Ausgabe 
1.2.1911 Erstes Blatt
 
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allem die Wahl des Spritzers mtb" die Eidesleistung der Ml- glieder des Unterhauses.

Die bulgarische Sobranje nahm einstimmig eine Ent­schließung an, betreffend die augenblickliche Unmöglichkeit eines definitiven Handelsvertrages istit der Türkei. Der Ministerpräsideu! und der Finanzminifter erklärten, die gegen­wärtige Lage dürfe nicht «15 Zollkrieg angesehen werden. Die Negierung würde erst bann z-ik der Anwendung der Maximal- zollsätze schreiten, wenn alle Bemühungen endgültig gescheitert seien, und wenn die Türkei den Differentialtarif auf bulgarische HerWnfte anwenden würde.

Nach einer Meldung aus Fez begab sich der in Ungnade ge­fallene ehemalige Minister des Auswärtigen S i Aissa den Omar in den Schutz des französischen Konsuls inti) teilte diesent mit, daß der Sultan ihn, nachdem er ihn: seiner Güter entblößt, nunmehr elend verschmachten lasse. Der französische Konsul verwandte sich zu Gunsten des ehemaligen Ministers bei dem Sultan, der auch versprach, für seinen ehe­maligen Minister zu sorgen.

Das Repräsentantenhaus in Washington nahm ein Gesetz, das die Errichtung eines ständigen Tarifausschusses vorsieht, mit 186 gegen 93 Stimmen an.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 1. Februar 1911.

** Tageskaleuder für Mittwoch, 1. Febr. Stadt­theater:Othello". Anfang 7 Uhr.

Vortrag von Frau Professor Krukenberg -Kreuznach: Der Wert einer vertieften Bildung für die Frau und Blutter. Abends 8V, Uhr im großen Hörsaat der Universität.

Deutschnationaler Handlungsgehilfen verband. Vortrag von Rudolf Gronau: Drei Jahrhunderte deutschen Lebens in Amerika. Abends 88/< Uhr in Steins Garten.

Versa m m l u n g der fortschrittl. Lolkspartei: Vortrag des Reichstagskandidaten Pfarrer K o r e l l - Köniqstädten. Abends 81/, Uhr im (Lass Leib.

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** Die Telephonnummern, unter denen der Gießener Anzeiger zit erreichen ist, werden vielfach vom Pu­blikum verwechselt, weshalb darauf hingewiesen sei, daß der Fernfprechanschluß Nr. 51 der der Gesch äfts st elle und Nr. 112 der der Redaktion ist. Nr. 51 ist anzu- rufen bei Anzeigen-, Abonnements- und Drucksachen-Auf- trägen, Nr. 112 bei allen den Textteil betreffenden Ange­legenheiten. Die am Kops des Gieß. Anz. weiter angegebene Telepyonnummer 50 ist, wie vielfach beim Anrufen über­sehen wird, die unserer Expedition in Büdingen.

** Von der englischen Gesandtschaft in Darmstadt. Zum Abschied des zum Ministerresidenten in Caracas ernannten Großbritannischen Geschäftsträgers Frederic D. Harford mrd seiner Gemahlin fand n. d. Darmst. Ztg. am Montag abend bei Staatsminister Dr. Ewald ein Diner zu 28 Gedecken statt, an dem auch der Großherzog und die Großherzogin teilnahmen. Herr Harford hat Staatsminister Dr. Ewald bereits sein Ab­berufungsschreiben überreicht.

** Erledigte Lchrerstellen. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Raunheim. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ru­dingshain. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Volxheim. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.

** Bahnpersonalien. Der Großherzog hat den Re- glerungsbaumesiter Ludw. Hummel zu Köln zum Mitglied einer Eisenbahndirektion in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeuv- schaft ernannt und chm den Charakter als Regierung^- und Baurat verliehen.

** Die Nationallib er ale Partei beginnt, wie uns mitgeteilt wird, ihre Wahlagitation nächsten Freitag den 3. Februar durch eine öffentliche Versammlung in Gießen, in der Reichstagsabgeordneter Dr. Osann über die politische Lage im Reich sprechen und ihr Reichstags- kandidat Prof. Dr. Gisevius sein Programm entwickeln wird.

Einen Wilhelm Busch-Abend veranstaltet morgen abend m Steins Garten der Rezitator Gg. Fritz schl er aus Bad Schmiedeberg, dem ein recht guter Ruf vovausgeht. So lesen wir z. B. über ihn im Wiener Fremdenblatt:Der Rezitator Georg Fritzfchler veranstaltete gestern im Sophiensaal einen Busch- Abend mit Lichtbildern. Daß auch schon das erst kürzlich er­schieneneZu guter Letzt" ins Programm einbezogen wuroe, ist dankbar anzuerkennen, obwohl sich vielleicht gerade diese stillsten unter den Versen des Meisters für den Vortragssaal am wenigsten eignen. Das Publikum unterhielt sich ausgezeichnet und begrüßte Taft alle Bilder mit Lachsalven. Aus dem guten Besuche der Ssoilefung, bic so kurz nach der Thimigschen folgte, ist zu schließen, daß die Werke des köstlichen Meisters dem Publikum auch in dieser Form stets hochwillkommen sein werden. Schauspieler und Vor- tragsmecster, denen es am richtigen Humor nicht fehlt, sollten das beherzigen."

- Stadttheater. Ueber da§ Rehoff-Ensemble, das am kommenden Dienstag hier mit Ibsens .Wenn mir Toten erwachen* gastiert, schreiben dieDanziger Neuesten Nachrichten":Sie Darstellung, die das Werk durch das Nehoff'che Ensemble fand, zeichnete sich vor allem durch eine wunderbar fein abgetönte Stimmung aus, die wie nordischer Nebel über dem Ganzen lag. Ueberall das Streben nach Wahrheit, nach Natürlichkeit, der Verzicht auf jedes Virtuosen­hafte. Nirgends eine theatralische (Seite, nirgends aufdring, lrche Effekte. Alles aufs sorgfältigste schattiert und trotz aller Feilenstnche aus einem Guß. Mit einem Wort: Vorbildlich und mustergültig.*

-Die Jubelfeier der Friseur- und Perücken. macher-Jnnung Gießen endigte mit dem Festball, der am Sonntag abend im Hotel Einhorn veranstaltet wurde. Die erste Stunde war den Gratulanten gewidmet. Als erster Redner sprach Obermeister W ieß n er, der einen kurzen Rück­blick auf die Entwicklung der Innung warf. Obermeister Sack brachte die Glückwünsche der Fleischer-Innung und Obermeister Deibel die der Bäcker-Innung dar. Ein- gelaufene Glückwunsch-Telegramme, darunter das des Gewerbe- rats Falk auS Mainz, wurden zur Verlesung gebracht. Tann wurde den Besuchern in den Pausen eine reiche und unter- haltende Vortragsordnung geboten. Einige Herren vom Bauer'schen Gesangverein unter Leitung des Herrn Bellos erfreute die Zuhörer durch Liedervorträge. Einen wirkungs­vollen Abschluß des unterhaltenden Teiles bildete die Auf­führung des Schwankes »Die beste Medizin", ebenso einige Vortragskomiker. Ganz besondere Ehrung brachte der Abend den Herren Phil. Stier und Balth. Mellor. Sie erhielten jeder ein Diplom für 25jährige Zugehörigkeit zur Innung. Herr Melior dankte in seinem und Herrn Stiers Namen. Hieraus nahm der eigentliche Ball seinen Anfang, der bei fröhlichster Stimmung bis zum frühen Morgen dauerte.

,** $V1 en Vortrag über Wohnungsfragen uuü WvHnungZresorm wird auf Veranlassung der

Drtsrraillenkaffe Meßen am nächsten donntag nachmittag LandeZ-Wohnungsinspektor Gretzschel im Kolosseum hal­ten. Der Vortrag soll, nach der dazu erlassenen Einladung, den Anstoß dazu geben, daß auch in Gießen endlich dte Wohnungsfrage in den Vordergrund geschoben wird, und der zurzeit bestehende Notstand Mangel an kleinen, gesunden und billigen Wohnungen auf die eine oder andere Art behoben wird.

** Bauernregeln für den Februar. Wenn der vorming warm uns 7iiacht,^frierts im Mai noch gern die Nacht, ^schmilzt un Februar die Sonn' die Bicktcr, so gibts das Jahr daim später Futter. Viel Nebel iin Februar, viel Regen das ganze Jahr. Wenn im Hornung die Mücken spielen, wird der Marz den Winter fühlen. Wenn im Februar spielen die Mücken gibts im Schafstall große Lücken. Heftige Nordwinde im Februar vermelden ein fruchtbares Jahr; wenn der Nordwind im Februar nickst will, so kommt er sicher im April. Frierts im Februar majt ent, wirds ein schlechtes Kornjahr sein. Klarer Februar, gut Roggeniahr.

Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus Waldenbuch, Oberamt Stutt­gart; Nürti n g e n , Schwarzwaldkreis, bei Händlervich; Mül­hausen (Oberelsaß), Schlachthaus; Zeinheim, Uickereliaß; Oedbeim, Oberamt Neckarsulm, bei Händlervieh.

Landkreis Gießen,

Vstrk'hardsfelden, 30. Jan. Hier wird jetzt das Projekt eines Elektrizitätswerkes erörtert. Die Gemeinde hat vor einigen Jahren ein Wasserwerk er­richtet. Sehr viel Wasser läuft unbenutzt weg, da die Quellen sehr reichlich.Wasser liefern. Man gedenkt nun das über­schüssige Wasser als Kraftquelle für Erzeugung von Elektri­zität zu benutzet:. Auch ließe sich eine Voltsbadeeinrichtung damit verbinden.

-- Aliendorf a. d. Lumda, 31. Jan. Gestern abend versammellen sich nach der Singstunde die Mitglieder des hiesigen Männergesangvereins, um im Gasthof Ranft den Abschied ihres Dirigenten, Herrn Lehrer Aletter, zu feiern. Daß Herr Aletter, der seinen Beruf als Lehrer aufgibt, es verstanden hat, in den zwei Jahren, in denen er als Dirigent hier tätig war, den Verein heranzubilden, beweist, da'ß der Verein unter seiner Leitung in Großen- Linden den 1. Preis errungen hat. Der Verein verliert daher eine fast unersetzliche Kraft in Herrn Aletter. Nach­dem der Vorsitzende, Herr Fvrmhals, eine Abschieds­rede gehalten hatte, wurde noch manch schönes Lied ge­sungen, und Klavier- und humoristische Vorträge ließen die Zeit sehr schnell verlaufen.

< Gründe rg, 30. Jan. Gestern abend fand hier in der Turnhalle Kaiser-Geburtstagsfeier statt unter Mitwirkung des Krieger-, Turn- und Männer-Gesangvereins, sowie des gemischten Chores und des Musikvercins. Besonders verschönte der Musikverein die Feier durch seine sehr gut ein­geübten Musikvorträge. Die Festrede hielt Dekan Wagner. Bis nach Mitternacht dauerte die unter Beteiligung aus allen Berufskrersen harmonisch und würdig verlaufene Feier«.

Kreis Büdingen.

A Merken fr itz, 31. Jan. Kreisrat v. Böckrnann und Schulrat Scherer-Büdingen weilten hier und verhan- >elten mit dem Gemeinderat über den Bau eines zwei- 'lassigen Schulhauses. Es wurde beschlossen, an )en jetzigen Sch-nlsaal noch einen zweiten Saal anzubauen und zwei Lehrerwohnungen darauf zu setzen.

.A Wenings, 30. Jan. Die hiesige Molkerei, die vor kurzem ihren Betrieb einstellen mußte, wurde zwangs­weise für 1 2 6 0 0 M k. verkauft, während die Erbauung und Einrichtung seinerzeit 55 000 Mk. kostete.

--l. Stockheim, 29. Jan. Am Sonntag feierte der Krieg er Verein den Geburtstag des Kaisers. Am gleichen Tage fand mittags 3 Uhr die feierliche Ucberreichung der dem Kriegerverein verliehenen Kaiserschleife durch Regie- rungsassessor Dr. Schäfer von Büdingen statt. An­wesend waren ein Vertreter vom Hassiaprasidiuni, Lehrer Will, vom Kriegervereinsbezirk Ortenberg, die Herren Söhnge und Mayer, Orteiiberg, der Ortsvorstand, der Krie­ger- und der Gesangverein Stockheim. Den Weiheakt vollzog Assessor Dr. Schäfer in patriotifcher Rede; der Redner Atonie die Verdienste und das langjährige Bestehen des Vereins und wünschte dem Verein weiteres Blühen und Gedeihe::. Sein Hoch galt dem Kaiser. Der Vertreter des Hassiapräsidiums, Lehrer Will, hielt eine von patriotischem Geiste getragene Rede; es folgten Herr Söhnge und Gerichts­vollzieher Mayer, Ortenberg. Sodann dankte Lehrer Peter, Stockheim im Namen des Kriegervereins in kräftiger, ker­niger Rede für die Ueberreichung der Kaiserschleife. Es olgten verschiedene Ansprachen von Vereinsmitgliedern auf reu Kaiser und den Großherzog. Der Gesangverein Kon- 'ordia trug viel zur Verschönerung des Festes bei durch Vortrag schöner Lieder unter Leitung seines wackeren Diri­genten Z:rke von Stockheim. Ebenso trug die Musikkapelle zur Verschönerung des Abends bei. Den Schluß der Feier bildete ein Ball.

3- Grund-Schwalheim, 1. Febr. Gestern abend entstand hier em größeres Schadenfeuer, das zwetScheuern inAsche legte. Zuerst brannte die Scheuer des Landwirts Otto Spengler; trotz eifriger Arbeit der umwohnenden Wehren sprang die Flamme mch auf die angrenzende, durch eine Brandmauer getrennte Scheuer

Landwirtes Gustav Schneider über, die auch eingeäschert wurde. Verluste an Vieh sind nicht zu beklaget:. Das Feuer begann kurz vor 7 Uhr und schon gegen 9 Uhr lagen beide Scheuern zusammen.

Kreis Lauterbach.

= Lauterbach, 31. Jan. Gestern nachmittag fand m der Burgwirtscbaft hier eine Versammlung des Vorstandes und der Ausschußmitglieder des !andw. Bezirksvereins Lauterbach statt. Nach Erledigung der Tagesordnung, in der Kulturtechniker Kunz hier zum Rechner für den Bezug von Saatsrucht, künstlichem Dünger usw. gewählt wurde, entspann sich eine lebhafte Besprechung über die Zucht des Simmentaler und Vogelsberger Rindes. Kreisveterinärarzt Dr. Kick und Oberverwalter Erb, Stockhausest geben der Vogels­berger Rasse für die hiesige Gegend den Vorzug, iiwem ne Einführung des Simmentaler Rindes nicht den Erwar- ungen entsprach, die man anfangs hofft. Besonders sei das Simmentaler Rind in den Gebirgsgegenden wegen Mangels an genügendem Winterftttter nickt zu empfehlen, )a die Landwirte gewohnt seien, einen reichen Viehstand zu halten, die Simmentaler Rasse aber sehr viel Futter koste, dieses in: Frühjahr knapp werde und die Tiere im Werte zurückgingen, wogegen man bei e:nem großen Viehstand der Vogelsberger Rasse dies nicht zu befurchten brauet) e, da diese bedeutend wentger Futter kostet. Auch wurde durch Kreisveterinürarzt Dr. Kick vorgebracht, daß man das Vieh, um einen gefunden Viehstand zu erhalten, recht viel ins Freie treiben solle, da in den engen dumpfen Stauungen das Bieh krank werde. Das könne man deutlich bei Schlachtungen estftellen, indem Vieh aus Ortfcha.ten mit vorwiegend chlechten Stallungen zum großen Lei! tuberkulös fei und

auf die Freibank verwiesen werden müsse, was bei Vieh m:? guten luftigen Stallungen nicht der Fall fei. Er empfiehl) daher zur Abstellung dieser Mißstände dringend einen intew siven Weidebetrieb, namentlich für das Jungvieh.

X Schlitz, 30. Jan. Kürzlich wurde von einige, Damen und Herren der hiesigen Gesellschaft ein Theater­stück,Der dunkle Punkt", aufgeführt, dessen Reinertrag einen: wohltätigen Zwecke zukommen sollte. In diesen Togen konnten nunmehr 100 Mk. zur Ausnahme zweier skrofu öfe» Kinder in das Elisabethenstift in Bad-Nauheim zur Verfügung gestellt werden.

Kreis Friedberg.

-d. Friedb erg, 31. Jan. Im Volksvildungs- verein sprach gestern abend Prof. Dr. Kaiser-Gießen überDieEntstehung des Vogelsbergs und der W e 11 c r a u". An der Hand zahlreicher geologischer Karten und Lichtbilder machte 6er Redner die zahlreichen Zuhörer mit der wechselvollen Erdgeschichte unserer Gegend bekannt, mit all den Katastrophen und Prozessen, die im Laufe der Jahrmillionen nach und nach die heutige Oberflächengestalt unserer Heimat bedingten. Die Faltung des alten Alpen­gebirges, das ganz Mitteldeutschland in den ältesten geo­logischen Zeitaltern durchzog; seine spätere Abtragung durchs Meer und die Atmosphärilien; der darauf folgende Einbrtlch des sog. großen hessischen Grabens, als dessen Horste das Rheinische Schiefergebirge (Taunus) einerseits und Thüringer Wald ui:d Harz andererseits stehen geblieben sind; der große See, der in der Tertiärzeit unsere Wetterau aussüllte und, wie uns das die Steinbrüche von Münzen- berg und Groß-Karben zeigen, mit dem Mainzer Becken in Verbindung stand; die zu Ende des Tertiärs erfolgenden vulkanischen Ausbrüche des Vogelsbergs und die in jüngster Zeit der Erdgeschichte beginnende Bildung unserer Fluß- täler: all diese Vorgänge schllderte der Redner in seinem lebhaften, fesselnden Vortrag und erleichterte die sonst so schwierige Vorstellung der einzelnen gevlogischen Prozesse durch die Zuhilfenahme seiner selbstgesertigten Kckapptafeln in der anschaulichsten und verständlichsten Weise. Professor Kaiser erntete lebhaften Beifall.

S. Friedberg, 31. Jan. Die städtische Armenkommission hat d:e «stelle eines ft ä d t i s ch e n Armenarztes dem Dr. med. Otto Becker übertragen.

Starkenburg und Rheinhessen.

m. Offenbach, 1. Febr. Das neue B e r n a r d st i s t wurde heute mittag durch eine Besichtigung seiner Be- stirnrnung übergeben. Der stattliche Bau schließt nach Westen art das alte Versorgungshaus an. In dem Keller­geschoß des fünfgeschossigen Gebäudes sind die moderne Heizanlage für d:e Dampfheizung und Warmwasserberei­tung, sowie die Räume für Kartoffeln, Gemüse usw. und zwe: Eiskeller für Fleischwaren Untergebracht. In dem Erdgeschoß befinden sich die Wirtschaftsräun:e, im Nord-- ftügel ein Waschrcmm für die im Versorgungshaus unter­gebrachten Schulkinder, ferner zwei Auseuthaltsräume für Schulkinder. Der erste Stock birgt d:e Wohnung des Ver­walters, ferner ein Sitzungszimmer für den Verwaltungs­ausschuß und eine Reihe von Schlafzimmern für Stists- insassen. Der zweite Stock enthält die Schlaf-, Wohn- und Eßräume der Stifter, außerdem einen Kraukenfaal mit 8 Betten und Badeeinrichtung, sowie einen Aufenthaltsraum für Männer und Frauen. Im dritten Stock befinden fich außer Räumen für Jnsaffen eine Station für kranke Kinder während im Dachgeschoß die Wohnzimmer für die Pflege­rinnen und das Dienstpersonal nittergebracht find.

Kreis Wetzlar.

-- Dutenhofen, 31. Jan. Wohl noch nie sah Dutenhofen einen Trauerzug wie heute nachmittag, bei der Beerdigung des verunglückten Rottenführers L. Mül­ler. V:ele Vahnbeamte aus Gießen, unser Gesangverein und fast die ganze Gemeinde bildeten das Trauergefolge. Pfarrer Geibel hielt eine ergreifende Grabrede. Bahn­meister Küppe legte im Namen des Bahupersonals einen Kranz nieder und der Gesangverein, dessen Ehrenmitglied Müller gewesen ist, sang am Grabe ein Lied.

Hesfen-Nasfau.

-^Frankfurt a. M., 31. Jan. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten brachten die Sozial­demokraten die zunehmende Arbeitslosigkeit zur Sprache, Der Aiagistrat erwiderte, daß er, wie in früheren Jahren, bemüht gewesen sei, Arbeitsgelegenheit zu schaffen, und daß gestern mit den Notilandsarbeiten begonnen wurde. Die Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereine beantragten die Einstellling von 25 000 Nkk. in den Haushaltsplan zur Unterstützung Arbeitsloser. Die Sozialdemokraten traten für sofortige An­nahme dieses Antrages ein; er wurde aber schließlich zur Prüfung an den sozialpolitischen Ausschuß verwiesen

r i e § I) e i n: a. M., 31. Jan. Heute morgen gegen 3410 Uhr entstand m dem De stillt er kessel raume des Chemikalien-Werks Griesheim auf bisher un­aufgeklärte Ursache Feuer, das sich schnell über den ganzen Raum verbreitete. Ein den Kessel bedienender Ar­beiter fand dabei den -Lot), währeick) sich ein anderer m>d? rechtzeitig retten konnte, doch erlitt er so schwere Brandt wunde::, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Tas Feuer war nach 3/4 Stunden gelöscht. Der Schaden ist unbedeutend.

Giedeirer Strttstammer.

or k a . )( Gießen, 31. Jan.

2*n oer Sache des Landwirtschaftslehrers in Gießen Hch. Sch. von Erarmeld, den der Pfarrer I. W. im Religionsunterricht aL5. Beqpiel hingeftellt hatte und vom Schöffen­

gericht deshalb wegen Beleidigung zu 20 Mk. Geldstrafe ver- urtcilt worden war, bedauerte der Augeklagte die Aeußerungen und entarte, datz ihm die beleidigende Absicht gefehlt hlwc. D:c Silage wurde zuruckgenommen.

Der 58ürgerme:)ter K. war von Johs. Z. von Ilsdorf wegen Belewigung verklagt. Bei Einreichung der Klage wurde eine t^maßlge Suhnebescheinignng es fehlte darin die Wiedergabe der Aenßerung, weshalb dem Kläger eine Frist zur Nachbolung dev Veriäumlen gesetzt wurde. Der Partei­vertreter sandte dem Angeklagten die Sache zur Erledigung zu, er als Partei feine Amtshandlung vornehmen durfte, die Sache liegen ließ, bis die Frist verstrichen war. Das Schöffen- unzulässig zurück. Infolge Berufung des Klagers hob die Straf rämmec die Entscheidung auf und wie- die «sache in die erste Instanz zurück.

<6crid)tsiaalT

R.B. Darm stadt, 31. Jan. Das Urteil im Prozeß « ee 11 n g er. Bei außerordentlich starkem Aiwrang des Publi- kums trat heute abend Uhr die hiesige Sira [lummer 1 zur -berlunöimg des Urteils im Prozeg gegen bei: Altbürgecmeistev uno Landlagsabg. Seelinger-Lamporthe:m zusammen. Ter An- getlagte war selber nicht erschienen und da Staatsanwalt uud Vecle:diger auf weitere AuSfubrungm verzichiete, verkündigte Land- gerichtLdireltor Dr. Rüster folgendes Urteil: Der 'Jingdingte hat äuoeltauben, daß er den Gebuprentarif fortgesetzt üüerichritten Hal, Merd.ings ist nicht nachgewiesen, daß dies in allen Zolles