Die heutige Nmmmer umfatzt 10 Seiten.
deutsche Morine, so wollen Ew. kaiserliche Hoheit jetzt das deutsche Heerwesen kennen lernen. Unsere Behörden werden bestrebt sein, Ew. kaiserlichen Hoheit Einblick in alles zu geben, was auf diesem Gebiete für Sie von Interesse sein kann, und ich bin überzeugt» daß unsere Hcereseinrichtungen eine Fülle von Anregungen bieten werden, die auch für das große, in erfreulicher Entwickelung befindliche chinesische Heer nutzbar gemacht werden können. Ucber- zeugt, daß auch Ew. kaiserlichen Hoheit Besuch dazu beitragen wird, die guten und freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem chinesischen und dem deutschen Reckrl) immer mehr zu fördern und zu festigen, heiße ich namens Se. Majestät des Kaisers und Königs Ew. kaiserliche Hoheit und Ihre Begleiter herzlich willkommen und hoffe, daß Sie von dem Aufenthalt in unserer Mitte nur die angenehmsten Eindrücke empfangen mögen.
Hiernach empfing die Kaiserin den Prinzen im Ta- merlan-Zimmer und ließ sich auch sämtliche chinesische- Herren vorstellen. Die Kaiserin besichtigte dann die int Muschelsaal ausgestellten, von dem Prinzen mitgebrachten Geschenke, Basen und Seidenstoffe, woraus den Gästen im Muschelsaal Erfrischungen gereicht wurden. Der Prinz fuhr nach hem Empfang im Neuen Palais zur Abstattung von Visiten nach Potsdam.
ich manchmal einem begegne, sagt mir schmunzelnd: Schau, so siehst auch du aus! Ansonsten stst mir nicht anders zumute, als in meinen Jugendtagen. Die Welt ist gerade noch so schön, wenn nicht noch schöner, ich bin gerade noch so kindisch und die Zukunft liegt gerade so reizend unbestimmt und geheimnisvoll vor mir, als ob die fröhliche Erdenwanderung erst anginge. Und auf einmal kommt ein so kleines Knäbleinwesen, dessen Vorursache einst ich gewesen, und sagt: Tein Haar ist ein Wintertag! Wie oft hat man in früheren Zeiten g/esagt: Wenn es fein mutz, ich bin bereit! Und nun auf der Höhe dieser Jahre nimmt man jede höfliche Erinnerung für eine Störung. Ter Junge hat bei seinem Wintertag ja wohl nur an das Rodeln gedacht."
— Sv ante Arrhenius als Austauschprofessor. Professor Svante Arrhenius-Stockholm wird im Frühjahr 1911 als Ausiauschprofessor an der U ni v c r s i t ä t P a r is eine Reihe vor Vorlesungen über physikalische Chemie halten. Die Einrichtung des Prosessorenaustaufches, wie sie auf Veranlassung des deutschen Kaisers schon seit mehreren Jahren zwischen den Vereinigten Staaten und dem Deutschen Reiche besteht, wurde vor Jahrestrist auch in Frankreich an der Pariser Universität angestrebt. Für diesen Zweck hatte Albert Kahn einen Jahresbeitrag von 30 000
Die Nachwahl in ZrieLberg-vMngen.
B. Friedberg, 30. Mai. Der deutsche Handwerkerbund hat in seiner gestrigen Versammlung beschloßen, nur einem Kandidaten seine Stimme zu geben, der das Programm des Bundes anerkenne. Prof, van Galtet hat das Programm nicht unterschrieben, dagegen hat Rechtsanwalt von Helmolt seine Unterschrift vollzogen, obwohl das Programm bestimmt, daß er für die Erbschaftssteuer eintreten muß.
Unter der Ueberschrist ,Bauer, paß auf!" veröffentlicht der Abgeordnete Kähler-Langsdorf in der „Reuen Tageszeitung" einen spaltenlangen Aufruf zugunsten des Kandidaten von Helmolt.
f- In einer Zuschrift aus Büdingen wurde kürzlich behauptet, daß es in Büdingen fast nur Freisinntge gäbe und laum 20 Nationalliberale. Da der Einsender ein ange,ehenev Einwohner Büdingens war, von dem wir glaubten annehmen zu können, daß er die Verhältnisse Büdingens genau kenne, haben wir die Behauptung nicht nachgeprüft. Heute werden wir von anderer Seite darauf aufmerksam gemacht, datz die Feststellung falsch war. Bei der Wahl am 25. Januar 1907 wurden in Büdingen abgegeben für Orwla -3b, jur den Sozialdemokraten 272, für den Frersuimgen lob Stimmen.
Der Kroitprm$ als Vertreter des Kaisers.
Der Kaiser, dar am rechten Handgelenk eine kleine Operation hat durchmachen müssen, kann einige Tage keine Unterschrfften vollziehe«. Kleine Ursache, große Wirkung; das Wolff'sche Bureau teillt die darauf bezüglichen Erlaße mit großer Wichtigkeit mit.
Der Kaffer leidet an einem Furunkel in der Gegend des rechten Handgelenkes. Die lebhafte Entzündung machte eine Oeffnung erforderlich, welche am Samstag, dem 28. Mai, von Geheimrat Professor Bier auSgesührt wurde. Der Verlauf ist bisher normal.
Der im „Reichsanzeiger" veröffentlichte Erlaß hat folgenden Wortlaut:
Da Ich auf ärztlichen Rat Mir für einige Tage Schonung Meiner Hand auferlegen muß, will Ich Eure Kaiserliche und Königliche Hoheit und Liebden für die Dauer Meiner Behinderung beauftragen, an Meiner statt diejenigen Schriftstücke unterichristlich zu vollziehen, welche Ich Euerer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit und Liebden zu diesem Zwecke zugehen lassen werde. Neues Palais, den 27. Mai 1910. Wilhelm I. R. v. Bethmann-Holliveg, Frhr. v. Rheinbabcn, Dr. Delbrück, Dr. Beseler, v. Breitenbach, o. Arnim, v. Moltke, Sydow, v. Trott zu Solz.
Der Widerspruch des finnischen Landtags.
Der finnische Landtag fud)t sich der russischen Unterdrückung durch neue Eingaben zu erwehren. So berechtigt sie sein mögen: siewerden ab solutnichts nützen.
Petersburg, 29. Mai. lieber den Inhalt der Biit- schrif t dessinnischenLandtags wegen Verletzung der finnischen Grundgesetze melden die Blätter folgendes: Ter Landtag weist darau-f hin, daß bei der Einmischung des russischen Ministerrats in die Angelegenheiten Finnlands in juristtscher und praktischer Beziehung eine Reihe von Fehlern zu Tage getreten seien, da dis Beschlüsse von Personen gefaßt worden seien, die von den finnischen Angelegenheiten keine Kenntnis hätten. Während der letzten 25 Jähre habe der Landtag unter Mitwirkung der Regierung große Summen angesammelt, die zu Kul- turzwecken bienen sollten und die nun ohne 93c- fragendesLan dtagse in fach dem Reich sschatz- amt über wiesen würden. Eine neue Gesetzesvorlage könne nicht durchgeführt werden, selbst wenn die gesetzgebenden Jnsttkutionen Rußlands .sie annehmen und der Kaiser sie sanktionieren sollte. Das finnische Volk würde Gesetze, die unter Verletzung seiner Grundgesetze durchgeführk würden, nicht anerkennen. Finnland habe nie Anspruch auf eine eigene äußere Politik erhoben und auch nie Maßregeln zur Reichsverteidigung Hindernisse bereitet. Zum Schluß spricht die Bittschrift den Wunsch aus, der Kaiser möge die Grundgesetze Finnlands in Kraft lassen und alles roieoer aufheben, nrais eine Verletzung derselben in sich schlösse.
Heising fors, 28. Mai. Der Landtag hat die kaiserlichen Vorschläge betreffend eine besondere Mili-
Franks gestiftet.
— Ter Mac-Kinley-Berg erstiegen! Der höchste Gipfel von Nordamerika, der Mount Mac Kinley, den Dr. Cook bereits im September 1906 erstiegen haben will, ist nun in der Tat von einer größeren Expedition überwunden, worden. Sie bestand aus den Herren Dan. Patterson, W. R. Taylor und Charles Mc. Gonigle, dazu dem Führer Thom. Lloyd. Die Schwierigkeiten der Besteiaung stellten sich als geringer heraus, als vorher angenommen worden war: immerhin nahm sie einen ganzen Monat seit der Ankunft am Fuß des Berges an Anspruch. An vier Stellen des Berges wurden Lager für längeren Aufenthalt aufgeschlagen. Der letzte Aufftteg wurde von einer Höhe von 16 000 Fuß, das sind 5000 Meter unternommen. Der Mount Mac Kinley endigt m zwei glerchhohen Spitzen, von denen die eine abgerundet und mit Schnee bedeckt, die andere ein spitzer kahler Fels ist. Auf diesem Felsen wurden in einem Steinhaufen die Beweise der Ersteigung medergelegt/ Die Expedition, die Dr. Cooks Berichte mitgenommen hat, konnte nach Petermanns Mitteilungen keine Spuren von dessen Auf-
Neues Paläis, 29. Mai. Prinz Tsai Täo und die Mitglieder das chinesischen militärischen Stu - dienausschusses begaben sich vormittags von Berlin hierher, mir ihnen der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Freiherr v. Schoen, der chinesische Gesandte und die zu den chinesischen Herren kommandierten Offiziere. Von der Sta- iion Wildpark stchr der Prinz nach 11 Uhr zum Palais. Der Kaiserliejß sich im letzten Moment bei dem Empfang durch den Kronprinzen vertreten, da der Verband Ian der rechten Hand das Anlegen der Parade-Uniform verhinderte. Der 'Kronprinz erschien in der Uniform des 1. Garderegiments zu Fuß.
Prinz Tsai Tao hielt eine Ansprache. Das Konzept dieser für den Empfang durch den Kaiser gedachten Rede lautet auf deutsch:
Der Kaiser von China entbietet Ew. Majestät durch mich ehrerbietigsten Gruß. Ew. Majestät genießen in der ganzen Welt den Ruhm eines hervorragenden Strategen, dem die Ausbildung und die Kriegsibereitschaft seines Heeres vor allem am Herzen liegt. Ich habe stets zu Ew. Majestät mit Bewunderung emporgeblickt und schätze mich glücklich, jetzt vor Ew. Majestät treten zu dürfen und so huldvoll empfangen zu werden. Es trifft sich sehr günstig, d-rß die große Frühjahrsparade bevorsteht, an der es mir vcrgönut sein wird, teilzunehmen, so daß ich Gelegenheit haben werde, die erste Armee der Welt mit meinen eigenen Äugen zu sehen. Da ich selbst dem Heere angehöre, so wird mir dies ganz besondere Freude bereiten. Ich bin der festen Ueber- zeugung, daß Ew. Majestät die Macht, welche die stärkste Armee verleibt, lediglich zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens benutzen werd,.'. Tic freundlichen Beziehungen unserer beiden Länder haben sich in den letzten Jahren immer inniger gestaltet. Ich hoffe, daß die Offiziere Ew. Majestät mir in allen militärischen Fragen mit ihrem Rat zur Seite stehen und mich so in den Stand setzen werde, meine Mission zu erfüllen und nach meiner Rückkehr in die Heimock an der Reorganisation des chinesischen Heeres mit- zuarbeiten. Ew. Majestät wollen geruhen, diese meine Worte
Zum Tode Robert Rochs.
Frau Geheimrat Koch bat zahlreiche Beileidstelegramme erhalten, bacwiter solche des Kaisers und des preußischen Kultusministers. Tas Telegramm des Kaisers hat folgenden Wortlaut: „Neues Palais bei Potsdam. 9üi Frau Geheimrat Koch, Exzellenz, Sanatorium. Frey-Dengler, Baden-Baden. Benn Hinscheiden Ihres von mir so hochverehrten Herrn Gemahls spreche ich Euerer Exzellenz mein herzlichstes Beileid aus. Ich beklage auss Tiefste den Verlust des größten deutschen Arztes unserer Zeit und blicke mit dem deutschen Volke dankbar auf sein segensreiches Lebenswerk. Wilhelm I. R."
Wien., 28. Mai. Die Gesellschait der Aerzte von Wien hißte sofort nach dem Eintreffen der Todesnachricht von Prof. Dr. Robert Koch auf ihrem Gesellschastshause die Trauerfahne. Tie Gesellschaft, die Kaiserliche Akademie der Wifsenschaften und andere Wiener medizinische Vereinigungen deren Ehrenmitglied Koch war, Deranftalteten Trauerfeiern. *
— Peter Rosegger. Tie Nachrichten über das Befinden Peter Roseggers lauten befriedigend. Tie behandelnden Aerzte liegen sichere Hoffnung auf eine wenn auch langsame Zunahme der Kräfte. Peter Rosegger denkt noch nicht an das Alter. Wir lesen in der letzten Nummer seines „Heimgartcn", wie jung er sich noch fühlt an Leib und Herz: „Aber Großvater, deine Haare sind ja ein Wintertag!" rief mein vierjähriger Enkel, als er mich nach Längerer Zeit wieder einmal sah. Als. ob der Kleine im sonnigen Süden sckstm weiße Wintcrtage gesehen hätte! In seinem zweiten Lebensjahre hatte er freiltch einen nordischen Winter erlebt und der ist ihm eingefallen beim Aul- tauchen der weißen Haare. Ich hatte es übrigens selbst nicht 9^ wußt. Mein Spiegel ist nicht ganz aufrichtig. Oder bester, ich schaue zu ost hinein. Ta merkt man die Veränderung nicht, denn die Gewohnheit hält mit ihrer Allmählichkeit gleichen schritt. Alle örrei Jahre einmal sollte man in den Spiegel schauen, um das Altern recht inne zu werden. Tie stete Kränklichkeit täuscht auch über die Anzeichen des Alterns hinweg. Ich habe mich vor 25 Jahren zur Zeit meiner schwersten Leiden älter gefühlt als eüwa jetzt. Nur das Aussehen meiner Jugendgenossen, wenn
gnäbigft entc,egenzunehmen. . „ „
Der Kronprinz antwortete mit folgenden Worten:
Ew. kaiserlichen Hoheit spreche ich im Auftrag und im Namen Sr. Majestät, des Kaisers und Königs aufrichtigen Dank aus für die soeben Allerhöchstdemselben gewidmeten Worte und für die Grüße, die Sc. Majestät der Kaiser von China durch Sie hat übermitteln lassen. Mit lebhafter Genugtuung erfüllt es Se. Majestät, daß Sc. kaiserliche Majestät abermals einen Prinzen seines Kaiserhauses an der Spitze einer großen Anzahl hoher Staatswiirdenträger und Offiziere nach Deutschland ent tankt hat, um deutsche Einrichtungen zu studieren. Wie im Anfänge dieses
flieg finden. Tie Besteigung ist infolge, einer Wette zustande gekommen, nach deren Wortlaut die Bergsteiger bei etwaigem Miß* 10 000 Pfund Sterling zu zahlen hatten.
— 'Ter Streit um den Sintf lutb'ericht. Die Alters tumsforscher aller Völker haben sich beftrebt, in der Umgebung des alten Babylon nach den Urkunden vergangener Jahrtausende zu! suchen und die aufgefundenen Zeugen jener längst entschwundenen Zeit aufzuklären und zu deuten. Sogar die Amerikaner haben besondere Expeditionen zu diesem Zweck dorthin entsandt, unter denen die von Professor Hilprecht das größte Aufsehen erregt hat. Dieser Forscher hat eine Tafel entdeckt, in deren Aufschrift er die älteste Fassung des Süttflutberichtes erblickt hat. Andere Sachverständige sind dieser Behauptung entgegengetreten, urib, der Streckt ist noch immer nicht zur Ruhe gekommen, obgleich er schon eintz ganze Reihe von Jahren angedauert hat. Bei der letzten Sitzung? per Amerikanisch-Orientalischen Gcscllsckwft stand die Tafel von Hilprecht wieder im Mittelpunkt ber,(Erörterungen. Nicht weniger als drei Fachleute, unter ihnen Professor Paul Hauvt, erklärten ihre Ansicht dahin, daß Professor Hilprecht zu viel Einbildungskraft in der Auslegung der Tafelinschrift, die nur in Bruchstücken erkennbar ist, aufgewandt hat. Die Art, in der Hilprecht hie Lücken der Inschrift auszufüllen versucht hat, wurde als unhaltbar bezeichnet. Damit ist auch der Anspruch von Professor Hilprecht hinfällig, baß jene berühmt gewordene Tafel aus einer Zeit zwischen 2137 und 2005 vor Christi Geburt flamme, vielmehr glauben die anderen Orientalisten, daß sie in einer viel späteren Epoche entstanden sei.
— Bühnenwitz. Bei einer hauptstädtischen Operettew- Mueinstudierung, die sich durch die Nuancen des Komikers endlos in die Länge zog und deren Ende daher nicht vorauszusehen war, ließ, so berichtet die Teutsche Theater-Zeitschrift, ein boshafter Kollege den Theaterarzt holen und bat ihn mit aufgehobenen Händen, in die Garderobe des Komikers zu gehen, der von einer schmerzlichen Krankheit befallen sei. „Was fehlt denn Ihrem Herrn Kollegen?" fragte der Doktor. „Der Wann leibet an Szenenzerrung und wir leiden mit ihmk" Eine halbe Stunde später war endlich Feierabend.
nrer ab und teilte mit, die Schutz möchte sicherten die Lösung der kretischen Frage durch eine Autonomie zu, die die. Souveränirätsrechte der Türkei wahre. Auf den Hutwets, der König der .Hellenen arbeitete auf eine Annexion hin, erklärte der Großwesir, wenn Griechenland offiziell für fttetru eintrete, werde die Türkei scharf Vorgehen. Der Senat sand die Erklärungen des Großwefirs für genügend.
Wie die Blätter melden, begann in den Häfen des Schwarzen Meeres ein antigriechischer Boykott. Die Pforte sagte der griechischen Gesandtschaft Abhilfe zu.
Die Erregung in der Türkei.
Die Erbitterung in der Türkei wegen Kreta steigt von Tag zu Tag höher. Im Parlament wird eine sehr kriegslustige Sprache geführt. Der Äroßwesir legte sich in fernen Antworten zwar eine Mäßigung auf, aber er gab das feste Versprechen, Kreta für die Türkei nicht verloren gehen zu lassen:
Konstantinopel, 28. Mai. Die Kammer verhandelte über die Kretafrage. Nach Verlesung einer Eingabe von 16 mohammedanischen Abgeordneten in der krettschen Kammer, in welcher diese hervor heb en, daß ihr Leben gefährdet sei und daß das mohammedanische Element unter den gegenwärtigen Umständen nicht mehr auf der Insel bleiben könne, sowie nach Verlesung von Depeschen wurde ein Antrag verlesen, der von mehr als 2M Abgeordneten gezeichnet ist und in dem die Regierung aufgefordert wird, Erklärungen zu geben, was sie zur Verteidigung der Souveränitätsrechte der Türkei getan habe.
Der arabische Deputierte Scheik Essad sagte sogar, die Beduinen von Medina hätten geschworen, Kreta zurückzugewinnen oder zu st erben. Wenn das Kabinett innerhalb einer Woche die Kretafrage nicht löse, würden die Mohammedaner der ganzen Welt, sogar diejenigen Afghanistans, vom Sudan und Algerien, vom Kabinett die heilige Prophetenfahne zurückverlangen und. sich selbst Rech! verschaffen. Der Kretenser Mechmed Ali sagte, das Kabinett, welches in die Betrauung eines Griechen aus dem Königreich mit der Verwaltung der Insel Kreta einwilligen würde, würde gelyncht werden. Ein Kriegsvorwand gegen Griechenland könne leicht gefunden werden.
Der Großwesir HakkiPascha erklärte, die Mächte hätten die Unmöglichkeit anerkannt, Kreta Griechenland zu geben; sie seien bemüht, eine Lösung für die Kretafrage zu finden. Die Mächte hätten ihre frühere Haltung zugunsten der Türkei geändert. Die Türkei werde Kreta nur durch einen Krieg bezwungen abgeben; die Regierung müsse aber weise vorgehen. DieTürkeikönnenichtnach Kreta ziehen, solange sich dort Mächte befänden, welche die Souveränitätsrechte der Türkei wahrten. Mit Griechenland hat die Türkei nichts zu tun und Kreta werde der Türkei nicht verloren gehen; dafür werde das Kabinett alle Opfer bringen in dem Bewußtsein, daß die ganze Nation hinter ihm sei. Darauf wurde zur
Nr. 123 Erstes Blatt 160. Jahrgang Montag 30. Mai 1910
(Dienstag und Freitag); VI V ■ H ■ B H Hk 9 JL JH W H H tfik W «L ZeUenprers: lokal 15Pf.,
-.weimal monalL Land M 11 SB 8» W fflL Wy jK&tf W RjL W Ä- WW* auswärts 20 Pfennig,
wirtschaftliche Seitfragen V W M Hl ▼ 8ß W gl V ” V/® Chefredakteur: A. Goetz.
Fernsprech - Anschlüße: 1 6$ M Verantwortlich für den
für die Redaktion 112, V politischen Teil: August
MU General-AnZeiger für Gberheffen WZM Ammhme von Lnzeigea für den
für ble y nummet Rototienstatd und Verlag »er vrühl'schen Uni»..vuch- und Steinbruderei R. Lauge. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Schulfiratze 7. : H. B-ck.
vtS vormtttags y uyr. ___________ ____
Tagesordnung übergegangen.
Auf eine Anfrage des Kreters N u r i d o r, der im Senat die Besetzung der Suda-Bai durch die ttirkische Flotte und ein scharfes Vorgehen gegen Griechenland verlangte, gab der gtaJtW'W&TK L>r°ßw°si-°hnKcheErkl°rung-nwi° in der Kam-
1IHII ................................ ■■Illi«!.......... rill ..................... ■■■ ir


