Man hat das plötzliche Auftreten Cavours als Staatsmann int Jahre 1848 mit der Geburt der Athene verglichen, die nod)? der griechisä-en Sage völlig gerüstet aus dem Haupte des Zeus sprang. Seine dominierende Begabung, sein ungeheures Können, trat plötzlich zu Tage, als er in der von ihm mit einigen Freunden begründeten Zeitschrift „Risorgimento" den Erlaß cin^r Konstitution für das Königreich Sardinien und Piemont foriXTtc, um die gewaltige Erregung der Massen zu dämpfen, aac fassung wurde ganz nach seinen Vorchlagen emaefuhrt, und von nun an trat seine Persönlichkeit immer deutlicher als md führende hervor, zunächst in seinem Vaterlande, dann ur dem ganzen zerrissenen, in Ohnmacht und Knechtung fchmachtenden Italien Jede neue GeltendmaäMNg seines wachenden ^nsluf^ war ein weiterer Erfolg für ihn: im Parlament entwickelte sich allmählich seine geniale Beredsamkeit, die im hitzigen ^dortkampt, in der scharfen Aussprache ihre größten Wunder vollbrachte. Ohne jeden Schwung, ohne alles Pathos wußte er mit seinem zerhackten Vortrag, seiner schneidend Hellen Stimme reden Widerspruch durch die unerbittliche Logik feiner ^^uude, durch die kristallene Klarheit seiner Darstellung zu befiegen. 18j)O muß tW König Viktor Emanuel, der nach der Abdankung des unglücklichen Karl Alberts den Thron bestiegen hatte auf das Drängen der Allgeineinheit hin zum Minister machen und er sagte dabei: „Das Kerlchen wird Euch alle aus dem sattel heben." 1852 ist seine Prophezeihung eingetroffen und Cavvmr wurde Ministerpräsident. Seine Politik ging nun zunächst dahin, Piemont zu dem unvermeidlichen Kampf mit dem Unterdrücker Italiens, mit Oesterreich, zu stärken, in- dem er in einer.glänzenden inneren Reform die Kräfte des Volkes stählte. Tann bewirkte er die Allianz mit Frankreich und England und die Beteiligung am Krimkrieg. Nun erhielt des kleine Königreich Sardinien auf dem Pariser Friedenskongreß Sitz und Stimme; sein Ansehen unter den Großmächten stieg. Damals gab Cavour seinem „Schüler" Napoleon III. die erste Unterrichtsstunde, die in ihm den Gedanken befestigte, „etwas für Italien; zu tun", und isolierte Oesterreich diplomatisch vollständig. Und bald folgte die zweite entscheidende „Leftion" in der geheimen Zusammenkunft Cavours und Napoleons \in Plombiores (August 18581 Tie Befreiung und Nationalisierung Italiens war nun als Programm aufgeftellt; sie fand ihre teilweise Verwirklichung in dem Krieg gegen Oesterreich, der durch die Konvention von Vlllafranca einen überraschend jähen, von den italienischen
Lavour.
(Zu seinem 100. Geburtstag, 10. August.)
Von Dr. Georg Kuhn.
Daß Italien seinen größten Staatsmann, den Schöpfer seiner Einheit Tentschland verdankt, hat schon sein Vetter und Biogravh De la Rive hervorgehoben. Die ^enft, deren Geschlecht Camillo Bonso di Cavour cnnProssen ist, sind fachsische Adlige gewesen, die mit Friedrich Barbarossa nach Italien kamen und ihre ghibollinische Gesinnung treu bewahrten: ihr Wappen behielt die deutsche Devise: „Gott will Recht". Für uns wird w stets Bismarck das Ideal des genialen Tatmenschen verkörpern, der das gleiche Wunder der Einigung Deutschlands vollbrachte; neben chui suh- Cavour, obwohl von deutschem Stamm, doch als das typtfch romanische politische Genie, beweglicher, geschmeidiger, blendender, über die Menschen herrschend, indem er sich ilfnen anpaßte, eine durchaus aufs Praktische, Reale gerichtete Natur, dabei ein heiterer Sinnenmensch, deni mächtigen preußischen Hünen auch im Aeußern entgegengesetzt mit seiner behäbig rundlichen, kaum mittelgroßen Erscheinung; gleich ober dem deutschen Reichsfcvmied in der Bedeutung seines Wirkens, in der Größe seiner Erfolge, m der Stellung, die er im Mittelpunkt der modernen Geschichte Italiens einnimmt. .... „ r_ . k
Cavours Unterricht war ziemlich mangelhaft; in der Ncilitar- akademie interessierte er sich hauptsächlich für Mathematit und nationalökonomische Fragen. Die phantastischen Schwärmereien und romantischen Träume der anderen italienifchen Patrioten, die sich in einer gestaltlosen Welt der Ideen bewegten, blieben ihm stets frevid. Tie Gedichte Dantes, in denen ein Manzoni und Alfteri das Evangelium der Befreiung und Einigung fanden, hat er nie gelesen; er behandelte „die Fragen der Politik wie Probleme der Integralrechnung". Tie Briefe und Aufzeichnungen ans Cavours Iünglingszeit, die er als Leutnant int Geniekorps (von 1826 18311 verbrachte, zeigen eine erstaunliche Klarheit, Festigkeit und Reife der Gedanken. Er betonte schon als Zwanzigjähriger . 1830>, daß Italien sich nur durch eine Politisch, industrielle, kommerzielle, ökonomische Wiedergeburt nach Znnen und Außen erneuern könne, daß einer politischen Befreiung die wirtschaftliche Erhebung und Reorganisation vorangehen muffe und daß dies nur in liberal-demokratischen Formen durch allmähliche Umwandlungen und Umformungen möglich sti Hier ^scheinen bereits die Grundsätze, die der Minister befolgte, als
Ausstand und Aussperrung in der deutschen Schiffsbaulsldustrie.
Die Leitungen der deutschen Privatwersten haben am
6. August den Ausstand der Hamburger Schiffsarbeiter und die StreikdroHungen aus Bremen, ^Rostock, Kiel, Stettin und so weiter mit der Erklärung beantwortet, daß sie am Donnerstag auf allen deutschen Werften Betriebseinschräw- kungen vornehmen und 60 Prozent der organisierten Arbeiter aussperren würden, falls nicht die Hamburger Schisssarbeiter bis dahin die Arbeit wieder zu den alten Bedingungen ausgenommen hätten. Diese Drohung ist nicht nur erfolglos geblieben, nein, sie hat es sogar bewirkt, daß in Hamburg noch weitere Arbeiter- kategorien, wie die Schiffsreiniger, die Schiffsmaler, die Dockarbeiter der Hamburg-Amerika-Linie usw. in den Ausstand eingetreten sind. Und daß in den Arbeitnehmer- lreisen Stimmung dafür vorhanden ist, die Aussperrung der 60 Prozent Arbeiter mit einem Ausstand der noch, übrigen 40 Prozent zu beantworten. Man muß vorläufig abwarten, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Eins aber scheint nicht völlig ausgeschlossen zu sein, daß, wenn eine allgemeine Arbeitsniederlegung im Schiffsbaugewerbe erfolgt, noch weitergehende Beschlüsse des Verbandes der Eisenindustriellen zu erwarten sind, so daß damit die Arbeiterbewegung nicht auf das Schisfsbaugewerbe beschränkt bliebe, sondern auch die Fabriken der Eisenindustrie erfaßte. Denn wenn man die Schiffsarbeiter zwingen will, möglichst bald zu Kreuze zu kriechen, so muß man die Kassen des Metallarbeiter-Verbandes so schnell wie möglich leeren, ihnen also durch Aussperrung so viel Unterstützungsberechtigte aushalsen, daß ihnen in kurzer Zeit der Atem ausgeht.
Welchen Umfang dann der jetzt vom Schiffsbäugewerbe ausgegangene Kampf annehmen wird, läßt sich bis heute noch gar nicht ermessen. Und wenn er auch miT kurze Zeit dauern und wahrscheinlich mit einem Siege der Arbeitgeber endigen würde — was wäre damit gewonnen? Ungezählte Werte sind dann verloren gegangen, wieder sind tausende von Arbeitern in die sozialdemokratischten Organisationen hineingetrieben worden, und das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hat eine weitere Verschärfung erfahren, so daß, wenn die sozialdemokratischen Kriegskassen erst wieder gefüllt sind, ein neuer Streik mit Sicherheit zu erwarten wäre, dessen Ausgang umso unsicherer ist, als die Arbeiter ihn wohl zu einer für sie günstigeren Zeit beginnen wurden, als heute, wo die Schifssbauindustrie nicht voll beschäftigt ist.
Von den Arbeitern in Hamburg wird das freilich bestritten, weil auf den dortigen Werften mit Ueberstunden gearbeitet würde. Und diese, nach ihrer Meinung günstige lokale Konjunktur gab ihnen auch den Mut, am 2. August mit Forderungen an die Arbeitgeber heranzutreten, die diese nicht bewilligen konnten oder wollten. Diese Forderungen gipfelten in einer allgemeinen Lohnerhöhung, besonders ftir Ueberstunden und Sonntagsarbeit, in einer Verkürzung der Arbeitszeit um täglich 1 Stunde (am Sonnabend um 2), in der Einführung fester Einstellungslöhne für die einzelnen Berufe, in der Zusicherung eines Mindestverdienstes von 33y3 Prozent bei Akkordarbeiten, sowie einer früheren Auszahlung dieses Verdienstes, auf die die Arbeiter jetzt oft vier bis fünf Monate warten müßten. Mmntt man noch hinzu, daß die Hamburger außerdem noch die Anrechnung der Zeit der Lohnzahlung auf die Arbeitszeit, und zwar zum Ueberstundentarife, verlangten, so muß man diese Forderungen als maßlos be- .zeichnen und kann ihre Ablehnung den Hamburger Werftbesitzern nicht verdenken. _________
er in Piemont „eine der gründlichsten Zollresvrmen ' durchführte, „die je Europa gesehen", als er seine „Gedanken über die italienischen Eisenbahnen" glänzend verwirklichte unb eine geordnete Finanzwirtschast schick; hier sind auch schon die Leitmotive ferner Staatskunst angebeutet, seine echte Humanität, feine tiefe Abneigung gegen iede gewaltsame Revolution und die feste Ueber- zeugung, daß dem Politiker „das Gefühl für das Mögliche' ausschlaggebend fein müsse. Ein so selbständiger freier Geilt konnte nidit anders, als mit seiner freien Kritik Anstoß erregen: der 21 jährige Ofstzier nahm seinen Abschied unb verbrachte nun 17 Jahre in stiller Zurückgezogenheit, um in harter Arbeit und Selbstzucht seine Erfahrung zu bereichern, ferne ^deen zu befestigen und die tiefe Menschenkenntnis zu gewinnen, die er für sein Amt brauchte. Tenn dies Amt schwebte ihm beständig in seinen Träumen vor, von denen er 1832 lächelnd einer Freundin erzählt: „Ich würde es ganz natürlich finden, wenn ich eines Tages als leitender Minister des Königreichs Italien auswachte.'
Cavours Lehr- unb Wanderjahre vollzogen sich in bedeutsamen Reisen nach Paris, wo er besonders die, Entfaltung des demokratischen Gedankens kennen lernte und fleißig Vorlegungen hörte nach der Schweiz unb vor allem nach England, das für ihn eine Zeit lang zum Idealbild eines freiheitlich regierten Staates, einer wunbervoll ausgebildeten Gesellschaft wurde. Das Studium des landwirtschaftlichen und industriellen Lebens in Großbritannien trug ihm bann in der Heimat tausendfältige Frucht. Der Vater gab dem nachgeborenen Sohne, der am das große Familienerbe feinen Anspruch hatte, eins seiner Landgüter Lori zur Bewirtschaftung und nun erprobte Camillo iw kleinen die organisatorischen und schöpferischen Fähigkeiten, die er später zum Wohle des Staates offenbarte. Er schuf ein Mustergut, das gewaltige Ertrüge abwarf, beteiligte sich bann auch an großen inbuftriellen Unternehmungen, die zum Teil, mie. die Bank von Turin, erst durch ihn ins Leben gerufen wurden, und so ward der wenig bemittelte, abhängige Graf allmählich zum Millionär. Nun erschien er auch in den Klubs und Salons von Turin, gern gesehen als liebenswürdiger Plauderer, geistvoller Spötter unb humorvoller Lebemann. Niemand ahnte in dem anglomanifmen „Mylord Camillo", in dem lebhaften untersetzten Landjunker, der stets ein behagliches Lächeln auf dem breiten Gesicht zeigte und eine unverwüstliche gute Laune hatte, den Retter aus der schwierigen, gefahrvollen Lage, in der sich schon damals die Politik Piemonts und die Situation ganz Italiens befanb.
Die Hamburger Schisssarbeiter haben darauf am । 4. August mit dem Ausstand geantwortet. Es traten nach ' unb nach ihrer etwa 10 000 in den Ausstand, doch wird es der Aussperrungsbeschluß der Werstbes^er mit sich bringen, daß an den übrigen Werftplätzen noch 14 500 wei- . tere Arbeiter brotlos werden, zu denen sich dann noch etwa 10 000 gesellen, die wegen ^des Aussperrungsbeschlusses in den Ausstand eintreten. Denn daß dieses geschieht, daran kann nach den Nachrichten, die aus Bremen, Rostock, Kiel, Stettin usw. vorliegen, wo die Arbeiter das Vorgehen der Hamburger Verwaltungsstelle des Metallarbeiter-Verbandes einstimmig gebilligt haben, kein'Zweifel ein. Erfolgt am Donnerstag tatsächlich die Aussperrung in dem oben bezeichneten Maßstabe, so haben wir nicht mehr, wie jetzt, mit 10 000, auch nicht mit 25 000, sondern mit rund 40000 brotlosen Arbeitern, die sich auf 37 Wersten verteilen, zu rechnen, oder unter Hinzu- zählung ihrer Familien mit etwa 120 000 darbenden Menschen.
Allerdings wird ja nun versichert, daß den Arbeiterorganisationen 10 Millionen Mark zu Streik- und Aus-» sperrungsunterstützungen zur Verfügung ständen. Aber was bedeutet das unter so viele, felbst wenn die sozialdemokratische Parteikasse und das Auslandndie brotlosen Schifss- ar beit en auch noch so sehr unterstützten? XDie Werftbesitzer können mit ihren reichen Mitteln diese Zeit der Arbeit^ einstellung viel besser aushalten, wenn sie natürlich auch mit allerlei Unzuträglichkeiten und Verlusten zu rechnen haben. Denn, wie gesagt, vollbeschäftigt ist unsere Schisfs- industrie zurzeit nicht. ?tur auf den Hamburger Reparaturwerkstätten, sowie bei der Abfertigung der Schiffe macht sich der Ausstand schon jetzt unliebsam bemerkbar; beim Schiffsneubau selbst dagegen kommen, da für die Fertigstellung von Handelsschiffen keine festen Lieferungsfristen ausgemacht sind, nur die Bestellungen der Kriegsmarine in Betracht. In Hamburg sind augenblicklich drei Panzerkreuzer im Bau, auf den ^stseewerften sieben Linienschiffe und vier kleine Kreuzer, deren rechtzeitige Fertigstellung nun wohl verzögert werden dürfte.
Ob die jetzt ausgebrochene Lohnbewegung unter den deutschen Schiffsarbeitern einen politischen Hintergrund! hat, wird sich schwer feststellen lassen. Das Maßlose der Hamburger Forderungen scheint allerdings darauf hinzudeuten, daß die Sozialdemokratie mit der Beunruhigung des Schifss- baugewerbes agitatorische Zwecke verfolgt. Und die Worte des Bevollmächtigten des deutfchen Metallarbeiter-Verbandes, Otto Franz, „daß der Kampf durchgefochten werden müsse, mögen auch viele Arbeiter über seinen Ausgang enttäuscht werden", scheinen diese Auffassung zu unterstützen. Aber mag es sich nun um einen aus politischen oder ivirtschaftlichen Gründen entfackften Streik handeln — das eine ist wohl nicht zu bestreiten, daß. man in Hamburg in jedem Falle äußerst frivol vorgegangen ist. Denn man war sich in den führenden Greifen der sozialdemokratischen Gewerkschaften der Ungunst der Konjunktur für die Arbeiter voll bewußt und reizte sie doch zum Ausstand auf. Würde es im Leben der Nationen auch nur eine Regierung wagen, einen Krieg heraufzubeschwören, von dem sie bestimmt weiß, daß er mit einer Niederlage endigen muß? *
lieber die gegenwärtige Lage des Schiffbaues schreibt die „Deutsche volksw. Korresp.":
Wer mit der gegenwärtigen Lage des deutschen Seeschiffba.ues <7iich nur einigermaßen vertraut ift, wird wissen, daß die Werkten diese Forderungen gar nicht bewilligen können. Jahrelang hat : die deutsche Schiffbauindusttie mit dem schwersten Mangel an 1 Aufträgen gekämpft. Die Werften haben, soweit sie Aktiengefell- 1 schäften sind, ihre Dividenden beträchtlich heruntersetzeu munen. Vielfach sind Verdienste überhaupt nur durch andere Beschäftigung
als durch den Schiftbau ermöglicht worden. Tie Folge waren Zusammenbrüche im Schiffbau, wie sie in solchem Unftauge vorher niemals vorgekommen sind. Die Veckuche, notleidende Werften durch Zufammenlegungen zu sanieren, werden noch in stftcher Erinnerung sein. Endlich, gegen Ende des wahres 1909, schien eine Besserung im Schiffbaugewerbe einzutreten. Der allgemeine uuft chwung in Handel unb Industrie, das Zustandekommen einer Verkündigung zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika, das deuftch-kanadstche Handelsabkommen crftillten die Reeder mit neuer Zuversicht und veranlaßten Aufträge bei den deutschen Werften. Tie Preise waren zwar noch sehr gedrückt ; aber es war doch ein Anfang. Nur zu bald ist diese kleine Beftemng wieder verschwunden. Wer den Berichten über die Sage des Schiffbaues, die im Reichsarbeitsblatt erscheinen, wer den Aeuße- tungen der Werften und der Reeder nicht traut, der besuche die deutschen Schiffbaustätteu. Aus den meisten Helgen wird ihn trostlose Leere angähnen; was von Schiften auf Stappel liegt, verspricht keinen oder nur geringen Verdienst. Es ist eben immer noch zu viel Schiffsraum zur Verfügung; er reicht mehr als aus, um das vorhandene Bedürfnis zu decken.
Zum Personalwechsel in der hessischen Zchulabterlnng
wird uns von unterrichteter Seite geschrieben:
Nach dem ersten Eindruck der Ueberraschung und des Unmuts, den die Ernennung eines Juristen zum Letter der Schulabteilung hervorgeruseu hatte, ist jetzt in den Kreisen der Lehrer wieder eine allgemeine Beruhigung ein- qetreten. Sie stützt sich vor allent auf die Tatsache, daß der langjährige bewährte Mitdirigent in der Schulabtei- lung. Geh. Oberschulrat Dr. No d nagel, auch weiterhin auf seinem Posten verbleibt und daß auch sonst keine V^r- sonalveränderungen erfolgen werden. Damit ift den Zehrern die Gewähr dafür gegeben, daß sich in der anerkannt vortrefflich bewährten Leitung des hessischen Schulwesens keinerlei Umgestaltung vollziehen, das Schifflem vielmehr ganz im Sinne des verewigten Dr. Eisenhuth weiter gesteuert werden wird. Wenn man hier und da die ^rage aufwirft, warum denn da nicht einfach Herr Nodiiagel zum Nachfolger berufen worden sei, so mag daran erinnern werden, daß dieser Herr bereits im 66. Lebens)ahre steht und in diesem Mer wohl kaum iwch große Lust zur Uever- nahme eines so schwierigen und arbeitsvollen Amtes verspüren konnte. Doch dürfte die Ernennung des Geh. Rat Süffert erst erfolgt sein, nachdem Herr Nodnagel fein Verbleiben int Amte zugesichert hatte und die sofortige amtliche Dementierung der Nachricht, in der sein Rfticktrttt angekündigt wurde, beweist, welchen Wert man an maßgebender Stelle aus die weitere Tätigkeit dieses hochverdienten und allgemein geschätzten Beamten legt, ^chon int Jahre 1904 war, als Herr Eisenhuth von seinem Amt zuruck- treten wollte, Herr Nodnagel zu seinem Nachfolger ausersehen worden; er lehnte aber damals schon ab^und es gelang, unter Erteilung eines längeren Urlaubs im Sommer 1905, Herrn Eisenhuth auf seinem Posten zu erhalten. Das Amt eines Dirigenten der Wteilung für Schulangelegenheiten ist auch viel umfangreicher und schwieriger, als man gemeiiihin im Publikum anzunehmen scheint Es umfaßt ein vielfach größeres Personal, als z. B. der ähnliche Posten im Justtzministerium, denn es kommen hier außer ca. o400 Volksschullehrern und -Lehrerinnen auch noch ca. 47.) akademische Lehrer und etwa 200 provisorisch angestellte Kräfte in Betracht. Im Hinblick auf dieses große Heer von ^>chul- angestellten sind schon früher Bestrebungen dahm gegangen, das Unterrichtswesen in Hessen einem besonderen Minifte- rium zu unterstellen, was ja zweifellos für die Beteiligten manche Vorteile zur Folge haben wurde^ Man ift aber auf diese Anregung schon damals aus Sparsamkettsruck- sichten nicht näher eingegangen und hat jetzt durch die : Uebertragung des Vorsitzes in der Abteilung an einen Juristen noch einen Schritt weiter getan. In der Sache selbst wird dadurch, wie wir besttmmt annehmen können.
Nr. 185 Erstes Blatt ISO. Jahrgang Mittwoch lO.Attgnft 1910
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General-Anzeiger für Oberheffen
h"n dik*T^a"snumE Rofafionsörttd und verlaa der vrM'scken Univ.-Vnch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuiftrahe I. fZ^igenieU? H." B^.
bis vormittags 9 Uhr. —■ wm ■


