Ausgabe 
21.6.1910 Erstes Blatt
 
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bcr weiteren gesetzgeberischen Behandlung Dom Landtage und der Großh. Staatsregierung wieder aufgehoben wird.

In der Frage der Gestaltung der Gewerbesteuer er­klärt der Landesverband Hessen des Hansabundes seine volle Zustimmung zu den Vorschlägen der hessischen Handelskammern.

r. Schotten, 20. Juni. Um einen Rückblick aus seine politische: Tätigkeit im Reichstaige zu werfen und da­mit zugleich den Wählern Bericht zu erstatten, hatte gestern der Reichstagsabgeordnetc Bindewald hier eine Versammlung ein- bcrufcn. Er führte aus, es sei ihm zu danken, das; ins Vieh- .seuchengesetz ein Paragraph aufgerwmmen worden wäre, wonach !dic Schafräude nicht mehr als Seuche im Sinne des Seuchen- :gesetzes zu betrachten und zu behandeln sei. Bei dem Eisen­bahnetat hätte er verlangt, das; der Vogelsberg noch mehr durch Bahnen erschlossen werde. Für Erhaltung und Förderung des Handwerker- und kaufmännischen Mittelstandes, sowie Aufbesse­rung der unteren Beamten sei er cingetreten; von anderen Par­teien sei ein sörmlickicr Wettlauf um die Gunst der höheren Beamten entfallet worden. Eine Zurücksetzung der Juden in .der militärischen Karierre sei nicht der Fall, das Verhältnis werde, prozentual durchgesührt. Es hieße den gesunden Fort­schritt besteuern, wenn die Reforinpartei der Besteuerung der Glühkörper zugcstimmt hätte, dagegen sei eine Besteuerung der Triebkraft angebracht. Tic Ausführungen des Redners über die Erbschaftssteuer sollten die anwesenden Bauern t'larlegen, daß bei einer Besteuerung des Besitzes von 20 000 Mk. an die meisten Landwirte unter diese Steuer gefallen wären. Ebensowenig sei die Erbanfallsteuer für ihn annehmbar gewesen, dagegen hatte er für gerecht eine Tabaksteuer, den Umsatzstempel und die Wehr- - steuer. Letztere sei insofern zu befürworten, damit die Kriegs­teilnehmer ohne Ergründung des Bedürftigkeitsgrundes endlich zu ihrem Ehrensold kämen. Bei der Brausteuer hätten sich die meisten Brauereien bereit erklärt, den Aufschlag zu tragen. Un­annehmbar sei die Abschaffung der Branntweinliebesgabc, da­gegen gerecht eine Besteuerung der gewerblichen Brennereien. 'Tic gerechteste Steuer sei die Wertzuwachssteuer bei den mühe­losen Gewinnen, die durch Grundstücksspekulationen erzielt würden, zu befürworten der Emmissionsstempel. Nachdem die landw. Brennereien zur Bringung von Opfern bereit gewesen, habe er sich für berechtigt gehalten, für die Branntweinsteuer zu stimmen. Er habe für die Weinsteuer gestimmt, nachdem feststand, daß die Winzer nicht getroffen wurden. Der Tabak hätte etwas tragen müssen, die Zündholz steuer sei fallen zu lasst», der Teezoll an­nehmbar, beim Kaffee sei zu erwarten, daß sich der Steuer­aufschlag infolge der kolossalen Produktion und Erniedrigung der Engrospreise bald wieder auf das frühere Preisniveau aus­gleichen werde. Bindewald hat das Bewußtsein, im Reichstag seine Schuldigkeit getan zu haben. In der Aussprache nahm zuerst Lehrer Illri ch-Michelbach das Wort, um nach einigen Anfragen an den Abg. Bindcwald verschiedene Behauptungen desselben zu entkräften. Weiter sprach Parteisekretär Kuhl­mann-Darmstadt im Sinne der freisinnigen Anschauungen.

Deutiches Reich.

Der Kaiser begibt sich den letzten Bestimmungen zu- folge am Mittwoch den 22. Juni im Sonderzug nach Altona, um sich auf derHohenzollern" einzuschiffen, die an den St. Pauli-Landungsbrücken bereittiegt.

Aus B r e s l a u wird das dort umgehende Gerücht verbreitet, wonach Prinz Friedrich Wilhelm von 'Preußen, der sich jüngst mit der Prinzessin Agathe von Ratibor vermählte, zum Nachfolger des Herrn v. Dallwitz als Oberpräsident ausersehen sei.

DemPrcuß. Staatsanzeiger" zufolge berief der König den Oberjägewneister vom Dienst Freiherrn Heinrich von Heintzc-Weißenrode zum Mitgliede des Herren­hauses auf Lebenszeit, er ernannte den Unterstaatssekretär im Ministerium der Landwirtschaft Küster zum Vor­sitzenden des am 1. Juli ins Leben tretenden Landes­veterinäramts.

Unter feierlichem Glockengeläute hielt am Montag mit­tag das G r o ß h e r z o g s p a a r von Sil ch s e n - W e i m a r, begrüßt von den Spitzen der Behörden, seinen Einzug in Jena. In der Aula des neuen Universirätsgebäudes fand ein Festakt statt. Am Nachmittag brachte die Studenten­schaft den Herrschaften einen .Huldigungszug dar. Tie Ab­reise erfolgte um 5 Uhr.

Der chinesische Prinz Tsai Tas hat mit den 'Mitgliedern der Studienkommission Berlin verlassen und sich int Son Verzug nach Petersburg begeben.

ArrsLnrrs.

Ter schweizerische Nationalrat stimmte dem Be­schlüsse des Stänücrats zu, einen Kredit von 24 Millionen für die Tieferlegung des Nauenstein-Tunnels zur Verbesserung der Gott h ar d zu fahrt zu bewilligen.

Aus London wird berichtet: Tic Mitglieder der Ar­beiterpartei des Unterhauses faßten einen Beschluß, in dem sie erklären, daß die vom Unterhaus angenommenen Reso­lutionen hinsichtlich der Revision des gegenseitigen Verhältnisses der beiden Häuser des Parlaments keine Modifikationen zulassen. Sie legen gegen jede Autoritütsanmaßuug der Führer der Regierung Verwahrung ein und erklären, daß die Opposition hinter den Beschlüssen ihrer Führer stehen müsse. In West- Hartlepool fand heute die Ersatzwahl für den Liberalen Sir Christopher Furneß statt, dessen Mandat für das Unterhaus wegen unlauterer Wahlmache für ungültig erklärt worden war. Gewählt wurde mit 6159 Stimmen der Liberale Fureß, Sohn des früheren Mandatsinhabers, gegen den Unionisten Glitten, der 5993 Stimmen erhielt. Die liberale Mehrheit hatte bei der vorigen Wahl 777 betragen.

In den Wandelgängen der t ü r k i s ch e n K a m m e r entstand heute zwischen dem Minister des Innern T a l a a t Bey und dem oppositionellen deputierten S d) e {i f ein heftiger Wortwechsel, nachdem Schefik, aus die Ermordung Achmed Samans anspielend, sich weigerte, dem Minister die Hand zu reick)en. Ter der Mehr­heit angehörende Deputierte Tjcher.ani mischte sich ein, worauf Schefik sagte, er verkehre nicht mit blutbefleckten Leuten. Dschenani forderte hierauf Schefik zum Zweikampf. Der Einmarsch der türkischen Truppen in das Gebiet von Malcista ist aus Schwierigkeiten gestoßen, weil die Arnauten an mehreren Orten Widerstand leisteten. Die Truppen verjagten schließ­lich die Arnauten und nahm eine Anzahl fest. Es wurde begonnen, die Bevölkerung zu entwassnen. Die Truppen, die. zumeist von Höhen beschossen wurden, verloren zwei Offiziere und sechzehn Mann. Tas Expeditionskorps besteht aus 27 Bataillonen.

Aus >M i l w a u k e e, 20. Juni, wird gemeldet: Der deutsche Botschafter wohnte heute der Schlußfeier des hiesigen deutsch-amerikantschen Lehrer-Seminars, der be­deutendsten Lehranstalt in Amerika zur Ausbildung deutscher Lehrer hierzulande bei. Bei dieser Gelegenheit hielt er einen Vortrag über diedeutsche Schulbildung". Dem Botschafter sind während seines Aufenthalts in den verschiedenen Universitäts­städten die größten Aufmerksamkeiten zuteil geworden, und seine Vorträge, die zur Förderung des Verständnisses für deutsch­ländische Verhältnisse in Amerika wesentlich beitrugen, wurden mit größtem Beifall ausgenommen.

Nach einer Meldung desNewyork Öerald" aus Peking hat der Vizekönig von Hupe-Hunavier hohe Offiziere der 8. Division verhaften lassen. Die Verhafteten werden be­schuldigt, sich an der revolutionären Propaganda beteiligt zu haben. Der Vizekönig glaubt, daß durch diese Verhaftung eine Bewegung int Keime erstickt ist, die darauf gerichtet war, eine Militärliga ins Leben zu rufen, um die Armee und durch diese die Regierung zu beherrschen. Tie Mische Lage in Hunan wird durch 'Ueberschwemmungeu noch verschlimmert. In dem nörd­lichen Teile von Tschaugtesu soll der Verlust an Menschenleben ungeheuer groß sein. Die .Bevölkerung leidet große Not.

Die Kretafrage.

Tie Entwickelung bei: Kretafrage läßt zuversichtlich er­warten, daß die leidige Angelegenheit aus friedlichem Wege beigelegt werden wird:

Konstantinopel, 20. Juni. Das Ministerium des Innern richtete an die Provinzbehörden ein Rundschrei­ben,^ dem cs erklärt, daß die Mächte endgültig die Wahrung der So uvcränitäts rechte der Tür­kei auf Kreta, sowie der Rechte der Muhamedaner daselbst beschlossen haben. Weiter wird in dem Schreiben der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Bemühungen der Pforte für eine endgültige Lösung der Kretafrage erfolg­reich fein mögen. Schließlich wird die Bevölkerung auf- gefordcrt, den Bemühungen der Regierung zu vertrauen und jede Aufregung zu vermeiden, wodurch die türkischen In­teressen nur.geschädigt würden.

TerTanin" verteidigt die deutsche und die österreichische Presse gegen die englischerseits er­hobenen Anschuldigungen wegen der Kretafragc. Die eng­lische Presse solle sich erst mit der Haltung einiger englischer Blätter, z. B. derWestminster Gazette", befassen, ehe sie an der Presse anderer Nationen Kritik übe.

S a l o n i f, 19. Juni. Der Boykott wurde hier auch auf die griechischen Kaufläden ausgedehnt. Otwmanischc, Griechen müssen, um Verwechslungen vorzu­beugen, für zehn Piaster ein Zeugnis beim Boykottkomitee lösen.

Paris, 20. Juni. 9M) einer Meldung aus Fez sind am 17. Juni alle türkischen Instrukteure nach der Türkei a b g e r e i st.

Aus Stadt Uttd Laud.

Gießen, 21. Juni 1910.

Auf der Höhe des Jahres.

Wiederum sind wir auf der Höhe des Jahres angekommen: wiederum hat die Sonne auf ihrem Laufe ihren Kulminations­punkt erreicht, den Berührungspunkt zwischen dem blühendsten Leben und dem nahenden Tod, die schmale Grenze ohne Breite, auf der es fick; nicht wandeln läßt. Vor wenigen Jahrzehnten noch wurde der Tag der Sommersonnenwende in vielen Gauen unseres deutschen Vaterlandes nach alten Volksbräuchen gefeiert: Freudenfeuer wurden auf den Bergen abgebrannt Johannis­feuer -; mit Ringelreigen und ausgelassenen Liedern wurde der fröhlich begrüßt und verabschiedet. Weil aber alle Tinge an menschlichen Leben nur den Wert einer unbestimmten Größe haben, nur den Wert besitzen, den wir ihnen beilegen, so sehen wir Tausende von Menschen in kühler Teilnahmlosigkeit irgend einer Erscheinung gegenüber verharren, durch die wieder viele andere Tausende sich aufs tiefste^ ergriffen und begeistert fühlen. So hat auch das Fest der Sommersonnenwende, die Feier des Johannistages, ihre ehemalige Bedeutung in unserer nüchternen Zeit fach vollständig verloren: nur noch im Freimaurer­bunde wird das Johannisfest feierlich begangen. Wenn unsere Vorfahren das Fest der Sommersonnenwende als religiösen Feier­tag besonders weihevoll begingen, so hielten sie nur an einem Brauche fest, den fie^n pietätvollem Anbeuten aus ihrer asiatischen Heimat in Germaniens Eichenwälder mitgenommen hatten. So weit die Ueberlieferung zurückreicht, weiß sie zu berichten, wie auf allen Berghöhen des Landes Johannisfeuer aufleuchteten, den Beginn eines neuen Jahres verkündend. Ihre Flammen sollten Grüße sein von Stamm zu Stamm, von Land zu Land, und, vermischt mit dem Duft edler Opferlräuter, sollten sie die Welt reinigen von der schwülen, (giftigen) Luft des Bösen, sollttn sie der neuen Zeit des Guten und Schönen voranleuchleu, sollten |ic Opfer sein dem ewjgen Geiste des Lichts, Huldigungen an den freien Geist der freien Menschheit. Aber nicht nur das Jahr, auch den Tag haben die ältesten Kulturvölker mit dem höchsten Stande der Sonne, dem Mittage, begonnen. Die Babylonier und Aegypter fingen den Tag mit dem Morgen, mit dem auf- gehenden Lichte an. Tie Araber und heute nock; die Juden lassen den Tag mit dem Slbcnd beginnen, ausgehend von der Anschauung, daß zuerst die Finsternis gewesen und aus ihr das Licht geschaffen worden sei. So ist es biblisch. Der Gebrauch des heutigen Europa, die 24 Stunden des bürgerlichen Tages von Mitternacht zu Mitternacht zu zählen, kommt von den Römern her. Auf die geschichtlich feststehende Tatsache, daß die ältesten Kulturvoller der Erde ursprünglich den Tag mit dem Mittage, dem höchsten Stande der Sonne begangen und das Mysterium ihres Gottes- und Lichtdienstes allein im hellsten Lichte gefeiert haben, verweist heute noch der Brauch, Kerzen und Lichter in den Kirchen und Synagogen während des Gottesdienstes anzu­zünden, als ein Symbol der in ihrem Höhepuntte am vollsten und wärmsten leuchtenden Sonne, ein Symbol der Herzcusreinheit. Es ist ein wunderbar schönes Studium, die innere Menschheits­geschichte durch Jahrtausende von längst verschollenen Völkern Der Urzeit über die Völker der hellenischen und römischen Welt durch alle Wandlungen des Christentums zu verfolgen und so gleichsam den Fußspuren des Ewigen im Menschengeiste nach­zugehen und das Bleibende im Vergänglichen, die Dauer im Wechsel auizusuchen und s. stzustellen. Ein weltgeschichtlich-psycholognmes Studium wird uns immer zeigen, daß nie uni) nirgends eine An­schauung, eine Idee, ein Gebrauch und ein Symbol, eine Erschei­nung und Tatsache zufällig oder plötzlich auftauchte und wieder verschwand, sondern daß alles sich entwickelte, gestaltete und in andere Formen überging nach organischer Notwendigkeit, daß vom Beginn der Menschheit an der Drang nach dem Edleren, Schöneren und Höheren, der sich in dem Licht- und Sonnenkultus lunbgab, in äußeren Gebräuchen und Formen sich vererbte. Und alle Völker legten, die Tradition erweiternd, vertiefend und ver­schönernd, ihren persönlichen Ausdruck für jenen ewigen Mensch- heitsdraug in die überkommenen Sitten und Gebrauche hinein. Ter Anfang des Jahres liegt bei u:-:ß so tief, daß der Höhepunkt desselben sich fast ganz dem Blick entzieht. Und doch ist die Höhe des Jahres, der Berührungspunkt des hellpen Tages und cer hineinbrechenben Nacht, stets ein Augeuolick, der uns die Vinfalligieit des Lebens gerade da am augenscheinlichsten crlenncn lässt, wo das Leben in seiner vollen Kraft uns entgegentritt und am blutvollsten pulst. Wird es auch einen Zweck haben, daß wir leben? Wird es auch Früchte bringen, was im Frühjahr geblüht hat? Auf dem Hockmittag des Jahres steht die Statur in ihrer herrlich.ten und schönsten Pracht, mit der sich wendenden Sonne werden die Tage kürzer und die reisenden Frückste ver­künden den nahenden Herbst, die köstliche Zeit der Ernte, bcr bald wieder im ewigen Wechsel des Stromes die Zeit der kalte Winter folgt.

Noch ist es Tag, da rühre sich der Mann, Tie Nacht tritt ein, wo niemand wirken kann." Dies sei unsere Mahnung aus der Höhe des Jahres! Gr.

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'* Tageskalender für Dienstag, 21. Juni: Stadt- theater:Der Vogelhändler." Anfang 8 Uhr.

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** Die Landes-Universität hält ihr Jayresfest ain 1. Juli, vormittags !P/< Uhr pünktlich, in der neuen Aula ab. Das Programm der Feier lautet: 1. Einzug der Gäste auf der Wartburg, Marsch und Chor aus dec Oper Tannhäuser" von Richard Wagner. 2.Denn die Herrlich­keit Gottes des Herrn" aus demMessias" von G. F. Haendcl. 3. Festrede des 'Rektors. 4. Halleluja! aus demMessias" von G. F. Haendcl. 5. Jubel-Ouverturc von K. AU v. Weber.

** A u s b e nr Mi l i t ä r w o Ax n b la t t. Bizewacht­ln elfter B l o h in (II Hamburg) des Lcib-Drag.-Regts. (2. Hcss.) Nr. 24; die Vizcseldwebki Weber (Erfurts des5. Hess. Jnf.-Regts. Nr. L 8, M ouing er (Karlsruhe >, des Großy. Art.-Korps, 1. Hcss. Feldart.-Regts. Nr. 25, zu Leutnants

der Reserve; die Leutnants: Koch (Gießen) bcr Res. dcS Jnf.-Rcgts. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, Bcrn- harb (Gießen) der La.nblv.-Jnf. 1. Aufgebots, v. Iocben (Mainz) ber Landw.-Felbarr. 1. Aufgebots, zu Oberleut nants ber Reserve beförbert, letzterer zugleich zu ben Res.- Offizieren bes Grvßh. Art.-Korps, 1. Hess. Feldart.-Regts. Nr. 25 versetzt; die Bizefeldwebel bzw. Vizewachtmeister: Bullerbicck (Mainz), des 1. Hannvv. Jnf.-Regts. Nr. 74, Andre crc (Frankfurt a. M.) des Grvßh. Art.-Korps, 1. Hess. Feldart.-Regts. 9h:. 25.. und Grün (Wetzlar) des 2. Loth- ring. Feldart.-Regts. 9h. 34 zu Leutnants ber Reserve bc« förbert: Bichmann (Renbburg), Lt. ber Res. bes Leib- garbe-Jlks.-Regts. (1. Hess.) Nr. 115, Rocsle r (Mainz), Rittnr. ber Landw.-Kav. 1. Aufgebots, mit bei: Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform, F unckc (Mainz), Lt. bcr Lcmbw.-Fclbcrrt. 1. Aufgebots, ber Abschied bewil­ligt. Oberarzt b. Res. Dr. Münch (I Darrn stabt) .zum Stabsarzt, bic Unterärzte ber Res. Dr. B e r nullt (I Darm­stadt) und Dr. Mayer (Mainz, zu Assistenzärzten be­fördert, Oberleutnant Lorenz, Jnf.-Regt. 9h. 117, als Hilfslehrer zum 3. Informationskursus vom 20. bis 29. Juni bei der Jnfanteric-Scyicßsckmle kommandiert, Oberstleutnant v. Wuns ch beim Stabe des 1. Badischen Leib-Grcnabier-Regiments 9h. 109 in Karlsruhe (zuvor Kom- manbeur bes 1. Bctts. Jnf.-Rcgts. Kaiser Wilhelm Nr. 116h mit ber gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt unb zum Kommanbeur pes Lanbwehrbezirls I Mülhausen i. E. er­nannt.

" Lchrerpcrsonalien. Ucbcrtragcn wurde dem Lehrer Friedr. Gläser zu Ebersiabt (Kr. Darmstadt) eine Lehrerstellc an der Gemeinbefchule zu Eppertshausen. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinbeschulc zu Rainrod.

** Eisenbahngüterverkehr im Herbst. Die im Herbst jeden Jahres regelmäßig einiretenbc Steigerung des Güterversanbes wirb auch in diesem Jahre größere An- forberungen an ben Eisenbahnbetrieb unb bic Zuführung offener und gedeckter Wagen stellen.. Zur Bewältigung des stärkeren Verkehrs ist es nouvenbig, daß bic hierauf gerich­teten Bestrebungen ber Eisenbahnveiwaltung allerseits Unterstützung finden. Hierzu ist es in erster Linie erforder­lich, baß ber Beb ar f an Kohlen ufw. für den Winter schon während des Sommers bezogen, f eben fall 5 aber nicht ausschließlich auf bic Zeit bcr Rübcncrntc (Ok­tober bis Enbe 9cuüember) verschoben wirb, weil in biefer Zeit der verfügbare Bestand an offenen Wagen knapp zu werben Pflegt. Für ben Versand von Gütern in gedeckten Wagen ist es nach den Erfahrungen norwendrg, daß die großen Versendungen an Düngemitteln gleich­mäßiger auf das ganze Jahr oder wenigstens einen längeren Zeitraum verteilt mcrbcit. Bei allen Wagen­ladungen muß außerdem aus die v o 11 e A u snutzungdcs Ladegewichts sowie auf bic schleunige Bc- unb Ent­ladung der Wagen Bedacht genommen werben.

** Der K i n e m a t o g r a p h hat beim heutigen Programm- wechsel wieder ein paar hervorragende Nummern gebracht. Der KunstfilmAnno Domini 1000", das Jahr des Kometen, ist eine zeitgemäße Darbietung. Ter Film bringt den Besuchern des Theaters ein Trama, wie man vor Zeiten den Weltuntergang erwartete, und zwar in einer Vorführung, bic 1 Stunde in An­spruch nimmt. .Humorvolle Episoden icrgcn für Abwechslung, wäh­rend ein farbenprächtiges Tonbild Am Rhein ben Schluß bildet.

** Das goldene Beruf s j u l äum beging in den letzten Tagen die 64jährige Hanbclsfrau Elisabetyc. Weber, geb. Pirr, wohnhafi in Großcn-Linben. Seit 50 Jahren hält bic Jubilarin nm Seltcrsweg in Gießen vom Frühjahr dis zum Herbst Obst feil. Die Jubilarin tarn nach ihrer Konfirmation als Gehilfin ihrer Mutter, welche auf bem Bürgersteig in der Witte des Selterswegs gegenüber bem Hotel Prinz Earl ihren Obftvcrkauf hatte, nack) Gießen. Sie verheiratete sich mit 22 Jahren unb führte bann ben Hanbel für eigene Rechnung weiter, verlegte aber ihren Staub an bas S-clterstor, wo sie bei Winb und Wetter 42 Jahre hindurch wacker ausgchaltcn hat. Bis zii ihrem 50. Lebensjahre hat Frau Weber den Weg von ihrer Heimat nach Gießen und zurück täglich zu Fuß gemacht, es wird nicht soviel verdient, daß man die Eisenbahn be­zahlen fann, pflegte sie damals immer zu sagen, erst in den Letzten 14 Jahren hat die Frau sich die Eisenbahnfahrt gegönnt, die sie heute noch für einen Luxus hält. Tic Jubilarin hat ihre Kundschaft in allen Kreisen. Häufig hat man der Jubilarin in den letzten Jahren geraten, mit Rücksicht auf chr Alter den Obsthandel aufzugeben, aber davon will sie nichts wissen, sie meint, es würde ihr Tod sein, wenn jic sehen müßte, wenn ein Anderer an dem Platz sitzen würve, um Obst zu verkaufen. Wünschen wir der braven alten Frau, daß es ihr vergönnt sein möge, auch ihr diamantenes Berufsjubiläum feiern zu können.

(.) Klein-Linden, 20. Juni. Am Samstag abend wurden in unserm Kriegerverein zum ersten Male die vom Hassiaverbanb gestifteten schönen Abzeichen für 25jährige Mitgliedschaft zum Hassiaverbaud aus- gegeben, und zwar erhielten diese Ehrung Friedrich Jung uno Ludwig Klingelhöser. Tie Versammlung beschloß bic Teilnahme am Bezirrsfest in Lonborf, am Fahnenweihfest bes Kavallerie-Vereins zu Gießen und an der Hebung der freiwilligen Sanitätstolonne Gießen, die am nächsten Sonn­tag bei Klein-Linden stattfindet. Zur Tcilnal)mc am Vete- ranen-Appell ju Tarurstadt meldeten sich zwei Veteranen. Beschlossen wurde ein zweimaliges Scheibenschießen; dazu sttsteten Preise: Schreinermeister Will). Volt, Bauunter­nehmer Karl Jung, Will). Weigel und L. Keil. Beim gestrigen Scheibenschießen wurden zwei von Weißbindermeifter L. Viehmann gestiftete Ehrenscheiben herausgefchossen. Die besten Schützen blieben Wilh. Klein und 'Ludwig Mandler. Beabsichttgt ist für den Sommer ein Ausflug zur Saalburg.

< Lich, 20. Juni. Der Krieger- und Militär- Verein Hafsia hielt gestern,bei guter Beteiligung am Al­bacher See das übliche Probe schießen ab. Das eigentliche Preis-Scheiben schießen, das alljährliche Sommerseft des Kriegervereins, wird am nächsten Sonntag an derselben Stelle verauhaltet, während acht Tage darauf in Birklar des Bezirls- fest des Kricgervereiusbezirks L i ch stattfindet. Die Zöglinge des F r a n k s u r 1 c r W a i f e u h a u f e s , die nunmehr schon seit 50 Jahren in zahlreichen Familien unserer Stadt untcrgebrodit werden, haben jedes Jahr einmal ihren besonders guten Tag. Eine alte, dem Waisenhaus überwiesene Stiftung ermöglicht es, daß ben Kindern jährlich ein großes Vergnügen durch ein Fest bereitet wird, auf dem u. a. kostbaren Speisen und Leckerbissen auch nie der Reisbrei auf der Speisekarte sehlen dars: so war cs der Wille des wohltätigen Spenders. Das sog.Reisbreifest", au dem immer auch Frankfti^ter Freunde des Waisenhauses, sowie die Lehrender Zöglinge teilnehmen, wird dieses Jahr am Mittwoch auf dem S ch i f f c n b e r g abgehalten. - Trotz der guten Futter- aussichten und der reichen Heuernte wurden bei der Grasocr fteigcrung auf den Stiftswiesen verhältnismäßig hohe Preise er­zielt. Es wurden bis zu 60 Mark für ben Morgen bezahlt.

P. Schlitz, 20. Juni. Ein Unfall, der leicht schlimme Folgen haben konnte, ereignete sich hmtc morgen an dem Bahnübergang an der Staatsstraße nach Pfordt. Der