Ausgabe 
8.8.1911 Zweites Blatt
 
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Nun", sagte ich,können und wollen Sie

Ich wüßte keinen.

Verantwortlich fürAus Stadt und Land" i. V.: K. Neurath.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gletz«.

August

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1911

+ 27,0 C.

Fleischpreise in Ließen

46

53

Sonnenschein

Sonnenschein

Ochsen

Kälber Schweine

37

30

102

08

84

77

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61 aus-

55

60

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Bollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht.......

Bollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht........

Vollfleischige Schweine über 2*/a Zentner Lebendgewicht........

Fleischige Schweine unter 60 kg Lebend-

Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.

Scha <e. Weidemastschafe . . . Schweine.

50 Kg. Schlachtgewicht 9197 Alt.

7, Kg. Schlachtgw. 93-100 Pi.

7? 68-70

die Versammlung mit dem katholischen Gruß imb feierte Mainz als Statt'' der ersten Tagung. Tann führte er aus: Wir Katho- Üken wollen nicht ruhen und rasten, bis roir unsere Ordens- leiite wieder haben, und frei sollen alle unsere Orden sein, frei von allen Ausnahmegesetzen in Preußen, Hessen, Württem­berg und Baden, sogar in Mecklenburg, Sachsen und Braun­schweig. Ich weiß, was unsere Gegner sagen: Da haben wirs nnedei, künstlich wird die Erregung geschürt, um das Volk bei der Stange zu halten. Tas ist unrichtig, unser Volk ist es, welches diese Sprache verlangt. (Anhaltende Zustimmung.)

Hierauf ergreift

Bischof Kirstein (Mainz) bas Wort. Ich habe hier als Diözesanenbischos eigentlich keine 'andere Ausgabe, als Mitglied der Katholikenversammlung zu sein und den Segen zu erteilen. Aber ich bin von dem Herrn Prä­sidenten ersucht worden, an Sie einige Worte zu richten und tue das von ganzem Herzen, Worte der Freude über Ihr zahl­reiches Kommen im Interesse unserer heiligen Kirche. Tie Haupt­aufgabe dieses Katholikentages muß eine Erklärung zum treuen Gehorsam gegen Papst und Bischof sein. Wir begrüßen vor allem das Erscheinen von Exzellenz Hertling. (Anhaltender Bei­fall.) Es wäre schade gewesen, wenn er nicht gekommen wäre. Aber der liebe Gott hat gewollt, daß er am Leben bleibe, er soll snoch arbeiten für seine heilige Kirche. Möge ihm Gott alles ver­gelten noch in diesem Leben. Ter Redner schildert dann, wie er als Chorknabe des Mainzer Domes der Heimkehr des vom vati­kanischen Konzil M rückkehreirden Bischofs Kettel er beigewohnt habe, und wie dieser alle gesegnet habe für die schwere kommende Zeit des Krieges, des Kulturkampfes. So wolle er auch heute die Ver­sammlung segnen und rufen: Ihr katholischen Männer, ich bitte Euch, Eure katholische Kirche zu lieben als Eure Mutter. Schmach über den Katholiken, der mit kaltem Herzen zur Kirche steht, zumal in dieser Zeit. Ihr Katholiken: seid einig, einig, einig! (Minutenlanger Beifalls Ich mache einen Vorschlags zur Güte: Wenn wir Differenzen haben, so wollen wir sie ein Jahr zurück­stellen. Wenn Gefahr besteht, wenn ein Haus brennt, dann streitet man sich nicht, sondern rettet. Und jetzt ist nicht der Augenblick, daß sich Katholiken herumstreiten sollten. Wenn Unsere Feinde gerade jetzt sich znsammenschließen, dürfen wir nicht unsere Kröste zerspittern. Darum schließe ich mit dem Rüfe: Katholiken, seid einig, einig, einig! (Langan^rltender Beifall und tosender Jubel.)

Nachdem die Präsidenten und Ehrenpräsidenten der Versamm­lung vorgestellt worden waren, ergriff, von großem Beifall der ganzen Versammlung empfangen, Reichstagsabgeordneter Frei­herr v. Hertling (München) das Wort zu seiner

Gedächtnisrede für den Bischof v. Ketteler.

Der Redner ging zunächst den äußeren Lebens gang des Bischofs durch (und kam' dann auf seine Tätigkeit als Bischof zu sprechen. Als Seelensorger ist er Sozialpolitiker geworden Unermüdlich ist feine Arbeitskraft im Beichtstühle, als Prediger. Er war ein Mann der vornehmen Gesellschaft, mit vornehmen Formen, aber behagliches Wohlleben war bei ihm nicht zu finden. Was er übrig hatte, gab er den Armen und hinterließ kein Vermögen. Um der Kirche die ihr gebührende Freiheit zurückzugewinnen, war er ins Frankfurter Parlament eingetreten. In der Oberrheinischen Kirchenprovinz dauerten die unliebsamen Zustände fort, dock waren sie in Hessen gemildert durch den gerechten Sinn des Großherzogs. Das eigentliche Feld des Ruhmes Kettelers sei seine soziale Politik gewesen. 1848 hielt er, der Pfarrer von Hopsten, im Mainzer Dom seine berühmten Predigten über die soziale Frage. Zum großen Teil habe die deutsche Gesetzgebung die Forderungen Kettelers, die dieser in seinen Predigten und Büchern aufstellte, erfüllt.

Während der Rede des Freiherrn von .hertling war folgendes Antworttelegramm des Kaisers

aus Wilhelmshöhe eingegangen:Ich habe die freundliche Be­grüßung der dort versammelten deutschen Katholiken gerne ent­gegengenommen und danke bestens für den Ausdruck treuer Er- g^enheit. Wilhelm I. R."

Der Vorsitzende brachte darauf ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Kaiser aus. Im Anschluß daran verlas er weitere emgegangene Telegramme, so u. a. von Kardinal Erzbischof Tr. Uscher (Köln), dem soeben verstorbenen Kardinal Fürstbischof Dr. Grufcha (Wien).

Als letzter Redner des Abends verbreitete sich sodann der Bischof von Speyer, Dr. Faulhaber, über das ThemaKlerus und Volk".

Müller'sche Badeanstalt.

Mass e r ro ä rnt e der Lahn am 8. August: 20° R.

Sport.

Fußball. Am Sonntag spielte die Schülermannschast des Gießener Sportvereins von 1900 aus dein Sportplätze an der Hardt gegen die erste Mannschaft des Ballspielklubs Wetzlar. Das Spiel war gleichmäßig verteilt, doch konnte die hiesige Mannschaft infolge größerer Entschlossenheit vor dem Tore mit 2:1 Toren das Spiel gewinnen.

gewicht .... 4748 6162 47

Ueberstand: Rinder, Kälber, Schafe und Schweine verkanft.

Feinste Mastkälber ... .... 6062 100-104 61 Mittlere Mast- und beste Saugkälber , 5358 89-97 Geringere Masi- und gute Saugkälber 4803 8088 Geringere Saugkälber . .... 4448 7480

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dies er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 7. August.

Gestern.vormittag wollte ich einen Wagen unserer Elektrischen von der Marburger Straße nach dem Bahnhof benutzen. Nach­dem ich eingestiegen war, bat ich den Wagenführer höflich, mir ein Zehnmarkstück zu wechseln, da ich kein kleines Geld bei mir hatte. Zu meinem größten Erstaunen aber erklärte er mir, dazu nicht im Stande zu sein.Ja, lieber Mann", fragte ich ihn,wie machen wir es dann?" Prompt erhielt ich die Antwort:Tann können Sie nicht mitfahren und müssen einfach wieder aussleigen, das ist schon mehr Leuten so gegangen." Im ersten Augenblick war ich einfach starr über diese Antwort, aber weil mir viel daran gelegen war, diesen Wagen zu benutzen, da meine Zeit sehr knapp war und ich unbedingt damit rechnen mußte, nahm ich meine Zuflucht zu Unterhandlungen, bevor ich dem Befehle des Wagenführers Folge leistete.Gibt es beim gar keinen Ausweg ?" fragte ich ihn.

Anschlag aus einen Geldbriefträger.

Straßburg, 7. Aug. Heute morgen um 3/49 Uhr IWrbe der Geldbriefträger Paul Z a che r, als er im Hause Hohenlohestraße 29 eine Zustellung machen wollte, auf der Treppe des 3. Stockes von einem unbekannten, gutgekleidetenjungenManneüberfallen,der ihm mit einem neuen Hammer einen Schlag auf den Hinter­kopf versetzte. Zacher rief um Hilfe. Als Leute herbei- eilten, erschvß sich der Täter mit einer Browning- Pistole. Der Geldbriefträger liegt schwer verletzt im Krankenhause. Der Angreifer hatte die Geldsendung an sich selbst adressiert, ohne dort eine Wohnung inne zu haben. Die Leiche wurde beschlagnahmt.

wandern und Reifen, 5äöer und Sommerfrischen.

** V. H.-C. Seine 5. Bereinswandenmg veranstaltete der V. H.-C. Gießen am Sonntag mit 33 Teilnehmern "ach dem Hinterland Von Gladenbach, dem anmutig in einem Talkessel gelegenen Städtchen, führte die Wanderung auf guter LanDltraße, von der man prächtige Ausblicke auf die Hinterländer Berge, sowie den in der Ferne grüßeiwen Dünsberg genoß, zunächst bergauf. Tie überaus drückende Hitze der vorhergehenden Tage, die manchen von der Beteiligung abgehalten hatte, war gewichen, die Sonne umwölkte und eine angenehme frische Brise fratte be­gonnen. So (ging es in etwa zweistündigem Marsch über Römers- Hausen nach dem hochgelegenen Dernbach, wo die erste Rast er­folgte. Der weitere Weg führte durch prächtigen Hochwald mrd über Heide durch Wallenfels, einem einsamen, aber rounbcrBoH tn einer Bergschlucht gelegenen Dorfe und über den Wuhelmstem, einigen großen, mitten int Walde gelegen Grünftemfelsen nach Tringenstein, wo wiederum Aufenthalt genommen wurde. Da die liebe Sonne nunmehr wieder in echt sommerlicher Glut vom blauen Himmel herunter strahlte, so befcftlof)en bie Führer unter allgemeiner Zustimmung, die Wanderung zu kürzen und so ging es nunmehr, wiederum durch herrliche Landschaft, nach (iifcmxott), wo die Bahn nach Herborn, dem eigentlichen Entfiele Der Wan­derung, benutzt wurde und wo man im Nassauer Hof bei Sang und Tanz einige angenehme Stunden bis zur Heimfahrt verbrachte.

Was gibts zum Nachtisch?

Wenn Sie eine angenehme Abwechslung kalter Desserts wünschen, versuchen Sie natürliche Fruchtflammeris mit jedem Obst hergestellt, sowie Milch- und Eierspeise mit gekochten Früchten serviert. Für alle solche und ähnliche Nachspeisen eignet sich großartig das

Mondamin

Ueberall erhältlich in Packeten ä 60, 30 u. 15 Pfg. Erprobte Rezepte versenden auf Wunsch gratis u. franko Brown «LPolson, Berlin C. 2.

Markte.

Gießen, 8. Aug. Marktbericht. Aus heutigem Wochen­markte kostete: Butter pr. Pfd. 1,301.35 Mk., Hühitereier 1 St. 89 Ma' Enteneier 1 Stück 9-10Pfg., Ganseeter 1 Stuck 10 bis 15 Pfg., Käse pr. St. 68 Pfg., Kasematte pr. St. 5-6 Pfg., Tauben pr Pr. 0,80-1,00 Mt., Hühner pr. St. 1,001,60 Mk., Hahnen pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. St. 1,80-2,20 Mk, Gänse das Pfd 75-80 Big., Ochsenfletsch vr. Pfd. 86-94 Pfg., Rindfleisch pr. Pfund 8690 Pfg., Kuhflelsch 7V Pfg, Lchwetne- fleisch vr. Pfund 7090 Pfg., Kalbfleisch vr. Md. 7680 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd 6088 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kg. 10.00 bis 12.00 Rik, Weißkraut das Stück 30 bis 40 Pfg., Zwiebeln per □tr. 8,009,00 Aik., Milcb bas Liter 20 Pfg., Aepfel per Pfd. 15 bis 26 Pfg., Russe 100 Stück 50-60 .^9-, ver Ztr. 0-00 Mt., Bohnen per Pfb. 20-00 Mg, Kirschen ba§J3fb 2o-30 $fg. Gurken 100 Stück 4,00-4,50 Alk., Birnen bas Pfunb 20-30 Pfg, Pflaumen das Pfund 20-00 Pfg. Marktzeil von 7-1 Uhr.

r.0. Wiesbaden. V iehh o'-Mark tberi cht vom 7. Aug. Auftrieb. Riuder 84 (Ochsen 45, Kühe 39, Bullen 00), Kälber 60,

Höchste Temperatur am 6. bis 7. August

Niedrigste P 6. 7.

mit- denn vielleicht auf mein ehrliches Gesicht hin 10 Pfennig leihen, Sie kennen mich doch wohl?'Nur von Ansehen, aber ich will sie Ihnen trotzdem leihen, Sie werden mir sie ja gelegentlich tuiebergebeii." Und so geschah es. Der mitleidige Mann lieh dem unbekannten Fahrgast 10 Pfennig und fo durfte ich, nachdem ich diese pflichtschuldigst in den Zahlkasten befördert, den Wagen be­nutzen und konnte den Zug am Bahnhos noch erreichen.

Ich bringe diesen Vorfall, der wirklich sehr an kleinstädtische Verhältnisse erinnert, hiermit zur Kenntnis des Publikums und der Leitung unserer städtischen Straßenbahn. Tenn unzweifelhaft liegt hier ein Mißstand im System vor, der nicht dazu beiträgt, die Frequenz unserer Straßenbahn zu heben, sondern der den Ver­kehr erschwert, da er, wie der Wagenführer eingestand, öfters vor­kommt. Dem Wagenführer persönlich kann ein Borwurf nicht ge­macht werden, wohl aber müßte die Leitung der städtischen Straßen­bahn dafür sorgen, baß beiartige Vorfälle nicht eintreten können imb das wäre sehr leicht dadnrch zu erreichen, baß beit Wagen­führern außer dem in den Papierbeuteln abgezählten Wechselgeld von je 50 Pfennig auch mindestens Mark 10 in größeren Stücken für solche Fälle mitgegeben würben. Was würbe wohl ein Freinber bazn sagen, wenn ihm etwas berartiges auf unserer Elektrischen passierte?

Die Marktpreise für Bieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise

am 7. August 1911.

Getreibepreise in Mannhei m

Weizen 100 Kg. 21.50 - 00.00 Alk.

Roggen 100 Kg. 17.2500.00 Mk.

-5 tS ZZ

8 HL -A

'/, Kg. 86-94 Pfg.

7, , 7680 ,

7, 70-90

Brotpreise in Gießen

Weißbrot 2 Kg. 62 Ptg.

Schwarzbrot 2 Kg. 54 Pfg.

Schafe 20, Lchweme 269.

Tendenz: iHmbet, Kälber, Schafe und Schweine lebhaft.

Preis Durch« pro 100 Pso. jchnittsprei; vebenb. -ckUrchc- pro 100 Pfund AEwichl vtbenb» 3dita4)c c £6 feit. von-bisvon-bir flcrot4)t **

Pollfleischige, ausgemästete, höchsten

Schlachtwertes höchstens 6 Jahre alt 4851 8793 Junge, fleischige, nicht auSgemaslete und

ältere ausgemäsiete 4448 8o87

Ungejochte ... 515o 9396

Färsen. Kühe.

Pollfleischige ausgemäsiete Färsen höchst.

Schlachtwertes . 4852 8692 Pollfleljchrge ausgemästete Kühe höchst.

Schlachtwertes bid zu 7 Jahren. . 4044 7780 Aettere ausgemäsiete Kühe und wenig

gut entwickelte jüngere Kühe w Färsen 3539 7075 Mäßig genährte Kühe und Färsen . . 2734 6068 Kälber.

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152,9

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