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26.10.1910 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt 160. Jahrgang Mittwoch S6.Oktober 1910

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für die Redaktion 112, X\Jy jp Verantwortlich für den

Verlag u. Expedition KL v* 9 * * ytJU < < ** politischen Teil: August

gE Seneral-Anzeiger für Gberhessen WM bis oorrnittags 9 iihr. notatton5drvck UN- Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- UN- Ztein-nickerei R. Lange. Re-aktion, Expedition UN- Druckerei: Zchulstratze 7. 8nzeigenteU^'L>"Beck.

Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

Das Kaiferpaar in vrlissel.

Brüssel, 25. Okt. Das deutsche Kaiserpaar ^nd die Prinzessin Viktoria Luise sind heute, 2 Uhr 20 Minuten, hier eingetroffen. Auf der Einzugsstraße hatte sich eine ungeheure Menschenmenge eingefunden, die auch die Balkons, Fenster und Dächer besetzt hielt. Aus dem Bahnsteig hatte bte Ehrenwache von den Grenadieren mit Fahne und Musik Aufstellung genommen. Der König in belgischer Generalsunisorm, mtt der Kette des Schwarzen Adlerordens und dem Bande des Großkreuzes des Noten Adlerordens, war mit den Spitzen der Militärbehörden und dem Bürgermeister von Brüssel, Max, erschienen.

Der Kaiser, in der Uniform der Leibhusaren mit dem Bande des Leopold-Ordens, die Kaiserin und die Prin­zessin Viktoria Luise entstiegen dem Wagen. Nach herz­licher Begrüßung durch das belgische Königspaar ließ sich der Kaiser das Gefolge vorstetlen und richtete freundliche Worte an den Bürgermeister der Stadt Brüssel.

In der vorderen Bahnhofshalle hatten Schulkinder Auf- stellung gefunden, die in die belgische und die deutsche Nationalhymne einsttmmten. Im Empfangssalon des Bahn­hofs dielt eine Eskorte der Guides mit Standarte, die dann den Galawagen zum königlichen Schlosse geleitete, Im vier­spännigen Wagen folgten die Kaiserin und die Königin, Prinzessin Viktoria Luise auj dem Rücksitze. Artillerie salu­tierte mit 71 Schuß. Aus dem Einfahrtswege bildeten Truppen Spalier. Im Schlosse wurden die Majestäten von der Gräfin von Flandern empfangen, außerdem von dem Prinzen und .der Prinzessin Karl Anton von Hohen- zollern.

Während des Einzuges des Kaisers und der Kaiserin manövrierte der LenkballonVille de Bruxelles" über dem königlichen Schloß.

Um 4 Uhr nachmittags stattete der Kaiser, die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise der Gräfin von Flan­dern einen einstündigen Besuch ab und nahmen bei ihr den Tee. Hierauf begaben sich die Kaiserin und die Prin­zessin Viktoria Luise nach der St. Gudula-Kirche, die sic 'ingehend bestätigten. Um 5 Uhr nachmittags empfing )*c Kaiser im Staotschloß das gesamte diplomatische Korps, )as ihm von dem deutschen Gesandten v. Flotow vorgestellt vurde. Später sah Kaiser Wilhelm den König Albert ängere Zeit in seinen Gemächern. Um 7 Uhr abends sand m Schloß Galadiner statt.

Ein Trinkspruch bc8 Königs Albert.

Bei der Galatafel brachte König Albert folgenden Lmnkspruch aus:

Ich empfinde wahrhafte Freude, Eure Kaiserlichen Majestäten 1 eute in Brüssel willkommen zu heißen. Indem Sie uns gleich int ersten Jahre unserer Regierung einen Besuch in unserer Hauptstadt abstatten, erweisen Eure Kaiserlichen Majestäten uns ine Ehre, die uns hoch erfreut. Die Königin und ich sehen in Dcmfelben ein neues Zeugnis der Gefühle, deren ganze Herzlich­keit der uns im vorigen Frühjahre in Potsdam bereitete liebens- vürdige Empfang schon hat erkennen lassen: aber dieses Zeugnis ^schränkt sich nicht auf die Königliche Familie von Belgien. Ich bin überzeugt, der deutsche Kaiser hat auch den Belgiern )ie Sympathie zeigen wollen, die er für ein tatkräftiges, zu­gleich für die Kunst, das Ideal und für den Fottschritr Hegeistertes Volk der Arbeiter empfindet. Und dieser Achtungsbeweis des Herrschers des großen Nachbarreiches, wo eine gewaltige Be- wlkerung uns das Schauspiel unablässiger, glänzender Arbeit üetet, wird noch erhöht dadurch, daß an seiner Seite Ihre Majestät

Ole Zukunft des westfälischen Bergbaues.

Bei der Einweihung des neuen Oberberg­amtsgebäudes in Dortmund am Dienstag hielt der preußische Handelsminister eine Rede, in der er zunächst auf )ie vor achtzehn Jahren erfolgte Feier des hundertjährigen

die Kaiserin erscheint, deren Name Wohltätigkeit und Nächsten liebe bedeutet, und die liebenswürdige Prinzessin, welche die An mut ihrer 18 Jahre in dieses Schloß bringt. Das belgische Voll wird das freundschaftliche Interesse, das ihm von Eurer Kaiser­lichen Majestät zuteil wird, in hohem Maße zu schätzen wissen. Es sieht und begrüßt in dem Kaiser ebenso den weit aus­schauenden wie erleuchteten Monarchen, der den glänzenden Aufschwung seines Landes auf allen Gebieten mensch­licher Tätigkeit so mächtig zu fördern gewußt hat. Es wünscht nicht weniger aufrichtig als ich, daß die zwischen den beiden Herrscherhäusern bestehenden vertrauensvollen Be­ziehungen die Freundschaft der beiden Nationen noch mehr stärken mögen. Was mich anbelangt, der ich mit Eurer Kaiserlichen Majestät durch Verwandtschaft wie durch Zuneigung verbunden bin, wie Eure Majestät in Potsdam zu erwähnen die Freundlichkeit hatten, so kenne ich den ganzen Wett der Gefühle, die Sie der Königin und mir bezeugen, und es drängt mich, zu sagen, daß sie in uns lebhafte Dankbarkeit erwecken. Ich bin glücklich, die Gelegenbeit zu benutzen, Eurer Kaiserlichen Maje­stät die heißen Wünsche zum Ausdruck zu bringen, die ich für Ihr Glück hege, und dafür, daß Ihre Regierung fortsahre, ruhm­voll und fruchtbar zu fein, und daß Ihre edlen Bestrebungen dazu beitragen mögen, den Frieden d e r Welt zu festigen und so allen Nationen zu nützen. Ich erhebe das Glas zu Ehren Eurer Kaiserlichen Majestäten und Ihrer erhabenen Familie und trinke auf die Wohlfahrt Deutschlands. Seine Majestät der Kaiser, Ihre Majestät die Kaiserin, sie leben hoch!

Tie Antwort des Kauers

Der Kaiser antwottete auf den Toast des Königs in deutscher Sprache mit folgendem Trinkspruch:

Die tiefempfundenen Wotte der Freundschaft, die Eure Maje­stät zugleich im Namen Ihrer Majestät der Königin an uns, die Kaiserin, meine Tochter und mich gerichtet haben, sind wie sie aus warmen Herzen gekommen, zu warmen Herzen gedrungen. In lebhaftester Freude gedenken wir des Besuches, den Eure Majestäten uns im vergangenen Frühjahr in Potsdam abge­staltet haben, und es war uns eine liebe Pflicht der Dankbarkeit, zu seiner Erwiderung so bald wie möglich hierher zu eilen. Ter glänzende Empfang, der uns von Euren Majestäten und dem belgischen Volke inmitten dieser herrltck>en Hauptstadt bereitet worden ist, hat uns im Innersten gerührt und stimmt uns zu um so herzlicherem Tanke, als wir in ihm einen Ausdruck des engen Bandes erblicken dürfen, das nicht nur un­sere Familien, sondern auch unsere Völker umschlingt. Mit freundschaftlichster Sympathie verfolgen und begleiten ich und ganz Deutschland die staunenswerten Erfolge, die auf allen Gebieten von Handel und Industrie dem rastlos tätigen Volke Belgiens beschieden sind und deren Krönung wir in der so glän­zend gelungenen Weltausstellung dieses Jahres begrüßen. Den ganzen Weltkreis umspannt Belgiens Welt­handel und friedliche Kulturarbeit ist es, in der sich all­überall Deutsche und Belgier begegnen. Mit gleicher Bewuw- derung erfüllt uns die Pflege idealer Güter, in der Belgiens Dichter und Künstler sich einen so hervorragenden Platz erworben haben. Mögen die vertrauensvollen und freundnachbarlichen Be­ziehungen, von denen erst in jüngster Zeit die Ver­handlungen unserer Regierungen einen so erfreu­lichen Beweis gegeben haben, sich immer enger gestalten. Möge von Eurer Majestät Regierung Heil und Segen ausströmen auf Ihr Königshaus und Ihr Volk, das ist mein aus tiefstem Herzen kommender Wunsch, mit dem ich rufe: Ihre Majestäten, der König und die Königin der Belgier leben hoch !

Der Kaiser verlieh eine Reihe von Ordensaus­zeichnungen.

Bestehens des Oberbergamts Dortmund und auf den unge­heuren Aufschwung hinwies, den der westfälische Bergbau, besonders in den beiden letzten Jahrzehnten, genommen. Nachdem der Minister dem Oberbergamt seine Anerkennung ausgesprochen hatte, fuhr er [ort:

Es geziemt aber heute wohl auch, den Blick in die Zukunft zu lenken, und da ist der Horizont nicht ganz frei von Wolken, ime es bei dem hoben Staude des Erreichten scheinen könnte, weder >ür das Cberberqaint noch für den Bergbau in diesem Bezirk. Ein Punkt ist es hauptsächlich, der den Wohlmeinenden mit ernster Sorge er'ullen dürfte, das ift bie Arbeiterfrage. Je mehr die staatliche Gesetzaebung, je mehr die Freiwillige Fürsorge deS Bergbaues zum Wohle der Bergarbeiter getan, um so weiter scheinen wir uns von dem Ziele eines gedeihlichen BerhältnisseS zwischen den Unternehmern und Arbeitern, von einem vertrauens­vollen Zusammenalbeilen dieser beiden Teile zu entfernen. Muß es nicht beiremden, zu sehen, wie die W a h l e n z u r Knapp­schaft ausschließlich von politischen Gesichtspui.kten beherrscht tourbe»? Oder wie für die Wahlen der Sicherheits­männer nicht vor allem die Sachkenntnis und Erfahrung der Gewählten, sondern das Maß ihres politischen Radikalismus entscheidend waren und so die besten Absichten Gefahr laufen, in ihrer Wirkung in ihr Gegenteil verwandelt zu werden? Eine andere Frage ist, die manchem von Ihnen schwere Gedanken macht und die ich hier nur leise streifen will. Wie werde,i sich die Absatzverhaltnisse nach Ablauf des jetzigen Kohlensyndikates gestalten? Wird dessen Erneuerung gelingen oder wird ein Konkur renzkampf ausbrechen, der mit der allgemeinen Preissenkung auch eiujii tiefgreifenden Einfluß auf die Bergarbeiter- löhne zur Folge haben würde? Ich hege die Zuversicht, daß der rheinifch-westftilische Bergbau, der schon schwere Zeiten überwunden hat, sich ihnen gewachsen zeigen ivird. Das Oberbergamt wird die Rücksicht auf die gebotene Sicherheit des Betriebes zu verbinden haben mit der Rücksicht au< die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit, und es soll den berechtigten Interessen der verantwortlichen Unter­nehmer und Betriebsleiter nicht tninder gerecht werden als den Ansprüchen der Bergleute auf möglichste Minderung der Gefahren und Schädlichkeiten des Bergbaues und auf eine gesunde aus­kömmliche Existenz.

Die Auflösung des griechischen Parlaments.

Trotzdem Vewizelos von der Kammer ein Vertrauens* vottrm erhielt, löste er das Parlament auf:

Athen, 25. Okt. Die Kammer nahm das Ver­trauensvotum, für Venizelos mit 208 Stim­men gegen 31 Stimmen bei 27 Stimmenthaltungen an. Ventzekos erklärte, er werde sich die Lage überlegen, ba. viele Abgeordnete aus Gefälligkeit für ihn stimmten. Man glaubt, er werde bei der Absicht beharren, die Kammer auf- hulösen.

Athen, 25. Ott. Das Parlament wurde auf­gelöst. Die Wahlen für die neue revisionistische Kammer sind auf den 28. November, die Eröffnung der Session aus den 8. Januar 1911 festgesetzt.

Au» Hessen.

Der Bittschriften-Ausschuß der Zweiten Kammer wird am kommenden Frettag unter dem Vorsitz des Aba. Breidenbach zusammentteten, um einige Vorlagen zu erledigen. U. a. sollen beraten werden: die Vorstellung der Witwe Paul I. aus Nonnenroth bei Gießen bett. Renten­bewilligung, die Vorstellung der Steinbrucharbeiter zu Asch- bach bett. Ausbeutung des Granitsteinlagers und die Vor­stellung des Verbandes Hessischer Privatarchitek­ten bett, die Privatarbeiten der staatlichen Baubeamten.

chuldi

Gieszener Stadttheater.

Sappho

Von Franz Grillparzer.

G i e ß v*n, 26. Ott.

Dieser süße, flirte Rausch, dieses leuchtende, blühende ^eben, gab der gestrigen Aufführung der Sappho, das dem Dichter von all seinen Werken das liebste war, den stim­mungsvollen, lauschigen Rahmen. In ihm die ragende, lch erniebrigenbe und zu sich selbst Hurückgekehrt | leigende Große der erhabenen Frauengestalt, die üb-er sich )inaus ins Ewige, Unendliche wächst. Gertrude Bau- neister-Felsegg lieh dieser Frau den Leib und hauchte hr den lebendigen Odem ein. Gut in ihrem Spiel, warm unb innerlich in ihrem Empfinben, gab sie Natur. Daß nne leibige Erkältung sie an bet vollen Entfaltung ihrer iimmlichen Mittel hinberte, siel bei ihrer beseelten, schöp­ferisch erfaßten Darstellung nicht ins Gewicht. Das Gebet and die Sapphische Ode, die zweite von den beiden er­haltenen, arifjen ans Herz. Neben dieser gereiften Kunst

Der Mann, der ,nt seiner Liebe zwischen zwei Frauen chwankt, von denen die eine über Geist, die andere über Fugend verfügt, wiro wohl sofern er nicht ist wie Burü- )ans einfältiger Efel der lieben dummen Jugend nach- 'olgen, wie es auch Ibsens Baumeister Solneß tut. Die I fugend, die ist nun einmal das schöne, reiche, holde, he- örenbe Leben, bas uns nicht los läßt, bas lacht und lockt unb -ins selig und gütig macht. Unb achtets bie Jugenb, wenn -in anberes Herz darüber bricht, unb achtet es bas Leben, renn ein Dichter an ihm zugrunbe geht? An bem Leben zer- chellt bie Kraft der Sappho, unb in ber lesbischen Dich­terin verkörperte Grillparzer, der damals noch gescholtene -mb gebemütigte Dichter Grillparzer seine Ansicht über bas öos des Dichters, über basmalhenre betre poste", ftne -r es nennt. Sappho unb Solneß beide gehen unter, oeibe an der Jugend, die auch bas Leben ift Auch Sappho Dürbe sich im gleichen Zwiespalt für bie Jugenb -ntschieben haben, für das brausende, blutvolle Leben, für )05 einfältige, glückselige Sein, für das geistarme, un- chuldige Genießen, denn hoch über aller Weisheit und iller Vernunft steht bc& reine, nackte Dasein als höchstes Aut.

hatten die übrigen Mitwirtenden einen schweren Stand. Karl Marx spielte den Phaon, warmherzig wie stets, aber an einzelnen Stellen beim stummen Sinnen z. G. etwas gleichförmig. Seine Sprache war edel, aber überhöht. Als Melitta, als das süße, geistesarme Ge- schöpschen, war Hilde Engel recht lieb und auch recht nett, aber sie verfiel hin und wieder in einen weiner­lichen Ton, der ihrer Leistung starken Abbruch tat. Zudem fehlten häufig die vermittelnoen Ucbergänge, bie hier ent* schiebene Beachtung verdienen. Hier müßte ber Regisseur schärfer einseden. Rolf Gunolt spielte ben Rhamnes ebenfalls einorucksvoll, aber auch nicht ganz ohne Ueberhöhung. Etwas weniger abfichtliche Gewalt wäre vorteilhafter. Elly Gühne als Eucharis unb Karl Volck als Landmann fügten sich ebenso wie die ftummen Spieler passend in den Rahmen. Ueberhaupt: ber Rhythmus der Sprache wirb nicht unb bas gilt für bie gesamte Dar- ftertung burch sing en ben Tonfall erschöpft. Besonbers zu erwähnen ist noch die einfache, rtug abgestimmte Aus­stattung, wie benn bie Ausführung, bie von Kurt Gühne geleitet würbe, einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. N.

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Direktor Gregors Pläne.

Hans Gregor, ber neue Direktor ber Wiener Hos- oper, äußette sich bem Vertreter eines Berliner Blattes gegen­über über seine nächsten Zukunftspläne:

Ich freue mich königlich auf meinen neuen Wirkungskreis Ich bin ausschließlich zur künstlerischen unb admini­strativen Leitung ber Wiener Hofvper berufen unb für den Dirigenten Weingartner wird ein Ersatz gefunden werben müssen."

Ueber seine Pläne für die Zukunft befragt erklärte Gregor: Ich will vorerst auf dem neuen Boden vertraut werden, ehe ich eigentlich künstlerische Initiative entroierte und darin habe ich weitgehende Vollmachten, da meine mündlichen Ver Handlungen mit dem Oberhofmeister Fürsten Montennovo, zu dem ich am Freitag nach Wien berufen worden bin, mich aufs angenehmste überraschten. Ich muß sagen, daß die Vollmachten, die ich in Wien erhalten habe, weit über das hinausgehen, was ich erwarten zu können glaubte. Auch in Bezug auf Neu Engage­ments und Neu-Juszenierungen. Besoirdere Pläne habe' ich auch in dieser Hinsicht nicht, doch werde ich auch in Wien das Prinzip verfolgen, das ich bisher gehabt habe: fein Star-System, sondern gute, einheitliche Ensemble-Wirkung.

Was aus derKomischen Oper" (in Berlin) werden wirb, weiß ich im Augenblick noch nicht. Ich möchte gern, ehe ich nach Wien gebe, hier mein Haus bestellen und hoffe, einen annehmbaren Käufer für mein Theater zu finden, das mein ausschließliches Eigentum ist."

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Ueber die Zukunft ber BerlinerKomischen Oper" ver­lautet, es habe sich bereits eine Gesellschaft aus Berliner unb Wiener Theaterdirektoren zur Uebernahme des Theaters gebildet. Das Haus soll in ein Gastspiel-Theater umgrivandelt werden, das für bestimmte Monate des Jahres an fremde Ge­sellschaften vermietet wird. U. a. soll Direktor Jarno dieser Aktiengesellschaft beigetreten fein. Gregor wird Anfang No­vember auf längere Zeit nach Wien reifen, um dort die ihm bevorstehende Aufgabe unb das verschiedene Personal zu studieren. Sein Vertrag ist aus zehn Jahre abgeschlossen.

Mitbestimmend für die Berufung Gregors war, daß man in Wiener Ho streifen lebhaft wünschte, das gute Verhältnis zu dem Berliner Generalintendanten v. Hülsen, das durch Wein­gartners Konflikt mit der Wiener Hofkapelle getrübt wurde, wieder herzustellen.

Die internationale Tuberkulvsekonfereirs in Brüssel beschloß ihre Arbeiten mit der Ernennung von korrespondierenden Mitgliedern unb der Einsetzlrng von zwölf bau er nb en Ausschüssen für die hauptsächlichsten wissen­schaftlichen unb sozialen Fragen, bie für die Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit in Bcttackft kommen. Die Bcrick^e sollen als Ergebnis des ersten Jahrzehntes ber Tätigkeit der Internationalen Vereinigung gegen die Tuberkulose dem im Sep­tember 1911 in Rom stattfindenden Kongreß gewidmet werden.

KurzeNachrichtenausKun st u. Wissenschaft. Der Zeichner Johannes Klinger, der, wie gemeldet, vom Gvoßherzog in die Künstler ko lonie nach Darmstadt be­rufen war, hat um Zurücknahme seiner Berufung gebeten, da er sein Berliner Atelier nicht aufgeben möchte. Seiner Bitte ist entsprochen worden. Der kürzlich verstorbene Che^ mifer Hofrat Dr. Caro, Ehrendoktor bei- Universität Heidel­berg, hat dem dortigen chemisck>en Institut 10 000 Mark hinter- raffen. Die Gesellschaft deutscher Naturfor­scher und 91 er 8 t e hat dem Oberleutnant Filchner 1000 Mark zur Beschafftlng meteorologischer Instrumente für seine Südpolarexpedition bewilligt. Der königliche Lotterie- meister und königlick>e Ballettmeister der Hosschule in Han­nover, August Lindner, früher in München und Wien, ift an ben Folgen, einer Nierenoperation, gestorben^