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monatlich 75$!., viertet- jährlich M. 2.20; durch Abhole- u. Zwergstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährt. ausscht. Bestell-. Zeilenprers: total IbPf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton" und.Vermischtes* K. Neurath; für.Stadt u. Land" und „Gerichts- saal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Nr. 198 Erstes Blatt 160. Jahrgang
Der «tfctwtr Anzeiger jnwuur ä erscheint täglich, außer ®
8 Gletzener ÄMW für feie Redaktion 112, IMF WJF
KM Smew!-Anzeiger für Gbechessen
bis v-rmittags's'm^ Rotatioittftmtf und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- «nd Steint» Nickerei R. Langt. Redaltion, Expedition und vrnckerei: Schnlstrah« 7.
Posener Uaisertage.
Begleitet von einem glänzenden Gefolge, Yrrixb der Kaiser am nächsten Samstag seinen Einzug in Posen halten, in die alte Residenz Botrslaws I., des Begründers der polnischen Macht. Sein Besuch dort gilt, rein äußerlich betrachtet, der Einweihung des neuen Kaiser- j ch l o s s e s, das sich, von dem Geheimen Baurat S chw e chf- ten in romanischem Stile erbaut, dort auf dem ehemaligen Festungsterrain erhebt, imposant und trotzig genug, um den Polen zu künden, daß Deutschland nun und nimmermehr gesonnen ist, die mit zahlreichen Opfern an Gut und Blut eroberten und der deutschen Kultur neu erschlossenen Ost- marken je aufzugeben. Was auch die Bestimmung des neuen Schlosses in Posen sein mag, ob es dem Kaiser nur als Absteigequartier dienen soll, oder, worauf die räumlichen Verhältnisse der Kaiserpfalz hinzudeuten scheinen, einem kaiserlichen Prinzen als ständige Residenz, das eine ist jedenfalls sicher, daß es ein Denkmal sein wird der Macht des Deutsch-- tums im fernen Osten, ein Sinnbild des nationalen deutschen Kaisertums im ehemaligen Slawenlande, eine stolze Antwort auf die von den Slawen kürzlich beliebte Feier der Schlacht bei Tannenberg.
Daß sich an die Einweihung des Posener Kaiserschlosses allerlei politische Kombinationen knüpfen, ist nur natürlich. Nimmt doch auch der Reichskanzler, Herr v. Beth- inan n-Hollweg, an den Einweihungsfeierlichkeiten teil und gibt damit den Posener Kaisertagen eine weit über das höfische Zeremoniell hinausgehende politische Bedeutung. Was aber in Posen eigentlich zu erwarten steht, entzieht sich vorläufig der öffentlichen Kenntnis. Man glaubt aber zu wissen, daß der Kaiser bei dem am Samstag im Festsaal des Schlosses stattfindenden Essen, zu dem 270 Einladungen an die Notabeln der Provinz — darunter zahlreiche Polen — ergangen sind, eine sorgfältig vorbereitete Rede über die Ostmarkenfrage halten wird.
Aber was kann diese Rede eigentlich enthalten? Was lann sie namentlich den Polen bieten? Seit man aus mehrfachen Aeußerungen Bethmann-Hollwegs weiß, daß an eine Kursänderung in der Ostmarkenpolitik trotz aller dahin sielenden Bestrebungen des Zentrums nicht zu denken ist, könnte es sich höchstens um einige kleine, aber zu nichts verpflichtende Liebenswürdigkeiten gegenüber dem Polentum handeln, um diesem den Dank dafür ab,»ustatteu, daß es bei der Reichsfinanzreform ebenso wenig versagt hat, wie bei der Erhöhung der preußischen Krondotation und 6ei' der Bewilligung von 30 000 Mark zur Ausschmückung der Stadt Posen während der jetzigen Kaisertage. Gewiß, jede Tat «st ihres Lohnes werr. ^Wer aber verfolgt hat, mit welchem Hohn und Spott ein Teil der polnischen Presse, und zwar gerade der jetzt ja ausschlaggebende nationaldemokratische, seine bewilligungsfreudigen Landsleute überschüttet hat, wird mit uns zu der Ansicht gelangen, daß sich an der Feindschaft der Polen gegen alles, was deutsch ift, nichts geändert hat und die Polen deshalb auch nicht das gering ste Entgegenkommen verdienen, das man in ihren Kreiselt nur als Schwäche auslegen würde.
Es sollte uns leid tun, wenn man an höchster Stelle anderer Ansicht wäre. Noch hoffen wir, daß die Einberufung nationalpolnischer Kammerherrn und Kammer- sunker zum Dienst bei den Majestäten nur eine höfische und keine politische Bedeutung hat. Eine Aera Kosczielski- Admiralski können wir heute, wo das Slawentum, wie die Verhandlungen des panslawistischen Kongresses in Sofia bewiesen, sich mehr denn je bläht und in Erwartung der Unterdrückung des Deutschtums zukunftssicher seinen Branntwein trinkt, nicht brauchen. Es wäre deshalb höchst verfehlt, wenn etwa die angekündigte kaiserliche Kundgebung zur Osrmarkenpolitik Konzessionen an die Polen enthielte, die man nach Lage der Dinge in nationalgesinnten Kreisen absolut nicht verstehen würde. Eine Statthalterschaft etwa des Kronprinzen oder des Prinzen Eitel Friedrick) in Posen mit einem Hofhalt, in dem die Herren Krapülinski und Wafchlapski eine Rolle spielen, können wir nicht brauchen, wenn man nicht unseren deutschen Kulturpionieren in den
Ostmarken direkt vor den Kopf stoßen will. Und ebensowenig die Berufung des Posener Weihbischofs Dr. Likowski auf den Erzbischofstuhl und vielleicht noch am wenigsten eine weitere Zurückstellung des Enteignungsgesetzes. Sollten, was wir heute noch sehr bezweifeln müssen, die kaiserlichen Liebenswürdigkeiten gegenüber dem Polentum sich auf diese Punkte erstrecken, so wäre das sehr zu bedauern, da man dann jedes Vertrauen in unsere Ostmarkenpolitik, die uns schon ungezählte Millionen kostet, verlieren würde.
Breslau, 18. Aug. Durch die Presse geht heute die Nachricht, daß zu den Posener Festlichkeiten weder das Posener noch das Gnesener Domkapitel Einladungen erhalten haben. Wie die Schles. Volksztg. von zuständiger Seite erfährt, haben, der Weihbischof Likowski in Posen, Tomprobst Wanjura in Posen, Domprobft Knoske und Domherr Goczkowsky Einladungen erhalten.
Der 80. Geburtstag des Kaisers Frau; Josef.
Der 80. Geburtstag des Kaisers Franz Josef, zu dessen Bedeutung wir uns schon in Nr. 190 geäußert haben, wurde, wie aus Wien gemeldet wird, in der ganzen Monarchie durch Festgottesdienste, denen auch die Behörden beiwohnten, durch Schulfeiern und andere festliche Veranstaltungen begangen. Zahlreiche Wohltätigkeits-Stiftungen werden im ganzen Lande errichtet. In Wien, das festlich geflaggt hat und vielfach prächtig geschmückt ist, wurde der Tag durch Kauvnensalut und großes Wecken eingeleitet. In allen Kirchen sanden vormittags Festgottesdienste statt. Für die Truppen wurde ein Feldgottesdienst auf der Schmelz abgehalten, an den sich eine Parade der Garnison anschloß, die der General der Infanterie, Freiherr von Albori, ab- nahm.
Die Feier in Bad Zschl.
Bad Ischl, 18. Aug. Kaiser Franz Josef nahm heute früh die Glückwünsche seiner Töchter und Enkelinnen, deren Gemahle und Kinder entgegen und hörte nachher eine stille Messe in der kaiserlichen Villa. Um 10 Uhr fand in der Pfarrkirche ein Hochamt statt, dem auch die Mitglieder der kaiserlichen Familie, die Gemeindevertretung und die Spitzen der Behörden beiwohnten. Mittags nahm der Kaiser die Glückwünsche der übrigen Mitglieder der kaiserlichen Familie entgegen. Um ^3 Uhr fand in dem mit künstlerischem Schmuck ausgestatteten, mit kostbaren Gobelins Und prachtvollen Blattpflanzen geschmückten großen Saale des Kurhauses ein Familienessen zu 72 Gedecken statt. Vorher hatte der Kaiser die Glückwünsche der hier eingetroffenen fremden Fürstlichkeiten entgegengenommen. Um 2.20 Uhr verließ der Kaiser in Begleitung des Erzherzogs Franz Salvator im offenen Wagen, der von den Damen der Jschler Gesellschaft mit Alpenblumen und Edelweiß herrlich geschmückt war, die kaiserliche Villa. Brausende, nicht enden wollende Hochrufe ertönten, unbeschreiblicher Jubel erfüllte die Menge, die glücklich war, dem Kaiser huldigen zu können. Die begeisterten Huldigungen der Bevölkerung wiederholten sich bei der Rückfahrt des Kaisers. Kaiser Wilhelm sandte ein langes Telegramm, das äußerst herzlich geholten ist und dem Kaiser große Freude bereitete.
ein Trinkspruch Kaiser Wilhelms,
Wilhelmshöhe, 18. Aug. Der Kaiser empfing heute vormittag den Reichskanzler zum Vorttage und den Botschafter Freiherrn von Marschall. Um 1 Uhr fand beijn Kaiserpaar aus Anlaß desGeburtstagesvonKaiser Franz Josef Früh stücks t a f e t statt. Der Kaiser brachte, indem er sich an den österreichisch-ungarischen Botschafter wandte, einen Trinkspruch aus, welcher folgenden Wortlaut hatte:
Am heutigen Tag, wo aller Orten in den Ländern Seiner Majestät des verehtten Kaisers Franz Joses sein Geburtstag festlich begangen wird, drangt & mich, auch Euerer Exzellenz mit meinen Glückwünschen fiir den Gebuttstag, den achtzigften, Ihres allergnädigsten Herrn, die Glückwünsche meines gesamten Volkes auszudrücken. Weit über die Grenzen seiner Länder hinaus wird im ganzen deutschen Vaterlande die erhabene Person Ihres Kaisers verehrt und geliebt. Dieses lange Leben, dessen Jahreszahl schon
die Bibel als — „wenn es köstlich war, — mit Mühe und Arbeit gesegnet" bezeichnet, ist für uns im deutschen Vaterlande ebenso wettvoll und mit derselben ehrfurchtsvollen Liebe umgeben, wie daheim. Ich spreche infolgedessen im Namen meines gesamten Vaterlandes, wenn ich von Herzen bitte und hoffe, daß der liebe Gott Ihren allergnädigstcn Herrn als obersten Schirmherrn seiner Länder, als obersten Kriegsherrn des uns verbündeten österreichisch-ungarischen Heeres und als meinen getreuen Verbündeten und, wenn ich hinzufügen darf, besonders als meinen von mir hochverehrten persönlichen väterlichen Freund nock) lange erhalte! Allen diesen Wünschen und Gesinnungen, die unsere Herzen bewegen, geben wir Ausdruck, indem wir rufen: Seine Majestät Kaiser Franz Josef Hurra! Hurra! Hurra!
Nachdem der Kaiser den Trinkspmch auf Kaiser Franz Joses beendet hatte, spielte die Musik die österreichische Hymne.
Eine französische Stimme.
Paris, 18. Aug. Der „Ternps" gedenkt in seinem heutigen Leitartikel des 80. Geburtstages des Kaisers Franz Joses von Oesterreich und gibt einen geschichtlichen Ueber- blick über seine Regierung.
Das fianzösische Volk,, so schließt das Blatt seine Betrachtungen, schuldet dem Kaiser Franz Josef die Achtungsbezeugungen, welche auf allen Gesellschaftsstufen ein Leben der Arbeit und des Fleißes verdient. Es schuldet ihm aber noch eine änderet Anerkennung: Obgleich von Frankreich getrennt, erst durch die Fehler Napoleons III., dann durch die Umstände, und obgleich an ein System von Allianzen gebunden, welche während langer Jahre bestimmt schienen, unsere Niederlage nicht nur zu befestigen, sondern eher noch zu vergrößern, hat der Kaiser niemals in die so festgelegte Politik aggressive Hintere gedanken uns gegenüber hineingettagen. So ost wir den Kaiser unseren Plänen günstig gesinnt fanden, so hat die Sorge um den allgemeinen Frieden sicherlich den größten Anteil an der Wahl feiner Haltung gehabt. Aber vielleicht wirkte bei diesen Erwägungen der Jnteressenpolitik auch die Empfindung der Achtung und der Sympathie mit einem Lande mit, welches schon scll langer Zeit bei der Verfolgung seiner eigenen Absichten niemals die österreichisch-ungarischen Besttebungeu durchkreuzt hat. An diese diskret zum Ausdruck gebrachten Empfindungen erinnert sich Frankreich aus Anlaß des heutigen Tages imb da Frankreich selbst seine Politik auf die Wiederherstellung und Aust echt erhaltun^ des Gleichgewichtes begründet hat, so vergißt es nicht, daß Oe, ter - reich-Ungarn eine der entbehrlichsten Faktoren für die Gleichl-eü der Kräfte in Europa ist.
Abg-köhler-rangsdorsLbersemeReichstagsiandidawr
Der Reichstagsabg. Köhler-Langsdorf schreibt uns:
Die „Kleine Presse" Nr. 192 vom 18. August bringt folgende Nachricht:
„Reichs- und Landtagsabg. Phil. Köhler-Langsdorf ist — wie er selbst mitteilt — geneigt, bei der nächsten Reichstagswahl 1911 im Wahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda wieder zu kandidieren. Sein Gesundheitszustand habe sich in den letzten Wochen erheblich gebessett."
Die Nachricht ist falsch; ich habe dazu zu bemerken:
Erftens habe ich niemandem mitgeteilt, daß ich endgültig entschlossen wäre, auch demnächst wieder zum Reichstag zu kandidieren; zweitens könnte von einer solchen Kandidatur nur alsdann die Rede sein, wenn sie als eine gemeinsame des Bundes der Landwirte, der christlich-sozialen, der deutsch-sozialen und der Reformpartei prokla- miett würde. Welches übrigens meinen Wiedereintritt in die Fraktion der Wirtschaftlichen Vereinigung im Reichstag in sich einschließen würde und die Annäherung, vielleicht sogar den völligen Anschluß auch der übrigen Mitglieder der Reformpartei an diese gesinnnngsverwandte politische Gruppierung veranlassen könnte; drittens aber will ich feftstellen, daß mein Gesundheitszustand sich nicht „erheblich gebessett", sondern eher sich verschlechtert hat; und ich darum einer mir anzutragenden Kandidatur eine feste Zusage noch nicht zu geben vermag; doch sollten meine politischen Gegner sich nicht zu sehr auf mein baldiges Ableben cinrichten; es könnte zuletzt doch sehr viel anders kommen, als sie jetzt hoffen und wünschen mögen. Einstweilen noch:
Mit deutschem Gruß!
Langsdorf- am 18. .August 1910.
Köhler-Langsdorf.
Welter auf Bestellung.
— SerrRodrian.der Al l-rwel t s w etie r kün st- Ier, sendet seine „Abhandlungen" aufs neue an die Presse. Zur Erheiterung unserer Leser geben wir ein Stück daraus wieder: „Die lebte Phase der Wetterbeeinflussung ist durch die am 30. bis 31. Juli, 3.-4. August in Südfrankreich und Italien stattgefundenen Erdbeben geftört worden. Die aus der Erde hervorgedrungenen Depressionen waren wieder die Ursache und brachten die großen Unwetter, Wolkenbrüche usw. Am 10.—11. August ,'ollte Sturm herrschen, wovon Ab stand genommen war nut Rücksicht auf die „Berliner Flugwoche" und weil mit der Spree- Havel-^nmpfschiffahrtsgesellschast „Stern" am 8 August eine VereinbattULg getroffen wurde, daß eine Beeinflussung, bezw. Schaffung vom trockenein, schöneni, ganz reg en freiem 23 etter tür das an diesen ^agen stattgefundene „Sommerfest auf der Oberspree" erfolgen stillte, was auch trotz Regenansagens der Wetternachrichten und -Dritter tatsächlich eingetroffen ist. Die Beem- slussung begann i am Samstag den 6. August unter Voraussage der täglich komisienden Stellungen der 23 etter gebiete, und es ist bewiesen und anerkannt, daß die Stellung von Maximum und Minimum genwu den Angaben entsprechend erfolgte. Das an Herrn Major v. Tschudi am Sonntag den 7. August, mittags (nicht Moutalsi, nach dem Flugplatz in Johannisthal abgesandte Telegramm unarnte vor zunehmenden böigen Wiiiden und den durch die Wjolken verursachten Wirbeln. Am Sonntag ist tatsächlich jeder! Aufstieg unterblieben und am folgenden Montag war dies weiter sechr erschwert. Eine Beeinflussung auf schönes, trockenes Wetter und Weiteren Himmel für den vergangenen Sonmag war auf Wunsch der vorgenannten Gesellschaft ebenfalls vorher vereinbart und irurbe in höchster Vollendung geschaffen. Die weitere Beeinflussung ift so festgesetzt, daß annähernd vom 18 bis 28. Aug. eine Periode', trockenen, schönen, vielfach heiteren Wetters sein soll, hiernach'vielleicht vier Tage trübes, auch regnerisches Wetter, dann auf Grkind weiterer Beeinflussung bis zum 11. September ebenfalls troÄenes, schönes, meist helleres Wetter, jöei beiden)
Perioden heiteren Wetters soll sich ein Maximumgebiet in Mittel- bis Nord-Europa in täglich eiwas wechselnder Lage befinden. Eine Störung kann nur durch unterirdische Depressionen aus dem vulkanischen Gebiete des Mittelmeeres stattfinden, in welchem Falle annähernd 15 Stunden nach dem Erdbeben auf dem Wege der Depression Unwetter, Wolkenbrüche usw. usw. eintreten. Der Zukunft muß und wird es gelingen, derartige Katastrophen abzuwenden, sofern auch ein zuverlässiger Nachrichtendienst vorhanden ist." Und es gibt Leute, die das glauben. Daß Herr Rodrian ein ernsthafter Meteorologe sei, hat^aber noch niemand geglaubt.
Kopenhagen, 18. Aug. De: änische Vizekonsul in T r o m s ö telegraphierte heute vormittag an das Ministerium, des Aeußenr: Die hiesige Eismeerjacht „Laura" berichtete bei der gestrigen Rückkehr von Oftgrönland, daß das Expeditionsschiff ,,'Alabama" des dänischen Forschungsreisenden Mikkelsen im Laufe des Winters gesunken ist. Die Mannschaft hat sich zu retten vermocht; sie hat auf der Shannon- Insel überwintert und wird entweder von dem Aalesunder Motorboot, das im Germaniahafen liegt, oder von der hiesigen Eismeerjacht „Minerva", die sich am 8. .August vor der Shannon- Insel befunden hat, ab geholt.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Ter ordentliche Professor a. D. der klassischen Philologie an der Prager deutschen Universllät, Hofrat Dr. Phil. Otto Keller in (Stuttgart, begeht am 20. d. Mts. die 50jährige Doktorfeier. Professor Keller ist am 28. Mai 1838 zu Tübingen als Sohn des Germanisten Prof. Adalbert von Keller geboren. — Professor Dr. Julius v. N e u m a n n, der hervorragende Nationalökonom und Statistiker der Tübinger Universität, ist am 15. dieses Monats hi der Freiburger Klinik im 75. Lebensjahre gc? storben. Ostern 1908 war er vom Lehramte zurückgetreten. — Der Inhaber des Lehrstuhls für Geodäsie, ord. Pros. Dr.-Jng. H. Ho Henner an der Braunschweiger Technischen Hochschule, hat einen Ruf an die Technische Hochschule zu Darmstadt als Nachfolger von Prof. Paul Fenner angeMmmeu,
Ein deutsch-amerikanisches Lied.
Das folgende Lied des Deutsch-Amerikaners Konrad Nies aus San Franzisko, daS bei dem deutschen Sängerfest in San Franzisko preisgekrönt wurde, wird uns von den „Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum im 2lusland" zur Verfügung gestellt:
Neue Heimat.
Vom deutschen Herd im Vaterhaus,
Weit über blaue Wogen, Ist mit uns in die Welt hinaus Durch Sonnenlicht und Sturmgebraus Das deutsche Lied gezogen.
Wir trügens nach des Ostens Strand
Und durch des Westens Weiten;
Und siegreich klingts von Land zu Land
Und streift mit leiser Zauberhand Der Herzen tiefste Saiten.
Auf fremder Erde heimattraut
Ist eine Ros' entsprungen;
So weit Columbias Himmel blaut Hat sich des deutschen Liedes Laut Ein Heimatrecht errungen.
Vom Tagwerk ruht des Westens Sohn
Und Ateer und Lande lauschen;
Rottannen weh'n ob goldnem Mohn Und drüber hin, wie Glockenton, Die deutschen Weisen rauschen.
In allen Herzen, heimwehschwer,
Brichts auf wie junge Bluten, Wie eine neue Heimat hehr — O deutsches Lied am Stillen Meer, Mag' Gott dich uns behüten!


