Nr. 80
Erstes Blatt
W. Jahrgang
Dienstag, 4. April M
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UZW General-Anzeiger für Gberyefsen
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Die heutige Nummer umfa&t 12 Seiten.
Vie neuen holländischen Linsuhrzölle.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Tie Thronrede, mit der Königin Wilhelmina am 20. September v. I. die Generalstaaten von .Holland eröffnete, enthielt schon den Hinlveis, daß dem Parlament ein Zolltarifgesetzentwurf üorgelcgt werden würde, der eine Erhöhung der Einfuhrzölle vorsieht. Dieser neue Taris, dessen jährlicher Mehrcrtrag sich aus 10 Millionen Gulden beziffert, von denen 9 für die Altersversorgung der Arbeiter bestimmt sind, ist am 1. d. M. den Generalstaateti zuge- gangcn, doch bestätigt sich die Befürchtung, daß er ausschließlich schutzzöllnerischen Charakter tragen würde, nicht in vollem Umfange. Immerhin wird man mit der Tatsache rechnen müssen, daß nunmehr auch Holland dabei ist, in das Lager der SchutzzoUstaaten überzugehen, wenn auch vorläufig die in Aussicht genommenen- Zollsätze nicht hoch genug fuib, um den au-ländischen Export nach Holland unmöglich zu machen unv so den holländischen Industriellen Gelegenheit zu bieten, ihre Preise zu steigern.
Das wesentlichste für die deutschen Exporteure ist (was aus unseren gestrigen Mitteilungen schon zu entnehmen war), daß die Hauptgebrauchsstoffe der holländischen Industrie und Landwirtschaft, wie Kohle, Erze und Getreide, nach wie vor von Zöllen verschont bleiben, daß Kaffee und Garne ebenfalls frei bleiben, Tabak nicht höher besteuert wird als bisher, und auch Schlachtvieh, sowie Petroleum von dem neuen Zolltarif nicht berührt werden. Dagegen sollen ittdustrielle Hatbsabrilate mit 3 bis 6 Prozent Wertzoll, beinahe sertiggestellte Fabrikate mit 10 Prozent und Gauzfabritate mit 12 Prozent Wertzoll belegt werden. Jein st es Mehl wird mit 40 Eents pro 100 Kilogramm belegt, Zigarren mit 1*23 Gulden plus 20 Prozent Wertzoll und Zigaretten mit 230 Gulden pro 100 Kilogramm plus 40 Prozent Wertzoll.
So durste der neue holländische Zolltaris, dessen Annahme in den Generalstaaten allerdings einigermaßen frag» lich ist, wenn er auch zur Deckung des Defizits dienen soll, nur eine ganz bestimmte Kategorie deutscher Exporteure schädigen. Diese vor er lüft en zu bewahren, besteht aber
,flir das Deutsche Reich an sich keine Handhabe. Denn der zwischen Teuifchiaiid und Holland bestehende Vertrag sichert Deutschland nur die Meistbegünstigung, und da Holland den neuen Zolltarif gleichmütig gegenüber allen Ländern in Anwendung bringen will, gibt es rein Mittel, feiner Einführung irgendwelche Schwierigkeiten zu machen. Eine andere Frage aber wäre es, ob nrchr die deutsche Regierung, da sich die Durchberatung des neuen Zolltarifs in den Generalstaaten längere Zeit hinziehen wird, inzwischen Mittel und Gelegenheit hätte, sich unserer Exporteure anzunehmen und sie vor Schaden zu bewahren. Es könnte das am besten geschehen, wenn man mit den Niederlanden an Stelle des geltenden Meistbcgünstigungsvertrages einen neuen Vertrag abschlösje, tu dem die Verzollung der einzelnen Artikel vertragSrechllich geordnet und Teuischland Die angesichts des neuen Zolltarifs notwendigen Ermäßigungen zugestanden würden. Es ist anzunehmen, daß man un Haag zu einem solchen spezialisierten Vertrage um so eher geneigt sein wird, als der deutsche Markt für Holland eine recht große Bedeutung hat, und wir bei der Revision unseres Zolltarifs gleiches mit gleichem oorgelten könnten.
Zunächst freilich wird alles darauf ankommen, bis zu welchem Grade die holländischen Generalstaaten die Erhöhungen des neuen Zolltarifs genehmigen. Bestätigen sie die in Aussicht genommenen Erhöhungen, so wird man einer Revision des veralteten, vom Reiche übernommenen preußisch-niederländischen SchisfahrtSvertrages (1831), der den Charakter eines reinen Meistbegünstigungsoertrages trägt, das Wort reden müssen. Nicht in dem Sinne, daß Holland die in dem alten Vertrage gleichzeitig festgelegte freie Rheinschiffahrt fallen läßt, um den deutschen Export in den Niederlanden und seinen Kolonien höher zu belasten, sondern in dem Sinne, daß Holland, wenn das Schiffahrtsabgabengesetz im deutschen Reichstag wirtlich durchgeht, sich die Freiheit des Rheinsttoms, die übrigens auch durch Vertrag vom 17. Oktober 1868 Holland garantiert ist, weiter dadurch sichert, daß es in einem Tarifverträge mit Deutschland den deutschen Exporteuren für die Niederlande und ihre Kolonien gewisse Bevorzugungen zugesteht. Tie von Abgaben unbelastete Schissahrt auf dem Rhein und die regen Handelsbeziehungen zu Deutschland sind es, die den Mynheers das Geld im Kasten erk.ingen lassen, die einzige Macht, über die Holland noch ver,ügt. Sollten sie da, nicht bereit sein, um die Abgaben! reih eit auf dem Rhein aufrechtzuerhalten und zollpolitische Repressalien von deutscher Seite aus zu verhüten, in eine Ecmänigung ihrer jetzigen Zollerhöhungen gegenüber Deutschland zu willigen? Wir find überzeugt, daß sie das tun würden, aber leider liegt hier die Schwierigieit darin, daß die deutsche Regierung wegen der Agrarier auf den Scknssahrtsabaaben besteht, so daß unser Export naUj Holland hierbei der leidtragende Teil sein wird.
Des deutschen Reichskanzlers Rede uni) das englische Geerhaus.
Lord Roberts t,ui u.i eiiga^ch verhaust den Ausführungen des Herrn v. Bethmann-Holtweg Beifall und Achtung gezollt und seine alten Anträge zur Umgestaltung des englischen Heeres wieder eingebracht:
London, 3. April. Im Overyaus verlas Lord C h e st e r f i e l d eine Botschaft des Königs, welche die Antwort auf die von Lansoowne in der Vorwoche beantragte Adresse ist. Tie Botschaft erklärt, im Vertrauen auf die Weisheit des Parlaments wünsche die Majestät, „daß der Prärogative für die Ernennung der Peers die Erwägungen des Parlaments über die Maßnahme zur Reform des Lberhauses nicht im Wege stehen sollten".
Lord Roberts beantragte sodann folgende Entschließung:
Angesichts der veränderten ß r a t e g i s ch e n Verhält- n i s s e i n E n r o p a betrautet das Haus die unzureichenden militärischen Vorbereitungen bet Regierung für die Verteidigung des Reiches mit schwerer ö o r g e. _ Ser Feldmariä alt sagte zur Begründung: Ich war einigermaßen in Verlegenheit, daß ich die Entschließung cinbringen sollte während der Erregung, welck>e durch die Hosfnung auf eine allgemeine Abrüstung und einen allgemeinen Frieden hervorgetufen wurde, eine Hoffnung, die, wie man sagt, si^er schnell in Erfüllung gehen lolL Al eine Verlegenheit wurde aber durch ein gänzlich unerwartetes Ereignis gemindert, nämlich durch die Rede des deutschen Reichskanzlers. Dieie bemerkenswerte Rede, so voll mannhaften Empfindens, wrrkt am mich in einer Webe ein, für die ich schwer Ausdruck finde. Als der Reichskanzler seine Meinung über die wahre Beziehung des Volks und des Reiches zu den bewaffneten Streitirönen auseinander- setzte, kleidete er nur Grundsätze in Worte, die meinen Geist während der letzten Monate wiederholt beschäftigten. Lor d___R oberts
führte das Prinzip des Reick.Kanzlers aus, daß die bewaffneten Streitkräfte des Reichs in bestimmter Beziehung zu den materiellen Hilssauellen stehen mußten und erklärte: Diese Ansicht scheint mir s o st a a t s m ä n n i s ch zu sein, wie sic un wider leg lich ist. Bei Anwendung des Prinzips auf Aroß-Britanmen möchte ich es dahin modifizieren, daß die Streitkräfte des Reichs nicht nur za den materiellen Hilssauellen, sondern auch zu dem Geiste in Beziehungen stehen müssen, der die Nation beseelt. Tie Streitlräste sollten den Maßstab abgeben, für die Bereilwittig- keil der Nation, dem Ziel nachzustreben, das sie sich gesei'... Können wir annehmen, daß unsere bestehenden Strettliäfte, unsere materiellen Hilssauellen oder den Geist der Nation repra * sentieren? Lord Roberts setzte in längerer Rede auseinander, daß Groß-Britannien weder eine für die Verteidigung der Heimat hinreichende Armee besitze noch eine genügend leistungsfähige reguläre Armee, um die britischen Interessen im Auslande?u schützen. Großbritannien sollte gegen die Möglichkeit einer Hir- vasion durch löOOOO Mann vorbereitet sein. Der Feldmaischall üble scharfe Kritik an der Territorialarmee und erklärte, Großbritannien brauche außer der regulären Armee eine Million Mann.
Lord Haldane erwiderte, was auch für strategische Aenderungen sich vollzogen hätten, es befinde sich doch stets ein Streifen See zwischen Großbritannien'und dem möglichen Feind. Wenn Großbritannien die Herrschaft zur See besitze, könne cs seine Seestreitkräfte zur ersten Verteidigungslinie gegen eine Invasion machen. Tas habe Großbritannien stets getan und werde es guch weiter tun. Haldane wies auf die E>chwre- riqfciten einer Invasion hin, solange Großbritannien die Nordsee beherrsche. Er wendete sich ausführlich gegen die Einführung der obligatorijchen Tienftpf.icht. Der Reichskanzler sprach von der Bereitwilligkeit a^utschlands, mit England Informationen über die Flotte auszutauschem Wenn ein solches Verfahren eingeschlagen würde, müsse es etwas dazu beitragen, die Gefahr einer Panik zu verringern, die so viel getan, die Flottenbudgets nicht nur Großbritanniens sondern auch anderer Länder in die Hohe zu treiben. Tie Gefahr eines Krieges mit Frankreich ober Rußland sei jetzt viel weniger wahrscheinlich als seit vielen Generationen. " Was für em Beispiel würde Grost-Vritan- nien den anderen Nationen zurzeit geben, wo die Anfänge der neuen Bewegung sich zu zeigen begannen?
(Eine Kriegspartei in China.
Peking, April. ,)N Erledigung der Denkschrift des Kriegsministers Hin-Tscyang, von dem be- tannt ist, daß er wahrend der jüngsten Krisis m einer Tentschi.ii r sich für Erö.fnung der Feindseligkeiten ausgesprochen hatte, ist jetzt em außerordentliches Edikt erschienen, das dem Regenten den Oberbefehl über die chinesischen Streitkräfte verleiht und die Armee au> sordert, eingedenk zu sein, daß die Mandschus dank ihrer militärischen Tüchtigkeit China eroberten und feit drei Jahrhunderten beherrschen. Tas sei Chinas einziges Mittel, um die Sicherheit der Nation aufrechtzuerhalten. Die Botschaft wurde den Truppen auf privatem Wege übermittelt.
' Auf Anordnung des Vizerönigs der Mandschurei wurden in der Provinz Kirin Bestimmungen einaeführt, welche die Rechte der Europäer, chineiischen Firmen Kredit zu gewähren, beschränken. Ten Chinesen wird es durch Formalitäten äußerst erschwert, solchen Kredit in Anspruch zu nehmen. Tie Chiueien müssen bei derartigen Kredit- opcranimen den Behörden die Bilanz üorrocijcn. Durch diese Maßregel hoff- die Regierung, die Tätigkeit der chinesischen Staatsbank zu heben.
Heues aus Bismarcks Petersburger Zeit.
Die Zeit der Petersburger und Pariser Gesandtschaft ist im Leben und Entwicklungsgang Bismarcks noch am wenigsten geklärt, da eine VeröfseuUichung seiner Petersburger unD Pariser Depeschen noch nicht erfolgt ist. Neues Material über diese für die Bildung des staatsmännischen Genies so wichtigen Jahre bringt Heinrich v. Ko s chi n g e r in einem Aufsatz „ÄusBismarcks dunkelsten Perioden" in der Deutschen Revue bei, in dem er sich besonders auf persönliche Mitteilungen des Altreichskanzlers stützt.
Seine Berusung zum Gesandten in Petersburg war Bismarck zunächst gar nicht angenehm. Als er ans Berlin mit der Kunde zurucktam, war er recht verstimmt, aber bald fand er in Frankfurt, wo er bisher als Gesandter beim Bundestag gewirkt hatte, seine gute Laune wieder. Er ging zum Buchhändler, taufte eine russische Grammatik und ein russisches Lexikon und legte zu Hause die Bücher auf den Tisch seiner Gattin mit den lakonischen Worten: „Ja, wir müssen Russisch lernen." Tie Reise von Berlin nach Petersburg, heute mit dem Luxuszug eine Bagatelle, war damals noch sehr beschwerlich. Bismarck, der zuerst mitten im Winter allein die Reise antrat, mußte 130 Stundenlang ohne Aufenthalt fahren und blieb trotz acht Kurierpferden einige Male vollständig im Schnee stecken, so daß er zu Fuß weiter gehen mußte. Seine Gattin folgte ihm er ft über ein Jahr später mit den Kindern nach. Bismarcks finanzielle Lage war durchaus nicht glänzend. Während er in Frankfurt am Main mit 21000 Talern sehr gut ausgekommen war, mußte er in Petersburg im^Probejahr 1860 trotz größter Einschränkungen 8000 Taler über sein Dienst- einkommen ausgeben. Er dachte schon daran, seine Familie wieder nach der Heimat zurückzuschicken, zumal das strenge Klima die Gesundheit seiner Kinder jdxüngtc, die Knaben bei der großen Kälte oft nicht ausgchen konnten und die Tochter mehrere Wochen an einem typhösen Fieber lebensgefährlich erkrankt war. Ader allmählich richtete sich der neue Gesandte ein; seinem Lieblingssport, der Jagd, tonnte er sich in intensivster Weise hingeben. In Tschudowa an der Nikolaibahu, 101 Werst von Petersburg entfernt, hatte er eine Jagdhütte, bis zu der heran die Wolfsspuren führten, während die Bürenspuren einige hundert Schritte davon anfingen. Mehrmals trat er mit kalter ckcrschrockenheit riesigen Bären entgegen; als seltene Jagdtrophäe brachte er einen kleinen Bären mit, der, so lange er jung mar, zum großen Ergötzen der Kinder sre. in den Zimmern herumlies und später sein ünterfommen im Zoologischen Garten zu Berlin mnd. Sehr rasch lernte Bismarck r1tussi>ch. Sein Lehrer, ein junger Student Alexejew, hat von den raschen Fortschritten ,eines großen Schüeers erzählt. Beim Schreiben benutzte er eine Gänsefeder, und als ihn sein Lehrer fragte, warum er die Worte nicht lieber mit Bleistift schreibe, antwortete er; „Nein, das überlasse ich Den
weichen, verzärtelten weiblichen Naturen, die überhaupt nicht gewohnt sind, zu schreiben." t
Als guter Vater kümmerte sich Bismarck auaj um den Unterricht seiner Kinder; sie mußten ihm jeden Sonnabend ihre Hefte vorlegen. Einmal brauchte Der Lehrer zwei Wochen lang dazu, um den Kindern die Ereignisse des Jugurthinischen Krieges beizubringen. Auf Bismarcks Vorhalten erklärte er, bei ihm finde fein Schüler Gnade, der nicht wisse, daß Jugurtha, des Masuuisa von dkumidien Enkel, anno 112 v. Ehr. mit dem Gebauten um- gegangen sei, seine beiden Vettern Adherbal und Hiempsal um ihr Erbe zu betrugen. ,,Sie haben ja ganz Recht," meinte daraufhin der etwas ärgerlickje Vater, „aber die Kerls sind^ schon so furchtbar lange tot, nun ntadjen Sie nur, daß Sie weiter
kommen."
Bei seinen häufige« Reist« nach Zarslost-Selo zum Zaren barte Bismarck einmal ein merkwürdiges und nicht ungeiahr- ucbcA Eisenbahnabenteuer zu beuchen. Zu einer eoircc des Kaisers geladen, versäumte er den Zug ; . ein ^oitderzug wurde ihm verweigert, da die Bahn einglciug U’i unD ein Zusammen stoß befürchtet wurde. Nach laugen Bitten gewährte man ihm eine Traisine mit zwei Bediensteten. Nachdem er einige Kilometer weit gekommen war, lam Plötzlich der erwartete Zug Giiacfahren. Bismarck und seine beide« Leute mutzten schleunigst absteigen, und nur durch die hertulische Kraft des Gesandten gelang es, die Traisine auf die Böschung zu ziehen. >-o tonnte man den Zug noch glücktich voruberlassen, bann wurde das Vehikel wieder auf die Schienen gesetzt, und Bismarck (am rechtzeitig an. Seine Körpertraft hat überhaupt dem gewaltigen Manne in Rußland mancke gute Dienste getan So wurde er emma auf dem Newiti-Profpett von einem Muschit bclamgt, woraus er ibn beim Kragen nahm und ihm einen Stoß gab, bau er in fcen Straßengraben fiel, llnoergetztich blieben Bismarck die Worte, die der also Gestraite beim Fortgehen sprach: „Berzeiwuig, Herr, ick' befenne mich schuldig . .." „Sehen Lie," lastotz Bismarck diese ErMlung, „io sind die Planen ade, die einzelnen wie die Völker. Man muß ihrer Freck?heit nur mit der gehörigen Krack entneqen treten, und iie werden schuldbewußt für die Zuü)- tigung danken, wo der Deutsche im verletzten Rechtsgesühl über das Zuviel zum Himmel schreien würde."
Bismarcks Leben und Tätigkeit wird von ihm selbst in feiner meisterhaft anschaulichen Weise in einem zum erstenmal von Ürner inner hier veröffentlichten Brie st an einen Frankfurter 6 reunD Geschildert Nachdem er der schönen Frankfurter Zeit gedacht, iährt er fort: „Es ist vielleicht gut, daß ich nicht viel Zeit stabe, rückwärts zu bliaen und zu träumen — ick.hatte m Frank- lurr mitunter viel zu tun, aber es war doch 3-tu zum ^djlaien uitö zum Essen: das fällt hier gänzlich fort, würde jemanö in den „Fliegenden Blättern," jagen und dabei für manche Tage
streng bei der Walmlwit bleiben. Wir haben hier tm Lande über 40000 preunikf-c Untertanen, für die ich Gericht und Polizei, jüngerer nnö älterer Bürgermeister, Vater. Mutter, Bundestag, Sriditeur, Advokat, Bankier und vieles andere zugleich bin. Jeder von ihnen hat eine persönlich von mir ausgestellte Legitimation, die fünf Jahre gilt, es sind also etwa ch)OO jährlich zu erneuern, und jeder ist so freundlich, mir feine Familienercijnisse, Trauungen, Todesfälle, Geburten anzuzeigen, die ick' in seinen Schutzschein und in ein drittes Buch cmtrage Ohne solche Kontrolle fiiu diese Leute, die vom Kaipnck>en Meere bis zur Weichsel zerstreut loohnen, nicht gegen alles das zu schützen, was den hilflosen Menschen hier panieren kann. . . . Mher dem Bewahren des Landsmannes vor ^ckiadeu, welckfcs allein die Täligleit mehrerer Bundestagsaesandten in Ampruch nimmt, geht die große Politik hier d^> mit einem anderen Wellenschläge als in der Eschenheimer Strage. Im Lommer wohnen der Kaiser und seine Liinister auf einem der umUegciwen Schlösser, so daß jede Bejprechuiig, mit einer Reise verbunden ist, die nicht selten den ganzen Ta^ sortnimmt. Ties ist mir nicht unangenehm. Dieser endlofe Steinhaufen, aus bem man ,ttu> m teiner Rickstung retten kann, ohne brei bis vier Werst ichleajtes Pflaster zu fahren, lastet manchmal wie em Alv am mir, und wenn die Sperlinge in den Büschen vor meinem Pferoest.all auf dem Hofe zirpen, so ist es mir aus dem schrecklichen Gewühl ein süß betännlcr Ton, unb ich könnte es nicht übers Her^ bringen, nach, cutcm dieser Singvögel zu ichießen; jeden Abcno fchicke ich meine Pferde nach den Jmeln und rette m den hublch.n, von Newaarmen durchflossenen Parkaickagen; das tlt^arer emo gute Meile von meinem Hause und wimmelt von Diplomaten und Würdenträgern, deren dtachstellungen ich nicht immer entgehe, obschon ich bet einzige Berittene bin/
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— Ein Fayenceteller für 60000 M ark. Aus Paris wird berichtet: Im Hotel Trouvt entspann sich zwischen Kunstfreunden und Kunsthändlern ein eifriger Wettkampf um den Besitz eines tiefen Fayencetellers aus teruta, der von den Sachverständigen vor der Versteigerung aus 20000 Ml. geschätzt worden war. Die Arbeit zeigt in der Mitte des Zellers inmitten einer Girlande, die mit einer Inschrift geschmückt ist, die Büste einer Frau. Nach heißem Streite wurde für bieien Teller die ungewöhnlich hohe Summe von 60 000 Mk. gezahlt. Für ein arideres Fayencestück aus Urbino, das einen Durchmesser von 25 Zentimeter hat unb nach bem Urteil der Kenner in Gubdio hergestellt wurde, zahlte ein Liebhaber 12 000 Mk. Am selben Tage tarn auck) ein altes koreanisches Truckwerk, das im Jahre 1-134 mit beweglichen Kupsertypen gedruckt worden war, zur Versteigerung. Tas Werk, bas moralische Betrachtungen über die Erfüllung der drei größten Pflichten, der Fürst-entreue, der Kindes


