Ausgabe 
20.12.1910 Zweites Blatt
 
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HL 298

Swett« Blatt

{60. Jahrgang

Erscheint ftfH0 mtt RuDnahme bei Semdafl»

Vlenrtag, 20. Dezember 1910

Rotationsdruck und Verlag der Brühllchsn UnwersitätS - Buch- und ©teinbrudaeL «. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e-^K bl.

Redaktion: e-sA 112. Tel.-Adru AnzeigerGießen,

^Eießeuer JeiilleiiMMttr werden dem , Haariger* viermal wöchentlich beigelegt, dal Xrtbblati für de» Kreh Eiehen" zwe'mal wöchentlich. DieLaadmirtschaftllchen SeU- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Vie oberhessischcn voltrzähiungsergebnisie.

KreiS Friedberg.

Gemeint»« Pohl-Göns. Zahl bet Haushaltungen 127, Einwohnerzahl 666, davon sind 640 evangelisch, 1 katholisch^ 25 israelitisch. (1905: 815.)

Gemeinde S chwa lheim (Wetterccu). Zahl der Haushal­tungen 172, Einwohnerzahl 824, davon sind 800 evangelisch, 24 katholisch. (1905: 736.)

Gemeinde Staminheim. Zahl der Haushaltungen 185, Ein­wohnerzahl 810, davon sind 739 evangelisch, 60 katholisch, 11 israe­litisch. (1905: 807.)

Kreis Schotten.

Gemeinde Kötzenhain. Zahl der Haushaltungen 47, Ein­wohner zahk 212, davon sind 211 evangelisch, 1 katholisch. (1905:

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

richtersknechte! Die Laternen in der Straße wurden ausgedreht oder mit Steinen eingeworfen. Die Zeugin sah auch, wie ein Mann einen zwölfjährigen Knaben hochhob, damit dieser eine Laterne ausdrehen konnte. Ms die Zeugin über die verlorene Milch jammerte, wurde sie von den Tumultuanten beschimpft.

Nach weiteren ähnlichen Vernehmungen wurde die Verhand­lung auf morgen vertagt.

Aus dem übrigen Reich.

Bürgermeisterei Hohensolms. Einwohnerzahl 3563 (1905: 3412). Ahrdt 97 (93), Altenkirchen 425 (433), Groß- Alten städten 359 (370), Bellersdorf 148 (111), Bermoll 147 (149), Blaibach 524 (497), Erda 864 (778), Hohensolms 462 (463), Mudersbach 274 (249), Oberlemp 241 (237), Fst. Gd. Hohensolms 21 (32).

Prinz Max von Sachsen alsUetzer"

Prrnz Max von Sachsen hat vor kurzem eine Orient­reise gemacht, und ist dann mit seinen Reiseeindrücken und Erlebnissen auch literarisch hervorgetreten. Unter anderem hat er einen Artikel in der ZeitschriftRom und Orient ver­öffentlicht, wovon folgende Einzelheiten verbreitet wurden:

Der Artikel ist die schärfste Kritik des römischen Systems. Er beschuldigt die Päpste und die lateinische Kirche, gewalttätig und herrschsüchtig gewesen zu sein und unter Union nur voll« Unterjochung verstanden zu haben, aber nicht Gleichberechtigung. Er erinnert daran, daß in den ersten Jahrhunderten die Kirclze dNonarchie war und zur absoluten Monarchie erst durch die Fälschung Pseudo-Isidors wurde. Ein solches System könne man den Orientalen nicht aufcrlegen. Der Papst solle Selbst­verleugnung üben und den Orientalen gestatten, die Auffassung der ersten Zeiten vom Primat zu bekennen, auch solle der Papst ihnen Selbstverwaltung gestatten und auf Gelbsucht verzichten: denn wenn die Orientalen Tausende von Frankrm für jede Bischofs- bulle und andere Dispensen zahlen müßten, würden sie Geldgier als den Beweggrund der römischen Unionbestrebungen nnfeljen. Die jetzigen unierten Griechen seien nur geknechtete mib maskierte Lateiner. Auch in Glaubenssachen solle Rom von den Orientalen keine Annal-me von Dogmen verlangen, die die lateinische Kirche allein fabriziert hat.

Dieser Artikel ist in Rom natürlich sehr ungnädig aus­genommen worden. In dem päpstlichen Organ ,Osserva- tore Romano" veröffentlicht der Abt oes griechischen Basi- lianerklosters von GrottaferratabeiRom, Monsignore Pelle­grini, an leitender Stelle eine Erklärung folgenden Inhalts:

,Lum allgemeinen größter Aergernis hat Prinz Max von Sachsen in die auf Vereinigung der katholischen und griechischen Snrd>e hinziel ende ZeitschriftRom und Orient" (Nooembcr- numiner) einen Artikel eingeschmuggelt, der von Ketzereien aller Art strotzt. Es handelt sich darin um Behauptungen, die so un- gel>euerlich sind, daß sie von keinem Katholiken, gcfcfyrotige benn von der Kirche und dem Papst geduldet werden könnten."

Psinz Max wird angeblich demnächst in Rom erwartet und öffentlich sein Bedauern über seinen vom Vatikan ver­dammten Artikel aussprechen und eine Art Widerruf leisten müssen. Der Artikel war ursprünglich noch viel schärfer. Im letzten Augenblick noch, als bereits eine Anzahl von Ab­zügen hergestellt war, wurde er noch einmal in seine zur Verösfentlichung gelangte, inzwischen aber auch. wieder zurückgezogene Form gebracht.

Rom, 19. Dez. ImOsservatore Romano" veröffentlicht der apostolisckie Verweser i>er Diözese Frascati Monsignore L u p i die Erklärung, daß ihm die den Artikel des Prinzen Max ent» haltende Nummer der Zeitschrift nufyt nörgele gt wurde, bonifi er die kirchliche Approbation erteile, und daß er die Approbation auch nicht erteilt haben würde. Dasselbe Blatt tadelt den Abt Pellegrini heftig, weil er sich über den Artikel des Prinzen Max interviewen ließ, während nach der Lage der Tinge die größte Zurückhaltung geboten sei.

A Treis a. d. Lda., 18. Dez. Ein neues Jn- dustriewerk scheint hier zu entstehen; eine Firma aus Mühlheim nimmt gegenwärtig Bohrungen nach Quarzit- lagern vor. Falls genügend mächtige Lager gefunden werden, sollen Quarzitbrüche entstehen und unter künftigem Verhältnissen ein Chamottewerk erbaut werden. Die bis­herigen Bohrungen sind recht günstig verlausen.

B. Treis a. d. L., 19. Dez. Seinen ersten Familien.-* abend feierte gestern abenb in Benners Saal hier der hiesige lm Frühjahr dieses Jahres neu gegründete Zweigverein deS Evang. Bundes. Nachdem der Vorsitzende, Lehrer Walter/ die zahlreich Erschienenen herzlichst begrübt hatte, gab Pfarrerd Groth- Nödgsi in einem IV, stündigen Vortrag ein anschaw-! ltches, fesselndes Bild von Ernst Moritz Arndt und seiner Zeck^ Hierauf sprach Lehrer H e d r i ch hier in packender, interessanten Weise über die reformawrische Bedeutung Philipp Mel auch- thons. Beide Vorträge fanben lebhaften Beifall. Zur Ver­schönerung des Abends trugen auch die sinnigen 'Darbtetungeft des hiesigen Kirchengesangvereins wie die Deklamationen Arndd- scher Lieber durch Konfirmanden, nicht wenig bei,

Kreis Alsfeld.

X. Alsfeld, 18. Dez. In der letzten Sitzung int alten Jahre hatten sich unsere StadtVäter noch mit einer reich­lichen Tagesordnung zu beschäftigen. Es standen in her Sitzung u. a. folgende Gegenstände zur Beschlußfassung: Abrechnung des städtischen Schlachthofes für Rechnungsjahr 1 9 0 9 und Voranschlag f ü r Rechnungsjahr 1911.. Die vorgelegte Abrechnung schließt mit einem Ueberschuß tun rund 2500 Mk. ab, der Voranschlag für 1911 balanciert in Ein­nahme und Ausgabe mit rund 18 000 Mk. Diese Zahlen be­deuten eine für unseren aus kleinen Verhältnissen sich entroidelnbrrti Schlachthofbettieb erfreuliche Gestaltung. Aus dem Umstand, daß demnächst die Trichinenschau fakultativ int Schlachthof zur Aus­führung gelangt, hofft man auf eine weitere Steigerung dcS Schlachthausbetriebes. Weiter beschäftigte man sich mit dem Er­laß der neuen Friedhofs ordnung. Die Aufsichtsbehörde hatte zu verschiedenen Bestinrmungen, die von dem müüsteriellew Musterentwurf abwichen, Beanstandungen erhoben. Sie wurden nach den DorscWgen der Friedhofskommission erledigt.- Ein von der Kulturinspektion Gießen vorgelegtes Projekt zur Ver­besserung der alten Niederdruckwasserleitung wurde mit den von der Wasserwerks ko mmission ba^u angenommenen Abänderungen genehmigt. Am Schlüsse der Sitzung gedachte der Vorsitzende der am 1. Januar ans dem Äadtvorstand ausscheiden­den drei Herren !und dankte ihnen für ihre eifrige und ersprießliche Mitarbeit.

Kreis Friedberg.

m. Friedberg, 17. Dez. An der ftäbt. Gewerb e* Akademie fanden beute in der üblichen Weise die Imma­trikulationen statt. Es wurden 44 Neueingetretene au£ die Gesetze der Anstalt verpflichtet. Bei dieser Gelegenheit rich­tete der D i r e k t o r der Anstalt ernste Worte der Ermahnung an die Anwesenden und wies darauf hin, daß bei der Fülle des zu bewältigenden Stoffes die ohnehin knapp bemessene Studienzeit durch intensives Arbeiten auszunützen sei. Im Frühjahr und Herbst hält die Stadt seit eüva 50 Jahren P ferdemär kte ab, mit den er: eine Verlosung von Pferden, Fohlen und Gebrauchs­gegenständen verbunden ist. .Für diese Verlosung muß nun all­jährlich vom Ministerium die Genehmigung erteilt werden. Nun wird für diesmal an die Genehmigung die Bedingung geknüpfte daß die im Herbst zur Verlosung kommenden Fohlen von Züchtern eingekauft werden sollen. Die Stellung dieser Bedingung be­weist die lz änzliche Unkenntnis des hiesigen Marktes, dessen Exi­stenz damit in Frage gestellt wird. Ttie wenigen Züchter, bie hierher kommen, erhalten unseren Markt nicht, fonbern die von auswärts hierher kommenden Händler.

1. Fauerbach v. d. H., 19. Dez. Am SamStag hielt im Kriegerverein Lehrer Keil-Klein-Linden einen Vor­trag über Südwestafrika, bei dem er sehr zahlreiche Zuhörer hatte. Der Redner verstand e8, in anschaulicher Welse Leben und Treiben, sowie die Produkte dieser deutschen Kolonie und die schrecklichen Kämpfe mit Hereros und Hottentotten zu schildern. Durch Ansprachen, Trinksprüche auf Kaiser und Grobherzog und durch einige Vaterlandslieder gab es eine schöne patriotische Feier. Der hiesige Ra d- fahreroereinPfeil" hält im nächsten Jahre anfangs Juni ein Fest ab mit Bannerweihe und Prels-Korsofahren. Ein hiesiger Landwirt sand, als er vom Felde zurück­kehrte und sein Pferd in den Stall führte, sein dreijähriges Fohlen, das im Frühjahr eingespannt werden sollte, tot vor. Es hatte den Kops^zwischen Wand und einen eisernen Pfosten gezwängt, um Hafer aus der Nachbarkrippe zu sreffcn, und war dabei erstickt.

Der neue Karl May-Prozeß.

4 Berlin, 17. Des.

Der Aufsehen erregende Beleidigungs-Prozetz zwischen dem Reiseschriftsteller Karl May und dem Redakteur Rudolf L eb ins wird mmmebr am 1. Februar und die folgenden Tage vor der inerten Strafkammer des Landgerichts itl zur Schlußverhandlung gelangen. Die Berlesuna 'der Men und Schriften allein dürfte mindestens eine halbe Woche in Einspruch nehmen, so daß die Verhandlung süh zu einem Riesenprozetz B-n Nftrd, in welcher Landsepjchttdirettm: Scharmuck den tühren trirb.

KinSeslnitzhaiidllmgen auf der Polizeiwache.

< Hirschberg, 18. Dezember. .

Unter der Anklage der Mißhandlung im Amte, um von den Mißhandelten ein Geständnis zu erpressen, hatte sich vor der hie­sigen Strafkammer der Polizeiinspektor Otto Engler (Landes- Hut) zu verantworten. Engler wird zunächst befdvulbigt, ein jetzt 14 Jahre altes Mädchen, das sich gegenwärtig in Fürsorge­erziehung befindet geschlagen zu haben, damit sie ein bereit# abgelegtes Geständnis wiederhole. Ein zweiter Fall betxifft fünf Jlmgen, die gemeinschaftlich Ladendiebstähle misgesührt hatten und auf der Wache von dem Angeklagteir ebenfalls geschlagen wurden. Der letzte Fall endlich bezieht sich auf zivci Jungen, die einem kleinen Mädchen das zum Einl-olen bestimmte Geld weggenommen hatten. Der Angeklagte gab in allen drei Fällen: zu, die Kinder auf der Wache geschlagen zu haben. Er fribd sich dazu aber für berechtigt gehalten und geglaubt, im Einver­ständnis mit den Eltern zu handeln. Eine Erpressung von Gestäildnissen könne umsoweniger in Frage kommen, als die geschlaaenen Kinder bereits ein Geständnis abgelegt hatten. Der Gerichtshof erkannte wegen Körperverletzung im Amte auf vier Monate Gefäng nis. In der Begründung wurdo ausgeführt, daß die Mißhandlungen ziemlich schsverer Art ge- tvefen seien, so daß eine Geldstrafe nicht als ausreichende Sühne erschienen wäre.

Ans StaM und Land.

Gießen, 20. Dezember 1910.

L.U. Landes Universität. Dem Assistenzarzt an der Universitäts-Augenklinik Dr. Otto Kuffler ans Wien wurde die venia legendi bei der medizinischen Fakultät für das Fach der Augenheilkunde erteilt. Seine Habilitations­schrift ist überschrieben:Zur Frage der Glaskörperinfcktion und des Ringabszesses. Experimentelle und kritische Unter­suchungen."

** Vereinfachung des Geschäfts ganges auf dem Gebiete der amtlichen Statistik. Ene der wichtigsten statistischen Erhebungen ist die Feststellung der natürlichen Bevölkerungsbewegung, d. h. des Wechsels der Bevölkerung, wie er sich durch Heirat, Geburt und Tod vollzieht. Sie erfolgt in Hessen durch die Zentralstelle für die lLandesftatiftik auf Grund von Zählkarten, die von den Standesbeamten für jede Eheschließung, Geburt und jeden Todesfall ausgestellt werden und in bestimmten Zeit­räumen bei der genannten Behörde in großer Zahl 70 000 Stück jährlich zur weiteren Bearbeitung cinlaufen. Vom 1. Januar 1911 an gelangen aus Anregung der Zentralstelle nrue wesentlich vereinfachte Zählkartenformu­lare zur ^Verwendung. Die bisherige Zahl der in ihnen aestetlten Fragen ist erheblich vermindert worden, was für die Standesbeametn besonders der größeren Städte eine nicht geringe lArbeitserleichterung bedeutet.

** Stiftun g. Ein hiesiger Bürger hat der Zen­trale für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen 5000 M k. überwiesen. Die Zentrale wird diesen Betrag durch ihre am 12. Dezember errichtete Zweig­stelle Gießen für die Säuglingsfürsorge des dort.gen Be­zirkes verwenden lassen.

** Der Verein evang. Organisten und Chor­dirigenten im^Großh. Hessen hält seine dies­jährige Hauptversammlung am 27. Dez. in Mainz ab.

** Der Verein städtischer Beamten hielt am Sonntag seine Weihnachtsfeier ab. Der große Saal der Liebigshöhe war trotz des ungünstigen Wetters schon kurz nach dem Beginn bis auf den letzten Platz gefüllt, und während die große Kinderschar in erwartungsvoller Span­nung bie unter dem Weihnachtsbaum ausgelegten für sie bestimmten Gescherike bewunderte, entwickelte sich unter den Mitgliedern und deren Angehörigen die zwangloseste Weih- nachtsst-immung. Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Schriftführer üuurde die Feier durch einen von Frl. Schmidt recht gut gesprochenen Prolog und ein aemeinschast- liches Weihnachtslied eingeleitet. Hierauf zergte sich der harrenden Kinderzahl alspersona gratcr" der Weihnachts­mann, der, von Herrn Karl Sommerkorn vortrefflich dar- gestellt, aus seinem Sack die verschiedensten Geschenke an Jung und Alt hervorholte und von den Kindern viel be­wundert wurde. Es folgte hierauf die Bescherung der Kinder. Durch das treffliche Arrangement des Vergnü- gungsausschusses war es ermöglicht worden, selbst die ge­heimsten Wünsche der Kinder zu berüch'ichtiaen. Es wurde etwa 120 Kindern beschert. Gleichzeittg gelangten an die Kinder Fahrmarken der Straßenbahn zur Verteilung^ wo­durch allen die Heimfahrt ermöglicht wurde. Einige recht tresslich von Herrn und Frau Schmalz, Frl. Sommerkorn und Karl Sommerkorn dargestellte, auf das kindliche Ge­müt berechnete theatralische Aufführungen fanden großey Anklang. Eine Heine Verlosung brachte auch den Er­wachsenen Ueberraschungen und durch ein Tänzchen wurde die schöne Feier gegen 9 Uhr beendet.

** Die GesellschaftFidelitas" hielt am Samstag rm Lenzsck>en Felsenkeller ihre Weihnachtsfeier ab. Der Saal konnte bie Feftteilnehmer kaum fassen. Durch ein Musik­stück wurde die freier em geleitet, worauf ein schön gesprochener Prolog und ein gemeinsames Weihnachtslieb folgte. Durch daS Theaterstück und das humoristische Duett wurde große Heiterkeit erregt. Weiter wurden noch Marmorgruppen gestellt. Ihnen folgten noch zwei Duette und ein Rezitationsvortrag; auch diese Darbietungen ernteten reichen Bei füll. Verlostrng und Tavs bildeten den Schluß der wohl gelungenen Feser.

Landkreis Gießen.

^Heuchelheim, 18. Dez^ Gestern nachmittvg war in Iber hiesigen Kirche die Bescherung für die Kinder der Kleinkinder schule. Am Abend veranstaltete der Verein Ki nder f r eu n b" imTreppchen" eine Weih-nachtsverlosung zum Besten der Kleinkinderschule. Der Gesangverein (Ger­mania veranstaltet am ersten Feiertag eine L^ichrachtsvev- lojung imTreppchen". Eine Al) endunt er Haltung größeren Stils mit musilalisch-draputtischen Darbietungen ist Är den Februar geplant.

vom hessischen Parlament.

Darmstadt, 19. Dez.

Die Erste Kamme r der Äandstände wird gutem Ver­nehmen nach in der ersten Hälfte des Monats Januar zur Abhaltung von Vollsitzungen zusammentreten und darin neben einer Anzahl von der Zweiten Kammer fertiggestellter Vorlagen sich namentlich mit der Beratung der Wahl­rechtsvorlage und dem Gesetzentwurf über die Ge­meindeumlagenreform besclstiftigen; für später ist dann auch die Beratung der Stadteordnimg und der Land­gemeindeordnung in Aussicht genommen.

Der verstärkte G e s e tz g e b u n g s an s schu ß der Ersten Kammer tritt morgen zur Fertigstellung des Aus- schußberichtes über die Wahlrechtsvorlage zusammen und wird sich darnach mit der Beratung der Vorlage über die Gemeindeumlagenreform beschäftigen.

Der an Stelle des verstorbenen Oberlandesgerichtspräsi­denten, Exz. Lippold vom Großherzog zum lebensläng­lichen Mitglied der Ersten Kammer ernannte Landgerichts- . Präsident Dr. Phil. Hangen dürfte auch an Exz. Lippold Stelle zum Mitglied des Gesetzgebungsausschusses gewählt werden.

Die Moabiter §trahen!rawalle vor Gerichts

_ Berlin, 19. Dezember.

Ter Moaotter Krawallprozeß ist mit dem heutigen Verhand­lungstag in die fünfte Sitzungswoche eingetreten, aber trotzdem ist kroch kein Ende abzusehen, so daß der Prozeß wahrscheinlich auch bann noch verhandelt werden wird, wenn bereits der große Schwur­gerichtsprozeß wegen der Moabiter Krawalle am 9. Januar n I seinen Anfang nimmt. Der Vorsitzcirde Landgerichts di rektor Lieber Erklärte zu Beginn der heutigen Sitzung, daß es' nötig sein würde, auch am Heiligabend in die Verhandlung einzu­treten, um die Vertagungsfrist von drei Tagen nicht zu über» schrecken und eine nochmalige Verhandlung des ganzen Prozesses nach den Weihnachtsfeiertagen vornehmen zu müssen.

R.-A. Rosenfeld benennt dann den bekanntenVorwätts"- Redakteur Ströbel sowie zahlreiche andere Nedaktionsmitglieder desVorwärts" und die Mckglieder des Redaktions-Sekretariats und der Geschäftsstelle darüber als Zeugen, daß derVorwärts" keinerlei vorherige Kenntnis von den Vorgängen in Moabit hatte.

Es wird dann in der Beweisaufnahme über den allgemeinen Teck der Anklage fortgefahren und zunächst der Arbeiter Kuhl ver­nommen, der bet einer Attacke der berittenen Scl-utzleute so schwer verletzt sein will, daß, wie er sich ausdrückt, er sein Leben lang daran zu tragen haben werde. Der Zeuge ist an jenem Abend zum Bahnhof Beußelsttaße gegangen, an dem dieser von der Polizei gestürmt wurde. Obwohl die Straße fast menschenleer gewesen sei. seien die Schutzleute ohne Rückftcht auf die paar Passanten dahingestürmt und hätten alles niedergerisscn, was ihnen in den Weg getommen sei. Der Zeuge, der mehrere Kriegsdenkmünzen an der Brust trägt, list habet von den Schutzleuten ebenfalls niedergeritten ivorden. Als er aufftehen wollte, habe er einen Stoß mit dem Säbelkorb bekommen und sei von einem nach­folgenden Schutzmann direkt mit den Füßen getreten worden. Durch den Stoß eines Pferdehufes erlitt er außerdem eine Schulter- quetschung.

Der folgende Zeuge, ein Techniker Lembke, ist wieder der Meinung, daß das Verhalten der Polizei an den Krawalltagen ein durchaus korrektes gewesen fei.

Straßenbahnschaffner Graul bekundet, daß ein aus seinem Wagen gestiegener Fahrgast sofort von einem Schutzmann und einem Kriminalbeamten in Zivil geschlagen und gestoßen worden sei.

Die Sckmtzmannsehefran B u ch w a l d ist wieder eine Schutz- »eugirt der Polizei. Sie kam mit einer Milchkanne auS einem Hause und wurde von dahinstürmenden Tumultuanten umgerannt. Die Menge rief den .Schutzleuten zu: Bluthunde unin Schars­