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5.9.1910 Erstes Blatt
 
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Nr. 207

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Montag 5. September 1810

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LGO. Jahrgang

monatlich 75 Vs., viertel»

Giehener Anzeiger

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Vie sozialpolitische Entwicklung in Europa.

Die Fürsorge für die wirtschaftlich schwachen Mitglieder der Gesellschaft steht heute in fast allen europäischen Län­dern im Vordergrund des Interesses. Angeregt durch das Beispiel der deutschen Reichsgesetzgebuna, hat es eine Reihe von Staaten unternommen, das soziale Los der aus den täglichen Arbeitsverdienst angewiesenen Bevölkerungs­klassen, die den. Wechselfällen des Lebens, wie Krankheit, Unfälle, Alter und Arbeitslosigkeit meist wehrlos preisge­geben find, im Wege der sozialen Gesetzgebung möglichst zu erleichtern, ohne indes ihr Vorbild in seiner Großzügig­keit auch nur annähernd zu erreichen.

In Deutschland hat man die Notwendigkeit, den Lohn­arbeitern, die infolge der mit Einführung des maschinellen Großbetriebes verknüpften Veränderung der Produktions­und Einkommensverhältnisse großenteils in einer bedrängte Lage geraten sind, staatliche Fürsorge zuzuwenden, schon rühzeitig erkannt, und vor nunmehr nahezu 30 Jahren, )urch die kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881, die oziale Reform eingeleitet, die auch im Auslande ungeteilte Anerkennung fand. Neben der Arbeiters chutzgesetz- gebung, aus der nur die Koalitionsfreiheit der Arbeiter, die Errichtung von Arbeitsnachweisanstalten, die Einführung der Gewerbegerichte, die Vorschriften über den Arbeits­vertrag, die Lohnzahlung, der Maximalarbeitstag, die Sonn­tagsruhe, die Kinderarbeit, sowie die staatliche Aufsicht durch Fabrik- und Gewerbeinspektoren hervorgehoben sein mögen, ist es vor allem die Arbeiter Versicherung, die den volkswirtschaftlich bedeutsamsten Teil unserer neuzeitlichen sozialen Gesetzgebung ausmacht. Die reichsgesetzlich ge­regelte Arbeiterversicherung des deutschen Reiches, die ihren vorläufigen Abschluß voraussichtlich in nicht allzuferner Zeit in einer Witwen- und Waisenversicherung, sowie in der Versicherung gegen unverschuldete Arbeitslosigkeit finden wird, umfaßt zurzeit drei große Gruppen: die Kranken­versicherung, die Unfallversicherung und die Invaliden- und Altersversicherung. Die berufsgenossenschaftlich gestaltete Krankenversicherung erstreckt sich ohne Unterschied der Nationalität auf alle in der Industrie, dem Handel und dem Handwerk, sowie infolge landesgesetzlicher Rege­lung auch auf die in der Land- und Forstwirtschaft dauernd beschäftigten männlichen und weiblichen Arbeiter, ferner auf Betriebsbeamte, Werkmeister usw., sofern ihr Jahresein­kommen 2000 Mk. nicht übersteigt. Die dem Versicherungs- zwange unterliegenden, durch gleichartige Interessen ver­bundenen Versicherunaspflichtigen sind zu aus dem Prinzip der Gegenseitigkeit und Selbstverwaltung beruhenden Orts­krankenkassen, Betriebs-, Bau- und Jnnungskrankenkassen^ sowie Freien Hilfskassen zusammengeschlossen. Die keiner der vorerwähnten Kassen angehörenden versicherunaspflich­tigen Personen unterliegen der einem besonderen Teil der Gemeindeverwaltung bildenden Gemeindetrankenversiche­rung. Die Kosten der Krankenversicherung werden durch Beiträge aufgebracht, welche zu 2/3 von den Versicherten, zu 1/3 von den Arbeitgebern zu tragen sind. Die Kranken­versicherung wird für längstens 26 Wochen gewährt und um­faßt bei der Gemeindetrankenversicherung freie ärztliche Be­handlung, Arzeneien usw. und im Falle der Erwerbsun­fähigkeit vom dritten Tage ab ein Krankengeld in Höhe der Hälfte des ortsüblichen Tagelohns. Die Orts-, Betriebs- und Jnnungskrankenkassen gehen in ihren Leistungen noch weiter und gewähren auch an Wöchnerinnen für mindestens sechs Wochen die gleiche Unterstützung wie für Kranke, sowie im Falle des Todes eines Versicherten ein angemessenes Sterbegeld.

Die Unfallversicherung hat ihre gesetzliche Rege­lung gefunden in dem Gewerbegesetz, dem Bau- und dem Seeunfallversicherungsgesetz, sowie in dem Unsallversiche-- rungsgesetz für Land- und Forstwirtschaft. Sie erstreckt sich auf alle Arbeiter, Werkmeister, Techniker usw. in diesen Betrieben. Durch landesgesetzliche Vorschriften kann sie auch auf selbständige kleinere Betriebsunternehmer, auf Hausgewerbetreibende und auf höher besoldete Betriebs- beamte ausgedehnt werden. Die Kosten der Unfallversiche­rung fallen ausschließlich den Arbeitgebern zur Last, zu welchem Zwecke die Unternehmer zu einzelnen, unter Auf­sicht des Reichsversicherungsamts in Berlin stehenden Be- rnfsgenofsenschaften vereinigt sind. Die Unfallentschädi- gung besteht im Ersah der Heilungskosten, sowie im Falle der Erwerbsunfähigkeit in einer Unfallrente, bezw. in freier Kur und Verpflegung in einer Heilanstalt. Wird durch den Unfall der Too des Versicherten herbeigeführt, so haben die Hinterbliebenen Anspruch auf .Sterbegeld und auf eine Rente.

Die Invalidenversicherung endlich umfaßt vom 16. Lebensjahr an alle männlichen und weiblichen Arbeiter, Gesellen, Lehrlinge, Dienstboten usw., die gegen Lohn be- «sind, ebenso die Betriebsbeamten mit nicht mehr ) Mk. Jahresverdienst. Ferner können Angestellte bis zu 3000 Mk. Jahreseinkommen, sowie kleinere Gewerbe­treibende und Betriebsunternehmer freiwillig als sog. Selbstverficherte an der Versicherung teilnehmen. Die Ver­sicherten erhalten im Falle dauernder Krankheit und Er­werbsunfähigkeit eine Invalidenrente, zu der das Deutsche Reich jährlichje50Mk. bei steuert. Das übrige ist seitens der Versicherten und ihrer Arbeitgeber zu gleichen Teilen durch Beiträge zu decken, .deren Ent­richtung durch Einkleben von Versicherungsmarken in Quit- tungskarten erfolgt. Die Invalidenversicherung enthält aber weiter auch eine Alt e r s v er sor gun g , indem sie allen, das 70. Lebensjahr überschreitenden Versicherten eine Altersrente gewährt.

Welch gewaltigen Umfang die Leistungen auf diesem Gebiete im Deutschen Reich angenommen haben, zeigt die neuerdings abgeschlossene Statistik des Jahres 1908. In diesem Jahre waren gegen Krankheit rund 13 Millionen, oegen Unfall über 26 Millionen und gegen Invalidität etwa

15 Millionen versichert. Die Ausgaben betrugen in diesem Zeitraum für die Krankenversicherung rund 350 Millionen, für die Unfallversicherung rund 183 Millionen und für die Jnvaliditätsversicherung etwa 200 Millianen Mark. In dieser §in)id)t ist das Deutsche Reich den anderen Nationen weit vorausgeeilt und bildet mit seinen vorbildlichen Ein­richtungen einen Gegenstand lebhaften Studiums und Nach­eiferung seitens der anderen europäischen Völker.

Nach einer Zusammenstellung des kaiserlichen stati­stischen Amts kann sich nur Luxemburg mit seiner Ar­beiterversicherung Deutschland ebenbürtig an die Seite stellen, während die Invalidenversicherung daselbst noch nicht zum Abschluß gelangt ist. In den weitaus .ueisten Staaten, wie Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Schwe­den, Dänemark und dem Niederlande beruht die Versicherung der Arbeiterschaft lediglich auf Freiwilligkeit. Eine obliga­torische Krankenversicherung existiert außer in Deutschland nur noch in Oesterreich-Ungarn, Herwegen und Luxemburg, Frankreich hat eine Zwangsversicherung nur für Bergleute in Krankheitsfällen.

Was die Unfallversicherung in den europäischen Staaten anlangt, so haben neuen Deutschland nocy Oesterreich- Ungarn, Frankreich, Italien, Norwegen, Dänemark, Finn­land, die Niederlande und Luxemburg eine Zwangsversiche­rung. Daneben besteht noch eine freiwillige Versicherung für die in Gewerbebetrieben Beschäftigten in England, Frankreich, Belgien, Schweden, Dänemark und Spanien.

Die Invaliden- und Altersversicherung, die sich bisher nur auf Deutschland beschränkte, wird demnächst auch in Frankreich zur Einführung gelangen und sich auf alle Lohnarbeiter und Angestellten mit einem Jahresverdienst bis zu 2400 Mk. erstrecken. Die Aufbringung der Beiträge erfolgt ähnlich wie in Deutschland und mit einem Staats­zuschuß für jede Rente. Von den übrigen europäischen Staaten haben noch Oesterreich-Ungarn und Belgien eine Zwangsversicherung für Bergleute,' während in England, Italien und Spanien noch freuvillige, aber verhältnismäßig unbedeutende Versicherungen bestehen.

Das Deutsche Reich ist nach den vorstehend mit geteilten Tatsachen mit seiner sozialen Fürsorge für die Arbeiter allen anderen Kulturvölkern weit voran. Auf die Dauer wird sich aber kein moderner Staat der schwierigen, doch dankenswerten Aufgabe entziehen können, die Exi­stenz feiner werktätigen Bevölkerung durch eine praktische und wirksame Arbeitergesetzgebung sicherzustellen.

Die türkisch-griechische kirisis.

Der Korrespondent desDaily Telegraph" bezeichnet die türkisch-griechischen Beziehungen noch immer als sehr ernst. Er sagt, daß freilich eine gewisse Ruhe in den politischen Kreisen der türkischen Hauptstadt herrsche, daß aber die Preßkampagne in derselben wilden Weise gegen Griechenland fortgesetzt werde. Die Antwort, die Italien und Rußland auf die letzte türkische Note sandten, werde in einer sehr unfreundlichen Weise be­sprochen. In diesen Antworten heiße es nämlich ganz einfach, daß M. Venizelos ebenso wie Panayvrhi griechische Untertanen seien, und daß daher eigentlich kein Grund vor­handen sei, toarum die beiden nicht in der griechischen Nationalversammlung sitzen sollten. Dagegen versprechen diese Mächte, daß sie dafür sorgen werden, daß die drei in die Nationalversammlung erwählten Kretenser nicht in der Versammlung bleiben könnten. Weiter weist der Korre­spondent darauf hin, daß die Mächte gegenwärtig un­gewöhnlich starke Flottenabteilungen in den Gewässern des nahen Ostens versammeln. Die Pfv-te werde jedoch unter keinen Umständen einen entscheidenden Schritt unternehmen, solange der Großwesier nicht zurückgekehrt sei.

Athen, 3. Sept. Venizelos hat sich geweigert, Ver-, treter der hiesigen und auswärtigen Presse zu empfangen. Er beabsichtigt, morgen oder übermorgen feine Angelegen-, heiten in Kreta zu ordnen und dann nach Athen zurück-' zukehren.

Konstantinopel, 4. Sept.Jkdam" erführt, daß der Pforte ernste Zusicherungen bezüglich der Wahrung der Souveränitätsrechte der Türkei in der Kretafrage gegeben worden sind und daß somit die Gefahr eines Abbruchs der türkisch-griechischen Beziehun­gen geschwunden ist und daß die Pforte nunmehr die Er­eignisse in Athen ruhig verfolgen kann. Die Regierung hat, wie die Blätter melden, eingewilligt, daß die bei der ottomanischen Bank verwahrten Juwelen des Abdul Hamid im Werte von 350 000 Pfund für die Ausgestaltung der Flotte verwendet werden. Das Ministerium des Aeußern soll bei den türkischen Gesandtschaften angefragt haben, ob gegenwärtig irgendwo disponible Kriegsschiffe vorhanden seien.Turquime" erfährt, das Ministerium verhandle über den Ankauf zweier englischer Panzerschiffe von 14 000 Tonnen. Die beiden von der Türkei gekauften Kriegsschiffe, die jetztHaireddin",Barbarossa" undTur-, gut Reis" heißen, sind im hiesigen Hafen eingetroffen. Mi­nister, Senatoren, Abgeordnete, Offiziere und ein zahlreich-es Publikum waren auf von dem türkischen Flottenverein ge­stellten Sonderdampfern ihnen bis San Stefano, wo ein feierlicher Empfang stattfand, entgegengefahren. Eine große Menschenmenge sand sich zur Begrüßung im Schiffs-, Hafen ein.

Roosevelt über die amerikanische Zlotte.

Herr Roosevelt hat wiederum eine Rede gehalten, die einiges Aufsehen erregen dürfte. Er sprach von der amerikanischen Flotte und dem P a n a m a k a n a l, also ein Thema, das mehr als die anderen gewöhnlich von ihm behandelten die ganze Welt interessiert. Mr. Roose­velt sprach zunächst den Grundsatz aus, daß seiner Meinung nach die Unterhaltung starker Flotten für die Erhaltung des Friedens unbedingt notwendig sei. Es fei lächerlich^

Deutsches Resch.

Berlin, 4. Sept. Die englische Sondergesandtch schäft mit Lord Roberts ist um 8,45 Uhr von Wien hier ein- getroffen; sie wurde vom Generaladjutanten v. Löwenfeld emp­fangen. Auf dem Bahnsteig war eine Ehrenkompagnie der Garde-, füsiliere mit Fahnen und Musik aufgestellt. Die Sondergesandt-, schäft hat sich im Hotel Adlon als Gäste des Kaisers einquartiert.j,

Mittags l.21/2 Uhr empfing der Ka i f er die englische Sonder-, gesellschaft zur Entgegennahme der Notifizierung der Thronbesteigung des Königs Georg von England. Lord Roberts und seine Begleiter wurden vom Hotel nach dem Schlosst durch Galawagen abgeholt. Roberts, geleitet vom Generaladju­tanten und dem kommandierenden General v. Löwenfeld, der zumj Ehrendienst besohlen war, trug die englische Feldmarschallsunisormk mit dem Stabe und dem Band des Schwarzen Adlerordens. Tie Audienz sand in Gegenwart des Staatssekretärs v. Kiderlen-, Wächter und des Einführers des diplomatischen Korps, Vize-, oberzeremoniemneister von dem Knesebeck statt.

Lord Roberts gab um IV2 Uhr im Hotel ein Dej euner, zu dem außer den Herren der Botschaft geladen waren, der Staats­sekretär des Aeußeren, der Generaladjutant des Kaisers, General Löwenfeld, der Gouverneur von Berlin, General v. Kessel und» der Kommandant von Berlin, General v. Boehn. Um 3^2 Uhr unternahm Lord Roberts eine Ausfahrt durch den Tiergarten und die Hauptstraßen Berlins und kehrte um 5 Uhr ins Hotel zurück. Am Abend sand zu Ehren Lord Roberts im königlichen Schloß Tafel statt, zu der geladen waren der Reichskanzler, der Staatssekretär des Aeußeren, Botschafter Graf Wolff-Metter^ nich, der großbritannische Geschäftsträger Graf Salis, der groß­britannische Militärattache, Marineattache u. a. Bei der Tafel saß die Kaiserin zwischen Lord Roberts und dem Reichskanzler^ gegenüber der Kaiser zwischen Admiral Sir Gerard Noel und General Sir I. Hamilton.

Während der F e l d m a n ö v e r vom 7. bis 10. September wird der Kaiser, welcher den 6. Oktober auf dem fürstlich Dohna sch en Schlosse zu Prökelwitz verbringen wird, im fürstlich Dohnaschen Schlosse zu Schlobitten Wohnung nehmen und mit ihm das Hauptquartrier. Die Manöverleitung wird sich in Preu- ßisch-Holland befinden. Die Gäste nehmen in Elbing Wohnung.

Wie dieNordd. Allg. Ztg." hört, wird die Kronprinz z e s s i n ihren Gemahl auf seiner Fahrt nach Ostasien bis nach Ceylon begleiten. Der Kronprinz wird dann die Reise über Indien, Siam, Tschingtau nack Peking und Tokio sortseyen. Für die Rückreise ist der Weg über Sibirien in Aussicht genommen«

meinte er, wenn sich eine Nation gern groß nenne und! nicht bereit fei, auch eine große und wichtige Rolle zu spielen. Die nordamerikanische Nation könne keinen An-, spruch darauf erheben, als eine große Nation angesehen zu werden, wenn sie nicht bereit sei, eine starke Flotte zu unterhalten, sonst könne man im Rate der Völker nichL mitreden, könne die Monroedoktrin nicht aufrecht erhalten^ oder die Vorteile aus dem Panamakanal ziehen, die aus die Union warteten. Die große Fahrt der amerikanischen Flotte sei von der ganzen Welt nicht nur als eine außer-,' ordentliche Leistung angesehen worden, die sehr für die Leistungsfähigkeit Der Flotte spreche, sondern man habe^ auch bald die Ueberzeugung gewonnen, daß diese Reise sehr zur Erhaltung des Friedens und zur Besserung der Beziehungen beigetragen habe. Denn alle Welt habe ge<. sehen, daß die Union nicht nur selbst die Erhaltung des«.' Friedens wünschte, sondern daß sie auch stark genug sei, einen Friedensbruch zu bestrafen. Keine Flotte irgend einer1 anderen Macht habe jemals eine solche Fahrt unternommen, und glücklich durchgeführt. Der Erfolg derselben habe das Ansehen der amerikanischen Flotte und damit der amerii kanischen Nation überhaupt sehr gehoben und den inter4 nationalen Frieden sehr gesichert.

Ausland.

Offiziös wird aus Paris gemeldet, daß der Minister­präsident und der Minister des Aeußern, P i ch 0 n , in ihrer Unterredung mit dem Großwesir Hakki Pascha die Bedin­gungen mitteilten, unter welchen die türkische Anleihe zur amt­lichen Notierung an der Pariser Börse zugelassen werden könnte. Wie verlautet, ist ein Einvernehmen über diese Frage bisher nicht erzielt worden.

Der Erzbischof.von Bordeaux, Kardinal Andrieu, der als ein eifriger Anhänger der monarchistischen Partei gilt, hat an den Kardinal-Staatssekretär M e r r y del Val ein in den wärmsten Worten abgefaßtes D a n k t e l e g r a in m für das gegen den Sillon gerichtete Schreiben des Papstes gerietet.

Präsident Falliöres ist nach Savoyen abqereist, um an der Feier zur Erinnerung an die vor 50 Jahren erfolgte An­nexion Savoyens teilzunehmen. In seiner Begleitung be- sinden sich der Kriegsminister und der Handelsministcr.

In Petersburg wurde eine Anarchistenbande ausgehoben. Zwölf Verschwörer fielen der Polizei in die Hände. Außerdem! wurde ein großes Lager von Explosivstoffen, Waffen und Karten­material gefunden.

Im spanischen Ministerrat teilte der Minister des' Aeußern Car ei a Pr iet o den Wortlaut der vor einigen Tagen vorn Vatikan eingegangenen Note mit. Der Minister­präsident setzte auseinander, welche Haltung das Kabinett im1 Einklang mit dem Programm und den Richtlinien, die er be­reits dargelegt habe, einnehmen müsse. Im Ministerrat sprach. Canalejas sein Vertrauen aus.

Wie aus Lissabon gemeldet wird, beträgt nach Aimullierung einiger Wahlen die Majorität der ministeriellen De­putierten etwa 30 Mandate.

Wie die Blätter melden, steht ein Besuch des m 0 n t e n e g r ii Nischen Kronprinzen in Konstantinopel bevor.

DerAgenzia Stefani" »vird aus Addis Abeba gemeldet: Ter M e n e l i k erlitt gestern wieder einen Schlaganfall- ein Zustand ist sehr ernst.

Nach einer Depesche aus Manila ist Simeon, der in dey Provinz Nueva Vizcaya einen Aufruhr angestiftet bat, von der Bevölkerung ergriffen und Iden Behörden übergeben Ziwrden. Eine Anzahl seiner Anhänger wurde verhaftet. Die Revolutiont ist auf diese Weise erstickt.

Das Zarenpaar in Zriedberg.

rb. Friedberg, 5. Sept.

Ueber den Aufenthalt der Zaren famiHe auf Schloß Friedberg wird uns geschrieben: Die erste Woche des Besuchs der russischen Kaiserf^mllie ist vorüber und man hört überall der Fpepche. und. GerruLtuung darüber