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12.5.1910 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 12. Mai 1810

Zweites Blatt

16V. Jahrgang

Nr. 109

Gießener Anzeiger

Erscheint ISgllch mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oberhesien

£te ^Otehener Familtenblätter" werden dem ,9in8etflere viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für ben Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLmrdwirtschastlichen Zett­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäts - Brich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^ä)51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

vom veutjchen öerufsgeiioffcnfctiaftstag.

< Berlin, 11. Mai.

In den fortgesetzten Beratungen des 24. Deutschen Berusc- genossenschaftstages im Landwehr - Offiziers -Kasino wurde bic Stellungnahme zum Entwurf einer Reichsversicherungsordnung besprochen, hierzu war der Staatssekretär des Reichsamts des Innern, Delbrück, erschienen, der zugab, daß der Entwurf von verschiedenen Seiten jcpars bekämpft werde. Man möge aber bedenken, daß es äußerst schwierig sei, einen Entwurf zu schaffen, der den verschiedenartigsten Interessen in gleicher Weise gerecht werden könne. Das Thema selbst war in vier Abschnitte geteilt. An erster Stelle sprach Iustizrat Wandel (Essen, überOr­ganisation und Verfahren". Er gelangte zu dem Schluß, daß die Versicherungsämter für die Kranken- und Invalidenversicherung mindestens überflüssig, für die Unfallversicherung aber geradezu schädlich wirken müßten. Die neue Behördenorganisation werde zu einer Bureaukratisierung der AiHcitcrvcrsichLrung führen und weiterhin die Selbstverwaltung der Versicherungsträger in Frage stellen. , ...

Der zweite Redner, Baürat Fetisch (Berlin! behandelte bic Versieh crungsämtcr vom Standpunkte der Kostenfrage. Er er­blickte den greifbarsten Schaden, der Versicherungsämter in der Vermehrung der Verwaltungskosten. Hierauf behandelte Direktor Marcus die Ansammlung der Reservefonds bei den Berins- genossenschaften. Er erkennt an, daß der neue ®ntn>urf beiv jenigen Berufsgcnossenschaften, welche bisher zu lwhe Zuschläge zum Reservefonds machen mußten, eine Erleichterung bringe; aber diese Erleichterung gehe doch nicht so weit, wie man es berechtigter Weise fordern könne. Andere Berufsgcnossenschaften wurden in Zukunft noch weit schwerer belastet werden, als es bis­her im Durchschnitt der Fall war. Der Redner erblickt eine ge­rechte Regelung der Frage darin, daß die Rücklagen in ein be­stimmtes mäßiges Verhältnis zu den laufenden Entschädigungs­oerpflichtungen gebracht und dann dauernd aut dieser Höhe er» ballen werden. Tas Zweifache der jeweils laufenden Renten entspräche den Zwecken vollkommen.

An letzter Stelle verbreitete sich Direktor Schau se i l (Ham­burg) über die Aerztesragc auf dem Gebiete der Unfallversicherung. Er erklärte sich mit dem Entwürfe einer Reichsversicherungsord­nung, soweit das Verhältnis der Aerzte zu ben Berufsgenolsen- schasten in Frage komme, völlig einverstanden. Die BeruiS- genossenschasten danken der Regierung ausdrücklich, daß sie davon abgesehen hat, tn den Entwurf Bestimmungen über dieses Verhält­nis aufzunehmen Dagegen'wandte sich der Redner mit Nachdruck gegen die Auslassung, welche auf dem letzten außerordentlichen Aerztetag in dieser Frage hervorgetreten sei.

Dann wurde die Tagung geschlossen.

Hauptversammlung derZentralfomiteer" zur Bekämpfung der Tuberkulose.

4 Berlin, 11. Mai.

Tas DeutscheZentralkomitee" zur Bekämpfung der Tuber­kulose trat heute hier im Herrenhause zu seiner 14. .Hauptver­sammlung zusammen. Den Vorsitz führte Staatssekretär Tel - brück. Nach kurzer Begrüßung der Teilnehmer teilte Staats- ictrctär Delbrück mit, daß der frühere Vorsitzende, der Reichs­kanzler v. Bethmann-Hollweg den Vorsitz niedergelegt habe, und von der Kaiserin zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden sei, und daß für den verstorbenen Schatzmeister, Geh. Kömmerzion- rat v. Mendelsohn der Bankier Robert v. Mendelsohn-Bartholdh gewählt worden sei. D«r Vorsitzende weist weiter auf das erfreuliche Wachstum der Bestrebungen der Vereine zur Be- idmpfung der Tuberkulose hin und erteilt das Wort dem General - iclretär Professor Tr. 9t i e t n c r zur Erstattung des Geschäfts- i-erichts. Die Walderholungsstätten sind danach in erfreulicher Zunahme begriffen. Leider hat die Sterblichkeit an Tuberkulose tnt Kindes al ter noch immer nicht derartig abgenommen, wie dies tn erfreulicher Weise im Mannesalter der Fall ist. Schulärzte und Lehrer müßten nod) mehr als bisher auf dem Gebiete der Vorbeugung anregend ivirken. Die Tuberkulose-Sterblichkeit be- rug in 1909 155 auf 10 000, während sie 1908 noch 16,6 be­trug, sie ist also wieder zurückgegangen. Im Jahre 1909 sind 16 000 Menschen der Tuberkulose zum Opfer gefallen.

Professor Dr. Römer (Marburg) berichtete überTuber- Zulose und Wohnungsfrage".

Den praktischen Teil des Themas behandelte Landeswohnungs- inspektor Gretfchel Darrn st ad tj,>der ausführte: Die Tuber- tulose ist eine Wohnungskrankheit insofern, als das Zusammen- i!eben vieler Menschen in engem Raume, vielfach auch die gesund- BieitHd) schlechte Beschaffenheit und Benutzung der Wohnungen .zur Verbreitung der Mrantbeit am meisten beiträgt. Die Ver­besserung der Wohimngsvcrhältnisse und die Erziehung der Be­völkerung zur Wertschätzung und ordnungsmäßigen Benutzung der Wohnung ist deshalb die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg im Kämpf gegen die Tuberkulose. Gute Dienste kann hierbei die Wohnungsinspeition leisten. Für Erkrankungen^an Tuber­kulose ist die Anzeigepflicht einzuführen. Wohn-, Schlaf- und sonstige Räume, die von Tuberkulösen benutzt worden sind, dürfen focini Auszuge oder Tode des Kranken nicht eher weiter benutzt werden, bis sie in gehöriger Weise durch Sachkundige desinfiziert sind. Sämtliche Gegenstände, die der Sttanfc benutzt hat, sind nach seinem Tode entweder durch Feuer zu vernichten oder gründlich zu desinfizieren. Zur Durchführung dieser Maßregeln sind öffent­liche Mittel,bereitzustellen. In der Regel ist dies Sache der Gemeinden, für kleinere Gemeinden und namentlich für die Land­gemeinden mit weniger als 2000 Seelen hat es von feiten des Reiches ober der Einzelstaaten zu geschehen. Am wirksamsten wird der Kämpf gegen die Tuberkulose geführt, durch Bereitstellung iner genügenden Anzahl preiswerter, guter und gesunder Woh­nungen für die minderbemittelten Volksklassen in Stadt und Land. Es ist dringend notwendig, nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus nationalen, sittlichen und wirtschaftlichen Grün­den, daß die Wohnungsreform in umfassender Weise für das ganze Gebiet des Reiches in Angriff genommen wird. Hand in Hand hat damit zu gehen die Sanierung oder Beseitigung ungesunder Wohnquartiere, möglichsls: Beschränkung der Luft- »cruntcinigiuig durch Rauch und Staub, und vorbeugende Maß- nabmen gegen die Ansteckungsgefahr in sonstigen geschlossenen Räumen, die für längere Dauer Menschen beherbergen, wie ge­werbliche Betriebe und Schulen.

Die Versammlung erklärte sich mit den Ausführungen ein­verstanden. Es schloß sich daran noch ein Zusatzvortrag von Bauinspektor Redlich Rixdorf) überTuberkulose und Bau- Polizei".

Zur hessischen Bauordnung.

DerFachmann" in Nr. 108 dieses Blattes ist der irrigen Meinung, daß ich durch menten Artikel in Nr. 107 des Gießener Anzeigers einePrüfung durch Fachleute" hätte provo­zieren wollen. Das ist gerade nicht der Fall. AnFach­leuten" haben wir nun schon übergenug. Gerade sie sind es, ftie uns zuletzt noch ganz mit Brandmauern umspinnen möchten. Darum will ich die Gesetzgeber in Darmstadt und den Herrn f^rovinzialdirektor zu Gießen, gerade darum weil sie -HeineFachleute" sind, auf den Plan rufen. Die Rede Hon meiner ungenügenden Zeichnung (die ja eigentlich

teme solche ist, oder auch nur sein soll), ist gegenstandslos. Ob das Haus oder die Scheuer zu lang, zu kurz, zu breit oder zu schmal gewesen sind, ist ja ganz egal. Daß über dem nach außen offenen Gang noch überbaute Räume sich befinden, die durch Brandmauern voneinander getrennt sind, ist vollständig einerlei. Das aber bliebe doch: Ein unverständlich Ding wäre es, diesen freien, nach außen offenen Gang durch eine Brandmauer zu unterbrechen: so daß man aus dem freien Raum heraustretcn, und um die Säule herumgehen müßte, um wieder auf die Fortsetzung dieses offenen Ganges zu gelangen.

Nummer 2. (Ter Fall ist chronisch, weil noch be­stehend, aber schon vor Jahren passiert): Dem Landwirt Christian Paulh war sein Häuschen am Aherwcg zu Langsdorf zu enge geworden. Es sah so aus:

Aherweg

Wohnhaus Nachbargrundstück

Er wollte es um einige Fuß verbreitern. Eine Brand-« mauer bis über das Dach hinaus war das Resultat:

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Brand­mauer

Aherweg

Wohnhaus

Nummer 3 Die Hofeinfahrt des Landwirts und Kauf

manns Jakob Fritz zu Langsdorf sah vor kurzer Zeit noch

olgendermatzen aus:

Hofraum

Mehrere Mir. breiter Grabgarten

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Nachbarshaus

Wohnhaus

Fritz überbaute die Einfahrt mit einem Ziegeldach: vom Erdboden bis ju ben Ziegeln einen leeren, hohlen Raikm lassend, verschließt er nach der Straße zu durch ein Tor.

Nun siehts so aus:

Nachbarshaus

Mehrere Meter breiter Grabgarten

Wohnhaus

Hofraum

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Brand­mauer

Brauhausgafse.

Nicht weit davon steht ein alter, noch gänzlich u n abgebrannter Holzbau aus dem Jahre 1560. Wenn er um die Ecke gucken könnte, schaute er feinem brandgewappneten Kollegen gerade auf die Front. Aber et muß doch etwas habenläuten hören": denn er machte neulich, als ich ihn von ohngefähr wieder sah, ein gar verdammt spöttisch und verschwitzt Gesicht.

Lieber Leser, wenn Du einen Badeofen Dein eigen nennst, oder auch nur ein Räucherkämmerchen, um Fleischwaren und Würste darin zu dörren, und das alles befindet sich in Einem Stüblein, das nicht bireft au einen Schornstein inmitten des Hauses aufstößt denn Du darfst das Rauchrohr nicht über einem zweiten Raum hinweg zu einem im dritten Raum befindlichen Schornstein führen, so wäre es Dir gewiß er­wünscht und auch jedem in Einfachheit des Denkens verharrendem Gemüt als seht verständig erscheinend, daß Du Dein Rauchrohr nun sofern Du weder fremdes Eigentum dabei berührst oder Feuersgefahr dadurch heraufbei'chwören würdest einfach durch die Wand in die Wolken münden ließest: so!

3. Raum

2. Raum

1. Raum

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Js nid)! sagt der Berliner. Das Rauchrohr darf nur immer in ein Kamin und nicht in ben Luftraum münden. Sintemal und alldieweil die böse Welt behauptet, die Bauordnung hätte ein Russenbrenner" oder ein Backsteinfabrikant gemacht: irgend einer von denen, die das Material zu liefern hätten zu den vielen Brandmauern und russischen Kaminen.

Lang-Göns, den 11. Mai 1910.

Köhler-Langsdorf.

Bas Nriegervereinswesen in Hessen.

Die unter dem Protektorate des Großherzogs stehende Krieger- kameradsch-aftHassia" hat, nach dem im Auftrage des Prä­sidiums durch den 1. Schriftführer, Medizinalrat Dr. Vogt, er­statteten Geschäftsbericht über das 35. Verbandsjahr, einen er­freulichen Aufschwung genommen. Ter Zuwachs betrug 10 Ver­eine mit 276 aktiven und 36 passiven Mitgliedern. DieHassia" hatte Ende 1909 einen Bestand von 948 Vereinen mit 60 537 aktiven und 6692 passiven, zusammen 67 229 Mitgliedern. Die Hassia" hat in der Vereinskasse und in Stiftungen em Kapital vermögen von zusammen 248 235 Mk., am Schluß des Vor­

jahres 236 306 Mk Tas ist ein Zuwackts von 11929 Mk. Die Vereine des Verbandes besitzen Kapitalien von insgesamt 607 705 Mk , Ende 1908 befaßen fi: 588 235 Mk Tic Zahl der Bände in der Berbandsbibliothek stieg im Berichtsjahre von 789 auf 887. Das Mobiliar des Verbandes hat einen Wert von ejwa 5000 Mk., 1000 Mk. mehr als im Vorjahr. Tic Bdobiliarwerte im Besitze bet Landesverbandsvereine werben auf 472 039 Mk. geschätzt, gegenüber 470 277 Mk. Enbe 1908. TerHessische Km merab" hat 11000 Bezieher. Bei berHassia-Sterbckasfc" sind 13 500 Personen mit 3* _ Millionen Mk. versichert. Im Herbst 1909 ist dieser Kasse noch eine Kinderversick erung zugefügt worben. Die Verbands-Ehrentafel empfingen im Jahre 1909 69 Kame­raden und 17 Vereine. 10 Vereine erhielten die Erlaubms, bad Großh. Wappen in ihren Fahnen zu führen. 22 Vereine wurden für langjährige, erfolgreiche vaterländifch-monarchifche Be­tätigung durch den Kaiser mit je einem Fahncnnagel und einer Fahnenschleife ausgezeichnet. In den Kricgervereinen derHafiia" wurden im Berichtsjahre etwa 300 Vorträge gehalten. Große Eiiinahmen hatte bicHassia" auS ihren Versicherungsverträgen. Aus bem Vertrage mit berProvidentia" erhielt dieHassia" im Berichtsjahre eine vertragsmäßige Vergütung von 27 532 Ästk.: in ben 30 Vertragsjahren hat bicHassia" im ganzen rund 352 000 Mk. empfangen. Aus bem Vertrage mit ber Unfall- unb HaftpflichtversicherungZürich" erhielt bicHassia" im Be­richtsjahr von bicl'cr 8913 Mk. (6583 Mk. mehr als im Vor­jahre . Tie Jahresvergütung aus bem Lebensversicherungsver- tragc mit der Rentenanstalt Tarmstadt betrug im Jahre 1909 186 Mk. Für Unterstützungen wurden verbraucht aus der all­gemeinen Kasse 10 075 Mk., aus der Prinz Ludwig - Sttfiung 1000 Mk., aus dem Veteranenfonds für 217 Kriegsteilnehmer 3255 Mk. Aus der Ernst Lubwig-Sfiftung wurden 312 Waisen mit 3120 Mk. unterstützt. Darunter waren 72 Ganzwaise, 32 Halbwaise, deren Väter iwch lebten, und 247 Halbwaise, deren Mütter noch lebten. Die Vereine des Landesverbandes haben im Jahre 1909 an unterstützungsbedürftige Mitglieder 42022 Mk. gespendet, feit ihrem Bestehen 968 328 Mk. TaS ist für­wahr ein glänzendes Zeugnis für bic soziale Liebestätigkeit ber hessischen .Kriegervereine. Vom Hafsiakalender warben für das laufende Jahr über 55 500 Stück abgefetzt. Die Einnahmen aus bem Sammelwerk betrugen 2507 Mk Tie Verbandskasse hatte eine Einnahme von 69 613,34 Mk., eine Ausgabe von 66 371,54 Mk., einen .Kaffenvorrat von 3241,80 Mk. 1. Präsident ber Hassia" ist Generalleutnant z. T. Hof in Darmstadt.

lürebe rind Schule.

N.-V. Darnistadt. Ter Eoang. Kirch en gefang­ne r e i n kür Hessen wird sein XXXI. K i r ch c n g e s a n g s c st am Sonntag, 22. Mai, in Langen a Phallen. Um 11',, Uhr ist Lie Hauptversammlung der Vertreter der hessifchen Kirchengeiaiig- vereine unter dem Vorsitz von Prälat D. Dr. Flörina-Darnistadt.' Um/l Uhr folgt bic von Kirchenninsikincislcr Prof. Menbelssohn- Tarmflabt geleitete Hauptprobe in ber Kirche, bei ber bic Kirchen- geiangvereinc von Wirbeligen, Dreieichenhain, Götzenhai», Langen, Offenthal, Sprenblingcn, Steinbach unb Wixhausen, soivie bic' Pofaunenchöre von Arheilgen und Götzenhain nntivirkcn werben. Ein Mittagessen im GasthausZum Adler" schließt sich an. Um 21/, Uhr beginnt ber Feslgottesoienst, bessen liturgischem Ausbau der Trinitatisgcbankc zugrunde liegt: bes Schöpfers Güte unb' Herrlichkeit, bes Sohnes Liebe unb Treue, bc5 heiligen Geistes Kratt unb Trost. Fcstprebiger ist Pfarrer Zaubitz-Bcnsheim, Litnrg Piarrer Weber-Langen, Organist Lehrer t'. Schmidt-Langen. Um 4 Uhr nachmittags wirb eine gesellige Nachfeier in ber Anthesschcn Liegenschaft bas Fest beschließen.

** Das Programm des 8. B u n d e s f c st e s des h e s s i - [_en Jünglingsbundes, das am 5. Juni d. I. in Höchst! i. O. stattfindet, ist, wie folgt, festgesetzt. Im Festgottesdicnst,, vormittags 10 Uhr, wird Dekan Seriba-Erbach die Predigt halten, auch ist dabei eine Ansprache eines Vertreters des Oberkonsistoriums vorgesehen. Nach dein Gottesdienst schdet Pofaunenblasen auf dem Kirchberg statt, während die Vertreter der angeschlossenen Vereine zu einer geschäftlichen Sitzung sich zusammenfinden. Tie Hauptversammlung beginnt um 2 Uhr uub bringt eine Anspracl>e des Bundespräses Pfarrer Müller-Osscnbach überBilder aus der christlichen Jugendarbeit", sowie einen Vortrag des Justizrates Dr. Lucius-Mainz überErnst Moritz Arndt". Im Anschluß daran wird^ein Festzug nach dem Walde veranstaltet, um die patriotische Schlußfeier abzuhalten. Turnerische und musikalische Darbietungen der Jugendlichen werden dabei Zeugnis abiegcrc von dem frisch-fröhlichen Wesen unserer hessischen Jünglings­vereine. Jeder Freund der Jugend ist zu dem Fest eingeladen.

Gröhe Berliner Mgwoche.

^Berlin, 10. Mai.

Die große Berliner Flugwoche, die vom 10. bis 16. Mai auf dem Flugplatz in Johannisthal zum Aus trag : kommen soll, hat heute unter ungünstigen Vorzeichen ihren Anfang genommen. Es haben sich int ganzen 8 Deutsche und 4 Ausländer gemeldet. Unter den Deutschen befinden sich der bekannte Magdeburger Flieger Grade und Kapitän Engelhardt. Das Ausland vertreten Baron de Ea terS aus Belgien, der Italiener A m e r i g o und die beiden Dänen Svendscn und Thorup. Als Preise stehen zur Verfügung: Dauerpreise von 10 000 Mk. dem Ersten, 2000 Mark dem Zweiten und 1000 Mk. dem Dritten, gestiftet' vom Kaiserlichen Automobilklub, ein Preis für den kleinsten' geflogenen Kreis von 7000 dem Ersten und 3000 Mk. dem Zweiten, ein Preis für die Landung auf vorgeschriebenem.' Platze von 4000 dem Ersten und 1000 Mk. dem Zweiten, ge­stiftet von Krupp zu Bohlen und Halbach, ein Höhenkurven- preis von 4000 dem Ersten und 1000 Mk. dem Zweiten, ge­stiftet von der Stadt Berlin, ein Gleitftugpreis vom Kaiser­lichen Automobilklub mit 5000 Mk. dem Ersten und 2000 Mk. dem Zweiten. An nationalen Wettbewerben ist vor allem wieder der Lanz-Preis der Lüste zu be­streiten, der 3000 Mk. beträgt, ferner der B l eich rod er - Preis in Höhe von 4000 Mt'

Der erste Tag der Flugwoche hatte sehr unter der Un­gunst der Witterung zu leiden.^ Der Wind war böig nnd wehte in einer Stärke von 10 Sekundcnmctern, so daß die Flieger sehr vorsichtig fahren mußten. Auch der Besuch des Flugplatzes ließ zu wünschen übrig. Ms erster stieg Kapitän Engelhardt mit seinem Wright-Doppeldecker auf. Er brachte es aber nur zu anderthalb ^stunden. Auch der Deutsche Keidel erzielte fein besseres Ergebnis. Die Verwaltung hatte einen Frühpreis int Werte von 1000 Mk.j herausgebracht. Der Preis sollte dem zuerkannt werden, der zuerst drei Runden zurückgelegt hätte. Um diesen Preis-, bewarben sich nach 5 Uhr nachmittags außer Keidel und Engelhardt noch der Deutsche Jeannin, der einen Jarman-Doppeldecker führte. Tie ersten Versuck)e miß­langen bei allen drei Führern. Kapitän Engelhardt tonnte aber schließlich die drei Runden in der Gesamtzeit