Ausgabe 
12.11.1910 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ÜahreSpacht.

Lustjchlffahrt.

Paris, 11. Nov. Dem /,9Zciut)orf Hcrald" wird aus Bal­timore gemeldet, daß die Flieger Latham uiib Drexel von ihren Fluamaschincn je sechs Scheinbomben aus das K r i e a s s ch i ss ^,D c l a w a r c" g e s ch l c u d e r t und dab etliche Gesclwssc daS Ziel gctrosfcn Hütten. Latham habe außerdem von feinem Fluaschiss auö auf auf dem Boden befindliche Scheiben Heben Revolverfchüsse abgegeben, von denen zwei getroffen hätten.

<ßcrid)<*jaaL

Trie r, 11. Nov. In der heutigen Verhandlung des BreuerprozcsseS kam es wieder zu D i s s e r e n z e n zwischen der Verteidigung einerfeitö und dem Staatsanwalt andererseits wegen der von der Verteidigung gestellten Anträge, die als Verschleppuugsversuche bezeichnet wurden. Breuer behaupten der Renusal-rcr Peters l>abe Mattonet erpreßt und ihn so zum Selbstmord getrieben. Die (tkfcfyvotcnrn erklärten durch ihren Obmann einstimmig, die Sache sei genügend geklärt und sie müßten weitere Anträge als Verichlcppimgsversud^ betrachten. Als der Vorsitzende erklärte, der Protest solle noch heute zu Emde geführt werden, verzichtete die Verteidigung auf weitere Anträge, hielt aber die alten aufrecht. Tie an die Gesä-worenen gestellten L>chuldfragen lauten auf Mord bezw. Totschlag. Die Verteidigung beantragte noch die Frage hinzuzusctzen, ob Erpressung dorliege. lieber diesen Antrag berät das Gericht zurzeit noch.

iartelS erhielt die Wunde, jeii wollte. Er fehle , w Einfriedigung, wobei er

sich die Hande verletzte. Trotzdem lies B. noch in der Nacht mit Huser zu Fust nach Frankfurt, während der Eifer mit dem Zug morgen- um 4 Uhr nach Frankfurt fuhr. Eifer, der hier in Stellung war. gab sich bei seinen Genossen alü den verstostenen Sohil Vreidenbacl>ö aus und versicherte, e- wären 4 f>000 Mark mit Leichtigkeit zu holen. Der Plan wurde in Frankfurt auögcheckt, und die drei begaben fick mit dnn Nachttug nach Friedberg. Eifer gab den beiden anderen den Rat, durch das Kellerloch einzusteigen, während er selbst Schmiere stand. Da aber die Ketteifenster durch eiserne Stäbe geschützt waren, zerschlugen sie die ,Scl-eibe tchicö Fensters, worauf ihnen der Eingang vifen

Fund, woraus man auf bau Friedhöfe weitere Nachfor­schungen anstellte. Hierbei sand man ein aus denselben Sternen lautende- Arbeitsbuch. Da- Buch war zerrissen. Ein Stückchen Papier, da- am Tage nach der Tat an der 'Staketeneinsriediguna gefunden wurde, paßte genalt in ein fehlendes Stück de- Buche-. Herr Breidenbach verständigte die Friedberger Gendarmerie von dem Fund, und begab sich gleichzeitig mit Gendarmerie-Wachtmeister Dietz nach Frank­furt. ES dauerte lischt lange, um die beiden ersten zu sassim -. den Kellner Ivb. Bartel- aus Hammclburg (Vahern) Hmb den Arbeiter'Christian Huser auö Frankfurt-Bornheim. Der dritte, der Metzgergeselle Adam Eifer aus Unter* 'Widdersheim, entkam, Ivie die Frankfurter Polizei feststellte, /in der Mchtung nach Mainz zu. Der von Breidenbach ,durch einen Schuß verwundete ömic'" als er die Etnzäumung überspring 'trotz feiner Verwundung über die Ei

Hltcßcner Strafkammer.

)( Gieße«, 11. Nov.

Die Parteilcldenschaft

hat nr VailShain dazu geführt, daß gegen den Bürger­meister H. eine Untersuchung wegen Meineids geführt wurde, die jedoch ein negatives Ergebnis hatte. Trotzdem hat der Landwirt P. F. dem Bürgermeister den Vorwurf des Mein­eids gemacht, waS ihm am Schöffengericht wegen Beleidigung 14 Tage Gefängnis eintrug. Den Bemülnmgen des Vor­sitzenden in der Berufungsinstanz gelang es, einen Vergleich zustande zu bringen. Der Angeklagte bedauerte, die Aeußeruug getan zu haben, versprach , solche nie metyr zu wiederholen und übernahm fämtlid>e Kosten. Der Klüger zog hierauf den Straf­antrag und die Klage zurück, woraus die Einstellung des Ber- fahrenL erfolgte.

Vergehen gegen die Konkursordnung

liegt dem Kaufmann S. E. in Gießen zur Last, weil seine Gcsd-ästsbücher beim Ausbruch des Konkurses unordentlich geführt waren, so daß sie keine Uebcrfidjt deS Vermögens gewährten, auch keine Bilanzen gezogen waren. Der Angeklagte hielt feine Buch- sührnng für genügend, todlyreub der Sachverständige sie als un- Anrcid>enb bezeichnete. Gegen den Antrag der StaatSawvaltschaft, auf 4 Monate Gefängnis zu erlcnnai, verurteilte ibn das Oloricht unter Annahme nülbcmbcr Umstände zu 100 Mark Geld-

ifitrtfl der Velden Streitsachen wird' ctbgelehnt, 2. es sollen Erhemingen an Hand von Zeugenaussage, und der Vieh- zählnnaSlisten Über die Zahl der in den letzten 12 Jahren der Schafhaltung vorhanden gewesenen Tiere angestellt wer­den. Der neue Termin ist später anzuberaumen.

Hessen-Nassau.

Frankenberg, 11. Nov. (Priv.-Telegr.). In Röddenau wurde die 40jährige Magd Sophie Schmidt von einer Dreschmaschine erfaßt und getötet. In Knrhessen herrscht Schneesturm.

die Löwenapothele für alle Zelten ertüor&ert Dke Verpachtung an die leweiligen Apotheker erfolgt auf Lebenszeit und die Pacht- summe wird alle drei Jahre unter Mitwirkung der Medizinal- abUilnng deS Ministerium« festgesetzt und zwar in der Weise, daß der ApothekeninHaber seine Bücher auf Grund de« Rezept- veikanss vorlegen muß, während der Handverkauf für die seft- nnsetzende Pachtfiimme außer Betradst bleibt. Ist durch Todesfall eine Stelle erledigt, so steht der Medizinalabteilung da« Recht iu, drei geprüfte Apotheker vorzuschlaaen, unter denen dann die Stadt­vertretung einen zu wählen hat. Nun ist hier der Fall eingetreten, laß brr Sohn deS Apothekers Werner seit langen Jahren in der Apotheke tätig und ihr eigentlicher Leiter ist, aber infolge seine« Alters noch keinen Anspruch auf die Uebertragung hat. Es muß also eine öffentliche Bewerbung ausgeschrieben werden, da etwa 18 ältere, noch nicht selbständige Apotheker in Hessen vorhanden sind. Der verstorbene Apotheker Werner zahlte vor zehn Jahren nod) 9000 Mk. Pacht, heute dagegen aber 18000 Mk. Der In­haber der zweiten städtiscl-en Apotheke bezahlt 10 000 Mark

KretS Lauterbach.

er. Lauterbach, 11. Nov. Die heutige Sitzung t>eS Krei-auöschusseS beschäftigte ein bereits int vierten Jahre schwebender Streitgegenstand. ES wurde über 'ldie Ablösung der Streu- und Weideberechti- fgung der Gemeinden Uetzhausen- Niederstoll und Pfordt tu den Gräflich Görtzschcn Waldungen zu Sckjlch verhandelt. Es breht sich im wesentlichen um eine von veu beteiligten Gemeinden geforderte Geldontschädigung für Jbic Auslastung ihrer Rechte. Au- der Vorgeschichte fei er* wähnt, daß den drei Gemeinden ihr alte- Recht auf Ein- sammelu von Stremnatertal in den gräflichen Forsten ge­kündigt wurde, worauf die Gcmeindeu daS ihnen außerdem noch zllftcheude Recht der Weideberechtigung selbst auslün- küudigten,um von den gräflichen Behörden nach Möglich­feit lUHibljäitotg aii fein, da daS gegenseitige Verhältnis von jeher zu wünschen übrig ließ", wie von den Ckmciiibo Vertretern im heutigen Termin auSgeführt wurde. Es liegen 'drei Sachverftändigengutacl)ten vor, die nach dem Bericht beS Vorsitzenden ein klares Bild der Sachlage gewähren. Die der Schase, die die Genieindcn au (treiben durften, ist grundbuchamtlich festgelegt. sie beträgt nad) Angabe der Gemeinden im ganzen 1760, nach Annahme der gräflichen Behörde mit&O Stück. Für die volle ^sahl der weide- .derechtigteu Schafe wird nun die Geldentschädigung von jden Hvibefitzeru beansprucht. In diesem Punkt gehen aber die Sachverständigengutachten weit auseinander, ein Gut- iüchteu berechnet den Wert der jährlichen Weidenutzung für ein Schaf aii| 2.50 Mk., das andere auf 5 Mk. und das dritte 11111 Mk. Würde nun dem Verlangen der Veinetnde ftutt» gegeben, so würde eine hohe Enlschädigungösnmme heraus- I kommen, beispielsweise bei 5 Mk. für das Schaf mal 2b Jahre (für den Ort durchschnittlich 100 000 Mk. Nun ist die Scßaf- chaltung wegen Unrentabilität schon lange aufgegeben in den drei Orion, in Pfordt z. B. schon 19 Jahre, die Wcide- gerechtigkeit wurde nicht mehr ausgenützt, und die Gegen-

vertreten durch Herrn Kust^rat Reh-AlSsfld, niaiht geltend, daß ein Recht wertlos fei, wenn es nicht ausgeübi werde, hier wäre nur durch die arundb-uclfliche Eintragung Liner Verjährung vorgebeugi. Der Vorfitzendc macht die Gemeindeverttelet daraus ausmerlfam, daß, lute in ähn- Lichen Fällen entschieden wurde, bei derartigen AblosungS- an sprächen reinem |dO6 die Höchstzahl der weideberecht igten Tiere ohne weiteres angenommen werden könne, sondern emr die Zahl, für die da- oir<iit wirklich beansprucht würdL gesetzlich fei dies für die letzten 12 Jahre der SchaO^tliunazuM las lg tc Wciiieinbeuenretei b zw^i^.t.n, daä man 6id( Bitßi hi noch ermitteln könne Einem BergletchSvorscylag des Vorsitzenden, ebenfo feinem Vorschlag auf Trennung ^rr beiden trcltfmijrn, um die Veihanuluug n 511 beschleiö nlQen, glaubten die Vertreter mit Rücksicht aus die Ätm- inung iu ihren Gemeinden nicht beitreten zn können. Ein porh|,,lia eilte« WeiueiiibrlKi tietrrv, aV.s ciuiiinnfle Abfln- vunn summ, 0Ml für da-Gchaf,zusammen also?7üMMk.

> Hin - bei "'n i] -ii pui tei abgelehnt, wie von bujei Seite Gegenvorschläge auch nicht gemacht wurd, 11, nur stellt! deren vertret« den Antrag au| 8 ren nutig der beiden Streitsachen, L.fo über die Sireuberechti- nuiiü und 5 eUwbiechtlgung getretml zu vvihand ln. Der T.01' 11!" fdilii ptich, ohne g itauc Un.mlagm über

,;lc a 11,1 r"'r ä"letzt noch gehl^tmeu Schafe fcioit weitere » geaenslemö Hei Krei^auoschutz lam Ichli«blich za joigeudem Urteil: 1. Der Lutrag auf Treu-

m. Nieder-Mörlen, 12. Nov. Bei der Gemeinde- rat-tvahl tourbnn die seitheriacn Mitglieder Dcfonom Gg 91 a rf mit 117 und Gastwirt Phil. W i tzel mit 92 Stimmen wieber-, Gastwirt Hch. Schlitz mit 70 und Metzacrmciitcr 01g. Dl öbs mit 62 Stimmen neu gewählt. Die Kaubioaten her Ar­beiterpartei brachten es auf 56 Stimmen. Don 173 Mahlbered)- tigten stimmten 141 ab. Unser langjähriger Bürgermeister D r p, der fidt im vergangenen Sommer einer zweimaliaen Operation im KreiskrankenhailS Friedberg unterziehen mußte, yat sich wieder zur Operatwn in daS Krankenhaus begeben müssen.,

m. Dor beim, 11. Nov. Zur Ergänzung deS Be­richtes Über die Erareifung der drei bei dem Einbrüche in Dorheim beteiligten Verbrecher fei noch nachgetragen: Ein Dorheimer Mädchen begab sich nach dem Friedhof, um daS Grab feines Großvater- zu Pflegen. Bei dieser Gelegenheit fand daö Mädchen drei an einen Joh. Bartels gerichtete Postkarten. DaS Mädchen berichtete von ihrem

wctternachrichtcn.

In Sachsen, Hannover, Westfalen, dem Rhern- land und in Belgien herrschen hcstige Schucetreiben. Bereit- hinter Magdeburg sind Vie Telegraphen- und Telephoa- leUungen gestört.

Aus Berlin wird vom 11. b. Mt«., abend« 9 Uhr, amt­lich gemeldet: Bon den Störungen im Telegraphen- und Telephon^ betrieb sind am stärksten in Mitleidenschaft gezogen der Verkehr mit England und Amerika, über ISmbat, Holland Belgien, Rheinland und Westfalen.

Der Schneefturm, von dem Berlin und Umgebung am Freitag heimgesucht wurde, hat besonder- große Verheerungen an ben Waldungen ungerichtet, in denen Hunderte von starken Bäu­men. entwurzelt fein sollen. Au« Z0 ssen, T rcbb i n, Wa nd- lih, Stordow, Fürstenwalde und anderen Orten werden Unfälle gemeldet, von denen Menschen, hauptsächlich Pferde be­troffen worden sind. Aus den Wegen und Chausseen der Unv- gegend war wegen des Unwetter« fast jeder Verkehr unmöglich. Iusvlge Störungen der Telegraphen- uiib LelcphoiUcitnngen fehlen nähere Nachrichten.

Auch aus Südhannover und Thüringen wurden heute ungewöhnlich heftige S ch n e e st ü r rn e gemeldet. Viel­fach stockt der Bahnverkehr im Gebirge. Die Werra und Saale führen in Thüringen Hochwasser.

Auch au« Ki el wird Schneefturm gemeldet. Die telephonischen Verbindungen mit der Provinz sind größtenteils unterbrochen.

Wie au- M e tz v. 11. d. gemeldet wird, ift die M 0 s e l über die User getreten und Überschwemmt weite Strecken deS Gklänbr«. Uie Synchorieninfel gleidft einem See, aus dem mir einzelne Bäume und Baulichkeiten bemrragen. Der Zeughausstadel strht unter Wasser. Zwischen Moulius und Longeville ist der Ver- k k h r d u r d> die U e b e r s ch w e m m u n g unterbunden. Das Hochwasser, daS höher ist als im Januar dieses JahreS, dürfte rasd» vorübergehcn. Millery meldet von gestern Fallen um fast emcu Meter und auch hier ist währcnd der Nacht das Wasser ge­sunken und heute früh hält baß Sinken bei dem trockenen Wetter an.

In N o m wütete am Donnerstag ein furd-tbarer Schnee- turin. Auf dem Terminiplatz würben zwei Blechdächer abgc- weht; zwei Meiisd>en und zwei Pferde wurden verwundet.

In R e m i d) ist einem Blatt zufolge die Mosel teilweise biS zum ersten ^tocl der Häuser gestiegen. Das Postamt steht etwa 40 Zentimeter unter Wasser. Die Mosel steigt weiter. Der 6>eueraldlrektor her össenllid)?« Bauten begab sid) Freitag nach­mittag nach Remid>.

Auch von her Küste des M tt te l l ü n di schen Meeres wird ftarker Sturm gemeldet. Ein Boot mit 6 Personen ift unter­gegangen.

E ala i S wird gemeldet: In der Nacht auf Freitag jWerrnfajtc ein heftiger Sturm zahlreiche Fischerboote aus dem ^ceere Mehrere scheiterten; etwa 30 Leichen wurden angctricben.

Pos vermögt» der Lran v. Schönebeck.

4- Berlin, 11. Nov.

Das flainmeTgcvifbt brrFihibctc heute das Urteil in dem Ver- abrcii, daS Nedn^imualt Braun atS Pfleger der Frau v. Schöne- cv .ni!.i ^^krung deren Vermögen angestrengt hatte. Rechtsanwalt Biaun hatte zunächst versucht, beim Landgericht 111 eine einstweilige Verfügung gegen den Schrislstcller A.O. Weber, den letzigen Gatten der ehemaligen Fran u, Schönebeck zu erwirken, dte bieicni bic Bermögeuc>verivaltung über das Heiralsgnt seiner Fran enizicheu follie. In dem Anträge auf Erlaß dieser Ler- )ld RechtSanivutt Braun darauf berufen, daß Herr d t Weber 111 iiiüuiri|cl?niilidjer Weife mit dem Vermögen feiner Frau iinigcgaugcn; der Gerichtshof l-alte aber beut Anträge nicht jlatifleoebcn, weil em drnigender Grund zum Erlaß einer joldien Verfügung mu-t vorhanden fei. Gegen bleu« Urteil haue Rechts- aiunalt Braun Revqwn beim Kamuiergerict>t eingelegt, die vor mitt Togen zur Be r Han bl mig stund. In bincr Veilbuiolung hatte Rednsaiiwrnt Bahn als Rechkobeiflauo des Herrn A O Weber m läug»i«u Piudsger ausgefuhrl, bau bte btocuiimixn Ausgaben anA iWH MicMiiüfliUi ftroti v, SchonteeU tmlhrenü heß

fkriter ProgesseS dvrchcms tu recht erfblgt seien und dach W Einlagen seiner Frau in die von ihm gegründete WeberhauS- Gesellschaft m. b. D. eine sehr sichere imb gesunde Kapüalsanlage darstellten. D«S Kammergericht setzte die Berkündmig deS Urteils auf heute fest. Es erging nunmehr dahin, daß dem Ehemann die Verfügung über das Vermögen seiner Frau, soweit es nicht in dem Weberhmlse feftgelegt ist, entzogen wurde. In der Begründung wurde auSaeführt, daß etn gewisses Mißtrauen Herrn Weber gegenüber als BermögcnSverwalter seiner Frau gerechtfertigt sei. Rechtsanwalt Bahn wird gegen dieses Urteil Berufung beim Reichsgericht einlegen.

Vermischte».

Eine Idylle zum großen Los. Wenn sonst so ost durch den Gewinn deS großen Loses neben der Freude und dem Glück dunkle Leidenschaften aufgepeitsdft werden, Genußsucht und Geiz die Gemüter durchwühlen und oft den Frieden des Familien­lebens zerstören, vermittelt die Ziehung der großen französischer Lotterie diesmal den Einblick in eine Idylle von reinem stillen Glück, in das der Klang des GoldeS keinen Mißton trägt. Ter Geiviuner der Million ist ein ehrsamer, steiniger Schmiede­geselle im Dorfe Soma in, der Schmied Francois P u v i 0 n, der friedlich seine Pferde beschlug, als seine beiden Töchter ihm die Freudenbotschaft verkündeten.Rubig, Kinder, ruhig", erwiderte Puvion, ohne seinen Hammer beiseite zu legen, Ihr werdet mir noch die Pferde erschrecken." Tann als daß Hufeisen saß, überzeugte er sich von der Wahrheit der srohcn Nadnicht. Die Nachbarn waren herbeiaeströmt, der Schmied ist als ein guter, wohltätiger Bürger bei allen beliebt, man roünfdxtr Glück, aber Pavian, der Schweigsame, meinte nut lächelnd:Nun werde id) ein wenig wohltätig sein können" und dann fuhr er fort:Aber zuerst muß ich sofort ein Telearamm abschicken, etwa«, was ich noch nie im Leben getan habe."Ein Telo» fftnmm?" fragte alles,ein Telegramm zur Bank?"Nein, nein, ein Telegramm an Tumoulin." Tas ist ein alter Freund des Schmieds, ein Fahrradhändler im Nachbardorf. Puvion besaß bereits sein LoS, als er mit dem Freund übereinkam, noch ein zweites zu kaufen und die beiden bann gemeinsam zu spielen. Der Freund hatte ihm die zehn Franc- für da« -weite LoS auch gegeben, aber schließlich hatte man es doch nicht gekauft und der Vertrag war also nicht zur Ausführung gekommen. Doch für Puvion ist es trotzdem selbstverständlich, daß der alte Freund, der sich bitter plagt, seinen Anteil erhält.Wir haben jeder 500 000 Franc- gewonnen, alter Freund", so lautete sein Tele­gramm. Denn für ihn ist die Teilung eine Selbstversiändlicl-keit. Und während die Nad)harn ein wenig besd-ömt und kopfschüttelnd von bannen gingen, griff, der Schmied wieder zu seinem Hammer, denn trotz des Geldes will er seinem Handwerk treu bleiben und weiter arbeiten.

* Soldaten deS Glücks. Das Glück, die Avcn- türe, und das Soldatenhandwcrk find ^wei Begriffe, die für das Volksempfinden sich decken, inetnanber aufgehen. Dis in unser nüchternes und wohlgeregeltes Zeitalter hinein weht ein Hauch jener etwa- wüsten und fragwürdigen Ro­mantik des Mittelalters, das selbst jenenGcückssoldateu", der allein auf des König- Heerstraße zur Streife auszog, mit dem Sche-ine der 9irtterlichkeit umkleidete. In einem Jahrhundert, wo sogar südamerikanische Republiken zur Einführung der allgemeinen Wehrpflrcht übergehen, wo VolkSheer und Wassenausgebot der Jndipidnalität des ein­zelnen nur noch mimmalftcn Spielraum lassen, da füllte eigentlich auch der Fortune suchende Krieä-mann keine Statt mehr haben, sollte seine )Nolle ausgespielt sein. Und doch ist der Soldat des Glücks keineswegs so völlig er­ledigt und abgetan, wie es schieinen möchte. Noch ganz unlängst hat oas Schicksal eines seiner modernsten Ver­treter die Oefsentlichkeit für Wochen in Atem gehalten, hat da- Stück unregelmäßiger Krieaspsvchologie, das sich vor den All^nfteiner Assifeu abspielte, in mancher Phase am Ende selbst dem korrektem in die eisernen Formen des täglich gleichbleibenden Dienstes gepreßten Militär wohl so etivaS wie neidvolle Anwandlungen gegeben, sich einmal betätigen zu dürfen im frischen Ritt gegen den Feind und die friedenSsteubige Brust im fröhlichen Gefechte zu lüften. Und wiederum hat die amerikanische Gabe der Steubenstatue die verheißenden Möglichkeiten vor dem' tatenhungrigen Auge des jungen deucschen Offiziers auf­steigen lassen, die dank der für Argentinien und Brasilien, für Chile und China, für die Pforte und die zentralamcrila- nischen Staaten begehrten ausländischen Armeetnstruktcure noch nicht begraben zu sein scheinen. Diese Einleitung des interessanten Aus,atzes von unserem Mitarbeiter Otto von' Loßberg über dieSoldaten des Glücks" entnehmen wir mit Genehmigung der Deutschen Verlags-Anstalt Stutt­gart dem soeben erschienenen vierten Hefte der bekannten MonatsschriftArena", deren reichhaltiger Inhalt und künftlerstche Ansstaltung wiederum auf öad angenehmste auffällt. , j

Dte Gefahrwar einegrobe. Eine schlimme Unart ist der Zusatz de« unbefiiminten Geschlechtswortes vor Elgenfchasts- iDÖncru, die in der Satzaussage sieben. Beisuiele: 1) ,Tie Gefahr war eine große*, al« wenn ,groB* nicht genügte. 2) .Die Schreib- ivciie war eine schwankende" ja doch, sie schwankt. 3 .Der Stand der Reben ist em vesrjedigendcr.' 4) .Der Vorfall war ein unerhörter." 5) .Ter Sonntag war em ganz kritischer für unser Dors." 6) .Ter Verkehr war cm ^anz enormer imb der Durst em ungewöhnlich großer." 7) .Ter Schaben an Obst ift em bedeu­tender." 8) .Tie Finanzlage soll eure schwierige fein." 9) .Ter äremdcnoerlehr war cm seyr reger/ 10) .Die Aussichten sind keine günstigen/ Unsere Zeit verlangt doch sonst überall Kürze, woher imb weshalb beim diese schleppende Sprache? Richtig ist ötcie Fügung nur, wo d,e Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder Klasse bezeichnet werden soll, z. B.: Tiefer Winkel t|t ein rechter, jener em ftumpict;

* DaS Kollodium (zu Deutsch Klebäther) hat sehr viel empschlenSwerte Eigenschasteu. ES verdient, mit in die Reihe der wirksantsten Heilniittcl ausgenommen zu werden. Bei Schntttwundeu genügt das ein,achc Bestreichen mit Kollodium, um den Zutritt der Luft zu verhindern und dadurch den Heilprozeß zu beschleunigen. Auch bei Brandlounden sott nian eS sofort anwenden, das Kollooium ergibt einen luftdichten Verschluß; die bestrichenen Steilen seyen glatt und blank, wie gefirnißt auö, und sind gegen Wasser und Lust geichützt. Wer bei wunden Stetten den ersten empfutdlichcn Sa-merz de« Bestreichen- überwun­den hat, greift gern wiader zu diesem so einfachen Heil- verfahren. Wer an hohlen Zähnen leidet, greife nur auch zum Kollodium. Bekanntlich verursacht der Zutritt der Luft die empfindlichsten Schmerzen. Dem wird ebenfalls durch daö Auspcnseln der Höhlung vorgebougt. Schmerz­hafte Wurzeln werden durch da« Bepinfeln weniger emp- jindlich geinacht. Beim Wandern leiden sehr viele Menschen an wunden Füßen. Gebraucht er jedoch die Vorsicht, sie. abend- nach einem weiten Marsche zu waschen und die be­sonders angegriffeiien Stetten mit Kollodium zu bestreichen,' |0 kann er am andern Morgen seinen Weg freudig wieder auf nehmen, denn die Füße können tapfer auSfchrotten. Tas Koilodium hust auch vortrefflich bet Frostbeulen, nur muh e« rechtzeitig angewandt werden. Je früher man die be­fallenen Rieden damit bestreicht, desto großer ist der Er- svla. Daö Bestreichen muß mehrmals täglich und dann auch alsich einiee Male hintereinander geschehen, da daS. Kollodium teiM abbliUerL Zioar gibt jtijr vecichi^