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1.3.1911 Erstes Blatt
 
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möglich schadet jeder Schnee, der im März fällt, sondern nur der, der längere Zeit liegen bleibt, wie überhaupt über» luftige Nässe in dieser Jahreszeit den Feldern schädlich ist.

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wolle», beim er befürchtet, daß die neue RlchLung, wie die letzte Kammer bebatte erwarten lasse, die allgemeinen Interessen des Landes schäbigen müsse. Jonnart hatte nahezu 11 Jahre ben Generalgonverneurposten inne.

** Tageskalender für Mittwoch, 1. März: Stadt- Heater:Glaube und Heimat* Anfang 7 Uhr.

Akademische Vorträge: Prof. Dr. Tannemamt: Das hessische Irrenwesen. Abends 8* 1/, Uhr im großen Audttorium des Kollegiengebäudes. e

aber Feuchter, iauler Atärz Ist des Bauern Schmerz. Wenn es aber weiter in den Bauernregeln heißt Märzenjchnee tut den Saaten weh, braucht man das nicht allzu ernst zu nehmen, denn un-

Lehrerpersonalien. In den Ruhestand ver- etzt wurde die Lehrerin an der Gemeindeschule zu Gau. Algesheim Elisabeth Kempf auf ihr Nachsuchen, unter An. erkennung ihrer langjährigen treuen Dienste.

vermischtes.

* Heber bi e Gefahren für bi c Gesundheit, die mit dem Reichen der Sjänbe verbunden sind, ereifert sich Prof. Thompson von der Universität Colorado, der die weit geringere Gefahr int Küssen sieht, denn seiner Meinung nach werden ganz bösartige Mikroben durch die Hände übertragen und können so den Brutherd für gefährliche Erkrankungen bilden. Ein englischer Arzt prüfte die Ansicht des amerikanischen Professors auf ihre Stichhaltigkeit, Dr. T. Thorne Baker, dies der Name des eng-*

Zur Einführung der Lateinschrift.

lAus Berlin wird uns geschrieben:

Der Bittschriftenausschuß des Reichstags hatte bekanntlich einen Antrag des Allgemeinen Altschriftvereins, betreffend die amlliche Zulassung der Lateinschrift und die Awvendung dieser Schrift in den Schulen dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen. Dieser Beschluß erfolgte einstimmig, nachdem der Regierungskommisfar Geheimer Regierungsrat Albert diesen Antrag empfohlen hatte. In letzter Zeit haben die Gegner der Lateinschrift gegen diesen Beschluß in Volksversammlungen Stel­lung genommen und erllärt, daß durch diesen Beschluß die deutsche Schrift in Deutschland abgeschafft werde. Wie wir hören, ist die Stimmung im Reichstag bezüglich der Einführung der Latein­schrift jetzt nicht mehr so günstig wie früher, einige Fraktionen haben sich mit dem Beschluß des Ausschusses nicht einverstanden erklärt. Sollte der Antrag im Plenum zur Sprache kommen, so werden sich einige Fraktionen auf das schärfste gegen die Ein­führung der Lateinschrift aussprechen.

Aus Stadt und Land.

iei;en, 1. März 1911.

März, Lenzmonat.

Heute ist er getommen und wird sicherlich von jedem mit Freuden begrüßt, bringt er uns doch in wenigen Wochen den lang ersehnten Frühling. Im allgemeinen ist der März ein freundlicher Gesell, der uns erfreut nut dem Lächeln der Frühlingssonne nach langer Winterszeit, nut den ersten linden Lüften, die Herz und Lunge bis ms Innerste laben. Er begrüßt die Menschen mit den ersten Blumen, wieder ge- pendet von Mutter Natur, die ihr Schöpsungswerk von neuem beginnt. Die vielen Sänger in Feld und Wald kehren mit ihm wieder zurück und bauen ihre Nester. Der Landmann wünscht sich die Witterung im März trocken, denn er sagt: Märzenstaub ist dem Golde gleich;

rSnsland.

DasWiener Fremdenblatt" meldet: Wie bereits gemeldet, wird der Minister des Aeußern, Graf Aehrenthal, nach Abschluß der Session der Delegationen zu seiner vollständigen Erholung von dem im Laufe des Winters überstandenen Unwohl­sein einen zweimonatigen Urlaub antreten. Während dieses Urlaubs wird der Botschafter in Konstantinopel, Mark­graf Pauleavicini, die Gesck)äfte des Ministeriums führen. Der Botschafter wird in Konstantinopel durch den ersten Settions-- chef des Ministeriums des Aeußern, Müller von Szentgyverzy, als Botschasrer mit außerordentlicher Mission vertreten werden. Graf v. Aehrenthal wird den Urlaub in Abbazia verbringen.

Aus Konstantinopel kommt folgende Meldung: Wie der Bali von Monastir telegraphierte, wechselten am Montag türkische und griechische Truppen an der Grenzzone bei Domenikon Schüsse. Der Kampf, an dem aus griechischer Seite auch Zivilisten teilnahmen, bauerte eine Stunde. Bei der Pforte sind Nachrichten eingegangen, daß die Griechen die Besatzung aller Grenzposten verdoppeln. Der türkische Geschäftsträger regte bei der Regierung Griechenlands an, Maßnahmen zu treffen, um einer Wiederholung solcher Zwischenfälle oorzubeugen.

Aus Lifsabon wird gemeldet: Trotz des behördlichen Verbots verlas die Mehrzahl der Pfarrer der Diözese von Braganza vor den Gläubigen einen bischöflichen Hirten­brief. Die Bevölkerung von Samora Correa nahm den Pfarrer fest, weil er verdächtig ist, insgeheim gegen die Regierung zu arbeiten. Der die Truppen von Bonavente befehligende Offizier wurde auf Grund einer gegen ihn eingeleiteten Untersuchung von seinem Poften abberufen. Er soll seine Soldaten au j gefordert haben, im günstigen Augenblick die Monarchie za proklamieren.

Aus Teheran wird gemeldet: Da neue Ranbanfällc auf der Straße von Abuschehr nach Japahan vorgekommen sind, lenkte der britische Gesandte bie Aufmerksamkeit des per- i s ch e n Ministers des Aeußern auf diese Vorgänge.

Aus Douglas (Arigona) wird gemeldet: Mexika­nische Aufständische nahmen ituci) einem Kamps die Stadt Fronberas ein.

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"Das Museum d es Oberhessischen Geschichts­vereins hat in letzter Zeit wieder sehr wertvolle Bereiche­rungen erfahren. Heroorzuheben sind Waffen aus den Bauernaufständen und eine Reiterrüstung aus dem 30jährigen lrieg. Für die OrtSgeschichte interessant ist ein größeres Aquarell, einen Gießener Maskenball 1836 im Gasthaus ,zum Sinborn* darstellend mit zahlreichen Anspielungen' auf Per- onen und Tagesereignisse, besonders auf die Beendigung der Lahnkanalisation bis Weilburg (Karikatur). Nach langwieriger, mühseliger Arbeit find nunmehr auch die Totenkisten der fränki­schen Neihengräber von Leihgestern im Saal 1 aufgestellt. Die Sarge geben dem Beschauer ein Bild der damaligen reichen Bestattungsweise. Es ist mit Genugtuung festzustellen, daß der Besuch de§ Museums äußerst rege ist.

Deutsches Reich.

Die Blätter melben aus Berlin: Ueber bie Ausfüh­rung bes Zuwachs steuergesetzes finden im Reichs­tage an ben folgenden Tagen Beratungen statt, zu benen umfangreiche Einladungen ergangen sind.

Wie derSächsische Landesdienst" melbet, wirb sich in Vertretung des Königs Prinz Johann Georg zu den Krönungsfeierlichkeiten nach 'London begeben. Aus Einladung der englischen Majestäten wirb auch Prin­zessin Johann Georg ihren Gemahl begleiten.

! ** Frauenbund der Ko^onialgesellsKaft. In

: den schönen Räumen beS Offizier-Kasinos fand am Montag zum > Besten des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft ein Fünfuhrtee statt, der einen glänzenden Verlaus nahm. Min- , bestens 400 Personen nahmen an der Festlichkeit teil. Ihre Zahl wäre zweifellos noch größer gewesen, wenn man nicht bei Aus­gabe der Teilnehmerkarten von vornherein auf die Platzfrage - hätte Rücksicht nehmen müssen. An blumengeschmückten Tischen, . oie von den Damen des vorbereitenden Ausschusses verschieden- i artig auSgestattet waren, kredenzten junge Damen den Tee. Frl.

Strack bcFIamierte zur EinleitungDie offene Tafel" von Goethe. Dann trug Hauptmann Schwendy ein Klavierstück (Novelle von Schumann) vor, dann einige Lieder, gesungen von Frau Prof. Versluys folgten. Frl. Netto und Oberleutnant Brendel gaben den Tanz ausBrüderlein fein" zum besten, : der ungeteilten Beifall fand. Heitere Weisen der Regiments- kapelle sorgten für weitere Unterhaltung. In allgemein fröhlicher Stimmung trennte sich die Gesellschaft, nachdem ein lustiger Tanz den Schluß gemacht hatte.

Stadttheater. Eine recht hübsche und vergnügliche Vorstellung, bereu Tempo maiicku. allerdings etwas flotter hätte fein dürfen, war die geftrigd Aufführung des alten Schwankes von bem Raub der Sabinerinnen, bei der namentlich Hermann Norden als Theaterbirektor Sttiese Triumpye feierte Seine verinnerlichte, herzvolle Darstellung des armen Schmieren - komöbianten, bie sich zum Schluß zu einer rührenden Innigkeit erhob, war eine ganz famose Leistung. Voll drastischen Humors war das Dienstmädchen Rosa, bas Lore Scholz mit prächtiger Charakteristik wieder gab. .Der Professor-Dichter wurde von Karl Volck mit luftiger Aengstlichkeit dargestellt, nervös und zitterig und mit einer ganzen Last weltfremder Begeisterungsfähigkeit., ytaria Duval, die auf Anstellung spielte, gab die wenig her­vorragende Rolle der energischen Friederike sehr gefällig und mit ferner unaufdringlicher Färbung, die recht günstig wirkte. Immer­hin wäre es wünschenswert, den Gast noch in einer bedeutsameren rftolle vorzustellen. Hllde Engel war eine niedliche Paula, Karl Marx ein liebenswürdiger Emil. Sehr schön war Eva Gühne als Marianne, was umso höl-er anzuscAagen ist, als sie die Rolle erst in letzter Stunde übernommen hatte. Eine sehr anerkennenswerte Talentprobe, dtuoolf Goll u>ar ein liebenswerter Neumeister und Rolf Gunolt ein wirkungsvoller Karl Groß. Der Beginn der Vorstellung, die von Rudolf Goll gereitet wurde, hatte sich nicht umn-beblich verzögert.h.

* Vom Kolosseum. Zum G a st s p i e l des Kabaretts Alles gestohlen^ schreibt die Kurzettnng des Nordseebades Westerland-Sylt" am 30. Juni vorigen Jahres: Ein luftiger Brettl-Abend" im Hotel Hohenzollern!Das war wirklich wieder ein genußreicher, luftiger und künstlerischer Abend und dabei trug das Ganze ein vornehmes, großstädtisches Gepräge; die Art, in der Hofschauspieler Holler zu konferieren verstand, mußte natürlich gleich die unerläßliche Sttmmung für einen Brettl-Abend Hervorrufen! Daß sich dieser vielfettige Künstler als erstklassige und ftimmbegabter Brettl-Sanger geradezu hervorragend be­währte, fei konstatiert. Ihm zur Sette Fräulein Mealenburg. Der Reiz der niedlichen Erscheinung wurde durch künstlerische Darbietungen verstärkt. Nicht nur als brillante Pianistin, sondern auch als Lautenfängerin wußte die Künstlerin entzückende Wir- tungen zu erzielen. Wahre Stürme des Beifalls ries der .staub- stumme Lautensänger" Niels Söhrnsen hervor. Kein Wunder, daß aus bem zahlreich erschienenen Publikum der Wunsch laut wurde, die Künsller öfter zu hören.

** D er BauerjcheGefangverein gibt am Sonn­tag, 12. März, aus Anlaß seines 47. Stiftungsfestes ein Kvnzertin der neuen Aula der Universität. Es gelangen eine ganze Anzahl Kunstchöre und Volkslieder zürn Vortrag, auch das Quartett wird einige Lieder zu Gehör bringen. Die Leistungen des Vereins bürgen für einige genußreime Sinn den. Zu dem Konzert sind Frau E Stcsfens-Harnifchfeger, Sopranisttn, Frankfurt a. M. und Pianist Julius Huhn, Gieren, gewonnen.

** Volks unterhaltungS-Abend in Klei n- Lind encnn Sonntag, b.März. Das ernste Bestreben der Männer­gesangvereine der größeren Städte, an Stelle der Bierbank­literatur das deutsche Volkslied wieder zu pflegen, hat bereits seine Früchte getragen, auch auf kleineren Plätzen und nament­lich auf dem Lande strebt man jetzt darnach, die reichen Schätze, die man so lange vernachlässigte, zu heben. In dankenswerter und energischer Weise verfolgt auch Herr A. Bauer, der Sohn unseres geschätzten Musikpädagogen Franz Bauer, diesen Zweck. Drei Vereine, die unter seiner Leitung stehen (Klein-Linden, Leihgestern und Wald­girmes) hat er zu einem Chor vereinigt und wird mit diesem im Gasthaus zur Deutschen Eiche einen VolkS- liederabend ausführen, dessen Reinertrag der Wohltätig­keit dienen soll. Unterstützt wird das Konzert durch die Kammermusik-Vereinigung der Herren Franz Bauer, Leopold Geller, Karl Krauße (Musikdirektor), Bruno Herr­mann und Herniann Fischer, ein Beweis, daß reicher musika­lischer Genuß in Aussicht steht. Zweifellos werden auch von Gießen sich Freunde guter Volksmusik zur Unterstützung des chönen Unternehmens bereit finden.

* Jubiläum. Der Buchhalter Josef Ehrmann ilickt heute auf eine 25jährige Tätigkeit im Hause Georg Heinrich Schirmer zurück.

* Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet auS Goldburghaufen, Württem­berg; Stein am Kocher, Baden; Zweibrücken und Ganzlofs, Regierungsbezirk Pfalz; Gütersloh, Regier­ungsbezirk Minden, bei Händleroieh.

Starkenburg und Rheinhessen.

-o. Spiesheim, 28. Febr. Hier wurde ein alter Kriegsschatz gehoben. Der Landwirt Philipp Diesen- hätzer von dort fällte eine uralle Effe, die sehr starke Wurzeln hatte, weshalb er den Boden ringsum ausheben mußte. Da gab es plötzlich ein eigenartiges Klingen und als der Mann näher zusah, fanden sich im Grunde unter den Baumwurzeln vierzig Stück große goldene und silberne Münzen, die mit Jahreszahlen zwischen 1515 und 1565 versehen sind, also wohl im dreißigjährigen Krieg vergraben wurden.

Hessen-Nassau.

<= Rodheim a. d. Bieber, 28. Febr. Gewerbeinspek« tor Kern aus Wiesbaden besuchte am Samstag die hiesige gewerbliche Fortbildungsschule, die jetzt 35 Be- ucher zahlt.

[] Marburg, 28. Febr. Wie immer, so entwickelte sich auch heute ein fröhlicher Mummenschanz. Hunderte von kleinen und großen maskierten Gestalten durchzogen die mit dichten Menschenmassen besetzten Straßen. Die meisten Maskierten stellte wieder die Studentenschaft, die sich zum Semesterschluß noch einmal gut amüsierte.

Der Uabinettswechsel in Frankreich.

Paris, 28. Febr. Präsident Fatiieres ließ den Sena- tor Monis rufen und forderte ihn auf, die Kabinettsbib- dung zu übernehmen. Monis erbat Bedenkzeit zu einer Beratung mit seinen politischen Freunden.

Paris, 28. Febr. Die gesamte Presse erörtert ein­gehend das Schreiben Briands an den Präsidenten der Republik. Die combistischen Blätter kritisieren es ziem­lich scharf und er flöten: Wenn Briand bei feinen Resorm- wersuchen scheiterte, so sei dies darauf zurückzuführen, daß seine treuesten Freunde die entschied en ften Gegner jeder 1 Politik der Entwickelung und des Fortschrittes seien. Die in dem Schreiben gegen die Republikaner erhobenen Vor­würfe seien unpassend und ungerecht.

Die dem scheidenden Ministerpräsidenten persönlich er­gebeneAetion" erklärt: Die Politik Briands fei nicht beendet, sondern sie begönne erst. Der konservativeG a u- lois" meint: Der Kamps gegen die Kongregationen werde nick;t so einfach sein, denn die künftige Regierung werde »gerichtlichen Entscheidungen gegenüberstehen, welche sie höchstens umgehen könne und das werde keine leichte Sache lern.

Bezüglich der Stelle des Schreibens, in dem von dem wachsenden Mißtrauen und der systematischen Feindselig- kett einer gewissen Anzahl Republikaner gegen den Minister­präsidenten die Rede ist, wird mitgeteill, die Minister- kollegen Briands hätten int Ministerrat am Samstag ins­gesamt versprochen, daß sie dem künftigen Kabinett fern» bleiben würden. Briand sei von biejem Freund schafts- bemeiö sehr gerichrt gewesen, habe es aber entschieden ab» gelehnt, daß feine Mitarbeiter eine derartige Verpslich-- tung auf Jid) nehmen wollen und habe deshalb ben er» ^wähnten <-atz in sein Schreiben ausgenommen.

Emer Blattermeldung zufolge hat der General- gouvernenr von Algerien, Jonnart, heute nacht dem jcheibenden Allnisterprasidenten telearavlftfch leinen älbfchted angezeigt. Es heißt. Jomtart, der Tcpi> loKctia. ii&. habe dsmll erneu politischen M vollziehen

'Angriffsgelüste in die Wandelgänge der franzöftschen Kam­mer, wo man ob der augenblicklichen Kabinettskrisis natür­lich doppelt aufnterffam ist:

Ber lin, 27. Febr. Die Norddeutsche Allge­meine Zeitung schrieb:

Der .striegsminister drückte im Laufe der Debatte über ben Militäretat, als von anderer Seite die Sprache au die französische Fremdenlegion gebracht wurde, mit be­t' e ch t i g 1 e r S ch ä r s e die Entrüstung über deutsche Blätter aus, die für diese bekanntlich größtenteils aus deutschen Fahnenflüchtigeit bestehende Trttppe Reklame machen. Nicht nur der preußische Kriegsminister, sondern auch jeder gute Deutsche wird über ein solches un- patriotisches Gebahren entrüstet fein.

Der Temps und einige andere ftanzösische Blätter sanden sich bemüßigt, den Kriegsminister von Heeringen wegen dieser Worte anzugreisen und fabelten dabei so­gar von einer Beleidigung der französischen Armee. Wir müssen diese Vorwürfe auf das entschiedenste zurück weis en, und möchten den Temps erinnern, daß die Art der Rekrutierung der Fremdenlegion und der sich da­raus ergebenden Folgen wiederholt die Oesfentlichkeit in der Weise beschäftigten, die nicht geeignet ist, die Sympathien der gesitteten Welt zu erwecken."

P a r i s, 28. Febr. Mehrere Blätter erörtern in scharfer Weise die Note derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" sowie die Aeußerungen verschiedener deutscher Blätter über die FreTudenlegion.

DerTemps" schreibt:

Nach den alldeutschen Zeitungen ist es nunmehr das halbamtliche Organ der kaiserlichen Regierung, welches sich diesen unziemlichen Angriff erlaubt. Ohne lang bei der Prüfung der Beweggründe zu verweilen, hallen wir dafür, daß die gesamte Presse und öffentliche Meinung Frankreichs darauf mit einem entschiedenen Einsprusch antworten muß, und wir fügen hinzu, daß man durch derartige ungerechtfertigte Angriffe zwischen unferm Nachbar und uns einen bauern ben und schweren moralischen Zwist herbeizusühren droht.

Das Blatt bespricht sodann die in der Fremdenlegion vorgebommenen Desertionen und behauptet il a., daß diese durch regelrechte deutsche Agenturen und seinerzeit auch durch das deutsche Konsulat in Melilla gefördert worden seien. Schließlich meint derTemps", die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" könne versichert sein, daß weder ihre Kritik, noch die Drohungen der deutschen Presse in Frank­reich irgendwelchen Eindruck machen würden.

DieSiberte" schreibt: Gewisse deutsche Blatter gehen so weit, oaß sie einen tatsächlichen Einfchritt gegen die Ein­richtung der Fremdenlegion verlangen. Wir wollen die deutsche Regierung für btefe Herausforberung nicht verant­wortlich machen, wenngleich dieselbe durch ben General v. Heeringen ermutigt würbe, aber man muß bie öffentliche Meinung Deutschlands boch baran erinnern, daß Frankreich allein ben Oberbefehl über feine Armee ausübt unb daß lebe wenn auch noch so diplomallsche Einmischung in bie freie Ausübung dieses Rechts hier als durchaus unzulässig ange­sehen würde. Es ist übrigens bezeichnend, daß die deutsche ,Presse gerade die Frage der Ministerkrisis zu einer neuen Herausforderung benutzt. Darin liegt zweifellos Methode. Diesmal trägt auch der Umstand, baß Delcasse wieder ans Ruder gelangen könnte, dazu bei, daß dieser Heraus­forderung bejonderS scharfer Ausdruck verliehen wird. Es handelt sich sichtlich um einen Einschüchterungs- Versuch auf parlamentarische Kreise. Jedenfalls muß das neue Ministerium und die öffentliche Meinung Frankreichs angesichts der von auswärts kommenden An­griff sabsicht begreifen, daß dienationaleVertei- öigung das dringendste und wesentlichste Regierungspro­gramm ist und bleibt.

** Zur Prüfung für bas höhere Lehramt waren int Wirttersemesier 1190/11 im ganzen 5 7 Kanbibateu zu- gelassen, wovon 45 zu einem Prüfungsergebnis gelangt sind, während die andern zurückttaten oder eine Zurückstellung für bas nächste Semester bewilligt erhielten. Von den 45 Prüfungen ind 32 bestanden, 13 nicht bestanden. Unter den 32 bestandenen ind 6 Erwetterungsprüsmrgen (die eine schon früher bestandene Prüfung voraussetzen). Die verbleibenden 26 ergaben in 2 Fällen das Ergebnisausg^eichnet", in 5sehr gut", in 9gut", in 10genügend". Diese Ergebnisse erzielten 20 Bewerber in einer einmaligen Prüfung, 6 aus Grund einer zweiten, nach rüherem Mißerfolg. Faßt man bie Vorbttdung ins Auge, so waren unter den erfolgreichen 26 (also abzusehen von den 6 Er­weiterungsprüfungen): 15 Humanisten (2 ausgezeichnet, 5 sehr gut, 4 gut, 4 genügend), 5 Realgymnasiasten (2 gut, 3 genügend), 6 Oberrealschüler (3 gut, 3 genügend). Von den 13 Fehlschlägen entfallen 5 auf Humanisten» 5 auf Realgymnasiasten, Oberrealschüler. An den 6 zwetten Prüfungen, die nötig inb bie Humanisten mit 2, die Realgymnasiasten mtt Oberrealschüler mtt 3 betätigt

Das Ehrenzeichen für Mitglieder williger Feuerwehren wurde verliehen durch chließung des GroßherzogS dem Friedr. Deibel VI. zu Lollar.