Ausgabe 
14.1.1910 Drittes Blatt
 
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160. Jahrgang

Nr. 11

Eeneral-Anzeiger für Gbecheßen

Urjchedö SgNch mV ttttnatn* öeä Sonntag«.

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Freitag, 14. Januar 1910

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vi. 8 a n fl t. «k&en.

vredaktton, CmebtHon und fMitfereb strotze ?. fcrpebthon und Verlag: f>L.

Redaktion; ^SKLIL. Lel.-Ad^Al^e^erÄtebea.

Abstriche im hessiichen Zinanzaurschuh.

StB. Darmstadt, 13. Jan. Der Finanzaus­schuß der Zweiten Kammer hielt heute wieder zwei Sitz­ungen ab. In der Bormittagssitzung wurden die einzelnen Kapitel des Ministeriums des Innern näher besprochen und bei verschiedenen Posten erhebliche Abstriche gemacht.

Die Nachmittagssitzung fand in Gegenwart der Regie­rung statt, von der sieben Mitglieder zuaegen waren: der Staatsminister, der Finanzministec, der Minister des Innern, die Geheimräte Dr. Eisenhuth, Best und Weber und Ministeriell Süffert. Dem Vernehmen nach erklärte sich die Regierung fast mit allen vom Ausschuß verlangten Ab­strichen, im Betrage von rund 50 000 M. einverstanden^ Auch für Freitag und für nächste Woche sind wieder Doppelsitzun­gen vorgesehen, um die erste Beratung möglichst bald zu er­ledigen und damit einen klaren Ueberblick über die ganze Finanzlage zu gewinnen.

(Ein spanisch-amerikanischer Zwischenfall.

Neber einen ameritanisch-svanischen Zwischenfall wird aus Washington berichtet: Präsident Taft hatte für den Empfang am Neujahrslage neue Bestimmungen ge­troffen, unter anderen die, daß Mitglieder des diplomatischen Korps, die nur Gesandte oder Bevollmächtigte sind, nicht

Abgeordneten

Abgeordneten

Abg. Lattmann (Wirtsch. Vgg.)

Abg. Schrader (Fr. ögji

jt Bismarck deutlich

Finünzreform

Stellung zur

Bismarck die

Prüfung der ganzen Frage ein. Nicht in Krokau ist der Sih der immer wieder einsehenden Agitation, sondern in Lppeln im preußischen NegierungSgebäude. Wir haben unS Lestern sehr gefreut über di« ruhige, besonnene Art des "" ***

Henning. Sie stach gegen die Ausführungen der Heinze und Kolbe wohltuend ab.

DcntscbeKolonien.

DasKülonial-Handels-Adreßbuch 1M0" (14 ^ihraana) ist int Verlage des kolonialwirtschaftlichen Komitees erschienen. Der erpe Abschnitt gibt ww^rm ver­gangenen Jahre einen UeberMid über die Behörden in

liberalen mo^en erst einmal gegen ihre Freunde, die west sa­li scheu Zechenbesitzer, Vorgehen, die slawische Arbeiter, masten in rein deutsche Gebiete verpflanzen, um die Lohne zu drücken. Diese nationalliberalen Zechenbesiher verbieten den polnischen Arbeitern, deutsche Zeiwngen zu lesen, weil sie darin aufgeklärt werden. (Hört! hört? bei den Soz) Dagegen wer­den ihnen polnische Teilungen verordnet, die die Zechenbesitzer selbst bezahlen. (Hört! hört! links.)

Solche Reden der Nationalliberalen rechtfertigen l« das Vorgehen Rußlands gegen Finnland. Was werden die Deutichen draußen zu solchen Reden sagen? Die Entgegnungen vom Regie- rungstisch waren sehr mager. Von den Herren Staatssekretären sprach der eine vom Vorgehen des Staates, der andere vom Vor­gehen der Regierung. Vielleicht verständigen sich die Herren em anderesmai vorher über die Terminologie, vielleicht knobeln sic es aus. (Heiterkeit.) Mitopportunischen" Gründen kann man alles beweisen, auch, daß cs gut ist, die Herren Staatssekretäre und den Reichskanzler in ein besseres Klima zu versetzen. (Heiterkeit.) Tie Pflichten eines Beamten bürf-m nicht bis zur hündischen Abhängigkeit gehen. Tie ösfeutliche Stimm­abgabe öffnet der Heuchelei Tür und Tor.

Staatssekretär Delbrück:

gleichzeitig mit den Botschaftern zum Empfange den ^ial betreten dürfen. Der Vertreter Spaniens i|t nicht Bot­schafter. Trotzdem die amerikanische Regierung in den letzten Jahren wiederholt die Aufforderung nach Madrid hatte er­gehen lassen, die beiderseitigen Vertretungen zum Range von Botschaften zu erheben, wurde diesem Wunsche bisher nicht entsprochen. . _ ,

Nun ging aber dessen ungeachtet der spanische Ge­sandte gleichzeitig mit den Botschaftern in den Saal, wurde aber a u f g e f o r d e r t,, diesen wieder u verlassen. Er tat dies mit verdrießlicher Miene, telegraphierte aber den Vorfall sofort seiner Regierung, die ihn sogleich abberief. r . ,

Man befürchtet, daß nunlnehr Spanien seine Vertretung in Washington werde längere Zeit unbesetzt lassen, was man in Nordamerika umso unangenehmer empfinden wurde, als seitens der amerikanischen Regierung seit längerer Zett dahin gestrebt wird, zu Spanien die besten Beziehungen zu Unter­st alt <nr. __

Man hak uns vorgeworfen, daß wir bei der mit den Polen zusammengegangen sind. Unsere Polenfrage ist aber dieselbe geblieben. Wenn Polengefahr von heute sehen würde, dann würde et anders urteilen als es geschehen ist. Er würde wie unsere heutige Regierung gegen die disziplinlosen Beamten vorgegangen sein. Gegen die Aufhebung des hessischen Negierungscrlasies, der dw Beamten vor der Beteiligung an antisemitischen Bestrebungen warnt, haben sich nur die Freisinnigen erklärt; aber hier halten sie schöne Reden für die Freiheit der Beamten! Und Herr Nau­mann hat den Fürsten Bülow aufgcfordert, den alten Beamten- erlaß zur Durchsetzung der Wahlrechtsreform hervorzuholen. Im preußischen Abgcordnetenhause haben Freisinnige und Sozial­demokraten der Pensionsentziehung gegenüber einem Lehrer zu- gestimmt, weil er Redakteur einer dänischen Zeitung geworden war (Hört! Hört! rechts.) Tie Sozialdemokraten sollten bet ihrer furchtbaren Partetdisziplin etwas Verständnis für die Stäalsdisziplin haben. (Sehr gut! rechts.) Hat sich denn Herr Dr. Südclum bei seiner Rede nicht daran erinnert, tote denn die freie Ueberzeugung der eigenen Leute bet den

Sozialdemokraten geknechtet wird? (Lebhafter Beifall.) Haben Sie denn die edlen Sechs, die Redakteure desVorwärts . ganz vergessen? (Lärm der Soz.) Das mag Ihnen unangenehm fein! Wenn wir einen sozialdemokratischen Staat patten und sozialdemokratische Beamte würden agrarisch oder christlich denken, so würden sie zum Teufel gesagt. (Lebhafte Zustimmung.) Man möge auch Lberbeamte, die für die Sozialdemokratie ein- treten, nicht ungeschoren lasten. Man mutz auch den Mut der Konsequenz haben. (Lebhafter Beifall rechts.)

Die Pvkenpolitik PreutzenS hat in jeder Beziehung Fiasko gemacht. Tie Polen haben für teures Geld ihre Güter an die Ansiedlungskommission verkauft, und mit diesem Geld haben sie dann antideutsche Interessen verfolgt. Die Polen sind stärker und immer stärker geworden; daS ist unbestreitbar. WaS wir gestern dom Regierungstisch über die Pflichten eines Beamten gehört hoben, ist total unrichtig. Der Beamte untersteht wie jeder Staatsbürger dem Gesetz und hat die Pflicht zu erfüllen, die daL Gesetz, nicht der Vorgesetzte, ihm auferlegt. (Sehr richtig! links.) Politische Belehrungen von Vorgesetzten sind ungesetzlich, und kein Beamter braucht sich danach zu richten. Wenn irgend jemand in Kattowitz unrecht gehandelt hat, so diese Vorgesetzten, aber nicht die gemaßregelten Beamten. DaS freie Wahlrecht darf unter Innen Umständen den Beamten irgendwie beeinträchtigt werden: das ist direkt verfassungswidrig. (Beifall links.) Es geht doch wirklich nicht an, datz der Vorgesetzte über dic Stimmen der Be­amten verfügen kann. Wenn das der Fall wäre, dann hätte die Exekutive die Macht, über Millionen von Stimmen zu bestimmen. Und die Abgeordneten, die mit solchen Stimmen gewählt werden, sind nicht gewählt von freien Bürgern, sondern von Wählern, die mindestens zum Teil ihn gar nicht haben wollen. Zu welchen Konsequenzen führt der Stanopunkt der Regierung? Was heute den Polen passiert, kann morgen einer andern Partei passieren. Fürst Bülow hätte dann ja bei den letzten Rcichstagswahlen den Beamten einfach verbieten können, für das Zentrum zu stimmen. Ich frage den Staatssekretär direkt: wo nimmt er das Recht her, in dieser Weise vorzugehen, auf welche Gesetzesbestimmung stützt er sich? (Unruhe rechts. Beifall links und im Zentr.) Wo ist heute übrigens der Reichskanzler? (Sehr richtigl links.)

Fürst Bismarck pflegte bei wichtigen D'ngen selbst zu kommen und die Verantwortung zu tragen. Aber Herr v. B e t h m a n n Hollweg scheint ja das Prinzip zu haben, zu uns über­haupt nichts 3 u sagen. Pslcotc Fürst Bismarck deutlich zu reden, so schweigt sich der jetzige Kanzler leider allzu deutlich aus. (Beifall links.) Fürst Bismarck hat wiederholt erklärt, daß den Beamten die Wcihlfreihcit in keiner Weise beschränkt werden darf. Und nun auf einmal der Wechsel! Die WohlprüfungS- Kommission hat auch seit jeher in solch-nBelehrungen" der Vorgesetzten ungesetzliche Wahkbceinflussungen gesehen mw hat die Mandate kassiert. Wenn der Reichstag etwas auf seine Wurde hält, mutz er einstimmig erklären, baß er oas Vorgehen der Reichsregierung o!5 verfassungswidrig verurteile. Herrn Heinze verweise ich auf Herrn von Beningsen, der die Wahlfrei- beit der Beamten stets hochgehalten hat. Aber wenn die Regie­rung Recht hätte, dann möge man lieber den Beamten daS Wahl­recht überhaupt nehmen. TaS ist dann immer noch bester. Was soll denn unsere Beamtenschaft von uns denken, wenn hier ohne Erregung die Ausführungen der Regierung enlgegcngenommen wären! Gerade die Kattowitzer Maßregelungen bewesien, tote notwendig das geheime Wahlrecht ist. DaS, zu erkämpfen wird nun erst recht unsere Aufgabe sein. (Beifall links und tm

Der M'g. Schrader hat aus meinen gestrigen Ausführungen Folgerungen gezogen, die ich selbst nicht gezogen habe. Jcq habe gestern festgcstellt, baß es mit ben Pflichten eines Beamten unver­einbar sei. großpolmfdjc Bestrebungen zu unterstützen. Es ist ben Beamten nicht abgegeben worben, für irgend einen Kandi­daten zu stimmen. (Gelackter im Zentrum, bet den Polen und Soz.) Mit dem Interesse de? Dienstes ist cs unvereinbar, wenn ein Beamter an einer Stelle zu wirken genötigt ist, wo er tm Gegensatz mit der nationalen Auffassung eines großen Teiles der Bevölkerung ficht. Der Abg. Schrader hat insofern recht, als es in keinem Gesetz eine fest un> chricbene Definition des Bearntcn- beqriffeS gibt. Aber um so eingehender haben sich die namhas- teilen Staatsrechtslehrer b wüt befaßt. Tic Mehrzahl steht auf bem Stanbpunkt, baß ber Beamte durch Uebenobme bes Amtes in ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis, oder wie es Labanb nennt, in ein Dienst- und Gewaltsvethältnis zum Staate tritt, und sich dementsprechend, da der Staat ja nicht selbst sprechen kann, den zur Vertretung des Staates berufenen Organen unter­ordnen muß. Fragt man nun, wo die Grenzen bicscs Verhalt- nisteS liegen, so ergibt sich, daß sie, soweit sie gesetzlich Mtgel-mt sind, abgeleitet werden müssen aus de.n Aufgaben des Beamten und seinen Beziehungen zum Staat. Wenn man diese Deduktio­nen vornimmt, so kommt man dahin, daß die Grenze nicht ge­zogen wird durch die bloße Pflicht der Arbeitsleistung Nun hat sich der Abg. Schrader auf einen Erlaß aus der Zeit be§ durften Bismarck bezogen. Tarin hat man sich bamuf beschrankt, zu fordern, daß die Beamten (Abg. Schrader: Tic politischcn Be­amten!) sich in der Unterstützung der Politik der Regierung ge­wissen Anordnungen zu fügen haben. Wenn wir jetzt weiter gc- r<angen sind, fo ist das sicher nicht leichten Herzens geschehen. Ter Kattowitzer Fall ist als ein Akt der nationalen Notwehr zu oc- trachten. (Gelachter links und im Zentrum.) Darüber bmau» habe ich irgend welche Grundsätze über die R"chte und Pflichten der Beamten bei den Wahlen nicht geäußert. (Beifall rechts.)

Abg. Kolbe (Rp.):

Die Beamten in Kattowitz konnten jeden guten Katholiken ivählen, nur keinen Polen. Tie großpolnische Bewegung ge­winnt zusehends an Boden, und cs darf ihr daher auch nicht die kleinste Konz ssion gemacht werden. Graf Oppersdorfs hat sich auf Professor Bernhard berufen. Aber gerade Bernhard hat die Straz- und Sokolvercine für unbedingt staatsgefährlich erklärt. Wer die polnische Presse genau verfolgt, wird mir zugebcn, baß es einen Großvol mismus gibt. Herr Schrader bat kein Wort von ber polnischen Gefahr gesprochen. Aber gerade sie muß zu einer richtigen Beurteilung herangezogen werden. _ Ohne bieje Unterlagen sind die Ausführungen Schraders für diesen Fall aber wertlos, zumal sie maßlose Uebcrtreibungen enthielten. (Un­ruhe links.) Auch wir bedauern die Kattowitzer Vorgänge, aber nicht im Sinne der Interpellanten. Wir bedauern, daß deutsche Männer an ber Lstgrenze so stimmten, daß diese Maßregelungen überhaupt notwendig waren. Natürlich muß die Freiheit der 'Abstimmung gewahrt werden. Aber diese Freiheit Hot ihre Grenze. Selbst die katholischeSchlesische Lehrerzeitung" hat die Maßregelung zwar für scharf, aber berechtigt erklärt. Wo ist da die angebliche Erbitterung unter der Lehrerschaft? Aber das Zentrum will ja die Wahrheit nicht hören. Selbst Martin Spahn hat die polnische Frage für eine preußische Gefahr erklärt. Tas Zentrum liest natürlich nicht denOsten" oder dieOstmart . Es will sich eben nicht belehren lassen. Wir wollen keine Politik der Nadel st iche, feine Gendarmenpolitik, aber eine energische Abwehr polnischer Ue&ergriffe. Auch die Frei­sinnigen sollten endlich zu einem gesunden Volksegoismus er. wachen, der die Wahrheit und die Ehre des Vaterlandes in allen Fragen voranstellt. (Beifall rechts.)

Abg. v. TzienibowSki (Pole)!

Man macht uns unsere Haltung bei ber Finanzrefonn zum Vorwurf. Tie Mehrheit der polnischen Bevölkerung ist aber nut uns einverstanden. (Widerspruch.) Wir haben keine Junker in ber Fraktion. Wir treiben daher auch keine agrarische Politik. Fast einmütig ist das Verhakten des Staatssekretärs verurteilt luorben. (Widerspruch.) Wäre bas Reich erschüttert worden? Warum diese Angst vor dem Fleischermeister Pakulla? (Heiter­keit.) Hinter der ganzen Geschichte steht der Ostinarken- vcrein; das ist eine Gefahr für den Staat. Politische Traume müssen einem Volk gestattet sein, das ist noch lange kein Hoch­verrat. Wir spielen mit offenen Karten und kämpfcn mit offe­nem Visier. Sehen Sic doch eine UntcrsuchungSkommisslon zur

Zentrum.), t

Abg. Dr. Südeknm (Soz.):

Die Regierung schweigt trotz der klatschenden Schläge, die Ser Vorredner ihr versetzt hat. Sic sucht wobl nach neuen Aus­flüchten. Auch ich frage: wo ist der Major Bethmann? lHciter- leit) Er stellt sich taubstumm. (Erneute Heiterkeit.) Auf die Dauer geht das aber nicht, diese Neuheit muß wieder verschwin­den. Die Polen sehen jetzt, wie falsch cs tonr, dieser Pegic^rng noch dazu diese Steuern zu bewilligen. Dle sind schuld an ber Annahme ber neuen Steuern, die Herr JBaßermann nut Reckt eine AuSplünberung ber Masten genannt hat. (Lachen int Zentrum.) Die Polen können der Regierung für biefc Maß- rcgehingcn dankbar sein, denn sic lenkten bic Jufmerl]amfeit von ben Steuern ab. ,

Jetzt kann bas Zentrum wieder einmal sich ah» Vorkämpfer Wichtiger Volksrcchte aufspielcu, es kann sogar liberale Ideen gegen Liberale vertreten. Es ist erfreulich, daß Herr Sckrader teilweise gut gemacht hat, was der obcrschlcsische Liberalismus von der Kattowitzer Sorte gesündigt hat. Wir sind durch Die Kattowitzer Vorgänge nicht überrascht. Würden wir alle Ge- setzesbeugungcn und Verfall ungsbrüche zu unseren Unguniten hier als Interpellationen einbringen, dieses Hans käme zu feiner anderen Arbeit. Wir wollen verhüten, daß die polnnchen Masten die Stenersckmach über diese nationale Unterdrückung vergesten. TaS fömrtc den Polen so passen, daß sie mit ihrem Märthrergewand die Schande von 1909 vredecken. (Zustimmung links.) Ob die Kandidaten großpolniscker Richtung sind oder nicht, kommt für uns nickt in Betracht; sie sind gleichberech­tigt e B ü r g e r. Die Polen handeln in der Notwehr; die Ne- gierung hat fie außer Gefetz und Recht gestellt. Ten Hakatisten liegt nur am teuren Land unb billigen Löhnen im £flcn- Man nimmt den Pole» das Land weg und will die polnische Bevoltc- rung nicht hochkommen lasten, um sie als billige ArbeitSkrasie zu haben. (Sehr richtig! bei den Soz. und ben Polen.) Selbst der Abg. Heinze hat anerkannt, daß die Polen an einen gewaltfamen Aufstand nicht d.mken. Damit fällt jeder Grund zum Vor^ geben gegen die Polen. Die Nationalliberalen, sollten überhaupt ruhig sein, denn sie sitzen gar- sehr im Glashause. Die Nationasi liberalen Sachsens haben 1866 Hochverrat getrieben, als sie die Selbständigkeit ihres Landes zerstören wollten. Die National

Deutscher Nelchötag.

15. Sitzung, Donnerstag, 13. Januar.

Am BundeSratStisch; Delbrück, Sraetke, Liscü, Havenstein.

Vizepräsident Dr. Spahn eröffnet die Sitzung 1 Uhr 16 Mi­nuten. .

Die Kattowltzer Beamtemnterpellatlouen.

Die Besprechung wird fortgesetzt.

Abg. Dr. Doormann (Fr. Vp.):

Die Liberalen in Oberschlcsien sind nicht die Schleppenträger der Großindustrie. Das möge Graf Oppersdorfs daraus ent- nehinen, vaß auf der Liste der Liberalen in Kattowitz fein Groß­industrieller gestanden hat. Tie Kattowitzer Bevölkerung, die zu SO Prozent aus Katholiken besteht, sv,npathisi-rt durchaus nicht allgemein mit dem Zentrum. Denn Polen und Zentrum haben bei der ersten Wahl nur 37 Prozent der Stimmen erhalten. Ausdruckultramontane Schweineba n d e mißmlligei» auch wir. Bei der ganzen Sacke handelt es sich um talnicpe fronen. Die katholische Geistlichkeit ist es, die immer wieher eine bedenkliche Agitation treibt S'e <st der Herw de:, immer wieder sich bemerkbar machenden Beunruhmung. Selvsi dem Zentrum ,st dieses Auftreten schon unangenehm geworden. Es gibt viele deutsche Katholiken, die mit der großpolnuchen Agi­tation durckaus nickts wisten wollen. Wir,wünschen lebhaft, daß ber Friede bald wieder hergestellt wird. Die obc r sck l es rsch c Industrie geht schweren Zeiten entgegen. Alle Bevolkerungs- kreise toerb'-n bitter zu kämpfen hohen. Darum sollte man den Nationalitätenhader begraben. (Beifall.)

TieDisfussionschließt.da weitere Wortmeldungen nicht vorliegen. . ,

Tie Interpellationen sind damit erledigt. Um 5% ulyc beginnt . .

Tie erste Lesung der Strafgeietznovelle.

Am Tische des Bundesrats: Dr. LiSko, Beseler.

Staatssekretär Lisko verliest eine längere, einführende Rede, von ber bei seinem leisen Organ kein Laut über bie allernächsten Reihen ber sieh vor dem Bundcsratstjsche bränaenben Abgeordneten dringt. Erst allmah' lich wird er verständlicher.

Der Staatssekretär gibt zunächst einen historischen Rückblick unb hebt dann weiter die Heranziehung b e 8 ßaien* e I e nt c n 13 hervor. Dem Mißtrauen, ba-3 hier und ba gegen bie Rechtsprechung vorhanden und das in ber Regel absolut un­begründet ist, wird jeder Grund entzogen werden, wenn die Laien Einfluß auf die Rechtsprechung bei der Strafkammer habem Das Vertrauen zur Strafkammer wird wachsen. Ter Staatssekretär legt im einzelnen die Besetzung der einzelnen Gerichtshöfe bar unb spricht bann über bie Gewährung von Tagegeldern an Schöffen. Unsere Bevölkerung ist schon jetzt überreichlich mit öffentlichen Acmtern belastet. Durch die Heranziehung des Laienelements zur Strafkammer 1. Instanz wird sie noch erheb- lieb mehr belastet werden. Durck bic Gewährung von Tagegeldern unb Reisekosten an Schöffen wird ber Kreis ber Personen erwei­tert, die zu diesen Aemtcrn herangezogen werden können, und das ist für die Rechtspflege von Bedeutung.

Der Staatssekretär erläutert sodann denGangdeSV o r verfahrens, weist darauf hin, daß die Entlastung aus bet Untersuchungshaft erleichtert unb baS ZeugnisverweigerungSreckL weiier ausgebehnt werden soll; über die Festlegung ber hierfür 3U ziel)enbcn Grenzen werde man sich in ber Kommission ver­ständigen können. Für bie Behandlung der jugend­lichen sei ein besonderer Entwurf vorgesehen, ba die Ver,ucha mit den Jugendgerichten sich gut bewährt hätten. Der Entwurf nn ganzen habe viel Anerkennung gefunden, sei aber auch anderer^ seits in Einzelheiten scharf bemängelt worden; hoffentlich werde sich das Saus in ber Kommission so darüber einigen können, daß ber materiellen Wahrheit in unserem Prozeßverfahren in bet' siärktem Maße zum Siege verhelfen wird. (Beifall.)

Die Beratung der Strafprozeßnovellc wird hierauf ver­tag t auf F r e i t a g 1 Uhr. Schluß Uhr.

Deutschland und den Schutzgebieten, die Schutztruppen, deut­schen Konsulate im Auslande, kolonialen Institute und Ver­eine, koloniale Zeitungen und Zeitschriften und Missions- gesellschaften. Im zweiten Teil sind die neuesten Taten über Handel und Verkehr in und mit unseren Schutzgebieten niedergelegt. Neu ausgenommen ivnrden die Tarife imb Fahrpläne der inzwischen neu in Betrieb genommenen Eisen­bahnen, sowie eine Zusammenstellung der deutschen Kolonial­eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaften. Besonders inert- voll macht dieses Kapitel die --Aufführung sämtlicher Plan­tagen, Farm-, Handels- und Minen-Gesellschasten in unseren Kolonien mit Angabe des Sitzes, Kapitals npv. Der dritte Teil enthält wieder allgemeine Angaben wie Anleitungen für Auswanderer und Bewerber, über frachtfreie P/iketbeför- dernng für die Marine, Tabellen der Münzen- Maße und O-ewichte, über Düngung tropischer Nutzpflanzen ufm.; tut vierten Teil sind die Export-Fabrikanten mit alphabetischer Angabe der Exportartilel auigeführt. Karten der Kolonien mit wirtschastlichen Erläuterungen erleichtern die Uebersicht. Deni Buche sind außerdeni VerawerkSkarten von Deutsch Süstwestafrila und Deutsch-Ostasrika beigegeben.

(Ein starrer MiliMbollon in zrankrerch.

DaS Kriegsministerium hat siü;entschlossen, den van einem Spieß angebotenen Ballon starren Systems anzuuehmen. Das