Nr. 169
Zweites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
fassungsmauern des oberen Stockwerks in Fachwerk mit Schiefer-1 bekleidung und wegen der Anbringung von 3 Erkern nach der
hab,en, wird in
zur
Fichtendeckreiser worden, womit
im die
160. Jahrgang
Freitag 22. Juli 1910
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Unwersitäts - Buch- und Stemdruckerei.
R. Lange, Gießen.
Verschiedenes.
Aus dem Stadtwald sind Wellen und Betrag von 935 Mk. freihändig abgegeben Versammlung einverstanden ist.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^©5L Redaktioni^^llL. Tel.-AüruAnzeigerGießeu.
Rivehliche Nachrichten^
Eoangeitjche Hemernoe.
9. Sonntag nach Trinitatis, den 24. Juli: Kollekte für die innere Mission.
Gottesdienst.
3n der Ztadtkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde.
Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde.
Pfarrer D. Schlosser.
3n der Iohanneskirche.
Vormittags 8 Uhr: Siehe Stadtkirche.
Vormittags 9l/3 Uhr: Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde.
Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r.
Der Ladenschluß.
Der Kreisverein Gießen des Leipziger Handlungsgehilfen- Verbandes ersucht Um eine andere Regelung der Verkaufszeiten! in den offenen Verkaufsgeschäften in der Weise, daß an den Ausnahmetagen, an denen jettf bis 10 Uhr ofsengehalten werde» darf, der Ladenschluß auf 9 Uhr festgesetzt wird. Der Detaillistenverein und die Handelskammer, die darüber gehört wurden, beantragen, es bei dem seitherigen Zustand zu. belassen intb der Finanzausschuß schloß sich dem an.
Stadtv. Krumm tritt für den Wunsch des Gehilfen Vereins ein. Mindestens solle man nochmals mit dem DetaiUistenverein Rücksprache nehmen, da die Verkürzung der Verkaufszeit bei einzelnen Branchen gut durchzuführen sei.
Stadtv. Eichenauer ist im Interesse der schwer um ihre Existenz ringenden Detailgeschäfte für die Belassung des jetzigen Zustandes. Eher könne man einer Verkürzung der Arbeitszeit an Sonntagen näher treten.
Die Stadtv. Wallenfels und HeichHlch^im treten ebenfalls für Beibehaltung des seitherigen Zustandes ein.
Stadtv. Dr. Ebel hält vom Standpunkt des Käufers trug die Erfüllung des Wunsches der Gehilfen für durchführbar und vermrßt, daß man die Sache nicht in der soziolpolttisc^n Kommission behandelt habe.
Auf Antrag des Stadtv. Grünewald wird die Verwesung an die sozialpolitische! Kommission beschlossen.
Eine historische Debatte.
Die „Gictzener Familtendlütter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Areirblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „LandVirtschastlichrn ZeU- fragen" erscheinen monatlich zwennal.
Nachdem sich die Stadtvv. Dr. Ebel und WimMr'enau^r für die Bewilligung von 100 Mk. ausgesprochen diesem Sinn beschlossen.
Ebelstraße zu. Abgelehnt dagegen wird die Anbringung eines Balkons nach der Wilhelmstraße zu, da er nicht 3 Meter von der Nachbargrenze zu entfernt sein würde.
Derselbe Unternehmer hat an einem Neubau in der Roon- straße einen Balkon angebracht, der nicht genehmigt war. Er ersucht nachträglich um Genehmigung unter dem Änfügen, daß der Balkon in der ersten Zeichnung eingezeichnet gewesen fei, wenn auch undeutlich. Man beschließt Ablehnung.
P. Eim will am Wetzlarer Weg nebeneinander zwei Häuser errichten. Man erklärt sich damit einverstanden, daß der Mansardenstock in Holzfachwerk mit Schiefer ausgeführt wird, zwei Balkone angebracht werden und die Häuser etwas hinter pie Straßenfluchtlinie zu stehen kommen.
Katholische Gemeinde.
Gottesdienst.
Samstag den 23. Juli:
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit heil. Beicht.
Die am 1. April 1909 versuchsweise ein geführte Zu- zieh um g von Frauen zur Armenpflege hat sich vorzüglich bewährt und es wird fetzt beantragt, in jedem der sechs Bezirke zwei Frauen als gleichberechtigte Pflegerinnen, also mit Sitz und Stimme, zu bestellen.
Dem wird zugestimmt, nachdem Beig. Keller auf An- ftage des Stadtv. Heichelheim erklärt hat, daß das Verhältnis der weiblichen Pfleger zu den männlichen wie 1:7 sei.
Abgelehnt werden die Gesuche der Vereinigung für sta atsbür gerliche Erziehung in Köln um Gewährung von Zuschüssen und des' Gießener Fußballklubs 1900 wegen eines Zuschusses zur Anlage eines Spielplatzes, ersteres, weil es sich um eine politische Einrichtung handelt, und letzteres aus prinzipiellen Gründen.
Befürwortet werden die Gesuche um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb von Johs. C ü ft e r s für Ludwigstraße 55 und von Karl Pfeil für Plockftraße 5. Nicht befürwortet wird mangels Bedürfnisses das gleiche Gesuch von Hch. Decker füx Crednerftraße 34.
Bott der Historischen Kommission des Großher^og- tums Hessen liegt ein Gesuch um Beitritt der Stadt zu dieser Kommission vor, die aus einem Minister als Vorsitzenden und 15 vom Großherzog ernannten Mitgliedern besteht. Bis jetzt sind die Provinzen Rheinhessen und Starkenburg, sowie die Stadt Mainz mit je 1000 Mk. Jahresbeitrag Mitglied. Gießen ist Mitglied der Historischem Kommission für Hessen und Waldeck (Sitz Marburg) mit 50 Mk. Jahresbeitrag. Da die Satzungen der Darmstädter Kommission geringere Beiträge als 1000 Mk nicht vorsehen und dieser Betrag mit der von der Regierung den Städten sonst empfohlenen Sparsamkeit nicht im Einklang steht, beantragt der Finanzausschuß Ablehnung. Der Vorsitzende bemerkt noch unter Bezug auf eine Aeußerung eines Ministerialrats in der Zweiten Kammer (in 20 Jähren brauche man nicht nach Süden zu gehen, um bankrotte Städte zu ftnden), daß die Finanzen der Stadt Gießen durchaus gesund seien, jedenfalls gesünder wie die des hessischen Staates, denn man hcckre keine! Steuererhöhung nötig gehabt. Voraussetzung fei allerdings, daß der Staat nicht immer mehr den Städten Einnahmen entziehe, wie z. B. beim Gemeindeabgabengesetz, wo man den Gemeinden die Besteuerungen der Staatsbahnen genommen habe, was für Gießen 12 000 Mk. ausmache. Anderseits verlange man von der Stadt neuerdings für die Ausübung des staatlichen Aufsichtsrechts bei der Straßenbahn 100 Mk.
Strwtv. Dr. Ebel ist für den Beitritt mtt einer geringeren Summe als 1000 Mk, was durchaus möglich sei. Die .Kommission sei keine staatliche Vereinigung, sondern eine solche vvn Gelehrten und habe für Gießen viel mehr Interesse, als die für Hessen und Waldeck.
Stadtv. Wallenfels ist aus Sparsamkeitsrucksichten gegen den Beitritt und auch Stadtv. Troß findet 1000 Mk. zu hoch Er fragt gleichzeitig, was mit dem unbehauenen Mock über dem Eingang des alten Schlosses geschehen solle.
Der Vorsitzende -erwidert, daß die Sache sich- durch den Baumeister hinausgezogen habe. Sie sei ober kürzlich dem Bildhauer in Auftrag gegeben worden.
Stadtv. Krumm ist für den Beitritt, wenn er mtt einem geringeren Beitrag, etwa 100 Mk., möglich ist.
Stadtv. Grünewald hält die Meinung des Oberbürgermeisters für die richttge, zumal die hessische Geschichte genügend beackert und ihre Pflege Aufgabe des Staates sei. Bezüglich 'der Erfüllung des Wunsches der Stadt um Ueberlassung des Bankettsaales im neuen Schloß für das ethnographische Museum arbeite die Regierung recht langsam.
Sonntag den 24. Juli, 10. Sonntag nach PUngfte«-.
Vormittags von 67? Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.
„ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe.
„ um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommuniow
„ um 9 Uhr: Hochamt mit Pirdrgt.
„ um 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt.
Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht.
Sietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesien
Die Trichinenschau wurde seither durch Mikroskope ausgeführt, was sehr zeitraubend und anstrengend war. Durch die Einführung einer neuen Erfindung, des Trichmoskops, wird eine weientlrche Vereinfachung und Beschleunigung der Trichinenschau eintreten, so daß ein Bediensteter überflüssig wird. Der beantragten Anschaffung eines solchen Apparates für 600 Mk. bei Lertz in Wetzlar wird zugestimmt,
Straßenangelegenheiten.
Von der Oberförsterei-Schiffenberg und der Gewerkschaft Femie wird im Entergnungsverfahren eine Verlängerung des Erdkauter - weges als Fahrweg beim Gailschen Tonwerk angestrebt und die Stadt wurde aufgefordert, sich dem Antrag auf Einleitung des Entelgnungsverfahrens anzuschließen. Nach Ansicht der land- wittsch östlichen und der,'Baudeputation hat die Stadt nur insofern ein öffentliches Interesse an dem Weg, daß die Spaziergänger dort in den Wald gelangen können, während an einer fahrbaren Verbindung nur die Oberförsterei Schiffenberg und das Berg- iverk Interesse haben. Es wird deshalb zur Vermeidung der Heranziehung zu den Kosten des Weges Ablehnung beantragt
Auf Anfrage des Stadtv. Heichelheim erklärt der Vor- daß bei der Feldbereinigung ein Fußweg bis zum Walde ttchergestellt worden sei.
Stadtv. 'Dr. Wimmenauer führt aus, daß für die Holzkäufer aus der Stadt ein Fahrweg dort immerhin von Vorteil sei.
Der Vorsitzende erklärt, daß bei den Holzversteigerungen der Holzpreis mit durch die bessere oder schlechtere Abfuhrmöglrch-' tert bestimmt würde, deshalb habe in dieser Hinsicht nur die Oberförsterei Schiffenberg Interesse.
Der Antrag, sich dem En teig nun gs verfahr en nicht anzufchtießen, wird angenommen.
Der Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Marburger Straße, Ost-Anlage, Moltteftraße und Kaiser-Allee ist mtt dem dazu gehörigen Ortsstatut bereits früher genehmigt worden. Heute werden einige Abänderungen genehmigt, die den Fortfall einer ursprünglich vorgesehenen Verbindungssttaße und die Führung der Wiesensttaße betreffen.
Der Preis für die Grundstücke des S t a d t e r Mit er u n g s- onds, die zu Straßenanlagen und andere städtWe Zwecke verwendet werden, soll einheitlich so berechnet werden, daß denr Schätzungswert bet Einführung der Wertzuwachssteuer 4 Prozent Zinsen vom 1. April 1908 ab zugezählt werden.
Schulangelegenhe'ten.
Durch die Erweiterung des Unterrichtsplans der höheren und erweiterten Mädchenschule ist die Einführung der elektrischen Beleuchtung in sämtlichen Räumen der beiden untersten Stockwerke notwendig geworden. Die dafür erforderlichen 2700 Mk. werden bewilligt.
t-b? ldungsklasse an der höheren und erweiterten Mädchenschule, die un Frühjahr für das Sommerhalbjahr beschlossen worden toar, war von 7 Schülerinnen besucht Für den Winter wird das Weiterbestehen beantragt, da 4 Schülerinnen vorhanden sind. Die Schulgeldeinnalune wird für das ganze Jahr 649 Mk. betragen, während die Ausgaben 500 Mk betragen. Die Versammlung ist damit einverstanden.
O b e r rea l sch u le und Realgymnasium erfordern 1907 49 875 Mk., 1908 56 167 Mk., 1909 59 307 Mk., während der Voranschlag für 1910 48 939 Mk. und der jetzt zur Genehmigung vorliegende Voranschlag für 1911 40 968 Mk. städtischen Zuschuß vorfteht. Der geringere Zuschuß erklärt sich aus der Schulgelderhöhung und dem erhöhten Andrang zu der Schule Die Versammlung roendet nichts gegen den Voranschlag ein.
Stadtv. Eichenauer wünscht im Interesse der'darmeder- liegenden Bauindustrie baldige Inangriffnahme des Erweiterungsbaues.
politische Tagesschar».
Anschluß der Türkei an den Dreibund?
Wie „Echo de Paris" meldet, beabsichtigt der türkische Großvesir HakkiPascha n<rch Marienbad und der Schweiz! zu reisen, und auf dieser Reise dem österveichisch--ungarischeu Minister des Auswärtigen, Grafen Aehrenthal, au: seiner böhmischen Besitzung einen Besuch abzustatten, dessen Zweck sei, einen möglichst engen Anschluß der Türkei an den Dreibund herbeizufuhren.
Ein türkischer Großvesir, und mag er noch so krank sein, verläßt in diesem Sommer nicht ohne besondere Gründe Konstantinopel, wo man eben erst einer groß angelegten Verschwörung auf die Spur kam, und der Boykott griechischer Vharen, sowie der Albanesen-Mfstand erst im Ab-? stauen begriffen ist. Ilm eine Reise zur Kur, um einen Höf- lichkeitsbefuch beim Grafen Aehrenthal dürste es sich also, wenn Hakki Pascha Konstantinopel verläßt, kaum handeln, sondern um eine Sache von politischer Tragweite.
Daß England jetzt nicht mehr der Freund der Türkei ist, wie in den ersten Wochen nach der türrischen Revolution, daran ist vor allem der Umstand schuld, daß es ihm nicht gelang, den deutschen Einfluß am goldenen Horn zu beseitigen oder auch nur zu vermindern. Es mußte in der Bagdadbahnfrage den kürzeren ziehen, auch die Konzession der englischen Schiffahrtsgesellschaft auf dem Eufrat und Tigris wurde vom türkischen Parlament abgelehnt, und so etwas verschnupft natürlich in London, wo man die deutsche Konkurrenz so gern überall ausschalten möchte. Me sehr sich inzwischen hierdurch das Verhältnis Englands zur Türkei verschlechtert hat, davon legt der bevorstehende Botschafterwechsel in Konstantinopel beredtes Zeugnis ab. Geht doch Sir Gerald Lowther, wie man hört, eigentlich nur von Konstantinopel fort, weil es ihm nicht nur nicht gelungen ist, den deutschen Einfluß matt zu setzen, sondern er nicht einmal verhindern konnte, daß er eine Stärkung erfuhr. Und geht er doch ausgerechnet in das der Türkei feindliche Lager, nämlich nach Petersburg, weil Rußland und England jetzt, nach dem ersteres aud) der gute Freund Japans geworden ist, in den Fragen der Balkanpolitik so eng miteinander verbunden sind, daß die Anwesenheit eines genauen Kenners der türkischen Verhältnisse in Petersburg für England überaus wickftig erscheinen rnuß.
Dieser russisch-englischen Annäherung in den Balkanfragen sucht nun die Türkei, um deren Fell es ja geht, dadurch Widerpart zu halten, daß sie dem Dreibund näher treten will, als das bisher der Fall war. Selbstverständlich würde die Türkei als Bundesgenosse den Dreibund-Staaten hoch willkommen sein. Wir wollen im Interesse des dadurch erzielten Uebergewichts des ftiedliebenden Dreibundes über das den Frieden zum mindesten beunruhigende Konzern England-Frankreich-jRußland nur wünsck)en, daß sich die Nachricht von der Zusammenkunft Hakki Paschas mit dem Grafen Aehrenthal und die daran geknüpften Kombinationen bestätigen.
Pfarrer Feurstem und der päpstliche Hirtenbrief.
Dr. Feurstein, der katholische Stadtpfarrer von Donaueschingen, war wegen der auch von uns wiedergegeberren scharfen Aeußerungen über die Verfasser des letzten Hirtenbriefes von Zentrumsblättern angegriffen worden. Jetzt gibt er in einem Karlsruher Zenttmmsblatt folgende weitere Erklärung:
Wie katholische Blätter mir dar aus den Vorwurf kirchen- seindlicher Schreibweise machen können, zum Teil unter hämischen Angriffen auf meine Zurechnungsfähigkeit und Rechtgläubig kett, ist mir unverständlich. Soweit meine Aeußerung eine Spitze hat, richtet sie sich nicht gegen die höchste kirchliche Stelle, bete ich mit der ganzen Ehrfurcht und Liebe eines überzeugten Katholiken und Priesters ergeben bin, überhaupt nicht gegen die päpstliche Regierung, sondern gegen die Partei der Monsignori, d. h. eine bekannte Kligue in der päpstlichen Regierung, hie die freie Entschließung des Heiligen Vaters beeinträchtigt, eine durchgreifendere Verwaltungsreform hindert und uns deutschen Katholiken seit Jahren die peinlichsten Verlegenheiten bereitet, gegen den starken und im allgemeinen nicht als günstig betrachteten Einfluß der spanischen Kardinäle "Merry del Val und V i v e s y Tuto, der durch einen deutschen Ku r i en ka rdi nktl wenigstens in seiner Rückwirkung auf deutsche Verhältnisse paralysiert werden mußte.
Von einer formalen Be leidi gung meinerseits kann keine Rede fein. Für den tatsächlichen Teil meiner Aussagen stehen mir einwandsfreie Gewährsmänner zur Seite, deren Namen ich zugleich mit meinem Eingesandt bei beiden Redattionen hinterlegt habe. Die aus katholischer Seite entstandene Beunruhigung erklärt sich zum Teil aus der durch Dextverftümmelung bewirkten Fälschung des Charatters meiner Zuschrift, wie sie von zahlreichen liberalen Zeitungen vorgenommen wurde. Was ich gesagt habe, sind Dinge, die dem jüngsten Vikar geläufig sind und in denen ich mich mit dem überwiegenden Teil des katholischen Klerus und mit allen führenden Redattionen Deutschlands einig weiß. Schließlich hätte ich gedacht, daß meine elfjährige Tätigkeit im Dienste der Kirche, der ich meine Gesundheit geopfert habe, mich vor dem Vorwurf bewahren würde, als hätte ich die Interessen meiner Kirche verraten.
Der „Badische Beobachter" beeilt sich, diesen erläuternden Bemerkungen gegenüber alsbald Feursteins Anschuldigungen abzuschwächen und ihn als den Träger von Klatschgeschichten hinzustellen. Weiter wird dann, so lesen wir in der F. Z., eine spaltenlange Abkanzlung Feursteins durch den badischen Oberzensor des Zentrums, Geistlichen Rat W a ck e r angefügt. Sie regt eine Kundgebung gegen Feurstein aus der Mitte des Klerus an find sucht aus jede Weise gegen die angeblich über alles Maß empörende und ein schweres Aergernis darstellende Art Feursteins, von der nächsten Umgebung des Papstes zu sprechen, scharf zu snachen.
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, 21. Juli.
Anwesend sind: Dberbürgermrifter Mecum, Beigeordneter eller; die Stadwerordneten: Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, Faber, »rünewalo, Dr. Gutsteisch, Habenicht, Haubach, Heichelhenn, elsrich, Helm, Huhn, Jann, Jughardt, Krumm, Oring, Petri, $ laut, Schaffstaedt, Simon, Troß, Wallenfels, Dr. Wimmenauer.
Baugesuche.
Städtische Arbeiten und Lieferungen.
Auf Os Walds garten und am Lindenplatz sollen Bedürfnisanstalten mit Abortanlagen für Männer und Frauen errrchtet werden, wofür schon früher ein Kredit bewilligt wurde. Den vorliegenden Zeichnungen wird zugesttrnmt.
Stadtv. Dr. Ebel macht darauf aufmerksam, daß im ganzen südöstlichen Stadtteil keine Bedürfnisanstalt jenseits der Anlage vorhanden fei und ersucht um Abhilfe. Der Vorsitzende bemerkt dazu, bis jetzt habe man nirgends Platz dafür, nach der Eröffnung neuer Straßen werde man der Sache näher treten.
Stadtv. Wallenfels wünscht für Oswaldsgarten u. Stadtv Heichelheim für die West-Anlage Aufstellung von Ruhebänken Früher hätten dort Bänke gestanden. Auf Vorschlag des Vorsitzenden werden 1000 Mk. für neue Bänke bewilligt, so daß diese und andere Wünsche erfüllt werden können.
Für den Anstrich des städt. Hauses Leihgefterner Weg 13 werden 1500 Mk. bewilligt.
Stadtv. Brück spricht den Wunsch aus, daß die städtischen Hauser in der inneren Stadt in besseren Zustand versetzt würden. An der Aussprache hierüber, in der hauptsächlich auf das ehemals ^emmlersche Haus in der Walltorstraße hingewiesen wird, beteiligen sich die Stadtvv. Habenicht, Troß, Krumm, H a u b a ch und Jughardt. Auf Vorschlag des Stadtv. H a b e- nicht soll sich die Baudeputation mit der Sache beschäftigen.
Die Lieferung von 200 Grenzsteinen wird an die Hessischen Steinbrüche in Londorf freihändig zum Preis von 1,60 Mk. für das Stück vergeben.
Stadtv. Troß macht darauf aufmerksam, daß bei der Feldbereinigung links der Lahn Grenzsteine übrig geblieben seien, die man vielleicht billig erwerben könne.
Die Einmauerung det Kessel und der Schornsteine beim Schlachthausbau wird an den Wenigstnehmenden Bauunternehmer Becker hier zu 8875 Mk. vergeben. Die höchste Forderung bering 15 900 Mk.
. Die Plattenlieferung für das Schweineschlachthaus, dre Kühlanlagen usw. 'im neuen Schlachthaus wird an die hiesigen Firmen Dem u. Co., Sack u. Jughardt und Horst Dergeben.
Rechnungen werden genehmigt: Formulare für die Okrioi- erhebung 162,60 Mk., Jahresbericht der höheren und erweiterten Mädchenschule 159,50 Mk. und Marktplakate 102 Mk.
Eine noch aus dem' Jahre 1908 herrührende Kreditüberschrei-? tung bei Pflafterarbeiten in der Rodheim er Straße wird nachträglich genehmigt. Es wurde damals mehr gepflaftett als ursprünglich vorgesehen war, so daß statt der vorgesehenen 1120 Mk. 1698 Mk. gebraucht wurden.
Zur Beschaffung eines Kochapparates zur Brauchbarmachung des bebina t für tauglich erkannten Fleisches werden 2000 Mk. bewilligt. Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, hierfür zu sorgen.
Gustav Belitz will Ecke der Ebel- und Wilhelmstraße einen
• eubau errichten, für den mehrere Dispense erforderlich sind.! Der Vorsitzende erklärt, daß voraussichttich noch im 2 eftirwortet werden die Dispense wegen der Ausführung der Um- 1 Herbst die Fundamentierungsbauten ausgeftchtt werden. Lmnteu.


