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27.4.1910 Zweites Blatt
 
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Mittwoch 27. April 1910

160. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 97

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.

träge eingegangen.

:: Berlin, i26. April.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universiläls - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Die«tetzener Kamilienblätter" werden dem ^Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Kteisblatl für den Kreil Hießen" zweimal wöchentlich. Dre ..randwtrlschaftltchen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: 112. Tel.-Adr^AnzeigerGießen.

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vjörnstjerne Björnfon f.

Christiania, 26. April. Bei dem Nordischen Telegraphenüüro ist aus Paris die Nachricht ein- getroffen, daß Björn st erne Björnfon heute abend 83/4 Uhr gestorben ist. Am Totenbette war dre Fa­milie des Dichters beisammen. Das Hinscheiten erfolgte ohne jeden Todeskampf.

Lange Wochen und Monate hat Björnfon, der gordische Recke mit deni Tod gerungen und immer wieder flackerte die tapfere', glühende Lebenskraft in ihm aus, die ihn in ftuiE letzten -LJe . . Wenn der ,unge Wein blüht! livch einmal crn Werk von lugendklch- stürmischer Lcbcnsfülle gelingen ließ.

Björnfon hätten wir zuni König,machen müssens" so rüst der Kulturhisloriker Hjalmar Christen,en in seiner Darstellung deS norwegischen Kulturkampfes aus und gibt damit nur das Echo eines starten Rufes, der durch das ganze Land ging, als Norwegen seine Unabl angigteft erklärte. In solchem Ausruf imb solchem Wunsch offenbart ftch die einzigartige Bedeutung, die Björirsvn als geistiger vccrfüßrcr keines Volkc^, als sem ^and überraaende Persönlichkeit be,an. Ter Nuichtommling von Bauern, der Sohn eines armen Gebirgspastors, war emporgewachsen zum ersten Bürger seiner Heimat, hatte cüft te-wmaente Macht.über die Gemüter der Seinen gewonnen und lerne durch em halbes Jahr- hmtbert verfochtenen Anschauungen und ideale seinem Volke aut- aevräat Und es war ein rein geistiger Kamps, der m Norivegens Unabhängigkeitserklörung mit dem ^iege Bwrnwns,endete; kem Krieqsnmnn hatte ihn geführt, lern Mb j°,uvA

Wunders am er ' ein Streiter rnr dm Frieden hatte bi£ schlacht Eilagm, der dem schwedischen Gegner die warmste ^ympaihie bewahrte und der durch keine Gewalt icm Ziel erreichen wollte sondern den Gegensatz uiid btd ^xfciteutg durch tas immer ftarftre Sickchurchsetzen der eigenartigen norwegischen Kultur, des ftlb- standigen heimischen Wesens erwirkte.

Wenn wir mm Björnsons europäische^Bedmtung, besonders seinen Einfluß und seine Stellung m ^eutlchland betrachtest wollen, so bürfen wir diese einzigartige nationale Grundlage seines Wesens nie vergessen, die wie eure vewarkende Rewnan» in all seinen Aeußerungen mittont, aoer eas Werk des Politikers, des Reformators, reicht d'ch im wei.entlichen nicht über d:e Grenzen seines Vaterlandes oder bock der ikanc mavinhen Lander, hinan-. Ticser mutige Vorkämpfer für eine echt nordische Wellanich-auruig wäre eine.Lokalgröse geblieben, rociut er sich nicht allmählich von dem engen Gesichtswinkel, unter dem er auigewachien, befreit hätte und als Dichter allgemeine weltbewegende Probleme dar- 3eltCS?tnäL3iet, wie es sich in seinen Jugendwerken an­gedeutet ftndet, stand schon damals fest vor winen Augen, er belämpfte mit leidenschaftlicher Glut die Verorndung Mrwegens mit Schweden, die ihm unnatürlich und verhangrnsaoll ernmm, er erstrebte Norwegens Selbständigkeit und den Zuiammenyang mit dmi schwesterlich verwandten Dänemark, aus desten Herrscher-

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geschlecht Norwegen ja dann seinen König erhalten hat. Eine ungebrochene Naturkraft, deren naiver Einfachheit jedes Dchwanftn und jeder Zweifel ftemd ist, lebte sich damals in all seinem Wirken aus. Als Redakteur, als Theaterdirektor, als Tages- fchriftsteller wie als Poet wollte er dos Norwegische schlechthin. Selbst in der mächtigsten künstlerischen Leistung, die ifimjn dieser Epockft gelang, in seinerMariaj Stuart", erscheint das schottische ganz ins Nordische übertragen. ,r£ , .

Tie rätselvolle, im Sittlichen und Religio,en au,rüttelnde Persönlichkeit Kierlegaards/ die auch Ibsen so stark beeinflußt, mag den ersten Anstoß zu Björnsons Zweifeln gegeben haben; Reffen ins Ausland, das Kennenlernen der modernen Ideen von Darwin, Tarne u. a. wie sie Georg Braiides verbreitete, erweiterten seinen Gesichtskreis und ließen eine Welt neuer Probleme vor,chm auserstehen. Aus demNorweger" wurde damals derMenich"; er hätte sich am liebsten in dieser Zeitder Mensch" unlerzeickmet, wie er in einem Briefe schreibt.Denn es kommt nur vor, daß dieses Wort hier bei uns in diesem Augenblick gleichsam neue Vorstellungen erweckt". Aus den beschränkten Vorurteilen war er in dem Augenblick heraus, iro er sah.Mein ärgster Feurd kann die Wahrheit in Händen haben; ich bm dumm und stark: aber sehe ich, wenn auch durch einen Zufall, die Wahrheit, ,o zieht sie mich unwiderstehlich an." Als er so sehend geworden war, da schüttelte er mit der ihm innewohnenden rücksichtslosen Energie das Alte ab und wandte sich ganz cem Neuen zu. Von nun ab ist sein ganzes Leben ein einziaer Kampf für die, Wahrheit, die sich nicht mehr auf norwegische Einzelinteressen, sondern au, die allgemein menschlichen Urgründe des Lebens erstreckt^ Für diesen neuen Lebenszweck hat er in der seinen Erzählung,Ltaub ' ein Symbol geschaffen. Staub ist alles Vergangene, sind alter Glaube, alte Vorurteile, die sich wie ein feiner Dunst und Nebel in den Seelen der Menschen ansammeln und sich bisweilen dick und schwer in der Maschftie unseres Denkens lagern, so batz ,ie alles Wirken und Schaffen zerstören können.

Eine Kritik der politischen Verhältnisse lag ihm am, nächsten; NNKönig" unternahm er seinen rücksichtslosen Angrift aus das Königtum, m dem trotz dichterischer Sckwnheiten die Tendenz eines radikalen Republikanertums zu aufdringlich hervortrrtt. Mit den sozialen Verl>ältnissen beschäftigte er sich in seinemFalftstemnft , das ihm zugleich seinen ersten großen Bühnenerfolg eintrug. -tu* Tragikomödie des Geldes wird in diesem ersten bürgerluten Drama s)corwegens ausgerollt und der Dichter, der so lange im iwmantstckftn Wickinger kleid erschienen war, fand sich hier meisterhaft zurecht im Lauptbuch des Bankrotteurs Tjalde. Die, Verderbtheit der Presse ward imRedakteur" gegeißelt, wobei freilich alles Licht auf die Liberalen und aller Schatten auf die Konftwattven siel. Björnsons theatralisch/e Begabung, die sich in seinem Erstlingswerk .Zwischen den Schlachten" sogleich bekundet hatte,, tritt in diesen Stücken in einer grellen und effektvollen Weift zutaae. In dem Wunsch der Wirkung ließ sich der Dickster zu mancher Un- wahrfcheinlichleft, zu manchem szenischen Schlager Hinreitzen, der den künstlerischen Wert seiner Dramen, selbst des bestenlieber unsere Kraft", schädigt. In seinen Erzählungen, dft ftch nun eben» falls mit modernen Konflikten beschäftigen, tritt dft lerne und

Die gestern abgebrochene Verhandlung wurde heute fortgefttzt. Hierzu ist von den Konservativen ein Antrag Frhrn. o. R i ch t h o f e n - D i e t r i ch eingebracht worden, den Reichs­kanzler zu ersuchen, in Erwägung zu nehmen, ob und in welchem Umfange, im Hinblick aus die neuere Entwicklung in den Kolonien, eine Abänderung des Schutzgebietsgesetzes, insbesondere auch der geltenden h e r g r ech t l i ch e n Bestimmungen in dt.i Wege zu leiten ist.

Ter erste Redner war heute ein Nationalliberaler. Er wandte sich gegen die Schlüssigkeit der Gutachten des Reichs- justiramts. Staatssekretär D e r n b u r g erwidert, er habe nur ungern die Gutachten des Reichsjustizamts veröffentlicht. Aber es sei billig, daß die Oeffentlichkeit auch seine Gründe und nicht nur die Gründe der anderen Herren erfahre. Prinzipiell ist der Staatssekretär gegendieAuflegungvon Kriegskost en auf die Kolonien. Aber auch aus praktischen Gründen. Vor dem Krieg waren außer der Otavigesellschast keine Inter­essenten im Lande vorhanden, als Farmer und Frachtiahrer, und diese habe man nicht besteuert, ja sogar nock) mit 10 Millionen beschenkt. Transvaal, das von England mit 600 Millionen Kriegskosten belegt wurde, war doch im Kriege Feindesland; Süd­nest'war aber unsere Kolonie. Ihr können wir doch nicht Kriegs­kosten auferlegen. Wir haben eine Kriegsbahn für 42 Millionen gebaut und diese Summe als ein Darlehen dem Kbiegsgebie, auserlegt. Diese Summe wird, obgleich sie bereits durch Erlpar- nisse beim Transport aufgekommen ist, vom Jahre 1911 'ab durch die Kolonie verzinst und von 1912 ab amortisiert. Der Verdienst ist den Leuten zu gönnen. Man soll doch.die kleinen Leute nicht durch solche Maßregeln, wie sie im Antrag Erzberger usw. liegen, abschrecken. Sie tragen ihre Haut zu Markte, dafür musftn sie in der Lage sein, tüchtig zu verdienen. Eine Wertzuwachs-, steuer auf 'bewegliches Vermögen ist im Schutzgebiet noch un-

zarte Schönheft seiner Poesie reiner hervor. In der psychologisch großartigen NovelleMagnhild" greift nun Björnfon mit aller Energie mit die Fragen der Sittlichkeit auf und fetzt sich mit dem Ehepvoblem auseinander. Seine Heldin, das gesunde, starke Bauernmädchen, ringt sich in einer cntlbürbigatten Ehe zu dem Entschluß, durch, diese Fessel von sich AU werfen. Das Evangelium! der Toleranz predigt auch das dichteriich reiche DramaLeonarda", dessen kühne Gedanken in der Forderung einer gleichen Moral für Mann und Weib gipfeln. Und diese Forderung wird dann aufs Schärfste formuliert in dem DramaTer Handschuh", das in ganz, Europa von ter Frauenemanzipation mit Begeisterung aufgegriffen wurde.

Der pädagogische Grundzug seines Wesens, ter ihn stets zum Lehren und Erziehen hindrängt, findet in einem großen Roman und in einigen iciner schönsten) Erzählungen dichterisckftn Ausdruck. Tie zwei MeisternoveklenAbsalons Haar" undMutters Hände" singen ein solches Loblied auf die Mutter als Erzielftrin. 2cc wichtigste Punkt der Pädagogik ist dos religiöse Element. So steht denn die Religion im Mittelpunkt eines großen Teils von Björnions Scl assen: der Paswrensohn, ter kindlich Gläubige, ist zum Gott- Meister, zum Gottsucher geworden. AnS dia'em größten Konflikt im Innern des Ticbters ist die Grundidee seines größten Dramas lieber unsere Kraft" erwachsen. Tas Gebot des Christentums erschien ihm, tem praktischen Lebensmenschen, alsUebcr unsere? Kraft". Alles Mimdersame, Ewige, was er in der Vättur seines Landes und ter Seele der Menschen geschaut, das bot er in dieser Dichtung auf, legte sein eigen zerguältes Herz in die Gestalt des ungläubigen Bratt, aber zuletzt ward ihm doch das Wunderi seines Heltensang zu einem naturwissenschaftlich- medizinisches Vorfall. Und auch in seinem großen rcligiöfeit RomanAuh Gottes Wegen", wohl seiner reifsten erzählerischen Leistung, ver­mochte er nicht, seinen Glauben an das Ueberirdische anzukmivien. Sein Zreigeist bekennt sich zu dem Gott ,des Lebens, ter sich im Wirklichen und Irdischen unablässig offenbart.Heber unsere Kraft" ist es, das menschliche Geschehen lenken und bcemrünien zu wollen. Tas predigt auch ter zweite Teil .seines gewaltigen Belenntnisdramas, ter das soziale Problem mit dem religioftn. verknüpft und in seinem Scyuliteal ausklingt. Ein Prophet tapferer Lebensheiterkeit, frischer Arbeit und ftöhlicher Feste ist ter alte Björnson geworden. Von allen Vormrteilen, von allen! dunklen Mächten der Vergangenheit befreit, soll ter Meirich den Pflichten des Tages gehorchen, soll sich die Menichheit in Liebe vereinen und der großen Aufgabe bingeben, an nmtes, teueres Geschlecht zu erziehen. Tie Jugend siegt über das Alter und nur sie hat Recht fti ter Entwicklung des Lebens! Ein solch kindlich reiner, Heller Ton klingt aus Björnsons letzten Dramen. Tem Greise war noch einmal eine Jugend auserblüht, in der sich Geistesfreiheit und Srnnenfteude auf stolzer Höhe verernten. Wo hat wohl sonst noch ein 74 jähriger em so von Leidenschaft uni) Liebcskraft erfülltes Buch geschaffen, wie Björnsons letzter RomanMary", in dem die Reinheit der Sinnesart triumphiert Über die Reinheit des Körpers?Wenn der junge Wem blüht," so lautete ter Titel des Lustspiels, das trn vorigen Jahre er-

^hnhvfstr. 54 hltill»:

üsjsr*n

scheitert,

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Der Zeuerbrand des Herrn Erzbetger.

Die letzten Verhandlungen im Budgetausschuß des Reichstags über den von uns inhaltlich aussührlich mit* geteilten Antrag des Abgeordneten Er^berger sind vom allergrößten Interesse, sowohl vom grundsätzlichen recht­lichen wie vom Parteistandpunlt. Erzbcrger verlangt be­kanntlich die Erhebung einer außerordentlichen Vermögens­steuer in Südwestasrila als Beitrag zu den Kosten des Hereroseldzuges, und er rechnet dabei mit einer Reichs­einnahme von 80 Millionen Mark. Ter Abg. Sattmann hat einen neuen Antrag eingcbracht, nach dem im ganzen nur etwa 36 Mill. Mk. erhoben würden von Personen und Gesellschaften, deren Vermögen nach Abzug der Scksulden den Wert von 300 000 Ml. übersteigt.

Wir halten diese Vorschläge für verkehrt und ungerecht. Herr Ternburg hat im Ausschuß sich eingehend dagegen gewandt, wie uns scheint, mit vollstem Rechte. Der klare Rechtsstandpunkt muß über gewaltsame Konfiskation, die unter dem Deckmantel der Kriegssteuer steckt, siegen. Tas Reich braucht Geld, aber jeder Deutsche sollte so viel Recht- lichkeitsgefi'chl haben, sich zu sagen, daß man nicht einfach dazu übergehen kann, bestimmte Kreise, denen man sogar große Verdienste uni unser koloniales Fortkommen nicht bestreiten kann, zu schröpfen. Ta Dernburgs Rede im Wort­laut veröffentlicht wird, wir aber mir Bruchstücke daraus mitteilen konnten, die nicht immer ein ganz klares Bild ergeben haben, so lassen wir hier nochmals eine zutreffende Aufzählung der Ternburg'schen Gründe, wie wir sie in derKöln. Ztg." finden, folgen. Das Blatt schreibt u. a.:

Der springende Punkt bei dieser ganzen Frage ist wohl der, ob die Gesetzgebung des Reiches berechtigt ist, wohlerworbene Rechte unter bem Vorwande der Besteuerung an­zutasten und zu vernichten. Zu dieser Frage hat Dern- burg zweimal in folgender Weise Stellung genommen. Er sagte: Wenn der Herr Reick)skanzler Graf Caprivi der South West Asrica Company eine Konzession gegeben bat, in welcher steht, du hast die und die Rechte, so sind diese Rechte für die Re- gprung gültig, ob es uns nun paßt oder'nickst. Ebenso steht es mit der Kolonialgesellfchast und anderen. Wenn Sie auch die 3ad)c ändern wollen, Sie können es nicht." Und an anderer Stelle fragte er:Soll man hier auf dem Wege des lanften ober scharfen Drucks Erfolge zu erzielen suchen, welche der Rechts- 1 agc entgegenstehcn? Soll eine Möglichkeit geschaffen werden, innerhalb des DeutschenReiches auf dem Wege und unter der Form einer Besteuerung ie- wandern Dinge wegzunehmen, welche auf dem ordentlichen Gerichtswege ihm n i ch t w u r d e n ent­zogen werden können? Soll überhaupt bei folchen Gingen die'Mitwirkung der Gerichte ausgeschlossen fein, und sollen die gesetzgebendeii Faktoren einseitig festsetzen können, welches denn nun die Entschädigung ist, die richtig ist, wenn man dieftn Weg ' o^Wenn für Herrn Erztergcr und seine näheren Freunde allem Anschein nach die Tatsache überraschend großer, m den Kolonien erzielter Gewinne ein hinreichender Grund ist, um den glücklichen Gewinnern ihre Gewinne wegzunehmen, so stellt sich dem gegen­über der Staatssekretär auf den Standpunkt des Reckt es, der allein des Teutsck^cn Reiches würdig und allein anständig ist. Bei der Vergebung großer Landkonzessionen,ftnd m ftuterer Zett offenbar Fehler begangen worden, die bar aut zuruckzufuhien sind, hab man ben Wert des Landes vollkommen unter)chatzte. tfur diesen Fehler ist aber nicht nur die damalige Kolonialverwaltung verantwortlich, sondern auch die politischen Parteien und cm wenig alle Deutschen. Reichsmittel zur Encklicßung der Kolonie konnten unter dem ungünstigen bestehenden Vorurteil Nicht auf­gebracht werden, und sa war man froh, daß private Geftlftchasten Kapitalien zur Verfügung stellten, deren Einbringung und Ver­zinsung Jahre hindurch außerordentlich.zweifelhaft ichien. Wenn letzt diese Gesellschaften unverhälrnismätzig hohe Gewinne erzftlew und unerwartete Glücksfälle zu verzeichnen haben, w ist da^ desto

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utiier für sie, ater tein L>riuu> iur üao neuliche 'Jicid), icine einmal gegebene Unterschrift zurückzuziehen. Was im privaten. Verkehr als unanständig gelten würde, das ist es erst recht für eine Großmacht.

Herr Ternburg hat sich auch die Mühe gegeoen, nackzuwenen, daß die geplante Erdrosselung, wenn sie dem Fiskus auch bare 80 Millineon einbräck/te, schließlich und in letzter, Linie die Ent­wicklung unserer Kolonie in einer solchen Weise schädigen würbe, baß dagegen eine einmalige Bareinnahme gar nicht im Verhältnis tänbe.Es ist ber schwerste Schlag, ter gegen bie kaum entwickelte K o l o n i a l s r e u b i g k e i t bes teuttchen Volles und ber Kapitalkreiss jemals gesührt Worten ist, ber größte Feucrbranb, ber in bie ruhige Entwicklung hineingeworsen wirb."

In seinen programmatischen Grtlämngen hat das Zentrum, so fügt das Blatt hinzu, immer den Satz aufaestellt, daß es 'das Interesse der Kleinen gegen die Großen verteidige. Formell tut das auch Herr Erzberger, indem er nur die großen Vermögen über 300 000 Mk. tzu einer Kriegssteuer 'heranzichen will, tatsächlich traf er jedoch gerade die Kleinen, denn eine Aktien­gesellschaft ist doch schließlich nur der GesamtbcArisf sür eine außerordentlich große Menge kleiner Exi- tenzen, die ihre schwachen Kapitalien, die allein eine nützliche Ausbeutung nicht gestatten, in den großen Unter­nehmungen angelegt l-aben.

Uebrigens erklärt dieKölnische VokkSzeitung", ohne den Parteigenossen Erzberger deutlich abzuschütteln, daß sein Antrag eine Privatarbeit sei, welche die Partei nicht binde. Tem stehl das Ergebnis der gestern im Aus­schuß erfolgten Abstimmung entgegen, wobei der Antrag Erzbergers auch gegen die Stimmen des Zentrums ab- gelehnt wurde.

Die leistungsfähigen Gesellschaften, die aus den Reichszuschüssen für die Kolonien wirklich erheblichen Nutzen gezogen haben, zu einer gerechten Steuer-Abgabe zu Der* antaffen, ist natürlich etwas anderes als Erzbergers Vor­schlag. Darüber sind im Budgetausschuß gestern neue An-

niöglidjer als in der Heimat. Sie lann nur aus ruhigem, gc* schaftsmäßigem und gesetzliches Wege cingeführt werden.

Inzwischen ist folgender weiterer Antrag der Äon* servativen Frhr. v. Rickfthosen, Dietrich, Edler zu Putlitz eingegangen: . ,

den Reichskanzler um Vorlage emes Gesetzes zu ersuchen, durch welches in dem Schutzgebiete Südwestasrika vor Ausbruch des dortigen Aufstandes domizilierte lefftungsiahige PMonen und Gesellschaften zur Entlastung des deutschen Reichsftskus herangezogen werten." t ,

Die Volkspartei, Dr. Dohm und Genossen, beantraat:

die verbündeteii Regierungen zu ersuchen: 1. tem Reichs­tag eine Denkschrift über die Frage vorzulegen^ unter roclajen Voraussetzungen und in welchem Umfange ein Schutzgebiet zur Deckung von Kosten durch direkte Besteuerung heranzuzrehlNi ist, die aus den Reichszuschüffeu in diesem Schutzgebiet erwachsen; 2. in ten Etat für das südwestasrikanische Schutzgebiet auf das Rechnungsjahr 1911 einen der wirtschaftlichen und ftnaiiziellen Leistungsfähigkeit des Schutzgebietes enlspreckienden Beitrag zur Verzinsung und Amortisation der aus Anleihemittcln geteerten Kosten einzustcllen; 3. im Wege der Vereinbarung mit den in Frage kommenden Gesellsckrasten dahin zu wirken, daß d^ii Landessiskus in Südwestasrika die Berghoheit und das Recht der Festsetzung und Erhebung von Bergwerksabgaben ge- gebcnensalls unter Gewährung angemessener Enttckudigung bet Verzicht auf wohlerworbene Rechte gefickftrt wird "

Der Staatssekretär erklärt den letzterwähnten Antrag Ricksthosen für zu unbestimmt. Dagegen den ersterwähnten AMrag Richthofen für erwägenswert. Man müsse dem Landesrat ein bindendes Bestimmungsrecht geben und von den.Rechten des Rcickstages manches nach dort delegieren. Das ist das gleiche Moment, das in dem ersten Antrag Richthofen angeregt ist. Solche Aeuberungeii sind möglich. Der erwähnte freisinnige Antrag sei in Nv. 1 uni« 3 (annehmbar, jedoch in bezug auf letztere Nummer zieht der Staatssekretär einen soeben eingegangenen Antrag der Neichspartei und Nationalliberalen vor. Dieter "Antrag Liebert (Rp ), Dr. Sentier lNatl.) ersucht die verbündeten Negierungen, für das südwestafrikauische Schutzgebiet im. Wege des Vertrages bezw. ber Gesetzgebung herbeizufuhren, test

1. bie früher verliehenen, etwa noch bei Tritten bestehenden; Hoheitsrechte notsalls gegen Entschäbigungen aufgehoben nrcr- ben: 2. eine allgemeine Besteuerung bes Einkommens oter ReS Gewerbes im Schutzgebiet unter Schonung bes kleineren Besitzes und Erwerbes eingewhrt wird; 3 die Verordnung über die Aus­übung des Bergrechts nack> der Richtung einer Revision unler- zogeil wirb, baß bie Rechte und Pflichten der Schürfer und der Grundeigentümer abgegrenzt und sichergestellt werden.

Der S t a a t s s e k r e t ä r verwahrt sich dann gegen den Cwz-, bergerschen Ausdruck, daß bid Beamten ber Kolonien im Gegensatz zum Staatssekretär gestanben hätten; bas sei nie ber Fall ge­wesen, sonbern seine Anweisungen hätten bie Wege, die man dort ein geschlagen, nicht ausgeschlossen. dein Vertrag mft der, Kolonialgcsellschaft bemerkte Ternburg: T,e Sperre habe mit Absicht den Zustand wiederhergestcllt, der von dem 1. DI toter, also vor der Wirksamkeit des Rezesses bestanden habe. Hatte man die Sperre nur bis zu!m 1. Oktober gelten lasten, sie dann aber aufgehoben, so waren alle bis baten erworbenem Rechte, auch bie Felber ter Privaten Schürfer, wieder hrnsälliL, geworden. Es war kein Zweifel, daß gesperrt, und zwar für die Kolonialgefellfckmft gesperrt werden mußte, und die Gründe, die für die Sperre sprachen, sind noch wirksam. Ter Vertrag; erfüllt die Wünsche: erstens die 8 Millionen-Grcnze ist ge­fallen, zweitens der Anteil des Reiches erhöht, drittens bte Anteilnahme anderer Gruppen an der Ausbeutung ter übrigen; Mineralien, die nach 1911 unter die Sperre fallen werten, ist gefickftrt. Tas besagt ter neue Vertrag mft dar Diamantgesell schäft, S 3 Absatz 4. Die Hälfte der Anteile soll den Süte wcstafrikanern überlassen werden, etwa der Mincnkammer. Diese sei nicht voll zustande gekommen, weil die Interessenten nicht bie Diamantenkftsellschaft aufnetenen wollen, mit der Begründung, daß sie Konzessionsgesellschasten nicht aufnetenen wollen. Er betone, alle Hohcitsrechte, ausnahmslos, feien der Kolonial- gesellschaft überall genommen, in jeder Beziehung. Tie Kolonial- , gefellfchaft erhalte nur durch Vermittelung der Regierung die. ihr zustehenden 2 Proz. Warum find die Reckte ter Koloiiialgeiell-

«te, Tonbild noch bt bekannten Volkslied ^Büglerin me Damenleibwäsche m rmadchrn unter flüniticr SSw 'o,ort'9eni -- PiwMMalt Edelwci- Krotdorser Ltr. 12. Wichtige Putzarbeiterii. tt garnieren kann, per I: Ml. Marie Wagenbat

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Lina Bemard.

Mmqrckstrahe ft. r ein seines Delikaicßw; wird ein Lehmädcheu ichtbarer Familie geM Ibstacschrieb. Meldung, m..