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Rotatwnsdruck und Verlag der Br üblichen UnwersuatZ - Buch- und ©tembrutfcrel R. Lange, Gießen.
Die ^Stetzener Zamilienblätter" werden dem .äln^eiflcr* viermal wöchentlich öergelegt, das „Hreisblatt Mr den Kreis Sirhen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Sett- fiagen" erscheinen monatlich trocimaL
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraBe 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:S^112. Tel.-AbruAnzeigerGießen.
Nr. 99 Zweites Blatt 160. Jahrgang Freitag 29. April 1910
------Gießener Anzeiger
Genera!-Anzeiger für Gderheffen
W-rttnburg vor. nach bem für Abänderungen dies« ®eteW4 in « !»r°n gcarb-w-., -,ne ,enen
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30 000 Einwohnern zwei ----------------------
meinten einen weiteren Drittelungsbezirk auf jede angesangeneii
ich, um noch einmal den einen Punkt hervvrzuheben, der in den letzten Togen zu einem Kernpunkt geworden ist — darum habe ich bezüglich der Bildung der TrittclungSbezirke diejentgenG ren linicn in der Kommission bczeickpict, deren Innehaltung für die Staatsregierung mit dem Schicksal des Gesetzentwurfs untrennbar verbunden ist.
Die Königlich.' Staatsregierung hat dann mit Ihrer Korn Mission daran gearbeitet, eine jenen Forderungen entsprech nd
Schorlemer ist für uns das Gesetz unannehmbar. Ter Antrag 3d!or(enter ist auch das einzig wirksame Mittel, um dem Ansturm unserer nationalen und sozialen Gegner die Spitze zu bieten. Gegen den Ansturm der Polen und Sozialdemokraten bildet die Vergrößerung der Drittelungsbezirkc die einzig wirkliche Handhabe.
v. Burgsdorfs: Dieses Haus stellt gewissermaßen den
Fortentwicklung des Wahlrechts erhebt die neue Einteilung ter Wahlkreise mit gebieterischer Stimme zu einer Forderung der Gerechtigkeit. (Beifall.)
Graf Oppersdorfs: Es handelt sich nicht um eine 'Oberhausfrage, nicht um die Einführung neuer Gedanken, nicht um die Lösung von Schwierigkeiten aus anderem Gebiete, um nur den Namen Wahlpflicht zu nennen, sondern wir halten uns an die drei Themata: Drittelung, Kulturträger und die vom Grasen
iwmmcn. .
Für die Vollversammlung liegt ein Antrag Graf Bork v.
______ ____ Hluji luuiugci ui» i «tu uuu »in-yi. wv« . wahnem Weiter hat der Herrcnhausausschuß ganz allgemein di. Zulassung der Tcrminswahl beschlossen. Die Maximierung soll bereits bei 6000 Mk. und bei Gemeinden unter 20 000 Einwohnern bei 3000 Mk. beginnen. Ferner hat der Ausschuß die beiden Kulturträgerparagraphen in modifizierter Form ange-
_____ ,_____ ___________ ... Pork vorgeschlagene Zweidrittelmajorität. Eine politische Ent- Wir sollen Zugeständnisse an die1 spannung wäre sehr ersreulich. Angesichts des Antrags Schor-
finten. Und wenn Sie geneigt sein sollten, meine Herren, das anzuerkennen, dann halbe ick) mid) für berechtigt, an Sie die Bitte, die bringende Bitte zu richten, diesem Anträge bei- zu treten und temit den Kommissio nsbes cktlüs len und der Vorlage selbst in einem wesentlichen Punkte eine auch für die Staals- regierung annehmbare Fassung zu geben.
Die U)ai>ireü)t$Dorlage im preuhischen Herrenhaus.
:: Berlin, 28. 2lpril.
7. Sitzung, Donnerstag, 28. April.
Am Ministertisch: v. Bethmann-Hollweg, v. Moltke, v. Fal- kcnhayn, Wahnschasse. .
Die Tribünen sind überfüllt, das Haus ist stark beietzt.
Präsident Frhr. v. Manteuffel eröffnet die Sitzung 1 Uhr 15 Minuten.
Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung der Wahlrechtsvorlage.
Dann komme id} zum Schlüsse von einem einzigen Punkt-, auf das Ganze zurück. Für das Ganze wird die Stellung wesentlich entscheidend sein, welche Sie zu dem gleichfalls heute eingebrachten Antrag Hillebrand bezüglich/ der geheimen Wahl einnehmen. Ich will nicht alles im einzelnen wiederholen, lua» ich in dieser Beziehung bei ter ersten Besprechung in diesem Hohen Hause gejagt habe. Die Annahme ter von dem Mgeord- ueteuhausc beschlossenen geheimen indirekten Wahlen bildete für das Abgeordnetenhaus und dann aud) für die Staatöregierung die Grundlage, auf der es ermöglicht werden kann, die eingelötete Aktion nicht fruchtlos verlaufen *u lassen, nicht zu einem negativen Ergebnis zu kommen.
Ich tarnt nur wieder holen und darf das auf das Ernsthaft ste betonen, daß die Königlich-.' Staatsregierung in einem solchen negativen Ergebnis eine schwere Schädigung der Interessen tes Landes erblicken würde. Auch in dieser Frage ist für mich die einzige Nickst sch nur meines Handelns das Bewußtsein der Verantwortlichkeit für eine Verfassungsänderung, die auf ter einen Seite als ein Nichts mißachtest, auf ter anderen als ein Zuviel mit ernsten Besorgnissen begleitet wird. Nur nüchterne real- politische Sachlichkeit, verbunden mit persönlicher Ueberzeugung, kann dieser Verantwortung gerecht werden, und von beiden kann ich nichts preisgeben. (Beifall.)
Fürst Salm-Horstmar: Was die Drittelung anlangt, so wäre mir die Gemeindedrittelung am liebsten, unter ter Preußen die längste Zeit gewählt hat. Aber auch hier wollen wir nady- geben und an den Kommissionsbeschlüssen möglichst wenig rütteln.
Fürst Lichnowski: Wir stellen uns auf den Boden ter Vorlage, um nicht die Verantwortung für ihr Scheitern zu übernehmen. Wir halten fest an der Dreiklassenwahl, obwohl wir die Bedenken nicht verkennen, die gegen die Fixierung politischer Rechte nach einem rein materiellen Maßstab sprechen. Wir wissen auch, daß diese Dreiklassenwahl sich in einem Gegensatz befindet zu dem sozialpolitischen .Empfinden unserer Zeit. Aber es fehlt uns eben ein anderer Maßstab Ohne die Annahme des Antrages
20 000 Einwohner.
Berichterstatter für die Vollversammlung ist Graf. v. Behr- B e h r e n h o s s. Er teilt mü, das; er im Ausschuß zur Minderheit gehört und gegen das Gesetz gestimmt hat. Gleichwohl sei ihm die Berichterstattung übertragen worden. Er gibt dann eine historische Darstellung ter Wahlrechtsfrage von der Thronrede 1908 bis zur Schlußabsttmmung in dem Herrenhausausschuß.
Ministerpräsident v. Bethmann-Hollweg:
Die Regierung sagt Ihnen Dank für die Bereitwilligkeit, mit ocr Ihre Kommission daran gearbeitet hat, ter Vorlage eine Gestalt zu geben, welche auf die Erreichung eines positiven Ergebnisses hinzielt. Ich bin mir dessen voll bewußt, daß für viele von Ihnen diese Arbeit mit Kämpfen und lieber Beugungen verknüpft H Ebenso ist es im Abgeorbnctenhau.se gewesen, denn aud) dort ist den Mehrheitsparteien die Fassung ter an das Herrenhaus herubergeleiteten Beschlüsse nur möglich, und, wie ich dankbar and erkenne, von dem Bestreben getragen gewesen, die Vorlage nicht von vornherein an dem Zwiespalt der Meinmigen scheitern zu) lassen. Aber in derselben Lage hat sich schließlich auch die Regierung selber befunden. Ich habe darüber bei ter ersten Beratung in diesem Hause gesprochen und will heute nicht darauf zurück- tommen. Um so mehr überraschst es mich, wenn außerhalb dieses Hauses ter Ansicht Ausdruck gegeben wird, als werte die Haltung !■ t Regierung beeinflußt von bcr größeren oder geringeren Vor- liebe für eine Partei, als ob ich, um das Kind beim Namen zu nennen, das Zentrum ausschalten wolle, um die Mittelparteiew -ür die Vorlage zu gewinnen. Das liegt mir fern. Ich 1 rauche gegen diese Anschauung nicht mit Worten zu kämpfen, idi habe cs mit der Tat getan, ich habe den bündigen Gegenbeweis geliefert, intern ich die Beschlüsse tes Abgeordnetenhauses als einen gangbaren Boten bezeichnet habe. Gewiß habe ich nachher m Ihrer Kommission einzelne Anträge, wie den bezüglich ter Verfassungsänderung, andere Anträge, mieten bezüglich ter Drit- telungsbezirke, schon damals als ungenügend erklären müssen, aber |o liegt die Sache doch nicht, daß die Bekundung einer eigenen Ueberzeugung und das Festhalten an ihr als eine parteipolitische Abne gung auszulegcn wäre, oder daß die Maxime, welche die P ol i t i i als die Kun ft des Erreichbaren bezeichnet, iür die Staci-, regicrung die Konsequenz in sich schließe, in deck Politik des 'Jiadigebend feine Aenderung mehr zu treffen. I ch halt? von der Politik des Ausschaltens einer Partei nichts, unb ich glaube, in meiner ganzen amtlichen Tätigkeit, nicht nur bei dieser Gelegenheit, den Beweis gelieserl zu haben, das, t.V, mit allen Parteien sachlich zusammen zu arbeiten pflege und gern sack lickt zusammen arbeite. Aber man verlange von mir nickst eine Politik, in ter ich mich selbst, in der ich die Staatsregierung auSschalte. (Beifall.) Ein großer Teil von Ihnen bat ja in bcr Kommission für notwendig bezeichnet, Ver-
Demokratie machen, weil andere Staaten es auch gemacht haben. Ich meine: was untere Staaten tun, lann uns vollständig gleick?gültig sein. (Lebhafter Beifall.) 'Brennen war noch immer Manns genug, seine Wege selbst zu Tinten. (Sete r , Ich vermag mir eine organische Weiterentwicklung des Wahl r echrs nur zu denken auf wohlbewährter Öninblage, und diese ftt gegeben in ter öffentlichen Wahl, wie wir sie seit 60 Jahren baten.
rciicH. Das Odium und die Schuld tes Hanfes wäre nach meiner Ansicht sehr groß, wenn das Haus schwiege,^anstatt zu Dreiten und damit die Mitschuld trüge an einem schritt, ter vrgab sühn in Preußen. Das wollen wir vermeiden, fo lange cd) ein preußisches Herz in unserer Brust schlägt. (Lebh. Hante- latschen und stürmische Beifallsrufe.)
Frhr. v. Landsberg-Steinfurt: Ich bin mit ter icgicrung auch der Meinung, daß das Stteitern des Gefetzes och einen recht unangenehmen Eindruck im ganzen Laute matten unb wesentlich zum stdutzcn ter Sozialdemokratie ausfällen würde, nbercrseits gebe ich mich nicht der Hoffnung hin, daß durch ein '.uftandekommen Beruhigung im Lande eintretcu würde, Durch . öffentliche Wahl würde das Gesetz im unteren Hause fchntern. .'lus diesem Grunde müssen wir auch für die geheime Wahl sein.
Inzwischen ist der Antrag Hillebrand auf Einsüh- ung ter öffentlichen Wahl eingegangen, ferner eine Ent- ckiließung Wallraf auf Vorlegung eines Gesetzes zwecks Vermehrung ter Zahl ter Abgeordneten nach Maßgabe der veränderten virtschafilichcn und Bevölkerungsverlfältnisfc, ein Antrag von £r. Reinke auf Einführung der direkten und geheimen Wahl und ein Antrag Becker, nach dem die zwcfte Abteilung nicht weniger Wähler zählen darf als die erste und die dritte nicht weniger als die zwette. , w
Oberbürgermeister Kirschner- Berlin: Herr von Burgsdorff nimmt ja eine sehr interessante ritterliche Stellung ein. Al>er ich muß ihn daran erinnern, daß man auch schon gegen Windmühlen gekämpft hat. Ich glaube, seine Weltanschauung reicht nicht bloß bis 1848 zurück, sondern noch weit über das Jahr 1848 hinaus. iHeiterkeit.) Die liberale Partei hat doch in ihrer Geschichte Tacsachen zu verzeichnen, die nicht ausgelöscht teerten können und btnen gegenüber ein großes Nichtwissen Vorhäuten sein muß, wenn sie übersehen tuerten. (Sehr richtig!) Wenn Sie das Gesetz in ter vorliegenden Form annehmen, so ist das ein negatives Ergebnis in der schärfsten Form. Mit diesem Gesetz werden Sie feinen Frieden schäften. Im Gegenteil. Es wird der Ausgangspunkt neuer Kämpfe sein. Ich lehne mit meinen Freunden das Gesetz ab, weil wir nickst dabei mittoirtert wollen, daß dem Volke statt Brot Steine gegeben werten. Wir müssen auf bessere Zeiten warten. Sie werten kommen, uw- aufhaltsam. Sie selbst arbeiten ja daran, daß sie kommen.
Oberbürgermeister W a l l r a s - Köln: An der Frage der Wahlkreiseinteilung dürfen wir nicht vorüber gehen, obgleich sie vielfach als ein noli mc tangere angesehen wird. Das Herrenhaus aber, dessen Mitglieder von der Ungunst der Parteien nicht betroffen werden, ist am besten geeignet, diese Frage zu behau- delu. Die heutige Wahlkreiseinteilung wird den wirtschaftlichen und politischen Interessen nicht gerecht. Würden wir au dem alten Maßstab festhalten, daß auf 50 000 Einwohner ein Abgeordneter kommt, so würden wir 300 Abgeordnete mehr erhalten, das wollen wir nicht. Die Ungleichheiten in den Wahlkreisen sind aber allmählich gar zu groß geworden; wir haben Wahlkreise, die in ihrer Einwohnerzahl von 30 000 bis zu 323 000 schwanken. Der Einwurf, man, dürfe nicht ändern, weil die Wahlkreiseinteilung etwas historisch Gegebenes sei, ist nicht stichhaltig. Preußen hat den Charakter als reiner Agrar- ftaat verloren. Wir haben Provinzen, die sich heute kühn zu den bedeutendsten Jndustriebezirken der Welt zählen dürfen. Ich verlange nickst, daß die Zahl der Abgeordneten beständig nach der Zahl der Bevölkerung wechsele, ich bin durchaus der Meinung, daß das historisch Gewordene zu seinem Recht komme, aber gerate fo wie die Landwirtschaft mit Stolz daraus Hinweis!, was sie für die Landesverteidigung getan habe, so darf mau auch nicht vergessen, wie die Industrie zur Ernährung und Bewaffnung des Volkes beigetragen hat. Die organische
faisuugsänterungeu an inchwerende ^xiummungeii zu inupfen, damit die Regierung nickst eines Tages Anträgen auf temo-- kratischc Abänderung des Wahlrechts gegenüber sich nachgiebig zeige. Nun, m. H., in eine solche Nachgiebigkeit verfällt eine Regierung, welche die Wahrung der eigenen Autorität nicht mehr achtel. (Beifall.) Und so lange ick: die Ehre baten werte, an dieser Stelle zu stehen, werde ich in dieser Beziehung nicht imit einem schlechten B spiel vorangcheu. i.SetialL - Wenn ich in ter Kommission die Grenzlinien bezeichnet habe, bis zu denen die iStaats regierung den abgeäuterten Beschlüssen folgen lann, >o ist d-a gediehen, weil Verfassungsänderungen von bcr Bedeutung uni dem Ernste der vorliegenden nidst getragen werten können voi „SS.I, sondern weil sie vertreten werde müssen von ter freien Ueberzeugung, aud> der Staatsregierunp DC, Weil die Staatsregierung so,denkt und weil sie daran Pest cy„ zuhallen entschlossen ist, weil es für sie staatliche Pflicht 'ist, ter
An den Beschlüssen tes Abgeordnetenhaufes hat der Herren- •. -
Hausausschuß die Aenderung vorgenommen, baß die Drittelung darteikonstellationcn alleiw nach Stimmbezirken mir dort beibehalten wird, wo dieser , aus m"npM hnn hpr 1 mehreren Gemeinden gebildet wird. Sonst findet Gemeindedrittelung statt in Gemeinden bis zu 5000 Einwohnern. «
presse unb Staatsmann.
Aus Stuttgart berichtet der Hannoversche Courier: Die Presse ward ja in Teutschland von oben her nicht eben verwöhnt, und man nimmt daher um so lieber davmt Kennttiis, wenn ihr einmal etwas Freundliches widerfährt, wie es jetzt in Württemberg geschehen ist. Hier hat der König den Württembergischen Iournalisleu- und Schriftstellerverein anläßlich seiner Iahrcs- versammlung in Stuttgart dadurch geehrt, daß er, wie bereits mitgeteilt, dem Vorsitzenden, Redakteur Heller, das Ritter- lreuz erster Klasse tes Friedrichsordens verlieh unb durch den Minislervräsitenten Dr. v. Weizsäcker der Versammlung, zu ter die Stabt Stuttgart den großen Sitzungssaal tes Rathauses zur Verfügung gebellt hatte, seine besten Wünsche unb Grüße übermitteln ließ. Ter Ministerpräsident, der zugleich im Namen d es württcmbergischen Staatsministeriums sprach, knüpfte daran einige Bemerkungen über die Bedeutung der Presse unb ihr Verhältnis zur Regierung. „Wenn man sich", so sagte er, „die außerordentlich große Verantwortlichkeit des Journalisten gegen- über dem öffentlichen Wohl vergegenwärtigt, wie könnte es da anders fein, als das; man denen, die sich dieser Verantwortung lewußt bie ben, gebührende Aneik.nnung unb Wertschätzung ent gegenbringt? Tas ist vielleicht selbftverstänblich, aber die geehrten Herren werben mir aus ihrer Erfahrung heraus zuge- stehen, daß cs Fälle gibt, wo es notwendig ist, auch das Selbst- verständlicke zu sagen, unb wo es angenehm ist, das Selbstoer- ftänblid ? fegen. Wir find uns auch bewußt, welche außer- oiteittlici e Mühe und Anstrengung die Herstellung der Zeitungen tebingi. dieser Leistungen, die gerade, wenn sie gut sind, einfach und f-elbstverständttch erscheinen. Wir wissen, welche Fülle von Kenntnissen und Talettt, von Fleiß unb Gewissenhaftigkeit erforderlich ist, um in bcr Presse bas zu leisten, was sie leisten will. Ich begrüße es aber ganz besonders, daß uns heute die Gelegenheit gegeben ist, persönlich, unb id) möchte sagen, ohne daß fein Blatt Papier zwischen uns ist, mit Ihnen zusammen- znkoiftineii. Fhr Verein hat sich aber auch ein allgemeinere« und weitestes 2icL gesetzt, auf das literarische unb geistige L ben f. rtemb ein;,ititoirtcn. Wir bürfen sagen, für ein solches Ziel haben wir in Württemberg and? einen Boten, unb ick glaube, durch Fütterung eines) selbständigen, bodenständigen, dem Idealen zugerichteten geistigen Fortschritts im Einzelstaat wird man dem allgemeinen deut sichen Vaterlande den größten Dienst leisten. Ick glaube teniat schließen zu dürfen, daß ick) Ihrem Verein wünfckw, daß er in teilt Streben nad? diesem Ziele Schönes und Großes er- reid)fen möge." Bei tem Festmahl, das ben Verhanblungen folgte,' sprach auch noch bcr Minister des Innern Dr. v. P i s ch c k. Er mihrte aus, daß derjenige, der einen Ministerposten bekleide, tagtäglich ganz besonders Gelegenheit habe, zu erkennen und zu beurteilen, wie wohltättg und nützlich eine gute und ihren
Ausgaben gewachsene Presse wirken könne. Daraus könne man eben, daß die Presse im allgemeinen in der Regierung einen) wahren Freund habe, womit allerdings nicht gesagt sein solle, baß die Männer ber Regierung in ullweg unb unbedingt der Presse — für feine Person sehe er von ter Kritik in ter Presse ab, da ein alter Politiker gegen so etwas allmählich hartschlägig werde — mit Freute gegenüberftänben. Schon bie Lektüre bcr Zeitungen sei, wenn sie berufs- oder gewerbsmäßig betrieben werben müssen, eben auch ein Stück Arbeit, unb hier unb ba ein reckst unangenehmes, so baß man sich auf bie Ferien auch deshalb freue, weil man bann keine Zeitungen zu lesen brauche: aber schon nach einigen Tagen stelle sich bas Verlangen nach den alten lieben Bekannten wieder ein und man greife mit Vergnügen danach. So wisse die Regierung die Arbeit des Journalisten, seine Treue und sein Pflichtgefühl, das ihn oft hinter die Interessen ter Allgemeinheit zurücktreten lasse, sehr wohl zu würdigen und zu schätzen. Ein Journalist, der diesen Ansprüchen genüge habe seinen Beruf nicht verfehlt, fontern einen Beruf ergriffen, in dem er Höheres zu leisten vermöge als bie Träger ander.'v geistiger Berufe. Abends waren bie Teilnehmer an der Jahresversammlung zur Vorstellung im Königl. Hoftheater geladen, nach deren Schluß ter König den Vereinsvorfitzenben in die Loge rufen ließ. Ter König erkundigte sich dabei in Gegenwart ter Königin nach, der Entwicklung des Württembergischen Journalisten- und 'Schriftstellervereins unb nach tem Verlaufe feiner Jahresversammlung.
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Trauerfeier für Björnson. Paris, 28. April. Auf bem Nordbahnhofe fand anläßlich der Ueberführung der Leiche Björnfons eine Trauerfeier statt, der die Familie tes Verstorbenen, sowie zahlreiche Mitglieder ber norwegischen Kolonie mit tem Gesandten Baron Webel-Jarls-- b e r g an der Spitze und der dänische Gesandte beiwohnten. Nach einem Choralvortrag tes skandinavischen Vereins hielt Baron Wedel-Jarlsberg eine Ansprackie, in der er sagte: „Wir sind gekommen, um Björnson bewegt den Zoll unserer Dankbarkeit abzustatten. Sein Andenken wird im Herzen aller Norweger fortleben, die nicht vergessen, daß der Dichter unserer Nationalhymne ist und mit inniger Liebe an seiner norwegischen Heimat hing. Diese Fahne lege ich ehrfurchtsvoll auf feinen Sarg, damit fein Leid, umhüllt von ihren Falten, feinen, letzten Schlaf in feinem Vaterlande tue". Die Versammelten fangen hierauf die norwegische Hymne „Ja di Elsker bette lautet... Die Leiche Djörnsons wird heute abend, begleitet von der Familie des verstorbenen Dichters, über Köln und Hamburg nach Kristiania übergeführt werten.
— Hailey. Es wirb so viel jetzt von dem Halleyschen Kometen gesprochen, aber nur die wenigsten wissen näheres
von dem Manne, dessen Name angenblicklick) zu den meift- genannten gehört. Das merkt man schon daran, daß der Name allgemein französisch ausgesprochen wird, während sein Träger doch ein Engländer war und deshalb sachgemäß ,F?älli" gesprochen werden müßte. Merkwürdigerweise ist Edmund Hailey gar nicht, wie man annehmen sollte, der Entdecker des nach ihm genannten Schweifsternes gewesen, sondern nur der Mann, der im Jahre 1705 Kuerst mathematisch berechnet hat, daß die Kometen von 1531, 1607, 1682 immer ein und derselbe Stern gewesen seien und daß dieser im Jahre 1759 wiedertehren werbe. Da diese Voraussage eintraf, wird der Komet seitdem noch Hailey genannt. Dieser vielfach verdiente Astronom, Mathematiker und Meteorologe kam 1656 unweit London zur Welt und starb hochbetagt 1742 als Direktor der königlichen Sternwarte in Greenwich, bie 1675 von Karl H. begründet worden war. Er tat sich frühzeitig durch eine neue wissenschaftliche Methode der Planetenbestimmung hervor und weilte zu astronomischen Studien lan,qc auf St. .Helena, in Amerika und Afrika. 1703 wurde er Professor in Oxford, 1713 Sekretär der Royal Society in Oxford, 1719 Direktor der Sternwarte in Greenwich. Ihm verdankt man u. a. den Nachweis ber Eigenbewegungen der Fixsterne unb bie Erklärung des Norblichtes als'eines mag- nettschen Phänomens. Halleysche Linien heißen nach ibm bie Kurven gleicher magnetischer Mweichung auf ber Eroe; Halleysche Periobe nennt bie Astronomie einen von ihm festgeftellten Zeitraum für bie Bestimmung von Sonnen- unb Monbfinfternissen.
(Was bie Aussprache bes Namens betrifft, so wirb jeber, ber nicht ber Auskänberei verfallen ist, natürlich ben Namen deutsch aussprechen, wie ja auch bie Englänber soviel Volksgefühl besitzen unb ausländische Namen englisch aussprechen. Man erinnert sich vielleicht an bas hübsche Geschichtchen, in bem ein Englänber sehr erstaunt darüber ist, baß ein Deutscher nichts von Wörkau wisse. Als er den Namen bann aufschrieb, war Virchow gemeint)
— KurzeNachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Wie bie chilenische lvesai'dlschaft muteitt, findet im November anläßlich ber ber Hunberlfahrieier in Santiago b e Chile eine internationale Ausstellung für Landwirtschaft und landwirtschaftliche Maschinen statt.


