Ausgabe 
6.3.1911 Zweites Blatt
 
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(Sine Partei aber, bk wie her Freisinn durch ihren Wqeordncten Hormann statt der Kaffeesteuer eine Besteuermrg der Kaffee- furrogate beantrage, habe das Recht verwirkt, andern Parteien Vorwürfe zu machen. Uebrigens wirkten alle diese Steuern nicht in dem Maße, wie das wirklich der Fall sei, wenn nicht die Spekulanten und die Vertreter der Großbanken, die in dem Hansabund eine vorzügliche Stütze hätten, ihrerseits das,doppelte und dreifache der Steuern draufschlügen und sich auf Kosten der Abnehmer bereicherten. Als schlechteste Steuer bezeichnete er die Zündholzsteuer. Doch sie mußte wohl oder übel, aus Mangel an einem geeigneteren Steuerobjekt mit in Kauf ge­nommen werden. Gegen ihre Abschaffung erklärten sich mit aller Bestimmtheit die Besitzer der Zündholzfabriken selbst, die ihren Betrieb darauf eingerichtet haben. Der sckwarzblaue Block be­stehe nicht. Das Zentrum habe sich zur Mitarbeit angebot-en, nachdem die Liberalen versagt hatten. Von nationaler und reli­giöser Seite habe man sich nichts vergeben., Fürst Bülow habe kern Grund zum Rücktritt Vorgelegen. Fürst Bismarck habe in den achtziger Jahren, als er seine Schutzzollpolitik gegen die Liberalen mit Hilfe des Zentrums durchgeführt habe, anders gehandelt. Schon jetzt zeigten sich allenthalben die Segnungen der Reichsfinanzreform, wre die verschiedenen Handelskammern und Regierungen dies offen aussprächen. Den Volksrechten müsse man sich stets die Pflichten vor Augen führen und bei allen Maßnahmen an das Wohl des Vaterlandes denken.

Die letzten Ausführungen des Redners litten sehr unter dem störenden Lärm eines Teils der Anwesenden, der in dem Augen­blick einsetzte, als die Besucher der vorher abgehaltenen sozial- dernokratischen Versammlung den Saal betraten.

Nach einer kurzen Pause meldete sich in der Aussprache Oberst Spohr als einziger Redner. Er war im allgemeinen mit den Ausführungen seiner Vorredner einverstanden und fügte noch an, daß die Genußmittelsteuer die gerechteste sei.

In dem Schlußwort bedauerte Reichstagsabgeordneter Latt- mann, daß sich niemand zum Wort gemeldet habe, denn Auf­klärung halte er für das beste Mittel, eine gerechte Sache zu fördern. Er schloß mit der Aufforderung, bei der bevorstehenden Wahl Dr. Werner die Stimme zu geben nnb brachte ein drei­faches Hoch auf das deutsche Vaterland aus.

Aufstände in Marokko.

0 Paris, 5. März.

Neue Verwicklungen in Marokko werden schon seit einiger Zeit mehr oder minder geheimnisvoll in mehreren Pariser Zeitungen angekündigt; es muß aber gleich be­merkt werden, daß nirgendwo Deutschland in dieselben hineingezogen wird, was immerhin sehr beruhigend ist. Es handelt sich nach neuesten Meldungen vielmehr um folgendes, nach französischer Manier wahrscheinlich etwas aufgebauscht: Die Stämme im Norden und int Südosten von Fez sind in voller Aufregung, so daß der Sultan, der srch nach Meguinez el Kser und Rabot begeben wollte, aus der Stadt sich nicht herauswagt und sich so­zusagen als Gefangener hinter den Mauern seiner Nord- hauptstadt fühlt. Diese Revolten wurden durch die jüngsten Reformen hervvrgerufen, die Muley Hafid in der Or­ganisierung seiner Armee eingeführt hat. Die Stämme fürchten, daß die Methode, deren sich die Sherifen- Behörden in allen Dingen bedienen wollen, den Maghzen bedeutend stärke. Ein starker Maghzen ist aber für diese Stämme, die einer fast unbestrittenen Unabhängigkeit sich erfreuen, das schlimmste aller Uebel. Im Süden stellt man ebenfalls eine Aufregung fest, die auf die gleiche Ursache zurückgeführt weroen muß. Kurz, die großen Lehens­leute empören sich aus Haß gegen eine Zentral­gewalt, die sich stärkt und die sie bedroht. Andererseits haben sich die Stämme um die Schouia herum, durch die Apathie der Franzosen keck geworden und überzeugt, daß diese ihre Toten nicht rächen, alles erlaubt. Die Ern- brüche in die von den französischen Truppen besetzten Ge­biete mehren sich. Abteilungen der Baer sollen sich bis an die Mauern unserer Posten vorwagen. Die Waldgegend im Nordosten des Lagers von Boucheron ist von Plünderer- gruvpen dieses Stammes überflutet. Natürlich wird deshalb seitens des neuen Ministers des Aeußeren ein kräftiges Vorgehen in Marokko verlangt.

Von der Ostseitc Marokkos kommt dagegen eine für die Franzosen erfreuliche Kunde. Die Arbeiten für den Bau der Bahn von der algerischen Grenze nach Udjda und Taurirt, für die die Kammer einen ersten Kredit von einer halben Million bewilligt hat, werden sofort in Angriff ge­nommen werden. Der Major Rofroignoy, die Haupt­männer Bachellory und Gilles in Begleitung mehrerer Leut­nants und Unteroffiziere des Genie-Kvrps sind am 1. März in Udjda eingetroffen, um die Arbeiten zu leiten. Man hofft auf eine sehr schnelle Herstellung der ersten Strecke.

Paris, 4. März. Eine halbamtliche Note erklärt, daß die Meldungen über die unter den Stämmen südlich von Tanger herrschende Gärung stark übertrieben sind.

Eine sichtlich aus Regierungskreisen stammende Mit­teilung über die Note derKöm. Zeitung", betreffs der Fremdenlegion, besagt: Es ist richtig, daß ein Erlaß des Kriegsmintsters vom 15. Januar 1910 für den Eintritt in die Fremdenlegion die Altersbeschränkung aufhob und daß dem­gemäß die französischen Behörden sich seither geweigert haben, die von Ausländern unter 18 Jahren eingegangenen Anwerbungsverträge für ungültig zu erklären. Aber die Köln. Ztg." scheint zu vergessen, daß dieser Erlaß durch eine Entscheidung vom 11. Febr. 1911 aufgehoben wurde und , daß demzufolge die gegen denselben gerichteten Beschwer­den mmmehr gegenstandslos sind.

Aus Stadt und Land»

x Gießen, 6. März 1911.

Säuglings» und Mutterschutz.

Von der Zweig st elle Gießen der Großh. Zentrale für Säuglings- und Mutterschutz wurde ein Rundschrei­ben versandt, dem wir folgendes entnehmen:

Die in der Versammlung vom 12. Dezember v. I. zum Ausdruck gekommenen Gegensätze zwischen der Stel­lungnahme der Z e n t r a I e und dem 23er ein für ©äug» lingssürsorge in Gießen sind, wie Ihnen bekannt sein wird, ausgeglichen, so daß dem Zusammen­arbeiten aller in Betracht kommenden Faktoren nichts mehr im Wege steht.

Der Arbeitsausschuß tagte am' 16. Februar d. I. und hat folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Es wird ein Ausschuß für Die Propaganda in den Arbeiterkreisen ge­bildet mit Herrn Professor Koevpe als Vorsitzender und den Mitgliedern: Christ, Fourier, ^rey, Muller und Stimmer. Die Herren tyaben die auf sie gefallene Wahl angenommen. 2. Beratnngs st eilen sollen zunächst nur in Grün­der g und Lich eingerichtet und Der ärztliche Kreisverein um Vorschläge wegen der Besetzung dieser Stellen mit Äerzten ersucht werden. 3. Für die Vorarbeiten zur Einführung der Sammel- oder gesetzlichen Vor­mundschaft in der Stadt Gießen wird ebenfalls ein Ausschuß gewählt, dem folgende Personen angehören: Beigeordneter Kelter, Vorsitzender, Frau Mecum, Frau Glauc, Medizinalrat Haberlorn, 2elan Daher, Frau Pro­fessor HMpaum, Mbbuut Lr. Sauden PsarpW Schwube,

Professor Dr. Koeppe. 4. Ebenso wird ein Ausschuß für die Organisation in d en Landgemeinden eingesetzt. Er besteht aus den Herren: Dr. Reiff, Vor­sitzender, Professor Walther, stellvertretender Vorsitzender, Medizinalrat Haberkom, Bürgermeister Leun-Gvoßen-Lin- den, Sanitätsrat Dr. Dickore-Lvllar, Brauereibesitzer Jhring-Lich, Dekan Wagner-Grünberg. Die einzelnen Aus­schüsse tagen selbständig auf Einladung ihrer Vorsitzen­den. AIS Lokal wird von dem Vorsitzenden der Sitzungs­saal des Regierungsgebäudes zur Verfügung gestellt. Die Einzelausschüsse berichten von Zeit zu Zeit dem Arbeiter­ausschuß über ihre Tätigkeit. Die Zentrale wird den Mit­gliedern der Zweigstelle demnächst die Richtlinien für die Organisation Auvomme» lassen.

** In Audienz emp fangen wurden vom Groß- Herzog am Samstag il a Oberleutnant Freiherr von NoroeckzurRabenauin der Schutztruppe für Deutsch- Ostafrika, kommandiert zur Dienstleistung beim Leibgarde- Jnfanterie-Regt. (1. Hess.) Nr. 115, der Landgerichtspräsi­dent Güngerich von Gießen, der Kommerzienrat C1 oos von Nidda und der Geheime Kommerzienrat Heichel­heim von Gießen.

Landkreis Gießen.

= Lang-GönS, 5. März. Der Vertretertag zu dem am 10.12. Juni vom Gesangverein Germania anläßlich feines 20jährigen Bestehens veranstalteten Gesangs- Wettstreit fand heute im Gasthaus zum Schwanen statt. Trotz der vielen in der Gegend geplanten Wettstreite war die Anmeldung über Erwarten groß. 33 Vereine mit 1200 Sängern aus Hessen, Hesien-Nassan, der Rheinprovinz und Bayern waren vertreten und die Verhandlungen wurden in Anbetracht der günstigen Bedingungen, die der festgebende Verein entworfen hatte, in etwa 2 Stunden zur Zufrieden­heit aller beteiligten Vereine erledigt. Die von dem fest- gebenden Verein unter Leitung seines Dirigenten Sames oorgetragenen Chöre hielten die Versammlung noch einige Stunden in angenehmer Stimmung zusammen.

Kreis Schotten.

Schotten, 5. März. Die Genossenschaftsmol­kereiHoherodskopf" hielt gestern in der Schützenhalle ihre Hauptversammlung ab, die von etwa 450 Land­wirten besucht war. Nach Beprüßungsworten des Vorsitzenden, Bürgermeister Deubel- Rudrngstzain, erstattete der Direktor, Lehrer Link, die Rechnnngsablage. Der Ueberschuß betrug 17 000 Mk., die Zahl der Mitglieder stieg um etwa 35 auf rund 500, verarbeitet wurden über IV, Millionen Liter Milch. Der Antrag des Vorstandes auf eine neue Betriebsrücklage von 3000 Mark wurde nach lebhafter Aussprache abgelehnt unb die Rück­vergütung an die Genossen für Liter gelieferte Milch von 0,6 auf 0,7 Pfennig erhöht. Beschlossen wuü>e, einen Futtcrlagerbau mit Pferdestall zu errichten. Das Gebäude soll massiv ausge- führt werden und ist zu 3500 Mk. veranschlagt, es wird 11,5 Meter lang und 10 Meter breit. Die Ergänzungswahl des Vorstandes ergab die Wiederwahl der m'sscheidenden Genossen: Boos-Michel- bach, Fuchs - Breungeshain, Dambmann - Rainrod und Repp-Betzenrod. Zu der Genossenschaft gehören Landwirte aus 12 Gemeinden in der Umgegend von Schotten.

-r. Ulrich st ein, 4. März. Heute ertönte, zum erstenmal, seit langer Zeit, die Feuerglocke. Es brannte in der Woh­nung des Johann Alt hier. Dem raschen Eingreifen der Feuer­wehr ist es zu danken, daß der Brand bald gelöscht war. Regen­schauer, Sonnenschein, Schneegestöber, Frühlingsluft, Sturm, Nebel, Gewitter, so wechselt das Wetter in den letzten Tagen oft innerhalb einer Stunde.

Wingershausen, 5. März. Das neue Pfarr­haus für die Pfarrei Wingershausen-Eichelsachsen wird im Laufe dieses Jahres erbaut. Das alte Gebäude wird gegenwärtig ab­gebrochen von einem Landwirt, der es für 820 Mk. gekauft hat. Der Pfarrer wohnt zurzett in Eichelsachsen, bis der Neubau int Sommer 1912 eingeweiht wird. Der untere Stock des Neu­baues wird massiv, der 2. Swck erhält Fachwerk. Die Pläne hat Bauinspektor Witzler entworfen.

Hessen-Nassau.

sj Marburg, 5. März. Anläßlich deS gegenwärtig hier stattfindenden 50jährigen Jubiläums der frei­willigen Feuerwehr trägt die Stadt reichen Flaggen­schmuck. Gestern abend gegen 8 Uhr marschierte die gesamte Feuerwehr in ihrer neuen kleidsamen Uniform mit Musik durch die Stadt nach den Stadtsälen, wo ein Festkommers sich anschloß. Ansprachen hielten Kommandant Heuser, Landrat Geh. Reg.-Nat v. Rege le in, Oberbürgermeister Tro je, Geh. Rat Prof. Budde, Vizebürgermeister a. D. Siebert und Fabrikant Metzler, sämtlich aus Marburg, sowie der Vorsitzende deS kurhessischen Feuerwehr-VerbandeS, Bo ppen Hausen-Kassel, und Kreisbrandmeister Simmen- Julda, namens der dortigen Feuerwehr, in deren Auftrag er auch eine Bowle überreicht. Dem Kommandanten Heuser wurde ein Ehrenbeil und 12 alteren Feuerwehrleuten Diplome überreicht. Heute fand im Anschluß an einen Festgottesdienst auf dem Marktplatz eine Hebung, anschließend Tafel und abends in den Stadtsälen Ball statt.

Vom Westerwald, 2. März. DaS älteste Bau­denkmal deS WesterwaldeS, die alte Pfarrkirche in Elsoff, ist abgerisien worden, um einem Neubau Platz zu machen. Ueberall bedauert man das Niederreißen dieser historischen Stätte, die zur Zeit deS 30jährigen Krieges im Kampf gegen die Schweden eine Rolle spielte. Unter der alten Kirche ver­mutet man geheime Gänge und wertvolle Funde. Das KultuSmmisterium hat über die Angelegenheit Bericht ein- gefordert. (Frkf. Ztg.).

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Zur Ermordung der Gräfin Trigona in Rom teilen mehrere Blätter noch Einzelheiten mit. Da­nach hatte sich die Gräfin mit ihrem Mann veruneinigt, und die Streitigkeiten nahmen so heftigen Charakter an, daß der Graf die gerichtliche Trennung von )einer Frau anstrebte. Die gesetzlichen Schritte waren so weit ge­diehen, daß der Gräfin dieser Tage die gesetzliche Tren­nungsforderung überreicht werden sollte. In diesem Att waren aber Begründungen so folgenschwerer Natur de­tailliert, daß gemeinsame Freunde sich ins Mittel legten, um den Ehegatten begreiflich zu machen, es wäre besser, wenn sie auf gesetzliche Trennung verzichteten und sich mtt spontaner Trennung begnügten, um nicht Dinge so delikater Natur der Oeffentttchkeit preiszugeben. Wie es heißt, hat Paterno Erpressungsversuche gegenüber dem Grafen Trigona gemacht. Es hat sich angeblich auch heraus- gestellt, bay zwr,chen Paterno und der Gräfin ein ver­zweifelter Mampf stattgefunden hat. Die Gräfin hatte ihrem Geliebten, der als ein ganz gewöhnlicher Zuhälter bezeich­net wird, große Summen geopfert und versuchte sich jetzt von ihm frei zn machen. Zwei Schwestern der Ge- tnordct.cn )üii) übrigens bei dem Erdbeben von Messina lunä Ldvcn gcXommau

Rektor 506 vor Gericht.

Berlin, 4. März 1911.

Vor der ersten Sttafkanrmer des Landgerichts I begannen heute die Verhandlungen in dem Prozeß gegen den Rektor Bock von der katholischen Mädchenschule in der Gneiscnaustraße zu Berlin, der sich wegen zahlreicher sittlicher Verfehlung:n an seinen Schülerinnen, zu veranpvotten hat. Den Vorsitz int Gerichtshöfe führt Landgerichtsdirektor Forstmann, die An­klage verttitt Staatsanwalt Braut. Der Angeklagte Bock wird durch die Rechtsanwälte Abramczyk und Salomon ver­teidigt. Neben Bock nimmt noch der Lehrer Kn ö fei aus der Anklagebank Platz, der der gleichen Verfehlungen beschuldigt wird. Seine Vetteidigung führt Justizrat Wronker. Die Entdeckung der Vergehen des Hauptangeklagten Bock geschah im letzt?« Sommer. Es wurde damals auf eine anonyme Anzeige hin von der Polizei festgestellt, daß Bock sich in zahlreichen Fällen an Schülerinnen der ihm unterftellten Mädchenschule vergangen hatte und zwar nach einem gewissen System. Er lockte sie entweder in Absteigequarttere, deren er zwei besaß, und machte die Mädchen hier durch Alkohol und Süßigkeiten gefügig, oder er bestellte sie in sein Amtszimmer.

Der Angeklagte Bock ist 49 Jahre alt; er ist ein mittelgroßer Mann mit ergrautem Schnurrbart. Seine Frau befindet sich unter den Zeuginnen. An Kindern besitzt er einen 16jährigen Sobn unb zwei Töchter. Bock lüacht fid? während der Verhandlung Notizen auf einen kleinen Zettel, während sein Mitangeklagter Knöfel ziemlich teilnahmslos dasitzt. Der Zeugenaufruf nimmt längere 3eit in Anspruch, da gegen 90 Zeugen und Zeuginnen geladen sind. Unter ihnen befinden sich die Kriminalkommissare Dr. Kopp und Toussaint, die die Untersuchung gegen die An- gellagten geleitet haben, Gutsbesitzer Bock, ein Bruder des An­geklagten. mehrere Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen, Fabrik­besitzer, Kaufleute und eine ganze Anzahl ehemaliger Schülerinnen der 40. Gemeindeschule aus der Gneisenaustraße. Sie sind gegen­wärtig meist als Kontoristinnen und Verkäuferinnen tätig. Nach der üblichen^ Vermahnung, die Wahrhett zu sagen, werden die Zeugen vorläufig entlassen. Der Staatsanwalt beanttagt hierauf, die Oeffentlichkeit während der ganzen Dauer der Verhandlungen auszuschließen, dagegen Regierungsrat Zacher, Stadtschulrat Fischer und Kreisschulinspektor Fischer als Verttetern der Schulbehörde die Anwesenhett im Saale zu gestatten. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende, daß den: Anttag des Staatsanwalts auf Ausschluß der Oeffentlichkett, auch für die Presse, statt- aegeben sei. Die Anwesenden müssen daher den Saal räumen. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit beginnt sodann die Vernehmung der beiden Angellagten, die sich beide für nichtschuldig erklären. In der Beweisaufnahme wurde u. a. ein Bekannter des Ange­klagten Bock vernommen, der diesen einigermaßen entlastete. Bock habe wohl manchmal, wenn er ehemalige Schülerinnen auf der Straße traf, diese mit ins Cafe genommen und ihnen eine Tasse Schokolade angeboten, es sei aber nicht zu unsittlichen Vorkomm­nissen, auch nicht zu unanständigen Redensatten gekommen. Wetter wurden in der Vormittagssitzung eüitge Verwandte des Bock ver­nommen, um zu prüfen, ob vielleicht der strasausschließende § 51 Anwendung zu finden habe. Es wurde behauptet, daß Bock schon in der Jugend zu sexuellen Ausschreitungen neigte; auf dem Seminar hatte er deswegen einen unzweideutigen Spitznamen er­halten.

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Darmstadt, 5. März. Vor der ©trafla^tmer fand am Samstag die Verhandlung der Privatllage des Schriftführers des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie Dr. Ludwig in Ber­lin gegen den Redakteur W. Knoblauch vomHessischen Volks- sreund" statt. Weder Kläger noch Beklagter waren erschienen. Nach eingehenden Plädoyers der gegnerischen Anwälte verwarf das Gericht die von Knoblauch gegen das ihn zu 150 Mk. Geld­strafe verurteilende Erkenntnis des Schöffengerichtes kosten- fällig.

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= Berlin, 4. März. Ter Aufsichtsrat der Bank für Handei und Industrie Darmstädter Bank) beschloß nt seiner heittigen Sitzung, der Generalversammlung für das Jahr 1910 die Verteilung einer Dividende von 6 i/3 P r oz. oorzuschlagen. Ter Bruttonutzen beträgt einschl. 444 246,25 Mk. Vortrag aus 1909 23 659 473,25 Mk., hiervon ab die Handlungs­unkosten, Steuern, Tantiemen und den Vorstand unb die Ober­beamten, die Gratifikationen an die Beamten, die Zuwendung an deren Pensionsfonds und für loohltätige Zwecke 11 349 630,54 Dtark, Abschreibung auf Immobilien unb Mobilien 529 360,63 Ntark, Einlage in dieBesondere Reserve" 500 000 Mk., Talon- steuer-Reserve 160000 Mk. zus. 12 538 991,17 Mk., verbleibt vetteilbarer Reingewinn 11120 482,08 Mk. Beschlossen wurde ferner, der Generalversammlung eine Statutenänderung -u unterbreiten, die die bisher bestehende Begrenzung der Zahl her Aufsichtsratsmitglieder aufhebt. Zur Zuioahl in den Auf­sichtsrat sollen alsdann vorgeschlagen werden: Fürst zu Erbach- Schönberg, Geh. Kommerzienrat Jean Andrae, Geh. Kommerzien­rat Dr. Leo Gans, beide in Frankfurt a. M., Dr. Nasse, General­bevollmächtigter des Fürsten Pleß und Graf Brockdorff, General­bevollmächtigter des Fürsten Henckel von Donnersmarck. Dagegen werden aus dem Aufsichtsrat ausscheiden: Geh. Kommerzienrat von Stein, Köln, der wegen hohen Alters auf eine Wiederwahl verzichtet hat, und Kommerzienrat Alfted Cohn, der den Wunsch ausgesprochen hat, von der Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied der Bank entbunden zu werden, nachdem er den Uebergang der wert­vollen Verbindungen seiner früheren Firma Robert Warschauer u. Co. auf der Darmstädter Bank erfolgreich vollendet hat. An­stelle des in den Vorstand der Breslauer Diskonto-Bank über­getretenen stellvettretenden Vorstandsmitgliedes Dr. H. Siemsen wurde der bisherige Leiter der Filiale Nürnberg Robett Gutvum zum stellvertrttenden Vorstandsmitglied ernannt.

Berlin, 4. März. In der heutigen Sitzung des Aufsichts­rats der Deutschen Bank wurde die Bilanz per 31. Dezenrber 1910 vorgelegt und genehmigt. Der auf beit 25. März ein- berufenen Generalversammlung wird die Verteilung einer Divi­dende von 12V, Prozent in Vorschlag gebracht, unter Erhöhung des Gewinnvortrages um 901429 Mark. Die Gesamtumsätze beliefen sich auf 112,10 Milliarden Mark (gegen 101,78 Milliar­den t D.). Das Jahreserträgnis betrug brutto 61825 388 Mk, (1909 58156 431, wozu der vorjährige Gewinnvortrag von 1 165 961 Mk. tritt. Für Gehälter, Gewinnanteile an Vorstanb und Beamte, Steuern unb sonstige Hanblungsunkosten würben ver­ausgabt 26 801061 (i. V. 24 228 204 Mk.). Unter Unkosten erschei- nen erstmals die Betträge zu dem Beamtenfürsorgeverein (Pen­sionen) mit 928 809; ferner ein ähnlicher Betrag für bic Un­kosten ber Filialen in Brüssel unb Konstantinopel. Aus bem Rein­gewinn von 32 550983 Mk. (32 271 617 Mk.- wirb vorgeschlagen: ber orbenllichen Reserve B zu überweisen: 2 055 098 Mk. (2 027162 Mk.), zu Abschluß-Gratifikationen an bie Beamten zu verwenden 2 450 000 Mk. (2 200 000 Mk.), 12Vs Prozent Dividende zu verteilen 25 000 000 Mk. (25 000 000 Mk.) und aus neue Rechnung vorzutragen 2067 390 Mk. (1 165 961 Mk.)< Durch die Zuweisung erhöhen sich die bilanzmäßigen Reserven aus 107 781263 Mk. 53,89 Proz. des Aktienkapitals von 200 000 000 Mk.

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