Ausgabe 
9.12.1910 Erstes Blatt
 
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recht groß lvar und zeitweise etwas sehr durcheinander ging. Eingeleitet wurde die Sitzung mit einer scharfen Erklärung des Stadtv. Dr. Ebel wegen seines Antrages auf Schaffung eines neuen Stadtwgppens, ober bis zum Schluß der Sitzung war eine Klärring auch in dieser Sache eingetreten und das Wappen wird demnächst die Ver­sammlung wieder beschäftigen. Tie Anträge der Buraer- meisterei wegen der für das nächste Jahr vorzusehenden S t r a ß e u -W i e d e r h e r st e l l u n g e n gab Anlaß zu einer fast uferlosen Aussprache, die schließlich mit der An­nahme der Vorschläge endigte, da man den Ausweg sand, alle weiteren Wünsche für 1912 zurückzustellen. Sie sollen dann an erster Stelle berücksichtigt werden. Auch die Durch­führung des 71/2 Minuten Verkehrs b i s zum Schützenhaus brachte wieder längere Erörterungen. Der Antrag wurde diesmal angenommen, da der Abschluß des ersten Aetriebsjahres der Babu si chgünstig gestaltet hat. Es wäre zu wünschen, daß diese gute Entwickelung der Straßenbahn auhält, damit die weiteren Ver- kehrSwünsche später eine ebenso wohlwollende För­derung _ finden wie der gestern vorliegende. Dem Beispiel anderer Städte folgend wird die Stadt vom 1. April 1911 ab einen einheitlichen GaSpreis von 17 Pfg. für Leucht-, Koch- und Heizgas einführen, währnu) für das sog. JuduslriegaS, das auch fernerhin 13 Pfg. tosten soll, der seitherige Rabatt von 1U Proz. in Fortfall kommt. Außerhalb der Tagesordnung brachte Stadtv. Winn das Klcevachtal-Bahnprojekt zur Sprache, das auch fernerhin von der Stadt Gießen aus eifrig weiter verfolgt werden wird, trotz der von Wetzlar aus gemachten An­strengungen, die Ztleebachtal-Orte, die wirtschaftlich durch­aus nach Gießen neigen, durch die Führung der Bahn nach Wetzlar abzuziehen. Der öffentliche T'1 der Sitzung schloß mit der (auch von uns schon öfters t. . nten) Mah­nung an die Einwohner sch astKauft am Platze

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* * Tageskalender für Freitag, 9. Dez. Stadtthea- ker: Hol)e Politik. Anfang 8 Uhr.

Alldeutscher Verband. Vortrag von Superinten­dent K l i n g cm a nn-Efsen: Die Westmarktufrage. Abends 8y« Uhr in Steins Garten.,

* * Ordensverleihung. Der Koni7 von Preußen hat dem Hauptmann a. D., Freiherrn van der p zu Schmüle nn Kreise Biedenkopf, bisher im 5. Hessisch. Infanterie-Regi­ment Nr. 168, den Roten Adlerorden vierter Ülasse verliehen.

* * Eisenbahnpersonallen. Die unkündbare An- stellung in der Hefs.-Preuß. Elsenbahn^emeinschast wurde dem Eisenbahn-Assistenten Ludwig Bernhard hier ver­liehen.

**GudrunHildebrandtsTänze, die uns gestern abend in Steins Garten vorgeführt wurden, waren voll anmutiger, frischer Natürlichteit. Die Künstlerin, von frühester Kindheit Terpsichore ergeben, hat doch nicht daS geringste Komödiantenhafte an sich. Ihr bewegliches und beseeltes Minenspiel begleitet die geschmeidigen Schwing­ungen ihres Körpers mit herzlichster Empfindung. So reiht sie die Zuschauer mit sich hin, ob sie eine Traum- stintmung tanzt, oderRosen aus dem ©üben" uns vor­gaukelt, ob sie die Holzschuhe der holländischen Bäuerin hebt oder rassischen spanischen Weisen sich hingibt. Ihr wohlgebauter, biegsamer Körver scheint keiner Kraftan- ftrengungen zu bedürfen, wie die Musik uns durch weiche und leichte Ansätze am wonnigsten durchdringt, so schwebt Gudrun Hildebrandts beseelter Tanzrythmus dahin, von den leisen Takten der Fußspitzen zu graziösem Springen und Hüpfen oder tollem Wirbeltanz sich steigernd. Immer doch lächefnd, voll Heiterkeit. Gudrun Hildebrandt, die Achtzehnjährige, streut auch den Zauber der Jugend und Schönheit um sich aus, sie endet ihren schlichten Tanz im Bauernstil mit dem immer flinkeren seitlichen Heben der Glieder, lachend und joud^cnb, sie gibt, wenn sie die Jahres­zeiten verkörpert, dem Frühling die Zartheit seines Wesens, dem Sommer üppige Glut, dem Herbst das fröhliche Jagen und dem Winter Flockentanz und Schellenklang. Wie sie tanzend von Lebenslust sprüht und auf sentimentale Stim­mungsmache Verzichter, so sind auch ihre Vorträge meist von lieblicher Schalkhaftigkeit getragen. Ein Liebestanz-

fbicT auS der Biedermeierzeit, das die Künstlerin mit ihrem Bruder Siegfried Hildebrandt tanzte, erweiterte die mimische Darstellung zu humoristischer Unterhaltung, ohne trivial zu werden. Alles war entzückt von dem schönen, lustigen Abend, zu dem Herr Siegfried Hildebrandt noch einige Schwänke und heitere Dichtungen beigesteuert hatte.

* Briefbestellun g. Um dem Publikum nach Weg­fall des AnkunstSslempels die Kontrolle darüber zu erleichtern, ob die Briefe rechtzeitig bestellt werden, geben wir nach­stehend eine Uebersicht, welche Briefe in Gießen bei den ein­zelnen B"stellgängen planmäßig abgetragen werden sollen: Bei der 1. Bestellung (715 V.) solche Briefsendungcn, die spätestens um 637 V. mit der Briespost von Llch, bei der 2. Bestellung (1030V.) solche, die spätestens um 106 mit Zug 71 von Frankfurt, bei der 3. Bestellung (215 N.) solche, die spätestens um 120 N. mit Zug 45 von Frankfurt und bei der 4. Bestellung (61ö N.) solche, die spätestens um 545 R. mit den Schnellzügen von Kassel und Frankfurt hier eingehen.

Unfall. In einem Neubau der Lahnstraße fiel gestern em im Treppenbau beschäftigter Weißbinder von einer Leiter und brad einen Arm.

L» tdkreis Gießen.

r. Inheiden, 8. Dc-. Hier wurde heute eine Frau, als sie die Ferkel unter den im Hofe stehenden Pferden heraustreiben wollte, von einem Pferd derart an den Kopf geschlagen, daß der T 0 d alsbald eintrat.

= Hungen, 8. Dez. Die dritte Jnstruktions- stunde |ür 1910/11 des Verbandes der Krankenkassen und der Gemeinden als Träger der Krankenversicherung im Groß­herzogtum Hessen sindet Sonntag, 11. De». 1910, nach­mittags 21/» Uhr, hier im Hotel zur Traube statt. Es werden besprochen: Gefchäftsergebnifse für 1909. Der Kreis der nach dem Krankcnversicherungsgesetz versicherungspflichtigen Personen. Die Meldepflicht der Arbeitgeber nach dem Kranlenversicberungs- gesetz und die sich infolge Versäumung der Meldepflichten er­gebendem Strafen und etwaigen Ersatzansprüche. Weiter werden die Behandlung derSammelmappen" und die vom Perband eiugeführten Musterformulare erläutert.,

Kreis Alsfeld.

Alsfelds 8. Dez. Am 6. Dezember fand die kon­stituierende Sitzung der Zweigstelle Alsfeld der Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge statt. Außer den sonstigen in Betracht kommenden Stellen gehören der Zweig­stelle sämtliche Aerzte des Kreises Alsfeld an. Der Aerztliche Kreisverein hatte vorher, nach^ einem Vortrag von Professor Dr. Ko epp e, zu der Frage Stellung genommen und die vor­geschlagene Regelung gutgeheißen. Die Versammlung war von ca. 25 Personen besucht, die sämtlich in den Ausschuß der Zweig­stelle, der zugleich der Zentrale angehört, eintraten. Der Vorsitz wurde Kreisrat Dr. Heinrichs übertragen. Der Zweigstelle ist ein Kredit von der Zentrale eröffnet. Sie beginnt mit einer Beratungsstelle für die Stadt Alsfeld, die von den Alsfelder Aerzten übernommen und von der Zentrale eingerichtet wird. Die Beratungsstelle wird im Januar eröffnet. Ein Lokal hat die Stadt Alsfeld zur Verfügung gestellt. Für die Arbeit in den Landgemeinden wurde em Ausschuß gebildet, dem u. a. der Vorstand des Kreisgesundheüsamtes und sämtliche Aerzte des Landkreises angehören,

Kreis Friedberg.

x D ad-Nauheim, 8. Dez. Vor Eintritt in die Tages­ordnung der heutigen Sitzung der Stadtverordneten gab Bürger­meister Dr. Kayier das Ergebnis der Volkszählung in unserer Stadt bekannt, wonach Bad-Nauheim jetzt 5629 Einwohner zählt. Es bedeutet das seit dem Jahre 1905 eine Zunahme von rund 600 Personen. Von den Stadtverordneten ist die Anlegung eines großen städtischen Spiel- und Sportplatzes vor­gesehen. Der Platz soll im Hochtoald angelegt werden. Es wurde beschlossen, daß für Benutzung des Stadtbaussaales zu Versteigerungszwecken 3 Mk. für die Stunde, 5 Mk. für eine längere Zeit bezahlt werden müssen. Die Urlaubsord­nung der städtischen Beamten soll nach der Gehalts­skala bemessen werden, es können vier, drei, und zwei Wochen Ferien gewährt werden. Damit die Vorbereitungen zur Kaisers- Geburtstagsseier rechtzeitig getroffen werden, wurde em Ausschuß zu diesem Zweck gewählt. Bei der Neuwahl des Schulvor­standes wurden die'seitherigen Mitglieder Dr. Hahn, Rentner Wallmann und die Stadtverordneten Wörner und Grünewald wiedergewählt. Auf eine Eingabe des Bürgervereins hin, die Bürgersteige in den Straßen, die von der Stadt gekehrt werden.

Familie

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Gießen, Süd-Anlage 7, den 9. Dezember 1910.

6682

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Familie Kronenberg.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Mutter, Schwieger­mutter, Großmutter und Schwester

Frau ßljrijtiiit ßcmiie Werner Wine, sagen wir allen unseren innigsten Dank.

Todes-Anzeige.

Heute mittag entschlief nach langem Leiden unser guter Barer, Schwiegervater, Großvater, Bruder imb Schwager

Herr Jacob Maid

Rendant der Spar- und Darlehenskasse

im 68. Lebensjahr.

Die trauernden Hinterbliebenen:

Maid

Jung

Brücke!

Gg. Häuser

Äath. Häuser

Watzenborn-Steinberg, den 8. Dezember 1910.

Die Beerdigung findet SamStag den 10. Dezember, nachmittags 31/* Uhr, statt. 01013o

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auch auf städtische Kosten reinigen zu lassen, wurde beschlossen, dies zwar auf Kosten der Hausbesitzer zu tun, aber ein neues, billigeres Regulativ auszuarbeiten.

Hcsjcu-Nassau.

v. Frankenbach, 8. Dez. Der 12jährige Schüler Hch. Bernhardt kam jüngst beim Stoßballwersen so unglücklich zu Fall, daß er einen Schenkelbruch davon­trug. Der zugezogenc Arzt ordnete die Ueberjührung des Jungen in die Gießener Kiinik an, zumal man noch innere Verletzungen besürchtcte.

tz Marburg, 8. Dez. Gestern und heute fanden hier sür die ausgeschiedenen Stadtverordneten Dr. Wallenfels, Prof. Neißert und Färbermeister Estor bet starker Beteiligung die Er - s a tz w a h l e n statt. In der 1. Abteilung wurden Prof. Dr. Bredt und in der 2. Abteilung Kaufmann Tromm mit großer Stimmenmehrheit gewählt. In der 3. Abteilung muß Stichwahl stattfinden zwischen dem Bürgerkandidateu Töpfermeister 5tvrl Eckhardt und dem Beamtenkandidaten Postfekretär Frese.

* Von der Edertal sperre, 8. Dez. Zn den dem Untergang geweihten Ortschaften beginnt man bereits mit dem Verkauf der Wohnstätten. So wurden in Asel Häuser und Scheunen zum Preise von 501000 Mark aus Abbruch verkauft. Die alte Klosterkirche in Berich soll in Neu-Berich wieder aufgebaut werden.

sc. Wiesbaden, 8. Dez. Die hiesige Stadtveruml- tung hat in ihrer Sitzung in vergangener Woche zur In­angriffnahme von Notstandsarbeiten eine Summe bewilligt. Bis heute haben sich bereits 4 0 0 A rbcit S - lose gemeldet, von denen jedoch nur 200 eingestellt werden können.

LLrecHUcys LleicyrrcHten.

Katt)oli|d)e .einöe.

Samstag nachmittag und abeud wird ein srcmder Priester Beichte gören.

Amtlicher Wetterbericht.

Wetterausnchten m pegen am Same lag, dem 10. T?z. 1910: Wolkig, trüb und Regen, mild.

Letzte Nachrichten.

Aus Der Zweiten Henischeu Kammer.

R.B. D a r m st a d t, 9. D^. Inder heutigenSitzung der Zweiten Kammer wurde zuerst ein dringlicher Antrag des Abg. Korcll verhandelt, der die Regiermig ersucht, den Artikel 4 Llbsatz 3 des 9t c i ch s v i e h s cu ch e n g e s c tz e s energisch durchzuführen. Nachdem der Antrag von Abg. Brauer kurz besprochen war, wurde er einstimmig angenommen. Anstelle des verstorbenen Mitgliedes des Finanzauofchustes Reinhart wurde Dr. Heidenreich geivühlt. In der Besprechung der Städte- ordnung sprach Dr. Zuckrnaher zu gunsten der ^lusschlust- beschlüsse über den Enüvurf, wäl-rend Abg. Reh Kritik übte und namentlich das AufsicÄsrecht über die Städte sowie die Magistratsversassmrg bemängelte. Abg. Orb polemisierte gegen die angebliche Reaktion und das ZeMrum. Abg. Raab griff die Qtegierung scharf an uild behauplele, daß das Beslätigmrgsrechr nur der Sozialdemokratie wegen ausgenommen worden sei. Die Nichtbestätigung der Si^ialdemokraten sei das beste Agitattons- mittel für sie. Minister des Innern Hombergk zu Bach be­tonte, daß dieser BeslLtigungsparagraph schon ausgenommen ge­wesen fei, als die Sozialdemokratie noch nicht die Rolle gespielt habe wie heute. Bei der Beslütigungsfrage handle die Regierung durchaus gesetzmäßig und so lange er die zu vertreten die Ehre habe, werde er an dem BestLtigungsrecht festhalten. (Hört, hört! Zustimmung.) Die Sitzung dauert fort.

*

Intendant Claar bleibt in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 8. Dez. Der Intendant des hiesigen Schauspielhauses, Claar, erklärt die Meldung, daß er die Leitung der Wiesbadener Hosbühne an Stelle von Mutzenbechers übernehme und zwar in der gleichen Form wie Hofrat Sarnau in Hannover, für eine den Tatsachen nicht entsprechende Kombi­nation, da er sich verpflichtet habe, bis 1912 in Frankfurt a. M. zu bleiben.

Die Wahlen in England,

London^ 9. Dez. (1 Uhr 15 nachts^ Bis jetzt sind gewählt: 147 Liberale, 193 Unionisten, 28 Mitglieder der Ar­beitspartei, 45 Redmondisten und 50 Brienisten. Die Libe­ralen gewinnen 13, die Unionisten 19. und die Arbeitspartei 4 Mandate^

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Paris, 9. Dez. Die Kammer beschloß, über die An­frage der Abgeordneten Messimy und Bienaime, über die Vorgänge in 23 a t> a i am 16. Dezember zu verhandeln.

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