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Nr. 8
SweSes Blatt
tbt. Jahrgang
Erscheint NlgNch mit Aufnahme des Sonntags.
Die „Elehener ZamittenblStler" werden dem „Ameiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Siegen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejsen
Dienstag, 10. Januar M
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersuäls - Blich- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Drllckerei: Schulstraße 7. Expeduion und Verlag: e^oL Redaktion: ^-^112. Tel.-AdruAnze,gerGießen.
Hebet die Ausländer in London bringen die „Evening News" mit Bezug auf die Anarchisten- Schlacht in Stepnel) eine Betrachtung, in welcher die Zahl der in London ansässigen Fremden mit 136 000 angegeben wird. Von dieser Zahl sollen 39 000 der russischen Nationalität angehören, eine Zahl, die die deutsche und italienische Bevölkerung Loudons rusammengenommen übertreffe. Wenn die Polen aus Rußland dazu gerechnet werden, Ären Zahl schätzungsweise 16 000 betrage, so ergebe sich eine Gesamtzahl von russischen Untertanen in der Höhe von 55 000, eine Zol)l, die mit der Gesarntbevölkerung manches Londoner Stadtteils in Wetteifer treten kann. Der größte Teil dieser Russen lebe im (Saftenb.
Tas Jahr 1909 allein, das letzte Jahr, über welches Statistiken erhältlich sind, weise eine Gesamtzahl von Urteilen, die über Ausländer wegen der verschiedensten Vergehen verhängt worden seien, in der stattlichen Zahl von 2617 auf. 26 der Fälle betrafen Verurteilungen bis zu 3 Jahren Zuchthaus, während ein Fall sogar mit Verhängung der Todesstrafe endete. 432 Fälle bezogen sich auf Diebstahl und Hehlerei, 73 Fälle auf Verwundungen und Angriffe, 49 auf Einbrüche, 45 auf Fälschungen, 35 auf unerlaubte Rückkehr nach England, obwohl Ausweisung erfolgt war und einer auf Mord. Die größte Anzahl von Vergehen bezog sich auf die russische, polnische und deutsche Nationalität. Während desselben Jahres wurden nicht weniger als 418 ausländische Verbrecher von den Richtern zur Ausweisung empfohlen. Durchschnittlich wurden 28 Prozent von allen verurteilten Ausländern deportiert. Der Hauptinspektor, unter dessen Kontrolle die Verfügungen, die sich auf das Fremdengesetz vom Jahre 1905 beziehen, zur Ausführung gebracht werden, drückt sich über die Wirksamkeit, des Fremdeugesetzes in nachstehender Weise aus: Trotz der auffallenden Abnahme der Zahl ausländischer Verbrecher in England sei es doch zweifelhaft, vb die Vorkehrungen, die mit der Ausweisung von Verbrechern zu tun, jene Wirksamkeit besitzen, die ihnen ursprünglich zugesprochen wurde. Man müsse eben in Erwägung ziehen, ob es ratsam sei, eine so verhältnismäßig kleine Zahl von verurteilten Verbrechern auszuwcisen. Aber nicht nur ausländische Verbrecher beherberge London in übergroßer Zahl, auch die Zahl ausländischer Armer und — Irrsinniger sei eine ganz beträchtliche. Bei einer jüngsten Inspektion der verschiedenen Irrenanstalten Londons feien nicht weniger als 5 90 Irrsinnige ausländischer Nationalitä tientdeckt worden, die auf Kosten Englands unterhalten wurden. Sofort setzte die Behörde alle Hebel und Mittel in Bewegung, um die ausländischen Geisteskranken deportieren zu können, aber eine ganz lächerlich kleine Zahl wäre ausgewiesen worden.
Im Jahre 1909 seien nicht weniger als 8826 Ausländer aus öffentlichen Armenmitteln unterstützt worden, von denen mehr als 6500 int Castend, nämlich in den verschiedenen Teilen desselben, in Mile End, St. George's East, Stepney und Whitechapel wohnten. Die überwiegende Anzahl dieser Leute rekrutierte sich aus Russen und Polen, 1680 Personen ausländischer Nationalität hielten sich im genannten Jahre in den verschiedenen Armenhäusern des Casten ds auf.
Die Einwanderung nach London sei in steter Zunahme begriffen, was aus nachfolgender Aufstellung zur Genüge hervorgehe: int Jahre 1904 seien in London 41 000 Ausländer gewesen, im Jahre 1905 betrug ihre Zahl bereits 55 000, im Jahre 1906 60 250, int Jahre 1907 95 000, im Jahre 1908 1109/0 und im Jahre 1909 136 000. Bei der nächsten Volkszählung, die int April dieses Jahres statt- finden wird, werde es sich sicherlich Herausstellen, daß die Anzahl der gegenwärtig in London lebenden Fremden zu- miniyft 150 000 betrage.
Derrtschc Kolonien*
— „W i e wandere ich nach den deutschen Kolonien ans?" Von dem unter diesem Titel in dem bekannten Kolonialverlag von Wilhelm Süßerott, Berlin W. 30, er-
Gicszeri^r Konzertverein.
Fünftes Konzert. — Max Reger-Abend.
Gießen, 8. Janüar.
Als ein überaus glücklicher, feiner Gedanke, als die wohl eigenartigste Gabe aus dem reichen Füllhorn der Ehrungen wurde im vorigen Jahre vielfach begrüßt, daß die Universität der Hauptstadt des Deutschen Reichs anläßlich ihrer Jubelfeier außer so vielen Männern der Zunft drei Männern aus dem Reich der Kunst ihre Huldigung durch Verleihung des Ehrendoktorats zu Füßen legte, Hans Thoma, Wilhelm Raabe und Max Reger. Es war die medizinische Fakultät, die sich durch diese Ehrung selber ehrte, und sie begründete den immerhin ungewöhnlichen Vorgang mit der Erwägung, daß nichts so geeignet fei, das Gemüt des Kranken zu erheben, als die wahre Kunst. Sie hätte auch zum Motto den Spruch wählen können: „an deutschem Wesen soll die Welt genesen" und damit zugleich das Individuelle und Gemeinsame gekennzeichnet, das grade diese drei Männer verbindet und ihre gemeinsame Eh.ung bei diesem Anlaß so sympathisch empfinden ließ. Deutsches Wesen, in dem Sinne, wie es kürzlich Ludwig Löser in seinem warmherzigen, wunderschönen Nachruf an Wilhelm Raabe in Westermanns Monatsheften dargelegt hat; als Grundzug die Innerlichkeit des Gemüts, die seelische Tiefe, die sich in zwei Richtungen hinbgibt, in innigem Empfinden und in starkem Willen; Durchsetzen der eignen starken Persönlichkeit, die mit kräftigen, zähen Wurzeln im Heimatsboden verankert und deshalb fähig, die Außenwelt um so tiefer in sich aufzunehmen, ihren eignen, nicht sonderlich glatten und bequemen, aber um jo ausgeprägteren Stil in ihren Schöpfungen gibt, in die man erst einbrinqen muß, um sie dann mit ganz besonderer warmer Herzlichkeit zu lieben. So. steht Thoma vor uns, der Dichter des Torfgeigers, der Maler der deutschen Landschaft; so Wilhelm Ra.ibe, der Dichter der „Chronik der Sperlingsgasse", der „Alte Nester", des „Schüdderump";
schienenen und von Dr. O. Bongard, Bezirksamtmann a. D. verfaßten Ratgeber für Auswanderungsluftige liegt schon die 3. Auflage vor, die gegenüber der letzten noch den Vorzug hat, baß aud) die Erfahrungen der Studienreise des Staatssekretärs Ternburg durch Britisch- und Deutsch-Südafrika, an der der Verfasser teilgenommen hat, berücksichtigt worden sind. In übersichtlicher, sachkundiger- Form erhält jeder Auswanderungsluftige Auskunft über die Aussichten in allen unseren Schutzgebieten, wie er fick; auszurüften hat, was er drüben braucht, wie er drüben lebt, wie er Land erwirbt, wie er sich in hygienischer Hinsicht zu verhalten hat, wie er Arbeitskräfte erhält, wie er die Eingeborenen behandelt usw. Der Preis des reich illustrierten, geschmackvoll ausgeftatteten Buches beträgt nur 60 Pfg.
Aus Ktadt uud Land.
Gießen, 10. Januar 1911.
** Erledigte Lehrer stellen. Je eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Stelle an den Gemeindeschulen zu Guntersblum, Ober-Saulheim und Wallertheim. Mit der Stelle in Wallertheim ist Organistendienst verbunden. Eine mit einer evang. Lehrerin zu besetzende Stelle an der Gemeindeschule zu Neu-Isenburg.
** Zu r Mäuseplage. Das seitherige Frostwetter hat die Mäuseplage nicht im geringsten beeinträchtigt. Vielmehr führen die schädlichen Nager unter der schützenden Schneedecke ein vergnügtes Das.in. Groß sind ihre Verheerungen an den über Winter ,im Garten freistehenden Kohl.arten und Knollengewächsen, welche fast überall eine Beute der Mäuse geworden. Dazu befürchten unsere Landwirte, daß g.uch Wintersaaten und Kleesaaten stark gelitten haben.
Landkreis Gießen.
--- Annerod, 8. Jan. Der Turnverein Annerod hielt am Samstag feine Jahresversammlung ab. Die Rechnungsablage z igte ein günstiges Ergebnis. Es wurden gewählt als 1. Vors. Wilh. Schneider, 2. Vors. Aug. Stadtmüller, Schriftführer Wilh. Schäfer, Rechner Ludw. Decker, Beisitzende PH. Schäfer, Wilhelm Mohr II., PH. Brück und Hernr. Launspach. Der Verein hält dieses Jahr seine Fahnenweihe ab.
)( G arben t e i ch, 9. Jan. Der Schäferverein für Oberhessen hielt gestern im Gasthaus zum „Grünen Baum" seine Hauptversammlung ab. Die Versammlung, die Schäfer Klaus von Villingen leitete, beschäftigte sich mit den Lohnverhältnissen, mit der Hundesteuer und mit den Seuchegesetzen. In letzterer Beziehung besteht in den oberhess.scheu Kreisen die behördliche Bestimmung, daß nur 10 bis 15 Tiere durch die Kreise getrieben werden dürfen. Da gegenwärtig keine Schafseuchen herrschen, fordern die Schäfer, daß auf gutachtliche Bescheinigung der Bürgermeistereien hin auch größere Herden durch den Kreis getrieben werden dürfen.
w. Londorf, 8. Jan. Der Turnverein Londorf, der über 100 Mitglieder zählt, hielt gestern abend in seinem Vereinslokal „Zur Stadt Gießett" unter sehr- starker Beteiligung seine Jahresversammlung ab. Die Rechnungsablage war sehr -günstig und ergab sich ein Ueberschuß in bar von rund 123 Mk. Der Jnoentarwert beträgt (nach Abrechnen vom Äbnutzen) rund 560 Mk., so daß der Verein ein Vermögen von zusammen 683 Mk. aufzuweisen hat. Der vorjährige Vorstand wurde durch Zuruf wieder gewählt, als 1. Vors. Wilhelm Edler, 2. Vors. Heinrich Rohrbach I, Rechner Jakob Olemotz, Schriftführer Hch. Kronenberg, Kontrolleur Wilhelm Schomber, 1. Turn- wart Karl Appel, 2. Turnwart Wilhelm Fabel fr., Zeug- wart Heinrich Pseiff. — Der Radfahrerverein Rabenau feiert am 29. Januar sein Wintervergnügen, wobei außer dem Spielen von Theaterstücken und Lebenden Bildest usw. die 116er Regimentslapelle mittoirlen wird. Von den jüngeren Vereinsmitgliedern werden vier Fahrer auf den neu angeschafften Saalmaschinen einen Neigen fahren. Das Saal- od-er Reigensähren 'wird erst feit kurzer Zeit geübt.
-i- Ettingshausen, 6. Jan. Tie Drain ag e- ar beit en in der hiesigen Gemarkung schreiten trotz der ungünstigen Witterung rüstig weiter und neigen sich dem
Ende zu. In voriger Woche ereignete sich dabei ein kleiner Zwischenfall. An einer Stelle trat das abgeleitete Wasser an den Tag. Man grub nach und fand einen bereits in Verwesung übergegangenen Illis im Rohre stecken. Er war durch das offene Ende der Leitung hineingelangt und hatte dann weder von- noch rückwärts gekonnt.
)( Grünberg, 9. Jan. Eine Eisbahn und eine Rodelbahn hat jetzt unsere Sladt. Die Eisbahn ist in dem Baumgarten angelegt worden. Als Rodelbahn wird der alte, sehr steile Steinweg benutzt. Hier tummeln sich täglich ganze Scharen von Kindern und Erwa.l smen.
Märkte.
Gießen, 10 Jan. Diarktbericht. Ank beiiliqem Wochen- markte kostete: Butter pr. PW. 0,90—1.00 Tif«, Hichnereier 1 et. 10—11 xbfg., Enteneier 1 Sluck 0 Big., Käse pr. St. 6—8 Pi„ Kasematte pr. St. 5—6 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80—1,00 Mk.. vühner pr. St. l,<)0—1,60 iUf., Halmen vr. Stück 0,80—1,80 Alk,. Enten vr. St. 1,80—2,20 Mk., Gänse das Pfd. 75—80 Pfg., Ccb|en- fleifcb vr. Pid. 84 — 93 Pfg., Rindfleisch vr. Pinni) 84—88 Pfg,. Kubfleisch 70 Pfg., Schweinefleisch vr. Pfund 80—96 Pfg., Kalbfleisch vr. Pfd. 76—80 Pfg., Hammelfleisch vr. Pid. 60—84 Pfg., Kartoffeln vr. 100 Kg. 7.50 bis 8.')0 Pik., Weißkraut das Stück 20 bis 30 Pfg., Zwiebeln ver Ztr. 5,00—6,00 Mk., Milch das Liier 20 Pfg., Birnen per Pfd. 15-20 Mk., Acv'el per Ztr, 10 bis 15 Mk., Nüsse 100 Stück 50—60 Pfg., ver Ztr. 0—00 Mk., Bohnen ver Pfd. 00—00 Pfg Marktzeit von 8—2 Uhr.
— Kartoffclinarkt-Bcricht uom 9. Januar 1910. Dort- wund: Magnum bonnm 3.20-0.00, weiße runde 2.50-0.00, Gelbfleischige iveiße 0.00—0 00, rote Nik. 3.80-0'0. Krefeld: Note Taber Alk. 0.00, andere rote Sorten 0.00 — 0 0), Magnum bonuin Mk. 2.90—3.10, Gelbfleischrge rote 'Mk. : —3 10, weiße
Pik 2.90—3.10. Plaidt: Rote Taber 0.00—0.00, andere rote Sorten o.oo- 0.00, Magnum boimm 3.0'J—0.00, weiße runde 3.00 Gelbfleischige rote 3.30 — 0.00, weiße Pik. 0.00—0.'0 München', Magnum bomini 3.40, weiße runde 3.10. Regensburg: Rote' Lorten 2.10—0.00, Magnum bonuin Bit. O.oO-O.oO, weiße runde Mk. 0.00—0 00, Gelbfleijchige blaue 0.00—0.00, weiße Mk. 0. .0—0.00. lAlles kür 50 Kg.>
Meteorologische beobachtungen der Station Eichen.
Jan.
1911
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Höchste Temperatur am 8. bis 9. Januar
Niedrig, le
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1,0 ° 3.
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Niederschlag: 6,9 mm,
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Zufriedenheit spricht aus jeder Zeile! Bioson wurde von uns bei Blutarmut angewendet. Ta wir bereits 4 Pakete verbraucht haben, kann ich Ihnen Mitteilen, das; wir damit sehr zufrieden sind. Slvvetit und Allgemeinbefinden sind darauf sehr gut. Während des Biosongebrauches habe ich 4 Pfund .-»genommen. Wir nehmen Bioson mit Kakao, da es sehr wohlschmeckend ist, und wir werden es bestens empfehlen. Zehlendorf lWannseebahn) 13. Juni 10. Malermeister R. Malchin. Unterschritt beglaubigt: Paul Knebel, Notar. Bioson in das bette u. billigste Nähr- u. Kräftignngsmttel; erhältlich in Apotheken, Drogerien usw., lPaket zirka ’/3 Kilos Mk. 3.—. Verlangen Sie vom Biosonwerk, Frankfurt a. Al. Gratisvrobe u. Brofcgüre. ib^/u
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so der Gast des heutigen Abends, der auf den Schultern des urdeutschesten Musikers aller Zeiten steht, Joy. Seb. Bachs, und dabei doch ein „Moderner" unsrer Zeit im Zuten Sinn ist, Max Reger.
Wie ist er ein Eigener, wie redet er seine Sprache! fremd, ja herb anmutend. In zwei Gebiete f.ines Schaffens hat uns Reger heute einen Einblick eröffnet; drei Klavier- tompositionen und wohl anderthalbdutzend Lieder füllten den Abend aus. Ein kleiner Ausschnitt also nur, und doch welche Mannig'altigleit und Fälle! In den Klav'er- werken sucht man sich erst zurechtzujinden, Anklänge, Vorbilder sestzustellen; vergebens. Kaum daß einmal, mie in den Variationen mit Fuge über ein Thema von Beethoven, Bachs ehernes Antlitz durchzuschimmern scheint; in den Episoden glaubt man einmal flüchtig Liszt zu begegnen, sonst von keinem eine Spur. Aus Beethoven weis t h n die Kunst der unerschöpflichen Verarbeitung in den Variationen, nicht die Art der Durchführung, die mit der Schlußfuge so grandios endigt. Und doch ist's Wohl schließlich, will man's nach dem nur einmaligen Hören, nach dem ersten Eindruck in ein Wort zusammenfassen, Bach'sche We'ensart in modernem Gewände, in freier eigenster Neuschöpfung.
Eine Abteilung Lieder leitete ben Abend ein und stellte sogleich ein Band her zwischen den Hörern und der „Innerlichkeit des Gemüts", der Tiefe des Gemütslebens Regers, das schier unerschöpflich aus diesen Liedern quillt. Wer den Drang empfindet, solche Stoffe musikalisch nachzubilden, wer sie so nachbichtet unb sich mit solcher Liebe in ihre Welt versenkt, von ber harmlosen und doch so „wichtigen" Kinderwelt an mit ihrem Hamvelmann, ihrem Solbaten- spiel, ihrem Knecht Ruprecht und — dem Rührendsten und Schönsten, — ihrem Gebet, bis zum gellen Lachen ber Tragödie des glücklosen „Narren", ber hat seines beutschen Wesens ein.köstliches Zeugnis gegeben. Es waren bie ersten Lieder \e ;er§, die ich gehört habe, sie müssen wohl auch so im lammenfjang gesungen werden, um so tief zu wirken; ei.zeln, zerstreut zwischen Liedern andrer Kompo
nisten, werden sie das Fremdartige ihres Wesens zu sehr betonen. Wandelt doch auch hier Reger ganz seine eignen Wege; Lieder im landläusiaen Sinn sind sie kaum zu nennen, fehlt ihnen doch bas grabe fast ganz, was sonst ein Lied erst zu machen scheint, die fließende Melodie, auf die doch selbst auch Brahms, Wolf, Strauß, die Umformer unb Neuschöpfer bes mobernen Liebes, nicht verzichten wollen. Oder hören wir sie nur noch nicht richtig, biefe „neue Melodie"? Wie dem auch sei, man muß es erlebt haben, wie diese Verschmelzung von Gedicht unb Ton zu einer Einheit wirb unb als Ganzes wirkt, unb man läßt alles Fragen, um sich nur ganz bem Zauber bieser Kunst hinzugeben. Freilich, bas scheint mir klar: für eine mittelmäßige Sängerin sind diese Lieder nichts; sie erfordern ein so ideales Zusammenwirken, wie es heute die reife, kluge, bewußte Vortragskunst von Frau Fisch er-M ar etz ki und bie vollenbetste Begleitung, bie ich je gehört, burch ben Komponisten selbst, ergab. Frau Fischer-Maretzki hat schon einmal, ich glaube im Jahre 1909, im Weihnachtsoratorium von Bach hier gesungen und war so hier bekannt; nach meinem Erinnern hat gegen damals ihre Stimme sowohl an Klang und Schönheit wie namentlich ihre Kunst noch gewonnen, so baß s e mit Recht ben Vorzug g meßt Reg rs scunft im Verein mit ihm vielenorts ben Weg bahnen zu bürfen. Daß Reger selbst ber vollkommenste Interpret feines Schassens ist, unb es auch heute wieder war, darüber braucht man eigentlich kein Wort zu sagen; er wäre ein Großer schon, wenn er auch nichts komponiert hätte, um dieses wunderbaren Spiels wegen. In Professor 2r2utma.ni h ittc er in den Pieces pittoresques zu vier .Händen unb ben Variationen für zwei Klaviere — war es übrigens Absicht baß zwei Flügel von so auffallend verschiedener Klangfarbe gewählt waren? — einen ausgezeichneten Partner.
„Der Konzertverein, der in biefem Winter ganz besonbers glücklich bispomert zu haben scheint, kann diesen Abend als em verdrenjtvalles Haben buchen. m.


