vvn Mietshäusern mfrt 76 Wohmmgen, unb einer <ym$tn Reihe divn Wohngebäuden für 1 unb 2 Familien geschossen hat, eine Leistung, die sehr anzuerkennen ist. Der Rebner hält es für noch nicht tu spät, auch von anbcrer Seite praktisch vorzngehen durch Gründung enter melieren gemeinnützigen Baugesellschaft, bereit Wesen er als Gesellschaft mit beschränkter Haftung schildert. Er zeigte, wie man eine solche Genossenschaft organisiert und welche BarteiK z. B. tu der Beschaffung von billigem Geld dadurch herbeigeführt werden. Die Arbeiter können dadurch nicht teurer in ihrem eigenen Hause wohnen als zur Miete. Das Erbbaurecht ist praktisch anwendbar, weint man Mietskasernen schaffen müsse. Aber da es sich in Gießen nur um 1—2 Familienhäuser handelt, ist die Benutzung von Grund imb Boden in Erbbau nicht zu empfehlen. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache, an der sich n. a. Wirrer Bechtolds heim er beteiligte, der warm dafür eintritt, eine gemettmützige Baugesellschaft auf breiter Grundlage zu errichten, bei der jeder Arbeiter ohne Unterschied der Partei und Der Konfession als Gesellschafter beitreten könne, an der aber auch die Arbeitgeber sich beteiligen sollten. Es wird von verschiedenen Rednern darauf hingewiesen, daß in der Altstadt noch Wolmräume vorhanden sind, die dazu ungeeignet sind und daß diese Art der Benutzung aller jur den Abbruch reifen Gebäude eine stete gesundheitliche Gefahr für die Bevölkerung unserer Stadt bilden. Es wurde betont, daß Familien, die 3—4 Kinder haben, in Gießen eine Wohnung nur schwer bekommen können, weil die Vermieter Mrr an Leute vermieten wollen, die keine oder höchstens ein Kind haben.
Die Versammlung beschloß, eine g em einnützig e Baugesellschaft in Gießen zu gründen. In Den Listen zeichneten sich sofort 70 Personen ein, die Interesse an einer solchen Gründung haben. Der Vorstand der Ortskrankenkasse soll das Weitere bi die Wege leiten.
Aus Stadt und Land.
Gietzen, 6. Februar 1911.
** Zürn Bahnprojekt Gießen — Hohensolms — Gladenbach — Biedenkopf wird uns aus dem Vers tal geschrieben: Leider war es den Bewohnern des Verstales nicht möglich, ihre Wünsche auf der „Rod- heimer Versammlung" bezüglich der geplanten Eisenbahn zum Ausdruck zu bringen. Wir gehören zum Kreise Marburg und haben bis jetzt vergeblich nach einer Bahnverbindung, woher sie auch kommen möge, ausgeschaut. Wenn die Zahl der Bewohner nach der jüngsten Volkszählung bedeutend zurückgegangen ist, so gibt dies doch wohl zu denken, dB fehlt eben jegliche Industrie. Alle Arbeiter finden nur in den Städten und Fabrikorten Verdienst, was viele zur ^Auswanderung veranlaßt. Biele hätten daheim eigene Wohnung und bewirtschafteten nebenher auch noch ihre Felder; sie sind nun losgelöst von der heimatlichen Scholle, ohne festen Besitz. Hoffentlich wird die geplante Hinterland- bahn auch unsere Gegend berühren, damit die Bevölkerung in der Heimat bleiben kann.
•• Erledigte Lehrerstellen: Eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Habitzheim, mit der Organistendiensl verbunden ist und für die das Präsentationsrecht dem Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg zusteht. Eine evang. Lehrerstelle zu Altheim, mit der Organistendienst verbunden ist.
•• Erledigte Forst wart stelle: Die Stelle deS Forst- wartS der Forstwartei Klaraberg, Oberförsterei Raunheim.
** Der zweite literarische Abend des Gesellschaftsvereins am letzten Samstag hatte sich eines sehr starken Besuches zu erfreuen; ursprünglich als rein hessischer Dichterabend gedacht, hatte er diesen Charakter auch trotz einiger noch in letzter Stunde vorgenom- merteil Programmänderungen nahezu völlig behalten. Von nichthessischen Dichtern waren nur Arno Holz und Anna Wolf durch kleinere Gaben vertreten, während von hessischen Dichtern Walter Kinkel, Wilhelm Holzamer und Alfred Bock zu dem Programm beigesteuert hatten. Bon Holzamer rezitierte Frl. Ida Strack in schöner Gliederung die Novelle „Pfarrers K ä t ch e n", von Alfred Bock eine größere, halbvergessene Jugendarbeit, das dramatische Gedicht „Spinoza", das bei meisterhafter Wiedergabe den stärksten Beifall, auslöste. Der interessante Abend brachte zwischen den Rezitationen Liedervorträge des Herrn Alfred Stephani, des bekannten Bassisten der Darmstädter Oper, die Professor Trautmann in liebenswürdiger Weise am Flügel begleitete und die verdienten reichen Beifall fanden.
— Gala- Saalsportfest deS Radklubs Germauia. Die Wettbewerbe anläßlich des nm 12. März in der Turnhalle hier vom Radklub „Germanin" Gießen uernnftnlteten Gala-Sanl- sportsestes beanspruchen das Interesse der weitesten Kreise. Insgesamt kommen 9 größere Konkurrenzen, zu denen die besten Mannschaften am Start erwartet werden, zum Austrag, und zwar: 1. 6er-Niederrad-Reigen. Klaffe A n 6. Offen für die Bundes- vereine des GaueS 9 a des D. R.°B. 2. 8er-Niederrad°Reigen. Klasse A n 8. Offen für die Bundesvereine des Gaues 9 a des D. R.-B. 3. 2er-9!iederrad-Kunstfnhren. Klasse n 2. Offen für alle Bundesvereine des D. R.-B. 6 Kürübungen, davon 3 auf zwei Rädern und 3 auf einem Rade. 4. ler-Niederrad-Kunsttahren. Klasse n 1. Offen für alle Bundesvereine des D. R.°B. 6 Kürübungen. 5. 8er--Niederrad-Kunstreigen. Klasse B n 8. Offen für alle Bundesvereine des D. R.-B. 6. Radballspiel I, Klasse A. Vereinsspiel, 2x2 Fahrer. Offen für die Bundesvereine des Gaues 9a des D. R.-B. Spielzeit für die Entscheidung 10 Minuten mit einmaligem Seitenwechsel. 7. Radballspiel II, Klasse A. 2 x 2 Fahrer. Offen für alle Bundesvereine des D. R.-B. Spiel- zeit für die Entscheidung 10 Minuten mit einmaligem Seitenwechsel. 8. Radballspiel III. Klasse A. 2x2 Fahrer. Rur für Bundesvereine des Gaues 9n, welche seit dem 1. Januar 1910 noch leinen 1. Preis errungen haben. Spielzeit wie unter 6. und 7. 9. Rad- polospiel. Klasse B. 2x2 Fahrer. Offen für Bundesvereine des GaueS 9 a. Spielzeit für die Entscheidung 15 Minuten mit einmaligem Seitenwechsel. Für sämtliche Wettbewerbe stehen wert- volle Ehrengaben zur Verfügung. Rach Beendigung des reichen portlichen Teiles des Programmes findet ein Ball statt.
Landkreis Giehen.
>--- Hen ch elh e i. m, 5. Febr. Gestern hielt der Steno- tzraph en verein „Gab els b erger" sein Winter- vergnügen im „Treppchen" ab, txrs in schönster Weise verlaufen ist. Der Vorsitzende Bergen begrüßte die Gäste im Namen des Vereins. Im Mittelpunkt stand ein flott gespielter Einakter. Verschönt wurde die Feier durch die wirkungsvollen Vorträge des Quartetts vom Bauerschcn Gesangverein. Besonders hervorzuheben ist Herr Schlan- drafs in seinen urkomischen Rollen und Herr "Haffner mit seinen prächtigen Bariton^esängen. Für die an den (Äeno- graphenverein Stolze-Schrey ergangene Einladung dankte der 2. Vorsitzende des Vereins. Seine Ansprache ließ er in den Wunsch austlingen: deusches Einheitssystem. Fröhlicher Tanz hielt die zahlreich Erschienenen bis zum frühen Morgen zusammen.
= Lollar, 5. Febr. Der Man n e r g e s a u g- verein Germania hielt am Samstag, 4. Febr, im Gasthaus zur Traube seine Hauptversammlung unter Lei tung des 2. Borsitzenden Es pich ab. Der Schriftführer gab ein eit ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereins im Jahre 1910. Sodann wurde zur Rechnungsablage geschritten, sie war sehr reichhaltig" unb alle Beiträge jmd lns zum heutigen Tage eingegangen. Die Vor
standswahl ergab: Als 1. Vorsitzender wurde gewählt: H. Espich, 2. Vorsitzender P. Freud eit berger, Rechner: H Kvob, 1. Schriftführer L. Geißler VI., 2. Schriftführer L. Hofmann und 4 Beisitzer: H. Kaletfch, A. Kreuter, H .Henkelmann I. und G. Fuchs. Der Besuch der Singstunden war sehr erfreulich, es ist dies wohl in erster Linie der guten musikalischen Leitung des Dirigenten Lehrer Becker aus Gießet: zu verdanken. Es wurde beschlossen, am Sonntag 25. Juni, im Garten des Wirtes Weinrich das fünfjährige Stiftungsfest abzuhalten, wozu in den ersten Tagen die Einladung der auswärtigen Vereine erfolgen wird. Auch wurde beschlossen, mit ca. 60 Sängern einen Wettstreit zu besuchen. Der Verein zählt über 60 Sänger und etwa 100 passive Mitglieder.
= Lang-Göns, 4. Febr. Im Saale des Gam- brinus feierte der Gesangverein Frohsinn sein 56jäh- riges Stiftungsfest. Daß der Verein etwas schönes zu bieten vermag, zeigte das schöne Programm uno seine Ausführung. Obgleich der Dirigent, Lehrer Schwinn, die Leitung nicht selber hatte, wurden die Chöre vorzüglich vorgetragen. Auch die Kapelle Leisingen zeigte in ihrem Programm, daß sie über tüchtige Kräfte verfügt. Bürgermeister Rompf wurde zum Ehrenmitglied ernannt.
-b. Hung en, 5. Febr. In den letzten Tagen wurden in den Wäldern außer vielen Hasen auch einige Rehe verendet aufgefunden. Es wurde nun inbezug auf die Hasen von einer ansteckenden Lungenkrankheit gesprochen. Aber dies scheint nickt die Hauptursache ni sein. Vielmehr ist anzunehmen — dafür sprechen auch Die vielen Vogelleichen, die man draußen in Wald und Feld allenthalben antrifft —, daß die langanhaltende, festgefrorene Schneebecke der letzten Wochen, die den Tieren jede Nahrungsaufnahme unmöglich machte, ihnen zum Verhängnis wurde. Sunger und strenge Kälte brachten vielen Tieren den Tot. in Beweis dafür ist, daß selbst Rehe bis in die Hausgärten kämet: und Wald- unb Obstbäume durch Benagen ihrer Rinde beraubt sind. Auch die Anpflanzungen auf dem „Rod" und den „Jungen Hansen" wurdet: schwer heimgesucht. Die ganzen, aus Akazien und Ziersträucher:: bestehende:: Einfrtedigungen wurden bis in die Krone abgenagt und dürften infolgedessen eingehen.
Kreis Lauterbach.
-r. Lauterbach, 5. Febr. Der Handelsverein hielt gestern eine Sitzung ab, in welcher der Vorsitzende, Fabrikant Dürbeck, u. a. auch über kürzlich gepflogene Verhandlungen einiger Ortsvorstände des Vogelsberger H^henk.ubs mit der Eijenbahndirektion Frankfurt a. M. berichtete, bei welcher Gelegenheit auch der Handelsverein vertreten war. Die Besprechungen bezogen sich auf mögliche Verkehrs- Verbesserungen auf der Eisenbahnlinie Lauterbach-Stockheim, wozu auch Lauterbach Wünsche vorzubringen hatte; leider wird diese Strecke ihrer ganzen Anlage nach für uns als Durchgangsverkehr nicht inbetracht kommen, obwohl sie die kürzeste Verbindung mit Frankfurt darstellt, sie muß auf absehbare Zeit mehr dem örtlichen Verkehr dienen. Nach den heutigen Mitteilungen zeitigten die Verhandlungen kein greifbares (Ergebnis, der Vertreter der Eisenbahnbehörde erklärte, mit Rücksicht auf den geringen Verkehr auf dem Vogelsberg könne eine erhebliche Aenderung der jetzigen Zugverbindungen nicht statthaben, ebensowenig die gewünschte Einlegung neuer Züge. Dem Antrag Lauterbach nach einer beschleunigten Durchführung des ersten Frühzuges Lauterbach—Vilbel will die Eisenbahnbehörde nähertrcten, der Handelsverein beschloß heute noch eine Eingabe an diese Behörde des Inhalts, daß der Abendzug Stockheim—Grebenhain (8.24) im Interesse der hiesigen Geschäftswelt künftig regelmäßig bis Lauterbach durchgeführt werden möge. (Dies geschieht jetzt nur Sonntags vom 1. Mai bis 30. September.) Ferner wurde über die Frage der Einlegung eines weiteren Zugpaares auf der Linie Gießen —Fulda verhandelt, was ein lang gefühltes Bedürfnis der Bewohnerschaft unseres Bezirkes bedeutet. Es verkehrt jetzt hier zwischen 2 und halb 9 Uhr nachmittags kein Personenzug mit vierter Klasse in der Richtung Fulda, ebenso fehlt eine Verbindung mit Gießen zwischen 6 und halb 10 Uhr vormittags. Man wünscht deshalb einen Nachmittagszug in der Richtung Fulda, der Lauterbach etwa um 6 Uhr berührt, ebenso einen Vormittaaszug in der Richtung Gießen für die Zeit um 8 Uhr. Man verweist allseitig auf die Notwendigkeit dieser Zugverbindung hin, die auf der ganzen Strecke durchzuführen wäre und beiderseitig an den Endstationen günstigen Anschluß hätte und man glaubt, daß Lauterbach für sein Verlangen auch vielfach Unterstützung fände, namentlich von Alsfeld. Es wird beschlossen, diese Angelegenheit der Eisenbahndirektion Frankfurt a. §N. zu unterbreiten. Hierauf hielt Rechtsanwalt Scheer hier einen Vortrag über das eheliche Güter- und Erbrecht, den: die Anwesenden mit Interesse folgten.
Kreis Schotten.
? Schotten, 5. Febr. Bei der Ausschreibung zwecks Errichtung eines zweiten Klubhauses auf den, HoherodLkopf sind bei dem Vorstand des Vogelsberger HöhenklubL zehn Bewerbungen eingegangen, von denen keine den Voranschlag überschreitet und bei denen beträchtliche Preisschwankungen nicht zu verzeichnen sind. Die Entscheidung bleibt nunmehr den: BauauSschuß und dem Vorstande Vorbehalten. Wie nötig die Erbauung eines zweiten Hauses auf dem Hoherodskopf ist, beweist der sehr starke Verkehr, wie er bereits diesen ganzen Winter über besonders an Samstagen und Sonntagen auf dem Klubhause zu verzeichnen ist, indem an diesen Tagen oft 20 bis 25 Personen Nachtquartier nehmen.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion den: Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Anmerkung der Redaktion: Herr Dr. meb. Strünkmann, der am Freitag abend im Neuen Saalbau die politische Versammlung allzu eingefrenb mit der Jmpf- srage unterhalten wollte, aber schließlich genötigt wurde, zurückzutreten, schickt uns das folgende „Eingesandt", in dem nochmals ein leiser Vorwurf gegen die Versammlung und chre Leitung erhoben wird. Unseres Erachtens aber I>ät±en die beiden Jmpfgegner sich selbst sagen müssen, daß nach den gehörten Borträgen der nationaltiberalen Redn.r das Interesse unb die Erwartungen der Versammlung doch nach anderem verlangte, als nach langen Ausführungen über eine solche Spettalfrage. Wenn die Jmpffrage auch gewiß eine wichtige Sache ist, so war es unseres Erachlens dock am Freitag ab.md nicht zeitgemäß, die polüffche Aussprache mit zeitraubenden Vorträgen darüber zu eröffnen. Deshalb wurden die Zuhörer unruhig, unb es ist falsch, die Versammlung mangeln den Verständnisses zu beschuldigen.
Gießen, 1 Februar
Laut Reichstagsbericht des Gießener Anzeigers vom 81. Januar erklärte der nationalliberale ^lbgeordnere Herr Dr. Axnrng. ira RärhAag;
„Man muß den Langmut der Regierung bewundern, btr gegen dieHetze der Jmpfgegner, besonders in Hannover, nicht einschreitet. Die Art wie von den Jmpfgegnern gearbeitet wird, ist geradezu verbrecherisch."
Es ist aber kein geringerer als der früher hier in Gießen tätig gewesene Professor Sticker, der jüngst folgende Stellung zur Jmpffrage nahm:
„Entweder ist der Impfschutz sicher, dann brauchen wie. die Pockenkranken unb ihre Umgebung nicht ein halbes Mensclnu alter nach ber Einführung des JmpfgesetzeS nochnmls unter antikontagionistische (die Ansteckung bekämpfendem Polizeimaß- regeln zu stellen: loder die Aufnahme der Pocken in das neue Seuchengesetz erscheint wirklich notwendig, bann liegt ür dem Seuchengesetz bas Zugeständnis, daß die Schutzpvckemmpfung für den einzelnen unsicher unb für ben Schutz ber Allgemeinheit unzulänglich ist. Jedenfalls werden starke Zweifel an ber Notwendigkeit und damit an der Zulässigkeit der Zwangs impsung durch die vorliegende Fassung des Scucheugesetzes herausgefordert.
Oder ist etwa der Impfschutz ein Dogma unb die Untersuchung des JmpfgesetzeS ein Frevel?
Ich meine, wir sind trotz einiger Dunkelmänner noch nich, so weit, daß wir in der Medizin Dogmen statt Ucberlv.iugungai haben wollen. Wissenschaftliche Ueberzeugungen muffen ab?t immer wieder geprüft und gestärkt und erneuert oder aber abgetan werden. Und eine ärztliche Einrichtung, die soviel angefcinb.'t wird und vor allem von solcher Tragweite ist wie die Schutzpvcken- impsung, erheischt wiederholte unb vielseitige Prüfung auch bann ober gerabe bann wieder, wenn sie gesetzlich festgelegt ist. Wie bas Ergebnis der Prüfung ausfallen mag, ist durchaus gleichgültig; entweder verträgt das Impfwesen eine wissenschaftliche Prüfung, bann ist es gut; Anfeindungen muß es ohnehin ertragen; ober es verträgt feine Prüfung nicht, bann um so schlimmer für es unb um so besser für unsere Kunst, bic weiter nichts will, als dem leiblichen Wohle ber Menschen biene::, unb alles abschafft, was ihm toiberftrebt."
Diesen Ausführungen Professor Sticker's gemäß hat jetzt im Reichstag bas Zentrum verlangt, daß eine Kommiision von Jmpffreunden unb Jmpfgegnern einberufen werden soll. Auch ber Sprecher ber konservativen Partei, Dr. Hahn, erflärtc (laut Reichstagsbericht bes Gießener Anzeigers vom 2. Februar«:
„Die Meinung der Aerzte unb Bakteriologen über den Wert ber Impfung ist durchaus geteilt. Die Forschung liegt so;u- fagen noch in ben Windeln. Deshalb treten wir für Einberufung einer Kommission ein, die aus nur wissenschaftlichen Mitgliedern bestehen und die Fraye einer Klärung zuführen soll."
In ähnlicher Weise haben in diesen Tagen int Reichstag die fortschrittliche Volkspartei, die wirtschaftliche Vereinigung unb die Sozialdemokratie eine Revision des JmpfgesetzeS verlangt.
Nur die nationalliberale Partei hat, soweit man aus ben Ausführungen Dr. Arnings auf die Gesamtpartei schließen bart, prinzipiell gegen eine Revision des JmpfgesetzeS Stellung genommen. War es nun nicht naheliegenb, daß ich in der gestrigen Wählerversammlung ber nationalliberalen Parte: eine klare Antwort zu haben wünschte, ob bie nationalliberale Partei bic Notwenbigkeit einer Revision bes JmpfgesetzeS bejaht ober verneint? Meine Ausführungen aber, welche bie Notwendigkeit einer Revision des JmpfgesetzeS, bic Herr Rechtsanwalt Dr. Spohr vom juristischen Stanbpunkt aus beleuchtet und begründet hatte, auch vom hygienisch-medizinischen Standpunkt! begründen sollten, wurden durch bas Verhalten der Versammlung unmöglich gemacht, ba offenbar sowohl bie Herren am Vorslandstisch als bie meisten Anwesenden von der Po li tisch en Bedeutung ber Impf zwangs frage für bie liberale Entwicklung ber Dinge in Deutschlanb kein Verstänbnis hatten, insbesondere kein 33er-- stänbnis dafür, daß wissenschaftliche Streitfragen nicht durch Gesetzgebung und Polizeigewalt gelost werden förtnen, sondern nur durch Vorurteils freie unbefangene Forschung. Sich in dieser Frage ein paar einseitig impfgläubigar Aerzten, bie zufällig Mitglieb bes Reichstages sind und den Mebizinalräten ber Regierung anzuvertrauen, ist bas Gegenteil. einer unbefangenen Prüfung.
Auf jeben Fall müßte also auch der Kandidat der hiesigen nationalliberalen Partei, Herr Professor Dr. Gisevius, da er selber kein Fachmann in ber Jmpffrage ist, der Forderung einer Kommission zustimmen, ber gleichzeitig wissenschaftliche Jmpf- freunbe unb wissenschaftliche Jmpfgegner angeboren: entspricht doch eine solche Forberung seinem Jbeal ber „golbenen Mittel- straße" zwischen alllen Extrenren, also int vorliegenben Falle zwischen Jmpffreunden und Jmpfgegnern.
Dr. meb. Strünkmann.
Spielplan der vereinigten Sranffurter Stadttheater.
Opernhaus.
Montag, 6. Febr., abends 71/, Uhr: „Der Bettelstudent.' Dienstag, 7. Febr?): „Madame Butterfly." Mittwoch, Febr., abends 77, Uhr: „Ein Walzertraum." Donnerstag, 9. Febr., abends 6 Uhr: „Die Walküre." Freitag, 10. Febr, geschlossen (Museums-Konzert). Samstag, 11. Febr., nachmittags *3VZ Uhr: „Aschenbrödel." Abends 7 Uhr: „Der Freischütz." Sonntag, 12. Febr., nachmittags 37, Uhr: „Die geschiedene Frau." Abends 7 Uhr: „Tiefland." Montag, 13. Febr., abends 77„ Uhr: „Ter Zigeunerbaron." Dienstag. 14. Febr.: „Der fliegende Holländer/ Aiittwoch, 15. Febr., abends 77, Uhr: „Der Gras von Luxemburg/
Schauspielhaus.
Montag, 6. Febr., abends 77, Uhr: „Glaube und Heimat/ Dienstag, 7. Febr/): Anatol-Zykliis. Mittwoch, 8. Febr.: Anatol- Zyklus. Donnerstag, 9. Febr.: „Maria Stuart." Freitag, 10. Febr., abends 77, Uhr: „Glaube und Heimat." Samstag, 11. Febr.: „Cyrano von Bergerae." Sonntag, 12. Febr., nachmittags 37, Uhr: „Ter Raub der Sabinerinnen." Abends 7 Uhr: „Eyrono von Bergerac." Montag, 13. Febr.: Anatol-Zykliis. Dienstag, 14. Febr: „Die Macht der Finsternis." Alittivoch, 15. Febr., nachmittags 27, Uhr: „Wilhelm Tell." Abends 7 Uhr: „Cyrano von Bergerac."
*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
Febr.
1911
Barometer aus 0° reduziert
Temperatur der Lllfl
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Wind- richlung
Windstärke
Grad ber Bewölkung in Zehntel der slchtb. Himmelsfl.
Wetter
5.
5.
6.1
2”
753,2 1
4,6
4,7
74
9«
755,5 1
3,3
4,9
85
757,7 j
-0,1
4,6
100
Höchste Temperatur am 4.
Niedrigste , „ 4.
Niederschlag: — 0,0 mm.
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bis 5. Februar — -s- 5,4 ° ü. , 5. ., = + 1,4 X
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