Ausgabe 
22.11.1910 Erstes Blatt
 
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Aon eifrig, wenn auch vergeblich für eine Annäherung Eng­lands an Rußland tätig war. Safonow gilt auch heute noch für einen der wärmsten Verehrer Großbritanniens unter den russischen Staatsmännern und hierin decken sich seine Anschauungen durch­aus mit jenen Iswolskis.

Nach seinem ersten vierjährigen Aufenthalt in London, kam Sasonow als Sekretär zur russischen Vertretung beim Vatikan, wo er volle zehn Jahre blieb und für seine verdienstvolle ver­mittelnde Tätigkeit zum Kammerherrn ernannt wurde. 1904 kam er als Botschaftsrat wieder nach London zurück und arbeitete hervorragend an der Schaffung der britisch-russischen Verständigung über Persien und Afghanistan. Doch schon 1906 wurde er zum Ministerresidenten am Vatikan ernannt unter Beförderung zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister.

?lls dann nach der Einverleibung Bosniens durch Oesterreich- Ungarn der damalige erste Gehilfe Iswolskis T s ch a r y k o w zum Botschafter in Konstantinopel ernannt wurde, erfolgte die Rückberufung Sasonows ins Auswärtige Amt an der Seite Js- wolskis. Hier soll er besonders rege an den letzten Verhandlungen zwischen Japan und Rußland, an der Leitung der russischen Politik in Persien und am Sungarivertrag mit China mitgewirkt haben.

£>eutjd?c» Neich.

Die Verhandlungen über das Zuwachs­steuergesetz zwischen der Regierung und den Vertretern der Reichstagsparteien, die am gestrigen Montag zu Ende geführt wurden, trugen lediglich informatorischen Charakter und hatten den Zweck, die strittigen Punkte der Materie tfar zu legen, um eine schnellere Verabschiedung des Ent­wurfs zu gewährleisten. Die Regierung legt großen Wert darauf, über die endgültige Gestaltung der Materie mög­lichst klar sehen zu können, da bekanntlich die Ausgaben für die Heeresvorlage aus den Steuern dieser Vorlage gedeckt werden sollen und bei einer Verzögerung in der Verabschie­dung, die immerhin möglich ist, die Regierung sich für die Ausgaben zur Verstärkung des Heeres nach neuen Deckungsmitteln umsehen müßte.

Aus Dijon wird gemeldet: In der letzten Woche erbrachen an einem noch nicht festgestellten Tage Vandalen die Einfriedigung des Denkmals, das zu Ehren der gefallenen Offiziere undSoldatendespommerschenJnfanterle-Regi- m ents Nr. 6 1 auf der Ebene von PouUly-les-Dijon errichtet ist. Die Uebeltäter durchlöcherten mit Revolvers cpüff en die an dem Monument angebrachte Gedenktafel. Das Monument liegt mitten im Felde fern von jeder Behausung. Die Gemeindeverwaltung wird für die Wiederherstellung des Denkmals sorgen.

Ausland.

Zu einer Depesche des Berliner Berichterstatters des Pariser Motin", welche dem General Keim eine Erklärung in den Mund legt über einen angeblichen Vertrag, den die Dreibund­mächte vor zwei Monaten in Turin unterzeichnet hätten und der ihre gegenseitigen Interessensphären auf der Balkanhalb­insel abgrenze, erklärt dieTribuna": Sie wisse nicht, ob General Keim diese Erklärung abgegeben habe. Aber sie wisse auf jeden Fall, daß sie der Wahrheit direkt entgegengesetzt sei. Zunächst sei überhaupt keine Erneuerung des Dreibundvertrages unterzeichnet worden, da nichts eine vorzeitige Erneuerung nötig mache, weil nichts daran zweifeln lasse, daß der Dreibundvertrag bei seinem Ablauf erneuert werde. Ferner sei bei den Besprechungen des Marquis di San Giuliano mit dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg und dem Grafen Aehren- thal ein neues Balkanabkommen weder getroffen noch in Betracht gezogen worden. Eine Prüfung der Lage zeige, daß die drei Staaten in ihrer Ansicht überein stimmten, daß die Tatsache, auf die es ankomme, die Aufrechterhaltuna des ftatus quo es fei, welche die hauptsächlichste Bürgschaft für die Aufrechterhaltung des Friedens bilde. DieTribuna" hält die Depesche desMatin" für einen Versuchsballon ähnlich wie benienigen über die angeb­liche Militärkonvention zwischen der Türkei und Rumänien. Auch ,,'Giornäle d'Jtalia" hält die Nachricht desMätin" für ein Phantasiegebilde.

T)er französische Kabinetksrat verständigte sich über den Gesetzentwurf betr. die Unterdrückung der Sabotage.

In der französischen Kammer forderte am Montag bei der Beratung über das Finanzbudget Sembat (Geeinigter Sb- zialist) Maßregeln, um der Aufsaugung des franzö­sischen Kapitals durch das Ausland Einhalt zu tun. Zu der Frage der verschiedenen Anleihen bemerkte er, Frankreich hätte sich vielleicht doch mit der Türkei einigen können. Es habe .ihn enttäuscht, sehen zu müssen, daß die Türkei an eine andere Stelle sich gewandt als an Frankreich, welches allein der Türkei ein aufrichtiger Freund fein könne. Er müsse die Haltung Frank­reichs tadeln, da es auf die ungarische Anleihe erst ver­zichtet habe, nachdem die Presse sich gegen diese gewandt habe. Der Finanzmini ft er antwortete, er müsse bei diesen Fragen die gebotene Zurückhaltung üben. Er könne nur sagen, daß er Fragen dieser Art scharf im Auge behalten werde, damü bei ihrer Lösung die Interessen Frankreichs möglichst gewahrt wurden.

Deutsche Aolouien.

Koloniale Gesetze. Aus Berlin wird uns ge­schrieben: Die Vorarbeiten für eine Reform der Kolonial- gesetzgebung find im Reichskolonialamte vorläufig noch nicht abgeschlossen worden. Es besteht die Absicht, eine solche Vorlage dem Reichstage erst in späterer Zeit vor­zulegen, da als Vorbedingung für eine solche Reform die Verabschiedung des dem Reichstage vorliegenden Gesetzes über die Errichtung eines obersten Kolonial­gerichtshofes gilt. Die unter Dernburg gemachten Vorarbeiten zur Reform der Kolonialgerichtsbarlett dürften wohl auch kaum in allen Punkten Berücksichtigung finden und sollen einer gründlichen Umarbeitung unterzogen Wer­dern Dagegen ist eine Novelle zum Schutztruppe n- gesetz vorbereitet worden, die dem Reichstage wahrschein­lich noch vor den Neuwahlen zugehen wird. Die Novelle will in allen .afrikanischen Schutzgebieten das militärsche Kontrollwesen ausbauen und in Verbindung damit für Südwestafrila zunächst einen Beurlaubtenftand für Offiziere und Mannschaften bilden.

Au» Stadt und Saud.

^9icuen, 22. November 1910.

In eigener Sache.

Die gestrige Nummer unseres Blattes ist leider etwas später als sonst ausgetragen worden, da ein Maschinen­defekt unseres Betriebes, der sich seit etwa 14 Tagen be­merkbar machte, erst Ende dieser oder Anfang nächster W^che völlig beseitigt werden kann. Wir haben schon vor einigen Tagen unsere Leser deshalb um Nachsicht gebeten. Uns kommt nun ein Flugblatt, unterzeichnetDer Vorstand der fortschrittlichen Voltsparte i", zu Gesicht, in dem im Zusammenhang mit dem Maschinendefekt des Gießener Anzeigers von einemSchelmenstück schlimmster Art" gesprochen wird. Im Anschluß an Vorwürfe gegen die Nationalliberalen heißt es nämlich unter sensationeller Her­vorhebung im Truck, in dem Flugblatt wörtlich:

Tiefe Heuchelei wird heute durch ein Schelmenstück schlimmster Art, dessen nur nationalliberale Führer fähig sind, von diesen unter b t e n ft e r g e b e n ft e r Mitwirkung einer zur rechten Zeit zerbrochenen Maschine tzeZ Gießener Anzeigers auSgeführt, In

vielen Hausern wartet man um 4, ö, 6 Uhr auf den (Siebener An­zeiger. Er erscheint nicht. Erst um halb 7 Uhr wird ^r aus­gegeben. Warum dies alles?! Damit man in einem eine ganze Spalte des Anzeigers füllenden Pamphlet in der gestrigen Ver­sammlung längst widerlegte Unwahrheiten nochmals behaupten kann in der Hoffnung, sie könnten nicht mehr widerlegt werden.

Wenn der Vorstand der fortschrittlichen Volkspartei zu solchen unwahren Behauptungen und solch verwerflichen Mitteln greifen zu müssen glaubt, so scheint uns die Zeit gekommen zu sein, wo die Mitglieder der fortschrittl. Volks­partei sich fragen müssen, ob sie mit einem solchen Vorstand fernerhin noch Zusammenarbeiten wollen. Der Verlag des Gießener Anzeigers wird sich natürlich Vorbehalten, gegen diese Absicht einer Geschäftsschädigung alle erforderlichen Schritte zu tun.

** Tageskalender für Dienstag, 22. November. Stadt­theater: Vollsvorstellung: »Ter Kaufmann von Venedig/ An­fang 8 Uhr. w

**DieStadtverordnetenwahken haben heute vormittag 11 Uhr ihren Anfang genommen. Da die Wahl­handlung bis abends 7 Uhr dauert, seien alle Wahlberech­tigten, die bis jetzt noch nicht abgestimmt haben, nochmals an ihre Bürgerpflick)t erinnert. Gerade bei den Stadt­verordnetenwahlen sollte für jeden Bürger das Wahl­recht auch eine Wahlpflicht fein, denn mehr und un­mittelbarer greifen die Beschlüsse des Stadtparlaments in die Verhältnisse jedes einzelnen ein, als die des Reichs- und Landtags, wie auch umgekehrt der Einfluß jedes einzelnen Wählers auf die Zusammensetzung der Stadtverordneten­versammlung größer ist, wie bei den Reichs- und Landtags­wahlen.

Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus Föching, Regierungsbezirk Oberbayern, und aus Trommetsheim, Regierungsbezirk Mittelfranken.

Landkreis Gießen.

f Garbenteicy, 22. Nov. zoet der heute hier vor­genommenen Beiaeordnetenwahl wurde Landwirt Joh.W a l- b o 11 HL mit 72 Stimmen gewählt, fein Gegenkandidat, llntererheber Joh. Hinderländer, erhielt 70 Stim­men. Der seitherige Beigeordnete, Wagnermeister Johs. Schwarz II., hatte eine Wiederwahl abgelehnt.

Kreis Büdingen.

= Büdingen, 21. Nov. Zum ersten Male besuchte Ende voriger Woche der Chef der Schulabteilung im Mini­sterium, Geheimerat Süffett, begleitet von Geh. Ober- schulrat No d nagel, das hiesige Wotsgang-Ernst-G y m- nafium. Beide Herren verweilten in einigen Klassen beim Unterricht eine Zeitlang.

-1- Tübingen, 21. Roo. Die Betriebseröffnung des Gaswerks, der allenthalben mit Jnteresie entgegen» gesehen wurde, ging am Samstag ohne Störung vor sich. Am Vormittag wurde mit der Montierung der Beleuchtungs­körper an den Straßenlaternen begonnen, und unmittelbar daran schloß sich die Beleuchtungsprobe, so daß schon von dlhitag ab das neue Licht tn allen Stadtteilen die Betr'?bs- eeöffnung verkündete. v

Kreis Schotten.

--- Schotten, 21. Nov. iu.au.) Beschluß des Kreis­ausschusses werden die Kreis ft raßen vom Ritze­bügel bis zur Poppe st ruty der Straße Schotten- Ulrichstein-Rebgeshaiu, Michelbach-Breungeshain wegen des Scyneesailes für den Vermehr gesperrt. Soweit die Tätigkeit der Bediensteten der Kreisstraßenverwaltung für die Offenhaltung der nicht gesperrten Kreisstraßen bei Schneeverwehungen nicht aus reicht, sind die Gemeinden, und zwar zunächst jede innerhalb ihrer Gemarkung und er­forderlichenfalls auch die benachbarten verpflichtet, zur Offenhaltung der Straßen Hülfe zu leisten. Für die ge­leistete Hülfe wird vom Kreis Vergütung gewährt.

Kreis Wetzlar.

Dudenhofen, 21. Rvv. Die Gemeinde Duten­hofen h<lt die Zusammenlegung chrer Feldmark beantragt. Tie Gemarkung des Dorfes hat 52/,60 Hektar Flächeninhalt, darunter nur 23 Hektar Gemeindewald, aber große Wiesen- flächen zu beiden Seiten der Lahn. Mtt der Zusammen- Ugung dürfte auch die Platzfrage für den beschlossenen Schulhausneubau eine glückliche Lösung gesunden haben. Die neue Schule ist für vier Klassen mit Lehrerwohnungen vorgesehen. Infolge der regen Bautätigtett wurde hier- selbst Baugelände schon mit 7,50 Wk. pro Quadratmeter in günstiger Lage bezahlt.

= Katzensurt, 21. 9iov. Die Witwe Kühn aus Rodenrot, die am gestrigen stürmischen Nachmittag zu ihren Verwandten nach Gießen zu reifen beabsichtigte, wurde unweit des Forsthauses Greifental von zwei Wege­lagerern belästigt, die plötzlich aus dem Walde hervor- traien. Einer der Burschen verlangte die Barschaft der alten Frau und nur durch das Herautommen emes Mannes wurde sie aus ihrer bedrängten Lage befreit, woraus die Unholde im Dickicht verschwanden.

Landwirtschaft unö Fleischteuerung.

Gießen, 22. Nov. 1910.

Man schreibt uns:

In der am 18. d. Mts. abgehaltenen Sitzung des landwirt- chaftllchen Lokalvereins, über die wu schon kurz berichteten, stand die Wwerlegung der in der letzlen -Lladtraissitzung gemachten Ausführungen des Vorsitzenden und verschiedener emdtDetorbneteii am der Tagesordnung. Die Behauptung, daß eine Fleljchnot be- slünde, ist durchaus nicht zutreffend, wie dies durch Zahlen bewiesen lverden soll. Wohl aber i|i zugegeben, bau eine Flehchleuerung be­sieht, die durch verschledene angerhalb der Landivirtjchast liegende Maßnahmen, künstlich erhalten worden war. Die Behauptung, bau die Grenzen gegen Biehemsuhr and angrenzenden Ländern gesperrt seien, beruht am einem Irrtum. Es bürten z. B. ans Oester­reich jährlich bis zu bOOüu Stuck Schweine emgenihrt iverden, hier­von ivurdeir nn vergangenen Jahr nur 443 etütf emgenihrt, aus Rußland dürfen bis zu 130000 Stück emgeiührt iverden, aiict) hier­von wurde nur in bennelbcii Verhältnis wie bei Oesterreich Ge­brauch gemacht. Außerdem bürten ans Oenerreich bis zu öÜOOu Rinder jährlich eingestihrt werden. Daß hiervon einiger Gebrauch gemacht wird, beweisen die MarUoerichte von Frankniu und einiger mideren Städte, wo gewöhnlich die ans Oesterreich emgestihrte Stückzahl besonders angegeben wird. Diese Zahlen beweisen, daß die hohen Preise nicht durch o r'chwerung der Einfuhr trinsllich hochgehalten werden, wie behauptet wurde. Ebensowenig taim behauptet werden, daß die hohen Produktionskosten durch die ZnttermittelzoUe bedingt würden, beim die gebräuchlichsten Futtermittel haben überhaupt feinen Eingangszoll. Nur auf Alais und Futlergerste ruht em kleiner Zoll. Die badische Regierung hat am Drangen gewisser Krrge mit Genehmlgiing der Reichsregierung die Erlailbnis ge­geben, daß ui den Vieyhos nach Mannheim ans Frank­reich demnächst 400 Rinder und 400 Schweine emgesuhrt werben dürfen, ob davon Gebrauch gemacht wird, mug bic Zott lehren, zumal Frankreich fast höhere Preise hat wie wir.

Außerdem bat Mannheim selbst UeberfluB an Schlacht­vieh, von 100 Stück auf den dortigen Alarkt gebrachtes Vieh werden 25 Prozent in Mannheim geschlachtet, 7> Pro­zent gehen nach ariswarts.^ Die Bedelitung des Arislands für Deckung des Brot- und Freischbedarfs für Deutschland war niemals geringer als jetzt. Der Gesanitbrotkornverbrauch betrug für den Kopf der Bevölkerung 224 Kilo, davon lieferte der deutsche Acker laut statistischem Ausweis 210 Kilo, der Bezug vom ^Ausland war demnach nur 6 Proz. Tanir war der Verbrauch von 203 Rilo für den Kopf im Jahr 1812 auf 224 Kilo im Fahr 19 >8 gestiegen Bei der Fleischproduktion haben mir dasselbe Bild, in Prozenten brauchten wir vom Ausland an Fleism i872 5,2 Proz., un Fahr 1908 6,6 Proz. Dagegen ist der Verbrauch vom Fahr 1872 bis 1908 von öä Kilo auf 53 Kilo für den Kopf gestiegen. Ein Beweis, daß die dentsche ^andivirtschaft den gesteigerten Äniorderimgen vollkomnien getvachsen ist, mir sogar heute schon, wenn der Ver­brauch derselbe geblieben wäre wie nn1.1872,Ueberproduktion hätten. Die Produktion an Fleisch ist entsprechend der Bevölkernngszunahine m den oben angegebenen Jahren von 1592 'Millionen Kilo auf 3339 Millionen Kilo gestiegen, und daß wir heute noch dasselbe Verhältnis haben, beweist die Statistik des kaiserlichen Gesiindhelts- amts, nach dem ergibt sich, daß im 2. Vierteljahr 1910 entgegen dem gleichen Zeitraum von 1909 an Pserbeileilch mehr 19270 Kilo an Rindfleisch 897430 Kilo, an Schweinefleisch 1067 430 Kilo zum Ver­brauch bereit standen, dagegen war der Verbrauch an Kalbfleisch in demselben Zeitraum etwas zurückgegangen, ivas seinen Grund jedenfalls jene darin hatte, daß nach dem futterarmen Jahr 1909 we­niger Kälber zum Schlachten abgegeben wurden, dagegen mehr zur Zucht Verwendung fanden. Alle diese Zahlen beweisen doch wohl zur Genüge, daß dem Mehrkonsum das entsprechende Angebot heule noch gegenüber steht und von einer Unterernährung wohl mcht die Rede sein kann. Von einer Gegenerklärung glaubte die Versamm­lung Abstand nehmen zu können, zumal der Regierung die ange­gebenen Zahlen genau bekannt sind, sich auch wohl kaum zu Maßregeln dränaen laßt, die unjerm Viehbestände in der heu­tigen kritischen Zeit, und damit der Bevölkerung ein eminenter Schaden zugesügt werden könnte.

(ßcridHsfaaL

** Gießen, 22. Nov. Tie Angelegenheit gegen den R e ch t s a n w a l t E., die über 3 Jahre anhängig war, hat damit geendet, daß ihm wegen Verstoß gegen 'die an­waltlichen Pflichten vom DiszipttnargerichtS^of ein Ver^ weis und eine G e l d st r a f e v o n 1 ö 0 M k. auferlegt wurde.

Sport.

--- Fußball. Am Sui.isiag spielten auf dem Trieb die IIL Mannschaften des Wetzlarer Gymnasiums gegen die III. Schülermannschaft des V. f. B. Gießen. Halbzeit 2:0 für Wetzlar. Mit 3:2 konnte die noch jugendliche Mannschaft des B. f. B. das Spiel für sich entscheiden. Am Sonntag standen sich die I. Mann­schaften des B a l l s p i e l t lu b Gießen und des V. f. B. Gießen im Meisrerschastsspiel aus dem Triev gegenüber. Das Hpiel litt sehr unter der Witterung. Nach über­legenem Spiel siegte V. f. B. mit 6 :1.

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Bei Wesel stießen gestern abend auf dem Rhein die Dampfer Egon" und Nordcap" zusammen. Der DampferEgon" wurde nur wema beschädigt.Nordcap" sank sofort. Tte beiden S ö h n e des Kapitäns im Alter von 8 und 20 Jahren ertran- f e n vor den Augen ihrer Eltern. Die Frau des Kapitäns erlitt einen Beinbruch.

Der Münchener Referendar Etzel, der kürzlich die Tochter eines Justizrats entführte, wurde am Samstag in Spa­nien b er haftet. In feinem Besitze fand man 200 000 Mark, Die ebenfalls festgenommene Entführte wird ihren Eltern zu^ geführt werden.

In Kiel erhängte eine Witwe gestern aus N a h r u n g s - sorgen ihren zwölfjährigen Sohn und sich selbst.

Das englische Schloß Lees Court in der Nähe von Faversham, wo Prinz Heinrich von Preußen noch vor kurzer Zeit als Gast wellte, ist gestern gänzlich niedergebrannt. Die Bewohner konnten nur mit knapper Not ihr Leben retten.

Wetterauöstchten in peffeu am Mittwoch dem 23. Novbr. 1910: Wolkig, noch Schneefälle, nordwestliche Winde, etwas kälter.

Letzte Nachrichten.

S Ossenbau-, _2. Nov. oeioicmord Beruhte gestern abend in einem hiesigen Gasthof der Musketier Michel von der 12. Kompagnie des in Mainz liegenden 87. Infanterie* Regiments. Anscheinend war das Motiv der Tat Furcht vor einer geistigen Erkrankung. Eine P r o t e st v e r s a m m l u ng der hiesigen Katholiken gegen die Angriffe des römischen Bürgermeisters Nathan auf das Papsttum, die von 1000 Per­sonen besucht war, sandte nach einem Vortrag des Domkapitulars Bend ix ein Ergebenheitstelegramm an den Papst ab.

Wildpark, 22. Nov. Der Kaiser ist heute vor­mittag 7.40 Uhr auf der Station Wildpark augekommen und hat sich nach dem Neuen Palais begeben.

Paris, 22. Nov. Der Herzog von Orleans ließ erklären, daß er dem Attentat aus den Ministerpräsidenten Briand vollständig fernsteht.

Kristiania, 22. Novbr. Aus Anlaß der Meldung aus dem Haag, daß die norwegisch-holländischen Verhandlungen über den Schiedsgerichts vertrag ergebnislos verlausen sind, ist N o r s k Telegrammbureau in der Lage, mitzuteilen, daß man norwegischerseits stets bei Verhandlungen mit sremden Mächten über den Abschluß allgemeiner Schiedsgerichtsvertrage von dem notwendigen Prinzip ausgegangen sei, daß man dem Schiedsgericht Fragen unterwerfen tonne, die die Unabhängig­keit und Integrität eines Reiches betreffen. Holland habe- in­dessen einen Vertrag gewünscht, der die Zuständigkeit des Schieds­gerichts auf alle Zwistigkeiten, die möglrcherwei.e entstehen könne«, ohne Vorbehalt ausdehnen sollte.

K o n ft a n t i n o p e l, 21. Novbr. In der Kammer kam d heute zu einer erregten Auseinandersetzung, weil sich nach­träglich herausgeftellt hat, daß bei der in der letzten Sitzung erfolgte Annahme der Vorlage betreffend die Beibehaltung des Paßzwanges drei ungültige Stimmzettel den Prostimmen zu- gezählt wurden. Bei der erneuten Abstimmung, die man heiiÄ vornahm, wurde der P a ß z w a n g mit 35 gegen 78 Stimmen! aufgehoben. Ter Deputierte für Uesküb, (5njh. cy^arte; er lege fein Mandat nieder, weil er nicht dulden fönne., daß » Grenze Bornbenwersern und Komitadschi gebfmet werde.

Muller und Kinder gedeihen pruchlig! Berlin N. 39, 16. April 1910. Mit Ihrem NährpräparatBiosan''' habe ich an meinen beiden tleiiien Kinder»! und mir selbst die« stigften Erfolge erzielr. Sen dem Gebrach vorzüglichen Pri^ vaiatcd fühle ich mich recht frisch und tnmiß und meine beiden Kleinen gedeihen inadjtig; man ueht es an den Hellen, »uauzende« Augen! Ich werde niemals em anderes Präparat gebrauchen, W alle, die ich bisper tamue, nn Geschuias nicht fo gut, dagegen viel, teuerer waren, was bei langerein ooer windigen Geö.auch W Hausoalt eine groge Rolle spielt. Hochachtungsvoll! Frau W Schmid», imtmcmaBc 22. Unterem dcn.auvigt: t)uui«M Moritz Raitorvsti, Notar. Biofon ist das beste und billiultk Krastiguiigsniiltet. Paket 3 Mk. in Myometen, Drogerien. tbNk