Ausgabe 
19.10.1910 Zweites Blatt
 
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jmb der geftfntte Verbckndtzvvrftand. Bei der Vorftandswahl wurde» folgende Herren gewählt: 1. Vorsitzender Kompmaim-Kassel, 2. Vorsitzender Mackenroth- Friedberg, Schriftführer Hartig- fKassel, Kassierer S im o n -Gießen, Stemnrwatt Köhler-Kassel, Mingwart Hormel-Marburg, Beisitzer: Clas-Hersselb, Bohmer- Kassel und Bierau-Gießen. Es wurde abgelehnt, die Mit­glieder des Ehrengerichts in der seitherigen Weise zu wählen, und beschlossen, daß die Funktion des Ehrengerichts der Verbarrds- vorstand übernimmt. Auf Antrag Simon-Gießen wird einstimmig beschlossen, daß der Verband beim Amtsgericht Kassel als «ein­getragener Verein gefülyrt werden soll. Tie Bestimmungen des Wanderpreises wurden in der Weise geändert, daß der Preis nur demjenigen Verein zu gesprochen wird, der mit seinen Siegern die höchste Punktzahl erreicht hat. Einem Antrag Bi er au ent­sprechend, wurde die Beitragsleistung je nach der Größe frcr Vereine berechnet und demgemäß auch das Stimmrecht verteilt. Nachdem noch eurige Satzungsäirderungen vorgenommen wurden, wurde das Verbandsfest für 1911, das mit dem Auskämpsen der Meisterschaften im Stemmen und Ringen stattfindet, dem Athleten- Klub Marburg übertragen. Der nächste Delegiertentag im Ok­tober 1911 wurde dem Athleten-Klub Roland, Hersfeld übertragen.

vermischter.

* Der verunglückte Jubiläumstal er. DieKöln. Ztg" sciweibt: Die sonst nach allen Richtungen so schön verlaufene Unwersitätsfeier Hat nun doch einen Mißton oder richtiger ge­sagt einen Mißklang herworgebracht, u. zw. durch die Prägung der Jubilänmstaler. Dieses neueste Erzeugnis der Berliner Münze wird auf den erften Blick meist für eine jener minderwertigen Medaillen gehalten, wie sie bei Schützenfesten und ähnlichen Ver­anstaltungen für wenige Groschen zu kaufen sind. Die eine Seite trägt die Doppelköpfe von Friedrich Wilhelm III. und unscrm jetzigen Kaiser, die andere wird ganz von einem ausgesprochen blechern anTNutenüen Reichsadler ausgefüllt. Der Druck ist unklar und verschwommen, und das ganze Erzeugnis macht einen unbe­greiflich unechten Eindruck. Sogar einen schweren münztechnischen Fehler hat man sich nicht gespart. Alle andern Münzen werden immer so geprägt, daß, wenn man zwei aufeinanderlegt, sie sich ganz genau decken, und daß Rand fest auf Rand liegt. Bei dem Jubiläumstaler sind aber die Köpfe der beiden Monarchen so hock) im Relief gehalten, daß die Ränder nie in ihrer ganzen Rundung glatt aufeinander aufliegen können. Wenn man also, wie es im Gnoßverkehr üblich ist, die Stücke in Rollen zusammenpackt, so bilden sie nicht einen feststehenden Zylinder, sondern sehen aus wie eine leicht gekrümmte Wurst. Es ist ein Glück, daß unsere Dreimarkstücke nicht über die Grenzen des Landes hiw- ausgehen, und daß daher nur die Ausländer, die nach Deutsch­land kommen, nur zu berechtigten Anlaß haben werden, sich über die Geschmacklosigkeit der deutschen amtlichen Prägekunst lustig zu machen. Hoffentlich findet dieser Jubiläumstaler auch in Deutschland keine große Verbreitung, und am besten wäre cs, man würfe das Scheusal in die Wolfsschlucht.

* D as verkleisterteBad". Einen famosen Witz hat sich wieder einmal St. Burcaukratins geleistet. Der Schauplatz ist diesmal die alte Salzstadt O l d e s l o e, die zur Freude ihrer /Ein­wohnerschaft seit einiger Zeit mit Genehmigung der Regierung offiziell den NamenBad Oldesloe" führt, der vorher schon lange Zeit auf der Stationstafel des dortigen Bahnhofes unbe­anstandet geprangt hatte. Jetzt mit einem Male wehrt sich die Eisenbahnverwaltung mit Händen und Füßen gegen die Bezeich­nung und will vomBad" nichts mehr wissen. Der Eisenbahn­präsident in Münster als Eisenbahnkommissar für die Lübeck Vüchener Bahn hat nach denLeipz. N. N." einen Ukas erlassen, wonach die neue offizielle Bezeichnung der Stadt im Eisenbahn­betriebe nicht angewendet werden dürfe, und tatsächlich mußte die Station wieder einfach alsOldesloe" abgerufen werden. Warum, das mögen die Götter wissen. Ter Stadtmagistrat erhob gegen dieses Verbot Beschwerde, hat vorläufig aber damit nicksts iveitcr erreicht, als daß der heilige Eisenbahnbureaukratins sich erst recht auf die Hinterbeine setzte. Mit Staunen sah man nämlich dieser Tage auf der Stationstafel des Balmhofes, auf der seit langer Zeit

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die InschriftBad Oldesloe" prangte, das von der Regierung genehmigte WörtteinBad" auf beiden Seiten mit einem schönen, blanken, blütenweißen Bogen Papier überklebt. Früher, als Oldesloe die BezeickmungBad" n och ni ch t offiziell besaß, hatte die Tirektion der LübeckBuchener Eisenbahngesellschaft gestattet, daß aut den Stationstafeln trotzdemBad Oldesloe" stehe. Nun, da der NameBad Oldesloe" offiziell ist und an demselben Tage, an dem die kaiserliche Reichspost diese Ortsbezeichnung eben­falls offiziell einführt, kommt, vermutlich auf Veranlassung höheren Orts", 'ein Vahnbeamter und degradiert das Bad Oldesloe mit einem cheißen Bogen Papier und einem wo hl getränkten Kleister- Pinsel wieder M einem gewöhnlichen Oldesloe.

* Selbstgespräch einer Küchenfee. ,Lck jlobe, mein Jrenadier hat noch 'n Schatz! Hunger hat er keenen mehr, bloß noch Appetit uff Bier und Zigarren!"

* Ein jovialer Vater. Lehrer:Lehmann, warum hast du denn gestern gefehlt?" Schüler:Großmutter und Mutter sind gestern verreist, jda sagte Vater zu mir: Junge, heute ist Feiertag!"

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 19. Oft jV erkauf von Sp eiseeis.

Wie ich aus dem Gieß. AnF. ersehe, steht auf der Tages­ordnung der morgigen Stadtverordnetensitzung unter Nr. 23 derErlaß einer Polizei-Verordnung, den Verkauf von Speiseeis auf öffentlichen Sttaßen und Plätzen betreffend". Ich freue mich, daß die Stadtverordnetciwersammlung diesem, die Gesundheit unserer Jugend schädigenden Handel mit Speiseeis auf der Straße zu Leib rücken will und hoffe, daß sie die Bs- stiinmungen ebenso scharf faßt, wie dies die Darmstädter Stadt­verordnetenversammlung im letzten Sommer tat. Die Bestim­mungen, welche die Genehmigung des Ministeriums gefunden haben und durch das Großh. Kreisamt Darmstadt imAmts­verkündigungsblatt des Grvßh. Kreisamts Darmstadt" Nr. 93 unter dem 26. August 1910 veröffentlicht worden sind, lauten u. a. folgendermaßen:

§ 1. Speiseeis darf.an Schüler von Volksschulen, höheren Lehranstalten (Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule, Realschule, höhere Mädchenschule) und Privatunterrichtsanstaltcn, sowie an Kinder auf öffentlichen Sttaßen, Plätzen und Wegen nicht verkauft werden.

§ 2. Personen, die Speiseeis feilhalten, dürfen in der Aus­übung dieses Gewerbes Spielplätze während der Dauer von Bewegungsspielen nicht betteten und sich ihnen auf weniger als 200 Meter Entfernung nicht nähern.

Den genannten Personen ist ferner verboten, sich den Schulgrundstücken während der Zeit von einer halben Stunde vor Beginn des Unterrichts bis eine halbe Stunde nach seinem Schluß, namentlich während der Unter- richts pausen, auf weniger als 200 m zu nähern.

§ 3. Zuwiderhandlungen werden, insoweit nicht andere Strafbestimmungen crnzuwenden sind, mit Geldstrafe bis zu 30 Mark bestraft.

§ 4. Die vorstehenden Vorschriften treten am 1. Oktober 1910 in Kraft.

Ein Vater.

VÜchertisch.

Hübners Geographisch-statistische Tabel - l e n. Fortgeführt und ausgestaltet von Universitäts-Professor Dr. Fr. v. Juraschek f, Sektionschef und Präsident der k. k. stattst. Zenttal-Kommission in Wien. 59. Ausgabe, 1910. Verlag von Heinrich Keller in .Frankfurt a. M. Die Hübnersche Tabelle hat in allen Kreisen bereits eine Verbreitung gefunden, wie selten ein ähnliches populäres Unternehmen, und es wird immer mehr erkannt, daß sie jedermann auf das bequemste und billigste in die

wirtschaftlichen lind geographischen Verhältnisse aller Länder der Erde einfühtt. fifür die Bearbeitung dieser neuen Auflage sind wiederum die besten, teilweise offiziellen Quellen benutzt worden. Dieses Schriftchem erspatt lästiges Aufschlagen in größeren geo­graphischen Werklm. Alle Notizen darin sind in jeder Beziehung zuverlässig. Einguleitet wird die diesjährige Ausgabe durch einen Nachruf für Dr. Franz von Juraschek durch Sekttonschef Dr. Robert Meyer, Präsident der statistischen. Zenttalkommission in Wien.

^kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinoe.

Donnerstag den 20. Oktober, abends 8 Uhr, im Matthäussaal

Bibelstunde. (Bilder aus der Apostelgeschichte.)

Pfarrer D. Schlosser.

Meteorologische Beobachtungen der Station Sichen

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Okt.

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Wetter

1910

5

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8,8 80

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Bew. Himmel

Nebel

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17.

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Höchste Temperatur am Niedrigste , ,

Niederschlag: 0,0 mm.

Oktober 4- 13,4 eC.

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-1 i aber recht wenig

En der Pension gelernt. Das ist doch so einfach: Sie mahlen ihn, setzen W ihn mit kaltem Wasser

an, lasten ihn ein paar Minuten kochen und dann gießen Sie ihn durch. Ferttg ist der feinste Malzkaffee, aber Sie müssen natürlich Kathreiners nehmen."

Königlich ungarische steuerfreie 4A % Staats - Kassenscheine vom Jahre 1910

fällig am 1. Januar 1914.

Gesamtbetrag 250 Millionen Kronen. =

Ein aus ungarischen, österreichischen und deutschen Banken und Bankhäusern bestehendes Konsortium, dem auch unsere Bank angehört, hat obige Anleihe übernommen und legt sie am Samstag dem 22. Oktober ds. Js. zum Kurse von 99.40 % zur Zeichnung auf. Der Fälligkeits­termin dieser Schatzanweisungen ist der 1. Januar 1914; sie können jedoch nach Wahl des Finanzministers schon im Jahre 1913 ganz oder teilweise heimgezahlt werden.

Stücke zu 500, 1000, 5000, 10000 und 50000 Kronen.

Die Abnahme zugeteilter Stücke hat in der Zeit vom 15. bis 31. Dezember ds. Js. zu erfolgen. Wir nehmen von heute ab Anmeldungen entgegen.

Giessen, 18. Oktober 1910.

Bank für Handel und Industrie

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rs ttwerke Aug. Gabriel jr., Station tadsta b. Gießen, m