Ausgabe 
30.8.1910 Zweites Blatt
 
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Nr. 302

T." dem deutsch feindlichc telegraphischen Uebermttteku-

iari§" zur

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C ft Metzers durchaus adelige Freundin und Be-l gewaschen, die von den Weinbauern angewandt wurden. In nie v Francois, sehr schlichte Mansarden am Saal- p a n i en und P o r t u g a l sind die W i lt e r u n g s v erhalt-

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Reüaktion:e^112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

nisse nicht so schlecht gewesen, so daß man auch hier ans eine bessere Ernte hoffen darf. Je weiter inan nach Süden kommt, desto günstiger werden auch die zu erwartenden Ergeb­nisse. Natürlich ist ebenfalls eine große Preissteigerung zu ge­wärtigen, denn bei den durchweg schlechten Ernteaussichten, die de- anders in Frankreich vorhanden sind, ist es auch nicht möglich, daß in einem Teil des Landes durch eine gute Ernte wieder wett- geniacht wird, rvas im anderen verloren geht. Viel Erfreuliches wird also das Jahr 1910 dem Weintrinker auf keinen Fall bieten, aitch wenn sich die bösen Prophezeiungen, wie zu hoffen ist, nicht

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

überall bewahrheiten werden.

Der ruhelose Eiffelturm. Ein seltsames Ge­bühren hat ein Mitglied der französische»i Akademie der Wissen­schaften an dem Eiffelturm wahrgenommen und feine Beobachtungen in einer Sitzung seinen Kollegen mitgeteilt. Was er erzählte, erregte zunächst grobe Bestürzung, aber er konnte die Aufgeregten im weiteren Verfolge seiner Mitteilungen wieder beruhigen. Der 300 Meter hoheEisenturm huldigt nämlich der wunderlichen Gewohn­heit, sich amTage zu drehen und des Nachts dann wiederzurückzudrehen. Dieses wunderliche^Verhalten wird durch die Sonnenhitze heroorgerusen. Im eommer wendet er sich derartig, daß bei Sonnenuntergang der Blitzableiter an der^ Spitze sich ostioärts neigt; im Winter zeigt er mehr eine Neigung nach Westen. Die Nacht bringt alles wieder ins Gleiche und benw, Morgengrauen des nächsten Tages steht der Blitzableiter wieder! seickrecht. Ter Gelehrte hat nachgewiesen, daß dieses Schwankem des Turines n i ch t u n b e t r ä ch t l i ch ist und daß die Spitze des^ Blitzableiters von der Vertlkallinie um eine Entfernung von I V, bis' zu 8 ßoll abweicht. Doch konnte er durch genaue Beobachtungen feststellen, daß die seltsame Neigung des Turmes, sich rund um ficb, selbst in verschiedenen Richtungen zu drehen, mit der Zeit auch nicht um ein Haarbreit zugenommen hat, und deshalb ist keine Gefahr vorhanden, daß er bei seinen Schwankungen einmal das Gleichgewicht verlieren und Zusammenstürzen könnte. Vielmehr werden sich die Pariser noch lange dieses Wahrzeichens ihrer Stadt erfreuen können, denn auch die Ueberschwemniungen des letzten Winters, von denen man eine Erschütterung seiner Grundmauern fürchtete, haben dem Riesenturm nichts geschadet: er steht io fest wie je zuvor. Mancher ästhetisch feiniühlende Bewohner von Paris würde dabei das Verschwinden des Turmes mit Freuden begrüßen, denn in das wundervolle Bild der Sonnenstadt sticht die scharfe Nadel des alles überragenden Baues uiiangenehm hinein und zer­stört so manche weich geschwungene Linie des schönen Schatten- risses. Die Künstler haben auch bereits des öfteren die Nieder- lcgiing des Eiffelturmes befürwortet, aber seine Abtragung würde ebenso bedeutende Siunmen verschlingen wie sein Aufbau.

Aus Statt und Cant»

Gießen, 30. August 191-0.

Gesellenprüfung der Fabriklehrlinge.

-In Letzter Zeit ist öfters darüber verhandelt worden, ob Fabriklehrlinge ein Recht auf Zulassung zur Gesellenprüfung hätten bezw. ab die Handwerkskammern befugt seien, sie von diesen Prüfungen zurückzuweisen. Es kairn wohl taunt zweifel­haft sein, daß eine Nichtzulassung der Fabriklehrlinge zu den Gesellenprüfungen als eine Unbilligkeit erscheint. Einmal ist es nicht immer freier Wille eines jungen Mannes, ob er in einem Handwerksbetrieb oder in einer Fabrik in die Lehre tritt, sehr oft nötigen ihn die Verhältnisse, die letztere zu wählen, ihm des­wegen sein weiteres Fortkommen zu erschweren, wäre unbillig. Dann aber muß zugegeben werden, daß eine entsprechende Lehr­lingsausbildung in der Fabrik sehr wohl möglich ist, wenn die Vorschriften beachtet werden. Einem ordnungsmäßig ausgclcrnten jungen Handwerker aber die gesetzliche Einrichtung der Gesellen­prüfung vorenthalten zu wollen, liegt offenbar nicht int finite des Gesetzes. Uebrigens sagt § 129 Ws. V der R. G. O. aus­drücklich :Die Zurücklegung der Lehrzeit kann auch in einem dem Gewerbe angehörenden Großbetriebe erfolgen." Aus dem

DieSiebener Zamiiiendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Srit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

raterin, Luise v. Francois, sehr schlichte Mamarden am Saat ufer bewohnte. Bei meinem Besuch 1880 nahm ich die Hand- chrift ihres altfritzischen SchauspielsPosten der Frau" aus den Weg mit und fügte dann meinem gelinden Zweifeln gegen bte Bühnengerechtigkeit des späten Erstlings die Bitte um neue epische Schöpfungen bei. Sie antwortete aus Schlangenbad, dieser Ort gelte zwar für einen Jungbrunnen alter Damen, doch von ihr werde nichts mehr vor prüfende Augen treten:Dagegen mochte ich die Aufmerksamkeit eines jungen Kritikers von Beruf reckst dringend auf Marie Ebner-Eschenbach lenken, in deren Aphoris­men, und bis zu entern, gewissen Grade auch in den Novellen, ich die gedankenklarste und urteilsfähigste Frau, die jemals in Deutschland geschrieben, und durch deren Persönlichkeit ich das wärmste, liebreichste, gütigste Herz ein Kinderherz unter einem Mannes sch ädel habe kennen lernen. Solch ein Talent ulw Streben soll durch Lob und Tadel gefördert werden. Mit so schwerwiegenden, nicht uneingeschränkten Superlativen warb die norddeutsche Greisin für eine österreichische Freiftau, die, lxtmals schon 50 jährig, erst auf der Schwelle des Ruhmes stand und ihrerseits zurletzten Reckenburgerin", laut einem schönen Gtz- denkblatt nur wie die Staude zum Baumriesen emporschauen roolüe." DieAphorismen", aus die Luise v. Francois sich bezieht, waren in demselben Jahre 1880 zum ersten Male er­schienen. Ihnen vorausgegangen war nur ein BandErzäh­lungen" und die NovelleBozena". Gleich ihrem norddeutschen Geistesverwandten Theodor Fontane sollte auch Marie von Ebner erst die Schwelle der Sechzig erreichen, bis die bücherlesende Welt zu begreifen an fing, was sie an ihr besitzt.

Annsi> Wissenschaft nnd Leben.

' __ Die Gutenberggesellfchaft (Sitz Mainz,) hat nach dem soeben erschienenen Jahresbericht für das Mu­seum 338 Bände, 255 Broschüren und 233 Einzelblärter (Farbendruck, Akzidenzen) erworben. Der Mitgliederbestand hat wieder bedauerliche Verminderungen durch Tod und Austritt erfahren. Vor allem ist der Tod des Mitbegrün- ders und langjährigen Ausschußmitgliedes, des am 22. Sep­tember 1909 nach kurzer Krankheit verstorbenen Prälaten Professor Dr. Franz Falk, zu beklaaen. Das Vermögen der Gesellschaft beträgt 19 778.74 Mk. Die Einnahmen im Geschäftsjahr 11881 Mk., die Ausgaben 11754 Mk. An das Gutenbergmuseum wurden 6000 Mk. überlviesen.

h Der Rüsselsheimer Markt. Gelegentlich der Er­öffnung der Rüsselsheimer Kirchweihe. veranstaltete der dortige Heimatsverein eine Art Umzug, wie er ungefähr vor einem halben Jahrhundert in Rüsselsheim in der ötobe war. Gegen 2i/3 Uhr hörte man vom Rathaus her nahenden Trommelwirbel, der den Schritt der bewaffnetenDkarktgesellen" begleitete. Ter Gruppe voran schritt ein Fahnenträger und ihm folgte mit wür­digen,' gemessenen Schritten der Gemeindebüttel, mit der alten, buntgefälligen Tracht vergangener Zeiten angetan. "Den struppigen Kopf bedeckte eine langschildige Mütze und eine schwere Muskete erhöhte noch den Eindruck behaglich biederer Feierlicksteit. Der Markt ist erreicht. Lang anhaltender Trommelwirbel. Hieraus das Verlesen der Urkunden, kraft denen der zur Stadt erhobenen Gemeinde Rüsselsheim durch die Grafen von Katzen-Ellendogen zum ersten Akale im Jahre 1437 die Marktfreiheit gewäbrt wurde. Diese Frechen wurde im Jahre 1686 unter Ernst Ludwig Landgraf von Hessen und 1696 und 1754 abermals ver­liehen. Allerdings hat der Markt, der früher besonders in Vieh- haudel bedeutend war, jetzt sein Ansehen verloren und vermehrt höchstens die Zahl der übrigenKerben".

Aus Marie von Ebner-Eschenbachs An­fängen. In wenigen Wochen wird die literarische Welt ben 80. Geburtstag der größten deutsch-österreichischen Schriftstellerin feiern. Längst hat die Sonne des Erfolgs den fübcrnen Scheitel ber verehrten Frau mit ihrem Strahlenkranz umwoben, und kaum denkt noch jemand von der jetzigen Generation daran, wie schmerzlich lange auch diese Dichterin darauf warten mußte, bis sie Anerkennung fand. Um so augenfälliger geht das aus einer kleinen Reminiszenz hervor, mit der Erich Schmidt seinen im nächsten Hesle derDeutschen Rundschau" erscheinenden Hul­digungsartikel für die settene Frau eröffnet.Es sei mir ge­stattet," schreibt er,mit einer persönlichen Erinnerung anznheben, die vorerst nicht nach Wien, sondern in das kleine Weißenfels.

- schlechte Weinjahr 1910. Die trüben Aus­sichten, die die diesjährige Weinernte allen Freunden eines guten Tropfens eröffnen, faßt der Herausgeber einer englischen Fachzeit­schrift zusammen, indem er die Verhältnisse in den einzelnen Wem- ländern erörtert. Am schlimmsten steht es wohl in Frankreich, wo vielfach behauptet wird, dieses Jahr werde das schlechteste in den letzten 12 Jahren sein. Die Ernte für Bordeaux wird wohl auf die Hälite der früheren Erträge geschätzt; Ehablis rechnet mit nicht mehr als 6000 Galonen Wein; die Eöte d'Or und die Grands Erus werden etwa l's der gewöhnlichen Weinmenge ernten. Aus anderen Gegenden wird sogar ein völliger Ruin der Ernte , pro­phezeit, so besonders aus der Champagne, so daß die Aussichten des Champagnertrinkers recht nngi'mftig sind. Die Berichte, die au5 dem Rheinland und von der Ai o s e I kommen, sind nur ein wenig besser als die aus Frankreich. Tie Menge des Weins tvird sehr gering fein, aber man hofft, daß die Güte hervorragend wird, wenn die letzten Wochen noch Sonne bringen. Zu viel Regen und zu wenig Sonne, das sind die Gründe der Mißernte in Frankreich, Deutschland und Italien. Der Regen hat allerlei Krankheiten hervorgerusen und hat zugleich die Heilmittel weg-

schläge Ku erteilen.

Spenden und Verm'ächtniffe zu Gunsten des Auslandsdeutschtums.

Den sichersten Beweis für die im Deutschen Reiche wachsende Anteilnahme an dem Ergehen der deutschen Volksgenossen irn9lus- land gibt das Anwachsen der Spenden und Vermächtnisse, die zu ihren Gunsten dem Verein für das Deutschtum un Ausland zü­nftigen Jimerhalb der letzten drei Wochen sind ihm nicht weniger als drei Vermächttüsse zugefallen: 5000 Mr. aus Stuttgart, 5000 Mk. ans Dresden und 2500 Mk. aus Potsdam.^Autzerdem wurde seiner Königsberger Ortsgruppe eine größere Summe zur Vertellurig an deutsche bedrohte Gemengen in Böhmen und Südtiroc zur Verfügnng gestellt.

Der soeben erfolgte Bettritt des Norddeutschen Lloyd zum Verein für das Dentschtnm im Ausland mit einem erheblichen Jahresbeiträge zeigt, daß auch in den maßgebenden Kreisen des deutschen Handels die Bedeutung der nationalen <Lchutzarbeit für die Weltwirtschaftsinteressen des deutschen Volkes immer stärkere Anerkennung findet. Die Sitte, die nationale Schutzveremsarbett durch Vermächtnisse oder durch Spenden bei freudigen Ereignissen zu unterstützen, ist bei den Gegnern unseres Volkstums viel stärker verbreitet als im deutschen Volke. Auch die Möglichkeit, bei Schiedssprüchen, Vergleichen usw. dieser Arbett Mittel zuzuführen, wird noch viel zu wenig bedacht.

politische Tagesschau.

Eine beschämende Lehre

gibt, so lesen wir in derTägl. Rundschau" und, daraus zustimmend entnommen, auch in derNatl. Korr.", aus Anlaß der sympathischen Königsberger Kronprinzenrede und der daran geübten Kritik ein demokratisches eng­lisches Blatt deutschfeindlicher Tendenz jenen Deutschen, die schon Angst hatten, der Kronprinz hatte teure internationale Bande geschädigt, indem er sich als Deutscher bekannte; insbesondere demBerliner Tage­blatt", welches an die Rede erstaunlich unreife Bemer­kungen geknüpft hatte. DasNewcastle Daily Ehronicle" schreibt nämlich : ,

Viel besprochen wird in der deutschen Presse die Rede des deutschen Kronprinzen in der Königsberger Universität. Er scheint

für dieErhaltung der gesunden völkischen Eigenschaften plädiert zu haben, deren Bestand, wie er befürchtet, durch Einternatio­nalisierenden Tendenzen" bedroht wird. Seine Abncht ist klar. Gleichwohl geben Kritiker wie Herr Theodor Wolff vomBer­liner Tageblatt" vor, ihn nicht zu verstehen, und werfen alle möglichen ironischen Fragen auf. Herr Wolff z. B. fragt, ob der Kronprinz seine Worte an die internationalen Aristokraten Deutschlands richte, die ihr Leben im Hin- und Herreisen zwftchen Nizza, Baden-Baden und Berlin verbrächten. Oder ob der §kron- prinz etwa ein Verbot von Pariser Hüten für deutsche ?yrauen meine? Alles dieses ist äußerst bezeichnend für die plumpen Versuche gewisser deutscher Journalisten,witzig" zu, lein. Der Kronprinz gibt einfach den Deutschen den Rat, Deutsche zu,sein und nicht die Eigentümlichketten anderer Nationen nachzuässen. Und darin muß man ihm recht geben.. Nichts wirkt so lächerlich/

3ur Erwerbung des hessischen 5taatsbürgerrechts. 1

Vom ersten Vorsitzenden des Nationalliberalen Vereins , Gießen wird uns geschrieben:

Schriftliche und mündliche Anfragen aus dem Publikum geben ' mir Veranlassung zu folgenden Bemerkungen, die teilweise in dem ersten Artikel desGießener Anzeigers" standen:

1. Durch den Erwerb des Hessischen Staatsbürgerrechts geht das Staatsbürgerrecht in einem anderen Staate nicht verloren. Es kann ein Deutscher zugleich in verschiedenen Bundesstaaten die Staatszugehörigkeit besitzen, z. B. zu­gleich Preuße und Hesse fein.

2 Den Ausweis über die Staatszugehörigkeit erhält man in Preußen vorn Landratsamt, in den anderen Bundesstaaten von der entsprechenden Verwaltungsbehörde.

3. Die Angaben in dem Artikel des Gieß. Anz. über den Besitz, bezw. Erwerb der hessischen Staatszugehörigkeit sind noch zu erweitern. Es sei deshalb der betr. Abschnitt aus dem BuchBürgerkunde von >Dr. A. Glock und Dr. Lohr" hier abgedruckt:Endlich wird die Staatszugehörigkeit in einem Bundesstaat sowohl dem Angehörigen eines anderen Bundesstaates, als einem Ausländer stillschweigend dadurch verliel;en, daß derselbe im Reichs- oder Staatsdienst ober unter staatlicher Bestätigung im Kirchen-, Schul- ober Gemeindedienst angestellt wird, es sei berat, daß bei der Anstellung ein ausdrücklicher entgegen- ftehenber Vorbehalt gemacht wird."

Wenn bisher einzelnen Herren hier, die unter eine der oben genannten Gruppen fallen, Zuschriften zugesandt worden sind, so kam dies daher, daß sie nicht in der letzten Wählerliste zum Hessischen Landtag (1908) standen, obwohl die vorherige Reichstagswählerliste ihre Namen auf­wies. Diesen Herren ist anzuraten, beim nächsten Mal Ein­sicht in die Liste zu nehmen, wenn sie nicht ihres Wahlrechtes für die betreffende Wahl verlustig gehen wollen.

'4, Auf Anfragen von Herren vom Lande sei initgeteilt, daß auf Wunsch Bewerbungsformulare an der s, Zt. bezeich- neten Stelle zur Verfügung stehen.________________

Die augenblickliche HIeischteuerung und die preuhische Regierung.

Von gut unterrichteter Seite schreibt man uns:

Die Tatsache, daß seit Wochen eine erhöhte Steigerung der Fleischpreise eingetreten ist, läßt sich nicht bestreiten. Die Annahme aber, daß die preußische Regierimg den ver­änderten Verhältnissen gegenüber interesselos gegenüber-- ftehe, trifft keineswegs zu. Das zuständige Ministerium hat die Entwickelung verfolgt und auch Erwägungen ange­stellt, ob eine Milderung der hohen Fleischpreise durch Re- gierungsmaßnahmen möglich sei und wo die Gründe für die Fleischteueimng zu suchan seien. Das Ergebnis ist folgendes:

(Eine Fleischteuerung besteht nicht allem in Deutsch­land, sondern in ganz Mitteleuropa, vor allem auch jn Oesterreich, der Schweiz und in Holland. Ter Grund ist wahrscheinlich in der schlechten Futtererrtte des Vorjahres zu suchen, die viele Biehbesitzer veranlaßt harte, chre Be­stände zu verringern, um nicht mit großen Unkosten später Futtermittel kaufen zu müssen. lLine Herabsetzung des deut­schen Viehbestandes aus spekulativen Gründen zur Erzielung höherer Fleischpreise dürfte nicht erfolgt sein, weil eine solche Maßnahme kaufmännisch unklug wäre, überdies läßt sich schlachtreifes Vieh nicht längere Zeit zurückhalten, weil das Risiko der Erkrankung für dieses Vieh bei Ueberfürterung zu groß ist. Nachdem der letzte Winter bei verstärktem' Angebot die Preise reduzierte, trat aus obengenannten Grün­den im Frühjahr eine Verminderung des Viehbestandes ein. Erst nachdem die Futterernte dieses Jahres befrie­digend ausgefallen ist, wird der Viehbestand vergrößert werden und das herangewachsene Vieh möglichst schnell schlachtrÄs gemacht werden. Ein Heruntergehen der jetzigen Fleischpreise darf also in den nächsten Monaten erwartet

werden und zwar auf das Niveau der letzten Winterpreise. ' Es ist eine Oeffnung der Grenzen in der Presse

gefordert worden- Eine solche Maßnahme wird keine Besse- , rung bringen, denn in den Nachbarstaaten besteht auch^ Fleischnot aus den gleichen Gründeii wie bei uns. Das Ausland würde selbst bei einem Ueberschuß an Schlacht­vieh unter den gegebenen Verhältnissen die Konjunktur ausnutzen und hohe Preise fordern. In sanitärer Hinsicht könnten aber leicht schwere Schäden durch eine spontane Grenzöffnung entstehen. Es bestände auch die Gefahr, daß durch zu scharfe Auslandskonkurrenz, man sprach von ar­gentinischer Vieheinfuhr, die Rentabilität der deutschen Vieh­zucht sehr in Frage gestellt wäre und die heimische Vieh­zucht stark vernachlässigt würde

Eine Herabsetzung der Eis enb a h n tarif e wäre ein anderes Mittel, der Staat würde dieses Opfer bringen, wenn dadurch eine Verbilligung der Preise eiw- treten würde, was immerhin zu bezweifeln wäre, denn es ist beobachtet worden, daß die Aufhebung der städtischen Schlachtfteuer die Fleischer nicht veranlaßt hat, die Preise um diesen Betrag vermindern, sie haben den Profit eingesteckt. Eine Tarifherabsetzung würde ihren Zweck nur erreichen, wenn sie eine Preiskontrolle im Gefolge hätte.

Die Fleischteueruna ist aber nur vorübergehend und eine Besserung der Verhältnisse bald zu erwarten. Preußen leidet unter der Teuerung viel weniger als die süddeut­schen Staaten, die weniger Viehzucht betreiben als Preußen. Im allgemeinen ist der Ausschlag in preußischen Westen mir minimal, im Osten kaum spürbar.

Iubiläum der Unfall- und InvaUden-versicherung.

Der Verband der deutschen Berufsgenossenschaften schrrtbt ^denkfeier, welche die gewerblichen und landwirtschaft­lichen Berussgenvssenschaften zufarnmen mit den Landes-Ver- sicherungs-Anftalten vorbereiten, beginnt mit einer Feier im Reichs - Versicherungsamte. Am 30. September, nachmittags 2 Uhr findet nämlich in den Räumen des Reichs-Venicherungs- amtes die Enthüllung des B ö d i k e r - Denkmals statt. Präsi­dent Dr. Kaufmann, als Vorsitzender des Denkmals-Ausschuises, wird im Plenarsaale des Amtes eine Ertnnerungsrede auf- diker halten. Dann erfolgt die Enthüllung des Denkmals. Außer­dem wird bei dieser Gelegenheit das für den Plenarsaal beftumnte Bild des ersten Präsidenten und die für die Feier geschaffene Erinnerungsmedaille überreicht werden. Am Abend des 30. Sep­tember ist im Reichstage Empfangsabend. Das eigentliche Fest wird am 1. Oktober vormittags 10. Uhr ebenfalls im Reichstage begangen werden. Dabei wird je ein Vertreter der Gruppe der gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften sowie der Landes-Versicherungs-Llnstalten über die Tätigkeit biejer Or­ganisationen in dem abgelaufenen Vierteljahrhundert Bericht er­statten. Dann wird sich ein Vertreter des Reichs-Versick-erungs- amtes in einem zusammenfassenden Schlußworte über die Be­deutung und die Leistungen der Arbeiter-Versicherung aus­sprechen.

als derartigeImitationen". .

Nochmals: es ist ein englisches, es ist ein demo­kratisches, es ist ein deutschfeindliches Blatt, das sich ge­drungen fühlt, der undeutschen Auslandsdienerei desB. T." olches ins Stammbuch zu schreiben. Herr Wolfs aber hatte, wie dieDeutsche Tagesrtg." feststellt, diesen sogar im Ausland gebrandmarrten Artikel für eine so hervor­ragende Leistung angesehen, daß er ihn noch vor der Ver­öffentlichung imB. T." dem deutschfeindlichen Echo de Pari.

übergab. Es ist das deshalb von besonderem Jnterefte, weil dieser Journalist sich berufen fühlt, dem nationalen Liberalismus allerhand ungereimte und unerbetene Rat-

Zweites Blatt 160» Jahrgang Dienstag 30« Angnft 1910

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Ä j A

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General-Anzeiger für Gberhesien