Blumentag.
'Gießen, 6. Mai.
Ein ßolbflirrcitbcr Mannvrgen. In blankem Blau baut sich der Himmel über der strahlenden Sonne empor, die in Millionen Tautropfen funkelt, nnd das lichte Grün des jungen Lenges spricht von den Zweigen, die sicht sacht im Morgenwinde wiegen. Im BUitenmantel, den ein Gott gewirkt, prangt der Tag, und die Stadt hat sich geschmückt, wie znm Einzug eines erlauchten Gastes. Von Dächern und Türmen wehen die Fahnen, wie fröhliche Gedanken, die hinausstreben ins Weite, bunt und lustig flattern sie über den Straßen, in denen allmählich das Leben einkehrt, aus Laden und Erkern grüßen sie. Und Blumen, Blumen und Blüten überall. Zn den Gärten leuchtets und duftets, von den Fenstern gleißt es hernieder, fast in allen Laden blüht und glänzt es von tausend Farben, in tausend Formen. Ein paar davon fallen vor den anderen besonders auf durch Geschmack und Geschick. Da ist ein Schaufenster ganz von Kornblumen umrankt und ein blauer Schimmer leuchtet durch duftige Vorhänge; daneben in Gelb und Lila und Rot, dem Auge eine Wonne, dem Sinn eine Freude. Ueberall glitzerts und prankts. In kristallenen Gläsern, in Vasen und Krügen, zwischen Bildern und Kleidern, zwischen Stiefeln und Früchten äugen die lachenden Kinder des jungen Frühlings hervor. Es ist ein Tag der Blumen, ein Blütenfest für das Schönste der Menschheit, für die jungen Menschenblüten, die abseits von der Sonne des Lebens kümmern, denen sie Licht und Freude geben sollen nach Kraft und Vermögen. Für sie i)t die Blume der Barmherzigkeit, für sie ist der hessische Blumentag gewesen, dem die milde Hand unserer Landesfürstin die Weihe gegeben hat.
Und junge Menschenkinder hatten sich in den Dienst der Barmherzigkeit gestellt, Mädels mit roten, lachenden Lippen und klaren, blitzenden Augen unter dem glänzenden Gelock mit feinem Blumenzierat. Schon früh am Tag waren sie unterwegs mit Körbchen voller Maßliebchen, mit Bilderkarten und Festschriften. In ihren duftigen Kleidern und ihrer jugendlichen Frische wetteifern sie mit den Blumen, die sie zum Verkauf bieten, vorerst noch schüchtern und zaghaft, des Bietens ungewohnt. Aber überall begegnen sie offenen Händen, und im Eifer wächst das Vertrauen. „Bitte, ein Blümchen!" — Rasch, rascher als sie geahnt, sehen sie ihre Körbchen leer werden; und die rotweißen Sammelbüchsen werden schwerer und schwerer. Fröhlich und glücklich ziehen sie paarweise dahin, wie lichte Frühlingsboten, und die Augen, die zu Anfang schelmisch zu Boden sahen, werden kecker und unternehmender. Bald ist kaum noch ein Knopfloch ohne Blume. Am modischen Rock des Studenten nickt es, am schlichten Kittel des Arbeiters, selbst der gestrenge Schutzmann, der kühl in dem Gewühle steht, hat seinen geheiliaten Rock mit den zarten Blümlein geschmückt. Ein kleiner Bursch, den die Mutter an der Hand hinter sich herzieht, trägt sein Sträußchen stolz in der kleinen Hand, hinter dem Ohre des Milchmannes blüht es zwischen kurzen, grauen Haaren. Ein Mann geht stolz seines Weges, in jedem Knopfloch ein paar Blumen, im obersten ein ganzer Strauß, der nur verdeckt durch den mächtigen grauen Bart schimmert. Seiner Würde bewußt zieht er gemächlich, und stolz seines Weges und freut sich der musternden Blicke. Er freut sich, daß man sich mit Zehnpfennigstücken ein Ansehen erringen kann und geht immer dahin, wo der meiste Trubel ist.
Am „Kreuz" stauen sich die Menschen. Die Militärkapelle, die schon in der Frühe die Langschläfer aus ihrer Ruhe geschreckt hat, hält dort ihr erstes Ständchen. Für sie ist heute ein strammer Tag. Rund um sie wogt es und drängt es, lachts und schwatzts und flirtets, Jugend bei Jugend, Freude bei.Freude.
Rasch sind die Postkarten vergriffen, die die praktischeren Naturen am meisten begehrten, auch die Festschrift ist bald iäbgesetzt, und die wenigen Nummern, die am frühen Nachmittag noch vorhanden waren, wurden gut bezahlt. Einige findige Köpfe, die sie früh am Morgen billig gekauft haben, wollen nun zum eigenen Wohl ein Geschäftchen machen, wenn auch nur, um für den Preis einen dicken Strauß in das Knopfloch zu heften, Und man sieht manchmal gewaltig dicke Sträuße.
Die Konzerte, die im Laufe des Nachmittags an verschiedenen Punkten stattfanden, waren ebenfalls gut besucht und die schmucken Blumenmädchen, die wie Mädchen aus der Fremde ihre Gaben lächelnd verteilten, machten gute Geschäfte. Wo ein Weg ist, da huschen sie und bieten mit schalkhaftem Lächeln ihre kleinen, bescheidenen Blümlein an, die an langen hellgrünen Stengeln wippen. Warme, weiche Jugendlippen bitten für die, die hilflos sind.
Maßliebchen, Blume der Barmherzigkeit.
Es ist etwas wach geworden in uns, etwas aus ferner, ferner Zeit, da wir noch Kinder waren und mit unseren Äinderherzen jedes Leid schwer und bitter empfanden, auch das ftemde; da wir noch mild waren und gut gegen alles, für alles. Das empfinden wir tätige Menschen heute wieder und geben gern, mancher vielleicht über Vermögen, aber doch gern. — So arm, wie die, für die sich uns die offenen Hände entgegenstrecken, so arm ist keiner. . .
In den Abendstunden bewegt sich das Treiben hauptsächlich auf dem Seltersweg, und mm sind es in erster Linie die Studenten, die mit Blumen überschüttet werden. Manche sind fast verhüllt von den kleinen, rosigangehauchten Dingern, und Scherz und Witz kreuzen über die Straße. Nur ganz allmählich leeren sich die Wege mit dem sinkenden Abend. Hier und da huscht noch ein verspätetes Blumenmädchen wie ein lichter Schein durch die Dämmerung, ermüdet, mit zerzausten Löckchen und roten Wangen, über denen strahlende Augen glücklich lächeln. Um den sanften Schwung der Lippen kräuselt sich neckisch die Erinnerung. Eilfertig trippeln die Füßchen, die so viel gelaufen sind heute . . .
Ein paar arme Sünder, die vor dem Ansturm ins -,Preußische" geflüchtet sind, kehren schmunzelnd heim — aber es wurde auch ohne sie a u s v e r k a u s t. K. N.
Vom Verkaufstag in Oberheffcu.
Wieseck. Einer sehr starken Beteiligung erfreute sich hier die Veranstaltung zur Feier des Hessischen Blumentags auf der Wellersburg. In dankenswerter Weise hat sich die hiesige Kapelle, verstärkt durch einige Herren aus Gießen, in den Dienst der guten Sache gestellt, und reichhaltiger Beifall lohnte sie für ihre vorzüglichen Leistungen. Abwechselnd mit den Musikvorträgen im Freien konzertierten die sämtlichen hiesigen Gesangvereine im. Saale. Hier konnte man hören, in welchem Maße sich der Männergesang in unserer Gemeuwe enuviuclt pat, denn sämtliche Vofträge wuröen mit großer Exaktheit ausgesührr, und stürmischer Beifall lohnte die Sänger.
Klein-Linden. In unserem Orte begannen 50 Mädchen nachmittags als Verkäuferinnen ihre Tätigieit, aber schon nach kurzer Zeck hatten sie ihre Blumen, Postkarten und Zeitungen verkcwlt. Em Zug der Schüler bewegte sich nachmittags durch das Dorf. Um y29 Uhr abends begann das Wohltätigkeitskonzert
des Gesangvereins „Eintracht" und des Zitherkranzchens in der „Deutschen Eiche". Pfarrassisteick Rieder hielt eine Rede über den Blumentag und brachte ein Hoch auf die Großherzogsfamilie aus. Außerordentlichen Beifall fanden die Chöre der „Eintracht", die unter Leitung des Dirigenten Harnisch in ausgezeichneter Weise vvrgetragen wurden. Das Spiel des Zitherkränzchens trug zum schönen Gelingen des Abends ebenfalls bei.
L ind en ftru 1 h. Unser lleines Torf hatte am Samstag abend auch seinen Blumentag. Lehrer Keil- Klein-Linden hielt im Kriegerverein einen Vortrag, und damit verband man einen Familienabend, der zugleich eine Blumentags-Veranstaltung bildete. Pfarrer, Lehrer, Schulkinder und viele Einwohner hatten sich eingefunden, so daß der Saal bei Gastwirt Schepp überfüllt war. An den Vortrag über „Deutschlands Kolonien" schloß sich der Blumenabend. Bürgermeister Scheld wies auf dessen Bedeutung hin und Lehrer Hahn sprach über die Säuglingsund Mutterfürsorge und die Sammlung im Hessenlande. Frau Lehrer Hahn hatte zahlreiche natürliche Maßliebchen zurecht gestellt, deren Verkauf 8 Mk. ergab.
Büdingen. Das sonnige Wetter gestattete den Sammlerinnen das Anlegen ihrer hellen Toiletten, und wo diese getragen werden, hellen sich die Gesichter und helle freundliche Gesichter von jungen Damen öffnen Herzen und Hände. Das Komitee im Stern sorgte für rasche und reichliche Füllung der Körbchen, und Postkarten und Festzeitungen fanden so raschen Absatz, daß bereits gegen 4 Uhr alles ausverkauft war. Mit Postkarten mußten die Buchhandlungen und Papiergeschäfte, mit Blumen die nächstgelegenen Wiesen aushelfen. Die Ziomitee- damen banden Sträußchen aus lebenden Gänseblümchen, die ebenso flotten Absatz fanden wie die künstlichen. Die in zwei Abteilungen in die Wohnungen der fürstlichen Herrschaften einrückenden Verkäuferinnen hielten hier reiche Ernte. Am Bahnhofe durften auch die Durchreisenden ihre Nickel hier lassen. Tie Stadt trug reichen Flaggenschmuck, und auf der Zinne des altehrwürdigen Jerusalemer Tores flatterten zahlreiche Fahnen in hessischen, deutschen und Afenburgischen Farben.
Lauterbach. Der Blumenverkaufstag brachte ein gutes Ergebnis. Schon bis Mittag waren sämtliche Blumen und Postkarten usw. verkauft und einige eifrige Verkäuferinnen sammelten natürliche Gänseblümchen und brachten sie noch an den Mann. Auch der „Bunte Abend" gestaltete sich zu einer großartigen Feier. Die Spießturnhalle war bis zum letzten Platz gefüllt und die Verkaufsbuden fanden reißenden Absatz. Die Gesangs- und MusiKiorttäge von Hofopernsänger Ungtbauer, Pfarrer Möbus, Konzertmeister Stumpf und Fräulein Hepp aus Frankfurt a. M. ernteten reichen Beifall. Bis zum Tagesgrauen hielten die Teilnehmer aus und viele behaupteten, d'aß in Lauterbach ein schönerer geselliger Abend noch nicht stattgefunden habe.
Bad-Nauheim. Die Stadt stand am Sonntag im Zeichen des Blumentags. Die Straßen waren geflaggt, die meisten Geschäftsleute hatten die Schaufenster dekoriert. Früh am Morgen begann der Blumenverkauf, den 140 junge Damen übernommen hatten; darunter auch eine Anzahl Kurgäste. Bereits um 7 Uhr waren die Verkäuferinnen an den Badehäusern beschäftigt. Um 11 Uhr konzertierten die 24er Dragoner aus Darmstadt am Burg» platz und die Kurkapelle am Tenniscafe. Bis gegen Abend waren die 20 000 Blumen, die morgens durch eine Nachsendung aus Darmstadt vermehrt und durch lebende Blumen aus der staatlichen Gärtnerei ergänzt wurden, zumeist abgesetzt, so daß bei den Abendkonzerten auf der Terrasse und im Tenniscafe das Hauptgewicht des Verkaufs auf die Postkarten, die Festzeitung Und das Wohlfahrtsporzellan gelegt werden konnte.
Friedberg. Von 9 Uhr an zeigten sich die weißgekleideten jungen Damen auf den Straßen, um das Maßliebchen zum Verkaufe anzubieten. Um 9 Uhr hielt die Stadtkapelle einen Umzug, dem von 1/211 bis 1/21 Uhr ein Promenadenkonzert unserer Militärmusikschule am Kriegerdenkmal folgte. Um 1/21 Uhr war Musikumzug durch Feuerbach. Um 4 Ilftr folgte dann ein größeres Konzert, wiederum am Kriegerdenkmal. Der Verkauf der Blumen war sehr gut.
In Starkenburg und Rheinhessen.
Darmstadt. Der hessische Blumentag hat allen in ihn gesetzten Erwartungen entsprochen. Bereits vor 8 Uhr begannen die 1500 Verkäuferinnen ihres Amtes zu walten und sie fanden so offene Hände, daß viele gegen 10 Uhr ihren Vorrat verkauft hatten. Ein Frühschoppenkonzert der Studentenschaft auf dem Paradeplatz vervollständigte das festliche Bild. Die beiden Prinzen beteiligten sich ebenfalls an dem Liebeswerk. Das Großherzogspaar unternahm eine Rundfahrt durch die Stadt. Am Nachmittag drängten sich die Besucher nach dem Landsknecht- fest auf der Rosenhöhe. Den Abschluß des Tages machten Konzerte im Platanenhain und int Saalbau, ein bunter Abend im Orpheum und eine Festvorstellung int Hoftheater. Letzterer wohnte das Großherzogspaar bei. U. a. wurde unter Leitung des Komponisten Paul Lincke das von ihm für den Blumentag komponierte Ballett „Champagnervisionen" gegeben.
Offenbach. Der Blumenverkauf hatte morgens so rege eingesetzt, daß der vorhandene Blumenbedarf mittags fast zur Neige ging und neue Blumen aus Frankfurt beschafft werden mußten. So kam es, daß neben dem Maßliebchen noch alle möglichen anderen Blumenarten zu erhöhten Preisen verkauft wurden. Aehnlich war es mit den Postkarten. So kaufte man denn von den hiesigen Geschäften Ansichtskarten, die schnell mit einem entsprechenden Stempel versehen wurden. Etwa 2 3 0 000 Blumen wurden verkauft und man schätzt deren Erlös auf 30-40 000 Mark.
Main z. Auf allen Wegen und Stegen eilten die flinken, fröhlichen Mädels mit Bastkörbchen mit Maßliebchen angefüllt. Besonders wo die Negimentsmusiken ihre Weisen ertönen ließen und wo die Kansstände für Postkarten, Kuchen usw. aufgeschlagen waren — auf der Kaiserstraße, der Nheinstraße, dem Schillerplatz, vor dem Stadthause in Mainz-Kastel, in Mombach und Amöneburg, dort drängten sich die fröhlichen Blumenelfchen durch das Gedränge und fanden willige Käufer.
Au» itaöt unO fcanö,
Gießen, 8. Mai 1911.
* * Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat dem Pfacrassistenten Rud. Metzger zu Affolterbach die evang. Pfarrslelle zu Romrod übertragen. — Ernannt wurden: Pfarrassistent Sattler zu Kastel zum Pfarroerwalter in Ober-Klingen; Pfarroerwalter Eichenauer zu Dolgesheim zum Pfarrassistenten in Kastel; Pfarrvikar Dr. Bingel zu Michelstadt zum Pfarrassistenten in Mainz (Christus- gemeinde); Pfarrvikar Klingel zu Gensingen zum Pfarr- vtkar in Rieder-Ingelheim; Pfarrvermalter Vogt zu Messel zum Pfarrvikar in Gensingen. — Gestorben ist der evang. Pfarrer i. P. Kirchenrat Herm. Sartorius von Groß- Karben zu Darmstadt am 27. April. — Zur Wiederbesetzung wird ausgeschrieben die evang. Pfarrstelle zu Trebur.
* * Der »Sänger vom Rheins, Herr Franz von Flaig, ist wieder in Gießen aus einige Tage eingekehrt und erfreut allabendlich seine Zuhörer, die sich namentlich aus studentischen Kreisen zusammensetzen. Herr von Flaig, der in Darmstadt kürzlich auch vor dem Prinzen Heinrich von Preußen sang, hat seit seinem letzten Hiersein in seiner Vortragskunst noch wesentliche Fortschritte gemacht und nach den uns vorgelegten Prcsseäußerungen in der letzten Zeit überall großen Beifall gefunden.
* * Brand. Im Mansarden stock der Villa Kempff in der Marburger Str a ß e brach gestern abend gegen IO1/» Uhr Feuer aus. Der Dachswck und zwecke Stock luuroen vom Feuer vollständig zerstört. Erst um lV/a Uhr war der Brand soweck bewältigt, daß eine weitere Gefahr ausgeschlossen war. Die Entftehungsursache hat sich noch nicht feftjicllen lassen. — Das Feuer getoann eine größere Ausdehnung, als es wohl der Fall gewesen wäre, wenn sich der Ausbruch zu einer anderen Zeck
ereignet hätte, da sich hierdurch die Alarmierung der Feuerwehr länger hrnzog, als es sonst der Fall gewesen wäre. Auch das Schlauchmaterial so., z. T. versagt haben, was wohl auf die herrschende Trockenheit zurückzuführen ist. Da die Wasserleitung keinen Hochdruck hatte, mußte mit den Spritzen gearbeitet werden. Jedenfalls ist der Berlauf des Brandes eine Mahnung, die Feuer- lösch-(ftnrichtungen unserer Stadt ständig zu prüfen und auf der Höhe zu halten, damit bei Brandfälleu unsere wackere Wcbr stets gerüstet ist,
Landkreis Gießen.
r. Land ors, 7. Mai. Heute sand die Hauptversammlung der Spar- und Vorschußkasse statt. Das Geschäftsjahr war wiederum günstig, es kamen 11 Proz. Dividende zur Verteilung. Der Reingewinn betrug über 4000 Mark, wovon etwa die Hälfte zum Reservefonds abgeführt wurde. Weiter wurde beschlossen, dem Gesangverein „Frohsinn" hier anläßlich seines Psingsten d. Js. stattfindenden Wettstreit 50 Mark zu überweisen.
△ Grünberg, 7. Mai. Der Bezirksverein Grünberg vom Hessischen Lehrer-Turnverein hielt gestern eine gut besuchte Versammlung ab. Es wurde beschlossen, die für Grünberg bestimmte 5. Hauptversammlung des Hessischen Lehrer-Turnvereins auf den 14. und 15. Juli festzulegen. Am 14. Juli ist Vorstandssitzung und Begrüßungsfeier, bei dieser wirken die Grünberger Vereine mit. Am 15. Juli ist die Hauptversammlung, das Schauturnen von Schulklassen und Lehrerriegen aus Groß-Gerau und Grünberg.
Kreis Büdingen.
X Büdingen, 6. Mai. Die BezirkskriegerLag des Bezirkes Büdingen wird am 28. d. M. auf der malerisch gelegenen Ronneburg abgehalten. Auch die Familien der Mitglieder der zum Bezirk gehörigen Vereine werden an dieser Zusammenkunft teilnehmen, so daß der Tag bei einigermaßen günstiger Witterung schön zu werben verspricht.
-1- Büdingen, 7. Mai. Heute nachmittag fand üt dem Gewerbeschulgebäude die Ueberreichung der Gesellenbriefe an die jungen Handwerker statt, die in diesem Jahre die Prüfung bestanden haben. Es hatten sich 20 Handwerker zur Prüfung gemeldet, von denen 17 bestanden. Geprüft wurden zwei Weißbinder, drei Maurer, vier Schreiner, zwei Schlosser, ein Spengler (beide Handwerke sind auch mit Jnstallationsarbeiten beschäftigt), ein Schuhmacher, ein Schneider, zwei Schriftsetzer, ein Sattler, zwei Schmiede, ein Wagner. — Die Zurückweisung der Nichtbestandenen erfolgte wegen mangelnder theoretischer K«ennt- nisse. — Hauptlehrer Mockenh aup t begrüßte zunächst die Vertreter der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe,' Gewerberat Wagner, sodann die Mitglieder des Prüfungsausschusses und beglückwünschte die jungen Handwerker, der Hoffnung Ausdruck gebend, daß sie als wackere Söhne des Handwerks diesem zu dem ihm gebührenden Ansehen weiter verhelfen werden. Dies fei auch der Zweck der int Vergleich zu früher schärferen Bestimmungen der Prüfungsordnung. Der Redner wies auf die Pflicht der Dankbarkeit der jungen Handwerker ihren Eltern, Lehrern und Lehrmeistern gegenüber hin und schloß mit Hinweis auf den heutigen Blnmen-- tag, als ein Beweis der Fürsorge unserer Großherzogin und auf die Förderung und Hilfe, die der Großherzog dem Handwerk zuteil werden lasse, mit einem Hoch auf den Grost- herzog. — Gew erb erat Wagner legte in eingehender Weife die Entwickelung des Handwerks dar und verbreitete sich über die Ziele, die sich das Handwerk und besonders die jüngeren Handwerker stellen müssen, wenn das Handwerk gedeihen soll. Nach einer kurzen Krittk über die anSgelegten Gesellenstücke empfahl der Redner den jungen Gesellen Pflege der Berufs- und Arbeitsfreude und fteißigen Besuch dec Handwerker-Bildungsanstalten.
A Nidda, 7. Mai. Eine Veteranenehrung beschloß unser Stadtvorstand. Am 10. Mai, dem Tage der 40jährigen Wiederkehr des Friedensschlusses zu Frankfurt, soll den hilfsbedürftigen Veteranen eine Ehrengabe von je 20 Mk. überreicht werden. Ferner wurde beschlossen, auf dem Kriegerdenkmal den Namen des „Helden von Chambord", Hauptinann Kattrein, anzubringen, da er ein geborener Niddaer ist. Es ist ferner beabsichtigt, am Geburtshause Kattreins eine Gedächtnistafel anbringen zu lasten.
Kreis Friedberg.
X Friedberg, 7. Men. Am Dienstag und Mittwoch dieser Woche hält der hessische evang. Pfarrverein seine Hauptversammlung im Hotel Trapp dahier ab. Besonders interessant für weitere Kreise werden wohl die Vec- ' Handlungen über den Vortrag des Dekans Wagner-Grünberg werden, der das Thema behandelt: Ist Aufhebung des § 51 des Volksschulgesetzes im kirchlichen Sinne empfehlenswert? Am Abend des ersten Tages findet eine öffentliche Abendversammlung statt, wobei der hiesige Kirchengesangvcrein Mitwirken wird. Am zweiten Tag sprechen Pfarrer Anthcs- Brensbach über „größere Selbständigkeit der Kirche in Bezug auf ihre Vermögensverwaltung" und Pfarrer Brill-Oberwiddersheim über „Sammlung von kirchl. Baufonds*. Mit der Tagung ist auch wieder die Jahresversammlung der HilfS- kasse und der Sterbekasse verbunden.
x Bad -Nauheim, 6. Mai. Unser Bad hat indischen Fürstenbesuch erhalten. Der Khan Obai- dullah ist mit seinen Frauen und seinem Gefolge zum Kurgebrauch hier angekommen und hat im „Maison de Hollands Wohnung genommen.
Starkenburg und Rheinhessen.
w. Darmstadt, 7. Mai. Der Gabelsberger Stenographeuverein Darmstadt beging heute in Anwesenheit von Vertretern der staatlichen und städtischen Behörden die Feier seines öOjährigenVe stehens. Nach verschiedenen Ansprachen, u. a. des Vertreters der Regierung Geheimrat S ü f f e r t und des Oberbürgermeisters Dr.G l ä v sing hielt Direktor Dr. Gaster aus Antwerpen über das 'Thema: „Auf dem Wege zur deutschen Einheitsstenographie" die Festrede. — Der Bundesvorsitzende, Professor Pfaff-Darmstadt, erhielt das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen.
w. Gras-Ellenbach, 7. Mai. Die hiesige Ortsgruppe des Odenwaldklubs hat am Siegfrieds- brunnen eine Schutzhütte erbaut, deren Einweihung am Sonntag gelegentlich des hessischen Blumen- k a g e s stattsand. Die Hütte wird den Namen „Krimhilden- hütte" führen.
w. Weinolsheim, 6. Mai. Eine Zigeunerschlacht fand in der Nähe unseres Ortes statt, bei der zwei Zigeuner ziemlich schwer, der eine sogar lebensgefährlich durch Messerstiche verletzt wurde. In dieser Sache weilte gestern die Staatsanwaltschaft hier, um Ermittlungen anzn- stellen. Die Täter find noch nicht ermittelt worden, da gleich nach der Tat die Bande nach allen Richtungen entfloh.


