Ausgabe 
4.4.1911 Erstes Blatt
 
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Körperverletzung in eine Geldstrafe von 1 5 Mark ober 6 Tage Gefängnis verurteilt. Ter H. K., Sohn des Landwirts F. K. H. in Altwiedermus. wird wegen Jagdvergehens in eine Geldstrafe von 30 Mark oder 10 Taaen Gefängnis verurteilt. Zugleich wird auf Einziehung der beschlagnahmten Schlinge erkannt. Ter Tredjskr L E. auS Nordwalde, zurzeit hier in Untersuchungshaft, wird wegen Bettelns in eine Hast strafe von 3 Tagen verurteilt. Tic Sv K. Ehefrau M. geb. T. in Wolf, wird wegen Diebstahls zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt.

4- Düdelsheim, 2. April. Heute fand im Simon- scheu Saale eine Abendunterhaltung des Volks- bildungsvereins statt. Die Veranstaltung war stark besucht. Orchestcrvorträge wechselten mit Gesanasvorträaen des gemischten Chors ab. Alles stand im Rahmen der Heimatslicbe. So auch das Theaterstück Heimkehr", ein Heimatjestspiel von Löscher. Hierin wurde geschildert, wie ein im Gebirgsdorf erwachsener Bauernsohn hinauskommt in die Welt und im Getriebe der Großstadt Heimat und Eltern vergißt, aber zum Schlüsse doch wieder für die väterliche Scholle gewonnen wird.

Kreis Alsfeld.

1z. Vadenrod, 3. April. Seit einigen Wochen sind die Arbeiten an unserec neuen Wasserleitung eifrig im ange. Die Quelle wurde im vorigen Jahre gefaßt, sic liegt m nördlicher Richtung von unserem Dorfe. Das Re- ucüoic wird an die Straße nach Wallenrod zu liegen tommcn. AuSgeführt wird die Arbeit durch die Firma Hordt in Lauterbach, die dabei meistens Arbeiter a»iS hiesiger Gegend beschäftigt. Größere Schwierigkeiten werden dem raschen Fortkommen der Arbeiten bereitet durch den basaltenen Unter- gründ. Rian hofft, daß bis Pfingsten das neue Werk dem Betriebe übergeben werden kann.

Kreis Lauterbach.

lz. Lauterbach, 3. April. An das hiesige Kreisamt haben die Gemeindeeinnehmer des Kreises eine Ein- g a b e gerichtet, in welcher sie um eine Verfügung bitten, die die Gemeinden verpflichtet, feuer» und diebes­sichere K a s s e n s ch r ä n t e anzuschaffen. Begründet ist das Gesuch mit dem Hinweis darauf, daß in der letzten Zeit wiederholt Einbruchsdiebstähle bei öffentlichen Kassen auch auf dem Lande vcrgekommen sind und daß die Be­hältnisse, in denen die Bestände der Gemeindekassen aus­bewahrt werden, im allgemeinen leicht zu öffnen sind. Auch auf die Feuer- mrd Blitzgefahr wurde hingewiesen. Das Kreisamt hat nunmehr den Gemeinden von dem Gesucl) Mitteilung gemacht und sie angewiesen, dem Ersuchen der Gemeinderechner stattzugeben, wo dies bis jetzt noch nicht geschehen ist.

4- Engelrod, 3. April. Die Wahl des Posthalters und Gastwirts Heinrich Schaaf I. zum Bürgermeister unserer Gemeinde wurde in der Krcisausschußsitzung am Samstag für gültig erklärt. Tie unterlegene Partei des seitherigen Bürger- mcisters hatte Berufung verfolgt, da angeblich von der Partei Schaaf Wähler durch Gcschcnle beeinflußt worden seien. In der ^rcisausschußsitzung hoben jedoch sämtlich von der unterlegenen Partei aufgebrachten Zeugen versagt.

Krets Frtcoverg.

L. Friedberg, aptu. xsui allen Gewerbeschul­gebäude über den städt. Pfcrdestülien ist heute früh die Ausstellung von Schüler ar beiten und Mo­dellen eröffnet worden. Tie Ausstellung bietet recht ante Leistungen unjerer hiesigen Gewerbeschuler und kann bis zum 17. d. M. besichtigt werden.

h. Fauerbach v. d. H., 3. April. Einem hiesigen Landwirte sind innerhalb eines halben Jahres 2 Pferde krepiert. Das erste Mal war s ein Fohlen, jetzt eine Stute, die bei der Geburt eines Fohlens zu Grunde ging. Der Besitzer ist nicht versichert. Es soll drum wieder die alte Mahnung neu ertönen: Versichert euer Vieh! Hier fängt man jetzt wieder an Mäuse zu vergiften, und

Bahnhofstraße 54. (02680) Bahnhofstraße 54.

Heute zum letzten Male

oder:

Der Einbrecher, Melodrama, gespielt und getanzt von Charlotte Wiehe vom Berliner Opernhaus.

Charlotte Wiehe gastierte vor einigen Jahren am Gießener Ttadttheater mit größtem Erfolge.

Außerdem das neue großartige Programm.

Gewöhnliche Preise. Gewöhnliche Preise.

Vorstellungen von 3 Uhr nachm. bis 11 Uhr abends.

Giessener Eesehalle-Verein.

Mittwoch den 5. April 1911, abends 8*/4 Uhr, Ordentliche Mitgliederversammlung im Hotel Schütz.

Tages-Ordnung:

1. Geschäftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr 2. Neuwahl des Vorstandes

3. Verschiedenes. v/8

Um zahlreiches Erscheinen bittet

_________________________Der Vorstand.

Institut Boltz 7/isitentiarten

Schnell, sicher. Pr. frei. ßrühl'schc Oetr^Dnickcrcb

es sind ihrer nicht zu wenig vom Herbst übrig geblieben. Ta man mit dem Mäusebazillus keine guten Erfolge hatte, soll es mit vergiftetem Weizen probiert werden. Durch die Wärme der letzten paar schönen Tage sind die Knospen der Obslbäumc hier und in der Umgebung auf­geplatzt. Hoffentlich kommen keine schweren Fröste mehr, fowft sind die Obstaussichten schlecht.

Steinheim, 3. April. Ein Unfall ereignete sich beim Soldatenspielen der Schuljugend. Ein 13iähriger Knabe stieß einem 11jährigen mit der Lanze ins Gesicht und traf das Auge. Zum Glück war die Lanze ziemlich stumpf.

Startenburg und rttheintztjjcn.

m. Offenbach, 4. April. (Priv.-Tel.) Hier wurden zwei Zigeuner namens Melbach verhaftet, die an einer gestern in Frankfurt vorgesallcnen blutigen Schlägerei sich beteiligt halten, sowie zwei ehemalige Fürsorgezöglinge namens Gunkel und Eppert, die in der Stadl zahlreiche Fahrraddiebstähle ausgeführt hallen.

Hessen-Nassau.

X. Hanau, 4. April. Der Händler Weidling aus Büdingen schloß mit einem Fechenheimer Geschäfts­mann einen Vertrag wegen Lieferung von Kelteräpfcln ab und ließ sich auf den Fuhrlohn 50 Mt. Vorschuß geben. Ta er die Aepsel nicht lieferte, wurde er wegen Be­trugs ange klagt. Ta er schon 16 mal vorbestraft war, erhielt er U/4 Jahre Zuchthaus. Heute früh hat er sich im hiesigen Amtsgerichtsgefängnis an seinen Hosen­trägern erhängt._________________________________________

Die Eichener Raihaussrage.

Gießen, 4. April.

Der Bürg erverein hatte aus gestern abend eine allgemeine Bürgerversammlung einberufen, in der die Verlegung der st ä d t i s ch e n A e m t e r in das alte Kliniksgebäude besprochen wurde. Die unter der Leitung des Lehrers Bal. Müller tagende Versamm­lung war leider nur sehr schwach besucht und unter den Anwesenden überwogen die Gegner des Verlegungsprojetts. Sie führten dagegen die Lage der alten Minik ins Feld, die von dem geschäftlichen Mittelpunkt der Stadt zu weit entfernt sei, den schlechten Zustand des Miniksgebäudes, das seiner ganzen Bauart noti) ungeeignet sei, als würdiges Rathaus zu dienen und dessen Umbau für diesen Zweck viel zu teuer komme. In diesem Sinne sprachen sich Fabrikant Roll, Hoslieserant Brück, Apotheker Sch wieder, Schreinermeister Beil, ^britant I n d e r t h a l, Gastwirt I a s k o w s t y, Architekt N i k o l a u s u. a. mehr aus. Von verschiedenen Rednern wurde einem Flügelanbau an das jetzige Bürgermeistereigcbäude an Stelle des Ortsgerichts- jlügels das Wort geredet, der so eingerichtet werden könne, daß er den Anfang eines monumentalen Rathausbaues aus dem Platz des fetzigen Bürgermeistereigebäudes bilden würde. Auch der Platz, auf dem jetzt die Gasfabrik steht, wurde für einen spateren Ratpausneuban genannt. Fabri­kant Sb o r ft, der die Besprechung eröffnete, glaubt, der jetzige Mißstand, daß die städtischen Aemier in verjchiedenen Gebäuden z. T. recht weit voneinander untergebracht sind, könne durch eine Verlegung in das nicht ungünstig zum Stadtmittelpuntt liegende alte Kliniksgcbäude für die nächste Zeit beseitigt lverden, nur müsse die Umbausumme nach oben beschränkt werden. Journalist W o h l m u t h stand auf dem Standpunkt, daß die Stadtverordnetenversammlung auf Grund des ihr vorliegenden Materials wohl zu einem für die Stadt und die Bürgerschaft befriedigenden Beschluß kommen werde. Stadtv. Plank bekam auf seine Fragen, was aus der alten Klinik werden solle, wenn man das Rathaus nicht hin verlege, unb ob die Bürgerschaft im Falle des Baues eines neuen großen Rathauses 2030 Proz. Gemeinde­steuern mehr bezahlen wolle, aus der Versammlung die Antwort, daß man das Gelände parzellieren solle, wo­

durch die ve.t der Stadt für den Ankauf des KlinikSgebäudes aufgemcnbctc Summe sicher eingenen werde Ein Antrag, eine Petition gegen die Verwendung des üliniksgebätldes als Rathaus bei der Bürgerschaft in Umlauf zu setzen, wurde als nicht den Zielen des Bürgervereins, der objektiv sein will, entsprechend bezeichnet und soll privater Initiative überlassen bleiben 2agegen sand ein Antrag deS Installa­teurs Rödiger Annahme, die Angelegenbeit in einer wei­teren Bürgerversammlung nochmals zu verhandeln unb hier­für einen oder zwei Berichterstatter zu bestellen. Wie der Vorsitzende mitlcUt, soll dies in Verbindung mit einer Besprechung über hiesige Verkehrssragen erfolgen. Hof­lieferant Brück regte noch an, in einer Versammlung Stel­lung zur Frankfurter Universitätsfrage zu nein''___________________

<Scrid?tsiaaL

Der Prozeß a c q c n d > cLorraine Sportive".

~ Metz, 3. April. In dem Prozeß gegen sic Mitglieder derLorraine Sportive" begannen beute vormittag die Plä­doyers, die wegen eines Nervenchocs des StaatsanwaltschastSrat ' Riclrcrt aus zwei Stunden unterbrochen werden munten. Der Staatsanwalt beantragte gegen ben Vorsitzenden ber Vereinigung Samain drei Monate, gegen den am meisten belasteten und schwer vorbcsllasten Angeklagten Schneider acht Monate, gegen einen weitereni'iiiqc.iagtcn ic. v3od;en Gciängnis, sowie gegen die übrigen sechs Angeklagten Haftstrafen von drei bis vierzehn Tagen. Das Urteil m morgen za erwarten.

Verlauf der Witterung feit gellem früh: Aus ber Rückseite deS nach Rußland abziehenden Tieis ist die Teinveratur stark ge­füllten. lieber nacht sind Schneebälle medergegangen, die in den Mittelgebirgen bet 5 8 Grad Ställe eine leichte Schneedecke ge­bildet haben. Ta uou Rordwesieuropa da« Hochdruckgebiet lang- iain vordringt, heitert das Wetter auf und Die Temperaturen werden wieder langsam steigen. Heute nacht sind zunächst noch empsindliche Fröste zu erwarten.

Welteranssichten in Hessen am Mittwoch dem 5. April 1911 : Meist heiler und trocken, allenthalben Nachtfröste, am Tage wieder etwas wärmer, östliche Winde.

Letzte Nachrichten.

Aus der Hessischen Zweiten Kummer.

R. B. Darmstadt, 4. April. 2te Zweite Kammer begann heute über die von der Ersten Kammer beschlossenen Ab­änderungen an den drei Gesetzentwürfen über die Wahlrechts Vorlage zu verhandeln. Nachdem Staatsminister Ewald bic besonnene Haltung der Ersten Kammer hervorgehoben hatte, gibt Abg. G l ä s s i n g Erläuterungen der früheren Wahlrechtsverhand- lungen und empfiehlt die Annahme des Ausschußbeschlusses. Abg. Fulda legt den ablehnenden Standpunkt der Sozialdemokraten dar.

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Paris, 4. April. Aus Tanger wird gerüchtweise ge­meldet, daß die dem Sultan feindlichen Parteien btc Häuptlinge der Benimeter davon verständigt hätten, sie würden ihnen die Tore von Fez öffnen, um ihnen Gelegenheit zur Gefangennahme des Sultans zu aebeit. Weiter wird aus langer berichtet, in Fez ici Mulch Jcunael zum Sultan ausgerufen worden. Der Regierung ist noch leine amtliche Nachricht über diese An gelegenheil zugegangen.

Paris, 4. April. Wie ein Berichterstatter meldet, wird mit Rücksicht aus die Erregung, die in der muselmanischen Well durch die marokkanischen Ereignisse herrscht, der Präsident der Republik die geplante Reise nach Tunis aut geben.

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