160. Jahrgang
Erstes Blatt
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Freitag 30. September 19 lv
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=~ General-Anzeiger für Gberhesfen
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Ht varmMa^suh" Bofafieitsönttf lmd Verlag der vrühl'schen llnlo.-vuch- und Steindruckerei 8. Langt. Redaktion, Expedition und vruckerel: Schnlstratze 7. NgmtFl°?'H?veck.
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Tschechen und Deutsche.
Der int Frühjahr 1908 gewählte böhmisch'e Land- ag hat bisher den ihm gestellten Aufgaben nrcht gerecht 7 erd en können. Er mußte schon nach vier Wochen vertagt -erden, weil die Deutschen die Ablehnung ihrer nationalen Forderungen durch die Tschechen mit Obstruktion beantwor- eten und, als geschustsord-nungswidrige Vorgänge hinzu- amen, beschlossen, die Obstruktion nicht eher einzustellen, als is die Tschechen den Deutschen die ihnen Ankommende Stel- ung eingeräumt hätten. Man präzisierte diese Forderungen in einem Antrag Frengl, der die Bildung von natio- alen Kurien verlangte, die bte Wahlen in den Landesaus- huß und in die Landeskommissionen vornehmen und ein Vetorecht in allen nationalen Fragen besitzen sollten; man orderte, daß die Landes einncchrnen nach einem gesetzlich fstgelegten Schlüssel von diesen nationalen Kurien vergaltet werden sollten, und drang schließlich auf eine Ab- renzung der Verwaltungsbezirke nach nationalen Gesichts- unkten, während die Tschechen nach wie vor von alledem ichts wissen wollten, sondern auf der Unteilbarkeit Böhmens beharrten. Zwar wurden im Herbst 1909 noch Versuche emacht, den Landtag wieder flott zu machen; als er aber m 3. Februar 1910 zum zweiten Male zusammentrat, setzte ie deutsche Obstruktion wieder ein, diesmal zur Unter- ützung der Regierung, die dem Landtag einen Gesetzes- ntwurf hatte zugehen lassen, der die deutschen nationalen Forderungen insoweit berücksichtigte, als er das Landesver- -altungsgebiet national teilen und die Geltung der beiden undessprachen neu regeln wollte.
Nun soll der böhmische Landtag am heutigen Freitag um dritten Male zusammentreten, nachdem sich unter der legide der Regierung Kwiscken Deutschen und Tschechen ine Art Verständigung angeoahnt hat. Man hat sich vor- iufig über die Tagesordnungen zweier, durch einen Zeit- aum von drei Wochen getrennter Landtagssitzungen ge- inigt, in deren erster die Regierungsvorlage über die Be- ceiung der Personaleinkommensteuer von den Zuschlägen, ie Vorlage über die Bierabgabe, die fünf nationalpolitischen Regierungsvorlagen, sowie die dementsprechenden Anträge er Parteien an zwei besondere Ausschüsse überwiesen werden sollen, die binnen längstens drei Wochen, wo die zweite Vollsitzung stattfindet, Bericht erstatten sollen. In dieser oitzung soll als erster Punkt der Tagesordnung der Bericht er nationalpolitischen Ausschüsse, als Aweiter derjenige des Zteuerausschusses stehen, so daß die Deutschen es in der )and haben, die Steuern zu verweigern, wenn der Bericht .er nationalpolitischen Ausschüsse ihren Absichten nicht end- pricht.
Diese Vereinbarung scheint auf den ersten Blick nur die Zerabredung eines dreiwöchigen Waffenstillstandes zwischen deutschen und Tschechen zu bedeuten. Doch ist es immerhin nöglich, daß, mögen auch die Tschechen bereits einen Antrag forscht vorbereitet haben, der die Unteilbarkeit beS König- eichs Böhmen in legislatorischer und administrativer Hin- icht feststellt und die absolute Gleichberechtigung beider Landessprachen weiter — beides im Gegensatz zur Regie- -ungsvorlage und dem deutschen Antrag Frengl — ge- ichert sehen will, man sich im Ausschuß über einige Fragen )on geringerer Bedeutung, wie z. B. über den Gebrauch ier Leiden (Landessprachen bei den autonomen Behörden ind über die Erhöhung der Zahl der Landesausschußbei- itzer verständigt, nicht aus Liebe zu einander, sondern untejr )em Druck der in. Böhmen herrschenden Finanznot und in
Rücksicht aus den Zusammentritt des Reichsrats und somit auch der Delegationen.
Denn mit den Finanzen Böhmens', des reichsten Landes der österreichischen Krone, sieht es zurzeit geradezu trostlos aus. Da der Landtag seit zwei Jahren nicht arbeitsfähig war, war es weder möglich, das Defizit des Etats für 1909 in Höhe von 221/2 Millionen Kronen durch eine Anleihe zu decken, noch die Biersteuer, die 131/2 Millionen Kronen abwirst und die am 31. Dezember 1909 ablief, rechtzeitig zu erneuern. Zwar konnten die Kassen des Landes noch immer die dringendsten Bedürfnisse des Schulhaushalts mit §üfe der Erhöhung der Landeszuschläge zu den direkten Steuern decken, aber für alles übrige fehlte es an Geld, so daß man den alten Haushalt nicht nur um 18 Millionen Kronen kürzen, sondern auch bei der Landesbank ein Darlehen von 20 Millionen Kronen a conto der Erneuerung der Biersteuer aufnehmen mußte. Die Weigerung des Bankinstituts aber, mehr Geld herzuleihen, machte seit einiger Zeit die Finanzlage Böhmens so kritisch, daß diese Tatsache nicht ohne Einfluß auf die Verhandlungen des nationalpolitischen Ausschusses bleiben kann, weil eben von der dortigen, wenn auch vielleicht nur partiellen Verständigung die Bewilligung und Deckung des böhmischen Budgets ab hängt. Wie lange freilich auch die bescheidenste deutschtschechische Verständigung dauert, ist eine andere Frage.
Der Aufruhr in Moabit.
Auch am gestrigen Donnerstag abend wurden in Moabit, wenn auch in minderem Maße, die Ausschreitungen fortgesetzt. Es' wird jetzt, auch von amtlicher Seite, immer nachdrücklicher festgestellt, daß an dem Aufruhr sich vorwiegend auch sozialdemokratisch organisierte Arbeiter beteiligt haben. Auch der „Vorwärts" läßt diese Annahme Äii, indem er nämlich schrieb, falls die Behörden sich an die Organisationen um Hilfe gewendet hätten, würden die Ausschreitungen viel eher beseitigt worden sein.
Moabit, 29. Sept. Bis 9 Uhr abends war alles ruhig geblieben, abgesehen von einigen kleineren Zwischen- sällen. So beschimpfte in der Rostockerstraße eine Frau vom geöffneten Fenster aus die Polizei, sie wird sich vor dem Strafrichter deshalb zu verantworten haben. Zwischen 7 und 8 Uhr, der Hauptverkehrszeit der Arbeiterschaft, zeigten die Beußelstraße und deren Nebenstraßen sehr starken Verkehr, denn trotz des scharfen Vorgehens der Polizei an den vergangenen Tagen und Nächten waren wiederum Neugierige in großen Scharen erschienen. Die Schutzmannspatrouillen sorgten dafür, daß alles in Bewegung blieb. An den vier Ecken der Beußel- und Turmstraße liefen immer wieder Tausende zusammen, die alle lOMinuten vondenberittenen Schutzmannschaften zerstreut wurden. Für das Gefängnis in Plötzenjee sind besondere Maßnahmen getroffen worden, um einem etwaigen Angriffe der Menge aus die Strafanstalt vorzubeugen, dorr ist eine Wache von 20 Gendarmen ausgestellt.
Um 9 Uhr wurde aus dem Hause Turmstraße Nr. 56 ein Blumentopf auf die Beamten geworfen. Auf Befehl wurden
nachobenzweiSchüsseabgegeben,- die jedoch keinen Schaden anruhteten. Darauf wurde die ganze Straße gesäubert. Hierbei kam es wiederholt zu Verletzungen, die jedoch anscheinend nur leichter Natur sind. Ein Teil des zurückgedrängten Publikums traf aus eine an der Ecke der Beußel- und Erasmusstraße angesammelte Menschenmenge. Hier wurden von beiden Seiten die Charlottenburger Polizei und die
übrigen Po li^ eim ann schäft en angegriffem,- Auch die Höfe wurden abgesucht, die vielfach mit halbwüchsigen Burschen und Gesindel besetzt waren. Mit Hilfe von Berittenen wurden die anaesammelten Mengen zerstreut, wobei es wiederholt zu Verletzungen kam, auch wurden verschiedene Personen verhaftet. Es wurde dann die ganze Straße bis wr Ottostraße gesäubert. Besondere Aufmerksamkeit wird jetzt auch den Straßenbahnhaltestellen zugewendet, wo vielfach Personen sich lange Zeit aushielten^ Seitens der Polizei wird dafür Sorge getragen, daß dort keine Ansammlungen entstehen.
Der abgesperrte Teil von Moabit, in welchem die Unruhen vorgekommen sind, beruhigte sich im Lause des Abends immer mehr. Kurz nach 10 Uhr
erschien der Minister des Innern in Begleitung des Polizeipräsidenten v. Jagow und ließ sich von Polizeimajor Klein eingehend berichten. Sodann durchfuhr der Minister einige der gefährdeten Straßerr. Der Minister des Innern erschien kurz nach 10 Uhr an der Reformationskirche und sagte den hier versammelten Jour-» na list en, sie möchten auf ihre englischen Kollegen einwirken, daß diese den gestrigen Vorsall nicht zu tragisch nehmen. Scherzend fügte er hinzu, es wären Wunden, die sie auf dem Schlachtfelde erhalten hätten. Seitens der Journalisten wurde der Vorschlag gemacht, daß den Journalisten in derartigen Fällen polizellicherseits Er- kenrmngszeichen verabfolgt werden müßten. Der Minister unternahm dann einen Rundgang. Er hat sich bis gegen Mitternacht im Moabiter Streikviertel aufgehalten, wo ihm die Scheinwerfer vorgeführt auch
wurden, mit denen die Straßen erleuchtet werden sollen, falls sie noch einmal der Beleuchtung beraubt werden sollten.
Nach einer Meldung der Abendblätter wurden zwei Milchwagen der Meierei Bolle von Exzedenten umgeworfen Einem Kutscher wurde die Geldtasche geraubt.
Von zuständiger Seite erfährt das Wolffsche Bureau, daß nach amtlicher Feststellung unter den am Dienstag bei den Straßenkrawallen in Moabit wegen Aufruhrs t) er*, hafteten 12 Ausrührern sich neun Personen befinden, welche einer auf s ozial d emo krati^ schem Boden stehenden Gewerkschaft ange^ hören. Von diesen sind drei auch Mitglieder der hiesigen sozialdemokratischen Wahlvereine, vier sind streikende Kohlenarbeiter der Firma Kupfer u Co. Daraus erhellt sich am besten, wie falsch die von sozialdemokratischer Seite verbreitete Behauptung ist, daß bei den Streikunruhen organisierte Arbeiter und Streikende der Firma Kupfev überhaupt nicht beteiligt seien.
Die Verletzten.
B erlin, 29. Sept. Bei den Unruhen in Moabit wm> den gestern abend 73 Personen so erheblich bet* letzt, daß sie sofort verbunden werden mußten; fünf Verletzte mußten im Krankenhaus bleiben, wo jetzt insgesamt 22 Verletzte sind. Die angehaltenen Personen wur^ den nach Feststellung ihrer Persönlichkeit bis auf fiinf emstzi weilen wieder freigelassen.
Der Vorstand des fortschrittlichen Vereines! in Moabit beschloß auf Anregung des Landtagsabgeordneten und Predigers Runze, den Ober-Bürgermeister Kirschner zu ersuchen, sofort in Verhandlungen einzutreten, die geeignet sind, den Ausstand beizulegen, und damit den Unruhenden den Boden zu entziehen und ferner, einen
Aus der Zeit der vefreiungskriege.
An die Gebildeten des deutschen Volkes ohne Unterschied des Standes wenden sich „Die Befreiungskriege 1813 bis 1815" von Rudolf Friedrich, deren erster Wand, den Frühjahrsfeldzug 1813 behandelnd, soeben im Verlage von Mittler u. Sohn in Berlin erschienen ist. , tm ,
Auf Grund eines fast 25 jährigen Studiums rst die Arbeit des als Chef der Kriegsgeschichtlichen Mtellung II des Großen Generalstabes bekannten Verfassers entstanden, ergänzt und berichtigt durch langjährige archivalische Forschungen.
Als Napoleon sich im Jahre 1812 anschickte, Rußland, den einzigen Staat des europäischen Festlandes, der sich bisher noch seine politische Selbständigkeit bewahrt hatte, mit Gewalt seinem Willen zu uMerwerfen, stand er nach damals allgemein verbreiteter Anschauung auf dem Gipfel seiner Macht. Er hatte Oesterreich in drei Krüegen überwältigt, ganz Italien wrterworfen, Preußen völlig zerschmettert, das übrige Deutschland in die Form eines Rheinbundes gegossen und zu unbedingtem Vasallendienst verpflichtet. Nie noch batte Europa seit Karls des Großen Zellen eine älchliche Machtfülle in einer einzigen Hand vereinigt gesehen. Gelang es ihm noch, Rußlands Macht zu brechen und damit auch Englands See- und Handelsherrschaft zu vernichten, so war er .in Wahrheit nicht nur Herrscher des Abendlandes- sondern Herr der Welt.
So mußte sich dem damals lebenden Geschlecht ine Lage Europas darstellen. Arrders aber erscheint das Bild, werm wir mit dem Missen und dem Ueberblick der heutigen Zeit die Grundlagen der Macht Napoleons einer kritischen Untersuchung unterwerfen. Msdann erkennen wir, daß das Fundament seiner Herrschaft bei weitem nicht so fest gefügt war, als es darrmls den Anschein hatte, und daß Anzeichen genug vorhanden waren, Jem Reich als einen Koloß mit tönernen Füßen erscheinen zu lassen.
Kein Mensch hat seiner Zeit und Umgebung den Stempel '.einer Persönlichkert so aufzudrücken verstanden wie Napoleon. Am meifteii kam dies begreiflicherweise in Frankreich zu.> Ausdruck. Hier herrschte er tatsächlich unumschränkt, der von ihm eingeführte Konftitutionalismus war in Wirklichkeit nur Schein. Der Kaiser gab der ganzen Regierung die Richtung, sein Wille allein war entscheidend, — das ganze Leben der Nation in politischer, gesellschastlickfier uiü) geistiger Beziehung mußte sich nach seinen Vorschriften bewegen; er regelte und bestimmte alles, das Kleinste wie das Größte. Und die Größe seines Gerües wie die Vielseitigkeit seines Könnerrs ermöglichten es ihm, sich zu gleicher Zeit und an jedem Ort mit den heterogensten Dingen zu beschäftigen. Die Gleichhell her französiMr: Bürger; vor des
Gesetzen und die Unverletzlichkeit der Richter bestand nur auf dem Papier, eine Preßfreiheit gab es nur dem Namen nach, Kirche und Schule waren durch Gesetze und Regulative gefesselt, die Zensur unterdrückte jede freie Meinungsäußerung und das Eingreifen der Polizei in.die persönlichen Verhältnisse der Bürger geschah in einer so schamlosen Weise, wie sie die Geschichte kaum ein zweites Mal in gleichem Maße zu verzeickmen hat.
Wie ein Blitzstrahl aus hellerem Himmel wirkten darum die Nachrichten, die am 17. und 19. Dezember 1812 durch die Zeitungen veröffentlicht wurden, nämlich daß der Kaiser auf der Reise nach Paris nach furckübaren Niederlagen in Rußland durch deutsches Gebiet gekommen sei. Und das am 26. De-ember erschienene 29. Bulletin des Kaisers, datiert aus Molodetschno den 3. Dezember, gestand der entsetzten Welt den Untergang der Armee ein. Die Tatsachen, die das Bulletin enthüllte, verkündeten ein Gottesgericht, wie die Menschhell ein ähnliches nie erlebt hatte. Sie durchliefen mit einer für die damalige Zeit geradezu erstaunlichen Schnelligkeit die ganze Kulturwelt, drangen innerhalb weniger Tage von derc Hauptstädten bis in die entlegensten Gebirgstäler, bis zu den fernsten Hütten. Jedermann fühlte instinktiv, daß die Weltgeschichte an einem Wendepunkt angelangt sei, daß die Zeit gekommen war, mll dem Unterdrücker Europas abzurechnen.
Ostpreußen hatte von allen preußischen Provinzen feit dem Unalücksjahr 1809 am meisten gelitten. Kein Wurrder, daß bier mehr als an anderen Orten der Frarrzosenhaß verbrellet, oaß Doch und Niedrig in dem Gedanken einig war, Rache zu nehmen für die erlittene Ausplünderung, für all den Hohn, den Uebermut und die Anmaßung der bisherigen Unterdrücker, — kein Wunder, daß jetzt Bürger und Bauern den eben in das Land eingezogenen Russen als den Rettern des Vaterlandes entgegenjubelten, und daß das verarrnte Volk willig das Letzte hergab, um die fremde Einquartierung zufriedenzustellen.
Am 8. Januar 1813 traf Dorck in Königsberg ent Die Begeisterung des Volkes stieg damit auf den Siedepunkt. Die Studenten der Albertina brachten dem General am Abend des 8. einen Fackelzug. Ihr Sprecher, Hans v. Auerswald, der im Jahre 1848 Meuchlerhanden in Frankfurt zum Opfer fiel, gab ihm im Namen der preußischen Jugend die Versicherunb, daß sie für König und Vaterland zu sterben allezeit bereit fei. In die gespannten Verhältnisse der Zeit, die nock> dadurch verschärft wurden, daß eine Reihe von Regierungserlassen erschienen, die auf alles andere nur nicht auf eine Lösung des Bündnisses mit Frankreich hindeuteten, griff nun ein Mann ein, der durch seine Persönlichkeit, Vergangenheit und Tatkraft, sowie durch sein Verhältnis zum König wie znm Zaryr^ Mehr als jeher andere gee.ignet
war, den gordischen Knoten der Verwirrung mit kühnem Schwert" schlage zu zerhauen, — der Freiherr vom Stein.
Stein hatte nach seiner Verbannung aus Preilßen und mannigfachen Wanderungen einer Aufforderung des Zaren Folge gt* leistet, und sich nach Rußland begeben. Jetzt, wo die Lage in Preußen immer mehr zur Entscheidung drängte, litt feine Ungeduld ihn nicht länger in Petersburg. Er begab sich, begleite^ von dem getreuen Arndt, den er nach Petersburg berufen hatte, nach dem Hauptquartier des Zaren, und von da, mit ausgedehnten, kaiserlichen Vollmachten nach Königsberg, wo er am 22. Januar eintraf. Die Vollmachten, die er mitbrachte, waren ein CrrgebniS' der augenblicklichen Lage. Ost- und Westpreußen waren fron;, den Russen besetzt, und Stein war vom Zaren beauftragt worden,' die Regierung der Provinz in die Hand zu nehmen unb berefl Hilfsmittel der guten Sache nutzbar zu machen.
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Der Ehrenbürgerbrief für Graf Zeppelivh Die Stadt Baden-Baden hat den Grafen Zeppelin zumi Ehrenbürger ernannt. In dem Schreiben, das der Oberbürgermeister in Ausführung des Beschlusses der Stadtväter art den Grafen Zeppelin hat gelangen lassen, heißt es: „Durch biefen; Beschluß, mit welchem der Stadtrat hofft, Eurer Exzellenz eine Freude zu beretten, soll die dankbare Bewunderung zum! Ausdruck gelangen, welche die Bürgerschaft Unserer Stadt im Verein mit dem gesamten deutschen Volke, ja mit allen Kulturvölkern des'. Erdballs Ihrem genialen Lebenswerk zollt, durch welches bis; siegreiche Beherrschung der Luft durch den Menschent gewährleistet und banrit ein Ziel erreicht wurde, das feit der grauen Vorzell der Sagengeschichte bis auf unsere Tage ein Traunp vorwärtsstrebenden Menschengeistes gewesen ist. — Die Ehrung gilt aber auch dem deut scheu Manne, welcher unbeirrt durch' Anfechtungen und ungebeugt durch Schnksalsschläge seine ganze; sieghafte Kraft in den Dienst feiner großen Idee gestellt hat, einem Manne, zu welchem das Vaterland mit Stolz aufblicken wird, so lange der Deutsche seine großen Männer zu ehren weiß. — Die Ehrung will endlich bekunden die Freude von Badens Bürger-, schäft darüber, daß ihrer Stadt die Auszeichnung zutell wurde,- als erste Station für den Passa gierverkehr mit Zeppelin-Luftschiffen den Beweis für die Entwicklungsfähigkeit dieses neuen Verkehrsunternehmens erbringen zu helfen und dadurch für alle Zeiten in eine ihr selbst zur hohen Ehre ger-chenden: Beziehung zu Euer Exzellenz großem Werke zu kommen. — Dch Urkunde über die Verleihung des EhrenbürgerrecÄs wird nach Fertigstellung Euerer Exzellenz durch eine Abordnung überbrachd werden."


