Ausgabe 
31.5.1910 Erstes Blatt
 
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sei ihm eine Freude, nach Serajewo zu kommen. Dre lange Kulturarbeit habe zwischen den jüngsten Aiigehorigen der Anarchie und ihren übrigen Teilen feste Bande ge- schassen. Die heute ausgedrückten Gefühle seien dem Kutter ein werter Beweis, daß auch die Treue für das Herrscher­haus hier feste Wurzeln gefaßt habe.

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neuen Federn 6.50 22.- x i gefüllt

40 6.20 x v-M.41.-an bis Mk. 220.

Der Besuch des belgischen Königspaares.

Wildpark (Potsdams 30. Mai. Das belgische Königs paar ist heute nachmittag 5 Uhr 15 Min. auf der Station Wildpark eingetroffen und vom Kronprinzen in Vertretung des Kaisers und von der Kaiserin empfangen worden. Obwohl ba-5 Befinden des Kaisers völlig be- friedigend ist, glaubte der Kaiser mit Rücksicht auf eine un­gestörte Heilung der Operationsstelle auf das persönliche Erscheinen auf dem Bahnhofe verzichten zu sollen.

Der Bahnhof war mit Fahnen und Blattpflanzen ge­schmückt; auf der Strecke bis zum Eingang in den kaiser­lichen Park versammelte sich trotz des strömenden Regens ein zahlreiches Publikum. Auf dem Bahnsteig fanden sich zum Empfang ein: die Kaiserin, der Kronprinz, die Kronprinzessin, die Prinzen Eitel Friedrich und August Wilhelm mit Gemahlinnen, Prinz Oskar, Prinzessin Viktoria Louise, die anderen in Potsdam anwesenden Prinzen und Prinzessinen des kaiserlichen Hauses und der regierenden deutschen Häuser. Die 'Fahrt nach dem Neuen Palais ging durch ein Spalier von Truppen der Garnison Potsdam, welche bei der Vorbeifahrt der PLajestäten ein dreifaches Hurra ausbrachten. Im ersten vierspännigen, offenen, a la Daumont gefahrenen Wagen saßen der König und der Kronprinz, Oberstallmeister Freiherr von Reischach ritt am Schlage; int zweiten, gleichartigen Wagen, saßen die Kai- ferm und die Königin, geleitet vom Vizeoberstallmeister

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Linse gebracht und stark mit Azetylenlampen beleuchtet. Die Linse wirft dann ein Bild auf einen durchsche t nen dew Schtrm, ganz wie auf der Milchglasplatte einer photographuchen Kammer. Der Schirm befindet sich hinter dem Vortragenden, und das Bild kann von der ganzen Zuhorersäwtt gleichzeitig aeseben werden. Währeiid der Professor nun das Präparat bc> pricht, zeigt ein neben dein Objekt stehender Assipent mit einem Stab auf die Teile, von denen gerade die Rede ist, und auch dieser Vorgang bildet sich selbstverständlich aus dem Schirm ab. Da durch tonnen, wie die T. R. meint, die einzelnen Stadien einer chirurgischen Operation weit besser veranichauttcht werden als durch die Vorführung einer wirklichen Operation, weil die Tätigkeit des operierenden Chirurgen immer nur von nachu- stehenden Zuschauern wirklich genügend verfolgt werden kann. Die Zukunft wird zu zeigen haben, ob durch die weitere Vervoll­kommnung dieser Mittel die Ausführung von Operationen tnt Hörsaal ganz wird unterbleiben können, was aus verschiedenen Gründen mit Genugtuung zu begrüßen wäre. .

Das Recht zu preis en. Mailander ^heaterbemcher hatten sich erlaubt, bei der Erstausführung von BonellisAmorc bei tre re" (£iebc dreier .Könige") zu pfeifen, um dadurch ihrem Mißfallen über das Stück Ausdruck zu geben, xaraur wurden sie vom übrigen Publikum verprügelt und oben­drein von der Polizei an die Lust gesetzt. Die Verprügelten erlassen nun eine Erklärung in einer Anzahl Mailander Blätter und verlangen Aufklärung darüber, ob Theaterbesucher, die ihre Karten bezahlt haben, lebiglid) klcittchen dürfen, wenn sie sich nicht der Mißhandlung und Ausweisung aus dem Theater aussetzen wollen. Ein schwieriges Problem, so lange dasRecht ja pfeifen" noch nicht als allgemeines Volksrecht anerkannt ist.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Vor einigen Tagen hat der Verlag Gebrüder TröveS mit Ertspis Tochter, der Jürsttn v. Linguaglossa, den Vertrag über die Ver össentlichnng der De n kwü r bi g k e i t e n C r i s v i s, loroett s < vorn Staate freigegeben sind, abgeschlossen. Der erste Band des von Crispis Neffen, dem früheren Abgeordneten ,V Parlamenghi- Crispi herausgegebenen Werkes ersche.nl bis spätestens zum 30. September dieses Jahres unter dem TitelTie Tausend von Marsala". Ter ungarisch? Erzähler Koloman Mikszäth ist ui Pest im 61. Lebens jahre gestorben Er war in seinem »cimatlanbc bewnders als humoristischer Schriftsteller geschätzt. Seine Werke sind auch in einer deutschen Ausgabe erschienen. Majan Gawale w t c z, einet der beliebtesten polnischen Roman- imb Bühnen- schriftsteller, ist im 52. Lebensjahre in Lemberg gestorben.

in Gestalt faefe(artig angelegter Beleuchtungskörper, die rings an den Pfellern im Saale aus in Marmor gemeißelten Ornamenten hervortreten, so daß die Flamme selbst dem Auge unsichtbar bleibt und der ganze Raum durch das re­flektierende Licht magisch-zauberhaft beleuchtet wird.

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Die Abschaffung der Operation im Hör - faal. Der vielgeschmähte französische Chtrurge xoqen scheint nun doch einen bedeutsamen Erfolg errungen zu habeii, der sich mit Rücksicht auf die ihm zuteil gewordenen Miyhand- lungen fast wie ein Sieg ausnimmt. Gr hatte bekanntlich^die öffentliche Meinung derart gegen sich aufgebracht, daß die Stu­denten durch lärmenden und geradezu feindlichen Emvsang ihn an der Aufnahme einer Vorlesung verhinderten und auch der Dekan der medizinischen Fakultät kein anderes Mittels mußte, als seinen Kollegen zur Einstellung der Vorlesungen zu bestimmen. Diese Maßregel hatte scheinbar bereits emen llmichwung der Gesinnung hervorgebracht, da es ein Teil des geistigen Paris für unerfreulich und ungerecht hielt, datz ein immerhin hervorragender Forscher und Hochschullehrer durch einen wohl inszenierten Radau an der Ausübung eines Lehramts verhindert sein sollte. Die Vorlesungen wurden denn auch unter polizei­lichem Schutz fortgesetzt, aber es kam noch zu mehreren Verhal­tungen und mideren unangenehmen Szenen. Pros. -tonen hielt infolgedessen für notwendig, in einem bejonbers gemieteten Saal eine Vorlesung zu veranstalten, deren Besuch er noch dadurch erfüll" io er zu machen versuchte, daß er ein Eintrtttsg eld, von 10 Franks erheben ließ. Wenn auch bicier Ausweg wiederum feinen Beifall verdient, so war der Verlaut der Vorleiung »och von ungewöhnlichem Interesse. Doyen zeigte, nämlich der zahl­reichen Zuhörerschaft, die übrigens eine mustergültige Haltung wahrte, wie nach seiner Methode durch Benutzung des K ine- matograyhen und des Projektionsapparat es die Vorführung von Operationen weit bester und beleh­render geschehen könne, als durch die Vornahme der Operation im Hörsaal selbst. Der Erfolg dieser Denionstration war nach einer Schilderung des PariserLancet"-Korreipoiidenten cm boll- Icnimener. Doyen zeigte auf dem Schirin zunächst verichtedene Parallel schnitte butsch den menschlichen Körper m jeöcr beliebigen. Richtung, sowohl quer als der Lange nach, wie m andern Richtungen. Eine Anzahl dieser Lüder hatte die natür­lichen Farben der einzelnen Körperteile. 2-ie größte Heber- raschung aber erregte die unmittelbare Protektion von anato­mischen Präparaten verinittels eines durchaus neuen Venayren.. Das Objekt wird vor eine ungeheure photographische

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Die ReichrversicherungsordMNg.

Berlin, 30. Mai.

Der Reichsversicherungsausschuß führte beute die Aussprache über die Bersicherungsämter fort. Ein Irci- sinniger Redner bringt iwchmals zum Ausdruck, daß lerne Parteifteunde es nicht wohl für möglich halten, die gwtze Ler- sicherungSgesetzgebung in ein Prokrustesbett hinein zu zwäng c n. Im Grunde genommen habe der Staatssekretär die Versicherungs-- ämter bereits preisgegeben. An dem Plan der Regierung jeien demgemäß Einschränkungen zu machen. Tie nötigen^Jnstlrutwnen seien an die bestehenden Behörden anzugliedern, ^er Warne sei von ganz sekundärer Bedeutung. DerV e r s i ch e r u n g s a m t - mann" als Träger der ganzen Versickterungsgcietzgebung sei emo Gefahr. Die Institution iverbc sich später in einer Weste auswachsen, die uns nicht angenehm sein wurde '^aS ReichS- versicherungsamt will der Redner entgegen Ausführungen eines an bereu freisinnigen Redners als Reknrsinstanz beibehalten wissen. Die rigorosen Strafbestimmungen erschweren die. Auswahl ge­eigneter Kräfte aus dem gewerblichen Leben. Der Versickerte muß den Organen näher gebracht werden, die über lernen $aU zu entscheiden haben. Tas Votuni des Arztes dars nicht allem maßgebend sein. Ein Versicherungsamtmann wird nach dieser Richtung nichts besonderes leisten können, xtc Kosten bürten den Gemeinden nicht aufgehalst werden. Eme Teilung zwischen Reich, Staat und Gemeinde läßt sich erwägen. r v.

Staatssekretär Delbrück weist den Gedanken, er habe die Versicherungsämter preisgegeben, entschieden zurück, lieber den Inhalt des BegrifssDersicherungsamt" lsemchtcn verschiedene Auffassungen. Die Regierung wünsche nicht nur Konzentrattoni, sondern auch eine erhebliche Erwellerung der Selbstverwaltung. Tie Gegner der Vorlage möchten den alten Zustand möglichst er halten, der die Kenntttis aller Zwerge der Versicherungsverwal­tung in seiner Person vereinigen soll. Der Ausbau der ersten Instanz sei von größter BedeuMng. Dadurch mürben bie oberen Instanzen entlastet und die Kosten verringert Tre Auswendungen für die erste Instanz würden sich an anderer "Stelle reichlich bezahlt

Ein Zentrums a b g co r b nc t er spricht sich zustimmend aus, nur ist er bezüglich des Kostenpunktes weniger opttmisttsch.

Ein Bevollmächttgter der bayerischen Regierung er­klärt, baß Bayern bic Versichcrungsäntter an Gemeinde- und staatliche Behörden angliebctn werde. Ein Ausgleich zwischen großen und kleinen Gemeinden werde sich finden lasten.

Aehnlich äußert sich der Vertreter der württember- gischen StaatSregierung. Ganz würde man mit dem vorhandenen Beamtenpersonal wohl nicht auSfommen

Eilt weiterer Zentrumsredncr bedauert, daß du ganze Aussprache noch nicht die nötige Klärung istw,rächt haoe. Besonders hätten die Berufsgenossenschaften mehr (Mret er­hoben, als irgendwie bered)tigt gewesen jci. '^ic Arbeiter hätten ein Recht auf bessere Rechtsgarantien. Tie Berufsgenostenichasten feien bei Feststellung bei Renten Partei; bic Berstcherungsamter würben hier Besserung schaffen.

Ein Mitglied der Reichspartei empnehlt einen Ber- mlltelungsaittrag, der die Angliederung an bic allgemeinen Ver­waltungsbehörden fordert, aber den Namen Versicherung Samte r imb Oberversicherungsämter beläßt, (ünc Soslölung dcn Ver- sicherungSverwaltung von der allgemeinen Verwaltung sei durch­aus uittunlich. , . ... .. r___

Ein Mitglied der Konservativen Partei tritt diesem Redner bei. Die Versicherungsämter müssen in die untere Vcr- wattungsbehörde hineingearbeitet werden. Ein Assessor wurde alle zwei bis drei Jahre wechseln; das liege in der Natur der Sache, sei aber nicht wünschenswert.

Der Vertreter der polnischen Fraktion stellt sich aur den Standpunkt der Regierung. Desgleichen führt ein sozial-

Zwei neue Reichstagserfatzwahlen erforderlich.

Wiederum hat der Tod yuei Rcichstagsabgcordnete dahingerasst, den Nattonalliberalen Detto-Frankfurt a. O. und den Re sormpai teilet Zimmermann-Dresden. Wir er­hielten folgende Meldungen:

Frankfurt a. O., 30. Mai. Der Reichstagsabgeordnctc für den Wahlkreis Frankfurt a. O., Gymnasial-Profeifor Dettn mail.), ist, wie dieFrankfurter Ldcrzeitung" meldet, am Mon­tag nachmittag in Frankftirt a. O. an Lungenentzündung g c - ftorben.

Dresden, 30. Mai. Der Reichstagsabgeordnete Oswald Rimmer mann (Reform-Partei) ist heute mittag gestorben.

Der Abgeordnete Tetto ist Gymnasialprofessor in Frank­furt a. O. Er mar 1845 in Seehausen L Altmark geboren und hat dem Reichstag erst seit 1907 als Mitglied an­gehört. Wwechselnd haben den Sitz die Nationalliberalen, die Konservativen und die Reichsvärtei, einmal für kurze Zeit auch die Sozialdemokratie inne gehabt. Bei der Wahl 1907 haben von 30 434 Wählern 12 388 sozialdemokratisch, 10 070 nationalliberal, 7722 für die Reichspartei und 228 für das Zentrum gewählt. In der Stichwahl erhielt damals Detto 17 805, der Sozialdemokrat 12196 Stimmen.

Der verstorbene Oswald Zimmermann, der den sächsischen Wahlkreis Zschopau-Marienberg vertrat, ist ein älterer Parlamentarier, der lange Jahre auch einen ober- hessischen Bezirk, nämlich Alsfelo-Lauterbach, im Reichstag vertreten hat. Er lebte zuletzt als Schrllsteller und Re­dakteur in Dresdcu. Er war 1859 in Schlesien geboren und hat in Breslau und Leipzig Philosophie und Volkswirtschaft studiert. Er wurde 1886 Chefredakteur des Tageblattes Deutsche Reform" in Dresden und war Vorsitzender des Landesvereins der Deutschen Reformpartei im Königreich Sachsen. Von 189093 vertrat er den Wahltreis Alsfeld- Lauterbach, von da bis 1898 Dresden-Altstadt. Auch der Wahlkreis Zschopau-Marienberg ist nie dauernd im Besitz einer Partei gewesen. Bei der letzten Wahl im Jahre 1907 haben von 26 033 Wählern 14 732 dem Resormparreiier, 11 281 dem Sozialdemokraten ihre Stimme gegeben. 1898 war der Sitz aus konservativen .Händen in den Besitz der Sozialdemotratic übergegangen.

Sin neuer Mufitfaal der Erohherzogs von Hessen.

Darmstadt, 30. Mai. Im Neuen Schloß des Groß­herzogs soll demnächst ein neuer größerer Musiksaal an­gelegt werden, der zweifellos die ganz befondere Ausmerk- samteit aller Musikfreunde auf sich lenken wird. Der neue Musiksacll ist nach den eigenen Hingaben des kunstsinnigen Fürsten von Pros. Albin Müller entworfen und m einer Anzahl sauber kolorierter Skizzen verblldlicht Wochen, die demnächst auch in einer Ausstellung dem Publikum zugänglich gemacht werden sollen. Der Saal wird neben oent weißen Saal des Schlosses aus drei bisher getrennten Parterrcräumen gebildet, eine Länge von 12Hz und eine Breite von 8i 2 Metern haben und soll besonders als Kvnzert- jaal für intimere Hofkonzerte dienen. Au der Stirnwand des Saales wird als Hauprschrnuck eüte Apsis eingebaut, dte von einer Kuppel aus blauer Glasmosaik überwölbt ist und durch reiche stilvolle Vogelornamentik geschmückt sein wird, während eine die Verlängerung zum Saal bildende Wand reiche vergoldete Schnitzereien erhalten soll. Auf und hinter der Apsis findet ein prächtiges Orgelwerk Aufstellung, das selber dem Publikum verborgen bleibt. Um die Töne dreier nicht sichtbaren -Orgel in voller Klangschönheit zur Geltung zu bringen, ist die Apsis durch ein goldornamentiertes Gitter- roert durchbrochen und weiter ist an der Orgel ein Echo werk angeschlossen, von welchem zur Weiterführung der Tone eine Anzal;! Röhrenleitungen zur Decke geht, die m saft unsichtbaren Kassetten endigen und den Zweck haben, dre Orgelllänge sein abgetönt über den ganzen Saal zu ver­teilen. Eine kürzlich in Berlin stattgehabte Probe mit eurer solchen Tonleiiungsernrichtung soll von großartiger, ganz überraschender Wirkung gewesen sein. Der Musiksaal selber wird mit einem hohen Paneel aus Anrarantholz in rotlrch- violettem Ton umzogen, während die Wände durch reich ornamentierte Pfeiler und matt vergoldete Felder geziert werden; an den Wänden zwischen den Pfeilern werden modern geformte Sophas in violetter Grundfarbe Sitzge­legenheit bieten. Die Decke des Saales erhalt eine kassetten­artige Aufteilung mit Alabasterstuck und wird mit zahllosen kleinen elektrischen Lämpchen besetzt werden. Die Haupt- deleuchtung wird sedvch durch Reflektoren erfolgen und zwar

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Nr. 124 Erstes Blatt 160. Jahrgang Dienstag 31. Mai 1810

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Wrf llwllvl' <4II |VLUVV s wirtschaftkiche Zeitfragen M W EU W Ä V R Wl Ehefredakteur: A. Goetz.

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Annahme von Anzeigen __. _ taai-: E. Heß; für den

'ur ote Tagesmunmer Rojatwnsdruck und Verlag der vrühl'schen llmv.-vuch- und ZteindruSerei R. Lange. Redaktion, Expedition und oruaeret: SchmstraFe r. Anzeigenteil: H. Beck, bis vormsttags 9 Uhr. 3 ________________________________

Freiherrn von Esebeck. Zwei 5)albschwabronen vorn Regi­ment des Gardes du Corps eskortterten die Wagen. Im Muschelsaale, wo die Galawache des Regiments des Gardes du Corps und ein Zug der Schloßgardckompagnie und der zweite Zug der Leibgendarmerie (Leibgarde der Kaiserin) Aufstellung genommen hatten, war Empfang mit großem Vortritt.

Nach dem großen Empfang im Muschelsaale geleitete die Kaiserin die belgischen Herrschaften in ihre Gemächer. Au dem Tee, der sodann in der Wohnung der Königin der Belgier genommen wurde, nahmen mit der Kaiserin auch der Kaiser teil, ebenso Prinzessin Viktoria Louise. Bei der Familientafel saßen der König der Belgier zwischen der Kaiserin und der Kronprinzessin, gegenüber die Königin zwischen dem Kronprinzen und dem Prinzen Eitel Friedrich. Kaiser zranz tzofess Reife nach Bosnien und der

Herzegowina.

Der greise Kaiser Franz Josef hat dem Wunsche seiner Ratgeber entsprechend, sich entschlossen, den-seinem Reiche neu angegliederten Gebietsteilen, Bosnien und der Herze­gowina, seinen ersten Besuch abzustatten, um dadurch das Nationalgesühl der dorttgen Bewohner zu beleben. Der sympathiiche Greis hat denn auch auf dem ersten Tell seiner Fahrt nach den bisherigen Meldungen einen außerordentlich begeisterten Empfang durch die Bevölkerung gehabt:

B 0 s n i s ch - B f o d, 30. Mai. Unter braufendem Jubel der aus der Stadt und der Umgebung herbeigeellten Be­völkerung traf der Kaiser heute früh in Bosnifch-Brod ein, der ersten bosnischen Station auf der Reise nach Sero- jewo. Der Herrscher verließ unter den Klängen der Volks­hymne und unter stürmischen Ziviorusen den Hofzug und nahm die Begrüßung des Landeschefs und anderer Würden­träger entgegen. Auf die Huldigungsansprache des Bürger­meisters erwiderte der Kaiser, es sei ihm ein herzliches Bedürfnis gewesen, Bosnien und die Herze­gowina auf zu suchen, um inmitten der Bevölkerung dieser schönen Länder einige Tage verbringen zu können. Ter Monarch setzte sodann unter neuen stürmischen Kund­gebungen seine Reise nach Serajewo fort

Ser aj emo, 30. Mai. Die Stadt und die umliegen­den Höhen waren heute abend aus Anlaß des Besuches des Kaisers glänzend beleuchtet. Trotz Regen­wetters durchwogte eine große Menschenmenge die Straßen.

Kaiser Franz Josef ist in Begleitung des Oberst­hofmeisters Fürsten v. Montenuova, der gemeinsamen Mi­nister Graf v. Aehrenthal, Frhr. v. Schönaich und Baron Burian, der Mnisterpräsidenteu Frhr. b. Bienerth und Graf Khuen-Hedervary und mit einem großen Gefolge nachmittags 3 Uhr hier eingetroffen. In der Hauptstadt wie vorher auf der Fahrt durch das Land bereitete die Bevölkerung dem Kaiser einen begeisterten Empfang. Auf den Sta­tionen, wo der Zug anhielt, hielten die Bürgermei,ter Hul- digungsansprachen an den Monarchen, in denen sie ihn ihrer Hingebung und unerschütterlicher Treue versicherten. In Serajewo trug der Empfang einen ebenso imposanten wie herzlichen Eharakter. Alle kirchllchen und wettlichen Behörden, das Ofsiziertorps und Vereine erwarteten den Kaiser aus einem prächtig geschmückten Platz, wo der Zug hielt. Der Kaiser, der trotz der mehr clls zwanzigstündigen Reise nicht die mindeste Ermüdung zeigte, wurde mit un­beschreiblichem Enthufiosmus begrüßt. Die Fahrt durch die ebenfalls glänzend gefchmüllren Straßen nach Konak glich einem Triumphzug. . _

In Erwiderung aus den Wil110 mmengruß des Bürgermeisters betonte Kaiser Franz Josef, es

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