Ausgabe 
7.9.1911 Erstes Blatt
 
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Ifnb glücklich geborgen toirrben. Es nahm ine Richtung nach HünfädH ersfeldBebra, indem es genau der Eisenbahnlinie folgte.

Lersseld, 6. Sept. Das LuftschiffSchwaben" passierte ton 11 Uhr 25 Min. die Stadt und befindet sich auf der Weiter­fahrt nach Bebra, Eisenach und Gotha.

Gotha, 6. Sept. Das Luftschiff .Schwaben" passierte 11.35 Uhr Bebra, 12.15 Uhr Gotha. Die Landung vor der Halle in Gotha erfolgte gegen V»1 Uhr.

Äus Stadt unb Land.

Gießen, 7. September 1911.

Der Gro'ßherzog empfing u. a. gestern ben Oberi. Schmidt, Kommandeur des Großh. Gendarmeriekorps.

* * Schulangelegenheiten. Erledigt sind die zweite Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Bensheim. Dem katholischen Pfarrer und dem Stadtoorstand zu Benshein steht daß Präsentationsrecht zu; die fünfte Lehrerstelle an bei evangelischen Schule zu Erbach i. O. Dem Grafen z> Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu; die mit einen evangelischen Lehrer zu besetzende fünfte Lehrerstcllc an de Gemeinbeschule zu König, Kreis Erbach.

* * Vom Manöver, 6. Sept. Friedberg itnb Umgegend hat heute seine zweite Mnquartierung erhallten, die 41. Iw santeriebrigade ist hier eingetroffen, um morgen ihr dreitägige^. Brigade^Manöver zu .beginnen. Ter Brigade-General liegt in Homburg v. d. H. Die beiden Infanterie-Regimenter Nr. 8r. und 88 und die 21er Pioniere verließen heute vormittag ihre Garnison Mainz und trafen im Manövergelände ein, die 88e kamen um 2Ve Uhr mit der Bahn in Friedberg und Bad- Nauheim an. In Friedberg liegen das 1. und 2. Bataillon 88er nebst Regimentsstab, Stab und drei Batterien der 27er Artillerie, ein Teil der 6er Dragoner und eine Maschinengewehrkompagnie, ins­gesamt 1650 Mann; in Bad-Nauheim befindet sich das Z. Bat 88er. In Ober-Wöllstadt und Ockstadt liegen Ger Dragoner Diefeindlichen" 87er haben bei Hattersheim, Hofheim, Soden Ouartier bezogen. Ter Stab der 21. Kavallerie-Brigade liegt in Homburg v. d. H. Morgen beginnt der Krieg im Frieden in der Gegend von Köppern, Homburg, Rodheim, Erlenbach, Ober-Ursel Oberst von Großmann von den 6er Dragonern führt Blau. Bc der 42. Infanterie-Brigade begann bereits heute das Brigade­manöver, das Gefeä^, und die Märsche zogen sich bis gegen Usingen ins Weiltal und obere Usatal, die Truppen bezogen in der Gegend von Ober- und Nieder-Lanken und Rod Biwak Die Manöver-Proviantämter Usingen und Grävenwiesbach sind in voller Tätigkeit. Einen heißen Tag hatten die Truppen der 49. Brigade. Vollständig kriegsmäßig rückte das Kaiser- Wilhelm-Regiment aus seinen Quartieren Miehlen, Gem­merich, Ölsberg, Kasdorf, um sich auf der Höhe zwischen Miehlen Buch und Pohl zu verschanzen, Schützengräben, Hindernisse und bergt m. anzulegen. Bei diesen Schanzarbeiten unterstützten sic noch die 25er Pioniere, die in Bogel lagen. Auch eine Abteilung des Artillerie-Regiments Nr. 61 bezog feste Stellung. Nach­mittags wurde Vieh in den Ortschaften gekauft und geschlachtet, es erfolgte allgemeines Abkochen mit anschließendem Biwak, nur die Dragoner bezogen Massenguartierc. Sache der Angreifer wird es nun sein, sich an die befestigte Stellung heranzuarbeiten. Die 115er brachen heute früh von Mudershausen, Hahnstätten, Burg Schwalbach, Lohrheim auf und rückten im Verein mit den 168ern (aus Katzenellenbogen, Dörsbäch) und der 2. Abteilung der 61er Ar­tillerie (Netzbach, Oberneisen) in der Richtung gegen Holzhausen ü. d. Haide. Die 5. und 8. Kompagnie der Fußartillerie Nr. 3 mit ihren schweren Haubitzen wird den Angriff unterstützen. Zum Angriffsgefecht sind zwei Tage und zwei Nächte vorgesehen, die Truppen werden also vor Freitag nicht aus den Kleidern kommen. Geländebeleuchtung mittels Scheinwerfer und Leuchtraketen werden bei dem Nachtkampf eine große Nolle spielen. Heute weilte der kommandierende General hier. Wie verlautet, wird morgen der türkische Kronprinz hier eintreffen. Als Uebungsgelände für die 50. Brigade (117er und 118er) dient die Kemeler Heide westlich Langenschwalbach. Das Hauptquartier der 21. Division kommt nach Idstein, das der 25, Division nach Langenschwalbach.

* * Kin e m at og r aph. Das Theater lebender Bilder bringt mit seinem neuen Spielplan einen 900 Meter langen FilmDi e Zigarrenarbeiteri n", ein Volks stück aus dem 'Großstadtleben, welches die Besucher von Anfang bis zu Ende in größter Spannung hält. Ein Mädchen, geliebt von des Fabrikanten Sohn, infolgedessen fortgejagt und in den Strudel großstädtischen Elends geworfen, bewahrt trotz der schlechten Gesellschaft, in die es gerät, seine Ehre und erkämpft sich unter Aahllosen Hindernissen das er- sehnte Glück. Das gute Spiel erlesener Kopenhagener Bühnenkünstler macht das eindrucksvolle Stück besonders sehenswert. Trotzdem dieses Stück, welches nur noch heute und morgen vorgefü'hrt wird, allein eine volle Stunde in Anspruch nimmt, erleidet der übrige Spielplan keine Ein­schränkung, so daß jeder Besucher auf seine Rechnung kommt. Recht vorteilhaft ist es, daß im Kinematograph auch der Humor zu besonderer Geltung kommt.

* Die unbekannte Geisteskranke, die am 4. l.M. im Forstgarten angehalten und in Krankenpflege genommen wurde, ist in der Person eines Dienstmädchens- festgestellt worden, welches am 1. I. Mts. seine Stelle in Frankfurt a. 3)L verlassen hatte und seitdem umherirrte.

" Unsinniger Scherz. In verflossener Nacht stellte ein Student au8 Marburg am Felsenkeller einen Bahnzug, indem er den Beamten falsche Signale vortäuschte. Die Be­amten nahmen ihn fest und Übergaben ihn der Polizei. Er wird sich wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes zu verantworten haben.

Landkreis Giehen.

Grüningen,6. Sept. Nachdem am 11. August d. I. die Maul- und Klauenseuche hier in zwei Gehöften fast gleichzeitig ausgebrochen, und seit dieser Zeit die Orts­und Stallsperre angeordnet war, konnte gestern nachmittag der Kreisveterinärarzt feststellen, daß sämtliches Vieh öolb ständig wieder hergestellt ist. Der Seuche war nur ein kleines Rind zum Opfer gefallen, und sie blieb glücklicher­weise nur in diesen beiden Gehöften. Um dieser Seuche wirksam entgegenzutreten, muß als Grundbedingung gelten: Intensive peinlichste Reinlichkeit an den Klauen, stets saubere, troxkene Streu, frische Luft. Die Klauen sämt­licher im Stall befindlicher Tiere müssen sofort beim Aus­bruch der Seuche mit lauem Kreolinwasser sauber abae- waschen (hier wurde dazu auch Petroleum verwendet), als­dann bis über die Kronen mit Teer angestrichen werden, oder wenn dieses nicht gleich zur Stelle ist mit Wagen­schmiere. Die Streu ist frei von Jauche oder Mist zu halten (stets trocken). Selbstverständlich müssen die Anweisungen der Behörde streng befolgt werde::, da^onst die Verbreitung unvermeidlich ist.

a. Hungen, 6. Sept. Wir sind zwar bis jetzt noch von der Maul- und Klauenseuche verschont, aber in der nahen Umgegend wütet sie furchtbar. Die scharfen Vor­sichtsmaßregeln werden zwar befolgt, aber trotzdem kann das Umsichgreifen der Seuche nicht verhütet werden. In Hungen herrscht eine Masernepidemie, so daß die Schulklassen stark gelichtet sind.

Kreis Büdingen.

H. Büdingen, 6. Sept. Die Obstversteigerung der Gemeinde Büdingen findet Mittwochs 13, Sept., statt. Bei

ben hiesigen Aepfelweruteltereien begutin Oie Kampagne am 15. September. Durch die anhaltende Trockenheit ist das Obst bereits reif und fällt ab. Der Zentner Lesäpfel wird zurzeit mit 3,50 Mk. bezahlt. Tie von dem Land­wirtschaftskammerausschuß für die Provinz Oberhessen und dem 'Obstbauverein geplante Ausstellung in Lind - heim findet wegen der schlechten Ernteaussichten und der erhöhten Seuchengefahr nicht statt.

O. B ü b i n g e n , 6. Sept. Am Mittwoch wurde in dem benachbarten Wolf ein junger Mann von einen: Pferde ge­treten. Er erlitt schwere Verletzungen im Gesicht. Tcü Bedauernswerte tourbc nach Gießen in die Klinik über­führt.

-s- Nidda, 5. Sept. Heute mittag 1 Uhr wurden die Einwohner durch Hornsignale der Feuerwehr erschreckt. Es ,rannte in dem Hintergebäude des Barbiers Ferren in der Bahnhofstraße. Dem raschen Eingreifen der Feuerwehr ifi 's zu danken, daß ein größerer Brand verhütet wurde, der n dem bereits angebrannten Holzschuppen, der bis unters i)ach mit Reisig und zerkleinertem Holz besetzt war und in 'en ohne jede Brandmauer eng angebauten Nebengebäuden -eichliche Nahrung zur Weiterverbreitung gefunden hätte. Die Löscharbeiten leitete der stellvertretende Kommandant Kuppel und KreiSfeuerwehr-Inspektor Vetzberger.

Kreis Lauterbach.

a. Nieder-Moos, 5. Sept. Heute mittag entstand m Gemeindewald zwischen hier und Bannerod Feuer, as rasch um sich griff. Die Feuerwehr dämmte den Brand nrch Abgraben ein, der Wind trieb indessen die Flammen mf Die anliegenden Wiesen, welche infolge der Trockenheit benfalls brannten. Im Walde ist ein halber Morgen 15jahr. Fichten vernichtet. Man ist auch hier zum Entschluß ge- ommen, eine Wasserleitung zu bauen. Tie sehr ergiebigen Quellen liegen innerhalb des Dorfes und sind Gemeinde­igentum. Das Wasser soll mit motorischer Kraft zum Hochbehälter gehoben werden.

a. Bermuthshain, 6. Sept. Die Bürger- m e ist er wähl ist endgültig festgesetzt, bei Offenlegung )cr Wählerliste haben sich aber Anstände herausgestellt, so daß Einspruch erhoben wurde.

Kreis Friedberg.

L. Fried berg, 6. Sept. Unsere Stadt und Um­gebung bietet zurzeit ein kriegerisches Bild. Hebernd, wohin nan schaut, sieht man Militär. Die stärkste Einquartierung oerben mir nächste Woche haben an brci Tagen, dem 12., 13. und 14. September, je 2400 Mann.

^Ober-Mörlen, 6. Sept. Auf dem Felde zwischen Ziegenberg und Haselheck sieht man die Wirkung der schweren ckrtilleriegeschütze und der Haubitzen der Brandenburger gelegentlich des Scharfschießens in voriger Woche. Meter- iefe Löcher sind anzutreffen, Steine und Erde wurden wett ortgeschleudert. Die Geschoßbahn betrug 41/2 Kilometer. Zahlreiche Geschosse wurden ausgefunden und von den er­freuten Findern alsAndenken" mitgenommen. Es war ihnen nicht leicht geworden, denn ein Geschoß wiegt saft "inen Zentner. Gestern wurde nun in den Ortschaften ortsüblich bekannt gemacht, daß alle Geschosse abzuliefern seien, da sonst Bestrafung wegen Diebstahls erfolge.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Messel, 6. Ang. Leutnant Hiddessen, der tyeute früh das Luftschiff Schwaben bis nach Frankfurt be­gleitet hatte, war auf der Rückfahrt infolge eines Motor- >chadens auf den hiesigen Wiesen niedergegrngen. Die Zün­dung des Motors hatte ausgesetzt. Leumant Hiddessen, in dessen Begleitung sich Oberleutnant z. S. v. Schrötter befand, wollte in einem Gleitfluge landen, wobei er ziem­lich hart auf den Boden kam. Die vordere Höhensteuerung wurde stark beschädigt und mußte durch eine neue ersetzt werden, ajidb die Holzgestänge und die Drahtverbindungen am ganzen Apparat litten not und mußten zum Teil durch neue Teile ersetzt werden. Die Fahrer kamen mit heiler Haut davon.

eh. Bingen, 6. Sept. In dem benachbarten Grols­heim ist in einem Gehöfte der Ausbruch der Maul - unb Klauenseuche amtlich festgestellt worben. Jufolge- öeffen würbe bie Gemeinbe Grolsheim mit Katharinenmühlc als Sperrbezirk erklärt. Das Beobachtungsgebiet umfaßt bie Gemarkungen Gensingen, Ockenheim, Dromersheim, Spons­heim mit Sponsheimer Mühle, Aspisheim, Horrweiler, Dieters­heim unb Bübesheim.

Hessen-Nassau.

X. Hanau, 6. Sept. Zum Rektor an ber evangelischen Volksschule in Langenselbolb bei Hanau wurde der Lehrer an der höheren ftäbt- Mädchenschule in Marburg Dr. LouiS Dreyling ernannt.

UniversitätS-Nachrichten.

Ehristiania, 7. Sept. Anläßlich der Hundertjahrfeier mürben zu Ehrendoktoren ernannt: der Theologie: Professor Hermann -Marburg; der Jurisprudenz: die Prozessoren v. Bar- Goitingen, Lenel-Freiburg i. Breisgau; der Philosophie: die Pro­fessoren Müller-Göttingen, Noeldecke - Straßburg und Lenard- Heidelberg.

vermischtes.

* Die Durchquerung des Aermelkanals, die schon wiederholt das vergebliche Bestreben zahlreicher tüchtiger Schwimmer gewesen ist, gelang nunmehr zum zweiten Male nach der lang zurückliegenden Tour des Kapitäns Webb, dem englischen Schwimmer B u r g e ß. Dieser schwamm vorgestern früh 10.50 Uhr von Dover ab und langte gestern früh um 10.30 Uhr am Kap Grisnez bei Calias an. Er hatte die 3 2 Kilometer lange Strecke in 23 Stunden 40 Min. zurückgelegt. Kapitän Webb legte int Jahre 1875 die 40 Kilometer lange Strecke in 21 Stunden 43 Min. zurück. Burgeß hat schon dreizehnmal die Durch- schwimmung des Kanals versucht. Erft jetzt ist sie ihm geglückt. Er hatte erhebliche Schwierigkeiten und Gefahren zu überwinden. Nachdem er zuerst tüchtig vorwärtsge- romnten war, trat gegen Abend dichter Nebel ein unb es fehlte lange Zeit von ihm jede Nachricht. Er erzählte, die Zeit zwischen 2 Uhr nachmittags und 8 Uhr abends sei bie strapaziöseste gewesen. Er habe in biefen Stunben schwer gegen die Ebbe ringen müssen, die ihn trotz größter Gegenwehr schließlich weit von der französischen Küste zu­rückwarf. Als sich bann wieber die Flut einstellte, konnte er in 3 Stunden bas Kap Grisnez erreichen. Burgeß ist 37 Jahre alt.

. * Das tragische Geschick eines Fliegers. Man berichtet aus Neu York: Die amerikanffchen Flieger sind alle in großer Erregung über die Haltung des Publikums in N 0 r t 0 n in Kansas, das den Flieger John Frisby am vorigen Freitag zwang, gegen seine bessere Einsicht einen Flug zu un; ec nehmen, der mit seinem Todes st urz enden sollte. Frisby hatte bereits am Donnerstag einen Sturz erliünt, ohne jedoch ernsthafte Ber-

it'bungeii zu erleiden Als nun um öituuy Uuu>unuuy teut Motor nicht gut arbeiten wollte, kündigte er der versammelten Menge an, daß es ihm nicht möglich wäre, einen Flug zu unter« nehmen. Sofort erhob sich ein wüstes Geschrei in der Menge. Betrüger, Feigling!" schrie man ihm von allen Seiten entgegen. Obwohl Frisby von dem Sturz am Tage vorher noch arg zer- schundcn war, entschloß er sich nach diesen Zurufen doch widerwillig ausznsteigen. Er kam auch ans seiner Curttß-Maschine gut v^.n 23oben ab und stieg etwa 30 Meter empor, als man plötzlich bemertte, daß die Tragflächen sich neigten unb die Maschine jäh aus der Höhe herabstürzte. Der Flieger erhielt beim Aufprallen 0 schwere Verletzungen in der linken Seite, daß er nach einer Stunde starb. Ter Sturz geschah, während seine Frau, sein Sohn und seine kleine Tochter unter der Menge standen. Ms Mrs. Frisby den Kopf ihres sterbenden Gatten stützte, wandte sie sich zu den Zuschauern und Ragte sie in herzzerreißenden Worten wegen ihrer abscheulichen Haltung an, daß sie lieber einen tüchtigen Mann in den Tod gesandt hätten, als ihr Vergnügen zu verlieren. Bestürzt und verlegen schlich die 9Jtengc von ber Unglücksstätte fort.

kf. ©in Bergwerk, das früher ein Wald war. Der seltsamste aller Bergwerksbetriebe besindet sich wohl in Süd- ruBlanb. Nach einer Mitteilung derRevue forestiöre de France' ivird dort nämlich ein Bergwerk ausgebeulet, in dein nicht Kohle oder Erz geschürft, sondern Holz gewonnen wird, und zwar braune;, rosenfarbenes, blaues unb gelbes Eichenholz. Tiefe Tatsache klingt zunächst verwunderlich, beruht aber augenscheinlich auf durchaus richtigen Angaben. Bei Baggernngen in einem Flusse entdeckte ein russischer Holzgroßhändler auf dem Grunde des Masters sehr gut erhaltene Eichenstämme, unb bei genaueren Untersuchungen stellte sich hei ans, baß in geringer Tiefe unter der Oberfläche ein ganzer Eichenwald ueigiabeu liegt, der etwa 2v0 Quadratkilometer bedeckt. Das Holz ist ganz uortrefflid) erhalten und wegen der eigentüm­lichen Färbung, die es angenommen hot, für die verschiedensten modernen Tischlerarbeiten besonders geeignet, so daß der glückliche Russe damit ein gutes Geschäft machen wird. Er rechnet darauf, daß feinBergwerk^ ihm wenigstens 150 000 wohlerhaltene bunte Eichenstäinme liefern wird.

Kieme Taaezchronlk.

Richter ist von Saloniki über Belgrad und Wie« nach Jena abgereist; sein Befinden ist bedeutend gebessert.

Das Berliner Luftschifferbataillon hat in drei Sonderzügeu die Ausreise ins Manöveraclände angetreten.

In Königsberg (Neumark) ist das ganze Elektrizi« tätswerk niedergebrannt. Die Heizer konnten mühe« voll ihr Leben retten.

Das Wachkommando des FeldariillerieregimentS Nr. 54 in Küstrin teilt mit, daß Hauptmann Schönwald, der an­geblich bei dem Waldbrande zwischen Königswalde und Schwerin umgekommen sein soll, lebt.

Bei einem Brande in Sagritz bei Golßen wurde» in der Nacht vom Montag zum Dienstag drei herrschaftliche und fünf Bauerngehöfte eingeäschert. Hierbei erlitten drei Personen schwere Verletzungen. Ein fünfjähriges Kind kam in ben Flammen um.

Als gestern in Shephards Bush in London fünf braune Bären und ein Eisbär von einem Tierbändiger vorgeführt wurden, sielen die braunen Bären plötzlich über ben Eisbären her und es entspann sich ein furchtbarer Kampf. Im Publikum brach eine Panik aus. Die Wärter bemühten sich vergeblich, die Bestien zu trennen. Der Kampf endete damit, daß der Eisbär mit töd­lichen Wunden bedeckt liegen blieb und getötet werden mußte.

An der Eindämmung des großen Waldbrandes an der S i m m e n s l u h arbeiteten den ganzen Tag etwa 700 Mann. Infolge lebhaften Windes machte das Feuer gegen abend wei­tere Fortschritte. Durch losbrechende Gesteine wurden einige Mann ber .Löschmannschaften verletzt. Den zahlreichen Fremden an den Ufern des Thuner Sees bietet der brennende Berg besonders nachts ein eigenartiges Schauspiel.

Der türkische Thronfolger hat dem Magistrat von Berlin 5000 Mk. zur Unterstützung der Armen überwiesen.

In einer der belebtesten Straßen der nördlichen Stadt Lou­don wurde ein Wagen einer Juwelenfirma, trotzdem er an einer Sicherheitskette hing, mit einem Inhalt von 50 OOfl Mark geraubt. Ter Wagen wurde bann später in eine: verkehrsarmen Straße mit zerbrochenen Fenstern roiebetgefunbm Von ben Dieben fehlt jede Spur.

Nach einer Blättermelbung aus Lemberg soll sich ber Großgrundbesitzer Fürst Jenus v. Radziwill nach Hiutn- lassung einer Sch uldenlast von mehr als IV, Millionen Mark nach Amerika begeben haben.

Qanöel und verkehr,

Trent 0 n <Nem Jersey), 6. Sept. Eine Atlantic- tzacific- Transport-Gefellfchaft ist hier mit einem Kapital von 15 Millionen Dollars gegründet worden. Tie Gesellschaft wird eine Dampfer- linie für die Verbindung zwischen den Küsten bet Atlantischen Ozeans unb bes Pacific durch den P a n a m a - K a n a l in Betrieb setzen.

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Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliehe Wetterdienststelle Gießen.

Welleranssichten in Hessen am Freitag, ben 8. Septbr. 1811* Leicht bewölkt, meist trocken, mäßig warm.

Letzte Nachrichten.

Was wird die französische Negierung nun machen?

Paris, 7. Sept. DasEcho" meint, das Still­schweigen der Regierung über die Marokkoverhandlungn lasse befürchten, daß die Regierung im. Begriff sei, übe: bieZugestänbnissehinauszugehen,diesies. Zt als unabänderliche Maxima bezeichnet habe.

Paris, 7. Sept. Der Fi na n z min i/ter teilt mit baß nach dem Voranschlag für bas nächste Jahr ein Le hl- betrag von 173 Millionen 'Fr an ken vorliege, di: burch geringfügige Abänberungen von Taxen entstmlder» seien. Durch ein Abkommen mit ber Ostbahn u. a, hofft man, ben Betrag wieder einzubringen.

Teuernngskiindgebuncen.

Paris, 7. Sept. Die Teuerungsrevolten ix Norofrankreich dauern an. In Roubaix erbrachen D- beiter ben Schuppen eines Gemüsehänblers unb legten batti Feuer daran. Auch Wagen und sonstige Geräte wurder vernichtet. Der Aufruhr dauert an.

Die Besetzung Jfnis.

San Sebastian, 7. Sept. Minister Canalejas ist nach Madrid^zurückgekehrt. Er teilte mit, b^ß bie Be­setzung Jfnis binnen kurzem erfolgen werde. Sie werte feiner Meinung nach zu keinen'Differenzen Anlaß gebet.

Zum Bersu winden der ona Lisa.

Paris, 7. Sept. Die Gesellschaft der Louvre- freunde chat für bie Entbeckung ber Mona Lis^ einen Preis von 25 000 Franken ausgesetzt.

Tie Lage Finnlands.

Nikolaichadt, 6. Sept. Alle Zeitungen veröffentlicha: einen an den Staatssekretär für Finnland in Petersburg, S a M* hoff, gerichteten offenen Brief, in welchem darauf gewiesen wird, daß das Volk seit langem von einem Vertreter beifl Throne Schritte erwarte zur Abwehr der auf das Vaterland fallenden Schicksals schlüge. Daß solche Schritte mat erfolgten, rief im ganzen Lande Erregung hervor. In den Schreiben wird der Staatssekretär gefragt, was er zum S cpu fct der Rechte Finnlands und zur Abwehr der dem fimuschol Volke drohenden Gefahren unternommen habe ober zu unternehmen beabsichtige.

Frankfurt a. M., 7. Sept. Der türkische Thror« folger, Prinz I u s s u f Issed 1 n ist mit Lesvlge W* morgen 336 Uhr im Orientzug Nr. 54 nach Wien <xbg< reift.