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6.11.1911 Erstes Blatt
 
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M. Jahrgang

Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfafot 10 Seiten.

sagen

(I lenling unbßreitafl); zweimal monotl. land« wirif<}aftHd)c8tit|rat|en ftendpred) Anschlüsse: für die Nedaktwi, 112, l'erlaq u. Expedition 51 Adresse Wir Depeschenr

Eine Stimme aus Wien.

Wien, 4. Nov. Zum Marokko-Abtommen sch.v N eue Freie Presse":

Tie große Bedeutung des Ucbcreinkommens liegt in der Tatsache, daß Deutschland und Frankreich trotz aller störenden Einflüße sich über eine der fchivierlgilen Fragen zu einigen ün mochten. Oesterreich-Ungarn tann mit dem Ergebnis nur zu­frieden sein. Jede Tatsache, Die ein ruhiges. Zusammenleben zwischen Frankreich und Teutschland erleichtert, wird in Letter- reich-Ungarn mit Vergnügen ausgenommen. Zede Befriedigung, welche Deutschland in der Kolonialpolitik durchzusetzen vermag, ist zugleich em Gewinn für das verbüitdete Oesterrcich. Das güt ganz besonders von dem Marokko-Abkommen; denn Ocsterreich- Ungarn ist eine Mütelmeermacht, Marokko ein Mittelmecrgcbicl, wo Deutschland dem Grundsatz deroffenen Tür" für alle Mächte durchgesetzt hat. Der marokkanische Vertrag ist tatsächlich cm Friedensvertrag und die Hoffnung gestattet, daß lein Nicdcrfchlag von Bitterkeit in Berlin und Paris zurückbleiben werde.

Staatssekretär v. Lindequist

trat sein Amt als Nachfolger Dernburgs am 11. Juni 1910 au, nachdem er seit langen Zähren in der äolonialvcrwallung tut.g gewesen war. Er ist am. September 1862 in Wosteritz in Pommern geboren. Zn Grcisswald erzogen, ging er 1882 zur Universität und studierte hauptsächlich in Greifswald, wo er auch 1906 Ehrendoktor der juristischen Fakultät wurde. Am 18. SDlai 1886 trat er als Referendar im Oberlandesgerittstsbe'nrk

Ter französische Ministerpräsident über den Vertrag.

Saint Calais, 5. Nov. Bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Festmahl besprach Caillaux in längerer Rede auch die Marokkoangelegenheit und sagte

u. a.:

Tie Regierung bat bad Bewußtsein, seit vier Monaten in hohem Grade eine wirklich nationale Politik verfolgt zu haben, indem sie zum grüßten Nutzen Frankreichs bic febr ver­mittelte Lage ordnete, der sie sich gegenübcrfand, gleich al» ftc zur Macht gelangte. Wir haben gewollt, baß Frankreich in Ma- rokko volle vandlungSsreihcit habe. Es wäre klnblich, zu glauben, daß an den Usern des MittelmeereS, angrenzend an unser Algerien, das mir mit unserem Mutterlande fast verschmolzen haben, cm großes Land bestehen sollte und könnte, das sich sysle matisch der Zivilisation verschließt. Tas Gesetz der distoriichen Ennvicklung stellt sich dem ebenso entgegen, wie es Frankreich, als es Herrin von Algier geworden, gebot, sein Reich am Tunis auszudchnen. Dieses Gesetz befahl Frankreich eines Tages, Ma rotko zu organisieren und endgültig in Nordasrika mit AuSichluß aller rivalisierenden Unternehmungen seine Hegemonie als muselmanische Großmacht auszurichte»; aber um ein so dauerndes Ergebnis zu erreichen und Frankreich eines solchen sträftezuwachses teühastig werden zu lassen, hätte es möglich ein müssen, zu handeln, und das ist das Moment, das gcroiüe 2eute leicht oder allzu flink aus dem Auge verlöre,! haben, wie wenn wir allein auf der Welt wären, man mußte sich mit an­deren auseinander setzen und über ihre Zustimmung unterhandeln. Damit auch Deutschland seinerseits uns in Marokko iicic yanb lasse und bannt es aus die Vorteile verzichte, welche es sich geichafsen zu haben glaubte, haben wir ihm gewiße Ent­schädigungen eingeräumt. ESrstnichtmeineAbsicht, diese herabzusetzen, aber ich bin berechtigt zu sagen, daß sie Frankreich in keinem z u m Lebe., unbedingt nötigen Teile treffen und daß sic seine wesentlichen Interessen nicht berühren. In Zeu- tralafrika können die Stellungen nicht als endgültig belradiht werden. Es wird Ausgabe einer klugen, vorausseheuden Politik für viele europäische Mächte sein, eine Abrechnung vor zubereiten, in der jeder der verschiedenen Vertrag schließend.n Teile seinen Vorteil sindet. Wir können unter der einzigen Be dingung, die wirtschaftliche Gleichheit zu achten, unsere Aktion auf ein Land ausdehnen, welches geräumiger, fruchtbarer und bevölkerter ist als Algerien und Tunesien zusammen genommen, und das zweifelsohne zukünftig die s ch ö n st e Blume in u n j c r m kolonialen Kranze bilden wird. Ich scheue mich nicht, zu behaupten, daß tedeuialls die überragende Mehrheit der Nation sich heute zu der Lösung beglüttw inschl, welche sie mit Rul>e und Würde, dem . starker Völker, erwartete, mit derselben Ruhe und berteil von ber sich die Regierung erfüllen lassen wird..

Nr. 261

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nach Spanisch-Guinea umbicgcnd. Sie schneidet den Jbondo luß bei seiner Vereinigung mit dem Dschua, folgt diesem ,is zum französisch bleibenden Madjingo und dann weiter , jegcn Osten bis zur Bereinigung des Nqoko und des Sangha ; m Norden des Ortes Wesso. Südlich dieser französisch i bleibenden Stadt, und zwar mindestens sechs und höchstens zwölf rtüometer von ihr entfernt, verläßt die Grenze den Sangba, biegt nach Südweslen ab und begleitet das Tal des Manbcfo bis zu seiner Vereinigung mit dem Bokiba. Sie folgt nun diesem und später dem Likuala abwärts bis zum rechten Ufer des Kongo. Von hier bis zur Mündung des Sang ha bildet der Kongo die Grenze, die sechs bis zwölf Kilometer (also noch unbestimmt!) betragen wird. Tann folgt die Grenze dem Laufe des Sangha auswärts bis zum Einfluß des Likuala-auxcherbes (es ist dies ein anderer Likuala als der vorgenanntes, den sie bis Botunga be­gleitet. Von diesem Ort verläuft die Grenze in ungefähr gerader Richtung von Süden nach Norden bis Bera-Ngoko und biegt dann in der Richtung auf den Zusammenfluß des Dodinga und des Lobai) ab, um dem letzteren talwärts zu folgen bis zum llbangi, nördlich von Nongumba.

Weiter bildet nun der llbangi die Grenze auf eine Strecke von mindestens sechs und höchstens zwölf Kilometer. Tie Grenze setzt sich in norDwestliu.er Richtung fort, erreicht den Pama an einer noch zu bestimmenoen Stelle westlich von seiner Vereinigung nut dem Moi. Tie Grenze geht dann dem Pama aufwärts bis zum Ost-Logone, den sie un­gefähr am achten Parallelkreis in der Höhe von Gorö trifft. Diesem folgt sie von hier nach Norden bis zu seiner Ver­einigung mit dem Schari. Teutschland erhält etwa 230 000 Quadratkilometer. Anderseits tri.t Teutschland an Frank- reich das zwischen dem Schari im Osten und dem Logone im Westen gelegene Stück Kameruns ab, nördlich der jetzigen sranzösifchen Besitzungen. Innerhalb einer Frist von sechs Monaten noch dem Austausch i? fikationsurkmwen des Abkommens begibt sich eine technische Kommission, be­stehend aus einer Anzahl Delegierten beider Regierungen, an Ort und Stelle, um die Grenze den vorgenannten Ab- machungen entsprechend festzuleaeti. Beide Regierungen räumen sich unter bestimmten Modalitäten das Recht zu, ihre Eis etibahnen gegenseitig durch das Gebiet der andern zu verlängern. Für Deutschland hat dies die be­sondere Bedeutung, daß die etwaigen Lbamerunbahnen nach dem llbangi durchgesührt werden können. Deutscherseits ist die pachtweise Ueberlassung kleiner K'om- plexe an die französische Regierung längs des Benue, des Mayo-Kebi und weiter nach dem Logone hin vorgesehen, um letzterer die Errichtung einer Etappen­str a tz e zu ermöglichen. Auch wird die deutsche Regierung der französischen Regierung keine Hindernisse in den Weg legen, falls sie in Zukunft zwischen dem Benue und dem Logone südlich oder nördlich des Mayo-Kebi eine Eisen­bahn oder Landstraße sollte legen wollen, bei der sich jedoch die deutsche Regierung die Mitwirkung vorbehält.

TaS zufriedene Frankreich.

In Paris herrscht, so wird demBerl. Tgbl." gemeldet, überall große Befriedigung, um nicht zu sagen Freude vor. 9hit die extremsten Nationalisten haben an dem jetzt abgeschlossenen Vertrag noch allerlei auszusetzen und werfen der Regierung vor, daß sie sich habe düpieren oder einschüchtern lassen. Aber selbst diese Unzufriedenen . sind durch die letzten Vorgänge im Deutschen Kolonialamt stutzig geworden, und es scheint, daß diese zweifelnden ; Stimmen bald verstummt sein werden. Sonst drücken alle - anderen Zeitungen ihr großes Wohlbehagen aus, i abgestuft durch die verschiedensten Nüancen vom reinen , Jubel über den gewonnenen Besitz bis zur resignierten ! Anerkennung, daß nun wenigstens eine große intematio- I na le Schwierigkeit aus dem Wege geschafft worden ist.

Die Entscheidung über IHaroHo.

In verschiedenen Bruchstücken veröffentlicht dieNordd. Allg. Ztg." das neue deutsch-französische Abkommen, über das der Reittfslanzler am nächsten Mittwoch im Reichstag Rede stehen will. Nach ihm sollen, so wird uns aus Berlin mitgeiciit, erst die Sprecher der Parteien zum Wort kommen, die der Regierung Anfragen angemeldet halten. Tie Frist ist sehr kurz, um den Vertrag vor den Reichstagsverband­lungen eingehend zu studieren. Tie Regierung wird im Reichstag wohl von keiner Seite Anerkennung erhalten, namentlich da sie den bisherigen Leiter des Kolonialamtes nach seinem Rücktritt so schmählich behandelt hat. Wenn sie erklären ließ, die Berufung des Herrn v. Lindequist sei überhauptein Mißgriff gewesen", so stellt sie sich damit im Grunde genommen selbst ein Armut--zeugnis aus. In der Presse herrscht im allgemeinen die Neigung vor, das Abkommen erst dann eingehender zu würdigen, wenn es ganz verössentlicht vorliegt und wenn man den Reichs- landet gehört l-aben wird. Auch wir wollen dieses Vor- gehen einschlagen. Bittere Bemerkungen sind in der Presse schon reichlich gefallen, und zwar in Zeitungen aller Partei- iärbungen Während dieKreuzztg." vorläufig stumm bleibt, erklärt dieDeutsche Tagesztg.", c» siche mit Bestimmlheil scsi: daß bic deutsche Nation tu ihrem berechtigten Kraftgefühl und Borwäilsbrange die Politik, bic wir mit diesen Abmachungen gleichviel ob in zufneben,teilender 6)eile ober nicht zu liquidieren hatten: daß sie eine Politik Windiger Mis ober Mindererfolge satt ist: daß sie es wwohl itrer tatsächlichen nationalen Macht wie ihrem endgültig wach- geworbenen Willen angemessen findet, sich unter allen Umständen dieser Macht entsprechend in der Wcltpolitck zu behaupten.

TieNationalztg." wendet sich sehr scharf gegen bie Abmachungen, und bei der Presse der Fortschrittspartei sindet die Regierung auch keinen Trost. So erklärt die Freisinnige Ztg.": z

Unleugbar sind die Vorteile, die sich aus dem Vertrage für die sranzößsttw Nation ergeben, während bie Gegenleistungen in Marokko an Deutschlanb ja eigentlich nur bic Festlegung des von und feit jeher Beanspruchten barstellen, bic Kompensa­tionen außerhalb Marokkos aber sehr kritisch beurteilt wer- beit müssen. Verschärfen wirb sich biefe Kritik int deutschen Parlament- zweifellos burch den inzwischen erfolgten Rücktritt beS Staatssekretärs v. Linbequift. Ist biefer doch ein ekla­tanter Beweis bafür, baß unsere Kolonialverwaltung Anlaß zu taben glaubt, mit bem deutsch-französischen Kolonialvertrag burch- uS unzufrieden zu sein.

TasBerliner Tageblatt erklärt:

Tie Veröffentlichung über bas Kongoabkommen ist bezcichnenb kurz. Trotz ber offiziösen Erklärung, Deutschlanb erhallebe- beutenbe uitb wertvolle Länbereicn", kann bieses Kommunique m feinet Dürftigkeit ben üblen Einbruck nur verstärken, ben bas ganze Kongoabkomrnen hervorgerufen hat. Man kann ben Herren v. Bethrnann Hollweg unb v. Kiberlen-Wachter, bic nach so stolzem Anfang, nach so langen Mühen unbjiad) so viel Opfern mit biesem Resultat Heimkommen, nur ben schiller- schen Vers ins Album schreiben:In ben Ozean schifft mit taufenb Ri asten ber Jüngling, Still auf gerettetem Boot treibt in den Hasen der Greis." _

Auch dieVos f. Ztg." hält mit bitteren Bemerkungen gegen die Regierung nicht zurück.

Die Grenzen btt Neuerwerbung.

DieNordd. Allg. Ztg." gibt, teilweise im Gegensatz zu den bisherigen Mitteilungen, teilweise sie präzisierend, f o l g c n d e G r e n z e n der Neuerwerbung Deutschlands an: Das neue Gebiet geht aus vom Llllantischen Ozean am öst­lichen User der Bai von Monda <das Kap Esteras liegt an der Spitze der Landzunge, welche Die Bai westlich begrenzt), die Grenze verläuft dann zunächst auf deren östlichen Seite nach der Mündung des Massoliö und von dort nordöstlich

Montag, b. November M

monatlich viertel-

e/v A (fihrlict) M. 2.20; durch AbKole- tu Zweigstellen monatlich 6.> Pf.: durst» die Post Mk.2. viettet- jährl. autfdiL Bestettg.

BH ZeilenprerS: lokal 15'VU Ar auSwän« 20 ^ftnniq.

Siebener Nonzertverein.

2. Konzert. Lieder- und Klavierabend.

Gießen, ö. Nov.

Ju der vollbesetzten neuen Aula durften wir diesmal einen Solistenabend genießen, der uns eine Reihe auserlesener musi- kalischer Genüße aus Dem reichen Schatz Der Lieder- und Klavier- komposition geboten hat.

Beide Solisten waren Frauen. Das Ideal moderner Frauen­bewegung : gleittfe Möglichkeiten der Ausbildung und Betätigung für Frauen wie Männer ist ja speziell in der, Mußk langtt verwirklicht; rrotzdem ist das selbstschöpferische Musizieren nahezu unbestrittene Domäne des ManneS geblieben, weit bester liegt offenbar der weiblichen Natur das Gebiet der musikalifchcn R> vrodukiion das wir im übrigen kcinesw.gs unterschätzen. B.etei es doch cme Fülle dankbarster Aufgaben unb Gelegenheit zu wahrhaft künstlerischer Betätigung, ja zu einer Art Natt>- unb Neuschöpscns, wenigstens bei wahrhaft Berufenen

Für bie Sängerin, bie hier schon bekannte unb geichatztc Sopranistin Frau T. Eahnbley-Hink.en ^Würzburg- nw&te schon bie glückliche Auswahl ihrer Darbietungen einnehnien. Neben vertrauten Lieblingen ber sel'gen Harmonie" _ rote <2diubert, Schumann, Brahms ließ sie auch weniger gesungene fieber* Komponisten ocricbiebenen Ranges zu Worl lymmen: Mozart, Liszt, Cornelius, Pfitzner, Reger, Cahnbley, van Eyken em dankenswertes sich emanzipieren von der io, häufigen (durch die Kritik übrigens neuerdings lebhafter bekämpften) bequemen Rou­tine des ewigen HerunlersingenS von ein paar bewährten, m sämtlichen Konzertsälen D.utschlandS immer wieder kehrenden Schla­gern. Nicht niinder glücklich war Frau Cahnbley-Hin.'-cn in der Ausführung ihres Programms. Tie Natur hat sie mit reichen Stimmitteln beschenkt, die sie durch künstlerische Ausbildung, warme Empfindung und Geschmack aufs Schönste zur Geltung °u bringen weiß. Besonders gut gelangen ihr die anmutigen, neckischen Lieder, bei denen ihre vorzügliche Aussprache besonders wirkungsvoll zur Geltung gelangte. Auch ben prächtigen Weih- nachtsl.ebern von P. Cornelius, bie einen fein burchgeistigten Vortrag ersorbern, würbe sie in icbet Weise »erecht. Bon Brahms gesielen uns am besten die beiden ersten Nummern. Herr Professor -! r a_u t m a n n begleitet: in hervorragendes Weise.

Einen etwas schwer.n Stand halte Daneben die Pianistin Lrau E. S a a t cc r - 5 d) 1 i c p e r (Barmen), die an Stelle

der erkrankten Frl. Wynn-Tyle (Berlin) gewonnen wurde. Das Klavier ist ohnedies in einem gewissen natürlichen Nachteil gegen» über ber unmittelbarer packenden Ausdruttsfähigkeit einer feetcn- tiollen Menschensttrnmc. Unsere Äünitlerm vernwchte es inbeß, sich nicht mir in allen Ehren zu behaupten, sondern das Publi­kum zu fesseln und zu erwärmen, dank ihrer vorzüglichen wenn auch noch nicht ganz unfehlbaren Technik und des künstlerischen Temperamentes, das ihre Leistungen weit hinaus- hob über das Niveau virtuoser Fingerübungen, bei denen man nicht viel weiter empftndet, alsTie Werke klappern Nacht und Tag, Im Takte pocht der Hämmer Schlag". Aliders hier: die CiSmoll-Sonate Beethovens (fälschlichAionDsttiemsonatc") be kommt man nicht oft so vorzüglich zu hören; in der C nwll- Nokturne von Chopin hätten wir einiges in weniger hcroi'cher Auffassung gewünichl. Recht dankenswert war neben diesen Stücken schweren Kalibers die leichtflüssige Sufte von Tie pul, dem fast vergessenen Komponisten vonJoseph und seine Brüter".

Sehr erftculid) war die warme Teilnahme des Publikums, das beiden Künstlerinnen reichen Bei-oll spendete und mit sa.lftcm Zwang sich zwei Zugaben errang. Schade, daß einige Samen meiner Nachbarschaft im Eifer soweit gingen, fchon oder noch zu , klatschen", solange die VoNräge dauerten! P.

Verdruckte Bibeln. Zu den wertvollsten Büchern der Wolfenbüttlcr Bibliothek und besonders zu ihrer etwa 2000 Nummern zahlenden Bibelsammlung gehört die logcnannt:Narr­bibel", bie ihren Pamen von einem Trutt'eh.cr herlettet, ber sich 1 Mos. 3,16 findet, wo cs ftatt Der Worte:Er soll Dein Herr sein" die Worte ;u lesen sind:Er soll 2em Narr fein" Wenn schon diese DibelauSgabe außerordentlich selten nr, ba in früheren Jahrhunderten Bibeln mit finmtörmbai Druck­fehlern auS bem Handel zurückgezogen wurden, um Den ©lau­bigen feinen Anstoß zu bicien, so sind zwei englische Bibclaus- gaben. Die sogenannteEssigbibel" und bic 15?8 gedruckrHosen- bibcl" vollständig unau-fttidbar geworben, da sich b;!ontc.3 g.gen d-e letztere nicht nur der Zorn der Gläubigen, sondern auch die empörte Prüderie der cngli'chen Puritaner wandte, bie nicht erst Clicer Cromwell unb )einen gottseligen Rcneen ihr Dasein rer- danllen, sondern sttwn zur Zeft der Königin E.i'abeth a.le Lebens­freude des englischen Volkes zu zerstören trachtaen. In ber

Essigbibel finbet sich der störenbe Druckfehler 4. Joh. 46, wo es heißt:Jesus kam nun wieber nach Kana in Galiläa, wo er Wasser zu Wein gemacht." Im Druck hat sich an biefer Stelle statt Des Wortes ivinc das Wort vineger lEsstg) cuige- schlichcn, woburch bie Venüchtung biefer Ausgabe hiillanglich be­gründet erschien. Einem ähnlichen Druckfehler verdantt die Hoseii- bibel ihren absonberlichen Namen. Wie es damals im pro­testantischen Ausland vielfach gebräuchlich war, wurde den Bibel- audgaben die lutherische llebcrsctzung zugrunde gelegt, unb so mag ber Herausgeber ber im Jahre 1598 in London erschienenen Bibel bie Stelle 1. Mos. 3,21 falsch verstanden haben, da er statt ber Schürz, bie Gott ben ersten Menschen machte, ben Ausbruck brccches (Hosen) gebrauchte. Fast unter ber Presse noch würbe biefe Ausgabe vernichtet unb so ist es gekommen, baß sich von ber Hosenbibel nur noch vereinzelte Exemplare erhalten haben. ES sei übrigens bei gefügt, baß in ber ftaatlidx'n Bibelübersetzung bes Jahres 1611 das anstößige Wort ängstlich Dermiebeu, und statt dessen das dem lutherischen Texte ent­sprechendere Wort aprtms zu lesen ist.

Das Chinesische im Deutschen. Wenn man einem Deutschen die Aufgabe stellen würde, Fremdwörter zu nennen, die aus dem Chinesischen ins Deutsche eingedrungen sind, so würde er wahrscheinlich Wörter aufzählen, wie MaTidarin, Kuli, Dschunke, Taal, Käsh, Pagode, Bambus, Bonze usw. Aber all diese Ausdrücke bezeichnen zwar chinesische Personen und Tinge, sind aber Nicht chinensch und weta.n von ben Chinesen nicht gebraucht. Echt chinesische, im Deutschen gebrauchte Worte finb nur Tee, SouHong, Pekko, Kaolin für Porzellanerbe unb Nanking für einen Stoff. Tic Bezeichnungen Galgant im Drogenhandel unb Tombak finb wahrscheinlich chinesischen Ursprunges, viel­leicht auch Patschuli und Taifun. Papa unb Mama sind na­türlich nicht chinesischen Ursprungs, werden aber von den Ch'^ nefen so gebraucht, wie bei uns.

Kurze Narb rich ' e n aus Sunil unb Wissen- schaf t.) Dem Vernehmen nach wirb ber biesjährige N ob el- oreis sür Phgsik ben beiden beutschen Gelehrten Professor W. W i c n - Würzburg unb Profeisor M. P lauck- Berlin für ihre Arbeiten über Temperaturfttahlung verliehen.