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seiner Größe und seiner ureignen Schönheit. Generationen noch werden sich mit dieser in Gedanken und Formen phantastisch großen Welt auseinandersetzen müssen; das ist eine spezifisch deutsche Sache, ein Postulat unserer nationalen Kultur. War
die Post Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestella. Zeilenpreis: lokal 15Pj., auswärts 20 Pfennig Chefredakteur: A Goetz Verantwortlich für den politrschen Teil: August Goetz; für .Feuilleton*, .Vermischtes* und
3u Wilhelm Raabes Tod.
Von Tr. Paul Landau.
Der Meister, an dessen Sarg mm Deutschland trauert, hat in seinen Dichtungen so oft dem Tode mutig ins Auge gesehen, daß die Erscheinung des grausen Knochenmannes für ihn Schrecken und Stachel verloren hatte. Wohl wußte er, daß der „Schüd- derump", der schwarze Wagen mit dumpfem Poltern seinen Weg durch die Geschlechter alles Leben fortsetzt, die unheimliche Leichcn- karre, ,cheren Fuhrmann so schläfrig und düster mit dem Kopse nickt und deren Begleiter, die Leidenschaften, mit Zähneknirschen und Hohnlachen ihre eisernen Stangen und Haken schwingen". Aber sein ganzes Dichten wäre ihm umsonst erschienen, wenn nicht daraus der strahlende Sieg des Lebens, die selige lleber- windung des Todes liervorleuchtete. Wie sich in seinem gewaltigsten Romane, dem „Sclchdderump", am Elche die schlveren nächtigen Nebel von Haß und Tod heben und ein klarer reiner Strahl der ollüberwindeirden Menschenliebe selbst die trüben kalten Wände des Siechenhauses verklärt, so ist in einer andern der Poesie des Sterbens geweihten Dichtuilg, in den „Unruhigen Gästen", jene weihevoll sieghafte Lebensstimmung sestgehalten, die den Tod überlomiden hat und den Frieden der Seele genießt, der höher ist als alle Vernunft. Dem großen, nun zur ewigen Ruhe eftrge- gangenen Dichter, der sich wie kein anderer in alle Tiefen und Falten des deutschen Gemüts zu versenken gewußt hat, lvar aber noch ein anderer Jenseitsgedanke wohl vertraut, der sich so oft bei den Mystikern des Mittelalters findet, daß nämlich der Tod erst den Eingang zum wahren Leben bedeutet, daß das Aufhören Unserer irdischen Existenz zugleich der Begiim eines höheren bessereil Daseins ist. Und er hat dies für den schöpferischen Men- schen dahin gedeutet, daß mit dem Sterben eine reinere, ausschließliche Wirkung seiner Werke einsetzt. Nichts Persönliches steht nunmehr der objektiven Wertung im Wege. Nun erst kann die geistige Sphäre, die der Dahingeschiedene hinterlassen, das Reich der Welt und Nachwelt durchdringen, so wie nach der ailtiken Sage des Gottes Geist sich erst in seiner Schöpfung regt, wenn er das irdische Sein verlassen.
Seit 12 Jahren schon, seit der Veröffentlichung seiner letzten Erzählung, der reizeilden Rokoko-Idylle „Hastenbeck", stand er selbst als ruhiger Betrachter der bändereichen Fülle seines Lebensschaffens gegenüber. In dieser Zeit erst hat man sich auf ihn besonnen, hat ihn geehrt, befeiert, studiert, ja sogar gelesen. Ihm selbst, der von Publikums-Gunst und Kritiker-Lob nie verwöhnt worden, schien es fast zu viel; aber im Innersten wußte er, datz seine Zeit eigentlich noch nicht gekommen. Wir stehen heute, da wir an seinem Sarge wellen, erst im Anfang der (Äckeiullnis
trachtsamen Erzählens amalgamiert. Wohl aber stellt sich Raabe neben die von ihm so oft gefeierten Großgeister der ErzäUung. Cervantes, Lcsage, Fielding, deren unvergängliche Gestalten Don Quixote, Gil Bias, Tom Jones er einmal in einer entzückenden Vision seinen Figuren gegenüberstellt, als ein ebenbürtiger Schöpfer Swiger Humors, lehrreicher Uruerhallimg, großartiger MenschLn-
um Angelegenheiten handelt, die durch die Reichsverscrssung der Landesgesetzgebung zugewiesen sind, lieber die Regelung der staatsrechtlichen Beziehungen des Reichslandes ward die Reichsgesetzgebung gleichfalls nach wie vor zu entscheiden haben. Dem nach dem Zweikammersystem auszubauenden Landesausschuß soll eben die gesetzgeberische Gewalt in solchen Grenzen übertragen werden, wie sie jetzt auch für die anderen Landesregierungen bestehen.
Das Verlangen des Reichstags nach llebertragung des Reichstagswahlrechts auf Elsaß-Lothringen wird, wie verlautet, durch die schwebende Verfassungsrevision nicht erfüllt werden. Doch sollen die Wahlen zur Zweiten Kammer, die in vielfachen Beziehungen an die Organisation des Laudesausschusses sich antehnen durfte, allgemein, direkt und mit geheimer Abstimmung jein, unter Beobachtung einzelner Voraussetzungen bezüglich des Alters, der Ansässigkeit und Reichsangehörigkeit, wie sie wohl auch schon jetzt in der örtlichen Gemeindeordnung enthalten sind. Die Erste Kammer soll ähnlich wie das preußische Herrenhaus aus gewählten und vom Küfer ernannten Mitgliedern bestehen. D^an darf annehmen, daß die Vertretungen der drei grogen organisierten Erwerbsstände die Berechtigung erhalten, Repräsentanten in die Erste Kammer zu entsenden. Die näheren Bestimmungen über Wahlrecht und Wählbarkeit sollen den Inhalt eines besonderen Wahlgesetzes bllden.
Lin französisch-spanischer Zwischenfall.
Paris, 16. Nov. Der französische Fischer- schooner „Cosmopolite" wurde an oer spanischen Küste am 1. November von einem spanischen Tor- vedoboot beschossen, beschlagnahmt und sodann nach dem Hasen von Ferrol gebracht, weil er angeblich in spanischen Gewässern gefischt habe. , Die aus vier Köpfen bestehende Mannschaft des „Cosmopolite" wird an Bord ihres eigenen Schooners gefangen gehalten. Der Brester Seepräfekt hat die französische Regierung von dem Vorfall verständigt, damit diese Nhritte Kur Freilassung der Fischer unternehme.
doch Raabe viel mehr als ein Romandichter, ein guter Erzähler! Er war eine wahrhaft geniale, bedeutende Individualität, die ein großartiges, tiefsinniges Weltbild, einen Makrokosmos des Menschenlebens und des deutschen Wesens geschaffen. Wie schwer wird uns heute noch, diese mehr als ein halb Jahrhundert-Werke, die alle ein neues Problem, einen besonderen Gefühlsakkord gestalten, in ihrer Gesamtheit zu übersehen. Es ist wie das über alles Schauen und Erkennen vielgestaltige Werk eines gotischen Meisters, etwa wie das Sebaldusgrab von Peter Vischer, das mit seinen tausend Einzelheiten und den bizarren Wundern der Form den Blick beständig auf Einzelheiten lenkt, und erst dem gewaltsam Sichsammelndeu, weit Zurücktreteirden sich in der erftaunlick) strengen Einheit seiner Konzeption ersästießt. Ein 7'
dieser Gestaltrmgsüberfülle, geboren aus einem Reichtum "der Phantasie in der stolzen Kraft, der so vielen Großtaten uriserer Kunst, Dürers Holzschnitten und Fischarts Litaneien, Bachs Kantaten und Jean Pauls Dithyramben in Prosa eigen ist, waltet auch in Raabes Stil. Aber dieses krause Arabeskenwerk der Gedanken und Bilder ist von ihm am stärksten gebändigt, ist zu einem konsequenten künstlerisä-en Prinzip geläutert. Wer je sich durch das nrwalddichte Labyrinth Jean Panischer Jobelperioden den Weg zu den Schätzen seiner Poesie mühsam gebahnt hat, wird nicht mehr die Stirn haben, sein chaotisch grandioses Dichten mit der ausgeglichenen, behaglich weisen Technik Raabesckjen Erzählens zu vergleichen. Es ist, als wenn erst eine Fülle solch irrender Ritter der Form in der deutschen Literatur hätte auftauchen müssen, bevor das wunde, bei aller Eigenart der Form doch ausgeglichene Kunstwerk seines Stils entstehen konnte. Vom alten Jörg Witkram und Raabes Liebling Rollenhagen bis zum Jean Paul und Jmmermann führen unzählige Pfade deutschen Schaffens und Schreibens zu den Werken unseres Dichters, ihm wohl bewußt und von ihm zu einer wundervollen Sinfonie nationalen Lebens gestaltet. Viel geringer ist der Einfluß von Tickens, nur in einzelnen Frühwerken „Clxrouik der Sperlingsgasse", „Kinder von Fmkeurode", dann etwa in den „Weihnachtsgeistern" sehr deutlich, später ganz der persönlichen Art gemütvoll be
züglich der Reformsraae gedrängt, die feit vielen Jahren dem Haufe wie dem Lunde vorgelegen habe, aber nichts sei geschehen. Es sei anscheinend geringe Annäherung an die Einigung über die Methode der Reform vorhanden. Es sei überzeugend bewiesen worden, daß es aussichtslos fei, zu versuchen, die Frage durch Verständigung in diesem Parlament zu lösen. Er nehme nicht lediglich an, daß dies, aussichtslos sei, sondern wisse es. (Beifall auf feiten der Regierungspartei.) Crewe sagte zum Scyluß, das Oberhaus fei berechtigt, feiner Ansicht über die Vetoblll Ausdruck zu geben, aber die Regierung könne keine Amendements diskutieren. Die Regierung fei bereit, die Bill dem Haufe vorzulegen, damit es diese annehme oder ablehne. Aber es würde ein vollständiges Possensviel sein, zu versuchen, im Hause alle die Punkte zu diskutieren, die in der Konferenz diskutiert worden seien.
Nachdem Roseberry sodann angekündigt hatte, daß er morgen seine Reform-Entschließungen beantragen werde, erklärte Lansdowne, in Anbetracht der Weigerung Lord Crewes, eine Besprechung von Amendements zuMassen, sei es zweifelhaft, ob die Betobill überhaupt mit 9£u£at diskutiert werden könne, aber er werde seine Kollegen über diese Angelegenheit befragen. Es fei jedoch schwierig für die Lords, sich zu entscheiden, bevor Asquith am Freitag feine Erklärung abgegeben habe.
Earl of Crewe brachte die Parlamentsbill ein5 Diese wurde dann in erster Lesung formell anger nommen. Angesichts oer von Crewe abgegebenen Erklärung, daß die Regierung kein Amendement zur Bill annehmen werde, erscheint es möglich, daß keine Aussprache stattfinden wird.
London, 16. Nov. Dem Vernehmen nach wird die zweite Lesung der Parlaments -Bet och ill im Oberhause am Montag stattfinden. Man glaubt, daß die Regierung die Absicht hat, dem König die Auflösung des Parlaments auf den 25. November anzurateu
Der König begab sich in den Bückinghampalast — nicht nach dem Marlborougbhouse — und hatte eine Unterredung mit Lord Knollys. Der König frühstückte sodann mit der Königin und wird im Laufe des Nachmittags im Bückinghampalast eine Sitzung des geheimen Rats ab halten. Der Mitt ist errat trat um 3Vs Uhr in Downing Street zusammen. Premierminister Asquith und Earl of Crewe verließen um 4 Uhr den Bückinghampalast und fuhren zur Sitzung des Ministerrats. Diese dauerte bis 4 Uhr 20 Minuten. Man nimmt an, daß Asquith seine Kollegen von dem Ergebnis der Audienz beim König unterrichtete. Der König begab sich gegen ,/*5. Uhr nach Sandringham zurück.
Kurz vor 3 Uhr erschien Premierminister ASquith im Bückinghampalast, um mit dem König zukonferieren; auch der Earl of Crewe war im Palaste eingetroffen und nahm an der Audienz des Premierministers teil. Die Führer der Opposition, unter ihnen Lansdowne, Salisbury und Curzon hielten in der Wohnung Balfours eine einstündige Zusammenkunft ab.
Das versassnngsproplem für Llsch-Lothringen.
lieber die Gesichtspunkte und Erwägungen, von denen bei der Lösung des Verfassungsproblems für Elsaß-Loth- ringen ausgegangen werden soll, erfährt die Deutsche Volkswirtschaftliche CorrespondenL:
Bei der Ausarbeitung der Verfassungsreform für die Reichslande boten bestimmte Grundlinien sich von selbst dar. Es konnte Niemanden in den Sinn kommen, theoretisch erfaßte Ideen von der Vollkommenheit einer Landesverfassung, unter Nichtachtung der gegebenen Voraussetzungen in diesem Falle praktisch vernnrklichen zu wollen. Die vermeintliche beste Verfassung braucht ja auch keineswegs gut und zweckmäßig zu sein. Zu berücksichtigen war die ganze Struktur des Reichs und seine staatsrechtliche Gliederung. Elsaß-Lothringen kann selbstverständlich nicht beanspruchen, daß man es gewissermaßen aus dem engen Zusammenhänge mit den anderen Reichsteilen herauslöst und chm volle Selbständigkeit gewährt. Wohl aber darf es im Laufe normaler Entwicklung eine Bewegungsfreiheit anstreben, die man den anderen Gliedern des Reichs- organrsmus ohne weiteres einräumt. Im Aufbau der reichsländlschen Verfassung waren mithin die aus den nach- barlichen deutschen Einzelstaaten entnommenen Muster nach der Sonderart von Elsaß-Lothringen umzuformen. Dabei waren- einige Vorbehalte zu machen, die durch die nationalen und wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Westmarlengeoiete bedingt werden, lieber das Maß der Zugeständnisse und Einschränkungen, welche in einem reichständischen Verfassungsinstrument anzubringen wären, find die Meinungen bekanntlich von jeher sehr weit voneinander abgewichen, ohne daß die eine oder andere Richtung die Alleinberechtigung ihrer Forderungen überzeugend darzutun vermag. Die Verbündeten Regierungen werden bei der Prüfung des ihnen zurzeit vorliegenden Gesetzentwurfs also nach bestem Wissen und Gewissen zu urteilen haben, wobei natürlich die Wünsche der Bevölkerung in Elfaß-Lothringen sowie des Reichstags vom 15. März 1910 gebührend in Betracht gezogen werden.
Aus den hier angedeuteten Richtlinien schält sich als Kern der zukünftigen reichsländischen Verfassung die bundes staatliche Selbständigkeit heraus, verbürgt durch die parlamentarische Selbstverwaltung und einen vom Kaiser zu ernennenden höchsten Reich sbeam den, dem in seiner Eigenschaft als Statthalter gewisse landesherrliche Befugnisse übertragen werben können. Die von den Bundesstaaten auf den Kaiser übertragene Souveränität soll sich dem Reichslande gegenüber auch dahin kundgeben, das das Zustandekommen der durch den Landtag in zwei Kammern beschlossenen Landesgesetze an die Zustimmung des Kaisers gebunden bleibt. Bisher stand das Gesetz- gebungsrecht dem Kaiser in Ueberemftitnmung mit Bundesrat und Landesaiisscbuß zu. Die grundsätzliche Neuerung Ware hiernach, daß die Mitwirkung des Bundesrats künftighin Wegfällen und die Zuständigkeit der elsässisch-lothringischen Landes- Vertretung entsprechend erweitert werden soll. Zwar ist gegenwärtig die Reichsgesetzgebung befugt, auch ohne Heranziehung des Landesausschusses sur Effaß-Loth- riugen Gesetze zu erlassen, von dieser Machtvollkommenheit ist aber, wie erfahrene Politiker wissen, nur in seltenen Ausnahmejällen Gebrauch gemacht worden, so daß von einer Schmälerung der reichsyerrlichen Befugnisse an diesem Punkte eigentlich nicht geredet werden kann.
Es bedarf wohl Baum der Erwähnung, daß der Reichstag und die gesetzgebenden Reichsoryane ihre bisheriaen Kompetenzen unverkürzt beibehalten, soweit es sich nicht
Die englischen Dcrfaffungstämpfe.
London, 16. Nov. (Oberbau s.) Das Haus ist dicht besetzt. Viele Peeresses und Mitglieder des diplomatischen Korps hatten aus den Gallerten Platz genommen. Bei der Beantragung seiner Entschließung, die Regierung zur unverzüglichen Vorlage ihrer Parlamentsbill auszu- fordern, erklärte Lord Lansdowne:
Es ist uns zu verstehen gegeben worden, daß wir am Vorabend der Auflösung des Parlaments uns befinden. Eine Folge der Auflösung wird darin bestehen, daß alle jetzt vorliegenden Angelegenheiten auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Eine andere Folge der Auflösung wird zweifellos die sein, daß die Finanzen in einen Zustand chaotischer Verwirrung gebracht werden, wie man sich bei einem früheren Anlaß ausgedrückt hat. (Gelächter auf beiden Seiten der Opposition.) Die Auflösung würde auch eine Verzögerung der Beratung von Roseberys Reformenffchlie- ßungen und der Parlamentsbill der Regierung verursachen. Wenn sich das ereignen sollte, so wurde es ein großes Mißgeschick und ein sehr leichtfertiger Affront für das Parlament sein. Er sei genötigt, die Ansicht zu vertreten, erstens, daß eine Verminderung der Anzahl der Peers wünschenswert sei, zweitens, daß kein Peer im Oberhaus lediglich aus dem erblichen Recht dort sitzen solle, drittens, daß das Oberhaus von außen entweder durch Ernennung ober durch Wahl verstärkt werden müsse. Seine Partei sei immer bereit, wenn möglich, die MLttel zu erwägen, durch welche die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Oberhause und dem Unter- Hause in vernünftiger, wenn möglich, freundschaftlicher Weise ausgeglichen werden könnten. Er möchte wissen, was geschehen sei, um die Regierung zu veranlassen, alles durch die hastige Auflösung des Parlaments kurz abzuschneiden. Die einzige Antwort auf diese Frage sei, soweit er gewahre, daß in der Zwischenzeit die Veto-Konferenz gescheitert sei. Aber wir haben absolut kein Recht zu der Annahme, fuhr der Redner fort, daß, weil acht Mitglieder beider Parteien nicht zur Uebereinftimmung gelangen konnten, das Parlament der Gelegenheit beraubt werden soll, sich mit diesen wichtigen Problemen zu beschäftigen. Die Regierung sollte in beiden Häusern mit ihren Vetoanträgen vorwärts gehen.
Erewe führte aus, die Betovorschläge der Regierung seien weder feindlich noch unverträglich mit der Reform des Oberhauses. Lansdowne wünsche anscheinend mehr Zeit für das Oberhaus, um sich zu reformieren, bevor die Frage der Beziehungen der beiden Häuser zueinander in Erwägung gezogen würde. Niemand habe im Oberhaus be-
Kt. 270 Erster Blatt 160. Mrgang vormerrtag, 17. November IW
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schlldernng. Wie sie, hat er die „göttliche Länge" des genialen Erzählers, den langen Atem, die Weite des Weitblicks, bei Sinn für die Höhen und Tiefen des Lebens. Auch er wendet sich an jene wahre Gemeinde jedes großen Dichters, an die idealens Leser, von denen er am Ende des ,L)oracker" sprüht, die unter die Oberfläche des Lebens in seine Ab gründe und Wirbel Miefen, beim Anblick eines Hauses nicht an sich und ihre Wünsche denkest sondern an Geburt, Leben und Tod, an die Wiege und den Sarg.
Gleicht das Werk Raabes in seiner Gesamtheit einem der gewaltigen Dome, die ein Abbild von Himmel, Hölle und Erde, neben dem Heiligen und Erhabenen in den Skülpturen ihrer riesenhohen Wände auch dem Grotesken, dem Grausigen und Wild- Bizarren einen Platz einräumten, so hat es auch in seinem Inhalt etwas von der Größe eines weltumspannenden Gesanaes, stellt eine eitrige Symbolik auf, die der von Dantes göttlichem Gedicht nichts nachgibt. Wie in der Religion Zoreastcrs, so herrscht in Raabes Dichten ein ewiger Kämpf 'des Guven mll dem Bösen. Mit warhaft grandioser Macht hat er mephistophelisch verneinende Geister gegeben, die sich dem Weg der Merffchheit zur Höhe entgegenstemmen und sie in den Pfuhl der Niedrigkeit hinabziehen wollen. So seinen Piunemann in den „Drei Federn". „Wo steht Pinnemann nicht neben uns und den Dingen? Wo tritt er uns nicht entgegen? Wo folgt er uns nicht auf den Fersen? Muß man ihm nicht alles abkämpfen, um xuDefct, selbst im Siege mit der eigenen Persönlichkeit für den Steg zu büßen?" Und in dem Finale seines Menschheitsepos, dem letzten jener drei gedankenschweren Romane, die sich im „Hungerpastor", „Abu Telfan" und „Schüdderump" zur Trilogie zusammenschließen, steht die Gestalt des schurkischen Barbiers von Krodebeck une ein teuflischer Dämon der Finsternis in Gestalten des Lichts gegenüber und reißt im eigenen Erliegen die Tochter Antonie, um die Himmel und Hölle den alten Kampf des Goetheschen Faust führen, in den Tod: das Schöne muß sterben, um im Tode den höchsten Sieg zu erkämpfen. Aehnliche Töne des üessten Vtit- leids und edelsten Gefühls findet Raabe in den Akten des „Vogel« sangs", wenn er das Schicksal Helene Trotzendorfs schildcwt, der der Wett Unfläterei nicht bloß das dunmie kleine Gehirn, fonbern auch das schöne weite Herz eindrückt. Im ,.9lbu Telfan" wächst die Katzenmühle zu einer Hochburg der Rcenschlichkeit auf, zu einer Festuna des Guten und Edlen, in der die Wenigen, ihr kleines Reich oes Lichts gegen eine ganze wilde Welt von Dftllioneni verteidigen „Aber wir glauben an den Sieg, und mehr ist nicht nötig, um ihn zu genrinnen."
Diese Schürfe der Symbolik, die alles Geschehen in ntarun mentale Simllülder eines Höheren zusammenfatzt, bdüngt häufig das zunächst Verwunderliche und schernbar Btzarre von SinaboS


