Ausgabe 
1.6.1911 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfahr 12 Selten-

erst einmal die

beschränken und die Grenzsteine auch in die Meßbriese und Parzellenkarten cinzuzeichnen. Ta die Regierung inzwischen den meisten dieser Forderungen bereits entsprochen hat, be­schließt der Ausschuß, den Antrag für erledigt zu erklären und vertagt sich darauf auf unbestimmte Zeit.

dcutung ansprechen. Term es wird wohl kaum wieder die Gc- lcgenhcit geboten, diese herrlichen Beethovcnschcn Quartette in schöner Verteilung und in solch vollendeter Weise zu Horen. Selbst eine Woche lang m einem von der Natur so gesegneten Fleckchen Erde wie Eisenach ist, zu verweilen, ist ein hoher Genuß, eine schöne Vereinigung von Natur und Kunst. Die Konzerte sinden statt anr Sonntag den 11. 3uni, vormittags 11 Uhr, Montag, 12., Mittwoch, 11.. Donnerstag, 15., Samstag, 17. Juni, abends G Uhr, Sonntag, 18. Juni, vormittags 11 Uhr.

Eine Monographie des lSebäudeS der Uni> v e r ? i l ä t Jena ist in einem Sonderheit der Leipziger Zeitschrift .Pioianvau" erschienen. Man schreibt nnS darüber: Ter Neubau der Universität 3cna, von Theodor F i scher in den Jahren 1905 vis ly(b errichtet, bedeutet einen Höhepunkt im Schaffen dieses süddeutschen Baukünstlers, nicht allem wegen des äußeren Um-; langes, sondern auch roeqcii der inneren Bedeutung der Ausgabe,: die das Werk dem Architekten stellte. Es galt vor allem, das neue Haus der altberuhmlen alma mater so zu gestalten, daß es, ohne billiges 'Archaisiren, sich dem engen malerischen Klemstadtbilde des alte,'. Jena harmonisch einsügle und aus ihm sich doch würdig und imposant beroorhob. Es galt, neben diesen künstlerischen For­derungen auch den schier zahllosen praktischen Forderungen mancher­lei Emzelivünjchen und -Rücksichten gerecht zu werden, ivie das bei einem io komplizierten Organismus selbstverständlich ist, - und all dies bei genau und streng bemessenen materiellen Mitteln. All die Erfahrungen und geieuigleu Anschauungen, die sich Fischer als Ltadtbaumeilier rote als Erbauer zahlreicher Schulen (in München und Stuttgart- erworben, tonnte ec nun verwerten, zugleich aber auch seine rem künfilerischen Ideen von der äußeren baulichen Gestaltung und von der Ausbildung der Jnnenräume in diesem großen vielgegliederten Ganzen auis manntgsalligste und reichste in die Wirtlichkeit übertragen. So entstand ein Werk, das dein Fachmann eine Fülle des Stoffes zum Betrachten und Studieren Dielet, und zugleich jeden, der die alte Thüringer Hochschule und Las .liebe, närrische 91ei"t' Jena kennt und liebt, interessieren und anziehen ivird. Es lag darum nahe, dem Neubau der Universität Jena eine Monographie zu widmen, die in Wort und Bild das Werk des Künstlers voriührl und dem allgemeinen Verständnis nahe zu bringen sucht. Diese Monographie liegt jetzt in einer stattlichen Publikation vor, die, aus einer Veröffentlichung in der ZeitschriftDer Prosanbau' heroorgegangen, die Schöpfung Fischeis in nicht weniger als 8u Illustrationen nach sehr wirkungsvollen und charakteristischen Aufnahmen veranschaulicht. Ter Text jucht die Absichten des Architekten aus dem Werke selbst herauszudeuten und zu erklären, den schönen Einklang in der praktischen und künstlerischen Lösung der Ausgabe und die har­monische Verbindung von Sachlichkeit, Monumentalität und In-. timität, die dem Ganzen den eigentlichen architektonischen Charakter gibt, dem Betrachter zum Bewußtsein zu bringen.

stcriums des Innern Exz. Gras V ißt um v. Eckst ädt, ferner Ministerialrat Geh.-Rat Tr. Roscher und Reg-Rat Dr. Jahne, als Vertreter der badi.ckien Regierung Ministerialrat v. W i tz l e b e n.

Nachdem der Vorsitzende des Vereins, Geb. Oberregierungsrat Regierungspräsident a. D. v. Gescher die Anwesenden kurz begrüßt hatte, wies er daraus bin. daß die rechtliche ösfentlickie Grundlage unseres Gasthauswesens beule der inneren Berechtigung entbehre und der freie Wettbewerb unterbunden sei. Dadurch, daß Konzessionen zum Dirtschaslsbetrieb heule einzelnen Privat­personen ohne icden RechtStitel und ohne entsprechende Gegen­leistung gewissermaßen als Privilegium überlassen werde, werde eine Steigerung des Alkoholkousums zum allermindesten versucht: die hieraus sich ergebenden Mißstände wolle der Gasthausresorm- verein beseitigen, entweder durch Schasfung k o m m n n a l e r Gasthäuser oder durch Förderung solcher Unternehmungen, die im Interesse der Allgemeinheit bei ihrem Wirtschaftsbetiicd nicht den Alleinzweck in der Erzielung möglichst hoher Rein­gewinne aus dem Alkoholyenuß sehen. Das G a st Haus solle ein Mittelpunkt g e i u n d e u und g e s e l l i g e n. Le b e n s werden: der Verein will alle hierzu dienlichen Bestrebungen sammeln und seine Ersahrungen der Allgemeinheit zur 23er- sügung stellen. Ter Verein verfolge seinerlei politische Zwecke, weshalb ihm auch Mitglieder der verschiedensten Parieirichtungen aiigebörten.

Landrat Gras M e e r v e l t - Recklinghauson sprach sodann überG a st h a u s r e s o r m und K o in nt n n c n". Nack) seinen Ersahrungen waren die Kommunen ebenso wie die Gastwirte auf die Erzielung möglichst hoher Einnahmen aus den gemeind­lichen Gasthäusern, von denen sich im Landkreise Recklinghausen verschiedene befinden, bedacht, die Verwalter ihrerseits batten, da sie am Gewinn beteiligt sind, ein ebenso großes Interesse an einem gesteigerten Alkoholtonsum: außerdem war es schwer, eine ausreichende Kontrolle zu üben. Man habe daher mit den betr. Gemeinden eine Gesellschast nt. b. £>. mit einem Kapital von 60 000 Mk. gegründet: der Alkoholgenuß soll nicht ganz ausgefchaltet, sondern nur der Alkoholmißbrauch soll eingedämml werden. Tie Gasthäuser haben sich gut bewährt und es werden weitere solche errichtet werden.

fünft haben.

Korvettenkapitän a. T. Reche führte in seinem Vortrab G a st h a u S r e f o r m und I n d u st r i e" aus, daß eine solche Reform hauptsächlich in den Industriezentren nötig sei, es müsse aber zwischen Berg- und Fabrikarbeitern unterschieden werden.

Rittergutsbesitzer v. L ch ö n i n g - Muschering sprach über die Beziehungen der Gasthausreform zur ländlichen Wohlfahrts­pflege" und begrüßte es, daß in den Reformgasthäusern auch Lebensbedarfsartikel verkauft werden und zwar nur gegen bar, da hierdurch dem Borgunwesen geficuert werde. Auf dem Dorfe soll der Reformwirt in der Wohlfahrtspflege, bei Errichtung von Sparkassen, .Versicherungsvereinen und Genossenschaften mit tätig fein.

Rittergutsbes. v. Lösch - Lorzendors besprach die Beziehungen des Themas zur Landwirtschaft. Er betonte, daß die Gasthausresorm der Abwanderung in die Städte entgegenarbeiten solle durch harm­lose Sonntagsvergnügungen, Lichtbitdervorführungen: der Alkohol­tonsum solle hierbei möglichst eingeschränkt werden, namentlich beim Verkauf über die Straße.

Ter Staatsminister Gras Vitzthum v. Eckstädt hieß die Kongreßteilnehmer namens der sächsischen Regierung herzlich in1 Sachsen willkommen. Er wies daraus hin, daß, wenn der Ge-

Lin Kongrcfj für Sasihaurrcsorm.

~ Dresden, 31. Mai.

Ter im Vortragssaale der Lhgieneausstellung veranstaltete Kongreß für Gasihausresorm war sehr zahlreich, besucht. Unter den Ehrengästen befanden sich als Vertreter des sächfischen Mun-

Frhr. v. Gahl, Direktor der Ostpreußischen Landgesell- schast, berichtete sodann überInnere Kolonisation und Gasthausresorm". Er schloß sich im wesentlichen den vom Regierungspräsidenten v. Gescher entwickelten Gedanken an und betonte, die vom Staat ins Leben gerusene Ostpreußische Land­gesellschaft nt. b. L>. werde die Gasthäuser auch weiter behalten und verpachten; die Bewegung werde, sobald erst einmal die richtigen Persönlichkeiten an der Spitze stehen, eine große Zu-

Hüftuiigen in Montenegro.

TieKöln. Ztg." meldet aus Ectinje: Am 31. Mai wurden alle streitbaren und nicht unmittelbar d i e n st p f 1 i ch t i g e n Männer von 16 bis 62 Jah­ren mit Waffen und Stoff für eine Uniform versehen mit dem Befehl, innerhalb 10 Stunden gege­benenfalls marschbereit zu sein.

Etwas vom Weltporto.

In der Nummer 8 desIllustrierten Briefmarken Journals" lesen wir nachstehenden kleinen Artikel, der für unsere Geschäfts­welt von Interesse fein dürste

Das sog. Weltpostporto beträgt bekanntlich 5, 10 und 25 Cen­times (Centimos, Eenlcsimi, Bani usw.) b;w. 1, 2 und 5 Cents amerikanisch, out welche Einheit des Satzes ja auch die nunmehr fast allgemein durchgeführte Einheitlichkeit b e r 'Warfen- farben: grün, rosa, blau, hinweist. Tie Postkarte kostet dem nach innerhalb des DellpostvereinSgebietes 10 Centimes bzw 2 Cents amerikanisch, die Trucksache bis zu 50 Gramm 5 Cen­times bzw. 1 Cent. Wie kommt es nun, daß der deutsche Ge schästsmann mit starkem Auslandsverkehr gezwungen ist, für jede Postkarte 2 Pfennig und für je 50 Gramm Drucksachen 1 Pfennig mehr zu zahlen als zwisckien den Weltpostvereinsstaaten vereinbart ist? Denn in deutsche Münze umgerechnet würde der Satz lauten: 4, 8 und 20 Pfennig.

Wenn innerhalb des T e u t s ch e n Reiche s auch das Zehn psennig^Porlo für Briese eingeführt ist, so ist das doch no^f) lange rein Grund, daß im W e l t p o st v e r k e hr die Postkarte auch soviel kosten muß, und ein den Mmachungen des Weltpost- Vereins direkt zuwiderlausender Taris zur i.'lnwendung kommt, der bei großem Umsatz eine nicht unbeträchtliche Vermögensschädigung der 'Geschäftswelt bedeutet. Nach den angestellten Ermittlungen betrug z. B. bei einer Berliner Firma im Turchschnitt von sechs Monaten der Verbrauch an 10-Psennig-Karten pro Monat 218 Stück: demnach kommt auf die Ausgabe von 21.80 Mark ein Zuviel von 1.36 Mark, also int Jahre 52.32 Mark. Eine andere Firma versendet jährlich rund 51)000 Trucksachen ü 5 Psennig ins Ausland, erleidet also eine Vermögenseinbuße von rund 500 Mark int Jahre! Einen E i n n a h m e a u s s a l l hätte die Post bei Herabsetzung deS Weltpostkartenportvs auf 8 Pfennig und des Trucksachenmiudestportos aus 4 Pfennig wohl kaum ;u befürchten, da noch immer die Erfahrung gelehrt hat, daß jebc Verbilligung von Verlehrseinrichtungen einen mehr als pro­portional gesteigerten Umsatz zur Folge hatte. Und so würde es auch hier sein.

Im Anschluß hieran werden noch folgende Mitteilungen ge­macht: In ben 'öT'ßcnbeit nach der Grenze, besonders der Schweiz, ist es ein nicht unbekannter Trick, daß der Geschäftsmann sich größere Posten Schweizer Postkarten mit bezahlter Antwort senden läßt, die Fragekarten für den Nennwert dem Ueversender zurück­gibt und nun die um 2 Pfenmg bi^g?ren Antwortkarten ftlbft nach der Schwei; benutzt. Die Post sollte also selbst ein Interesse daran haben, durch Einführung des normalen Wcltpost- satzes eine solche Hintertür zu schließen.

Dic Entwürse für das Bismarck-National- denkmal in Wiesbaden. Aus Wiesbaden erhalten wir folgenden Bericht: Leute (Mittwoch, 31 Mai-, vormittags UUIjr, lano im großen Saale des Kurhau;es eine stimmungsvolle Feier zur Eröffnung der Ausstellung ausgelvähtier knttroüri: uni) Modelle lür das Bisrnarck-National-Deni.nal auf der Elifenhöhe bei Bingerbrück Halt. Cs waren etwa 800 Gäste anwesend, darunter Prinzessin Eliwbelh zu Schaumburg-Lippe, d-.e Vertreter der hiesigen sta.it, imen und schulischen Behörden, die Vertrter der Städte am Älütelrhcin, unter ii,neii Oberbürgermeister Tr. Göt- telmaun-Alainz, iLbetbürßcrniCiiier Vogt-Biebrich, Bürgermeister Alberti-Rübes l)e im, Bürgermeister Nees-Bingen, außerdem der Gouverneur der Festung Mainz, General Graf Schlesien, die EisenbahndircliionSpräsidentcn tu Mainz und Frantsurt a. M. Tie Feier wurde cingclcitct mit einem Vortrag dec Bc.rhovenschen OuvertüreZur Weihe des .'öouicü" durch das städtische Kur- oralster und einem Vortrag des LiedesAn das Vater­land" durch den Wiesbadener Männergcsangoerein, .woraus Lot­schauspieler Leffler einen von Joseph Laufs verfaßten P r o l o g sprach, in dem Bismarck als Reichsgründer gereiert wurde und oer mit den Worten schloß:Er ist ewig und immer, Bismarck." Oberbürgermeister Tr. v. Ibell hielt daraus die Begrüßungsrede, in der er die Hoffnung aussprach, die Aus­stellung möge dazu beitragen, das große nationale Denkmal zu fördern. Der Vertreter des Kunstausschusses Geheimer Regie- rungsrat Professor Dr. Schmid-Aachen gab schließlich Er­läuterungen vom tünnlcri]a;en Standpunkt aus über die ausge­stellten Entwürfe. An die zweier schloß sich die Eröffnung und Besichtigung der Ausstellung im Paultnenichlößchen.

B e e t ho v e nf cst i n Eisenach. Tie Bachttadt Esienach rüstet sich, so schreibt man uns von dort, in einem größeren Rahmen em Bcethovcnfest zu feiern. Cs werden vom 11. bis zum 18. Juni im Saale der Erholung zu Eisenach Ludwig van Beethovens särnt- ltckze 16 Streich-Quartttte zur Ausführung kommen. Dieses ge­plante Fest mit der vollendeten Wiedergabe samtlichtr Quartette Beethovens durch d-as betannle Redner-Quartett auS Frank­furt a. M. kann man wohl als ein mu :lc.i,ü;.^ Ereignis von Bo-

Theatervorstellungen am pstngftinorgen.

In Berlin war es nöch vor etwa dreißig Jahren Sitte, baß verschiedene Theater an den beiden Psingstseiertagen am frühen Morgen Vorstellungen veranstalteten. Insbesondere war dies bei solchen Theatern Brauch, an deren Gebäude sich große Gartenlokale anschlossen, wie das Belle-Allianec-Theater Fetzt Volksoper-, National Theater, sowie das Vorstädtische Theater der Mutter Gräbert, welch letztere eine derbe urwüchsige Theater- lcitcrin einer Volksbühne war, der der Restauraiionsbetrieb mehr am Herzen lag, als die theatralische Kunst. _ Demgemäß waren die Pfingst-Frühfomödien an dieser Bühnenstücke mit dem gut berlinischen Brauch verknüpft, daßFamilien Kaffee Kochen können".

Ein altberliner Schriftsteller Adolph Reich schildert solchen Pfingslmorgen bei Mutter Gräbert in der folgenden Weise.'Noch waren die Sonnenrosse des Phvbos feine Nasenlänge über den Horizont cmporgaloppiert, und schon ergoß sich ein breiter Strom fröhlich gestimmter Pilger durch das Rosenthaler Tor in den Gräbertschen Theatcrgarten. Welche bunte Munerfarte festlich gestimmter und dennoch von jovialster Laune erfüllter Menschen hatte die alles sich gleichmachende alte Berliner Gemütlichkeit unter den hohen Lindenbäumen versammelt, in deren Wipfeln es wie eine Festhymne rauschte. Bürgerliche Karawanen, zärtliche Brautpaare, alte Junggesellen nut Blumen im Knöpftoche, der Kommerzienrat und sein jüngster Kommis, der Professor und der Student, die reiche Rentiere in starrer Seide und in schwerem türkischen Schal, und die arme Nätherin, welche noch spät in der Kackst ihrFähnchen" zu dem fröhlichen Morgenfeste zugestuyt batte, .vier schüttelten sich alte Freunde, welche sich Jahr und Tag nicht gesehen hatten, die Hände; hier hallen Damen von ihren abwesenden Freundinnen nur Gutes zu sagen: hier be­grüßte der Hotelier von Unter den Linden die Mutter Gräbert als seineliebe Kollegin", und der Sjeiiörid)d von der Hof bühne denHendrichs des Vorstädtischen Theaters" so wurde der mater in einer Irrenanstalt zugrunde gegangene Heldendarsteller Oden genannt). Und das Ganze war von zahllosen lachenden und leuchtenden Kindergestalten wie von einem lebenden Blumenflor durchstreut. Ja, es war ein unvergeßlicher, yerzberauschender Anblick! Mit dem Schlage fünf Uhr rief die Klingel in das Theater. Wie seltsam die Rampenlichter mit dem durch die offenen Seilen deS Theaters hereuiflutenden Sonnenlichte kon­trastierten: und wie entzückend der hercinftröniende Lindendusl mit der weihevollen Stimmung der Theatergemeinde harmonierte! Gegeben wnrde emVolksstück"; und es nt wunderbar, wie der derbe Realismus der Darsteller sich in diesen Stunden ideali­sierte. Unö nach Beendigung des Stückes ergoß sich die Menge in den blumenprangenden Garten und konstituierte sich zu einer großen urgemütlichen Fr n hftücksp a r ti e. .Hausmütter eitlen in die Küche, woFamilien Kaffee kochen konnten", während

geschäftige Kellner Solchen, die sic.) keines Familienglücks cr- frculcn, den Mocca in Ricsenkannen servierten. Mutter Gräbert im schweren AltlaSgewande und blütenweißer Pichelschstrzc, und mit einem Gesichte, strahlender als inr Pfingslmorgen, stand hinter dem Buffet, und verabeichte, anstatt der üblichen profanen Schinkenstullcn, festtägliche Kuchenstücke, deren Dimensionen an Die Granitblöcke erinnerten, welche weiland Pochphem _ dem fliehenden Uthfses nachschleudcrte. Um die achte Morgenstunde hatte, bis auf wenige Nachzügler, die dramatische Frühgemernde den Garten verlassen, teilsum sich die Sache zu bcidjlaieu", teils um Landpartien zu machen, mio teils um, nach dem welt­lichen Vergnügen, in der Kirche Gottes Wort zu hören."

Au; dem Gesetzgebungzaurschntz der hessischen Zweiten Kammer.

R. B. Darmstadt, 31. Mai.

Ter 'Gesetzgebungsausschuß der 2. Kam m c r hielt heute ttodj eine gemeinsame Beratung mit der Regierung ab, die durch Finanzminisler Braun, Geh. Rat W i l b r a n d und Geh. Oberfinanzrat Fuchs vertreten war. Zuerst gelangte die Regierungsvorlage betr. die Au s ü b u n g der Stock- Holzberechtigungen zur Beratung. Der einzige Artikel dieses Gesetzentwurfs bestimmt: Besteht an einem Walde eine Stockholzberechtigung, so ist der Eigentümer des Waldes berechtigt und aus Verlangen her oberen Forst- bchördc verpflichtet, die Stöcke nach Inhalt der Berechtigung von den gerodeten Bäumen abzutrennen und das Stockholz für den Berechtigten in Raummaße anmrbeiten zu lassen Tem Eigentümer des Waldes steht derjenige gleich, welcher als Eigenbesitzer oder auf Grund eines dringlichen oder persönlichen Rechts die Früchte (den Ertragt des Waldes bezieht. In Fällen des Absatz I hat der Stockholzberech- ligte, unbeschadet einer Vereinbarung, durch welche die Gegenleistung in anderer Weise festgesetzt ist, dem Wald­eigentümer zwei Tritteile der für "das Roden und Zu­richten des Stockholzes entstandenen Kosten an Hauer- und Setzerlohn zu erstatten.

Nach eingehender Aussprache, in der die Regie­rungsvertreter die näheren Gründe für die neue Gefeizes- vorschrist erläuterten, wurde vom Ausschuß die Regierungs­vorlage angenommen.

Eine weitere Regierungsvorlage betraf den Entwurf eines Gesetzes, betreffend den Arbeiter schütz und die Unfallverhütung bei Bauten. Tie Vorlage be­stimmt im wesentlichen, daß die für den Arbeiterschu^ not­wendigen Bestimmungen nicht durch Gesetz, sondern durch Verordnung erlassen werden. Tie lanoesherrliche Ver­ordnung soll in vier Hauptabschnitte zerfallen: 1. Ver­antwortlichkeit im allgemeinen, 2. Vorschriften zur Ver­hütung von Unfällen, 3. Vorschriften zum Schutze der Ge­sundheit und Sittlichkeit und 4. Sonstige Borschriiten. Tcm aus vier Artikeln bestehenden Gesetzentwurf ist von der Regierung eine längere Begründung ' beigegeben worden, in der ausgeführt wird, daß die Regierung für den Erlaß der Vorschriften den Weg der Verordnung gewählt habe, weil sie bei einer so umfangreichen Gesetzgebung und zahl- ceicheu, der Abänderung unterworfenen Bestimmungen diesen Weg für den praktischeren und zweckmäßigeren erachte.

Ter Ausschuß beschloß, der Kammer die Zustimmung zu dieser Vorlage zu empfehlen.

Weiter beschäftigte sich der Ausschuß noch mit dem Antrag Tr. G l ä s s i n g, betr. die Vereinfachung der M e ß b r i e f a r b e i t e n. Ter Antrag bezweckte, die dop­pelte Maßeinschreibung in den Plänen der Meßbriefe (nach dem früheren hessischen und dem jetzigen Metermaß- aus- Litheben und nur ein Maß beizuoehalteu, ferner baä bei Verbriefung von Geländeverkäusen zu den Gerichtsalten geforderte Meßbriefformular ohne Beifügung der J.ihalts- berechnung und ohne Maßeinschreibung im Plane auszu- fertigen, den Eintrag auf das unbedingt nötige Maß zu

nr. 127 Erstes Blatt 161. Zahrgang Donnerstag, 1. Juni 1911

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