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14.7.1910 Erstes Blatt
 
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geholfen, indem sie die zum Bahnhof führende Straß in einen ordnungsmäßigen Zu stand verätzen läßt.

( ) Marburg, 13. Juli. Die Stadtverordneten be­schlossen eine neue Kanalisationsgebühr en-Ordq nung, nach der auch die Mieter direkt zu diesen Kosten herangezogen werden und zwar bei Wohnungen mit zwei Prozent und bei Geschäftsräumen und öffentlichen Ge­bäuden mit 1 Prozent vom Miet- oder Nutzungswert. Die Steuer beginnt bei einer Jahresmiete von 175 Mk.

Airs Stadt Land.

Gießen, 14. Juli 1910.

* Tageskalender für Donnerstag, 14. Juli: Vortra < von Stadto. Krn rn m über den prin^iv'ellen Teil des sozioldemo Lratischen Prsgrmmns. Abends 8'/, Uhr tm G.af6 Ebel.

; X. Geilshausen, 13. Juli. Ein Unfall, der den Tod eines Mannes iin kräftigen ManneSalter im Gefolge ' hatte, trug sich hier zu. Ein hiesiger Landwirt im Alter oon 48 Jahren hatte mit seinen zwei Pferden einen Wagen ooll Mist gefahren. Auf der Rückfahrt vom Felde fiel plötz­lich das eine Rad von dec Achse. Dadurch scheuten die sonst lammfrommen Pferde und gingen durch. Auf dec Flucht trennte sich der Hinterwagen vom vorderen Teil.' Mit diesem rasten die Pferde weiter. Der Landwird geriet hierbei zwischen eine Runge und ein Rad. Der Kopf wurde ihm umgedceht und der Schädel zerdrückt. In einem Weizenacker blieben die Pferde stehen.

Ij. Friedberg, 14. Juli. Unser neu erbautes Krankenhaus ist setzt vollendet und wird weit über hundert Kranke aufnehmen können. Einige Zimmer sind schon belegt, das ältere Gebäude ist besetzt. Zurzeit erhält das Gebäude ailch äußerlich ein neues Kleid. Rach der Rückkehr des Bürgermeisters Stahl, der einen wesentlichen Anteil an der Errichtung wie an dem Bauentwurf hatte, wird das Spital eingeweiht werden. Schön stellt sich der Eingang mit der Pförtnerwohnung von der Kaiserstraße aus dar. Äußer dem Anstaltsarzte wird noch ein junger Arzt in der Anstalt tätig sein.

-m. Friedberg, 13. Juli. Drei seltene Geburts­tage werden in biefent Jahre hier gefeiert, die der Herren Rentner Justus!Mechcrrd, Kaiserstraße 70II, geb. am' 11. Aug 1820, Rentner Christoph Ritzel, Kaiserstraße 591. geb. am W 1820,'unb Privatier Franz Klein, Burg 20, geb. am 25. Dez. 1820. Herr Wiechard ist geborner Kasseler, er war früher Kaufmann unb lebt schon lange Jahre hier. Herr Rchel ist geborner Friedberger, er war früher Schmied, fpater Fleischbeschauer, und heute ist noch eine Zeitung aus bem Jahre 1820 vorhanden, in beren Geburtsauszug aus den Kirchenbüchern Friedbergs auch die Geburtsanzeige des heutigen Neunzigers ersichtlich ist. Klein ist geborner Ockstadter und war früher Schreinermeister. Alle drei sind den Umständen nach ziemlich rüstig. Also drei Neunziger, abgesehen von den vielen Achtzigern, welche noch hier wohnen. Gewiß ein guter Beweis von den günstigen Ge­sundheitsverhältnissen der hiesigen Stadt.

* * Durchgebranut. Dec Bäckergeselle Lange aus Kalk hatte vor einigen Tagen Arbeit hier angenommen, ver­schwand aber gestern plötzlich von der Arbeitsstelle. Es stellte sich heraus, daß er feinem Nebengesellen den Koffer erbrochen und 45 Mk. Bargeld sowie sonstige Wertgegen­stände und Kleider hatte nütgehen heißen. Lange wird auch noch von anderen Behörden wegen Diebstahls verfolgt.

Fahrradmarder. In der Liebigstcaße wurde einem Bauhandwecker ein Mars-Fahrrad gestohlen, während er sich in einer Wirtschaft befand und das Rad auf der Straße stehen hatte.

* * Die Linde blüht, lieblich süßer Duft strömt jetzt aus zahllosen Blüten der prächtig gerundeten Baumkrone uns entgegen. Schon feit altersgrauer Zeit war die Linde ein beliebter undwichtiger" Baum. Wie man die Eiche preift, als die Verkörperung der deutschen Kraft und fester, unbeug­samer Sinnesart, so ist die Linde ein Bild deutscher Gemüts- -tiefe und Innigkeit. Die Germanen versammelten sich unter der Gecichtslinde, um des Spruch des Rechts entgegen­zunehmen. Dagegen fand sich in trauter Dämmerstunde unter der Dorflinde, die meist auf einem freien Platze stand, die Jugend zusammen, um sich beim Klange der Fiedel im lustigen Tanze zu drehen. Unter der Linde vor des Hauses Tür saß auch nach des Tages Mühe dec Greis, um feinem Enkelsohne von längst vergangenen Zeiten Kunde zu geben. Des Hauses Trauer- und Freudentage schnitt man in die Rinde des Lindenbaumes, damit ec sie an kommende Geschlechter über­liefere. Und wie die Linde eng verwachsen war mit dem Staats-, Gemeinde- und Familienleben unserer Vorfahren, so wurzelt das Zugehörigkeitsgefühl zu ihr noch heute im Herzen unseres Volkes, das ihr ein wohl unverwüstliches Denkmal gesetzt hat in dem herrlichen, immer aufs neue vielgesungenen Liede:Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindeu- baurn."

Hinterlassene Aufzeichnungen.

Zirla fünf Meter von dec Unglücksstelle entfernt wurde ern Blatt aus bem Notizbuch einer ber Getöteten mit folgenden Aufzeichnungen aufgefunben: Abfahrt 9 Uhr 4 Mrn. Steigend 9 Uhr 9 Min. D i ch t e r N e b e l. Norb- w c n b. Ohne jebe Sicht ber Erbe. Sonne kommt durch. Dichter Nebel unter uns. Tas .Höhensteuer abwärts. 280 ^e^er-, 0 Uhr 11 Min. . . . Tie Mutter des getöteten Ingenieurs Hopp, der dieses Blatt gezeigt wurde, hat die Handschrift als die ihres Sohnes erkannt. Auf der Rück­seite befindet sich eine Zeichnung des Luftschiffes.

Nach den Aufzeichnungen, die sich an den völlig intakten Apparaten des verunglückten LuftschiffesErbslöh" ablesen toffen, rst festgerstellt, daß das Luftschiff in einer Höhe von 200 Meter eine Strecke lang gefahren ist und dann, als es von der Sonne erwärmt wurde, bald eine Höhe von 750 Meter erreichte, dann aber wieder auf 280 Meter nieder­gesunken war und in dieser Höhe von der Katastrophe be­troffen worden ist. Einer ber Apparate weist eine Luftdruck- brfferenz von 755 Millimeter auf.

Vermutungen über die Ursachen.

Nach weiteren Melbnngen ans Leichlingen wird von Zeugen erklärt, daß augenscheinlich die Gondel zu sehr belastet war, so daß sie einknickte. Von anderer Seite wird erklärt, daß em großer Riß in der Ballonhülle entstand, wodurch der Ballon jäh aus ziemlicher Höhe auf die Erde hinabfchoß.

Die Konstruktion des verunglückten Ballons.

Das LuftschiffErbslöh" ist nach unstarrem System gebaut und hat eine Länge von 53,2 Meter, einen Durch­messer von 10 Meter unb einen Inhalt von 2900 Kbm. Am Hinteren Ende ber Hülle finb zwei Stabilisierungsflächen unb eine Kielflache mit Steuer angebracht. Tiefe bestehen aus Stahlröhren, welche mit Stoffen bespannt finb. Der Propeller hat im Durchmesser 4,5 Meter unb besteht aus Mahagoniholz. Von befonberem Interesse ist bie Gondel Sre hat eine langgestreckte, an beiden Enden spitz zulaufende Form, ähnlich wie das LuftschiffRepublique", das im vorigen Jahre an einer ähnlichen Tragödie zugrunde ging Die Gondel hat eine Länge von 27,3 Meter unb hängt an Drahtseilen. Die Gondel, die eine ganz besondere Art der Aufhängung hatte, ist aus Eschenholz gefertigt und in 21 Felder eingeteilt. Sie läßt sich sehr leicht zerlegen, da die Maschinen sehr günstig angebracht sind. Durch ihre Form ist die Last auf das ganze Luftschiff verteilt worden. Die Höhensteuerung ist durch Pumpen verursacht worden. In der Nähe des Führerstandes befindet sich eine Rotations- wmpe, durch die zwei Wasserbehälter bedient werden, welche ich an den äußeren Gondelenden befinden. Soll das Luft- chiff steigen, dann wird der vordere Wasserbehälter gefüllt wenn es fallen soll, da wird der hintere Behälter gefüllt.' Das Luftschiff wird durch einen Benz-Motor von 110 PS an- getrieben und hat eine Gefchindigkeit von 13 Metersekunden Im allgemeinen ist als Metall jur diejenigen Teile, die metallisch ausgestattet werden müssen, Aluminium verwendet worden. Als Sicherheit gegen Abstürze sollte ein Ballonett dienen, das 450 Kubikmeter Gas enthält und durch seine gestreckte Form mit linsensörmigem Querschnitt dem Ballon eine bedeutende Starrheit verleihen sollte. Dieses Ballonett ollte selbst bei größtem Gasverlust seine Wirkung tun Trotzdem ist das Unglück nicht aufgehalten worden, da die Luftschiffe und ihre Sicherheit weniger von dem Geschick der Erfinder als von der Gediegenheit des Materials ab- hängen.

** Für den Neubau von Kreis straß en in Ober­hessen leistet ber Staat in diesem Jahre 30 078.01 Mk. unb die Provinz 22446.39 Mk. Zuschuß. In Betracht kommen dabei folgende Kreise unb Straßen: Alsfeld: Ruhlkirchen Bernsburg, 2. Nate 6609 Mk., Büdingen: Ortenberq Eckartsborn 2. Rate 5020 Mk.,Brücke bei Höfen 3925 Mk., Friedberg: Groß-KarbenHeldenbergen mit Abzweig nach Kccichen 6. Rate 7510.37 Mk., Bad-NauheimFriedberg 1. Rate 3468.75 Mk., Gießen: GießenSteinbach 4 Rate 7866.65 Mk., Gießen-Wißmar 1. Rate 2750 Mk., Lauter­bach: FraurombachPfordt 3. Rate 6875 Mk., Schotten: RitzebügelPetersheiner HofWohnfeld 2. Rate 4187.68 Mark, RudingshainPoppelnstruth 2. Rate 5220 40 Mk.

Die politischen Vorträge, die gegenwärtig auf Veranlassung einiger Angehörigen der freien Studenten­schaft hier gehalten werden, haben zur Bestrafung einiger Studierenden durch das Rektorat gefi'chrt. Die Anregung zu den Vorträgen ging von der sozialpoliti­schen Llbteilung der freien Studentenschaft aus, die damit den Studierenden Gelegenheit geben wollte, sich über die Programme der einzelnen Parteien selbst zu unterrichten. Demgemäß sollten Vertreter aller Parteien nach unb nach sprechen. Das Rektorat untersagte auf Grunb ber Bestim­mungen ber Universität ber freien Stubentenschäft bie Ver­anstaltung ber Vorträge, da sie öffentlich unb mit an» schließenber Diskussion stattfinben sollten, worauf brei Stu­dierende unter ihrer Unterschrift zu bem ersten Vortrag einluden. In ihm sprach am Montag abend Liz. Mumm, einer der Führer der christlich-sozialen Partei. Für die Einberufer der Versammlung hatte diese Versammlung bie unangenehme Folge, baß sie vom Rektorat auf Grund ber Bestimmungen ber Universität bestraft wurden. Einer wurde auf zwei Semester relegiert, ber zweite erhielt eine Ver­warnung mit ber Androhung der Relegation und ber dritte einen Verweis. Die 'Ankündigung zu dem heutigen zweiten Vortrag ist nur noch von einem der seitherigen Unter­zeichner unterschrieben, während als zweiter Einberufer ein schon im Erwerbsleben stehender Herr unterschrieben hat, der nebenbei auch noch an der Universität immatrikuliert ist.

** 2 5 j ä l) r t g e § Jubiläum. Dec JnstitutSdiener Jakob Schniittgall feiert am Freitag, 15. Juli, das Fest seiner 25jährigen Tätigkeit an der hiesigen Veterinärklinik. Der Jubilar hat seinen Dienst stets treu und gewissenhaft versehen unb erfreut sich allgemeiner Achtung.

** Der Evang. Arbeiterverein veranstaltet am Sonntag auf derLiebigshöhe" ein Gartenfest. Außer Konzert, GesangSvorträgen, Damenreigen, Kinderspielen re. sind Ueberraschungen in Aussicht genommen, u. a. soll den Festteilnehmern der Besuch eines zoologischen Gartens auf dem Festplatze ermöglicht werden.

d. Mainz, 13. Juli. In ber heutigen Sitzung der 'Stabtberoroneten wurden für die W a ss e r b es ch äd i q t e n im Ahrtal 3000 Mk. bewilligt. Dabei wurde vorn Stadtv. Schäfer angeregt, der Staat möge die Brand Vers ich e- rungskas,e derart ausbauen, daß aus ihr Entschädigungen für alle elementaren Ereignisse gezahlt werden könnten. Stadtv. Adelung (Soz.) protestterte dagegen, daß die Polizeiorgane dazu verwendet würden, politische Ge- u n 9 der Inhaber von Wirtschaften und anderer Ge­schäfte zu erkunden, um dann über diese den Militärboykott zu verhangen. Danrit würden die Leute schwer in ihrer wirtschaftlichen Existenz geschädigt. Er glaube, daß die Polizei von dieser unanständigen Mission nicht besonders erbaut sei. Der Oberbürgermeister rief den Redner wegen des Wortes unanftänbig zur Ordnung. $ic Bürger­meisterei habe mit ber Sache gar nichts zu tun, bas Polizei- amt bekomme diesen Auftrag direkt von dem Territorial- tommiifar, das Kreisamt sei die vorgesetzte Behörde her Polizei. Für Erweiterungsbauten des Holztorschulhauses wurden 40 000 Mk. bewilligt. Der Üeberzug des Amtsgerichts aus dem alten in das neue Justiz- ge bände wurde gestern nachmittag nach dreitägiger Ar­beit beendet. Wie groß die Mtenansammlung in Zivil- unb Strafsachen ist, geht daraus hervor, daß für die Fortschaf- fung 43 Möbelwagen nötig waren. Bei dem Hypotheken­amt sind Akten darunter, die über 100 Jahre alt sind. Am Freitag beginnt der Umzug des Landgerichts und ber Staatsanwaltschaft.

rm. Mainz, 13. Juli. Die hiesige Weiber- S t rasa u statt wird am 16. ds. M. aufgelöst. In dem Pcovinzialarresthaus werden nunmehr untergebcacht: Die zu Gefängnis über 1 Monat verurteilten Frauen und Mädchen über 18 Jahre und die jugendlichen weiblichen Sträflinge, die 511 Hast oder Gefängnis von mehr als 14 Tagen ver­urteilt sind. Die Zuchthausstrafe ist in Marienschloß zu verbüßen.

Vie Zerstörung des Ballons Erbslöh.

Ueber das furchtbare Unglück, das gestern vor­mittag den LenkballonErbslöh" der Rhein.-Westf. Motorluftschiffahrts-Gefellschaft betroffen hat und das, wie wir gestern meldeten, fünf Menschenleben vernichtete, liegen heute folgende näheren Nachrichten vor:

Leichlingen, 13. Juli. Tas LuftschiffErbs- l ö h" war vormittags 9 Uhr bei Leichlingen zu einer Fern­fahrt aufgestiegen und in nördlicher Richtung geflogen. Um OV2 Uhr befand sich das Luftschiff bei Neukamp, als Land­bewohner bemerkten, daß das Fahrzeug plötzlich zerriß und aus das Feld abstürzte. Sie eilten herbei und fanden sämtliche fünf Insassen als Leichen vor. Das Luftschiff ist vollltandig zerstörtz Die Unglücksstelle ist dicht an einem Wege der von Leichlingen nach Pattscheid führt, und zwar liegt das Luftschiff an einer Stelle am Wege, die mit Klee bestanden ist. Der Ballon ist so niedergegangen, daß die Spitze zuerst den Erdboden berührte, und der Motor, der fich vorn im Schiff befand, tief in die Erde gedrückt wurde. Die Stelle bildet einen undurchdringlichen Trüm­merhaufen, aus dem einzelne Fetzen ber Ballonhülle herausragen; ber Motor ist noch erkennbar. Die fünf -eichen weisen berartige Verletzungen auf, baß ber Tod enb 1 icf) ein getreten fein muß. Alle haben jchwere Schäbelbrüche erlitten, Erbslöh auch einen Unter­schenkel- unb einen Oberschenkelbruch. Sämtliche Teilnehmer an ber Fahrt waren unverheiratet mit Ausnahme je§ Ingenieurs Tölle. Die Melbung, daß der Ballon verbrannt lei, ist unzutreffend. Es hat feine Explosion stattgefunden; auch keinerlei Brandspuren sind an der Ballonhülle zu be- ? Aeber die Ursache der Katastrophe ist sich die Luftschiffahrtgesellschaft noch nicht klar, und es dürfte wohl auch kaum jemals Gewißheit zu verschaffen fein Die tarnen ber Insassen, bie bet ber Katastrophe bett Tob qe- funben haben, finb: E r b s l ö h - Elberselb, Fabrikant Tolle-Barmen, Ingenieur Kranz-Hagen, Ingenieur H 0 e pp-Elberfeld unb der Monteur SPicks.

erklärte, er werde nur bann bas Kind taufen, toenn ber B<tter des Kindes selbst bei ihm vocsp-rechen würde und ihm den Auftrag zur Taufe erteile. Ms die Hebamme zum zwetten Male unverrichteter Weise zurückkam, sandte ber Lehrer einen in höflicher Form gehaltenen Brief mit ber Ditte, die Taufe zu vollziehen, jedoch war auch dieser Schritt vergebens. Nun begab sich ber Lehrer zum Dekan, um bort seine Beschwerde vorzutragen. Das Dekanat machte nun ben Pfarrer auf die Erfüllung seiner Pflicht in schrift­licher Form aufmerksam, aber auch bas versagte. Hierauf wandte sich der Lehrer beschwerdeführend an bas Ober- Konsistorium, doch weiß man noch nicht, ob mit ober ohne Erfolg. Das .Kinb will ber Lehrer event. bemnächst wäh- renb seines Ferienaufenthaltes in der Heimat seiner Frau taufen lassen. In ber Gemeinde wie in der Umgebung des bett. Ortes ist man sehr entrüstet über diesen Vor­gang, zumal Taufpaten von Frankfurt, Laubach und Fried­berg erschienen waren und unverrichteter Weise wieder ab­ziehen mußten.

** In Am erika verstorbene H essen. August K l e i n h e n n, 85 Jähre alt, aus Biedenkopf, in Washington; er war der erste deutsche Schlosser, der 1855 nach Washington lam. Gust. Preußer, 81 Jahre alt, in Mlwaukee, Jak. Knecht, 89 Jahre alt, aus Lampertheim, rn Ehilicothe, Aua. Hollenbach, 67 Jahre alt, aus Gau-Mgesheim, in Louisville.

X TceiS a. b. Lba., 13. Juli. Die Großh. Focst- behörde beabsichtigte schon seit langem, um einem bestehenden Mangel abzuhelfen, dahier eine zweite Försterwohnung zu erbauen, doch wurde die Ausführung dieses Planes wegen den hiesigen Waldvcchältnissen von Jahr zu Jahr hinaus­geschoben. Nachdem nun durch die vor zwei Jahren er- olgte Ablösung der auf dem sog. Mitgebrauchswald ruhen­den Berechtigungen und durch die damit verbundene Teilung des Waldbesitzes zwischen Staat und Gemeinde geregelte Ver­hältnisse eingetreten sind, ist jetzt der beabsichtigte "Bau auf einem dem Bahnhof gegenüber liegenden Grundstück in 9(n- griff genommen. Auch unsere Gemeinde hat endlich einem schon seit Jahren vorhandenen dringenden Bedürfnis ab-

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... Pari s , 13. Juli. Tie des (Giftmordes an dem Tenor Godara angektagte ehemalige Verkäuferin M a r i e B 0 u r r e t t e wurde heute von den Geschworenen zu lebenslängllchem Zuchthaus verurtellt, sowie zu 100 000 Francs Schadenersatz an die Mutter des Ermordeten.

London, 13. Jnli. Ei» Schwindler, der sich den Namen Varon von W e st e r n h a g e n beilegte und verschiedene H e i r a t s- ch luin deleien ausführte, denen auch mehrere deutsche Mädchen zum Opi er fielen, wurde gestern von den Geschworenen in Bork jur schuldig befunden und von dem Richter zu einer Zuchthaus- träfe von sieben Jahren verurteilt.

Lechrerperfonalien. Uebertragen wurde ber Schulanttsaspirantin Lina SeiP aus Michelstabt eine Hehrerinstelle an ber Volksschule zu Gießen.

** Bestätigter Beigeordneter. Der Großherzog hat die Wahl des MühlenbesitzerS und Landwirts Gg. Falk zu Friedberg zum dritten unbesoldeten Beigeordneten der Kreisstadt Friedberg bestätigt.

"Die Prüfung im Hufbeschlag haben bestanden und sind sonach berechtigt, den Hufbeschlag selbständig auS- zmiben: Karl Hölscher aus Grebenau, Herrn. Hu blitz auS Friedberg, Christian Karpf auS Einartshausen, Phil. Liebert auS Langenhain, Karl Pfaff aus Watzenborn, Emil Spahn aus Eckartsborn.

** Bei ber lanb- unb forstwirtsch. Berufs- ge-nossenschaft für bas Großh. Hessen in Darrnstabt sind im 2. Vierteljahr des laufenben Jahres 788 Unfall­anzeigen eingegangen. In 468 Fällen wurde erstmalig eine Entscheibung festaesetzt, barunter in 11 Fällen bas ge­setzliche Sterbegelb ober eine Angehörigenrente gewährt, weil bie Verletzung ben Tob zur Folge gehabt hatte. Von dem Recht ber Uebernabme einer Krankenhausbehanblung würbe in 85 Fällen Gebrauch gemacht unb biese Unfall­verletzten einem Krankenhause ober einer für bie Nach- behanblung eingerichteten Privatanstalt überwiesen. Die der Berufsgeiivssenschaft angeglieberte Haftpflichtver­sicherung hat sich weiter günsttg entwickelt.

** Eine Taufe mit Hinbernissen machte, wie uns aus bem Kreis Alsfeld geschrieben wird, ber Familie des Lehrers einer Landgemeinde viele Mühe. Der Lehrer sandte die Hebamme mit bem amtlichen Geburts­schein in die Wohnung des Pfarrers. Jedoch der Warrer

Rodheim v. b. H., 13. Juli. Auf eine männliche Leiche,^ die schon stark in Verwesung übergegangen war stießen Spaziergänger am Sonntag im Rod heim er Wald auf dem Weg nach Köpern. Ob Mord ober Unglücksfall vorliegt, konnte noch nicht ermittelt werben

Spovt.

süddeutscher Rudervcrband. Die am Sonntag rnz abgehal ene 1 4. Regatta, an welcher 9 Vereine, mit Einschluß des als Gast gestarteten FlörSi-cimer R.-V., teil- lahmen, hatte sich eines auten Besuchs zu erfreuen. Drc Wit-