Ausgabe 
3.6.1911 Viertes Blatt
 
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Vierter Blatt

llr. J29

M Jahrgang

Erscheint iigllch mit Ausnahme deS Sonntags.

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iurtoffel. iliratt sWstz4 0UMiW1h H.

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DieWietzener ZamiliendlStler" werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Krelsblatl ffir -en Kttis Lietzen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Ans Stadt iinfr Land.

Gießen. 3. Juni 1911.

Bogclleben im Vogelsberg.

Ein Freund unseres Blattes schreibt uns:

M Angeregt durch die verschiedenen Notizen über das Ber- K-hwindeTi unserer Vogelarten möchte ich Ihnen eimges aus

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaklion:e-E112. Test-Adr.: An-eigerGießen.

Samstag, 3. Zum 19N

Rotationsdruck und Berlag der Brüdl'schen UniverfuätS - Buch- und GtcinbnidcreL R. Lange, Gießen.

Verbot nicht kennt und die Italien aufsuchendcn Reisenden ahnungslos in die größten Unanueb.iulichkeiten geraten können.

Kreis Alsfeld.

r. Flensungen, 2. Ium. Gestern abend ereignete sich hier ein schwerer Unfall. Eine hoch in den siebziger Jahren stehende Witwe von hier stand auf dem Holzwagen, und lud Eichenreisig ab. Plötzlich wurde sie von einem Schwindel ersaßt und fiel kopfüber vom Wagen herunter. Mit dem Kopfe fiel sie derart auf einen spitzen Stein, daß sie ein Loch in den Kopf, eine Nippenvcrstailchung und eine leichte Gehirnerschütterung davon trug, so daß ärztliche Hilfe, in Anspruch genommen werden mußte.

Kreis Friedberg.

<= Bad-Nauheim, 2. Juni. Bis zum 1. Juni ind 9 4 7 8 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 5883 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 1. Juni 93 170 abgegeben.

Starkenburg und Rheinhessen.

M. Worm S, 2. Juni. Die ordentliche Mitglicderver- sammlimg deS hessischen Schutzvereins für entlassene Gefangene findet am Montag den 12. Juni im hiesigen 9!athaußsaale statt.

Nniversitäts-Nacbrrchtelr.

s. Marburg, 2. Juni. Laut Studentenverzeichnis stellt) sich die Zahl der immatrikulierten Studierenden im diesmaligen Sommersemester auf 2219 Männer und 83 Frauen, zusammen 2302; dazu kommen noch 28 Männer und 11 Frauen, die zum .Hören von Vorlesungen berechtigt sind. Die Universität wird demnach von 23-11 studierenden besucht. Von den Immatrikulier-» ten studieren 211 Männer und 1 Frau Theologie, 426 Alänner. Jurisprudenz, 419 Männer und 9 Frauen Medizin und 1163 Männer und 73 Frauen Philosophie. Der .Heimat nach sind, 1741 Männer und 61 Frauen aus den preußischen Provinzen, davon 704 Männer und 15 Frauen ans Hessen-Massau; aus. den übrigen deutschen Staaten sind 399 Männer und 17 Frauen, darunter 61 Männer aus Hessen, aus den sonstigen europäischen Ländern 58 Männer und 5 Frauen und aus fremden Erdteilenf 21 Männer. Die Mehrzahl der Ausländer bilden Engländer, Russen, Schweizer und Amerikaner. Im vorigen Sommer waren es 2141 und int letzten Winter 2023 Universitätsbesucher.

" Die Frequenz der deutschen Univerfitälenim Ä i n t e r f e in e st e r 1910/11. In Schröders Allgemeinem Deutschen Universitäks- und Hochschullalender, der soeben für das. Sommersemester 1911 erschienen ist, findet sich in dem statistischen, Material die F r e q u e n z der d e u l s ch e n U n i v e r s i t ä t e ir eine Zuiammenstettnng, der wir folgendes entnehmen: Nach den amtl. Persoualoerzeichnissen des vorigen Semesters betrug di^ Äeiamtzahl der Studierenden an den deutschen Universitäten cin- schließlichsdcr Hörer 60 IdOPersonen. Davon waren rite immatrikulierte Männer 52 404, Frauen 2 419; Hörer 3560, -Hörerinnnen 1 807, zusammen also 55 964 studierende Männer und 4 226 studierende Frauen. Don den 52 404 immatrikulierten männlichen Studierenden hörten evangel. Theologie 2 5 5, kathol. Theologie 1 760, Rechts­wissenschaft 11 340, Medizin 11732, Fächer der phil. Fakultät 2» 047. Von den studiereiideu Frauen hörten evangel. Theologie 6, Rechts- wiüenschait 58, Medizin 557, Fächer der phil Fakultät 1 798. Die höchste BesuchSziffer weist die llniocifitöl Berlin auf mit 8 880. männl. Studierenden, 806 weiblichen Studierenden, 778 Hörern und 256 Hörerinnen 10 7ö0. Ihr folgt München mit 6 713,, bezw. 192, bezw 478 und 213 = 7 596. Leipzig zählt 5 804, Bonn 4110, Hatte fast 3 000, Breslau 2 778. Ferner über 2 000: Fieiburg, Göttingen, Heidelberg, Marburg, fDliinfter, Straßburg, Tübingen; über 1500: Jena, Kiel, Königsberg, Würzburg; über 1000:^ Erlangen, Gießen, Greifswald; unter 1 000: Rostock, das nbec; im gegenwärtigen Semester die Zahl 1000 auch bereits übet* schritten hat.

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Der Vorstand der Hessischen Handwcrkskam ntcr hielt ant Montag eine V o r sta n ds s i tzun g ab, die sich mit der Vorbereitung der am 16. Juni stattsindendcn Plenar­sitzung zu befassen hatte. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende, Geweroerat Falk-Mainz, dem scl)ciden den, langjährigen StaatSlommijsar, Geb. Ober-Negierungsrat Tr. Wagner, herzliche Worte des Abschieds, wobei er besonders der erfolgreichen Mitarbeit und des Entgegenkommens gedachte, das Dr. Wagner dein hessischen Gewerbe- und Handwerkerstand jeber zeit bewiesen habe. In den 8 Jahren gemeinsamer Tätigkeit habe der Staatskommissar allezeit großes Verständnis für die Wünsche und Forderungen des hessischen Handwerks gezeigt und stets habe das beste Einvernehmen mit der Kammer, bestanden. Dankbar erkenne die Handwerkskammer allezeit diese Verdienste an, die sich der Scheidende nm die Förderung des hessischen .Handwerks iin? Gewerbcstaiches erworben habe und begleiteten ihn die besten Wünsche für eine gleich erfolgreiche Tätigkeit in seinem neuen Wirkungskreise. Im Anschluß hieran begrüßte der Vorsitzende den neu eintretcnden Staarsiommissar, Ober-Rcgierungsrat Graes, und gab der Zuversicht Ausdruck, daß er gleich seinem Vorgänger ein treuer Freund und Berater des Handwerks werden möge; daß auch ihm der hessische .Handwerkerstand und seine Vertretung volles Vertrauen emtgeqcnfrringe, könne er sich feit versicliert halten. Clch. Über-Regierungsrat Dr. Wagner sprach hierauf seinen aufrichtigen und wärmsten Dank aus. Die Wünsche und Anträge, die die Handelskammer zu vertreten habe, feien naturgemäß nicht immer die gleichen wie die allgemeinen Interessen des Staates und wenn er in Wahrung der letzteren gemeinsam mit dem Vor stand der Kammer etwa vorhandene Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt habe, so erfülle es ihn mit besonderer Genugtmmg, daß er sich keines Falles erinnern könne in seiner fast 9 jährigen gemeinsamen Arbeit mit der Kammer, bei denr sich nicht ein beider­seitiges Einvernekanen hätte erzielen lassen. Er danke dem Vor­stand besonders für das Vertrauen, das er ihm entgegengebracht habe und bitte, dieses auch auf seinen Nachfolger zu übertragen. Von Herzen wünsche er,,daß man z. Z. sagen könne, daß wohl die Person gewechselt habe, das Verhältnis zwischen Staatskommiisar und .Handelskammer aber nach wie vor das gleich gute geblieben fei. Ober-Regierungsrat Graes, als neu cintr elend er Staats- komMissar, sprach die Hosfnung ans, daß auch zwischen ihm und der Kammer sich das Verhältnis in ebenso günstiger Weise gestalten möge, wie es bei seinem Vorgänger der Fall gewesen sei. Jeden- salls werde er es für seinen Teil nicht daran fehlen lassen, zumal er für die Angelegenl)eiten des Handwerks von jeher großes Interesse habe und den Bestrebungen für Hebung des Handwerker­standes durchaus sympathisch gegenüber stehe.

"DaS Waffentragen im Ausland. Die Schwie­rigkeiten, in die mehrfach in neuerer Zeit Deutsche im AuS- land, hauptsächlich in Italien, dadurch geraten sind, daß sie über daS Verbot des Waffentragens nicht hinreichend unter­richtet waren und sich über ihre Person nicht genügend aus- weisen konnten, hat daS Ministerium des Innern auf 23er- anlaffung deS Reichskanzlers an die Kreisämter eine Verfügung erlassen, wonach diese zukünftig bei Ausstellung von Paß- karten die Jntereffenten auf die Waffenoerbote hinzuweisen und zu belehren haben. DaS in Italien erlassene Waffen- verbot zu übertreten, liegt deshalb besondere Gesahr vor, weil dort neben wirklichen Waffen, wie Schußwaffen und Degen, Dolchen, Stiletten und Meffern mit feststellbarer Klinge, auch gewöhnliche Messer mit einer mehr als 10 Zentimeter langen Klinge, Rasiermesser und Scheeren von mehr als 10 Ztm. Länge nur nach zuvoriger Lösung eines Waffenscheines ge­tragen werden bürten. Verletzungen dieser Vorschriften muffen mit Gefängnisstrafen geahndet werden, und e5 ist wiederholt vorgekommen, daß zuwiderhandelnde Reisende feflgenommen worden ober sanft in die größten Unangelegenhesten geraten sind. Es niuß daher umsomehr davor gewarnt werden, in Italien Waffen ohne zuvorige Beschaffung eines Waffen­scheines mitzuführen, als man in Deutschland ein derartiges

dem Vogelleben deS VogelsbcrgeS (Lauterbacher Gegend' mitteilen.

Im aHoemeinen kann man sich hier noch eines ziemlich reichlichen VogellebenS erfreuen. Auch der Wiedehopf, über dessen Verschwinden anderwärts geklagt wird, ist öfters auf den Wiesen und .Hutweiden des VogelsbcrgeS anzu- iressen; Eisvogel, gelbe Bachstelze und Zaunkönig beleben selbst im Winter die schneestarrenden Ufer der Gewässer. Tic Stare überwintern hier und sind nicht mehr als Zug­vögel an^usehcn, Amsel und Rotkehlchen erfreuen das & n1 bc-3 Spaziergängers am Waldesrunid. Der wiehernde Stuf des Wendehalses ist im Frühjahr ofl zu hören in den Gärten, ebenso der lodende Ruf der Goldamsel (Pirost) im Buchen wald. Ans den Wiesen längs der Bahn Herbstein Greben­hain erfreuen die Kiebitze mit elegantem Flug daS Auge des Naturfreundes, ihr stetiges Ki wi hören lafjend. Auch die seltene Wasseramsel ist an schattigen Stellen der Wässer lein des Oberwaldes zu treffen. Die Elster (Atzel ist so zahl­reich vertreten, daß im Interesse des Schutzes nützlicher Vogelarten ihre Verminderung angebracht wäre, so be­lebend und possierlich eine solche Scl)ar von frechen Gesellen am Bachuscr sich audj ausnimmt. Viele andere Arten, insbesondere Finken und Meisen, sind in größerer Zahl vor­handen, und es ist zu hoffen, daß Winterfütterung, Aus­hängen von Nistkasten und das Abnehmen des Unfugs der Hcckcnverbrennnng oder Abholzung fine Vermehrung be­wirkt, im Interesse der 2anbivirtfd)aft und zur Freude deS Naturfreundes.

Leider gibt es aber auch hier unvernünftige und selbst­süchtige Menschen, die sich nid)t erfreuen an dem Gesang der Schwarzanisel, sondern ihre Schießkünste auch an diesem harmlosen Voacl probieren. Zur Entschuldigung führen sie an, die Schwarzamsel sei ein Nesträuber; fein Mensch hat's bis fetzt bewiesen, dagegen genießt der schlimmste Ne^- ränber, die wildernde Katze, ungeschmälerte Freiheit. Aus diesen Nesträuber sowie auf nod; manche andere, wie-Eich Hörnchen, Häher, Raben usw., sei deshalb das Augenmerk derjenigen ge.'enlt, die ihre Schieß iünststückchen verbotcner- tuciic an unseren Singvögeln ausüben. Und dann noch etwas unerfreuliches: Alljährlich treffen hier Störche ein und suchen sich eine Stelle zum Nestbau. Alle Mensd)en freuen sich über daS Erscheinen der Frühlingsboten, doch leider mit einer 2lusnähme.Schießer", die sonst nichts besseres scheint v zu tun haben, machen and) auf diese Jagd. Möchte doch diesem unnützen Treiben mittelst eines exemplarischen Strafzettels ein wohlverdientes Ende gemacht werden.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oherhesien

TNsrarauB»,

Lin Lharakterbi!- der Sultans Mohamed V.

zeichnet G. Ward Pr ic e auf Grund einer langjährigen ein­gehenden Kenntnis des Lebens am türfifdfcn Hofe in der Daily Mail". Der Herrscher, der nun seit zwei Jaliren an der Spitze des ottomanischcn Reiches steht, ist aus dem Dunkel schwerer Gefangenschaft plötzliä) in das Licht des Thrones gehoben worden. Die beste Zeit seines Lebens, bie Jahre seines Mannesalters, hat er unter der Regierung seines Bruders Abdul Hamid als Staatsgefangener ver­bracht, nur existierend durch die Gnade eines Despoten, dessen Argwol)n an Wahnsinn grenzte und dessen Grausam­keit so groß war, baß die geringste Möglid)keit einer Nach- folge Mohammeds auf dem Thron ihn bewogen haben würde, den Brudermord zu so manchen anderen Verbrochen hinzuzufügen. So verlies dem Prinzen in seinem Palast­gefängnis, einem Flügel desselben Marmorbaus, in dem er heute als Herrscher lebt, der größte Teil seines Daseins in strengster Abgeschlossenheit, immer bewacht und um» späht von den Spionen seines Brnders. Jede Beziehung zur Welt war ihm abgeschnittcn. Er durfte keine Besudle empfangen, weder von Landsleuten nod) von Fremden. Niemand durfte die Schwelle seiner Wohnung ohne des Sultans Erlaubnis betreten, und diese Erlaubnis erhielten nur ergebene Diener Abdnl Hamids, die von den geringsten Kleinigkeiten im Leben des Prinzen sofort nach Dildiz Kiosk Mitteilung machten. Tag und Nad)t ruhten forschende Augen auf ihm, scharfe Ohren waren gespitzt, um jedes Wort, das ihm entfuhr, in den Berichten anfzuzcichnen, die dem argwöhnisd)en Bruder unterbreitet wurden. Wenn Mohammed bei seltenen Gelegenheiten einmal eine 2lusfahrt gestattet wurde, dann sprengten bie Spione hinter ihm her, und wehe dem harniloscn Spaziergänger, der dein Thron­folger einen Gruß geboten hätte! Der Unglückliche wurde sogleich als verdächtig festgenommen undverhört". Wegen eines solchen freundlichen Salems sind gar manche Türken in bie Verbannung geschickt worden.

Abdul Hamid hielt seinen Bruder so völlig fern von der Außenwelt, daß Mohammed den Sultan, obwohl er in seiner allernächsten Nähe lebte, 19 Jahre lang nicht ge­sehen hat. Aber die Stunde des Wiedersehens kam doch heran. Nach der Aufrichtung der Konstitution wurde Abdul Hamid gezwungen, den Thronfolger mit den a oberen Prinzen zu empfangen; nach 19 langen Jahren stand Mo­hammed zum ersten'Male seinem brüderlichen Kerkermeister gegenüber. Bet dieser Begegnung zeigte der jetzige Sultan den feinen Takt, der ihn auch in alt seinen Regierungshand­lungen auszeichnet. Während Abdul in höchster Angst und Erregung davor zitterte, dem so lange der Freiheit Be­raubten gegenübcrzntrelen, näherte sich ihm Mohammed mit freundlichem Lächeln und benahm sich nicht anders, als wenn die beiden Brüder sich erst vor einer Stunde zum letzten Male gesehen hätten, und nicht vor neunzehn Jahren.

Als Sultan hat Mohammed mit bewußter Klugheit jene Untätigkeit in politischen Dingen beobachtet, die man oft einer durch die Jahre der Gefangenschaft hervorgerufenen Angst und Schwäche zugeschrieben hat. Da er erkannte, daß die Türken einen konstitutionellen Sultan wünschten, der keinen politischen Einfluß ausübe, so hat er sich außerhalb der eigentlichen Staatsangelegenheiten gestellr und begnügt sich, seinen übrigen Herrscherpflichten im vollsten Maße zu genügen. Seine Auffassung von seiner tzerrscherstcllung richtet sich nach dem Beispiel, das die Fürsten anderer ronfti- rationeller Staaten Europas ihm gegeben haben. In feinem Privatleben ist Mohammed von höchster Einfachheit' und kümmert sich wenig um den Pomp und Glanz des Hofes. Früh steht er auf und ist zeitig an der Arbeit. Während IbbiK Hamid wichtige Schriftstücke manchmal monatelang nicht unterzeichnete, 'sendet Mohammed jeden Tag die Pa­piere, die man ihm am Abend vorher zugestellt hat, pünkt­lich mit seiner Unterschrift der Hohen Pforte zurück.

Seine Mußestunden füllt er mit Spaziergängen in dem Palastgarten ans oder mit dem Besuch seines Vogelhauses, bas er sehr liebt. Manchmal, besonders am Freitag, nach dem Selamlik, fährt er nad) einem königlichen Landhaus, Balmumdschi, ido er den Nachmittag im Freien verbringt, froh, den Zeremonien des Hofes auf einige Stunden ent­ronnen zu sein. Auch Jachtsahrten unternimmt er öfters auf dem schönen Bosporus; stets begleiten ihn die Sekretäre und legen ihm auch während seiner Ausflüge die Staats' dokumente vor, die erledigt werden müssen. Sehr genau ist er in der Erstellung seiner religiösen Pflichten und betet regelmäßig fünfmal cun Tage, wie es dem frommen s>Nusel- rnann geziemt. Seine Umgebung rühmt seine Gutherzig­keit und Liebenswürdigkeit. Die)e zeigen sich auch in der freigebigen Art, mit der er schenkt. Obwohl seine Zivilliste nur halb so hoch ist wie die seines Brnders, 400 000 Mark den Monat und 1 Million Mark im Jahr für Reiseausgaben, ist er stets zu namhaften Stiftungen und Schenkungen bereit. Und diese Geldzahlungen erfolgen nicht nur mit Worten, Ivie so oft bei Abdnl Hamid, der z. B. ein Geschenk von einer Million für die 5? ed sch asb ahn ankündigte, überall im Lande Tankgebete abhalten ließ für seine Großmut und zu gleicher Zeit seinem Banlier strengstens anbesahl, nicht einen Pfennig zu geben. Wenn Mohammed heute 400 000 Mark für die türkische Flotte, morgen 200 000 Mark für eine Werft, hier und da 20000 Mark für eine Mosckfee, eine Schule, ein Hospital ans seiner Privatschatulle oerfpricht, dann folgt dem Wort die Tat auf dem Fuße. Des Sultans besondere Vorliebe gilt der Ausgestaltung der Armee und der Flotte. Er ist ein begeisterter Freund des Heerwesens; so wohnte er den Manövern persönlich bei, die Freiherr von der Goltz im vorigen Jahr bei Wrianopel leitete. Wenn er einzelne Truppenteile besucht oder Besichtigungen abhält, so zeigt er für alle Einzelheiten das regste Interesse, kostet selbst die Nahrung, die die Soldaten erhalten, und läßt sich ihre Ausrüstung in allen Teilen zeigen und erklären.

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Vermischtes.

* Der Diamant des Maharadscha. Die Londons» sind erstaunt, daß die reichen Amerikaner, von denen man viele; zur Krönung zu sehen hoffte, ausbleiben, und Hoteliers und onberd Leute, die auf eine recht reiche Ernte gerechnet hatten, fdnitteh^ besorgt die Köpfe. An Amerikanern fehlt es nun freilich nicht) in London, aber es sind Leute, die einen auf der Straße vertraut olel ölten Bekannten anreden und dann ein Spielchen oder irgend-, einen anderenZeitvertreib" vorjchlagen, bei dem fic meist, nichts verlieren. Bei dem Mangel von reichen Landsleuten obe< mufften, so lesen wir huTag", die hier in großer Zahl ver-, sammelten amerikanischen Gauner sich schon mir anderen Sterb-, lidjen begnügen. Dieser Tage haben sie sich gar so weit der-, geffen, einem Ind er ihre Äufmerksamkeit zu widmen. Drrseq ist allerdings ein Fürst, der Maharadscha von Bilanir^ der nad) London kam, um feine Heimat bei den Krönungsfcierlichq feiten zu vertreten Dieser war mit feinem Gefolge in einart Laden des Meßendes gewesen, um Einkäufe zu machen. Als er nach Hause kam, vermißte er einen großen Edel-, stein, der die Form eines Eies halte, und den er stets an enter goldenen Kette um den Hals zu tragen pflegte. Ter Stein istz ein altes Erbstück der Dynastie von Bikauir, an das sich gewisse Traditionen und wohl audi abergläubische Vor-». Teilungen knüpfen. Tie Umgebung des Fürsten, der in einem) Hause an Cadogan Square Wohnung genommen hat, ist überaus- bestürzt, und die Polizei bat sich bisher bie größte Muhe QtA geben, den Dieben in Lokalen, wo Amerikaner der oben be^ schrieb en en Sorte zu verkehren pflegen, auf die Spur zu kommen. Der Maharadscha frfbft tut indessen, als glaub' er gar nicht?, daß es sich um einen Diebstahl handle. Er will das Kleinoirt/ verloren haben und rechnet dabei wohl darauf, baß einehr-, kicher Fmber" den reichen Finderlohn den (tcrabren, die ernt* andere Verwertung des seltenen Kleitwds mit sich bringen würde^ vorziehen wird.

L-rsen Wochenbericht.

Frankfurt a. M., 2. Juni, i

Die Börse ist auch diese Ttzoche aus ihrer ZurüMaltautgll nicht bet ausgetreten. Die Monatsabwicklung hat sich bet^ reichlichem Gelbangebot zu 35/8 bis 33/- > glatt vollzogen. Stücke, von einzelnen Papieren waren nur wenig gesucht, nennenswerty Liest rungererpflichtungeat find also nicht Dorhx.no en Aber ein richtiges Bild von dem Umfang der Bezugs- und Liescrungsver--. pflichrungen kann man sich burdi ine Schiebung an der SBorfc nicht gut machen, weil sie sich zu sehr in den Hfr.-oen ber wemgeir Banken vereinigen, die damit gewöhnlich nicht an die Börs^ berarrtreten, sondern vieles durch Ausgleich in sich selbst erledigen,, 2>üKsach wird dafür die Reichsbank in Anspruch genommen/ und greebe der Urnffand, daß zur Befriedigung des Bedarfst fix BerbstiÄtchkeilen an der Börse auf oie ^.stdiÄbcmk -.nrüd» gegrüfen wird, har diese veranlaßt, die ©cföcnntcl .. n bc-urt Quarialswechset zu verteuern. Diese ^laßrcgel wirkte Dämpfend, aber die Sthnnuntg ist ohneb. S geor.Kit, eine-Suds wegen der; politischen Fragen die rod) ihrer Lösung harren, bann oben auch -wegen der nicht Sewtedigenden wt-rrs>chaßtlichLn

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