Ausgabe 
23.7.1910 Erstes Blatt
 
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der Eisenbahn-Angestellten befragt habe und daß er daraufhin ^antwortet habe, er könne nicht recht an den Ausbruch eines Streites glauben. Speziell das Personal der Paris-Lhon-Mittel- ^neerbahn verhalte sich, von einigen Hetzern abgesehen, richig. ^zch selbst glaube, so schloß Direktor Mauris, daß das Publikum für den Augenblick unbesorgt sein Tann.

politische Tagesschau.

Dec Aufmarsch der Parteien in Schleswig-Holstein.

ES ist, so schreibt dieKöln. Ztg.", eine erfreuliche Er­scheinung in der politischen Bewegung, daß für die nächsten ReichStagZwahlen nicht nur die Sozialdemokraten ihre Kan­didaten vor dem Beginn des Wahlkampfes aufstellen, sondern daß endlich auch die Bürgerlichen rechtzeitig die Kandidaten­frage entscheiden. In einer großen Anzahl schleZwig-hol- steinischer Kreise sind die bürgerlichen Kandidaten bereits aufgestellt. Für die Nationalliberalen kandidiert in Flensburg-Apenradc der HandelSkammcrprästdent Kallsen- Flensburg, in SchleSwig-Eckernförde der Amtsvorsteher und frühere Hofbesitzer Mattsen - Steinfeld, in Tondern-Husum- Eiderstedt der Landtagsabgeordnete Schifferer-Hohenwarte, in Dithmarschen-Steinburg der Amtsgerichtsrat Görck-Hcide und in Plön -Oldenburg-Segeberg der Gutsbesitzer Hastedt in Wensin bei Segeberg. Alle Kandidaten sind in ihrem Wahl­kreise ansässig und haben enge Fühlung mit der Wähler­schaft, die den Ausschlag gibt. Insofern ist die Aufstellung ersolgverheißend.

Die Fortschrittliche Volkspartei hat in allen fünf Wahlkreisen, der Hälfte der Provinz, eigene Reichstag 8- kandidaturen beschlossen. In Flensburg-Apenrade kan­didiert Kaufmann Ceube-Hamburg, in Schleswig-Eckernförde Buchdruckereibesitzer Spethmann - Eckernförde, in Tondern- Husum Dr. Leonhart-Kiel, in Dithmarschen-Steinburg Land­tagsabgeordneter Hoff-Kiel und in Plön-Oldenburg Dr. Struve- Kiel. Ein Zusammengehen aller Liberalen im ersten Wahlgang ist somit ausgeschlossen. Da aber in allen Wahlkreisen, von Tondern-Husum abgesehen, die Sozialdemokratie die Hauptgegnerin ist, so darf in der Entscheidungsmahl ein vereintes Schlagen als sicher gelten. In einigen der übrigen schleswig-holsteinischen Wahlkreise dürfte bei der herrschenden Stimmung und Strömung von vornherein em genieinsames Vorgehen der Liberalen erwartet werden.

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Der deutsch-chinesische Postpaktivertrag.

Zu dem Abschluß eines Postpaketvertrages zwischen Deutschland und China, der den Austausch von Paketen auf der Basis des Weltpostvereins regelt, wird von zuständiger Seite mitgeteilt:

Bisher nnrrben aus Deutschland Pakete bis zu fünf Kilo an Orte mit deutschen, russischen und japanischen Postanstalten geschickt, und zwar auf dem Wege über Hamburg und Bremen mit den Reichspostdampfern, ebenso über Neapel mit den Reichs­postdampfern und neuerdings auch auf dem Wege über Sibirien. Pakete bis fünf Kilo nach Orten in China mit chinesischen Post- anstalten wurden nur befördert bis' zu den deutschen Postanstalten, die Weiterbeförderung erfolgte mit der chinesischen Post auf Ge­fahr des Absenders, ohne daß wir irgendeine Verantwortung dafür übernahmen, und die Kosten wurden vom Empfänger ein- nnogen. Pakete von fünf bis zehn Kilo wurden bisher nur be­fördert nach Orten mit deutschen Postanstalten mit Ausnahme von Amov, Swatau und Futschau, nach allen anderen Orten dagegen, insbesondere nach Orten mit chinesischen Postanstalten wurden sie nicht abgenommen. In umgekehrter Richtung wurden Pakete aus Orten mit chinesischen Postanstalten bisher nicht nach Deutschland geschickt.

Der neue Vertrag sieht nun vor: erstens einen Postpaket­austausch in beiden Richtungen mit allen Orten mit Postanstalten in China, und zwar bis zum Gewicht von zehn .Kilo mit der Einschränkung, daß das Gewicht von Paketen nach Orten mit chinesischen Postanstalten, die nicht an der Eisenbahn oder einer Dampferanlegestelle liegen, auf drei Kilo beschränkt werden kann, wenn die chinesische Behörde dies wünscht Die Vorausbezahlung kann künftig auch nach Orten mit chinesischen Postanstalten statt­finden, sofern diese Orte an der Eisenbahn oder einer Dampfer­anlegestelle liegen, dagegen werden die Weiterbeförderungskosten nach wie vor vom Empfänger eingezogen. Ferner ist künftig auch nach Orten mit chinesischen Postanstalten eine Wertangabe gestattet, deren Höchstgrenze voraussichtlich 1000 Franks <800 Mk.) betragen wird. Schließlich wird bei Verlust oder Beschädigung von Postpaketen für die ganze Beförderungsstrecke nach den. all­gemeinen Grundsätzen, die im Weltpostverein bestehen, Gewähr geleistet."

schäft beschlossen wurde. Die erforderlichen Mittel sollen die Organisattonen aufbringen.

Der Festplan des Universitätsjubiläums in Berlin. In denBerliner Akademischen Nachrichten" wird das Programm der Jahrhundertfeier der Berliner Universität veröffentlicht. Die Feier beginnt am 10. Oktober, abends 6 Uhr, mit einem Gottesdienst im Dom. Um 8 Uhr findet der Emp­fang mit dem sich daran schließenden Imbiß in der Universität statt. Den Abend des ersten Festtags beschließt ein Fackelzug Der Studenten. Am 11. Oktober beginnt vormittags um 10 Uhr der erste Festakt in der Aula, bei dem der Rektor, Professor Dr. Erich Schmidt, die Ansprache halten wird, art die sich die Begrüßung der erschienenen Gäste anschließen wird. Am Nach­mittag vereint die Teilnehmer ein Festmahl und abends soll eine Festvorstellung im Opernhaus stattfinden. Doch sind hierüber, sowie über die aufzuführende Oper nähere Bestimmungen noch nicht getroffen worden. Der dritte Tag bringt den zweiten Fest­akt in der neuen Aula, bei dem der Historiograph Professor Lenz die Rede halten wird. Nachmittags um 3 Uhr findet ein Garten­fest im Ausstellungspark am Lehrter Bahnhof statt. Abends um 8 Uhr beschließt ein Kommers der Studentenschaft in den Aus­stellungshallen am Zoologischen Garten den Reigen der fest­lichen Veranstaltungen. Anläßlich der Jubelfeier ist ein Berliner Universitätsjubiläumskalender erschienen, geschmückt mit den Bil­dern der Universität, sowie des Stifters der Universität und des Kaisers.

KurzeNachrichtenaus Kunst u. Wissenschaft. Die preußische Akademie der Wissensckwften hat durch die philo­sophisch-historische Klasse zur Untersuchung antiker Anlagen bei Paphos auf Cypern durch den Kustos am Antiquarium der König­lichen Museen in Berlin Dr. Robert Zahn 5000 Mk. be­willigt. Ferner hat die Akademie Dr. Wilhelm Fröhner in Paris zum korrespondiereirden Mitglied ihrer philosophisch- historischen Klasse gewählt. Der Münchener Staatsrechtslehrer Geh. Rat Professor Dr. Karl Freiherr v. Stengel feiert am -6. Juli seinen 70. Geburtstag. Auch der Forschungsreisende und Ethnologe Dr. Eduard Pechuel-Loesche, ort). Prv- fefior ber Geographie an der Universität Erlangen, feiert am 26 ds. seinen 70. Geburtstag. Die Universität (Sb in* b u T 9 h erkannte beut Direktor ber chirurgischen Universitats- flmu in Berlin, Professor Auguft Bier, den Cameron- ,c 13 Zu, der von der Universität ausgesetzt war für den- jenigen Wohltäter der Menschheit, der innerhalb ber letzten fünf ^ahre auf dem Gebiete der Heilkunde besonders wichtige Fortschritte erzielen würde. Prof. Bier erfand bekanntlich eine neue Methode zur.Erzeugung örtlicher Gefühllosigkeit, durch die schwere Operationen ermöglicht werden ohne Anwen­dung der Narkose.

Deutsches Aeich.

Wie uns aus Halle mitgeteill wird, wird mit Beginn des neuen Semesters auf der Hallenser Universität Amtsrichter Pro­fessor Fleischmann Vorlesungen über Kolonialrecht halten, nachdem er vom Kultusminister einen diesbezüglichen Lehr­auftrag erhalten hat. Wie wir hören, ist beabsichtigt, allmählich auf allen preußischen Universitäten Lehrstühle für Kolonialrecht zu errichten.

Ausland.

Den Pariser Blättern zufolge haben die jüngst bei Toulon vorgenommenen Schießübungen der PanzerschiffeDemo- cratioue" undVörite" ungewöhnlich günstige Ergebnisse gehabt. Die beiden Kriegsschiffe gaben aus ihren 300-Millimetergeschützen in einer bis anderthalber Minute auf eine Entfernung von 6000 Metern elf erfolgreick-e Schüsse ab. Tas Gesamtgewicht der ab- gefeuerten Geschosse hat 4400 Kilogramm betrag.n.

Aus StaOt und Land.

Gießen, 23. Juli 1910.

Tageskalender. Schützenfest des Schützenvereins. Anfang Sonntag nachmittag 4 Uhr.

Eröffnung des Sportplatzes des Gießener Fußballklubs 1900. Sonntag nachmittag.

K ine matograph: Täglich Vorstellung.

Biograph: Täglich Vorstellung.

Anlagemusik am Sonntag vormittag 11'/, Uhr in der Süd-Anlage. Spielplan: 1. Heroischer Marsch, von Ernst Krauße; 2. Ouvertüre zur OperetteFlotte Bursche", von Fr. v. Suppe; 3. Fantasie aus der OperPreeiosa", von C. M. v. Weber; 4. Kaiser Friedrich-Marsch, von C. Friedemann.

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* * AuS dem Militär-Wochenblatt. Klein (Gießen), Unterapotheker des Beurlaubtcnstandes, zum Ober- apothekcr befördert.

* * Das Hof- und Militär-Adreßbuch für Hessen und Hessen-Nassau (Rangliste des 18. Armee­korps) ist in neuer Ausgabe erschienen. (Verlag von Lüver & Co. in Frankfurt.

""Ein Nachrtlf für Geheimerat Dr. Eifenhuth. ImHessischen Schulboten" veröffentlicht der Hessische Landes- Lehrerverein folgenden Nachruf für Geheimerat Dr. Eifenhuth: Ein schwerer und aufrichtig beklagenswerter Verlust hat den Hessischen Landes-Lehrerverein und die hessischen Lehrer be­troffen. Herr Geheimerat Dr. Eisenhuth ist am 14. l. Mts. für uns alle zu früh und unerwartet verschieden. In ihm verliert die hessische Volksschule einen sachkundigen und be­redten Vertreter; wir Lehrer betrauern in ihm einen warm- fühlenden Förderer unserer Bestrebungen, sowie einen überaus gütigen und milden, dabei aber doch stets gerechten Vor­gesetzten; der Hessische LandeS-Lehrerverein beklagt in dem Entschlafenen einen wohlwollenden Gönner seiner Vereinsziele. Des Heimgegangenen in Dankbarkeit zu gedenken, sei unsere Anerkennung für die treuen Dienste, die er der hessischen Volksschule und dem hessischen Lehrersland geleistet hat."

* * Ernannt wurden die Steueraufseher Joh. Gg. Jmbescheibt und Hrch. Schneider, beide in Friedberg, zu Pfandmeistern für die Beitreibungsbezirke Bingen bezw. Fürth.

* Entschädigung für unschuldig verbüßte Untersuchungshaft hat der Gerichtshof dem jüngst von den Geschworenen wegen Meineides freigesprochenen ehemaligen Nechtsanwalt Klaren ar zugesprochen. Damit haben auch die Richter anerkannt, daß Klarenar nicht wegen mangelnder Beweise freigesprochen wurde, sondern weil er tatsächlich nicht falsch geschworen hat.

* Einen heftigen Sturm gab es wieder einmal gestern abend. Das Unwetter, das ja nicht das erste in diesem Jahre ist, richtete in Wald und Feld mannigfachen Schaden an, namentlich haben die Obstbäume stellenweise stark ge­litten. Unglücksfälle scheinen in unserer Gegend nicht vor­gekommen zu sein. Ein Opfer des Unwetters war im ge­wissen Sinne auch der Wetterdienst, der wegen verspäteten Eintreffens der Wetternachrichten erst in den Mittagsstunden seine Wetterkarte feststellen kann.

* * Stadttheater-Abonnement 1910/11. Heute erhalten die Besteller von Plätzen die Benachrichtigung über die zugeteilten Plätze. Bei der Menge und Vielgestaltigkeit der geäußerten Wünsche konnten natürlich trotz angestrengtester und gewissenhaftester Arbeit der Kommission nicht alle Wünsche Berücksichtigung finden. Die Abonnementspläne liegen jedoch von heute an in der Musikalienhandlung von Ernst Ehallier am Neuenweg anS; dort kann sich also ein jeder überzeugen, welche Plätze noch frei sind, und kann Wünsche bezüglich der Zuteilung eines anderen, noch freien Platzes äußern. Auch Anmeldungen neuer Abonnements nimmt Herr Ehallier entgegen.

* * Stadttheater. Da zahlreiche Bestellungen für bas Operettengastspiel am Dienstag, 26. Juli (Millöckers Armer Jonathan"), wieder an die Direktion gerichtet waren und 'daher von der Post nach Ems oder Bad-Nauheim weiterbefördert wurden, so wird wiederholt ersucht, Billet- bestellungen nur an die Kasse des Stadttheaters zu richten.

* * Schützenfest. Morgen hält der Schützenverein fein Schützenfest auf dem Festplatz beim Schützenhaufe ab. Für Vergnügungen aller Art ist bestens gesorgt, ganz besonders ist ein neuer großer Tanzboden angeschafft worden. Abends ist Feuerwerk und bengalische Beleuchtung der Scheibenständc vorgesehen.

* * Iugendsest. Die Meldungen zum diesjährigen Jugendsest find wieder so zahlreich eingegangen, daß etwa 3900 Känder hieran teilnehmen werden. Der Festzug stellt sich gegen 2 Uhr in der Süd- und Ost-Anlage auf und der Abmarsch soll pünktlich 21/* Uhr erfolgen. Bei Ankunft auf dem Festplatz marschieren die vier untersten Klassen direkt auf ihre Spielplätze bezw. auf den Bretzelplatz. Für die Eltern dieser Kleinen und namentlich für die Eltern von schwächlichen Kindern empfiehlt es sich, stets in der Nähe des Zuges und der SpielpläHe zu bleiben, um sich nötigenfalls der Kinder sofort annehmen zu können. Es wird gebeten, verirrte Kinder zur Musiktribüne neben dem Festausschußzelt zu bringen, damit sie dort von den Eltern in Empfang genommen werden können. In einem Zimmer der Harnickel'schen Wirtschaft wird eine Sani­tätswache eingerichtet, damit nötigenfalls sofort Hilfe zur Hand ist. Die Eltern der Kinder der zwei untersten Klassen werden gebeten, ihre Kinder schon am 'Bretzelplatz in Empfang zu nehmen; andernfalls werden diese Kinder bis zur ersten Pause an einem Tisch neben dem Festausschuß­zelt untergebracht. Der Rückmarsch wird um 7V2 Uhr an- getreten; er wird durch ein um 71/4 Uhr an verschiedenen

Stellen des Fesrplatzes abgegebenes Trompetensignal an«- gezeigt und erfolgt in derselben Reihenfolge wie der Aus­marsch. Im Interesse der Jugend ist es sehr erwünscht, wenn die Eltern dafür Sorge tragen wollten, daß die Kinder auch beim Rückmarsch wieder am Zuge teilnehm en und nicht noch länger im Walde zurückbleiben. Denn ein Fest, das der Jugend gewidmet ist, muß mit-Anbruch der Nacht beendet sein. Im Interesse eines ordnungsmäßigen Verlaufs des Festes wird bas Publikum ersucht, den Auf­forderungen der Festordner Folge zu geben.

* * Heber die Erbauung der Kleinbahn - dinge n5p a n a u äußert sich der Verwaltungsbericht des Kreisausschusses Hanau folgendermaßen:Die Verhand­lungen über den Bau der Kleinbahn HanauBüdingen sind vorläufig auf dem toten Punkte angelangt. Der bei dem Ersuchen um Beteiligung des preußischen Staates an der Aufbringung der Baukosten von dem Minister der öffent­lichen Arbeiten geforderte Abstrich von 226 000 Mk. von der anschlagsmäßigen Baukostensumme ist von der Unter­nehmerfirma (Akt.-Ges. für Bahn bau und Betrieb, Frank-, furt) in dieser Höhe für unausführbar bezeichnet worden. Nachdem sie sich nur zu einem Abstrich von 121000 Mk. ver­stehen zu wollen erklärt hatte, legte ihr ber Minister nahe, die weiter geforderte Herabminderung der Ausführungs- losten durch Herbeiführung erhöhter Zuschußleistungen her beteiligten Kommunalverbände auszugleichen. Hierzu haben sich die letzteren nicht verstehen können. Der Kreisausschuß des Landkreises Hanau hat die Gewährung eines erhöhten Zuschusses einstimmig abgelebt, nachdem bekannt geworden war, daß die Stadt Hanau sich dahin schlüssig geworden sei, nicht die geringste Erhöhung mehr zuzugestehen, da die bisher zugesagte Subvention bereits das äußerste Entgegen­kommen an die Unternehmerfirma darstelle. Unter diesen Umständen wird abzuwarten sein, ob die letztere noch einen Weg zur Ausführung des Proejktes findet, oder ob der Bahnbau von anderer Seite aufgenommen werden wird.

* * Turn 1 ehrerkursus. Auf Anordnung der Mini- fterialabteilung für Schulangelegenheiteu wird vom 17. Ok­tober bis zum 12. November unter Leitung des Turn­inspektors Schulrat Schmuck zur Ausbildung von Turn­lehrern an den hessischen Volksschulen ein vierwöchiger Turn kur sus in Darmstadt veranstaltet. Zu diesem Ausbildungskursus werden nur solche Lehrer größerer Ge­meinden des Landes zugelassen, die später den Turnunter­richt in mehrklassigen Schulen zu übernehmen und nament­lich auch sich am Geräteturnen zu beteiligen imstande sind. Durch die Vertretung der Teilnehmer dürfen feine beson­deren Kosten erwachsen; die Kollegen der Kursbesucher müssen also den Sckiuldienft u^ientgeltlich mitversehen. Die Teilnehmer erhalten aus Staatsmitteln angemessene Tage­gelder und einmalige freie Bahnfahrt nach und von Darm­stadt.

* * M aul - n 11 b Klauens eu ch c. Man schreibt uns: Ein Vergleich ber Nachweisungen über den Stand der Maul- und Klauenseuche in den z. Zt. betroffenen deutschen Ge­bietsteilen (Ostpreußen und Reg.-Bez. Marienwerder in Westpreußen) zeigt, daß die Seuchenverbreitung in der kurzen Zeit von nur 14 Tagen sehr beträchtliche Fortschritte gemacht hat. Es sind mehr verseucht in dieser Zeit 23 Gemeinden (80 am 15. Juli gegen 57 am 30. Juni) und in diesen Gemeinden 67 Gehöfte (181 am 15. Juli gegen 114 am 30. Juni). Hoffentlich gelingt es, eine Verbreitung der Seuche über die z. Zt. betroffenen Gebietsteile hinaus zu verhindern. Nachdem Deutschland längere Zeit ganz frei von Maul- und Klauenseuche war, ist dieser Seuchenausbruch durch Einschleppung von Rußland aus zustande gekommen.

= Lang-Göns, 23. Juli. Morgen feiert ber Turn­verein fein Somm er fest in den Gartenlotalitäten des Gast­hauses zur Poft am Bahnchof. Die Veranstaltungen des Turn­vereins erfteuen sich immer großer Beliebtheit, dies ist in diesem Jahre umsomehr der Fall, als die Festlichkeit als Ersatz der aus­gefallenen Kirchweih gilt. Der Reingewinn des Festes wird dem Turnhallenbaufonds überwiesen werden. Jedenfalls wird noch in diesem Jahr mit dem Bau der Turnhalle begonnen, damit sie im nächsten Jahre bei dem nationalen Gesangswettftreite ein- gewecht werden kann: denn nicht nur zum Turnen, sondeyr auch für größere gesangliche Veranstaltungen fehlt hier ein geLgnetes Lokal.

§ Ruppertenrod, 22. Juli. Bei der heutigen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Heinrich West r upp einstimmig mit 138 Stimmen wieder- gewählt. Es ist dies die fünfte Amtsperiode, die Bürger­meister Westrupp mit dieser Wahl antritt. Welches Vertrauen und welche Wertschätzung der seitherige Bürgermeister in unserer Gemeinde genießt, zeigt die heutige Wahl aufs deutlichste.

L. Bad-Nauheim, 22. Juli. Ein aufreizendes Verbot beschäftigt eben die Gemüter unserer Einwohnerschaft. Seit alter Zeit haben die Bewohner Nauheims das Recht, am Ludwigsbrunnen (einem Säuerling) ihren Haus­trunk zu holen. Nun hat der Staat die Ludwigsquelle wie die anderen Mineralquellen Nauheims für 20 000 Mk. ver­pachtet und will nicht mehr zulassen, daß die Familien mehr als acht Flaschen täglich holen, um den Pächter nicht zu schädigen. Die Stadtverordneten beschlossen, gegen diese Be­stimmung bei dem Ministerium vorstellig zu werden.

Bad-Nauheim, 22. Juli. Bis zum 21. Juli sind 21 2 37 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 7703 anwesend waren. Bäder wurden bis zuni 21. Juli 247 685 abgegeben.

L. Friedberg, 22. Juli. Die SamStag stattfindende Generalversammlung des hiesigen Gewerbeoereins wird sich mit dem sofortigen Neubau eines Gewerbe schul- gebäudes befassen, zu dem die Stadt vor einigen Tagen dem Verein unentgeltlich einen großen Bauplatz am Mainzer Tor überwiesen hat.

sttz Friedberg, 22. Juli. In der Kon kur 8 fache des Friedberger Bomben-Attentäters hat der Ingenieur Hüntsch in Leipzig eine Forderung von 8100 Mk. mit Aussonderungs­recht zum Konkurse angemeldet. Diese Vorabbefriedigung wird verlangt, weil die bei dem Selbstmörder vorgefundenen Bar­mittel aus einer Unterschlagung zum Nachteil des Ingenieurs Häntsch herrühren. Wird dem Antrag auf Aussonderung stattgegeben, so erhält die Stadt Friedberg für ihren Schaden keinen Pfennig.

= Krofdorf, 22. Juli. Für die Ueberschwemmten im Ahrtal wurden in der Bürgermeisterei Atzbach-Launsbach durch die Gemeinde-Ortsdiener 1029.24 Mk. gefammett, näm­lich: Atzbach 62.40 Mk., Dorlar 54, Dutenhofen 172, Garben­heim 82.44, Kinzenbach 103, Krofdorf 251.50, Gleiberg 32, Vetzberg 20, Launsbach 45, Odenhausen 15, Salzböden 54.40 und Wißmar 137.50 Mk.

chh Fellingshausen, 22. Juli. In unserer Gemeinde wird demnächst eine neue, etwa 350 Meter lange Straße angelegt. Sie erhält eine Breite von 9 Metern und rechts und links Bürgersteige. Die neue Straße läuft von einer