Ausgabe 
4.10.1910 Erstes Blatt
 
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sieben Anarchisten zum

arbeit und Verbannung von verschiedener Dauer.

ata

D

Weizen 10U Wg. 21.0U-21. Mk. Roggen 100 Kg. 15.50-15.75 Mk.

In I etaterinodar verurteilte das Kriegsbericht i Tode und 37 zu Zwangs-

Weißbrol 2 itg. 62 P,g.

Schwarzbrot 2 Kg. 64 Pfg.

Tie Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 3. Oktober 1910.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen.

Verlaus der Witterung seit gestern früh: Der Randwirbel über dem Kanal ist ostwärts über Deutschland nach Rußland ge­zogen. Er brachte in der Nacht nur noch vereinzelt irp Gebiet etwas Regen, heute vormittag auf seiner Rückseite kühlere West­winde und leichte Aufheiterung. Wenn auch heute über Frank-- reich em Hochdruckgebiet lagert, so rückt von Island her doch wieder eine neue Zyklone an, von Regen und starken Südwesi- wmden begleitet.

Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch dem 6. Oft 1910: Zunehmende Bewölkung und Regen, kühl, windig.

Markte.

fc. Frankfurt a. M., 4. Okt. Heu- und Strohmarkt. Angesahren waren 5 Wagen Heu und 5 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 3,303,40 Mk., Stroh (Kornlangstroh) 2,40 bis 0,00 Mk., Wirrstroh 0,00- 0,00 Mk. Alles per 50 Kilo. Geschäft gut. Die Zufuhren waren aus Oberhessen, der Wetterau und dem Kreise Dieburg.

Frankfurt a. M., 4. Okt. Obstmarkt. Angefahren waren 50 Wagen Kelterobst. Für das Malter wurden 8 Alk. erzielt. Geschäft langsam.

Aunst und Wissenschaft.

Eine prähi st arische Grotte entdeckt. Im fran­zösischen Marne-Departement, in der Nähe von Villevenatd, ist es einem Lehrer geglückt, eine bedeutsame Entdeckung zu machen, die wertvolles neues Material zur Erforschung der Stein­zeit bietet. Es handelt sich um eine Grotte, die Dior Jahr­tausenden dem Menschen der Steinzeit als Unterschlupf diante. Die Höhle besteht aus einer Art Vorgiotte, die eine rechteckige Form zeigt und in eine zweite, dahinter liegende, runde Grolle führt. Hier wurde eine Anzahl von Gerippen auf dem Erdboden vor­gefunden. Tie Mauern der Höhle zeigen noch die Spuren der Kohlenzeichnungen, die sie einst schmückten. Es kft bisher noch nicht gelungen, den Sinn dieser Kohlenstriche zu enträtseln; es handelt sich um senkrechte Striche von verschiedener Gicöße, dre durch aiidere wagerechte Striche durchkreuzt sind. Die reelleren Forschungen werden ergeben, ob es sich dabei um die Ueberreste einer Bilderschrift handelt oder um einfache Zeichen, die vielleicht an die in der Höhle bestatteten Toten erinnern sollten.

Kunsterziehung in Newyork. Ein bedeutsamer Versuch, das Evangelium der Kunst unter den Newyorkor Schul­kindern zu verbreiten, wird von dem Direktor des Metropolitan Art Museums, Edward Robinson, unternommen. Tert ganzen Winter hindurch sollen mit den Kindern aller öffentlichen Schulen monatliche Atuseumsgänge unternommen werden. Die einzelnen Klaffen werden von den Direktoren und Custoden des Museums von Raum zu Raum geleitet und über die technische Herstellung und den ästhetischen Wert der Kunstwerke unterrichtet. ,»Ich be­trachte dies als eine der wichtigsten erzieherischen Unternehmungen, die von dem Museum bisher ausgegangen sind/ sagte Robinson. Tiese Mnseumsgänge, methodisch durchgeführt, werden einpm jeden Schulkind ein Verständnis für die wichtigsten Gegenstände der Kunst vermitteln/

Kurz«NachrichtenausKunstn.Wissen'schaft. Seinen 70. Geburtstag feiert am 6. Oktvber der orl>en1liche Professor der alten Geschichte an der Universität Kie«l, Geh. Regierungsrat Dr. Christian Volguardsen. Jli Tor- rasif bei P e r i g u e u x, wo bereits im vorigen Jojhre das

Für den Kampf des liebens!

Freudenstadt, 13. Avril 1910. Ich teile Ihnen gerne mit, daß ich mit Ihrem Bioson sehr zufrieden bin. Ich wandte dasselbe als Kräftigungs' mittel nach zwei sehr schweren Krankheiten an, verbrauchte innerhalb 4 'Monaten 11 Pakete, jeden Tag nahm ich 4 Taffen zu mir. Schon nach dem 2. Paket war der Erfolg überraschend. Mein Aussehen besserte sich und mein Körpergewicht nahm um 4 Pfund zu. Ueberhauvt hat sich das Wohlbefinden gehoben. Vorher war ich immer müde und schläfrig, jetzt hat sich Energie und Straft gehoben, welche allein den Kampf des Lebens erträglich machen. Das Lioiongetränk habe ich mit etwas Kakao, zirka Bioson u. V, Kakao, zubereitet, so es mir ausgezeichnet schmeckte. Ich kann Ihnen nicht genug danken für Ihr Bioson. Ich werde mich bemühen, dasselbe in Verwandten- und Bekanntenkreisen aufs Wärmste zu empfehlen. Der Preis ist gegenüber anderen Prä­paraten mäßig zu nennen. Hochachtungsvoll! Frau Dorethea Bäßler, Friednchstr. 38. Unterschrift beglaubigt: Bertram, Notar. Bioson ist das beste und billigste Kräftigungsmittel. Paket 3 Alk. in Apotheken, Drogerien. Verlangen Sie von dem Bioson- werk Frankfurt a. M. eine GratiSvrobe und die Broschüren, ch*♦/«

Fahren Vereinsgelder. Die Höhe 'der veruntreuten Summe siebt noch nicht fest. Am 18. Oktober findet eine außerordentliche M.^IgUederveriammlung deS Vereins statt. Bartenhauser ist augen­blicklich schwer tränt _ _.,

Durch die in Konkurs geratene Baustrma W i l H.Lie se g a n g in Strausberg ist die bortigd Spar- und Darlehns-- kasse in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Sie hofft indessen -ihren Verpflichtungen noch Nachkommen! zu können. Wegen Verdacht von Wechselfälschmtgen wurde der Inhaber der genannten Bausirma verhaftet.

In Zabrze erstach auf offener Straße der Invalide Passef aus Eifersucht seine Haushalter|in und dann sich selbst. _

Der Fabrikbesitzer Kars e r in Vrersen hat aus An­laß seiner Ernennung zum Kommerzienrat für seine Arbeiter und Angestellten 100 000 Mk. gestiftet, außerdem zum Bau einer Fe st Halle 150 000 Mri und für andere gemeinnützige Zwecke 30000 Mk.

Der englische Vizekonsul Oliver wurde, im Ham­burger Hafen, als er mit einem Neger wegen der Höhe der Heuer Aus einander setzun gen hatte, von diesem mit einem Holz­hammer überfallen; er büßte dabei mehrere Zähne ein und erlitt Wunden im Gesicht; der Täter wurde verhaftet.

Die Rächerin ihrer Ehre. In Avelino wurde ein Maurer namens N a r d e 11 i durch fünf Revolverschüsse von einem jungen Manne getötet. Der junge Mann wurde verhas- hastet. Das Erstaunen der Polizei war groß, als sich der ver­meintliche junge Mann als ein Mädchen« entpuppte, das einer angesehenen Familie der Stadt angehört. In dein Verlor gab es an, daß ihm von dem Maurer, als er in ihrem Ellternhause arbeitete, Gewalt angetan worden sei.

In Lyon stießen am Sonntag abend zwei Straßen- bahnzügeder nach Veuville führenden Linie zusammen. 25 Personen wurden verwundet, darunter mehrere lebens­gefährlich. Drei Wagen wurden vollständig zertrümmiwt.

erregten Wellen. Die dunkle Nacht und die bewegte See er­schwerten die Rettungsversuche. Ein junger Seeoffizier rettetet zehn Mann; ein Matrose rettete vier Murn, verlor dann aber hie Kräfte und ertrank.

* Unter schwerem Verdacht. In Nizza wurde der Abb6 Espert, Pfarrer der Ortschaft Tegomas ver- ha stet, deren Bevölkerung feit vier Jähren durch zahlreiche lieh erfülle einer Räuberb ande in Angst und Schrecken ver­hetzt wurde. Der Pfarrer steht unter dem Verdachte, der Führer chieser Bande zu fein. Bei seinem Verhör vor dem Unter- echungsrichter Grasser- wies Abb6 Espert die gegen ihn hobenen Beschuldigungen mit der größten Entschiedenheit zurück.

*30000Markvertrunken. Ein Verfahren wegen Prunksucht schwebt zurzeit gegen die Witwe L. in Halber­stadt vor dem dortigen Amtsgericht. Tie Trunksüchtige, die ganz allein in einem Stübchen haust, hat es fertig ge­bracht, im Verlaufe von mehreren Jahren ein Vermögen von 30 000 Mark in Alkohol umzusetzen, und zwar hat sie das Leib und Seele zerrüttende Gift regelmäßig in Form pon Hosfmannstropsen zu sich genommen. Da es aussichts­los erscheint, die Frau von ihrer krankhaften Neigung ab- Mrbringen, wird ^etzt ihre Unterbringung in einer Trinker- Nettungsanstall in Erwägung gezogen.

Der gefoppte Kunstsammler. Ein lustiges tAbenteuer ist demFigaro" zufolge einem bekannten Pariser sKunstsammler widerfahren, dessen Spezialität darin besteht, Iden Museen und Privatsammlungen Italiens verborgene eisterwerke zu entdecken und für ein Spottgeld zu er- rrben. Sein jüngster Triumph war ein Raphael, den er tent naiven Trödler in einer kleinen Stadt der Lom- rdei abschwatzte. Die große Schwierigkeit bestand darin, e das Kunstwerk über dte Grenze gebracht werden konnte, das italienische Gesetz bekanntlich sehr strenge Vorschriften m Schutze der einheimischen Kunstschätze enthält. Allein konnte bald Abhilfe geschafft werden, da man nur den fRaphael j-ti ein prunkvolles Porträt des Königs Viktor kEmanuel umzugestalten brauchte, das dann in Paris von geschickten Spezialisten entfernt werden sollte. Das ge­schah, der Spezialist machte sich an die Arbeit und .... ^entdeckte unter dem Raphael ein sehr mittelmäßiges Por­trät Garibaldis.

Kleine TageSchronik.

Bei Niederbreisig wurde ein Automobil in voller Fahrt (steuerlos und raste über den Graben der Landstraße quer mb er die Felder und gegen die Mauer des Reichswaisen- chauses. Die Insassen des Autos, zwei Damen und zwei Herren, Svurdeu herausgeschleudert. Die Damen und ein Herr erlitten (leichtere Verletzungen, der andere Herr flog gegen eine Wand, .wobei er schwere Kopfverletzungen erlitt

In Dortmund ernannte die Stadtverordnetenver- fammlung den Oberbürgermeister Schmieding, der am 11. April 1911 in den Ruhestand treten wird, zum Ehren­bürger. Es wurde beschlossen, einer Straße seinen Namen zu geben.

In Schkeuditz wurde am gestrigen DLontag die von der Knappschastsberufsgenossenschaft errichtete Veilanstalt in Gegenwart der Behörden eingeweiht Die Anstalt erhielt den NamenBergmannswohl".

| Ter Bezirksamtssetretär Keller, der, wie wir gestern mel­deten, 15000 Mark amtliche Gelder unterschlagen hatte, pmd flüchtig gegangen war, wurde heute früh am Srlzfelder Graben erschossen aufgefunden.

In Rixdorf wurde ein Arbeiter von drei Straßendimen, deren Begleitung er ablehnte, ju Boden geworfen, mißhandelt Sind ausgeraubt

j In Kettenis stieß ein Automobil aus Aachen mit einem Lastfuhrwerk zusammen. Fünf Personen wurden verwundet, Leide Wagen zertrümmert

I In einem Gasthause in Pforzheim wurde eine Hausiere­rin ermordet aufgefunden. .Ten Tätern ist man auf der lSpur.

In München unterschlug der Kassierer des katholischen ^Degräbnisvereins Buchhändler Barten Haus er seit mehreren

Griginal-Vrahtmeldunsen.

Stuttgart, 4. Okt In Cannstatt ist der frühere nationalliberale Reichstagsübgeordnete Reichsgerichtsrat a. D. v. Lenz im Alter von 76 Jahren gestorben.

Skelett eines N e anderMenschen gefangen wncke, tomÄ ein neues, vorzüglich erhaltenes Skelett das ebenfalls Merkmal« der Neanderraffe aufwnst, gefunden. Professor Begas tu Berlin ist erkrankt, befindet sich aber, wie die Aerzte hofftm,! außer Lebensgefahr. DerReichsanzeiaer"" veröffentlicht einen allerhöchsten Erlaß, betreffend die Verleihung des Promo- tionsrechts an die Tierärztlichen Hochschulen., Der Administrator der Commoedie Fron^aise in Paris, Jules B l a r t i e, der feit 25 Jahren an der Spitze dieses Theaters? steht, will demnächst von diesem Posten zurücktreten und die Thea tertrit i k bei einem Pariser Morgenblatt übernehmen.

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Todes-Anzeige.

Heute vormittag 101/, Uhr entschlief sanft nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden im Alter von 28 Jahren meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schwester und Schwägerin

Frau Louise Jung geb. Maller,

was wir allen Verwandten und Bekannten tief betrübt mitteilen.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Friedrich Jung.

Klein-Linden, den 3. Oktober 1910.

Die Beerdigung findet Mittwoch, 5. Oktober, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Frankfurter Strasse 92, aus statt. 5492

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