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22.8.1910 Erstes Blatt
 
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160* Jahrgang

Erstes Blatt

Montag AL. August 1910

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----- General-Anzeiger für Oberheßen WL

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iS v°'rmNA"suT »otatfonrdrsck und Verlag der VrSHI'schen Usto.Guch- und Sfeinörudcrei B. Lange. Bedattlon, Lxpeditioa und VroSerei: §chulftrahe 7.

____.. Je der älteren Geschichte Posens, an bie Gründung

>der deutschen Lolonialstadt links. der Warthe vor mehr

Als das Automobil her kaiserlichen Majestäten vor den Stadtvertreteun hielt, trat Oberbürgermeister Dr. Wilms vor und hielt eine Rede, in der er an das Kaiserwort im Jahre 1892 erinnerte, das den engen Gürtel der Jestungsstadt sprengte, sowie an ähnliche bedeutsame

Schon auS der Ferne erblickt man das charakteristische Wahrzeichen der Burg, den Adolssturm', der 1374 vom! Grafen Adolf von Nassau erbaut wurde, angeblich zur Aus­lösung aus langer Gefangenschaft. Beim Näherschreiten durch die breite Kaiserstraße kommt man dann an das massive, südliche Burgtor, das in einem zweistöckigen Mittel­bau über der Toröffnung den kaiserlichen Doppeladler zeigt und die Jahreszahl 1493 aufweist. Zu beiden Seiten dehnt ich der tiefe Burggraben aus mit den alten trotzigen Wehranlagen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert, in denen man jetzt hübsche Anlagen und Obstgärten erblickt. Beim Eintritt in den äußeren Burghof sehen wir links das alte Wachthaus und daneben einen mehrstöckigen, von Kasta­nienbäumen umschatteten Bau, in dem das Lehrerseminar untergebracht ist. Rechts steht vor einem alten Brunnen­behälter mit dem Doppeladler ein hübsches Denkmal für den Volksdichter Peter Müller, der Anfangs vorigen Jahr­hunderts am Seminar als Musiklehrer tätig war. Weiter- chreitend zeigt sich ein ganzes Gewirr von kleinen, zier- ichen Häusern, die meist mit kleinen Gärten versehen, von )en früherer Burgmanen bewohnt waren und jetzt etwa 80100 kleinen Familien zur Wohnung dienen. Quer auf bem weiten Platz liegt die unschöne, 1808 erbaute Burg­kirche und unmittelbar beim inneren Schloßportal eine nächtige Brunnenfmur des Drachentöters St. Georg, des Schutzpatrons der Kura. Tritt man durch das prächtige Renaissance-Portal in den inneren Schloßhof, so erblickt man vor sich den großen, in einfachen, schönen Formen zchaltenen Herrenbau, der ein Stockwerk höher ist als )as links daneben liegende Deutsche Haus. Hier werden amtliche Fürstlichkeiten, in erster Linie das Zarenpaar und Äroßherzogspaar Wohnung nehmen, während eine beson- )ere Flucht von Räumen für die kaiserlich-russischen und die großherzoglichen Kinder Vorbehalten ist. Im ersten Stockwerk liegen die Gesellschaftsräume, deren größter, der Buragrafensaal, mit gelbbraunseidenen Rokoko- möbem ausgestattet ist und eine Anzahl Porträts der richeren Burgbesitzer enthält, so Hermann Riedesel zu Eisen- >ach, Georg v. Ponikau, Graf Stadron usw. Das größte Interesse nimmt ein geräumiges dreifenstriges Eckzimmer in Anspruch dasPrinzessin-Alice-Zimmer", in welchem die Zarin während ihrer Jugend­zeit viele glückliche Täte verlebt hat. Hier ist Dank der Fürsorge alles genau wie damals erhalten worden; das einfache Bett in der Mitte, die dunkelgrüne Tapete, der einfache lEmaille-Kronleuchter mit Kerzen und beson­ders auch die Wandbilder, meist Stahlstiche aus früherer

Zeit, so vom Zaren Alexander I., Kaiserin Marianne Fe- dorowna, Nikolaus I, put Jugendbild König Ludwigs II. und Großfürst Alexis. NÜren dem Burggrafensaal be­finden sich die Zimmer der Zarin und der Großherzogin, im Erdgeschoß der Speisesaal und das Frühstückszimmer, in denen sämtlich die bisherige Einrichtung beibehalten, ersp. ergänzt worden ist. Prachtvolle alte Kunstkronleuchter Mit Kerzenlicht schmücken die Haupträume und zur musi­kalischen Unterhaltung hat außer dem Piano des Groß­herzogs auch ein herrlicher Flügel, von Ludwig Schweis- aut-Darmstadt geliefert, und eine Orgel im Fruhstückssaal Ausstellung gefunden. In dem freundlichen Hellen Ka­valierbau links vom Toreingang werden Prinzessin Lud­wig von Battenberg und Mehrere Hofdamen llnterFirnft finden, int Feldherrnbau, der weiter zurücksteht und einen großen viereckigen Platz umgrenzt, nehmen der General- adjutant des Zaren und der Leibarzt der Zarin, der Groß- herzogliche Generaladjutant Hahn und der Hofmarschall Frhr. v. Ungern-Sternburg und die übrigen höchsten Hos- chargen Wohnung. Der große freie Platz ist mit zahlreichen Lorbeerbäumen, Palmen, Hortensien, weißen Lilien und roten Salvias geschmückt worden, die sämtlich erst während der nächsten Wochen ihre volle Blüteirpracht entfalten. Die alte Reitbahn rechts voM Portal ist zu .Automobil- und Wagenhallen eingerichtet.

Eine ganz besondere Sorgfalt ist von den Großh. Herr­schaften auf die Herrichtung des allen Schloßparks gelegt worden. Hier sind schöne Durchblicke geschaffen oder er­weitert und bequeme Ztuhepunkte und Lauben vorgesehen worden; von dem breiten Burgplateau genießt man einen herrlichen Rimdblick auf den Taunus und die Gefilde der Wetterau, erblickt man Bad-Nauheim und die langgestreckten staatlichen Salinen, die fortgesetzt nervenstärkende Lust her­über senden. So haben Natur und menschliches Können alles getan, um den Aufenthalt aus der allen Kaiserburg Fried­berg zu einen wahrhaft idealen zu gestalten. Möge er auch bei der Schwester unseres Groß Herzogs seine volle Wirkung tun!

Der Kaiser in Posen.

Posen, 20. Aug. Das Kaiserpa ar ist im Sonder­zuge' im hiesigen Hauptbahnhos um 3 Uhr 58 Min. ein- getroffen. Zum Empfang waren auf dem Bahnhof an­wesend: düs Kronprinzenpaar, die hier eingetroffenen Prinzen und Prinzessinnen des Kgl. Hauses. Das Kaiser­paar fuhr im Automobil bis zur großen Tribüne am königl. Residenzschloß. Die Truppen des Standortes bildeten Spalier, hinter ihnen die Schulen, Kriegervereine und sonstigen Vereine. Eine gewaltige Menschenmenge begrüßte das Kaiserpaar und die kaiserliche Familie mit stürmischen Zurufen. «

Am Residenzschloß hatten sich, aufgestellt hie städti­schen Körperschaften, die Geistlichkeit und eine Gruppe weiß­gekleideter Ehrendamen.

Die Begrüßung durch den Oberbürgermeister.

Der Zarenbesuch in Hessen.

Die alle Kaiserburg zu Friedberg lenkt in diesen Tagen )ie Aufmerksamkeit der Welt auf sich, da die russische ^arensamilie als Gast des hessischen Großherzogspaares )ort für längere Zeit Aufenthalt nehmen wird. Die Ge- nahlin des Zaren, die Schwester unseres Großherzogs, 'edarf nach ihrem langen, schweren Nervenleiden zur Eigen Wiederherstellung einer wirksamen Nervenstärkung, md dazu ist die pn Privatbesitz der Großherzoglichen Fa- nilie befindliche Burg Friedberg wie kein anderer Ort geschaffen. Ruhe, Heimat und Verwandte heißen ne drei Hellfaktoren, und als wettere kommen die ozon- riefte Luft und die kräftigenden Bäder von Bad-Nauheim n Betracht, deren wohltätige Wirkung ja alljährlich Tau­ende aus aller Herren Länder verspüren. Schon seit einer angen Reihe von Jahren hat die Zarenfamllie besonders im dessenlande Ruhe und Erholung gesucht und gefunden. Es var früher zumeist das liebliche Jugenheim an der Bergstraße, wo das idyllisch im Kranze grüner Laubwälder im Bergeshange gelegene Schloß Heiligenberg die Zaren- amilie zu längerem Verweilen einlud. Aber nicht allein >ie herrliche Natur, sondern auch die Stimme des Herzens, )ie engen verwandtschaftlichen Beziehungen zum hessischen Mrstenhause sprachen dabei mit. Zar Nikolaus II. hatte Prinzessin Alix zum Gemahl erkoren und freudig, wenn luch wohl schweren Herzens, war die jugendschöne Prin­zessin ihm in eine fremde Welt gefolgt, freudig hat sie ne schweren Pflichten ihrer Stellung zu erfüllen gestrebt. Die Erziehung im Elternhause hatte der Fürstentochter, >emSonnenscheinchen", nicht des Lebens Schwere und Lrnst verborgen; wohlvorberettet für ihren Berus war sie dem Gatten gefolgt. Und bald vernahm man auch mit großer Freude, daß die in Jugend und Schönheit fttahlende Zarin mit größtem Jubel begrüßt und fast wie eine Heilige verehrt tonrbe. Als sie aber dann nach Jahren oer Trennung den ersten Besuch in der Heimat abstattete, mar der Sonnenschein froher glücklick>er Jugend aus dem lieblichen Anllitz verschwimden und fast einem melancholisch- ernsten' Zug gewichen, des Lebens schwerer Ernst hatte auch si. nicht verschont. Und diesen ernsten Zug konnte auch des fürstlichen Gatten treueste Fürsorge und der vluhenden Kinder frohes Lachen nicht bannen. .Aber die Heimai konnte es, der die Zarin auch heute noch mit allen Fasern ihres Herzens verbunden ist. Hier blühte die hessische Fürstentochter wieder auf. Ein paar Wochen an den trauten Stätten der Kindheit, im frohen Kreise der hehren Verwandten ließen sie leicht wieder aufleben, erstarken, gesunden. Zar Nikolaus suchte deshalb auch häufig und gern die Heimat der Gatttn wieder auf. Und doch liegt der letzte Besuch schon weit zurück. Es war vor sieben Jahren, als das Zarenpaar zur Hochzeit den Prinzessin Alice von Battenberg, der Zarin-Schwester ältesten Tochter, mit dem Prinzen Andreas von Griechen­land nach Darmstadt kam und hier und in Schloß Wolfs­garten mehrere Wochen verweilte. Die Vermählung fand am 7. Oktober 1903 statt und am 4. November folgte dann in Wolfsgarten die Begegnung des Zaren mit Kaiser Wil­helm. Dann kamen für Rußland schwere Zeiten, und die Unruhen im Lande machten es dem Zaren unmöglich, Ruß­land für längere Zeit zu verlassen. Die Gatttn hielt ge­treulich bei ihm aus, aber die Sorge um das Leben des Gatten bannte jede Fröhlichkeit von ihr, ebenso der schwere Schlag, den die geliebte Schwester durch die Ermordung des Großfürsten Sergius erlitt. Einen Lichtblick brachte die langersehnte Geburt des Thronfolgers, die der Zarin Stellung und Einfluß am Kaiserhofe wesentlich befestigte. Aber die .Heimat konnte nichts ersetzen. Die Gerüchte von der stark angegriffenen Gesundheit der Zarin wollten trotz aller Ableugnungen nicht mehr verstummen, und die kurzen Reisen an die finnischen Schären brachten wenig Besserung. Nun kehrt die Zarin von neuem in die hessische Heimat zurück, hoffend, daß die milde Luft der Wetterau und die Heilquellen 9iauheims Genesung bringen werden Hoff­nungen, die das Hessenvolk aufrichtigen Herzens teilt.

In die so lange verlassen gewesenen Räume des 'Schlosses Friedberg zieht damit wieder neues Leben ein. Der mächtige Basalthügel an der fruchtbaren Wetterau, auf dem sich die Burg erhebt, ist schon in alter Zeit ein Zielpuntt vieler Machthaber gewesen. Die Römer errich­teten auf der Stätte der heutigen Burg, am steilen Ab­hang des schmalen, von Süden nach Norden ziehenden Höhenrückens ein gewaltiges Kastell zum Schutze ihrer Züge gegen die Chatten, das eine der bedeutendsten Nieder­lassungen innerhalb des oberhessischen Limes bildete und schon in der augustoischen Zeit lag, wie die zahlreichen alten Funde beweisen, dort eine starke römische Schutz­truppe. Zu Anfang des 13. Jahrhunderts stand hier eine kaiserliche Burg, und Kaiser Friedrich II. erhob 1211 die Stadt zur freien Reichsstadt. Als erster deutscher Kö­nig weilte Heinrich, Friedrichs II. Sohn, 1228 und 1230 längere Zeit hier. Später residierte König Wilhelm von Holland nach dem Tod des letzten Hohenstausen auf der Burg,, dann König Adolf von Nassau, Kaiser Karl IV., Kaiser Wenzel, Ruprecht von der Pfalz und König Fried­rich (1442), der letzte deutsche König, der in Friedberg vorübergehend lebte. Aus der Geschichte der Burg mag noch erwähnt sein die im Jahre 1599 hier geschlossene Uebereinkunst der Protestanten, die am 12. Dezember 1634 erfolgte Kapitulation an die Leisten, die Einnahme Fried­bergs durch die Weimaraner 1640 und einige Monate später durch die Kaiserlichen, bann die zweimal von den Hessen vergeblich versuchte Ersttirmung der Burg. Am 16. Juli 1796 siegten die Franzosen bei Friedberg unter Jourdan über die Oesterreicher, und 1802 kamen Stadt und Burg, die bis dahin Jahrhunderte hindurch die ärgsten Fehden miteinaiiber geführt hatten, an Hessen, unter dessen Schutz u-,- Frredberg bald zu einem Mittelpunkt der fruchtbaren Errigmss Welterau herangewachsen ist. ' hMlf

als sechseinhalb Jahrhunderten und an den Wiederaufbau des abgebrannten Teils der Stadt int Anfang des vorigen Jahrhunderts. Weiter erinnerte der Oberbürgermeister an den Pesuch König Friedrich Wllhelms III. und der Königin Luise im Jahre vor diesem Brande, an die Ueberschwemmung des Jahres 1888, welche die Kaiserin Friedrich trotz der Krankheit ihres hohen Gemahls nach Posen zu eilen: veranlaßte, um den Bedrängten Trost und Hilfe zu bringen und schließlich an die vielfachen Beweise landesväterlichen Interesses von seiten des Kaisers, die keine schönere Krönung finden konnten, als in dem Entschluß, eine mächtige Kaiser­pfalz an den Toren des alten Posens entstehen #u lassen.

In das Hoch auf das Kaiserpaar stimmten die Anwesen­den begeistert ein und die Glocken begannen zu läuten. Der Oberbürgermeister bot dem Kaiser, der die Uniform der 1. Posener Königsjäger zu Pferde trug, den Ehrentrunk,, den der Kaiser entgegennahm und mit einer Rede begleitete. Das Heine Töchterchen des Oberbürgermeisters überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß, den die hohe Frau mit huldvollen Worten entgegennahm. Unter erneuten stürmi­schen Hochrufen fuhren die Majestäten zum Schloß, die in den nachfolgenden Automobilen sitzenden Prinzen und Prin­zessinnen wurden gleichfalls allenthalben herzlichst begrüßt. Am Schloßportal überreichte der Erbauer, Geheimer Baurat Schwechten, dem Kaiser den goldenen Schlüssel, womit dieser öffnete. Die Majestäten unternahmen dann einen Rundgang durch das Schloß und nahmen Wohnung.

Die Antwort des Kaisers.

Posen, 20. Aug. Die Rede des Kaisers bei der Entgegennahme des Ehrentrunks lautete:

Mein lieber Oberbürgermeister! Im Namen Ihrer Maicstät der Kaiserin und Königin wie in meinem Namen danke ich Ihnen von Herzen für die freundlichen und tiefempfundenen Worte, mit denen Sie uns begrüßt und die treue Anhänglichkeit der Posener Bürgerschaft zum Ausdruck gebracht haben. Wir freuen uns, daß es durch Gottes Gnade uns vergönnt ist, heute unfern1 Einzug in die Mauern Jh«rer Stadt und die von Meisterhand errichtete Pfalz zu halfen. Wir freuen uns in unserer jüngsten Residenz-' ftadt, zu der ich die Stadt Posen hiermit erhebe, Auferfthalt zu nehmen und fortan zu ihren Bewohnern in nähere Beziehung zU treten. Möge die Bürgerschaft Posens sich beim Anblick dieser^ machtvollen Pfalz stets des landesväterlichen Schutzes bewußt sein, mit dem ich und meine Nachfolger in der Krone jede ehrliche Arbeit und Hantierung geleiten werden. Möge die Resideirz mit iljren Schwestern im Lande in Treue zu Kaiser und Reich, in Siebe zu König und Vaterland alle Seiten wetteifern undfein und bleiben ein Hott und eine Pflanzstätte deutscher Kultur und «Sitte. Ich trinke auf das Wohl der Residenzstadt Posexr und ihrer treuen Bürgerschaft.

Festtafel im Refidenzschloß.

Posen, 20. Aug. Abends 7 Uhr fand beim Kaiser­paar im königlichen Residenzschlosse Festtafel statt. Bek dieser saß der Kaiser rechts von der Kaiserin, rechts vorn Kaiser folgten zunächst die Kronprinzessin, Prinz Eitel Friedrich, Prinzessin Viktoria Luise, Prinz August Ml- helrn, Palastdarne Fürsttn v. Radolin, Oberstmarschall, Fürst zu Fürstenberg, Overhofmeisterin Freifrau v. Thiele- Winckler, Generaloberst v. Plessen, Staatsminister Frhr. v. Rheinbaben, Generaladjutant Frhr. v. Lyncker, Wttkl. Geh. Rat v. Valenttni, Vizepräsident des Abgeordneten- l>auses Dr. Porsch; links von der Kaiserin der Kronprinz, Prinzessin Eitel Friedrich, Prinz Oskar, Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorff, Oberstkämmerer Fürst zu Solms-Baruth, Hosstaatsdame Fräulein v. Gersdorff, österreichischer Ge­heimrat Graf v. Wilczek, Ehrendame Gräfin v. Bassewitz, Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg, bayerischer Gesandter Frhr. v. Tücher, Kriegsminister v. Heeringen, Vizepräsident des Wgeordnetenhauses Dr. Krause, WirHicher Oberion- sistorialrat Dr. Hesettel. Gegenüber dem Kaiserpaar saß der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg. Rechts von ihm folgten: Obersttrn.chseß Fürst v. Radolin, komman­dierender General Graf Kirbach, kommandierender General v. Linsingen, Staatsminister Dr. Lentze, Präsident des Ab- geordnetelihauses v. Kröcher, links: Fürst Ferdinand Radzi- will, Oberpräsident v. Waldow, Staatsminister v. Dall­witz, Präsident des Herrenhauses Frhr. v. Manteuffel/ Oberlandesgerichtspräsid. Wirkl. Geh. Rat,Dr. Gryszewski. Außer der großen Zahl der ferner Geladenen seien noch genannt: Landeshauptmann v. Dziembowski, Oberbürger­meister Dr. Wilms, Weihbischof Dr. Likowski, Geh. Bau­rat Professor Schwechten, Geh. Regierungsrat Withtng, früherer Oberbürgermeister von Posen.

Der Triukspruch des Kaisers.

Bei der Festtafel im Residenzschloß brachte der Kaiser solgenden Trinkspruchj aus:

Seien Sie mir willkommen, meine Herren, zur Weihe meiner Pfalz in Posen! Zunächst liegt es mir ob, die Schuld des Dankes absutragen an alle diejenigen, die an diesem Bau mitgewirkt haben und deren Mimifizenz der Bau zu danken ist. Ich danke der Vertretung des preußischen Volkks für die Belvilliguna der Summe für die Pfalz und hoffe, daß die hier anwesenden Mftglieder berfeiben sich persönlich davon über zeugen wollen, ob das Geld richtig angewendet sei. Ich danke dem früheren Herrn Finanzminister Frei Herrn von Rhein- haben für seine vortreffliche Vertretung dieser Sache im Land­tage. Von Herzen bedankt sei der geniale Architekt Geheimer Rat Schwechten, dessen Meisterhand die Pläne und das Modell zu diesem Bau entwarf und der mit seinen vielen Mit- und Unter- arbeftern dieses stolze Bauwerk geschaffen. Ich danke allem Kirnst-' lern, Äteistern, Gesellen und Arbeitettl, die mit rastlosem Eifer an dem Bau dieser Pfalz mitgewirkt und ihr bestes .Können hineingelegt haben, um zu zeigen, was deutsches Kunstgewerbe zu leisten rmstande sei.

Und Sie, meine Herren von der Provinz und von der Garnison, seien Sic hier herzlich willkommen. Mögen Sie bei dem Airblick dieser Pfalz sich vor Augen halten, daß sie cm Wahrzeichen fein soll für mein landesVäterliches In­te resse für diese schöne deutsche Provinz, die unter dem Zepter meines Harrses zu hoher Blüte emporgewackifen ist und auf deren Mitarbeit zur Hebung und weiteren Förderung der Provinz ich auch fernerhin rechne. Sie soll zu gleicher Zeit eine Ermunterung sein für einen Jeden in dieser Provinz, ber Lust üaL. mit ßeib uufe Seele und allen