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13.5.1910 Erstes Blatt
 
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Nr. 110 Erstes Blatt 160. Jahrgang Freitag 13. Mai 1910

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für die Redaktion 112, z1L. r r ** polmfchen Leit: Lupust

SS General-Anzeiger für Oberhessen -DZM Annahme von Anzeigen v . IH . , fOalw: E. Heß; für den

für ote Tagesnuminer Roiaffon5dnrck Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und vniaeret: dchulnraye c. Anzeigenteil: H. Beck,

bis vormittags 9 Uhr. __________________ ____

F

Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.

wesentlichen frei, mit ein wenig belegter Stimme in eng

Kurze Nachrichten auS Kunst u. Wissenschaft. Ter Astronom und Physiker William Duggins ist in Lon­don gestorben. Tie lange für verschollen gehaltenen Brautbriefe Klaus Groths sind kürzlich gefunden worden und sollen nun im Einverständnis mit den Grothschen Erben von Professor Hermann Krumm in Kiel herausgegeben werden. Wahrscl'einlich werden die gemütstiefen Briefe, von denen sich manche zu stimmungsvollen Prosagedichten runden, zuerst inWestermanns Monatsheften" veröffentlicht werden. Lberkonsistorialrat Dr. theol. et vhil. Paul Kleinert, ord. Professor für praktische Theologie und alttestamentliche Exegese in der Berliner theologischen Fakultät, begeht am 15. Mai das 50 jährige Lizentiateniubiläum. Der deutsche Tech - nikerverband, der 28000 Mitglieder zählt, hält während der Pfingstfeiertage seine Tagung in Stuttgart ab.

Vie Eröffnung der Darmstädter ltunstaurftellung.

Aus Darmstadt wird uns unterm 12. Mai geschrieben: Tic Ausstellung des D eut sche n nstlerb u ndes aus der Künsllertolonic ist infolge der Hoftrauer heute nachmittag ohne besondere Feierlichkeit eröffnet worden. Tas Großherzogs- vaar hatte die Ausstellung schon vor der offiziellen Eröffnung in Begleitung des Grasen und der Gräfin T-ohna-Schlob'.tcen und der Prinzessin Dorothea zu Solms-Lich besichtigt. Unter den Gästen, die sich im Ehrensaal versammelt hatten, befanden ftch Staatsmniistcr Ewald, Finanzminister Braun, Geh. Staatsrat Krüg p. Nidda, Geh. Rat Frhr. v. Biegeleben, Provinziatdirettor Geh. Rat Fey, Oberbürgermeister Tr. Glas- fing, der russische Gesandte Exz. v. K n o r r i n g , die Künstler^ schäft mit dem Vorsitzenden des Deutschen Künstlerbundes, Gras Leopold v Kalckreuth. Geh. Rat Röm Held eröffnete tm Namen des Großherzogs die Ausstellung und lud zu einer Be- sichügung der Ausstellung ein. .

Tie Ausstellung scheint, soweit nach einem ftuckstigen Rund­gang geurteilt »verden kann, die bedeutendste zu sein, .die der Deutsche Künstlerbund bisher veranstaltet hat. Sie ist in ihrer Gesamtheit außerordentlich anregend und interessant, wctl sie ein umfassendes Bild von allen modernen Kumtitrömungen gibt, freilich enthält sic neben Genialen! und Schönem auch vieles!, was Widerspruch und schärfste Kritik herausfordert. Es darf aber mit Befriedigung festgestellt werden, daß das wirklich Gute und Schöne start überwiegt. Bon der Reichhaltigkeit der Aus­stellung, die nur Gemälde und Plastik umfaßt, mag die Tatsache zeugen, daß an den etwa 500 ausgestellten Werken 243 Künstler beteiligt sind; recht erfreulich ist der Reichtum an guter Plastik

Bei einem nickt geringen Teil der ausstcllenden Künstler ist ohne Frage das Können weit hinter dcnl Wollen zurückgeblieben, aber einige von ihnen sind 'mit Werken von wunderbarer Schön­heit vertreten. Vor allen ist Franz v. Stück zu nennen, dessen herrliche Salome und die kleine Aphrodite Kallipygos allgemein entzücken. Richt immer einverstanden sein kann man mit der Auffassung, in der Lovis Corinth den Kieper gibt, aber ferne ganze Komposition und Malweise sind ungemein charaktertsttsch und fesselnd. Auch die Plastik bietet mancherlei reizvolle Aktbi der

Gleich im Mittelpunkt des ersten Saales nt ein von Alfred Sohn-Rethel m eigener Auffassung ausgeführtes Bildnis

Roosevelt über Welttullur.

Der gestrige Vortrag Roosevelts in der Aula der Ber­liner Universität >vird schwerlich dargetan haben, daß ein so außerordentlicher Aufwand beim Empfang und Besuch oieses Privatmannes nötig war. Er hat uns nichts Neues gesagt, und wenn wir zugeben, daß seine Gedankengänge fesselnd und anregend sind, so brauchen wir doch diese rednerische Leistung keineswegs als eine kulturhistorische Großtat anhuschlagen und anzustaunen. Es wäre schlimm, wenn wir in Deutschland keine Rkänner mehr hätten, die ebenso aus dem Staub der wissenschaftlichen .Kleinarbeit und der Tagesstreitigkeiten ben Blick HU umfassenden Bc- krachtungeii aufwärts richten könnten. Vielleicht geschieht dies bei uns zu wenig, und dann hat uns der weltmännische Jlmcrilancr mit seinen Seiten hieb en auf schroffe Arroganz und dogmatische Intoleranz mancher Männer der Wissen- ichaft in der Tat etwas Nutzbringendes gegeben. Aber sollen wir die Roosevelt'schen philosophischen Streifzüge außerdem noch besonders bewerten, weil es ein Frem- ber ist, der sie unternimmt? Roosevelt hat wissenschaftlich nichts Greifbares vorgebracht, logisch sind feine Erörte­rungen luftig und allzu sprunghaft; so plaudert ein weit­gereister und vielfach interessierter, geistig begabter Mann >on reicher Erfahrung am Kaminfeuer, indem er sich be- inühl, die großen Zusammenhänge wieder vvrs Auge zu bannen. £b solche Reden des früheren Präsidenten das ganze Wesen des Mannes ausmachen, steht jedoch dahin. 2rine lirerarischen Erzeugnisse bieten andere Bilder. Doch was er uns gestern gesagt hat, besonders in seinen Schluß - l"ofgerungen, ist richtig, und die Ziele, auf die er hinweist, sind trotz aller gar 'zu äußerlicher Betrachtung der neuenWeltlültur" des Beifalls wert. Fn Paris hat er r-en Gedanken, daß man zuerst ein guter Bürger des eigenen Landes, und erst bann ein Weltbürger sein dürfe, schon einmal ausgesprochen. Roosevelt hat auch den Deutschen rinige kleine Lobzuckerplätzchen mitgebracht. Seine ethi­schen Staatstheorien sind gut und interessant, aber da der ilrHeber immer wieder ganz im allgemeinen reale Not- :nenbiglcitcn durchschimmern läßt in der Friedensfrage

B. die Ralionaladwehr gegen alle Unbilligkeit ,so Uyimt alles darauf an, wie ein solcher Staatsmann seine Grundsätze in die Wirklichkeit umzusetzen weiß. Bon Roose- nelt weiß man, daß er stets ein Mann guter Worte ge- ipefen ist, der aber im Hinblick auf seine wirklichen Lei­stungen das Lob nicht immer verdient hat, das ihm der Rektor der Berliner Universität und die amtlichen Be­grüßungen gespendet haben, daß er nämlich die ethischen Mächte'des Gewissens allezeit als Leitsterne vor sich ge­habt hätte. Dazu ist Roosevelt viel zu sehr der Mann her großen Menge, der Götzendiener feiner eigenen Triumphe.

Berlin, 12 Mai. Um 111/2 Uhr begann die Feier­lichkeit zu Ehren Roosevelts in der Aul a der U niv er si- tat Zu Seiten des Katheders nahmen der Senat und der Lehrkörper der Universität Platz, davor die geladenen Gäste, sowie die Studentenschaft. Unter den Gästen befanden sich der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg, Kultusminister ü. Trott zu Sols, der amerikanische Botschafter Hill, die Witwe des Botschafters Frhrn. Speck von Stemburg, Reichs- tagspräsident Graf Schwerin-Löwitz, Staatsminister a. D. .j/Stubt u. a. Roosevelt würbe von bent ältesten Dekan eingeführt, worauf er bei ben Professoren Platz nahm. Gegen Schluß ber Hymne betraten, geführt vom Rektor Geheimrat Schmibt, ber einen ge- gestickten Purpurmantel und einen Degen trug, die M a 1 e |t ä t e n und die sonstigen Fürstlichkeiten, die Aula.

Rach einer Begrüßung des Rektors an die kaiserlichen Gäste und Roosevelt trat Roosevelt vor und hielt vom

i.scher Sprache:

*3d) begrüße mit großer Freude die Gelegenheit, vor bei Universität von Berlin in dem Jahr, in dem ite das erste Jahr­hundert ihres Bestehens abschließt, eine Ansprache halten zu dürfen. Es ist für Sie in der alten Welt schwer, bic Genihle eines Mannes, der von einer noch im Werden begriffenen Ration in ein Land mit einer in unvordenkliche Zeiten zurückreichenden Vergangenheit kommt, zu verstehen; und das ist besonders der Fall, wenn dieses Land, mit seiner alten Geschichte hinter sich, bennod) voll stolzen Vertrauens in die Zukunst blickt und in der Gegenwart all die überschäumende Kraft froher Jugend zeigt. Tas ist der Fall mit Deutschland.

In dieses Land komme ich als Angehöriger eines inngen Volkes, das mit jeder der großen Nationen des mittleren und westlichen Europas blutsverwandt und doch wieder von jeder verschieden ist; das von jeder viel ererbt oder erworben hat, aber dock) jede Erbschaft und jede Erwerbung in etwas Neues und Fremdes verändert und entwickelt. Der deutsche Anteil an unserm Blut ist groß, denn fast von Anbeginn an ist das deutsche Element unter den einander folgenden Wogen von An­kömmlingen groß gewesen; und ich selbst führe meine Abstam­mung auf jenen Zweig der Niederdeutschen zurück, der Holland aus der Nordsee empor gehoben hat. Und noch mehr, wir haben von ihnen nicht nur einen groben Teil des Blutes, das durch unsere Adern rinnt, entnommen, «sondern auch einen großen ^,eu der Gedankenwelt, durch die unsere Denkarbeit bestimmt wird. Generationen amerikanischer Studenten sind zu Ihren Unwersi- täten gezogen, und dank.der vorausschaucnden Weisheit Seiner Majestät des gegenwärtigen Kaisers ist das innige und freund- schastliche Verhältnis zwischen beiden Ländern jetzt in jeder Be­ziehung enger, als es je zuvor war.

Deutschland ist ganz besonderstem Land, in dem tue Welt- kultur-Bewegung von heute in «all ihren viel­fachen Erscheinungsformen deutlich sichtbar wird.

Die ersten Kulturen, von denen wir unzweideutige Zeugnisse besitzen, waren die, die in Mesopotamien und im Niltal etwa vor sechs- oder achttausend Jahren entstanden. Der Fall der Juden war ziemlich exzeptionell. Sie bildeten ein kleines Volk von kaum größerer Bedeutung als bic Schwesternationen der Moabiter und der Leute von Damaskus, bis alle drei samt den anderen kleinen Staaten desselben Landstrichs amter das Joch der Fremd­herrschaft kamen. Dieses überlebten ibie Juden, während die Stammcsgenossen utntergingen. Auf geiftigem Gebiet steuerten sic eine Religion bei, .die der stärkste aller Faktoren in der Einwirkung auf die weitere Entwicklung der Menschheit gewesen ist, aber teilt anderer Beitrag der Juden kann sich mit dem messen, was uns die Griechen und Römer hinterlassen haben.

Die griechisch-römische Welt erlebte eine bei weitem glänzendere, mannigfachere und intensivere «Kultur, als irgend eine ihrer Vorgängerinnen besessen hatte, und zwar eine, die einen bedeutend größeren Teil der Erdoberfläche umfaßte. Zum erstenmal begann da etwas, was wenigstens eine Weltbe­wegung in dem Sinn iandeulete, daß es einen erheblichen Teil der Erdoberfläche betraf. Von dieser Breite und Mannig- s a l t i g k e i t intellektueller Betätigung und ^allgemeiner Kenntnis hatte man früher nichts gewußt; und zum ersten Male begegnen wir den großen geistigen Führern, Philosophen und Schriftstellern, deren Werke einen Teil.dessen bilden, was in der heutigen Geistes­welt am höchsten gilt, b-eren Werke heute noch so lebendig sind wie zur Zeit ihres Erscheinens.

In mancher Hinsicht übertraf bas Mittelalter aus dem einfachen Grunde, daß es «christlich war, die glänzende heidnische Kultur der Vergangenheit; und es gibt einige Punkte, in denen die nachfolgende Kultur unter das Niveau des Zeitalters gefallen ist, das so gewaltige Meisterwerke der Dichtkunst, der, Architektur ganz besonders der Kirchenarchitektur und so erhabene Leistungen geistlicher und kraftvoller weltlicher Führerschaft hervor­gebracht hat. Aber es waren trotzdem Jahrhunderte voll roher Gewalt, Raubes und grausamer Rechtspflege, und die Wahrheit galt so wenig, daß die edlen und kühnen Geister, die ihr nad>» spürten, namentlich auf wissenschaftlichem Gebiet, dies mit stetem Bangen vor Rad und Scheiterhaufen taten.

Endlich, vor etwas über.vierhundert Jahren, wurde die unter­brochene Bewegung in der Richtung auf eine W e l t k u l t u r von neuem ausgenommen. Der Beginn dieser neuen Bewegung kann als ungefähr mit der Erfindung der Buchdruckerkunst und

des Großherzogs ausgestellt, daneben sehen wir eine FrühlingKstim- mung von Hübner, an anderer Stelle leuchtet uns C. B a n tz e r mit einem lichten, entzückendenFamilienbild" entgegen u. gegen­über sehen wir das prächtige, sonnige Werk von Otto Höger- Weimar, für das dem jungen Künstler der Villa-Rvmana-Preis zu teil rourbe. Ludwig 0. Hofmann bringtSchwärmende Mänaden" und ein Bild der Küste von Sorrent, Graf K a l ck - reutb erfreut uns mit zwei Landschaftsbildern und dem groß­zügig durchgeführten Bildnis einer Dame. Van Max Lieber­mann ist sein schon bekanntes Selbstporträt, Wolfgang Merkel- München eine PorträtgruppeAnatomie", L a m - brccht-MünchenBirken int Schnee", Leo König-Berlin eine hübsche Szene beimLesen der Zeitung". Tie Münchener Se'.elston ist durch Stück,Haberman n, G röber, Pietz sch Münzer, Leo Pütz u. a. vertreten. Tie Stuttgarter weisen Prof. v. Haug, Adolf Hölzel, Alfted Schmidt und P ö tz e l - berg er, die Karlsruher Wilh. Trübner, Hans v. Bolk- mann. Hellwag , Ludwig Will, die Berliner Max L i e b e r - mann, Eorinth, Slevogt, Emil Orlik, Max Beck­mann, die Worpsweder Otto M 0 ders ? ' n , Heinr. Vogler, Mackensen, Karl V i e m a n auf. Aus du hessischen Künst­ler werden wir noch näher zurückkommen.

Männern der Wissenschaft erörtert worden ist.

Eine der H a u p t g e f a b r c n d c r iK u l t n r ist stets ihre Tendenz gewesen, den Verlust an männlichen Kampfeigen­schaften, an Kampflust herbeizusühren. Wenn die Leute zu bequem werden und ein zu luxuriöses Leben führen, so ist immer die Gefahr vorhanden, daß diese Verweichlichung sich wie eine Säure in die Mannessiber einsrißt. Ich will nun nicht behaupten, daß die moderne zivilisierte Gesellschaft diese Tendenzen voll­ständig unterdrückt hat, aber ihre Unterdrückung ist mit sehr viel größerem Erfolg versucht worden, als unter den alten Kulturen. Allmählich ist bis heute im wesentlichen jede Armee eine aus Landeskindern geworden und der Söldner fast ganz verschwunden.

Ein anderer starker Gegensatz zwischen dem Lauf der Ent-» Wicklung moderner Kultur im Vergleich mit den späteren Stadien der griechisch-römischen oder klassischen Kultur ist in den Be­ziehungen zwischen Reichtum und Politik zu finden. In den klassischen Zeiten, als .sich die Kultur ihrem Höhepunkt näherte, wurde die Politik ein anerkanntes Mittel zur Erwerbung großer Reichtümer. Cäsar stand immer wieder am Rande des Ban- kerotts; er gab ein enormes Vermögen aus und entschädigte sich dafür durch das Geld, das er durch seine politische Laufbahn, erwarb. Augustus stellte das römische Kaiserreich auf feste Grundlagen mit dem riesigen Verniögen, das er durch Plündern erworben hatte. Was für einen Gegensatz bietet hierzu die Lauf­bahn eines Washington und Lincoln! Allgemein ge­sprochen, kann heute Reichtum das öffentliche Leben stark be­einflussen, aber er wird nicht mehr im öffentlichen Leben er­worben.

Aber aut meisten fällt doch die Tatsache in die Augen, daß in Bezug auf geographische Ausbreitung, die Mannig­faltigkeit der Interessen und die äußerste Schnelligkeit der Be­wegung die heutige Kultur mit nichts verglichen werden kann, was vor ihr war. Sie ist jetzt buchstäblich eine Weltbewegung geworden, und diese Bewegung wird immer schneller und unter­wirft sich immer neue GÄiete. Wir haben vollständige Gewissensfreiheit etabliert und als Folge davon voll­ständige Freiheit geistiger Betätigung. Alle freien und wage­mutigen Seelen haben ein i)'o ziemlich unbegrenztes Feld für Be­strebungen jeder Art vor sich.

Ich persönlich glaube nicht, daß unsere Kultm: untergehen wird. Ich glaube, daß wir im ganzen besser und nicht schlimmer geworden sind. Ich glaube, daß im ganzen die Zukunft für uns noch mehr sogar enthält, als die große Vergangenheit für uns enthalten hat. Aber sicherlich werden sich die goldenen Ruhmcs- treume der Zukunft nicht erfüllen, wenn wir sie nicht mit hoch­gemutem Herzen und mit starker Hand, durch unser eigenes tatkräftiges Handeln zur Erfüllung bringen. Wir können es uns nidjt erlauben, eine besondere Reihe von Eigenschaften, eine besondere Reihe von Betätigungen zu entwickeln und dafür andre, gleich wichtige verschwinden zu sehen. Wir bcdürsen vieler Eigen­schaften, wenn wir unser Werk gut tun wollen. Wir bedürfen zuerst derjenigen Eigenschaften, auf deren das Leben des In­dividuums, der Familie beruht der h ausb ackenen, all­täglichen, allgemein wichtigsten Tugenden Aber diese Eigenschaften reichen nicht aus. Es muß jene Orgonisations-

Ferdinands des Katholischen und Iwans des Schrecklichen über alle Ozeane und alle Kontinente erstreckt. An emigen Stellen ind die Eroberungen ethnologischer Natur gewesen, d. Y. es hat eine Völkerwanderung statlgefunden und neue Staaten sind entstanden, deren Bevölkerung ganz oder hauptsächlich von euro­päischem Blut abstammt. An anderen Stellen ist die Erobcnmg rein politisch gewesen, endlich zeigen sich hier und da Bcispielc dafür, daß eine Eroberung überhaupt nicht stattgefundcn bat, sondern daß ein fremdes Volkk durch die bloße Einfuhr von west­licher Kultur gründlich und vollständig verändert worden ist. Das außcrordentlichste Beispiel hierfür ist natürlich ^apan, denn Japans Wachstum und Umwandlung während des lebten halben Jahrhunderts ist nach vieler Hinsicht die ausfallendste Erscheinilng der gesamten Geschichte. Stolz auf die Geschichte seiner Vergangenheit, tief ergeben gewissen Ueb erlief ertrug en feiner Vergangenheit, bat es sich mit einem einzigen Ruck von allen alten Fesseln befreit und mit einem Sprung Ieinen Platz unter den führenden Kultnrnationen >der Menschheit eingenommen.

Ungefähr im Jahre 150 veröffentlichte der Geograph Ptolc- maus eine Karte von Zentralafrika und den Rilquellen, und diese Karte war genauer, als irgend eine andere, die wir bis zum Jahre 1850 besaßen. In den Tagen des Plinius wußte man mehr von der Physik und kam man durch Vennutungen der Wahrheit über physikalische Erscheinungen näher, als bis zum Beginn der modernen Bewegung. Dieselbe Erscheinung trifft auch Tür bic Kriegswissenschaft zu. Am Ende des Mfttelalters waren die Waffen dieselben, die sie immer gewesen waren: Schwert, Schild, Bogen und Speer, und jede Verbesserung wurde mehr als wett gemacht durch die Einbuße an militärischem Wissen, an Irtegc- rischer Organisation und an Eigenschaften militärischer Führung seit den Tagen Hannibals 'und Eäsars. Vor hundert Jahren, zur Zeit der Gründung dieser Universität, unterschieden sich die Trans- porttnittel im wesentlichen nicht von dem, was sie unter ben' hochzivilisierten Völkern des Altertums gewesen waren. Es gab viele Gegenden (ftiropas, wo die Wege sicherlich schlechter waren, als die alten römischen Poftstraßen, und das Mittclmeer erfreute sich z. B. keinesfalls einer so vortrefflichen Secpolizei wie zu den Zeiten Trajans. Heute chabcn Dampf und Elektrizität einen vollständigen Umschwung herbeigesührt, und die sich daraus er­gebende unendlich erhöhte Leichtigkeit bes Verkehrs hat wiederum einen vollständigen Wechsel auf allen physischen Gebieten des menschlichen Lebens hervorgebracht. In mancher vitaler Hinsicht unterscheidet sich die moderne Riesenstadt mehr von allen früheren Städten, als sich diese Untereinander unterschieden, und die gigan­tische Fabrikstadt bildet aus und in sich selbst eins der furcht barsten Probleme des modernen Lebens.

Dio Fortschritte int Bereich des reinen Intellekts sind von gleicher Bedeutung gewesen, und sie waren sowohl intensiv wie extensiv. Große jungfräuliche Gebiete ber Kenntnis und des Wissens sind entdeckt worden: zur selben Zeit ist die Bildmig der Massen in einem früher ungeahnten Maße verbreitet worden. '-Bilbuna, Luxus und Raffinement, große materielle Güter, großer Landbesitz, Zunahme in der Meistermig mechanischer Hilfsmittel und angewandter Wissenschaft das sind alles Kennzcichcn unserer Kultur, wie sie Kennzeichen der wundervollen Kultur waren, die vor zwanzig Jahrhunderten an den Gestaden des Mittelmcers blühte, und sie gingen dem Zusammenbruch der älteren Kultur voraus. Doch auch die Unterschiede sind zahlreich. Die einzige Tatsache allein, daß die alte Kultur auf Sklaverei basierte, zeigt die weite Kluft, die zwischen beiden gähnt. Lassen Sie mich nock) einen anderen und sehr bedeutenden Unterschied in der Entwicklung der beiden Kulturen liervorheben, einen Unterschiü), der so klar ist, daß es erstaunlich ist,' daß er noch nicht Don