160* Jahrgang
Erstes Blatt
Donnerstag 13. Oktober 1910
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Der Stetzener »njelget rscheint täglich, außer sonntags. - Beilagen: »iermal wöchentlich stehenerKanülienblStter; ivennalwöchentl.ttrelL- >latt für den Xreir Hießen Dienstag und Freitag); iveimal monatl. Land' oirlfchafttiche Seitfragen jentjprech - Anschlüsse: iir die Redaktion 113, Üerlag u. Expedition 51 Übrefit für Depeschen
Anzeiger Gieße».
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■ B ■ ^lr " ▼ ÄB Chefredakteur: A Goetz.
M D M Verantwortlich für den
—« w _ e < politischen Teil: August
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« iÄFTuJJ Botafionsörnct mtb Verlag der vrühl'schen Unlo.-Vuch- und Steindruckerei TL Lange. Redaktion. Lrpedition und Vrnckerel: Schulftrahe 7.
Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.
Der Lisenbahn-Ausstand in Frankreich.
O Paris. 11. Ott.
Der Eisenbahn-Ausstand Tonnte, bis diese Zeilen ver- fsentlicht tverden, bereits ans sämtliche srcrnKösischen Netze öergegriffen haben, da unheimliche Drohungen dieser Art ie Stadt durchschwirren. Aus dem Nordbahn-Netze ist *"den- ills schon der Verkehr so gut wie ganz eingestellt. "Der iordbahnhof wurde am Nachmittag, nachdem er bereits orher größtenteils abgesperrt worden war, ganz ac- Hlossen, weil der Zudrang einen kolossalen Umfang annahm nd besonders, weil die Züge weder einlaufen noch ab- chren konnten. Mit Not und Mühe konnten einige wenige auptsächlich für die Bannmeile in Betrieb gesetzt werden, hne daß die Gesellschaft die Verpflichtung zu übernehmen ermochte, daß sie auch ihr Ziel erreichen würden. Und so eginnt es unter den zahlreichen Bewohnern der Bann- teile, die in Paris beschäftigt sind, gewaltig zu gären. Das sentral-Komitee für den Ausstand dürfte deshalb mit seinem wfrufe an Arbeiter und Angestellte, den Streikenden ihre Sympathie zu zeigen, kaum Glück haben. Was die maßlosen lussälle dieses überall angeschlagenen Schriftstückes gegen ie Regierung, das Parlament und die Bourgeois betrifft, o mutz sein unverhüllt revolutionärer Ton den widerstand aller herausfordern. Das ist kein Ruf mehr n die Solidarität der Werktätigen, sondern eine Heraus- orderung zum gernaltsamen Umstürze. Deshalb hat die iegierung ihren Maßregeln sofort die nötige Energie gerben. Ministerpräsident Briand stand deshalb nicht an, em Streikausbrüche einen mehr politischen und revolu- ionären, als Berufscharakter zuzuschreiben. Zunächst wird as „Journal Officiel" ein Dekret veröffentlichen, dem- usolgc die Eisenbahnen militärisch organisiert werden. Der ereits längst im Hinblicke auf einen Streik vorgesehene Zlan für den Po st di en st wurde gleich am .Dienstag norgen zur Ausführung gebracht und sind nähere ein- ,ehende Bestimmungen zwischen dem Minister des Innern ind dem der Arbeiten vereinbart worden. Es sind auch ie umsassendsten Maßregeln zur Sicherung der Verprovian- ierung von Paris ergriffen worden. Unter den Eisenbahn- Angestellten wirken die revolutionären Aufhetzungen in be- -enklichster Weise, so daß man auf die schlimmsten Heber- ''chunger vorbereitet ist. Es wird ganz offen erklärt, >aß man der militärischen Einberufung nicht Folge leisten -erde, weil sie gesetzlich nicht begründet sei. Bemerkenswert ist, daß fast sämtliche Telegraphen-und Dele- - Hon-Verbindungen des Nordbahnnetzes durch- ch n i t t e n wurden. Es ist begreiflich, daß bei dieser jähen md gefährlichen Unterbrechung eines der wichtigsten Lebens- »rgane der Nation die Beschwerden gegen die „zu nach- stebige" Politik der letzten Jahre sehr heftig werden. Das ,Journal des Debats" weist sehr ausführlich nach, iaß in allen anderen Kulturländern die strengsten Bestim- nungen gegen willkürliche Unterbrechungen des Eisenbahn- üensles bestehen, während in Frankreich gar nichts daaegen zetan wird. Der „Temps" seinerseits greift in heftigen Ausdrücken das den Eisenbahnern gewährte Streikrecht an unb hält der Regierung und dem Parlament vor, daß sie geradezu eine moralische Bürgschaft dafür übernommen hätten, ein solcher Streik würde nre ausbrechen. Er verlangt dann
die Anwendung der Bestimmungen des Strafgesetzbuches für die Attentate gegen die Sicherheit des Staates und schließt:
„Wer könnte leugnen, baß solche Vorgänge wegen des all- gemeinen Charakters der Bewegungen selbst mit) wegen ihrer politischen und revolutionären Färbung wahre Attentate gegen die Nation bedeuten? Man darf nicht die Arme kreuzen und sich darauf beschränken, die materielle Ordnung zu sichern. Man muß handeln, kräftig handeln."
Die Befürchtung unseres Pariser Mitarbeiters, der Ausstand werde einen großen Umfang annehmen, wird durch die neuesten Meldungen bestätigt. Wir erhielten folgende Drahtnachrichten:
Die Ausdehnung des Ausstandes.
Paris, 12. Okt. Achttausend Angestellte der ft a a t l i ch e u W e stb a hn g e s e l l s cha f t entschieden sich in der gestrigen Abendversammlung für den Generalstreik bis zur vollständigen Befriedigung ihrer Forderungen. Es wurde beschlossen, auch bei ihren noch in Dienst befindlichen Kameraden dahin zu wirken, daß sie ebenfalls im Stadtgebiet die Arbeit' einstellen. Man rechnet auf Unterstützung auch in der P r o- in$et Ausschuß des Syndikats der städtischen Untergrundbahn-Angestellten hat für heute abend eine Versammlung einberufen, um über die „gegenwärtigen Ereignisse" zu beraten. Man befürchtet, daß in dieser Versammlung der Anschluß an den Eisenbahnerstreik beschlossen wird.
Tie Versammlung der Eisenbahnbedien steten des östlichen Schienennetzes beschloß heute mittag gleichfalls, in den Streik einzutreten.
Nach den Feststellungen des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten erfolgte am Bahnhof Mont Parnasse keine Arbeitseinstellung. In den Werkstätten von Batign olles fehlt kein Arbeiter. Der Dienstbetrieb im Bahnhof des Invalides ist normal. Der Postverkehr im Nordbezirk war gesichert; Automobile waren nach Bedarf eingestellt. Der telegraphisch Verkehr ist wiederhergeftellt. Der Ausstand auf der staatlichen O st b a h n sch in auf das MeichbildderSkadtbeschränkt zu sein; nrchlsdestoweuiger verließen mchrece Maschinisten und Heizer der großen Linien den Dienst. Mehrere Beamte, welche aufgefordert waren, den Dienst wieder aufzunehmen, rveigerten sich, dies zu tun.
Heute nachmittag IV2 Uhr verließen alle Heizer den JN- validenbahnhof. Der Zugverkehr ist infolgedessen eingestellt, der Bahnhof geschlossen. Auch auf dem Bahnhof St. Lazare ist der Zugverkehr eingestellt. Die Telegraphen- und Telephonlinien sind durchschnitten. Der Jnvalidenbahw- hof und der Bahnhof St. Lazare gebären zum Netze der staatlichen Weftbahn. Die Nordbahngesellschaft hat ungefähr 3 0 Bell m t e entlassen.
Paris, 12 Oct. Der Streikführer Patand unterbreitete heute dem Seinepräfekten die bereits vor zwei Monaten formulierten Forderungen der Elektrizitätsarbei- t c r in Form eines Ultimatums.
Ausschreitungen der Ausständigen.
Paris, 12. Okt. Auch heute werden wieder verschiedene „Sab 0 tage"-Akte gemeldet. In der Nähe der belgischen Grenze sollen auf eine Strecke von zweihundert Metern die Schienen herausgerissen worden sein. Bei den Eisenwerken von Mentataire an der Nordbahn wurden fünfzig Telegraphen-und zwei Sianaldrähte zerschnitten. In Ereil wurde ein Heizer verhaftet, Der seine Lokomotive auf der Fahrt verließ und aus der Strecke stehen ließ. Zahlreiche Fremde haben angesichts des drohenden Gesamtausstandes ihre Abreise beschleunigt. Zwei transatlantische Züge, die erst heute nach Havre abgehen follten, wurden vom Htaatsbahnhof St. Lazare bereits gestern abend 9 Uhr 20 abgelassen.
Im Bahnhof von Colombes wurden heute vormittag mehrere von Lisieux, Havre unb Nantes ankommende Züge von Ausständigen an der Weiterfahrt verhindert. Als ein Lokomotivführer sich weigerte, seine Maschine zu verlassen, wurde er von den Streikenden mit Revolvern bedroht. Die Lokomotive wurde sodann quer über das Meis gestellt, so daß der Verkehr unmöglich mürbe.
In St. Quentin wutben zwei Lokomotiven in verbrecherischer Weise gegeneinander in Fahrt gesetzt. Die Maschinen stießen zusammen; einiger Schaden wurde angerichtet.
Die Maßregeln gegen den AuSstanb.
Paris, 12. Okt. Ministerpräsident Briand kam mit dem Verkehrsminister und dem Kriegsminister überein, daß tmrd) die Ausdehnung der Ausstandsbewegnng noch eine Reihe weiterer Maßnahmen erforderlich geworden ist. Ferner hatte der Ministerpräsident mit dem Justizminister, dem Oberstaatsanwalt, dem Staatsanwalt und dem Ches der Kriminalpolizei eine Besprechung, um vom allgemeinen Gesichtspunkte aus die Frag« der Verantwortlichkeiten für den Ausstand zu prüfen. Tie Maßregeln, die sich aus dieser Prüfung ergeben haben, such getroffen worden.
Das „Amtsblatt" wird morgen einen Erlaß veröffentlichen, durch welchen vom 14. Oktober an die Beamten allerBah - neu, ausgenommen der Südbahn, soweit sie wehrpslicl-tig such, auf 21 Tage zum Militär einberufen werden.
Für die Ueberwachung der Nordb ahn-Linien werden gegenwärtig 1500 Mann verwendet, die unter den Befehl eines Brigadegenerals gestellt wurden. Das M in i st e r i u m d e r öffentlichen Arbeiten, das um Mitternacht von beut Ausstandsbeschluß der West bahn-Bedien st eien benachrichtigt worden war, hat Maßnahmen getroffen, um den Verkehr, ioeiut auch in sehr beschränktem Maße, aufrecht erhalten zu können. Für die Elektrizitätsftation der Westbahn wurden 4 6 Gen i e s 0 lda - ten requiriert. Die telegraphischen Verbindungen zwischen Versailles unb dem St. Lazare-Bahnhof sind unterbrochen.
Privatunternehmer haben einen Au tomobilv er< kehr nach den Großstädten Ost- unb Westfrankreichs eingerichtet, doch wird er wegen der übermäßigen Preise nur wenig in Anspruch genommen. Ein Amerikaner zahlte einem Automobilchauffeur für die Fahick von Boulogne fur Mer 3000 Franks.
Eine der Fragen, welche die Regierung gegenwärtig am meisten beschäftigt, ist die der Verproviantierung von Paris, Es heißt, daß hierzu vor allem die W a s s e r w e g e benutzt werdet sollen, und daß die Schiffahrtsbehörden mit dem Kriegsministerium zu diesem Behufe bereits einen detaillierten Plan ans gearbeitet haben.
An der Börse, welche in einer auffallend festen Stimmung; war, war bas Gerücht verbreitet, die Negierung habe bch den Bahngesellschaften durchgesetzt, baß sie die L ö h n e i h r er Bediensteten erhöhen. Dafür seien die Gesellfthasten zur Erhöhung ihrer Transporttarife ermächtigt worden.
Ter Präsident der Republik hat infolge des Eisenbahn erstteiks seinen Ferienaufenthalt auf seinem Landgute Loui- pillon abgebrochen unb ist gestern abenb mittelst Sonberzuges von Borbeaux nach Paris abgereift, wo er heute eintrifft.
Einzelne Lebensrnittel, namentlich Eier, NLÜch mch Butter haben toeiter eine Preissteigerung von etwa 20 Prvz. erfahren. In ber Bevölkerung gibt sich auch in dieser Hinsicht lebhafte Beunruhigung kund unb die großen Geschäft« sinb mit Kunben überfüllt, welche süh für längere Zeit mit Nahrungsmitteln versorgen wollen.
Eine Rede des Ministerpräsidenten.
Paris, 12. Okt. Gestern abend sand ein Ban^ fett des republikanischen Komitees für Han-,
Die Senioren der Berliner Universität.
Professor D. Adolf H a rnack veröffentlicht im „Tag^^ einen interessanten Aufsatz über die Aeltesten der Berliner Universität, dem wir folgende Ausführungen entnehmen:
In den Tagen der Jubelfeier unserer Universität schauen mir vor allem rückwärts auf die Anfänge der Hochschule. Die Kette großer Gelehrter und wahrhaft verehrungswürdiger Männer ist an unserer Universität niemals abgerissen, auf welche ^atultät wir auch schauen mögen. Wie viele Namen wären hier zu nennen von Neanber. Johannes Müller, Boeckh iinb Hegel an bis zu Gneist, Treitschke, Virchow, Helmholtz, Curttus und Mommsen! *
Von diesen unvergeßlichen Männern aber richtet sich unser Blick auf die Gelehrten, die zurzett die Träger der Ueberliese- rung unter uns sind, nämlich auf die gegenwärtigen Senioren ber Universität. In ihnen ist für uns die Vergangenheit noch lebendig; aber nicht nur deshalb verehren wir sie, sondern auch um dessentwillen, was sie unserer Hochschule geleistet haben, und so mögen sie es sich gefallen lassen, daß Üy den zahlreichen Äedenkblättern, die in diesen Tagen erscheinen, ein frisa>es Blcht hinzufüge, welches den Lebenden unter uns gilt, die zwei Zeitaltern angehören.
Der Alterssenior der Universität an ihrem Jübeltage ist der Professor der Theologie Dr. Bernhard Weiß. Er hat in diesem Sommer fein 83. Lebensiahr vollendet, aber et setzt noch letzt die akademische Lehrtätigkett fort, die er im Jahre 1852 in Königsberg begonnen hat, und auch als Schriftsteller wirkt er mit ungeschwäclster Kraft. Sein wissenschaftliches Arbeitsfeld ist das neue Testament. Mit zwei der wichtigsten Erkenntnisse auf diesem Gebiete ist sein Name für immer v«rknüpft: er vor allem bat der Einsicht zum Siege verholfen, daß das Evangelium des Markus das älteste Evangelium ist und den anderen zugrunde liegt, daß aber von Matthäus unb Lukas eine noch ältere Quelle benutzt worden ist, die sich in ihren Grundzügen aus diesen Evangelien noch ermitteln läßt.
An unserer Universität wirkt Professor Weiß seit dem Jahre 1876; aber die Hochschule hat einen Kollegen in ihrer Mitte, dec ihr bereits 52 Jahre angehört, also als Berliner Dozeitt ihr Senior ist — den Astronomen Wilhelm Förster. Am 22. Mai 1858 hat sich Förster habilitiert unb ist seitdem ununterbrochen bei uns geblieben -— im Jahre 1858, d. h. zwei >zahre vor dem fünfzigiährigen Jubiläum der Universität, ein Jahr vor Alexander 0 Humboldts Tode, als von den ersten Lehrern ber Hochschule noch Boeckh, v. Raumer und Bekker tätig waren! So verbindet Förster in seiner Person die Gründungszeit der Universität mit der Gegenwart! Der junge Pnvatdozent, dem er heute die Hand schüttelt, soll wissen, daß diese Hand schon in ber Alexander v. Humboldts unb Boeckhs geruht hat !
Die Universitäten zählen nicht die Lebensiabre du Pro
fessoren, sondern vor ihnen die Dienstjahre. Der Aellefte als I Ordinarius unter uns und als solcher ber Senior ist nicht Weiß, auch nicht Förster, sonbern der llassische Philologe Johannes | Bahlen. Wett über fünfzig Jahre ist es her, seitdem ihm in jungen Jahren eine ordentliche Professur übertragen worden ist, und er ist, wenn ich nicht irre, jetzt der älteste aktive Ordinarius in Deutschland überhaupt. Soeben haben wir seinen 80. Geburtstag gefeiert, aber wer seinen Geburtsschein nicht kennt, könnte meinen, es wäre fcie Feier des sechzigsten gewesen. Von Wien ist er zu uns gekommen, wo er eine der größten wissenschaftlichen Unternehmungen der Gegenwart^ie Herausgabe der Werke der lateinischen Kirchenväter, begründet unb in die Wege geleitet hatte.
Wahlen ist seit dem Jahre 1874 der nnsrige; aber die Universität hat einen Kollegen in ihrer Mitte, der sck>on seit dem Jahre 1870 dem akademischen Senat in Berlin angehört unb daher der älteste Ordinarius der Berliner Anciennität nach ist — Adolf Wagner. Wer eine Umfrage halten wollte, welcher Professor der Berliner Universität heute der populärste sei, würde die einstimmige Antwort erhalten: Adolf Wagner. Er hat sich um unsere ganze soziale Gesetzgebung die größten^ unvergänglichen Verdienste erworben. Zu ihr hat er aufgerufen in einer Zett, da uh ein Prediger in der Wüste war; aber er durfte es aß Regierung und Parlament ihm folgten. Die soziale t stets innegehalten, indem er einen Kampf nach zwei rte. In diesem Kamps hat er Freund und Feind oft l ’enn er wie Bileam segnete, während man seinen
F. te, unb umgekehrt. Diese Paradoxie seiner Haltung
Iteu in seiner freudigen Kampfeslust begründet; sie
hat ieln. Dieser Sieger ist der geborene Anwalt jeder
Min. ’ er nur irgend etwas Berechtigtes in ihr zu
entbei und jeder Erkenntnis, wenn sie ihm mißachtet er wendet sich augenblicklich gegen seine eigene
Meinuu . ihm von anderer Sette entgegengetragm wird
und die igen fehlen, deren Notwendigkeit ihm gerade
in solchen aufleuchtet! — In dieser Weise hat dieser
Kämpfer s 'n geschlagen, immer zum Schutz der Unter
drückten, a ..er geleitet von dem obersten Grundsatz, daß das Wohl l Vaterlands, des ganzen Deutschlands, über alles geht unb auch bas Maß ber sozialen Fürsorge nach ihm bestimmt werden muß.
Die zeier der Universität Berlin.
$3 erlitt, 11. Okt. Die heutige zweite Festsitzuttg in der neuen Aula der Universität wurde eingeleitet durch den unter Fanfaren erfolgten Einzug der Professoren und die Begrüßung ber Prinzen Rupprecht von Bayern unb August Wilhelm. Darauf hielt Professor Max Lenz einen ein- stündigen Vortrag über die Geschichte der Universität Berlin,
Nach der Festrede wurden die
Ehr eupromotion e&
verkündet.
Die juristische Fakultät hat u. a. zil Ehrendoktoren ernannt: den Kaiser, den Prinzen Rupprecht von Bayern. In seiner Rede bemerkte der Dekan ber juristischen FakultätzurVerleihungberWürdeeinesEhre^ d 0 ktors an den Kais er:
Daß Se. Maiestät der Kaiser, die Würbe eines Doktors beider Rechte in Gnaden anzunehmen geruht haben, betrachten wir mit ehrerbietigem Dank als eine ber ganzen Universität erwiesene Auszeichnung unb Ehre. — Der Dekan schritt sodann zur Verkündigung weiterer Ehrenpromotionen und fuhr fort. Ich beginne mit dem edlen Sproß eines erlauchten Hauses und dem künftigen Erben seiner Krone, Se. königlichen Hoheit Prinz Rupprecht von Bayern. Zwanzig Jahre sind es her, daß er selbst als studiosus juris an der Berliner Universität immatrikuliert war; der erlauchte Kommckitone hat unb die Ehre und die Freude erwiesen, bei unserer heutigen Feier anweseud zu sein unb damit bezeugt, daß er jener Zett stets eingedenk blieb und daß sein Aufenthalt an unserer Alma mater ein ständiges Gemeinschaftsband mit uns geknüpft hat. Unsere Ehrenpromotion sei die Beurkundung ber unauslöschlichen Einheit vo n Süd und Nord im Deutschen Vaterlonde unb des g e-, m einsamen Geistes, der alle deutschen Stämme durchdringt.
Das Ehrendiplom für den Kaiser schließt folgendermaßen: imperatorum germanorum borussi ea regem Guillelmum II., der 22 Jahre lanp mit erhabener Kraft das Steuer des Reiches geführt, ber durch eine große Gesetzgebung weise unb gerecht für das Heil Deutschlands unb Preußens gewirkt, unter dessen Regierung das heißersehnte Bürgerliche Gesetzbuch nach Jahrhunderte langem Mühen ins Leben gerufen ist docterem cereo rectum renuncte renunceatun proclame.
Darauf erfolgte bann die Verlesung der übrigen Ehren-. Promotionen, aus denen wir folgende erwähnen: ben Unterftaatä- sekretär im Kultusministerium, Schwartzkopf und Oberbürgermeister Kirschner-Berlin Die Professoren Schrader-« Breslau, Hirschfeld-Berlin, S e r i n g - Berlin, Generaldirektor des preußischen Staatsarchivs Keser, ben wüitttembergi- schen Staatsminister von Schmidlin, den Direktor im Reichs- justizamt Muegel, den Reichsgerichtsrat Strecker-Leipzig, den Senatspräsidenten bes Kammergerichtes Schapers, bat Senatspräfibenten am Oberverwaltungsgericht Genzmer.
Die theologische Fakultät ben Kultusminister von Trott zu Solz, Ministerichbirekchr im Kultusministerium. Naumann, sowie den Oberkonsistorialrat L a h u s e n, Bürgermeister Burchard - Hamburg, die Professoren von W i l l a m 0 -> io 16-2)10eilenborf, Schiel-Tübingen, Niehergall-Heidel-


