestimmung des Art. 58 in Wegfall kommen. Am meisten Interesse darf wohl der Protest beanspruchen, den die sortschrittliche Bolkspartei gegen die Wahlen in Wöllstein und Nierstein gegen Die Wahl der Abgg. Schott und Wolfs-Stadecken aitgctunbiat haben. Völlig aussichtslos erscheint der sozialdemokratische Protest gegen die Wahl des nationalliberalen Fabrikanten Aul er in Densheim.Zwiugcnberg. Hier stützt sich Die Be- schmerDe nach Der Versicherung der „Frkf. Ztg." auf die Behauptung, daß sechs der als gültig anerkannten Stimmzettel Fettflecken gehabt und Heine Einrisse aufge- wiesen hätten. Wie man daraus aber auf die Ungültigkeit schließen will, ist uns unverständlich. Eine Ungültig- leit liegt nach dem Gesetz nur dann vor, wenn der Stimmzettel ein „besonderes Kennzeichen" trägt usw. Tie zufälligen Fettflecken scheinen uns aber kein besonderes, sondern nur ein Kennzeichen dafür zu sein, daß ihr Bc- fitzer die Zettel einige Zeil tn der Tasche mit sich herum- getragen hat. Es wird uns übrigens bestimmt ver.ichert, Daß von den beanftanbeten Zetteln drei auf Auler und drei auf den Gegenkandidaten gelautet hätten, so daß sie also auf keinen Fall Pas 5iintmen= Verhältnis irgendwie beeinflußt haben können.
Oie Revolution in China.
In China hat es Veränderungen gegeben: Ter Regent hat abgedankt.
Tie 9lbban!uug des Regentrp.
Tie Kaiserin-Witwe hat em uDift erlassen, in dem sie erklärt, daß der Regent infolge der Unzufriedenheit und Unruhen im Lande seinen Verzicht gegeben tat Tas Verzicht gibt ferner der Bereiiwilligteil des Thrones AusDrua, dem Wunsch nach einer präsentativen Regierung nachzukommen.
Peking, 6. Tcz. (Reuter.) PrinzTschun legte d i e R c g e n t s ch a f t n i e d e r. Tie bisherigen Großsckre- täte Ksu-Shichang und Shih-Hfu wurden zu Vor- Mündern des Kaisers ernannt. Tie Regentschaft fallt fort Die Regierung geht in Die Hanbe des M t n t st e r p r ä s i - denten über, während die Maiierin-SSüroe und der Ka.ser die Audienzen abi/alten und die zeremoniellen Funktionen ausüben.
H an kau, 6. Tez. Ta die Führer der Kaiserlichen und Aufständischen m Han kau bisher nicht imstande waren, zu einer'endgültigen Einigung zu^kommen, ist der W a s f c n st i l l ft a n d aus weitere drei Tage ausgedehnt worden.
bis 6, Tez. — + 5,3 *J.
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Die Bremer Spione vor Cem Reichsgericht.
~ Leipzig, 7. >T:z.
Zu derselben Zeit, wo au3 England die Kunde lommi, daß dort wieb.r einmal ein beul scher Ciiyicr alS vermänllid)er Lvivn verhaftet worden sei, finbci, unb zwar von heute ab, vor den Bereinigten zweiien und dritten Straficnalcn des R c i ck s g c r i ck t 8 uic Verhandlung ui einem umfangreichen Sp ion a g c pr o z c ß statt, der einen sehr ernsten $?ütieigrunb hat. Tie Anklage richtet lid) gegen den 36 Jahre alten Lchisfshändler Schultz aus Southampton, Den 3o Jahre alten Ingenieur Earl Hipsick aus Twazza bei Triest, beit 31 Jahre alten Ingenieur Bernh. Wolfs aus Holtenau bei Kiel, den 61 Jahre allen Kauimaiiu Ernst v. Maack aus Stiel und die 27 Jahre alle trübere Modistin und jetzige Wirti'diasterin Ida Ecker mann aus Tarmsladk.
Tic Berhajmng der Angcllaglcn erregte seinerzeit großes Ausschau, zumal es sich bei dem Hauvtangcllagten S ci) u l tz um einen sehr wohlhabenden Mann handelte, o.r fid) in Reederlreisen großen Ansehens erfreute und einen umfangreichen Schisjshandel mit Den Hansestädten betrieb. Er ist von beutsd)cn Eltern gc Horen, die vor ungefähr 45 Jahren nach England kamen, ab r Britischer Staatsangehöriger. Tie übrigen Angeklagten find beul- scher Nationalität und wohnicn zuletzt sämtlich in Bremen. Tie llntcri'udjuna in der Angelegenheit wurde von dem aus Leipzig entsandten NeichsgerichtSrat in Bremen, dem HauMpiatze der Ber brechen, äußerst geheim geführt, io daß bisher nur wenige Einzel heilen in die Lestentlichkeil gedrungen sind. So viel bekanut geworden ist, hat Schultz feine Mitangeklagten verleitet, ihm Angaben, die sich auf unsere Flotte beziehen, und im Interesse der Landcsverteidiguna geheim zu halten sind, zu übermitteln. Tas Interesse Des Schultz richtet sich vor allem auf Den Bau und Die Armierung unserer neuen Dreadnoughts. Tuick seine Ver Mittelung soll die cngliiche Wbmtralüat in den Beick widriger schisfshaulicher Zeichnungen unserer neuesten Linienschiffe unb wert voller Angaben über die Konstciiktionsdatcii unserer neuen Kreuzer gelangt sein. Ter Angeklagte Schultz stand offenbar i m Solde des englischen Nachrichtenbureaus, das, wie die letzten Spionagesälle auf deutschem Boden zeigten, eine umfangreiche Tätigkeit an den deutschen Stuften entfaltete.
Ter Angeklagte Schultz mar den Marinebehvrden schon lange verdächtig. Ta man aber nicht Wußte, welche Hintermänner er hatte, so wurde er auf freiem Fuße belassen und sein Verkehr veobachtet. Tadurch gelang eS, die vier Mitangeklagten zu ermitteln und zugleich mit Schultz zu verhaften.
Sämtliche Angettagten Leugnen ihre Schuld, >'o daß ein umfangreicher Indiziciibeweis wird geführt werden müssen, zu defsen Turchiührung eine große Anzahl von Zeugen und marinctfd)niid\J Sachverständige geladen sind. s2Uk Angellagten befinden )id) bereite' seit einigen Wochen im Leip.igcr Untermdiungsgesängnis in dev Moltkestraße. Tas umfangreiche Belastungsmaterial enthalt auchBc iveise Dafür, daß Sdptttz von der britischen Ad in iralitav für seine Spionage amtliche Gelder bezögen habe. Tiq Angellagten Ingenieure Hipsack und Wolf) werden burdj Rechtsanwalt Tr. S ch r a m m (Bremen) verteidigt, den Übrigen Angeklagten stehen Leipziger Anwältt zur 'Seite. Wegen des umfangreichen Anklagematerials sind für die Vcrlmndlung drei Tage in Aussicht genommen. Ten Vorsitz in den vereinigten Senaten fuhrt Senatspraiident Menge. Mn Rücksicht auf die Gefährdung von £antcsinterenen dürfte während der ganun Tauer der Verhandlung die Oeffentlichkeit ausgeschlosfen bleiben.
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