Deutsches Ueich.
9Tnt Donnerstag vormittag hielt der Kaiser ctuf dem Tempelhofer Felde Parade über das gesamte Gardekorps oH; die Parade kommandierte General von LoeMerrfeld.
Der polnische R e i ch s t a g s a b g e o r d n e t e, ,Dr. v. Ska rz y n s ki, ist Donnerstag vormittag gestorben. Er vertrat den Wahlkreis Kosten-Schaniegel-Erntz-Neutomischel, der seit 18(57 stets durch einen Polen vertreten war.
Bei der R e i ch s t a g s e r s a tz w a h l für den Wahlkreis Warburg-Höxter, 5. Minden, Mtrde-n nach der amtlichen Meldung von 19 245 Wahlberechtigten 12 023 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Universität-Professor Dr. Martin Spahn-Straßburg (Ztr.) 11 301, Schäfer- Meyer (SozZ 579, Pfarrer Dr. Hille (Ztr.) 101 Stimmen. Zersplittert waren 42 Stimmen. Prof. Spahn ist somit gewählt.
Aus A a ch e n wird gemeldet: Der 11. Allgemeine Deutsche Bergmannstag trat tmt Donnerstag hier unter zahlreicher Beteiligung zusammen. Im historischen Krönungssaale des Rathauses fand morgens die erste Sitzung statt, zu dem der staatliche und private Bergbau aus dem In- und Auslande zahlreiche Vertreter entsandt hatte. Die Versammlung leitete Berghauptmann Baur aus Bonn. Handelsminister Sydow überbrachte die Gruße der Königlich Preußischen Bergwerks-Verwaltung und w-ünschte der Tagung reichen Erfolg. Im Namen der Stadt begrüßte Oberbürgermeister Fekdtmann die Versammlung. Daraus wurde in die Tagung eingetreten.
Aus Hamburg wird gemeldet: Die Organisationen der streikenden Werftarbeiter lehnten den Gegenvorschlag der Werften ab, eine Besprechung mit den Vertretern der Arbeiterorganisationen unter Hinzuziehung je eines Vertreters der Hirsch-Dunckerschen und der christlichen Gewerkschaften, sowie dreier Vertreter der nationalen Arbeitervereine auf den Wersten abzuhalten. Dieser Beschluß' macht die für Anfang nächster Woche beabsichtigte Besprechung unmöglich.
Aus Bremen wird gemeldet: lieber 2000 ausstän - digeWerftarbeiter versammelten sich am Donnerstag auf dem Spieplatz an der Nordstraße und veranstaltete?! einen Kundgebungszug durch die Stadt nach dem Vürgerpark. Die Polizei schritt nicht ein, obgleich der Umzug nicht angemeldet war.
AnslcrnS.
Am Donnerstag fand in Flo i n g bei Sedan die Enthüllung des D e n k in. a l s zu Ehren der bei der berühmten Attacke der Division Margueritte am 1. Septemb.'r 1870 gefallenen Reiter statt. Von den verschiedenen Rednern wurde der Heldenmut jener Soldaten gepriesen, welche durch ihre Todesverachtung selbst den Gegner zur Bewunderung hingerissen haben. Das Denkmal wird zur Erinnerung an den damaligen Ausspruch König Wilhelms als das „Monument des braves gens" bezeichnet.
Tie verschiedenen Gruppen der katholisch-demokratischen Vereinigung „L e S i l l o n" wurden, wie aus Varis gemeldet wird, für nächsten Sonntag zu einer Versammlung einberufen, um über die von ihrem Präsidenten Marc Sangnier infolge des päpstlichen Schreibens beantragte Tfiiflöfiing endgültig Beschluß zu fassen.
Tas Organ der Pariser brasilianischen Kolonie „Le Br6 si I" hatte den Plan gefaßt, zu Ehren des Marschalls Hermes da Fonseca ein Bankett zu veranstalten und zahlreiche politische, diplomatisch? und finanzielle Persönlichkeiten, darnnter der Deputierte Deschancl, der frühere Botschafter Reverseaux und der damalige Gesandte Anthouard, hatten bereits ihre Teilnahme Zugesagt. Die Letztgenannten haben nun unter höflichen Ausflüchten mitgeteilt, daß sie verhindert seien, dem Festmahle beizuwohnen. Man verniutet, daß der Grund für diese Absage in der Verstimmung zu suchen sei, welche durch die beschlossene Verlvendung deutscher Jnstruktionsoffiziere für die brasilianische Armee hervorgerusen wurde. Das Bankett wird infolgevbssen nicht ftattfinden.
Km Donnerstag erfolgte in den Dardanellen durch feierlichen Flaggenwechsel die Uebergabe der deutschen Schiffe an die türkische Marine. Die Schiffe werden Sonnabend im Hafen von Konstantinopel erwartet.
Nach einem Telegramm aus Manila ist unter Führung ■Ton Simoon Mandae, dem gerichtlich verfolgten früheren Gou- .verneur von Jleces Norte, in der Provinz Nucva Vizcaya ein A ufftand ausgebrochen. Zur Unterdrückung des Aufstandes sind Polizeiabteiluugen abgegangen.
Heer nnö Flotte.
G euer al stab s chef v. Moltkc ist erkrankt, er wird Eventuell bei den Kaisermanövern vom 6. bis 10. September von dem Generaloberst von der Goltz vertreten.
2lu$ Stadt und (and.
Gießen, 2. Sept. 1910. Bom Manöver.
Alsfeld, Laubach, Lauterbach, Lich und Fulda gleichen jetzt wahren Kriegslagern. In Fulda, wo feit dem 24. August schon die Infanterie-Regimenter 115 und 116 üben, ist jetzt das Jnfanterie-Viegiment 168 eingetroffen. Der Stab der preußischen Artilleriebrigade liegt in Laubach, wo auch das Artillerie-Megiment Rcr. 63 einquartiert war, der Regi mentsstab rst in Freienseen. Ti.e 27er Artillerie hatte im Wiesecttal bei Reiskirchen eine Uebung gegen die 23er Dragoner. Gestern rückte dieses Regiment von Butzbach aus, die Vorhut lag in Klein-Linden und sollte Gießen auskundschaften, wurde aber zurückgewieseu. In der Gegend von Herbstein, Altenschlirf üben die 24er Dragoner gegen die bei Lauterbach stehende 23. Artillerie-Brigade. Der Brigadestab der Artillerie traf in Lauterbach ein. In Allmenrod, Frischborn, Meuters liegen die 61er Artillerie, in Wernges, Lauterbach und Maar die 25er. Beide Regimenter haben heute Scharfschießen Um Lich ist der Uebungsptatz der 41. Infanterie-Brigade; mehrere Gefechte fanden in den letzten Tagen bei Birklar, Langsdorf usw. statt. Sehr dichteEinquartierungistzu erwarten während den Tivisions- und Brigademanövern, so z. B. am 8. u. 9. Sept, in Ulfa und Dobeuhauseu, vom 12. lbis 14. Sept, erhält Gedern allein etwa 500, vom 14. bis 16. Sept. Laubach fast 2000, Ruppertsburg 500, Wettersetd 500, Groß-Eichen 300, Freienseen 400, Nieder-Ohmen 550, Homberg 600. Um diese Tage zieht sich das Manöver von Ruppertenrod gegen Laubach und Grünberg hin.
•
•* Ordensangelegenheit. Ter König von Preußen hat dem Generalleutnant z. D. Kor man zu Darmstadt den Stern zum König!. Kronen-Orden 2. Klasse verliehen. — Dec Großherzog hat dem Leibkutschcr Karl Schneider und dem Leibsahrer Gg. Laun die Annahme und das Tragen deS ihnen von dem König von Spanien verliehenen Silbernen Kreuzes des JsabellenordenS erteilt.
•• Eine Prüfung für Geometer 2. Klasse findet :n Hessen vom Jahr 1913 bis auf weiteres nicht mehr statt.
"Ter Wassergenossenschaft D t eb er q g ru pp e ■rn <Gk"ie Gießen ist vom Ministerium des Innern die Rechtsfähigkeit verliehen worden. I
' Kaiser-Schießabzeichen. Im laufenden Jahre ist b<$5 Kaiserabzeichen für die besten Schießleistungen im Bereiche des 18. Armeekorps der 5. Kompagnie des Füsilier- Regiments v. Gersdorff (Kurhcssischcs) Nr. 80, die im vorigen 3tH)re in scharfer Konkurrenz mit der Leibkompagnie des Leib-Garde-Regiments Nr. 115 stand, verliehen worden. — Auch beim Schießen aus Feldgeschützen ist das Kaiserabzeichen, das nur an die sechs besten Batterien der gesamten Feld- Artillerie verliehen wird, einer Batterie des 18. Armeekorps, nämlich der zweiten Batterie deS 2. Nassauischen Feld-Art.- Negimelits Nc. 63, Frankfurt, zugefallen.
** Der Konsumverein Gießen hat nach seinem soeben herausgegebenen Geschäftsbericht Anfang Juli 1909 1112 Mitglieder. Es traten im Geschäftsjahre 1909/10 365 Mitglieder ein .und 54 aus, so daß am Schliiß des Geschäftsjahres 1423 Mitglieder vorhanden waren. Der Umsatz stieg von 194 356,04 auf 253 853,78 Mk., ohne den Umsatz in Winterkartoffeln. Neu eröffnet wurden im Berichtsjahre zwei Verteilimgsstellen, so daß jetzt im ganzen deren fünf vorhanden sind. Die Einführung der völligen Sonntagsruhe am 1. Mai d. I. ergab keine Nachteile für den Verem. Die Sparabteilimg hat sich in befriedigender Weise entwickelt. Neu eingeführt soll nach einem Vorschlag der Verwaltung eine Sterbegeld-Ullterstützung in höhe von 15 — 30 Mk. (je nach der Höhe des Umsatzes) werden. Die Haftsumme der Mitglieder stieg von 33 390 auf 42 720 Mk. Der Reingewinn von 6663,12 Mk. soll wie folgt verteilt werden: ReseLve- fondS 4000 Mk., Zinsen für Anteile 889 Mk., Verwaltung 810 Mk., Spezialreservefonds 964,12 Mk. Die Hauptversammlung des Konsumvereins findet am nächsten SamStag im Gewerkschaftshaus statt.
** Diebstähle i m Gerichtsgebäude. Vor einigen Tagen wurde einer Frau, die als Zeugin geladen war, aus dem Wartezimmer im Gerichtsgebaude ein Handtäschchen entwendet. Wie wir weiter hören, sollen früher auch schon Stöcke und Schirme aus dem Wartezimmer abhanden gekommen sein; e§ empfiehlt sich deshalb, beim Zurücklassen derartiger Gegenstände einige Vorsicht walten zu lassen.
Kra ftw a g enführer-AuSbil du n g. Dem Inhaber der Hessischen ^lutomobil - Zentrale, Herrn Peter Kron en berg, ist die Ermächtigung, Führer von Kraftfahrzeugen auszubilden, vom Grvßh. KreiSamt erteilt worden.
•* Warnung vor dec Fremdenlegion. Gelegentlich der Kreislehrerkonferenz in Weisenau kam Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Brei dert auf das traurige Los der jungen Leute zu sprechen, die sich in Unwissenheit der einschlägigen Verhältnisse und in leichtsinniger Weise zur Frenidenlegion anwerben lassen. Während es früher, wenn auch nach außerordentlich schwierigen Unterhandlungen, möglich ivar, die Geworbenen ihren Angehörigen zurückzugeben, hat nunmehr die französische Negierung es entschieden abgelehnt, sich überhaupt noch m Unterhandlungen einzulassen. Es ist deshalb Pflicht weiter Kreise, besonders der Schule, hier aufklärend und lvarnend aufzutreten. Gute Dieuste hierbei kann ein von einem Legionär verfaßtes Buch leisten, das den Titel führt: „Meine Erlebnisse m der Fremdenlegion" von Erwin Rosen.
** P r e u ß r s ch e K l a s 1 e n l o t t e r i e. Die E r n e rr e r u n g der Lsse zur 3. Klasse der 223. Lolterie muß mit Vorlegung der Lose 2. Klasse svälestens bis zum 5. September, abends 6 Uhr, qe- scheben fein. Auch müssen die Freilose zur 3. Klasse gegen Rückgabe der Gewiimlose der 2. Klasse bis zum vorerwähnleu Zeitpunkt eiugeiordert sein.
+ Li n d en stru t h, 1. Sept. Gestern abend feierte die hier in Ouartier liegende 6. Batterie des 27. Art.-Regts. unter Mitwirkung des hiesigen Kriegervereins die Schlacht bei Sedan. Die Feier, welche auf Anregung der Offiziere zustande kam, begann mit einem Freudenfeuer auf der sogen. Platte. Hiernach begab man sich in stattlichem Fest- zuge zur Wirtschaft des K. Schepp, wo die Stunden beim Glase Bier allznrasch dahinschwanden.
G. Burkhardsfelden, 1. Sept. Gestern hielt das Artillerie-Regiment Nr. 2 7 in unserem Gelände seine Negimentsb esichtigung ab. Die Uebung begann im Gelände bei Steinbach. Der markierte Feind hatte sich auf den Höhen zwischen hier und Albach festgesetzt, von iüd er sich nach und nach bis hinter Reiskirchen zurückzog. Hier hielt der kommandierende General v. Eichhorn die Kritik ab. Das Gefecht begann vormittags 10 Uhr und endete erst um 2 Uhr nachmittags.
— Bad-Nauheim, 1. September. Der Zar kam ',eute Vormittag mit Fürst Orlow und Flügeladjutant Drenteln von Friedberg hierher und besichtigte die Sprudel und die Badehäuser. Dann nahmen die Herren, alle drei in einfachen dunkelgrauen Zivilanzügen, auf einer Bank am großen Rondell Platz. Auf dem Rückweg wurde der Zar erkannt und sofort von dem neugierigen Publikum umringt. Er begab sich deshalb in das Tenniseafö und kehrte später im Kraftwagen nach Friedberg zurück. — Heute morgen wurde der stucdirektor von Bad-Nauheim Frh. v. S t a r k im Schlosse ernp- angen. Zum Badearzt der Zarin wurde Dr. G. Grote ernannt.
L. Friedberg, 1. Sept. Am 3. und 4. September inbet im Saale des Hotel Trapp hier eine vom Bezirks- Verein hessischer Handelsgärtner veranstaltete Ausstellung s e l b st g e z ü ch t e t e r Blumen, besonders Rosen tatt, um weiten Kreisen zu zeigen, welche Blumen sich eignen, Balkon und Erker zu schmücken.
d. Mainz, 1. Sept. Als heilte ein Mädchen einen Friseurladen in der Holzstraße betrat, fand sie niemand darin vor. Auf ein Geräusch aus dem Ladelizimmer betrat sie dieses und fand hier eine umgestürzte Leiter, daneben den regungslosen 15jährigen Friseiirlehrling Otto Wiesenbach. Ein herbcigeholtec ?lrzt entdeckte an dem Halse des Lehrlings eine zugeschnürte Kordel, deren abgerissener Teil an der Leiter gefunden ivurde. Der jlinge Ntann wurde sofort ins Rochushospital gebracht, es gelang aber nicht, ihn zu retten. Ec starb, ohne das Bewußtsein erlangt zu haben. Die Eltern und sein Meister glauben nicht an einen Selbstmord, sie sind der Meinung, daß der Junge das ^Erhängen" im Scherze probieren wollte.
X Fran kenbach, 1. Sept. Auf eine 25jährige Tätigkeit in der hiesigen Zigarrensa brik der Firma Emmeliu s - Gießen blicken in diesen Tagen die Zigarrenmacher Hrch. Schmidt, El. Brück, El. Klein, El. Schneider imh El. Schmidt zurück. Sämtlichen Arbeitern ivurden vom Deutschen Tabakoerem künstlerische Tiplonie, sowie von ihrem Arbeitgeber Geldgeschenke als Anerkennung überreicht.
a. |yranrfur t a. OT., a. vgyentetriut»
rat von Fechenheim genehmigte gestern den Verkauf von 3 5 Hektar Gelände zum Preis von 1663000 Mk. an die Stadt Frankfurt. Frankfurt braucht das Gelände zur Osthafen-Anlage.
X Gelnhausen, 1. Sept. Beim Bau des Distelrasentunnels auf der Strecke zwischen Fulda-Elm ereignete sich ein tödlich verlaufener Unfall. In einem Luftschacht befand sich der Arbeiter Weitzel aus Hintersteinau, der von einem Fahrstuhl heraiifgeholt werden sollte. Als der Fahrstuhl niedecging, erdrückte er den ^lrbeiter.
Die wunderdoitoren von Hartenrod.
(Nachdruck verboten.)
III.
[] Marburg, 1. Sept.
Rechtsanwalt Schneider beantragte Vorladung von Zeugen/ welche über die Käsergeschichte und das Vorkommnis zwischen Dr.. Haun und Tikomeit bezüglich der Ucinprobe dlustunst geben sollen. Das Gericht beschloß, den ersten Anttag abzulehnen und über den folgenden sich später schlüssig zu werden.
Eine Zeugin aus Holzhausen machte Mitteilungen über die Kuren, welche ihre Mutter und Schwester bei Tikomeit gemocht. ■ Bei ersterer stellte er Magenkrebs und bei letzterer Her^'chväche fest. Die Heilung, die beide erzielten, war nur ocrrül end. Eigentümlich berührte es, daß fast alle Zeugen, gleichviel an welcher Krankheit sie litten, fast immer dieselbe Arznei (Baldrian,) und dasselbe Pulver in der Drogerie erhielten. Eine Zeugin sagte, da'ß die Arznei immer aus einem Topf genommen worden sei. Die ärztlichen Sachverständigen stellten fest, daß bei der Herzkrankheit anscheinend eine falsche Diagnose gestellt worden sei. Eine dem Angeklagten Zimmermann von einer Zeugin in den Mund gelegte Aeußerung, „er heile auch durch Handauflegen", wurde von diesem bestritten. Eine Frau aus Runzhausen be- filndete, daß Tikomeit sie von ihrem schweren Magenleiden gründ-» lich hergestellt hätte. Die Frau hat auch gehört, wie Dikomeit zu einem andern Patienten sagte, es sei schlimm, daß manche studierte Doktoren die Krankheiten nicht feftstellen könnten. Zimmermann wurde auch zum Vorwurf gemacht, daß er Arznei in einem Prospekt über Baunscheidtismus gewickelt habe. Nach diesem Prospekt, welcher „Hoffnung für Hoffnungslose" betitelt! war, sind sämtliche Krankheiten mittels Baunscheidtismus zu heilen.
Ter ZeuZe Büracrmeifter Schneider aus Frankenbach litt an grauem Star und besuchte deshalb das Heilinsfitut. Tikomeit stellte Dünndarmverschleimung mit Gehirnerweiterung fest. Er habe in China schon oft grauen Star geheilt; das sei etwas ganz anderes, hätte Tikomeit gesagt. Letzterer erklärte heute, daß grauer Star eilte Ernährungskrankheit sei, die er schon oft aus teilte Methode geheilt hätte.
Bei einem Jungen aus Lohra, der einen dicken Fuß hatte, stellte Tikomeit Tuberfitlose fest. Ein junger Mann aus Biersdorf erzählte, daß er seit Jahren schwer an Atemnot und! Schmerzen gelitten hätte. Tie Aerzte seien dagegen machtlos gewesen. Tikomeit habe ihn so zientlich wieder hergestellt. Tem Zeugen^ Koch aus Runzhausen, der ebenfalls Dikomeit besuchte, hat dieser imponiert, weil er weit her und sogar in China gewesen ist, das Studium war ihm nebensächlich. Ec versicherte^ daß die Kur seiner Frau geholfen habe. Landwirt Becker aus Sinkershausen versicherte, daß ihn Ditomeit von einem 15 Jahre alten Magenleiden geheilt hätte; er habe ihm ein besonderes Dankschreiben gesandt. Peter Lenz aus Amelose erzählte, daß; er am 12. Sept. v. I. durch Messerstiche verletzt worden fei. Man habe ihn in der Marburger Klinik geheilt und nach Hause geschickt. Bald hätten sich wieder furchtbare Schmerzen eingestellt, was ihn veranlaßt hätte, sich an die Klinik und auch an Aerzte zu wenden. Man habe ihm nicht geholfen, sondern ihn auf die Zukunft vertröstet. In seiner Not habe er sich an Tikomeit gewandt. Dieser habe ihm ins Auge geschaut und sofort fest- gestellt, daß er eine Körperverletzung hätte. Die Wunde sei voll Eiter und recht bedenklicher Natur gewesen. Man habe ihn vollständig geheilt. Prof. Hildebrand konstatiert, daß es sich nm Verwachsungen gehandelt hätte, die auch von selbst, nach einiger Zeit^natürlich, geheilt wären. Das Kind des Landwirts Burk aus Sinkershausen war sterbenskrank; die Aerzte hätten ihm nicht geholfen, wohl aber Dikomeit, bekuirdete der Vater des Kindes. Dr. Haun-Gladenbach, der ost als sachverständiger Zeuge herangezogen wurde, teilte mit, daß das Kind an Krämpfen im Gehirn gelitten hatte. Diese würden sich sowieso vermindert haben. Ter Arzt gab zu, daß das Kind unter Umstünden in den Krämpfen bleiben könnte.
Der jugendliche Maurer Flemming aus Hommershausen ging wegen eines Ohrenleidens zu Tikomeit. Dieser stellte Magendruck fest und verschrieb ein weißes Pulver. Der Arzt hüt später das Ohrgeschwür ausgeschnitten. Dieses soll ein Folgezustand der Behandlung mit dem Baunscheidt'schen Apparat gewesen sein, den Dikomeit hinter den Ohren des jungen Mannes angesetzt hatte. Auch der ärztliche Sachverständige Dr. Hoffmeister aus Biedenkopf stellte fest, daß sich neben dein alten Ohrenleiden dieses Geschwür herausgebildet hätte; es handle sich zweifellos um eine Infektion. Der junge Mann versicherte, daß er früher schon solche Knollen gehabt hätte. Bei diesem Fall kam es zu einer Aussprache über dick Ursache der Eiterungen zwischen Prof. Hildebrand und Dr. Bachend-Frankfurt, der die Bannscheidt'sche Methode verteidigte.
Ein junger Mann ans Runzhausen klagte über Schwindel und ging deshalb zu Dikomeit. Dieser impfte ihm die Beine, wodurch das Leiden, wie der Vater des Burschen angab, geheilt wurde. Seine Frau sei durch Tikomeit von einem Halsleiden befreit worden. Eine Frau Geßner aus Gladenbach klagte über lahme Arme; sie sei vom Arzt und in der Klinik vergeblich behandelt worden. Dikomeit habe ihr mit dem Impfen Linderung verschafft und erst dadurch, daß sie die Kur unterbrechen mußte, sei nach ihrer Ansicht das Leiden schlimmer geworden. Dr. Tenn- baum teilte mit, daß er der Frau mehrfach beglaubigt habe, daß .sie wieder hergestellt würde. Es habe sich um ein auf einen Unfall zurückzuführendes Gelenkleiden gehandelt. Eine Frau Seibert aus Weidenhausen, die zuerst die Aerzte und nachher Tikomeit konsultiert hatte, gab au, daß sie die ärztliche Behandlung deshalb ausgegeben hätte, weil sie lieber für das Geld>< gut leben wolle.
Nachdem dec früfjerc Gehilfe Tikomeits bejaht hatte, daß letzterer ihm von seiner Tätigkeit in China und von der Bekanntschaft seines Lehrmeisters in Berlin mit Prof. Hildebrand erzählt, habe, gab er Auskunft über die verschiedenen Tees, die sie den Patienten verabfolgt. Dann kamen Zeugen aus Orten des Sieben*. , kopfer und Dillkreises, sowie des Gießener Kreises, die durch i die Kuren Dikomeits geheilt und gebessert, teils schwer an ihrer i Gesundheit geschädigt sein wollten. Einer der letzteren, ein Mann aus Oberscheld, hatte Strafantrag wegen Körperverletzung gestellt., !
Der Landwirt Heuer aus Dainerd bei Alsfeld bekundet, daß seine zwei an Augenentzündung erkrankten Kiirder durch Diko- i weit Heilung gefunden hätten, nachdem er vergeblich bei Aerzteir gewesen. Ein Förster aus Tringenstein wollte von ihm auf Rheumatismus kuriert worden sein, ebenso ein Mann aus Hartenrod auf Bartflechte und eine Frau aus Weidenhansen auf Handflechte und zwar mittelst Baunscheidtscher Methode. Die AerM und Kliniken hätten ihnen keine Hilfe gebracht. Die Sachverständigen überzeugten sich von der erfolgten Heilung. Ein Mann ans Blasbach wollte Heilung von seinem Blasenleiden gesunden, und ein Einwohner aus Weipoltshausen versichert, daß seinen beiden Jungen mittelst Pflaster die Brüche geheilt worden seien. In Kicchvers sollte eine Frau auf Anordnung des Aerztes zur Opc- । ration in die Gießener Klinik, weil sie sonst in 24 Stunden tot fei. Ihr Mann sagte, daß sie durch Dikomeit wieder völlig her« j gestellt fei. In zwei Fällen soll sich IctUcrer der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht haben und znwr durch Ver- schlimmening der Diphtherie in Tringenstein und bei einer alten Fran in Wommelshausen, die bereits tot ist Beim ersten Fall soll es sich um Diphtherie gehandelt haben, was Dikonreit bcsttttt.


