Zweites Blatt
Nr. 14
160. Jahrgang
Erscheint tSgNch mtt Ausnahme des Sonntag».
General-Anzeiger für Gberheffen
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Dte „Gtetzener FamNienblätter" werden dem ,21n3etfler' otermal wöchentlich beigelegt, das „Krctsblatl für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Dte ..Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Dienstag 18. Januar 1010
K JbA KotattonSdruck und Vertag der vrühllchm w UnwersltätS - Birch, und 6teinDruderei.
<bg R. Lange. Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag! 5L Redaktion:e=® 112. rel.-ADruAnzeigerGießen,
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hessische Landwittfchaftrtammer.
R.B. D - r m ft - d t, 17. 3<nt. ®« Lmft>mrtschastsr°mM-r für txti EroLhcrzogvmr 6ef[en trat wmmttllg zu t^c 7. Hauptverjarn m, l u n g zusammen. Als Lerlreter der Ne-
(jerauögegebene Geiverl'liche Materiallunde; sie soll aus dein Zu- jammemvirfen von Theoretikern und Praktikern erivachsen und >vird dein Industriellen und Handwerker ein unentbehrlicher Ratgeber sür die Qualitätsproduktion sein. Schließlich: die vorn Deutschen Werkbnnd znsaminengestellte Sammlung guter Fabrikbauten, die als Wanderausstellung m beit deutschen Indnstriebezirken in erster Linie zur Anregung der Industriellen gezeigt tuerben soll.
— Eine Gedächtnisfeier für Wilhelm Holz- amer, deren Ertrag für die Sammlnngen zum Besten der Kinder des Dichters bestimmt ist, imrrbc am Samstag nachmittag von Freunden des Verstorbenen in den Kammersvielen veranstaltet. Rach einem Vorspiel von Bach gedachte Julius Hart des allzufrüh verstorbenen, hoffmmgsvoUen Dichters mit liebevollem Eingehen ans das Leben und Streben Wilhelm Holzameis. Dann kamen in Ton und Mort Blutenlesen aus des Dichters Werken zum Vortrag. Um die künstlerisch vollendete Wiedergabe mehrerer Ieiner von Herzensimiigkeit getragenen Lieder machte sich besonders Tilla Durieux verdient.
— Der versiege,.öe Euphrat. Ost wird die F-rage ausgeworfen, auf welche Weise denn eigentlich ganze Städte mt Lau je der Jahrhunderte so völlig in den Erdboden versinken, daß man bei Ausgrabungeit — wie z. B. bei Karthago oder Babylon — erst in einer Diese von 3, 4 oder 5 Metern aus die ersten Spuren stößt. Einigermaßen erklärlich erscheint diese Tatsache bei Städten, die in der Nähe des MeereS oder an einem großen Flusse gelegen waren; hier war die zunehmende Versandung der langsam, aber unerbittlich fortschreitende und schließlich siegende Feinde Ter Fluß oder Strom, der ursprünglich dee^ Anlaß zur StädtL- gründung und der Nährer der gegründeten Stadt und werdenden Kultur war, wurde so auch zu ihrem Verderber und Todbrinaer. Der Euphrat, nächst dem Nil und dem Ganges der „heiligste" Strom der Menschheit von Urzeiten her, hat die ältesten inonsch' lichen Kulturen — Chaldäa war, wie Herodot sagt, ein Geschenk des Euphrat — mt seinen Wassern gel-egt, aber auch untergeben lassen. Mer die Versandung, die den ailcn Städten der Bibel, Babylon, Ninive, Nippur znm Untergange wurde, droht jetzt allmählich and} dem Strome selbst. Die Bandmassen, dm der Euphrat alljährlich in immer gesteigertem Maße ablagert, ersticken ihn al-mählich, und so scheint, wie man der „Jndöpendanee Belge" mitteilt, die Zeit lucht mehr zu fern zu fein, da auS dem Fllitz, an dem die Wiege der Menschheit stand, ein unbedeutender Master lauf geworden sein wird. Die alten Völker, Ehaldaer mw Bablstonier, hatten durch große Regtilicrungsn beiten den Fluß' aus einem verderbenbringenden zu einem segenspendenden gemacht in Erkenntnis der Gefahr, die nach Jahrtausenden eintreten sollte.
9. (037f «> “““i.
Stuttgarts und Cannstatts an Sonntagen. Vorlesungen, in denen unsere besten Prvsadichter zu Wort komnren sollen. Am nächsten Sonntag sollen in Errttgart in sechs Versammlungen das Jugendmärchen Goethes aus Wahrheit und Dichtung, sowie einige der besten lyrischen Gedichte Goethes vorgetragen werden. Als Vorleser haben sicl) Damen und Verven zur Verfügung gestellt.
— Streikder, Kopenhagen er Theaterkritik. Tie Theaterkritiker der dänischen Hauptstadt haben über scimtlick-e Theater in Kopenhagen den Boykott verhängt und beschlossen, _bi5 auf weiteres nickst mehr zu berichten. Sie sahen sich zu diesem Vorgehen veranlaßt, weil einem ihrer Kollegen im Kasino-Theater, Über das er eine abfällige Kritik geschrieben hatte, der Eintritt verweigert wurde. Die Theater-Direktoren waren erst ratlos ob des Ausstandes der Rezensenten; sie beriefen eine Versammlung in der ein besonderer Schlauer erklärte: „Wass die Kritiker, können, können wir auch. Wir gründen eine eigene Theaterzeitung und schreiben uns unsere Kritiken selbst." Dieser Vorschlag fand beifällige Aufnahme, und die Herren Direktoren beschlossen, wie die „Morgenp." berichtet, nach jeder Erstaufführung thr eigenes Blatt erscheinest zu taffen und darin chrc eigenen Aufführungen und ihre eigenen Darsteller zu tritif ieren — Ob dte jwpenhagcner Theaterfreunde jedoch etwas auf diese vauskrttik geben werden, crsäjeiM der „Post" mehr als zweifelhaft.
— Der Deutsche Werkbund versendet den Bericht seiner 2. Jahresversammlung. Vertreter des preußischen und hessischen Handelsininisteiiinns, des österreichischen Arbeil^nunstlc- ruuns, sowie mehrerer Handels- und Handiverkskaunnern haben an den Beratungen tetlgenommen. Beim Durchblättern des aus- aezeichnet gedruckten Heltes wird uns wieder einmal eine Bor- IteUniig von dem großen Arbeitsgebiet des Bundes, dem last alle inhrenden Künstler, viele und die besten der zuständigen Hand- iverker und Firmen, die meisten Sachverständigen angehören, gegen- lvärtig. Aus der Fülle der inleresjanlen Einzelheiten sei hervor- gehoben: die Beleiligimg an der Vorbereitung der Brugelcr Weltausstellung 1910 und der 2. Ton-, Zement- und Kalknidullrie. Ausstellung in Berlin; die Gründung eines Deutschen Aiuseums iür Kunst in Handel und Gewerbe, die, vom Deutschen Weltbund angeregt, in Hagen i. W. durch das Rlnscuul Follwang erwlgt ist; iveuerhin die, mit Unlernütjung dieses Museums und unter Beteiligung des Deutschen Verbandes iür das kauiinauiiisthe UlUet- richlswesen und den Handelslammern veranstalteten Vorträge zur Gesctnnacksbildung des deutschen Kaiismanns, Die mit gutem Eriolg bereits m Berlin, Leipzig, Haste, Atagdeburg, Halberstadt, Braun- schiveig liaitflcfuiiben haben und kommenden Jahres noch roelter ausgebaut werden sollen. Tann: Die vom Deutschen Werkbund
gicnmg wohnte Oberregierungsrat Heinrichs bat Verhand- ■ hingen bet
Lizepräsident Lanbtagsabg. Bähr führte den Vorsitz. Er , begrüßte den Negierungsvertreter und die sehr zahlreich versam- ■ melten Mitglieder. Dann wurden geschäftliche Mitteilungen und 1 die Tagesordnung bekannt gegeben, lieber ihre Gestaltung ent> spann - sich eine umständlickse Besprechung; zum Sckstuß wurde ein Antrag des Abg. Köhler-Langsdorf angenommen, den Haupt- voransckstäg der Landw irtschastskammer erst nach Punkt 3, Nachträgliche KreditqenelMigwng zur JahreSrechmmg für 1908, zu beraten. Vizepräsident Bähr brackste darauf ein Schreiben des GelMmerats Haas zur Verlesung, worin dieser für die lieber» reichung des Ehrengeschenkes der Kammer anläßlich seines 70. Geburtstages seinen Dank ausspricht.
Die darauf vorgetragene Ialsresrechnung für 1908, die im Truck vorliegt, weift eine Gesamteinnahme von 647 250 Mark und eine Gesamtausgabe von 522 307 Ätark auf, so daß Ende 1908 ein Restbetrag von 124 942 Mark verblieb. Einer geringen Kreditübertragung wurde nach unwesentlicher Debatte gleichzeitig mit der Jahresrechnung Genehmigung erteilt.
Heber den Hauptvoranschlag für 1910 fand zunächst eine längere Generaldebatte statt. Der Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe mit 571112 Mark ab. Ter Staats- zusckMß beträgt, wie im Vorjahre, 146 690 Mark, die Umlagen sind auf 290 000 Mark (gegen 280 000 Nöark im Vorjahre) berede nct Für Ausgaben werden angefvrdert: Zu wissenschaftlickat und Lehrzwecken 53 160 Mark, zur Förderung der Tierzucht 160 181 Mark, zur Förderung des Obst- und Weinbaues usw. 33072 Mark, zur Förderung der Landes- und Bodenkultur 32 864 Mark, für Ausstellungsw-eseu 15 000 Mark, für Verwaltungskosten 110357 Mark, für Tagegelder und Reisekosten 20000 Mark, für Peusions- svnds 25 000 Mark und für Gebühren der Finanzämter 15 000 Mark.
In der Beratung bringt zunächst Lcmdtagsabg. Lutz -Elpenrod versckstedene Klagen vor. So hatte er u. a. an den Vorstand der Kammer einen Antrag gerichtet, dost die Schutzvorrichtungen an den Häckselmaschinen als unpraktisch wieder beseitigt mürben. Ter Erstand habe sich jedoch einfach auf eine Verordnung der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgeuossenfchaft gestützt und den Antrag abgelehnt; diese Verordnung sei vom grünen Tisch diktiert worden und nicht dem Interesse der Landwirte entsprechend. Weiter bemängelt der Redner, dast in einer Statistik der Landwirtschafts tammer unrichtige statistische Angaben enthalten gewesen seien. So hieß es, 27,7 Prozent der Bevölkerung gehöre der Landwirtschaft und 68 Prozent der Industrie an; dasselbe Verhältnis fei auch in der Provinz Oberhessen der Fall. Tatsächlich fei aber das Verhältnis ganz anders. In Elpcnvod sollten sich nach der Statistik unter den 453 Einwohnern nur ca. 300 Landwirte im Hauptberuf und 64 im Nebenberuf befinden, während die übrigen 100 Einwokpter gar nicht aufgeführt sind. Es sei aber bekannt, daß die ganze Bevölkerung des Ortes der Landwirtschaft angehöre. Es müsse vom Vorstand auch die größte Sparsamkeit geübt werden und man solle sich darin an den preußischen Einrichtungen ein Muster nehmen. Man solle auch streng darauf achten, daß nicht mehr Beamte zur Anstellung gelangten, als absolut notwendig sei. Herr Weil-Langgöns erklärt sich mit den Klagen über Die Schutzvorrichtung an Häckselmaschinen einverstanden, während Landtagsabg. Breidenbach vor der Beseitigung der Schutzvorrichtungen warnt und Professor G i s e v i u s verschiedene Erläuterungen über die Amoendung von Schutzbestimmungen gab. Herr Walter-Lengfeld wendet sich gegen dte Ausführungen des Herrn Lutz und verteidigt den von diesem angegriffenen Bauberatungsdisnst der LanDwirtfckjastskam- mer. Dieser Bauberatungsdienst habe sich sehr gut bewährt. Auch die Behauptung sei unzutreffend, daß Der Vorstand Beamte anstelle, bevor die nötige Arbeit für sie vorhanden, sei.
Generalsekretär Leith iger ftihrle aus, daß das Vei> haltnis der Einnahmen aus den Gebühren und der Ausgaben beim Bauberatungsdienst anders beurteilt werden müßten. Herr Lutz habe sich sein Urteil nach dem Geschäftsbericht von 1908 gebildet, als Der Bauberatungsdienst errichtet wurde. Im Jahre 1909 seien die Einnahmen bereits auf 4500 Mark gestiegen. Damit sei doch eilt wichtiger Fortschritt erreicht worden. Nlan komme Dabet auch Dem Ziele näher, Daß für den ländlichen Baudienst besondere Fachleute herangezogen würden.
Abg. Köhler führt aus, es würden sich mit der Zeit noch wesenlliche Ueberschüsse aus dem Bauberatungsdienst ergeben. Der Redner erklärte sich weiter für Die Aushebung Der Vorschriften über die Brandmauern (Zustimmung).
E i b a ch - Pfaffen-Schwabenheim führte bittere Beschwerde über die ungenügende Berücksichtigung des rheinhessischen Weinbaus und bedauerte, Daß im neuen Voranschlag für Unterstützung des Weinbaus nur 11000 Mark vorgesehen seien, während im
TLleiiies Feuilleton.
- Ein altgriechisches Gegenstück zu Zchttlerv Taucher. Die Tauchersage, die chtller ut leum: ÄjUaDe wertet hat, ließ sich bisher bis ins 14. Jahrhundert Aruckver- folgen. Jetzt tritt sie uns, wie Alfons Egen tu der für den deutschen Unterricht" ausführt, schon tn einer griechisch > Dichtung des 5. vorchristlichen Jahrhunderts entgegen. Es t ein LiZ des Bakchylides, der aus einem ägyptischen Grabe zu neuem Leben emporstieg, des Schwiegersohnes, des. SiMMiides^ Ein Abschnitt aus der ^ugcndgeschichte des athenischen Königs Theseus wird hier behandelt. Dieser fuhr nach Meta mit den 7 Jünglingen und 7 Jungfrauen, Die als Tribut für bat -Jgno-- taurus bestimmt waren und Die nach einer Faisung der ^age Minos in höchsteigenen Person aus Athen abholte. Auf hoher See wollte Minos den jungen athenstchen Konigssobn wegen seines Eintretens für eines der ihm anvertrauten AtyenermaD- chm, das dem Sohne des Helios allzugut gefiel, ärgern, und bezweifelte dessen Abstammung von dem Mvergotte Poseidon. Er verlangte von Theseus, daß dieser zum Bewege feiner edlim Abstammung den goldenen Ring, den er jetzt vom Anger streife und in das Meer werfe, wieder heraufhole. Und dies Wagnis führt Theseus auch mit Poseidons Hilfe glücklich aus, ja kann mit Hilfe gefälliger Delphine auch noch einen Abstecher m Den Palast des Meeresgottes machen. Tas Gedicht, das voll feiner psychologisckstr Züge ist, schlletzt mit dem lieblichen -panklied Der jungen Athenerinnen, bei dem man wie im Verlauf Der ganzen Erzählung unwillkürlich an Den „Taucher", an die Jubelrufe bei dessen glücklicher Rückkehr denkt. _ , , .
— Die Naturfestspiele im HeidelbergerSchlotz, die für den Frühling dieses Jahres angefünDigt waren, impai nicht ftattfinben. Es wird Darüber aus Heidelberg beruhtet: Von privater Seite war im verflossenen Sommer ein Verem „Landschaftstljeater" ms Leben gerufen worden, der sich die Aufgabe gestellt hatte, ein von dem Sck>auspicler Hottenvoth verfaßtes Trauerspiel „Der 2. Alstrz 1689" während des Sommers 1910 etwa zehnmal im Heidelberger Sckstoßhof aufzufüljren. Dem Untcr- neljmeit wurden von vielen Seiten, vor allem auch von Dem HeiDelbcrger Schbostveiein, gewichtige Bedenken entgcgcngcltellt. Diesen Bedeuten hat sich jetzt auch die Forst-« und Domänendirektion in Karlsruhe angeschlossen und die Gmehmigmig zur Veranstaltung von Theaterauftühiungen im Heideloerjjer SaMßhose versagt.
— Den Kamps gegen Die Schundliteratur hat der Württembergucke Guethoound in einer nachahmenswerten Form ausgenommen. Um den literarischen Geschmack zu vertiefen, veranstaltet er nämlich bei freiem Eintritt in verschiedenen Lokalen
Die deutschen Bergweririnteressen in Marotte.
— Berlin, 17. Jan.
Dem Reichstag ist eine Denkschrift über deutsche Bergwerks- Interessen in Marokko zugegangcn. Die Denkschrift hat Die bekannte Mannesmann-Affäre zum Gegenstand. Der Regierung ist zum Vorwurf gemacht worden, daß sie die Mannesmann'schcn Ansprüche betreff Der Bcrgwerksrechte nicht genügend gewahrt hätte. Tie Denkschrift stellt die Sachlage und ihre gesamte Vorgeschichte llar und kommt zu dem Schlüsse, daß cs mit den Tatsachen in Widerspruch steht, wenn die Herren Mannesmann von wohlerworbenen mit Unterstützung der Regierung erlangten Bergwerksrechten und der Verleihung von Minenkonzcssionen spreckjen. Falsch fei auch Die Behauptung, das Prioritätsrecht der Mannes- mannscyen Verleihungsanträge sei von Der marokkanischen Regierung anerkannt worden. Die Denkschrift sucht weiter den Nachweis zu führen, daß die deutsche Regierung Den Wünschen unD Bestrebungen Der Gebrüder Mannesmann bei der Ausarbeitung von Berggesetzentwürfen nachgekommen sei. Maßgebend fei jetzt allein das Berggesetz vom 20. August 1908, das auf deutsche Initiative hin vom diplomatischen Korps angenommen wurde, als Gefahr vorlag, daß Der Sultan ein für Frankreich günstigeres Berggesetz erlassen wollte. Dieses französische Gesetz hatte alle deulsckjen Ansprüche ausgeschaltet. Nach Dem Zustandekommen des günstigeren Gesetzes hat Deutschland nunmehr Die Pflicht, die Abmachungen auch zu halten. Tie Denkschrift geht des weiteren auf die Frage der Berechtigung Der Mannesmann'schen Forderungen ein und sucht zu beweisen, daß viele Behauptungen Der Herren unhaltbar find und Die Herren, die Bestrebungen der deutschen Regierung, sie zu ihrem Rechte zu verhelfen, oft er- sckpvert hätten. Auch bei den Pariser Verhandlungen übet ein Berggesetz seien von der deutschen Negierung die deutschen An- sorüche gewahrt worden. Es sei abgemacht worden, daß denjenigen Interessenten, die in Marokko auf bergbaulichem Gebiete bereits tätig gewesen sind, entsprechend ihrer Betätigung ein Priollegium zur Erwerbung von Berggerechtsamen gewährt werden soll, wobei zwischen verschiedenen Bewerbern um dasselbe Gebiet die Priorität entscheidet. Tie Prüfung der Tatsachen und des Umfangs der bergbaulichen Tätigkeit der einzelnen Interessenten und Die Festsetzung des ihnen aus BilligkeitSgründen ?u gewährenden Privilegs soll durch eine schiedsgerichlliche Instanz erfolgen, die auch über Die Priorität der Handlungen verschiedener Bewerber um ein gleiches Gebiet entscheiden soll. Erbringt Mannesmann also den Nachweis bergbaulicher Tätigkeit, so muß ihm Gelegenheit zur Erwerbung von Bergrechten gegeben werden, ehe andere Interessen sich um solche Rechte bewerben können. Die Regierung hat also alles getan, was sie im Interesse des deutschen Anspruches tun konnte, es ist nicht zu verstehen, weshalb man das Schiedsgericht nicht anerkennen will, daß den Herten Mannesmann wolle .Gerechtigkeit widerfahren lassen wird.
Tie Denkschrift schließt: „Tie deutsche Regierung ist |id) der Bedeutung wohl bewußt, die eine Beteiligung deutscher Unternehmer cm bet Ausbeutung der Mineralschätze Marokkos für Deutschland, feine Industrie und Schiffahrt haben würde. Demgemäß hat sie sich nach Kräften bemüht, eine solche Beteiligung ni einem erheblichen Umfang zu ermöglichen. Hierbei hat sie sich innerhalb Der Grenzen gehalten, die ihr Du Achtung Der Verträge und eine ehrliche Politik vorschreiben."
Wir vermuten, daß diese Denkschrift der Regierung,, d. ,h. dem Auswärtigen Amte neue und, zwar berechtigte Angriffe em- tragen wird. Ter Nachweis, daß Die Mannesmann schen Ansprüche rechtlich unanfechtbar ist, ist zu oft geführt worden.
Berlin, 17. Jan. Die „Norddeut, che Allgemeine Zeitung" schreibt: Tie „Berliner Morgenpost" gibt ein angeblich in Paris verbreitetes Gerücht wieder, nach welchem der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Fryr. v. ^sch o n bei Gelegenheit seiner Besprechung mit dem franzostichen Botfchcnllr Cambon über die Frage der Mannesmannfchen Angelegenheit gesagt haben soll: fassen Sie sich durch diese Ptes,e-AtttkLl nicht irreführen; die Regierung will damit nichts gemein haben. Wenn die Reichsregierung ernsthaft gewillt ist, etwas zu tun, folgen uns die Reichstagsabgeordneten wie die jungen Hunde In Der Reihe der gegen den Staatssekretär des Auswärtig en Amtes Sichteten Treibereien ist die,er Angriff besonders plump Wir
> ermächtigt, die dem Staatssekretär in Den Mmnd gelegten rte als böswillige ErfinDung zu kennzeichnen.
Vorjahr 20000 Mark dafür bewilligt wurden. „Wenn das so weiter gehe, dann werde die Provinz Rheinhessen überhaupt nicht mehr in Der Landwirtschastskammer Mitarbeiten können. Man werde dann Daran denken müssen, einen Antrag auf Revis ioni des Landwirtschastskammergesetzes einzubringen
Vizepräsident Bähr wies darauf Hin, daß Dte Bekämpfung der Rebschädlinge Sache Der Regierung sei und diese Die hierfür notwendigen 9000 Mark zur Verfügung stellen müßte.
Herr Schätzet bedauerte ebenfalls die geringe Dotierung Ür den rheinhessischen Weinbau und wies auf den Antrag Kohler- Bähr hin, der den Zweck habe, Die zur Bekämpfung Der Red- chädlinge erforderlichen Kosten aus Staatsmitteln zu bestreiten Ls handle sich hier um eine einmalige Unterstützung, wahrend eine dauernde verlangt werde. Er ersuche den Regierungsoer- treter, sich über Den Antrag Köhler-Bähr zu äußern. Oder- regierungsrat H e inrichs entgegnet, die Regierung könne zu diesem Antrag keine zustimmende Stellung einnehmen, weil über die Verwendung des Geldes nichts näheres bestimmt fei: auch ei die gegenwärtige Finanzlage nicht für die Bewilligung dieser Forderung geeignet. Er fei nicht der Ansicht, daß Die Bekämpfung der Rebsckstidlinge ausschließlich Sache Der Regierung |et ^n Der weiteren Debatte traten noch mehrere rheinhesfische Redner für den höheren Zuschuß ein. — Tie Beratungen werden morgen fortgesetzt. __________ ________________________
Aus Stadt und Land.
Gießen, 18. Januar 1910.
** Gießener Konzertverein. Man schreibt, uns: Zusammen mit Susan S. Metcalfe, der ausgezeichneten Sängerin, wird sich Fräulein Elisabeth Dokemeher unfern' Musikfreunden vorstellen. Sie ist eine iLchülerrn des bekannten Klavierpädagogen Martin Krause. Anmut, G-tft- Talent und Mut haben in der noch so jugendlichen Künfd- lerin einen schönen Bund geschlossen, — so schreibt Dte Berliner Kritik.
” Mareell Salzer, der auch bei uns bestens bekannte Vortragsmeisler aus Berlin, wird am Äontag Dem 24. Jan. einen einzigen „Lustigen Aben d" im Klub-Laale mit neuem Programm vercmstalien. lieber Maicell Salzer, Der als unser beiter deutscher Vorliagskünstler auf humoristischem Gebiete gilt, urteilen hervorragende Zeitungen: «Marcell Salzer ist auf hnmorlstischem (tiebiete wohl der beste lebende Rezitator." ,11. S. ist unbestrittener 'Reister auf Dem Gebiete humoristischer Vortragskunst." ,'bl. S. ist der weitaus beste hunioristische Rezitator Der Gegenwart. . ,M. S. ist ein Humorist von Gottes Gnaden/
** Forts chr. p olit. Bildungsverein. Mau schreibt uns: Von verschiedenen 'Seiten ist der Wunsch ausgesprochen Morden, die öffentliche Versammlung, in der Pfarrer Liz. Traub-Dortmund über „Reaktionäre und fortschrittliche Staatsauffassung" sprechen wird, von Sams-, tag, 22., auf einen anderen Wochentag zu verlegen. DaS ist unmöglich. Wir hoffen, daß Studenten und nichtakademische Jagend wegen einer solchen Gelegenheit auch einmal aus die Samstaglneipe verzichten. Namentlich die Jugend: Bürgersöhne, junge Arbeiter und Studenten möchten wir noch einmal dringend auf die Versammlung aufmerksam machen. In der von jeher fortschrittlich gesinnten Stadt Gießen sollten die genannten Kreise in einer politisch so bedeutsamen Zeit besonders lebhaftes Interesse zeigen. In der Versammlung des F. P. B. haben gerade d i c Leute, die von der alltäglichen gegenseitigen Be^hdung der Parteien nichts wissen wollen, Gelegenheit, die wichtigjren politischen Fragen unter höheren Gesichtspunkten deyandelt z-u Horen, und selbst erfahrene Politiker können von einem Manne wie Traub etwas lernen, der das Ethische in Der Politik so gut zu betonen weiß.
R. Londorf, 16. Jan. Der Eisenbahnverein Londorf und Umgegend feierte heute int Gasthofe „Zur Stadt Gießen" den Geburtstag des Kaisers. Es war nachmittags Konzert geplant und abends Ball. Zur Abwechslung wurden einige schöne Väterlandslieder gesungen. Um 8 Uhr hielt der zweite Vorsitzende die Festrede, sie schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, in das die Versammlung begeistert einstimmte. Die Feier wird den Eisenbahnern, . die das ganze Jahr nicht oft zu fröhlicher Stunde zu- : fammen kommen, noch recht »lange in guter Erinnerung ! bleiben. *
R. Odenhaus en i. d. Rabenau, 15. Jan. Am Sains-
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n rchäler, der m an die Unier-eehinög i Cbenealidiule bt wird volle Pcuiw: liebsten in der VciitrS. Lttenm licZeausilchrigunnd.': irbeuen erioröerlid: ingeb. ul cis u. 03fc äöiid.Aieii.AnLert!.^ nigra Leute ouneustraße, rruadtudiimlollbi iu gehört und v •a, werden aeücitn, ic in Der wcjchiM (jicgtiicc äiucigfi


