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25.6.1910 Viertes Blatt
 
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Samstag 25. Juni 1N1V

Viertes Blatt

Nr. 146

160. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntage.

das

Obgleich

R. Spitzner &. Cie., Frankfurt a. M., Opernplatz 2. ss5/5]

Die britischen Flottenmanöver

L London, 22. Juni, bisher noch keine offiziellen Ankündigungen haben, lassen doch alle Anzeichen darauf

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'scheu UuiversitätS - Buch- und Slemdruckerei. 8L Lange, Siegen.

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Themen

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 24. Juni.

(Schluß.)

Der Einsturz des Neubaues bei der Beterinärkliuik.

DieSiebener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS KreisWott fSr den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen** erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e=a^5L Äebaftion:eaS 112. Tel.-AdruAnzeigerDießen.

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Nach Vernehmung einiger Zeugen, die eine Rücksprache durch .... Telephon bezüglich der einzuziehenden Träger zum Gegenstand hatte, gab der Techniker des Angeklagten S. noch an, daß St. sich ihm gegenüber geäußert hat, es könne nicht so weüergehen, e5 müsse rascher gearbeitet werden. Aus Beiragung gab S. noch an, daß er sich die Beseitigung der Mängel nur auf dem Wege der Nieder- legung des Baues denken konnte. Er will erst nach Fertigstellung der Fundamentierungsarbeiten Kenntnis vom Begum des Bauens erhalten haben. Bei den Verhandlungen über bie Entschädigung

um die Furcht vieler Eltern zu zerstreuen, ihr Vermögen müsse unter einer großen Zahl von .Bindern zerstückelt werden. Die absolute Testamentsfreiheit würde dem An­tragsteller zufolge auch den Vorteil haben, die jungen Leute daran zu gewöhnen, nur auf sich selbst ju zählen und ihre Tätigkeit anzuspornen, um sich Existenzmittel zu sichern. Das sind Anregungen, die gewiß großen Widerstund Hervor­rufen werden, aber dennoch nicht unbeachtet nach einer rein akademischen Erörterung zur Seite gelegt werden dürften.

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vermischter.

* Die Verbündeten Kaufmännischen Vereine für weibliche Ange st eilte, Sitz Frankfurt a. M., hielten vom 17.19. Juni ihre Generalversammlung in Düsseldorf ab. 40 Abgeordnete mit insgesamt 93 Stimmen waren erschienen sowie zahlreiche andere Mitglieder der benachbarten Vereine. In geschlossener Sitzung wurden interne Angelegenheiten verhandel. In öffentlicher Sitzung wurde der Jahresbericht erstattet, der ein Anwachsen aus 40 Vereine mit etwa 16 000 Mitgliedern, sowie eine rege Betätigung auf sozialpolitischem Gebiete, hauptsächlich die Fragen Kaufmannskammern, staatliche Pensionsversicherung und Reichsversicherungsordnung bett., zeigte. Erörtert wurden wichtige Fragen des kaufmännischen Bildungswesens, insbeson­dere: die Bestrebungen zur Geschmacksbildung des Kaufmannes und die Erfahrungen mit der zwangsweisen Fortbildungsschule für weibliche Angestellte. Es wurde ferner beschlossen, der Sicher /tellung der, von den Angestellten gegebenen Kautions­summen näher zu treten. Ausführlich besprochen wurden noch die Elternabende, die zur Aufklärung von Eltern und Töchtern dienen sollen. Zu den Arbeiten für das nächste Jahr wurden noch ausgenommen: Festlegung eines gesetzlichen Som­merurlaubs, Aufstellung von Forderungen der berufstätigen Frauen an den Hansabnnd und Sammeln von Material zu Ein­gaben, betreffend Einsetzung von Handelsinspektionen und Frauen­wahlrecht zu den Kaufmannsgerichten. Der Tagung voran ging eine gut besuchte öffentliche Versammlung, in der Sophie Rehm aus Nürnberg über das Thema sprach:Was tut uns tzandlungs- gehilfinnen not?" Ten Beschluß machte eine festliche Veranstal­tung, die der Düsseldorfer Kaufmännische Verein für weibliche Angestellte den Schwestervereinen gab.

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Eine wenig beachtete wichtige Nachricht auf dem Gebiete der Luftschiffahrt ist aus England gekommen. Tort hat sich mit einem Kapital von 2 Millionen Mark eine Aktien-Gesell- schast gegründet, die den Ballon- und Luftschiffbau im größten Stile betreiben will. Hauptmann a. D. Hildebrandt schreibt dazu: An der Spitze stehen in der Welt rühmlichst bekannte Fachleute, wie der Flugtechniker Major Baden-Powell, der zuerst Drachen zum Öochhebcn von Menschen gebaut hat, sowie der Kanonenkönig Hiram Maxim, der im Jahre 1893 einen Drachenflieger von 2600 Viilofliamm Gewicht gebaut hat, der Besitzer einer großen Flug- maschinenfabrik Warwick Wright und endlich A exander Livendaat. Tie Gesellschaft nennt sich Aviation Investment and research. Der letztgenannte Ingenieur Livendaal war seinerzeit Ende der 90er Jahre und Anfang 1900 Ingenieur beim ©raten Zeppelin, der ihn als sehr fähigen und gedankenreichen 'Wann sehr geachtet hat und auch noch sehr schätzt. Tie abenteuerlich erscheinenden Nachrichten über den Bau eines Riesenluitschiffes in England unter Leitung dieses Fachmannes emsprechen tatsächlich der Wirklichkeit. Ueberhaupt ist es vollkommen falsch, wenn man glaubt, England sei noch außerordentlich rückfällig. Aus diesem Insel- reich kommen die Nachrichten nur sehr spärlich nach Europa, da die Zeitungen möglichst wenig über Lnsischisfahrt veröffentlichen. In Wirklichkeit wird aber namentlich für die Flugtechnik außer­ordentlich viel getan. Für uns müssen diese Tatsachen ein An­sporn sein, ja nicht zu ruhen und zu rasten, damit wir nicht ins Hintertreffeii geraten, wozu wir leider trotz aller Beteuerungen des Gegenteils und Jndeiihimmelhebens der Leistungen unserer Lenk­ballons auf dem Wege sind. Ganz frei von Schuld an diesen Ver­hältnissen ist unsere Militärverwaltung nicht; wenn sie auch nach Möglichkeit beispielsweise die Flugtechnik unterstützt, so zieht sie leider die privaten Fachleute nicht genügend heran und ist durch ihre Berater nicht immer genügend unterrichtet.

Auch der englische König hatte eine 'Botschaft gesandt, die von der Versammlung stehend angehört und mit dem Gesang der Nattonalhymne beantwortet wurde. Der König spricht darin seine Befriedigung aus über das brüderliche Zusammenarbeiten so vieler Kirchen und Gesellschaften aus allen evangelischen Ländern der Welt in dem Werke der Verbreitung chriitlicher Weltanschauung und Kultur und hofft, daß aus den Verhandlungen eine gitte Ein­wirkung auf die internationale Freundschaft, die Lache des Friedens und das Wohlergehen des Menschengeschlechtes ausgehe.

Bei den Verhandlungen des ersten Tages wurde die neueste Missionsstatistik bekannt gegeben, die eine Fülle von hochbedeut­samen Zahlen enthält. Danach betragt u. a. die Zahl der evan­gelischen Missionsgesellschasten jetzt 338, die der ordinierten Missionare 5522, der Missionarinnen -1988, der Misswnsarzte 641, der Aerztinnen 341, der eingeborenen ordinierten Geist­lichen 5045, der getauften Leiden 3 006 373, die Summe der gesamten Missionsbeiträge 1Ö3 452 990 Mark. Als betrübende Tatsache wurde festgestellt, daß noch 114 Millionen Heiden völlig außerhalb dcS Arbeitsbereiches der evang. Missionen liege. Shut) die immer bedrohlicher werdende Propaganda des Islam in Afrika wurde lebhaft befiagt und besonders bedauert, daß die englische Verwaltung diese Propaganda so oft begünstige.

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Heidelberg in schönster Lage .te des Waldes und aug r modernen Psychiaav

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General-Anzeiger für Gberhesjen

Lizcrrd erwartet.

Einige Ueberraschnng verursachte gestern in Devenport her Befehl, daß die vierte Division der Heimflotte für die Manöver mobil gemacht werden soll. Diese Division ist die schwächste (in Bezug auf dieStamm-Besatzungen" imb setze sich aus den ältesteu noch im Dienste bcfnibli.cl)cn Kreuzern und Schlachtschiffen zusammen. Bisher hat die Admiralität diese Division nicht bei Manövern verwendet, und die jetzt befohlene Mobilmachung deutet darauf hin, daß jedes überhaupt verfügbare Schiff an den Manövern teilnehmen wird. Die Gesamtzahl der Schiffe wird die größte bilden, die jemals in Manövern versammelt wor­den ist.

Die Entvölkerung Frankreichs.

O Paris, 23. Juni.

Die für Frankreich so bedeutsame Entvölkerungsfrage wurde am Donnerstag im Senate von Professor Sanne* lon gue, dem Mitgliede des Institut de France, neuer- dings sehr eingehend erörtert. . Es werden da eine Reih« von Maßregeln vorgeschlagen, die auch von anderen hervor­ragenden Mitgliedern des Hauses, wie den Senatoren Rou- vier, Ribot, Feytral, Cuviuot, Bienvenu-Martin u. a. m unterzeichnet sind. In einem vorzüglich dokumentierten Motivenberichte behandelt der Senator des Gers-Decharte-^ ments eingehend die Ursachen des Ueöels mit Ziffernbelegen, imt zu der Feststellung zu gelangen, daß geradezu die Exi­stenz d e s L a n d e s gefährdet erscheint, wenn es nicht gelingt, die Geburtenziffer zu erhöhen. Als Hauchtursachen der Entvölkerung bezeichnet Professor Lannelongne das umsichgreifende Junggesellentum, die zu späten Heiraten, das mißbräuchlicl)e Hin drängen auf das Beamtentum, die Beschränkung der Testamentsfteiheit, die unerquickliche Lage des Lohnwesens, die falsche Berechnung der Uebertragung des Wohlstandes, die ans übertriebene Fürsorge und auf zu weitgehenden Sparsinn begründet ist, die Massenauswan- derirng vom flachen Lande in die Städte usw. Auf psycho­logische Gründe ist diesem Berichte zufolge bie Schwäche der Geburtenziffer in Frankreich keineswegs zurückzuführen, da die absolute Unfruchtbarkeit seit mehr als fünfzig Jahren imöcränöert geblieben ist. Sie betrug nämlich 1856 18 Proz. und ist 1891 nicht über 17 Proz. hinausgegangen. Bon den vorgeschlagenen Maßregeln ist zunächst eine Erhöhung der Mlitärpflichten für Junggesellen vom Mer von 29 Jahren an zu nennen. Man weist darauf hin, daß derartige Absichten schon vor 1870 in Frankreüü wie in Deutschland bestanden. Wurde doch bei Mobilmachungen der Truppen vorgesehen, daß die Junggesellen vor den Verheirateten einberufen wurden. Bedenklicher erscheint die zweite Forderung, daß aNe Staatsbeamten mit 25 Jahren verheiratet sein muffen. Sie rvird damit be- gritnbet, daß die Diener des Staates das erste Beispiel der «Erfüllung der Bürgerpflichten für die Erhaltung der Rasse Lnd der Nation geben müßten. Allerdings wäre dazu «uch eine Aufbesserung der Anfangsgehälter der kleinen Beamten unbedingt erforderlich. Außerdem sollen pekuniäre Vergünstigungen, Beförderungen und Pensionsvorrechte für TScamtc ein geführt werden, die wenigstens drei teber.be .Linder haben. Schließlich verlangt der Antrag die Be­seitigung der Artikel des Zivilgesetzbuches, die die Ver- 'fügungsfteiheit bei letztwilligen Bestimmungen beschränken.

stattgefunden ....

schließen, daß die diesjährigen britischen Flottenmanöver auf einem außerordentlich großen und bisher wahrscheinlich präzedenzlosen Maßstabe stattfinden werden. Es ist ein offenes Geheimnis, daß anstatt der Nordsee, in der während der letzten paar Jahre bie Manöver ab gehalten worden sind, der Atlantische Ozean zumKriegsschauplatz" ausersehen worden ich Drei große Flotten, nämlich die Heimflottje, die Mittelmeer flotte und die Kanalflotte werden an den Manövern teilnehmen. Dazu kommen noch die verschiedenen .Kreuzerdivisionen, die den Flotten beigegeben sind. Die Mittelmeerflotte segelt heute von Malta nach Gibraltar, wo sie mit der Atlantischen Flotte Zusammentreffen wird, und morgen über acht Tage werden die beiden Flotten am

politische Tagesschan.

Gründung eines Reichsverbandes deutscher Städte.

In den vergangenen Wochen hat sich derReichsverband deutscher Städte" .(Verbcuid der mittleren und kleineren Städte und Landgemeinden) konstituiert. Es handelt sich dabei um eine Bereinigung aller deutschen Städte und Landgemeinden mit weniger als 25000 Ein­wohnern. Der Zusammenschluß ist vornehmlich deshalb erfolgt, damit die Interessen der erwähnten Städte und Gemeinden in gemeinsamer Arbeit durchgesetzt werden können. Den Vorstand bilden 12 Bürgermeister aus allen Teilen des Reichs. Es handelt sich also nicht um eine Vereinigung, bie sich nur auf ein bestimmtes Gebiet inner­halb Deutschlands erstrecken soll. Generalsekretär ist Erwin Stein-Berlin. Der Verband hat gerade für bie kommenden Jahre wichtige, praktische Arbeiten durchzuführen. So ist u. a. angeregt worden, den jetzt z. B. nur in Sachsen besteherr-- den Spar rassen-Giro-Ver band über ganz Deutsch land auszudehnen. Es sind ferner Erhebungen anzustellen wegen Odjaffung eines Zentralinstituts für Kom- munal-Kredit (speziell für den Bedarf kleinerer Ge­meinden gedacht). Es wird sich ferner als notwendig er­weisen, in der Frage der Verwaltungsreform in einzelnen Bundesstaaten Stellung zu nehmen. Der Verband wird durch seine Geschäftsstelle Auskunft über juristische und kommunal tvr rts chaftl ich e Frag en unentgelt­lich erteilen. Er wird das Erfahrungsmaterial im Verwal- lungsrecht und in der Gemeindewirtschaft bei Bedarf an einzelne Kommunen einsenden und namentlich auch dafür sorgen, daß in der deutschen Bresse vorbildliche Einrichtungen kleinerer Städte und Gemeinoen nicht mehr wie so oft bisher mit Stillschweigen übergangen werden. Außerdem soll zu den Parlamenten im Reich und den Einzelstaaten Fühlung unterhalten werden. Die Geschäftsstelle des Verbandes befindet sich in Berlin SW. 11, Großbeerenstraße 93.

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des Bauherrn will er sich gegen die Ersatzpflicht ausgesprochen haben.

Sachverst. Grünig hält das verwendete Material für üblich, doch sei die Ausführung schlecht; der Bau hätte wohl gehalten, wenn nicht so rasch gearbeitet worden und das Wetter günstig ge­wesen wäre. Im Gegensatz zu den übrigen Stockwerken war das Erdgeschoß sehr schlecht ausgeiührt, wenn aber rechtzeitig aufgehört worden wäre und der Bau hätte austrocknen können, so wäre die Katastrophe nicht eingetreten, trotzdem in dem Bruchsteinmauerwerk gepfuscht worden sei. Tie Einziehung der Träger, die nachträglich erfolgte, Halle er für gefahrbringend, weil dadurch das Mauerwerk in der Umgebung gelockert wurde. 2. halte sich nicht auf den Techniker verlassen dürfen, sondern hätte sich selbst über die Art der Ausführung überzeugen müssen. Ferner hätte er sich über die Güte des Materials verlässigen müssen. Er hält eine so rasche Auf­führung für einen Verstoß gegen die Regeln der Baukunst. Der Pfeiler, der die Last nicht tragen konnte, wäre bei Verwendung des richtigen Materials und bei richtiger Ausführung stark genug gewesen. ' Ten Angeklagten Pf. hält er für mitverantwortlich, da er als Unternehmer für Beseitigung der Mängel hätte sorgen müssen, wenn er auch nicht für alles verantwortlich gemacht werdeii kann, was St. getan hat.

Sachverst. Grode hält den Baugrund für gut. Das Funda­ment sei aber unsachgemäß ausgeiührt worden. Alle Umstände haben zusammengewirkt, besonders sei da? zu frühe Beseitigen der Verschalung ein großer Fehler gewesen. Nach seinen Angaben trifft alle Angeklagten em Verschulden.

Sachverst. Winn schließt sich den Ausführungen der übrigen an. Er ist aber der Ansicht, daß das Mauern im Winter fein Fehler sei, wenn daS Bindematerial entsprechend ist und die nötigen Vorsichtsmaßregeln getroffen werden. Wenn der Bau nicht in seinen Grundmauern verpfuscht gewesen wäre, hätte die Einziehung des Trägers nicht den ganzen Einsturz zur Folge gehabt, es wäre dann nur die fragliche Ecke zusamwengebrochen.

Sachverst. Hamann hielt es für zulässig, daß sich der Bau­leiter durch einen Techniker vertreten läßt. Sachverst. K o ck e r - beck ist der Ansicht, daß einer auf die Mithilfe des andern an­gewiesen ist und die Gewissenhaftigkeit die größte Rolle spielt. S. hätte der Polizei die Gründe der Niederlegung der Bau­leitung angeben müssen, damit das Weiterarbeiten verboten wor­den märe.

Bailrat Becker hat den Bau nicht gesehen: er hat nur Kenntnis aus den Allen und der Verhandlung. Er meint, der Frost habe die Fundamentsohle gelockert. Der Pfeiler sei in sich zerdrückt worden, doch wäre bet ganze Bau nicht zusammengestürzt, wenn die Arbeit sonst aut auSgesührt worden wäre; es wäre sonst nur die eine Ecke zusammengebrochen. S. hätte seinen Anord­nungen mehr Nachdruck verleihen müssen. Pf. als Unternehmer hätte sich mehr um den Bau kümmern sollen, besonders dann, als er von S. auf die Gefahr aufmerksam gemacht worden war. St. als Maurermeister hätte wissen müssen, daß nicht so ge­arbeitet werden dürfe, zum mindesten müsse man dieses im Inter­esse der öffentlichen Sicherheit von einem Maurermeister ver­langen können.

Der Staatsanwalt hielt alle für schuldig und be­antragte gegen St. 4 Wochen Gefängnis: gegen Pf. 200 und gegen S. 150 Mark Geldstrafe. Der Vertreter der Nebenklägerin schloß sich den Anträgen der Staatsanwaltschaft an und die Ver­teidiger plädierten für Freisprechung. Rechtsanwalt Mendelsohn hob hervor, er konstatiere mit Genugtuung, daß dem Angeklagten S. in Bezug auf den Bauplan kein Vorwurf gemacht werde, es könne sich somit nur um eine Unterlassung handeln, die aber straf­rechtlich nicht zu ahnden fei.

Nach kurzer Beratung verkündet das Gericht Beschluß, daß die Urteilspuhlikation Freitag, 1. Juli, vormittags 8 Uhr, er» iolgen soll._________________________________

Kirche und 5dmte*

Weltmissionskonferenz z u Edinburg.

Vom 14. bis 23. Juni fand zu Edinburg die 3. Well- missionskonserenz statt. (Die erste war 1888 in London, die Zweite 1900 in Newport. > Seit seinem Bestehen hat der Prote­stantismus noch feine so imposante Versammlung von Vertretern der verschiedensten ihm angehörenden Kirchengemeinschaften ge­sehen, wie dieser Edinburger Kongreß sie darstellt. Die Dele­gierten kamen aus allen Ländern und Erdteilen, in denen Evangelische wohnen. Erfreulicherweise hat diesmal auch Deutsch­land eine stattliche Zahl von .Vertretern entsandt, etwa 100, während die Zahl der gesamten Delegierten übtet 1100 beträgt.

Der Zweck des Kongresses ist nicht irgendwelche Schau­stellung, sondern sowohl ein näheres Bekanntwerden und Austausch der mehr als 100 jährigen Erfahrungen der einzelnen Missions­gesellschaften, als auch die Auffindung neuer Mittel und Wege, um eine christliche Beeinflussung und Bearbeitung der großen Millionenvölker zu ermöglichen, die in .China, Japan, Korea, Indien, der Türkei, Persien usw. zurzeit für Aufnahme der christ­lichen Kultur reif werden. Zur Beratung dieser Fragen haben sich nun die sachkundigsten Fachmänner, Leiter der Misftons- gesellschaften. zahlreiche int Dienst ergraute Missionare und er­fahrene Missionsmänner Dereint

Am Wend des 13. Juni war festlicher Empfang und feier­liche Begrüßung der Delegierten vor dem Oberbürgermeister und dem Stäbtrat von Edinburg im Kgl. Schottischen Museum. Unter den Rednern, welche dem Oberbürgermeister den Tank der Dele­gierten für den schönen Empfang aussptacken. wat auch Bischof La Trobe von der Brüdergemeinde, der zugleich auch einen Gruß des deutschen Kolonialamtes überbrachte, welches den Verhandlungen des Kongresses reichen Segen und Erfolg wünschte und es dankbar und erfreut anerkennt, daß die Bemühungen um Die Ausbreitung des Evangeliums die Segnungen der Zwüisatton und Kultur in allen Ländern zum Gefolge haben.

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