161. Jahrgang
Drittes Blatt
Nr. 245
Erscheint tS-Ilch mit Ausnahme deS Sonntag».
Tte „Gtetzenet ZamiNendlSNer" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „KrehbUrtt für de, Kreis «iefeen" zweimal wöchentlich. Die „kandwiNichaftlichen Lett- (regte" erscheinen monatlich zweimal.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gbecheffen
Montag, 16. Vttober 19U
Rotationsdruck und Berlaq der Br üblichen Universität^ - Brich» imb ^teindruckerei.
R. Lange, vietzen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrave 7. Expedition und Verlag: Redaktion:«^ 112. Tet.»31dr.:^lnjeigerSietzen.
L'iLL sÄ* SÄ » Sl'S"» «-N ^ungs-
Tie Beine warf er, in wilden Zuckungen einher springend, nach links und nach rechts. War das ein Jndianertanz, so war ick ihm noch nickt gewachsen. Von wütenden Steinwürscn verfolgt, entfloh ich zum Wigwam. . . Bald daraur fhngelte es hcttxg an unserer Haustür. Mein Zndianerherz schlug bis in den Val». Es war die Nachbarsfrau, die mir heute zum erftenmal gar nicht sympathisch erscheinen wollte. Mein Feingefühl sollte mich nicht getäuscht haben. Wegen Mordversuchs bezog ich mörderische
Kreis Lauterbach.
~ Lauterbach, 13. Okt. Frühzeitig auf die schiefe Ebene scheint der Sattlerlchrling August Kircher auS Alzey geraten zu wollen. Früher war er in einer ZwangserziehungS- anstalt untergebracht und in der letzten Zeit bei einem hiesigen Sattler,ueister in der Lehre. Die Arbeit schien ihm nicht zu gefallen, denn er entlief vor einigen Wochen seinem Meister und trieb sich seitdem obdachlos in hiesiger Gegend umher. Seinen Unterhalt verschaffte er sich durch nächtliches Ein- ileigen in die Keller, wo er Eßwaren, Obst und dergl. entwendete. Nach den bei diesen Diebstählen zurückgelasicnen Fußspuren war zu schließen, daß es sich um keine ausgewachsene Person handelt, weshalb die Gendarmerie auch gleich Verdacht auf Kircher schöpfte. Er wurde gestern in einem Gartenhaus in der Nähe Lauterbachs, wo er sich häuslich niedergelassen hatte, verhaftet. Die Diebstähle hat er eingestanden, er will sie nur auS Hunger ausgeführt haben.
Kreis Friedberg.
X ForsthauS Winterstein, 13. Okt. Die Hirschbrunst lockt jetzt allabendlich viele Besucher nach dem Forst» hauS, von wo man dieses Jahr mehr als sonst das Schreien der Tiere vernehmen kann. Denn da in den höheren Lagen des Gebirges kaum noch Aesung ist, haben sich die Hirsche mehrfach den Randwäldern zwischen dem Forsthaus, Ziegenberg und Ober-Mörlen zurückgezogen, wo sich diesen Herbst fast die ganze Hirschbrunst des WmtersteingebieteS abspielt. Ungemein groß ist der Wildschaden, den die Hirsche in der nahen Feldmark anrichten. In der Langenhainer Gemarkung wurden ganze Aecker Kartoffeln auSgewühlt. Ein Bad-Nau- heimer Iagdpächter mußte dort für einen Morgen Ackerland allein 60 Mk. Entschädigung zahlen. Auch auf dec anderen Leite deS Wintersteins, auf den am Jrankensteiner Wald gelegenen Ockstädter und NoSbacher Feldern, ist der Schaden,
** Flottenvereinsvortrag. Tie Kreisgruppe Gießen des Deutschen Flotlenvereins hatte den Kontreadmiral s a. Wetfc als Redner gewonnen, der Freitag abend im Einhormaal das ^hema behandelte: Welche Bedeutung haben die Panzer kreuz er für die deutsche Flotte nn Hinblick aus die jüngsten Ereignisse?" Schon lange vor der seNgeiehtcn Znt war der Saal des Hotel Einhorn vollständig belebt. Der Bombende, Lberbibliolhekar Dr. Heuser, gab einen Ueberblick über die lebten Ereignisse in Tripolis und die Marokkoverhandlungen, die, soviel man bis jetzt darüber wisse, uns Aeutsche keineswegs uciricbigen könnten Er kommt zu dem Schluß, daß es dringcm erwünscht sei, den Bau der Panzerkreuzer zu beschleunigen. Kontrc- admiral z. D. Recke führte aus: Tie jetzige Stimmung des Volkes mit seinem lebhasten Interesse für auswärtige Angelegenheiten beweise, daß man politisch reifer werde. Selbst die «tarnen seien nach Bismarcks Wort nicht mehr bloß Hüterinnen des häuslichen Herdseuers, sondern auch des Feuers der Vaterlandsliebe. Es ständen infolge der Teuerung für den kommenden Winter und das Frühjahr ernste Zeiten bevor, aber das deutsche Volk dürfe nicht verzagen. Es habe schon schlimmere Zetten überwunden und werde auch diese Krisis überstehen. Man dum m solchen Zeilen die höheren Ziele und Gesichtspunkte Nickt aus den Augen verlieren. Der Redner gibt nun eine Aarlegung unserer inneren und äußeren Politik und schildert die Tätigkeit des Flottenvereins. Er stelle mit seinen 400 000 Mitgliedern heute schon eine Mackt dar, um die uns andere Völker Joeneibcii, und werde in Zukunst immer mehr an Bedeutung mid Stoßkraft gewinnen. Durch die Klänge der Friedensschalmeien dürfe man sich nicht irre mackzen lassen, denn leider gehe Mackt noch viel- sach vor Recht, und dem Mutigen gehöre die Welt. Tie Geschickte lehre auch, daß die Völker ohne eine kriegstüchtige Flotte zuletzt unterliegen müssen, wie das Schicksal Spaniens,, Rußlands und der Türkei dies beweise. Soviel sei jedenfalls sicher, daß man keine Flotte aus dem Boden stampsen könne, ebensowenig rote Armeen. Dazu gehöre Zeit, die man aber nicht ungenützt Vorbeigehen lassen dürfe. TaS neue Programm, das der jetzige Vorsitzende des Flottenvereins, Admiral v. Köster, vorgelegt habe, sei nichts anderes als ein Ausbauen des Flottengesetzes vom Fahre 1900, allerdings verlange man einen beschleunigten Ersatz- bau der Panzerkreuzer, also keineswegs' userlose Flottenpläne seien es, sondern sehr berechtigte, von nüchterner Ueberlegung diktierte Forderungen. Die Kreuzer brauche man für das Ausland und Inland. Für daS Ausland, indem sie dte beut)dien Interessen in Handel und Industrie zu schützen haben. Es eben I zurzeit schätzungsweise 17—30 Millionen Deutsche im Ausland. Sie lausen Gefahr, dem Deutschtum entfremdet zu werden, ia in anderen Nationalitäten auszugehen, wenn nicht ihr Selbst- bcwußtsein gestärkt wird. Tas kann nur geschehen, indem ihnen ein wirksamer Schutz und Hilfe zuteil wird durch eine Verstärkung der deutschen Flotte. Und wie wäre es erst im Fall eines Krieges? Unsere Handelsflotte würde in kürzester Zett unrettbar vernichtet sein. Was das bedeutet, lernt man so recht ermessen, wenn man bedenkt, daß wir mit unseren 11 -^"^oncn in der Industrie beschäftigten Arbeitern an der Spitze der Produktion aller Völker stehen. Interessen, Werte, Menschen munen also durch die großen «Kreuzer geschützt werden. Achtung und Respekt hat man nur vor der Mackl. Im Inlande werden die
Ganz den Stempel einer echten Kindhcitserinnerung trägt die Schilderung Rudolf Herzogs, wie er Jndtatier werden wollte: „Ich beschloß Indianer zu werden. Aer Sohn eines Nachbarn, ein kurzer, stämmiger ^unge, den im aber vorher auf seine Manieren untersucht hatte, war bald gewonnen. Zurück zur Natur, galt die Losung, und wir warten einen verächtlichen Blick auf das Presbyterhaus, in dem der Probeprediger mit sehnsüchtigen Augen am Fenster stand, .'cactt bis auf die Hosen, beschmierten wir uns die Haut mit dem Inhalt unseres Farbenkastens, steckten Hahncittedern hinter die Ohren, packten ein paar Kisten deckel als Schilde und rillen zornmütig ein paar Georainenstäbe als Lanzen aus dem Garten. Um die Beete herum schlichen wir uns mit Falkenaugen: Aer edle Mohikaner hatte mit dem niederträchtigen Sioux noch cm Hühnchen zn rupfen. Jetzt lugte das rote Scheusal grin,end über den Schildrand. Bautz, flog mein nie leistender Mohikaner- speer „Hugh!" schrie ich streng nach Indianervorschritt. Ern Geheul, so entsetzlich, daß mir mein Mohikamerblut gerror^ roar die Antwort. Vor mir sah ich die teuflische Grimasse des ^wux.
Av5 den Nindheittermnerungen moderner Dichter.
Kindheitserinnerungen haben immer einen eigenen Rnz, aber auss höchste steigert sich dieser Reiz, wenn wir Klndhett^erinne-- rungen von Dichtern lesen. In daS Morgengrauen werdender Dichterphantasie, in das ahnungsvolle Reich )ruhe)ter Erlebniste hineinzublicken — es hat etwas Rührendes und Ergrettc^ckes zugleich, und so war cs denn ein glücklicher Gedanke des Vcr- kages von Franz Möser Nachfolger in Leipzig eine Anzahl hervorragender Dichter unterer Aage sur Aufzeichnung ihrer K-indheitserinnerungen anzuregen. Dichter, tme -uoroig Fulda, Gustav Falke, Ricktard Voß, Otto Ernst £ C. Öecr Ernst Zahn, Georg Engel, Rudolf Herzog und Karl Ro.'Ner, sirck dieser Einladung gefolgt, und so entstand ein höchst anziehendes Buck, das unter dem Tttel: „Als u n sere g r 0 feen Aich t er noch kleine Jungen waren" in Bälde enchcineil wird. Mit Erlaubnis des Verlages geben wir aus dem Aushängebogen dieses Buches im folgenden einige Kostproben, bie wohl manckem Leser Lust erregen werden, die Bekanntschaft des ganzen, un- gew ähnlich originellen Werkes zu macken.
Anr Stafct und Land.
Gießen, 16. Oktober 1911.
♦♦ Lehrerpcrso Italien Uebertragcn wurde dem Lehrer Ludw. Pirot zu Ober Wöllstadt die Lehrerstelle an der kath. Schule zu Gau-Weinheim.
** Kursus für Trichinenschau. Direktor Modde wird vom 16.—28. Oktober im Schlachthaus einen Kursus für Trichinenschau abhalten, der in der Haupt fache für hessische Fleischbeschauer berechnet ist, die sich auch als Trichinenbeschauer ansbilden wollen. Es ist dies besonders für die hessischen Fleischbeschauer von Wichtigkeit, die. in Orten tätig sind, aus denen die Metzger Fletsch nach Preußen in Orte mit obligatorischer Trichinenschau liefern Es wird in Preußen verlangt, daß cingeführtes Fleisch entweder nachweislich schon auf Trichinen untersucht ist, oder ehe es zum Genuß in Preußen fretgegeben wird, von preußischen Trichinenbeschauern untersucht wird Ten Metzgern aus Hessen, deren auszuftihrendes Flei|ch noch md)l Untersucht ist, erwachsen in Preußen Weiterungen und doppelte Kosten, weshalb sie den Wunsch haben, daß die Fleischbeschauer erforderlichenfalls auch als Artchinen- beschauer ausgebildet sind. .
** B c i der Landesversickerungsanstal t G r 0 ß y Hessen sind im September 262 Rentengesuche (240 invaliden und SVranfcurcntenanträgc, sowie 22 Altersrentenantrage) euv gegangen. Unerledigt wurden in den Monat übernommen 2«U Rentengesuche, so bafe 542 Gesuche m Bearbeitung standen. Cs fanden Erledigung: 190 durch Rentcnbewilligung (164 Invaliden-, 8 Kranken- und 18 Altersrentengesuche-; 41 durch Ab lehnung, weil unbegründet (40 Invalidenrenten- und 1 ftlters- remengciud)), 10 durch andere Weise -- Zurücknahme um?.— (8 Invaliden- und 2 Altersrentengesuche), zusammen 241, )o daß 301 Gesuche als unerledigt auf den Oktober übernommen werden mußten. Ferner wurden im Monat September l. ^s. --5 Jntrage aus Beitragserstattung gestellt, und zwar 18- unolge .?eum
Die pensionrverficherung der privalanyeftellten.
Der Hauptausschuß für die staatliche Pensionsversiche rung 'der Privatangestellten schreibt uns:
Die A r b e i t s z c n t r a l e für die Angestclltenversichc- rung bat, wie vor einiger Zeit bcfanntgcgcbcn wurde, neue Vorschläge für die Privatbcamtenversiche- rung ausgearbeitet. Sowohl der Ausbau der alten Ber fichcrung soll möglich sein, Ivie auch die Ucbcrhragung der Aufgabe auf eine Gemeinschaft von Lebensversicherun gen Es ist bis jetzt noch nicht möglich gewesen, näheres darüber zu erfahren, nur so viel ist bekannt geworden, bafe die Bearbeiter der neuer. Vorschläge von dem Grund gedankcn ausgehen, der Invaliditätsbegriff des vorliegen den Gesetzentwurfs (Berufe oder Standesinvalidität' sei n i ch t w e s e n t l i ch v c r s ch i c d c n von dem Jnvaliditäts begriffe der Arbeiterversicherung (allgemeine Invalidität-. Das ist aber ein fundamentaler Irrtum. Ein Halb und ein Drittel ist doch nicht dasselbe Außerdem ist es ein großer Unterschied, ob die Invalidität gemessen wird an der Möglichkeit, überhaupt noch zu irgendwelcher Tätigkeit fähig zu sein, oder an der Möglichkeit, eine Tätigkeit des bisherigen Kreises ausführeu zu können. Ter Jnvaliditäts begriff ist geradezu der Grundpfeiler der Versicherung, der einen wie der anderen. Tas zeigt sich auch darin, daß die verschiedenen privaten Angebote, die jetzt den An gestellten gemacht werden, häufig auch einen schlechteren Invaliditätsbcgriff festsetzen als das Angestclltenversiche- rungsgesetz. Es handelt sich doch, dabei um die Frage, wann, unter welchen Bedingungen, der An sprach auf die Versorgung erhoben werden kann. Es leuchtet hiernach ein, daß man die Festsetzung des Maßes der Invalidität geradezu als den Grund- und Eckstein des ganzen Versicherung'Sgebäudes bezeichnen kann. Wenn die Vorschläge der Arbcitszentrale von der völlig salscheii An nähme ausgehen, die beiden Jnvaliditätsbegriffe seien un gefähr gleich, und wenn sie weiter als Versicherungsgrenze 3000 Mark ins Ange fassen, dann haben sie es freilich leicht, den Arbeitgebern eine wesentlich geringere Belastung vorzurcchnen. Das ist dann aber völlig unfruchtbare Arbeit, auf die sich weder die Regierung noch der Reichstag verlassen können, und die Angestellten erst recht nicht.
Landkreis Gießen.
--- Watzenborn Steinberg, 13. Oktober. Uirier K a - nincken- und G e f l ü g e l z u ck t v c r e i n hielt dieser Tage seine erste Ausstellung ab. Es waren 35 Nummern angemeldet und wurden solgende Preise vergeben: a) in der Alttier- klasse bei Kaninchen: 1. Ehrenpreis, gelt, non der Umonbrauerei, K. Philipp Steinberg-1,0 S. mit.87 Punkten; 2. Ehrenpreis, geft. von Tribus u. ^undheim, L. «chmaiidt-st. 0,1 B. L. mtt 85 Punkten: 3. Ehrenpreis, geft. von Pirr u, Eo., G. Haiiser.>st. 0,1 S mit 85 Punkten: 1. Preis G. Eift-St. 1,0 Holl m. 84 Punkten: 2. Preis K. Philipp-St. 0,1 S. mit 84 Punkten: 3 Preis K. Philipp St. 1,0 S. mit 84 Punkten und derselbe 10 B. L. mit 81 Punkten, b) in der Jungtierklasse bei Kanincken: 1' Ehrenpreis, geft. vom Beigeordneten Philipp Watzenborn, B. Hinkler-Watzenborn sür 1,0 B. R.;, 2. Ehrenvreis, geft. non Gcbr. Schwan Gießen, G. Häuser-Steinberg für 0,1 S.: 3. Preis B Hinkler-W. für 0,1 B. R. und 3. Preis K. Philipp-St- .iur 0 1 B, L 6! bei Geflügel: 1. Ehrenpreis, geft. von ber Union- brauerei Gießen, K. Philipp St. für 1,1 Pekingenten: 2, Ehrenpreis geft. von Metzger Sommer Watzenborn,,Joh. Jak-, Hauier W. für 1,2 gelbe Italiener: 3. Ehrenpreis, gest. von Bürgermeister Hirz-Watzenborn, K. Philipp-St. für 1,1 schwarze Minorka; 4 Ehrenpreis, geft. von Jak Burk Watzenborn, G. ^schaser W. sür 1,1 Pfautauben: 1. Preis Jak. Sommer IIL-2B- für 1,1 rebh. Stalicner • 2 Preis K. Philipp St. für 1,1 Emdener Ganse und 3. Preis B. Hinller-W. für 1,1 schwarze Minorka.
Kreuzer zum Aufklärungsdienst verwandt. Sie sind bei der Manne das, was bei dem Landheere die Reiterei ist. öie haben aber nur dann Wert, wenn sie möglichst nahe an den Feind herankommen und den übrigen Schiften, den Torpedos und besonders den Linienschifsen an Schnelligkeit überlegen, sind.. Aus diesem Grunde können d,e Kreuzer „Kaiserin Augusta", wwie die w'tt Kreuzer der Herthasckifte, die übrigens auch als ^ckulsckifte gebraucht werden, serner „Fürst Bismarck", '.Prinz Hemrick und Prinz Adalbert" ernstlick als Mrcu^cr nicht in Betracht fommcii.
Öicr ist der wunde Punkt und es ist darum nur richtig, lahrlich ein Linienschiff und zwei große Kreuzer zu baue«. Rack emer Pause von 10 Minuten rührte der Vortragende die einzelnen! Schisfstypen, sowie Manöver- und ^chlacktsormattonen der i-ckifte nebst ben nötigen Erläuterungen vor. Dem Redner wurde rcidier Beisall gezollt. Die hieraus vorgeschlagene E n t s ch 1, e tz u ng, wonach in Zukunft ein rascheres Tempo un Bau ber grotieit Kreuzer gewünscht wird, fand einstimmige Annahme.
Prügel."
Ach, von Prügel ist in biesen Erinnerungen mehr als einmal die Rebe: für bie Mutter Georg Engels waren sic sogar päbagogisches Prinzip. „Ter 3ung’ is nu schon vier.Jahr, ba is er all sehr alt und muß auf däe Straße, er mutz Lchackt , prügel > kriegen, bas tut ben Jungens wohl." Und so^ward der Heine Georg wirklich zu diesem Zwecke auf die Strayc geschickt, bewassnet mit einer Schublade, in ber er die Kostbar- teilen seines Kinberspieltisches mit sich trug. „Verging is hör', erschallte es von allen Seiten. „Kiek, wat hei hedb!? „Ne Schublab'. Und dor is ne Mus drin, un en Gnsicl und Billers ^a ich wirkte wie das Mädcken aus ber Fremde. Die Herren der' Straße griffen wohlwollend begeistert nach allen meinen Schätzen und nur bie Meersckaumspiye hielt ick felbst andächtig zwischen meine Finger geklemmt, weil mich eine dunkle Ahnung beschlich, daß meine neuen Freunde dem venuhrerncken Reiz diese- Kunstwerkes gegenüber am Ende nicht bie nötige Obiek- timtät bewahren könnten! Und richtig! Ter grösste Lümmel trat auf mick zu und forderte mit gutmütiger Herablassung, während sich seine Nase vor Vergnügen noch etwas mehr um- wässerte' „Oerging, giro nn dal." „Nee," widersprach ick, „bat s min." Diese Reservatio des Besitzes schien man jedoch in^(passen kreisen als unpassend zu empfinden. Man fühlte, das; „Oerging" für einen hochherzigen Kommunismus noch nickt reif sei. Im selben Moment entwickelte sich die Schlacht. Der triumphicrtc mit meinen Bildern davon, jener entfernte Nck galoppierend mit den Resten der meckanischen Maus, Lregellack, Gnnel, ja die ganze Schublade verschwanden gedankemcknell, und nur du hcilgc Zigarrenspitze vermochte ich, indem ich^ mich im Kampfe mit dem Herrn Häuptling der Rotte auf ben steinen der Knom strafee herumwälzte, siegreich zu verteidigen. Ader was verschlug hasv Ich h«tte bie erste heftige Weche empfangen, ich hatte ,Schacht" gekriegt, sogar eklige Schacht, und fünf Mirutten water
mittels, denn meine Mutter vermochte sich mit ben schwarz und weißen Zebrastteifen meines Anzuges nicht einverstanben zu erklären."
In eine ganz anbere Atmosphäre führt eine Erinnerung bes nachbenklichen Schweizer Dichters Ernst Zahn. Ein feines Hiles Kindheitserlchnis schildert er in feiner Freundschaft zu einem ein Jahr jüngeren Mädchen, nut dem er in Ernst und Spiel treu zufammenftand. Und eines Sommernachmittags, da ein Zufall die kleine Freundin und ihn allein in einer Wildweinlaube fand, ging dem künftigen Dichter bas Geheimnis ber Frauen- "chönheit auf: „Aus tollem Fangspiel hatten wir uns vor ben Kameraden in bas Blätterversteck gerettet. Mü Lachen kamen wir hcreingestoben unb spähten eine Weile kichernd und vorsichtig nach ben andern. Da entfernte sich ber Lärm beneiben von unserem Versteck. Eine große Sttlle fiel auf bie Umgebung ber Laube, eine große Stille auch — allmählich — -wischen uns. Wir mftchten auf unseren Bänken, unsere Blicke begegneten sich, noch einmal. Noch einmal blitzte bas Kickern auf. Dann laßen wir gan- ruhig ba, wie ein wenig müde, ein wenig schläfrig. Traufeen brannte der heiße Tag, summte ber Insekten Sommerlich. Manchmal gaukelte ein Schmetterling am Laubeneingang vorüber, und wieberum manchmal wiegte ein Blatt bet Wildrebe tote em Fähnlein bin und her. T-as kleine Mädchen legte den nackten Arm auf ben ruitoen Holztisch. Rosig und runb lag er vor mir, indessen iic selbst durch bie Laubentür ins tyreie stch. Plötzlich fuhr ich mit scheuen unb doch zärtlichen, Finger ihr über diesen -Arm, nur flüchtig, wie wenn man Stäubchen von emer Kostbarkeit wischt Warum ich es tat, das hatte ich nicht zu sagen vermocht. Eine verborgene Gewalt führte mir bie Hanb, eine Macht von ber es war, als rinne sie aus dem Schtveigen der Laube, ans bem Glühen bes Tages, aus 6>eheunriis,en unb Frembbarketten. Ta« Rkädchen merkte die Berührung und sah mich mit ben leuch- renben, blauen Augen halb lachend und liebevoll, halb verlegen an, wobei sie ganz leise errötete. Darauf saßen wir wieder und lauschten hinaus. Es geschah nichts mehr. Bald danach kamen die Kameraden zurück und entdeckten mtt Hallo unsern Schlupfwinkel. So Hieb das Ereignis in ber Laube eine Nichtigkeit, mehr Empfindung als Geschehnis. Und das Gedächtnis des Shraben hielt sie dennoch fest bis hinauf in bie Mamicsiahte." L. F,
weiblicher Versicherter (£>.), 43 infolge -Lobeö versickerter Per sonen (£.). Unerlebigt würben in den genannten Monat übernommen 131 Erstattungsanträge, so bafe zu bearbeiten waren 356 Gesucke. Bewilligt wurden 223 Anträge (182 H. unb 41 T.), abgelchnt wurden 18 Anträge (12 H., 6 4.. , anderweit erledigt wurden 2 H und 2 T. Erstattungsansprückie. Unerledigt blieben 11 Erstattungsai'Näge (74 H., 36 T. unb 1 U. , bie am ben Monat Oktober übernommen ip.;rb n - ^n welchem Um ang- die Laiibesversicherungsausialt Heilverfahrenskosten lür jhtc Ber- licherten übernimmt, ergibt sich barans, bas; Ende September 1911 in Anstalten 290 versicherte Personen untcrgcbradit roaren. In der Eleonorenheilstätte befanden sich außerdem noch o.3 Perlon en, die teils auf eigene Kosten, teils auf Kosten des Fonds der Großherzogin usw. eingcwiesen waren.
** Gin Automobiladrefebuch. Ter hessische Automobilllub beabsichtigt, ein Adreßbuch sämtlicher tu Hessen wohnhafter Kraftfahrer (Kraftwagen sowie MtafträbeT) herauszugeben auf Grund der bei den Großh. Kreisämtern hierüber geführten Listen. Tas Adres; buch wirb gratis in einigen Exemplaren den Krersamtern wie Polizeiämtcrn geliefert werden. Auf Ersuchen de-.' Automobilklubs werden von den betreffenden Aemtern Aus rüge aus den amtlichen Listen aufgestellt und der Ge- ichäftsstelle in Darmstadt übermittelt. Tas Adreßbuch wird den Namen des betr. Fahrers, Wohnort, -strave, soime die Gattung deS benutzten Fahrzeuges und dessen amtliche Erkennungsnummer enthalten.


