Dienstag 9. Artgrrft 1910
Nr. 184
Erstes Blatt
160. Jahrgang
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poNtifchs Tagesschau.
Eine konservative Rechnung.
Die „Kreuzztg." unternimmt eine Betrachtung der gesamten 14 Reichstaqsersatzwahlen, die nach der Reichs- finänzreform stattgefunden haben, und schreibt: Seit der Verabschiedung der Reichsfinanzreform im Juli vorigen Jahres haben im ganzen 14 Rcichstagsersatzwahlen stattgefunden. Von diesen 14 Mandaten war nach den Wahlen von 1907 nur 1 im Besitz der Sozialdemokratie, 4 besaßen die Nationalliberalen, 3 der Fortschritt, je 2 die Konservativen und das Zentrum, und je 1 außer der Sozialdemokratie die Polen und die Deutschsozialen. Die Ersatzwahlen haben diesen Besitzstand gründlich verschoben. In 8 Wahlkreisen herrscht jetzt die Sozialdemokratie, das Zentrum hat wie vorher 2, die Konservativen, Nationalliberalen, der Fortschritt und die Polen haben noch je einen dieser Wahlkreise inne. Behauptet haben sich das Zentrum in Koblenz und Wipperfürth-Gummersbach, die Konservativen in Landsberg-Soldin, der Fortschritt in Jauer-Bolkcnhain, die Polen in Posen und die Sozialdemokraten in Stollberg- Schneeberg; die Nationalliberalen haben Oletzko-Lyk von den Konservativen, die Sozialdemokratie Neustadt-Landau, Koburg, Friedberg-Büdingen und Cannstatt von den Nationalliberalen, Halle und UsedoimWollin von dein Fortschritt, endlich Eisenach von den Deutschsozialen erobert.
Aus diesem Ueberblick zieht das konservative Blatt folgende Schlüsse:
1. Kein Mandat des sogenannten „schwarz-blauen Blocks" ist an die Sozialdemokratie gefallen. In zwei Wahlkreisen — Usedom- Wollin und Friedberg-Büdingen — haben die Konservativen und Agrarier die liberalen Parteien, die bisher im Besitz der beiden Mandate waren, auf die dritte Stelle gedrängt und dafür sich selbst in die Stichwahl mit der Sozialdemokratie gebracht, in der sie allerdings dank Verhaltens der liberalen Parteien unterlegen sind.
2. Der gesamte Mandatsgewinn der Sozialdemokratie erfolgte aus Soften der liberalen Parteien (denn auch Eisenach ist ein alter nationalliberaler Bisitz, den erst 1905 die Dcutschsozialen gewonnen hatteni. Tie Nationalliberalen vermochten keins ihrer 4 Mandate gegen die Sozialdemokratie zu behaupten. Der Fortschritt Halle die Rettung Jauer-Bolkenhains allein den Konservativen zu danken. So sieht in Wahrheit das „Strafgericht der Wähler über die Reaktion" aus, es bedeutet den Zusammenbruch des Liberalismus. Noch deutlicher zeigt sich das, wenn man die für die einzelnent Parteien in diesen Wahlkreisen 1907 und in den Nachwahlen der letzten 12 .Atonale abgegebenen Stimm zahlen in Vergleich stellt.
Es ergibt sich dann das gewiß für viele überraschende Resultat, daß trotz des Rückganges ihrer Stimmen in einzelnen Wahlkreisen und trotz der Niederlage in Oletzko-Lyck die Deutsch- konservattven und der Bund der Landwirte die einzige bürgerliche Partei sind, die — abgesehen von den Chrisllichsozialen — nicht nur nickst an Stimmenzahl verloren, sondern ibre Gesamtstimmenzahl noch etwas erhöht haben, während der Liberalismus auch an Sttmmeuzahl von allen Parteien die schwersten Verluste erlitten hat.
Für die Sozialdemokratie wurden in den vierzehn in Frage stehenden Kreisen 1907 insgesamt 112 510, in den Nachwahlen aber 128 758 Stimmen abgegeben. Die Partei hat in sämtlichen Kreisen ohne Ausnahme eine Stimm en Vermehrung erfahren, ihr Gesamtgewinn beziffert sich auf 26 248 Stimmen. .
Rein ziffernmäßig recht starke Verluste hat in den .Ersatzwahlen das Zentrum erlitten. 1907 wurden für diese Partei
in den 14 Wahlkreisen 52 398, in den Ersatzwahlen nur 42 790 Stimmen g^ählt. Das Zentrum hat also einen Verlust von 9 6 08 Stimmen zu verzeichnen. Dazu ist freilich zu beachten, daß der Hanpttückgang an Stimmen (beinahe 8000) aus den dem Zenttum totsicheren Wahlkreis Koblenz siel, wo an einen ernsthaften Wettbewerb anderer Parteien nicht zu denken war, während in dem Wahlkreise Wipperfürth-Gnmmersbach, wo das Zentrum einen sehr erlist gemeinten Angriff der Nationalliberalen glänzend zurückschlug, es seine Sttmmeuzahl in der Ersatzwahl noch um mehrere Hundert erhöhte. .
Für die National liberalen wurden 1907 in den in Bettacht kommenden Kreisen 76711 Stimmen, in den Ersatzwahl dagegen nur 58 047 Stimmen abgegeben. (Man berücksichtige dabei das soeben betreffs des Wahlkreises Stollberg- Schneeberg Gesagte.) Ihr Verlust beläuft sich also auf 1 8 66 4 Stimmen. Dieser gewaltige Rückgang fällt um so stärker ins Gewicht, weil die Nationalliberalen in Oletzko-Lyck, wo sie 1907 keinen eigenen Kandidaten hatten, also auch keine Sttrnmen zählen konnten, bei der Ersatzwahl es auf 12 829 Stimmen brachten. Ohne diesen Zufallsersolg würde sich, der Verlust an national- liberalen Stimmen auf über 31000 stellen.
Recht beträchtlich ist auch der Verlust desLinksliberalis- mns: für ihn wurden 1907 insgesamt in den 14 Wahlkreisen 49 006 Sttrnmen, bei den Nachwahlen aber nur 42 828 Stimmen gezählt. Sein Verlust beläuft sich also auf 6178 Stimmen.
Und nun vergleiche man mit diesen Verlusten der liberalen Patteien das Ergebnis der Ersatzwahlen für die konservative Partei und den Bund der Landwirte. Auch die Konser- vattven haben in einigen Nachwahlen eine Verminderung ihrer Sttrnrnenzahlen erfahren, sie haben in Oletzko-Lyck sogar mit einem Schlage über 10 000 Stimmen eingebüßt. Trotzdem haben sie gerade dank der Tatsache, daß sie sich durch den Linksabmarsch der Nattonälliberalen in mehreren Wahlkreisen zur Ausstellung eigener Kandidaturen gezwungen sahen, ui der Gesamtheit der Ersatzwahlen nicht nur keine Verluste an Sttrnrnm erlitten, sondern ihre Stimmenzahl sogar noch um 1406 erhöht. Es wurden nämlich 1907 in den 14 Kreisen nur 54 392 konservative bez. bündlerische Sttrnmen, in den Ersatzwahlen dagegen 55 798 solcher Sttrnmen abgegeben.
Eine Selbsttäuschung liegt in den letzten Sahen denn doch drin. In den Zahlen von 1907 stecken doch da, wo die Konservativen nicht durch eigene Kandidaten aufgetreten sind, auch viele konservattve Stimmen. Die parteipolittsche Zählpolitik bei den letzten Wahlen, wo die Konservativen, sich zur Aufstellung eigner Kandidaten gezwungen sahen, kann doch nicht ohne Bedenken zum Vergleich mit den früheren Ziffern herangezogen werden. Bei den von der „Kreuzztg." herausgerechneten Verlusten der National- liberalen' wird man das gleichfalls berücksichttgen müssen.
Der nationalliberale Vertretertag in Kassel.
Die Natl. Korr. schreibt: Der diesjährige Allgemeine Vertretertag der nationalliberalen Partei findet bekanntlich am 1. und 2. Oktober in Kassel statt. Die Vorbereitungen dazu sind in vollem Gange. Die Einladungen zur Teilnahme an die nach den Satzungen zu dieser Berechtigten, sowie die Aufforderungen an die Organisationen zur Vornahme der Wahl sind'dieser Tage hinausgegangen. Der erste Verhandlunastag am 1. Oktober dürfte durch eine Aussprache über die allgemeine politische Lage, an der Hand eines Referates des Herrn Abgeordneten Bassermann, Gelegenheit zu einer gründlichen und nützlicheren Aussprache bieten, als das durch mancherlei Presseerörterungen auch in den eigenen Reihen wenig zu Nutz und Frommen der Partei in diesen Wochen betätigt
ist. Der Tagung geht ant 30. September eine Sitzung des Zentralvorstandes in Kassel voraus. Einladungen nebst Tagesordnung hierzu werden rechtzeitig hinausgehen.
Die Vorgänge in Spanien
Madrid, 8. Aug. In amtlichen Steifen ist nichts darüber bekannt, daß der Papst an König Alfons eilt Schreiben richtete, wie auswärtige Blätter behaupten; des« gleichen weiß man nicht, worauf das Gerücht zurückgeht, daß die Beziehungen zwischen dem Vattkan und Spanien: eine Besserung erfahren haben sollen, wie gewisse römischo Korrespondenten berichteten. Endlich ist es vollständig unrichtig, daß der spanische Botschafter in Wien bei der öfter- reichisch-ungarischen Regierung gegen das Verhalten Don- Jaimes Protest erhoben habe.
Wien, 8. Aug. Gegenüber den Blättermeldungen, denen zufolge Kaiser Franz Josef die Stellungnahme von Don Jaime von Bourbon zu den Vorgängen in Spanien mißbilligt habe und durch seine Halttmg verstimmt sei, erklärte Don Jaime von Bourbon in der „Neuen Freien Presse": Es ist mir absolut nichts davon bekannt, daß Seine Majestät über mein Vorgehen, das immer korrekt blieb, ungehalten sei, zumal ich intir die größte Reserve cruferlege.
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Aus Hessen.
Aus der Hauptversammlung des deutschen Geometer Vereins, die vom 31. Juli bis 2. August in Essen a. d. Ruhr abgehalten wurde, führte der Vorsitzende: u. a. über hessische Angelegenheiten das Folgende aus:
Im Großherzogtum Hessen sind staatliche Maßnahmen, durch welche die bisher selbständigen Kreisvermessungsämter aufgehoben und diese Dienststellen einer nicht technischen Verwaltungsbehörde unterstellt werden sollen, in Aussicht genommen. Der Verein l>efsischer Geometer 1. Klasse, Zweigverein des D. G.-V., hat hiergegen in einer gut begründeten Denkschrift Einspruch erhoben. Der Vorsitzende des D. G.-V. bemerkt hierzu unter Beifalls-' kundgebungen der Versammlung, „daß eine derartige rückschrittliche Verwaltungsmaßregel mit dem auch in Hessen bekanntlich vorhandenen Aufwärtsstteben der geodättscken Wissenschaft und Technik nicht im Einklang steht. Unseren hessischen Berufsgcnossen wünschen wir zu ihrem energischen, aber maßvollen Vorgehen den besten Erfolg".
Deutsches Reich.
Johannes F u s a n g e l, der Herausgeber der „Westd. Volks-' ztg.", der in der Zeit von 1893—1907 den Wahlkreis Arnsberg- Olpe-Meschede als Zentrumsabgeordneter im Reichstag Vertreten; hat, ist in Hagen an Lungenentzündung plötzlich ge starben.-. Fusangel, der ein Alter von 58 Jahren erreicht hat, war schow seit längerer Zeit mit der offiziellen Zentrumspartei, die üben seine Zeitungen sogar den Boykott verhängt hatte, vollständig zerfallen. Bei den letzten allgemeinen Reichstagswahlen hatte Fußangel gegenüber dem von der Parteiorganiwton auf den Schild erhobenen Zentrumskandidaten, dem Arbeitersettetär Becker, feine Gegenkandidatur aufgestellt mit dem Erfolge, daß auf ihn 9275' Wählerstimmen entfielen, während Becker mit 14195 Stimmen gewählt wurde. , , „ ,' ,.
Aus Saarbrücken wird berichtet: Am Sonntag hielt hier der Verband deutscher Kriegsveteranen (Sitz Leipzig) feinem 16. Verbandstag ab. Auf der Tagesordnung stand als wichtigster Puntt die Wiederannäherung des Verbandes deut- scher Kriegsveteranen an den Deutsch en Krieger-* bund. Nach längerer Aussprache wurde eine Entschließung an-
Lin Triumph der französischen Zlugmaschinen.
Ueber die Wetfflüge französischer Flubwaschinen, über die durch das Wolff'sche Bureau nur dürftige Berichte verbreitet worden sind, erhalten wir aus Paris folgenden Bericht: .
Q Paris, 8. Aug.
Es ist nicht zu viel behauptet, daß mit den Ergebnissen des Sonntags der Flug durch die Lüfte aus dem Gebiete des Sports in den der praktischen Anwendung ft bet gegangen ist. Man muß sich die Tatsache Vorhalten, daß sich bei noch immer wenig günstigen Wellerverhältnifsen acht Flieger zu einer vorher festgesetzten Stunde pünktlich in die Lüste erhoben, von denen sechs das Ziel Troyes ungefähr, erreichten, während die zwei anderen nur wegen Motorschadens aufgeben mußten, ohne daß ein nennenswerter Unfall zu verzeichnen geroefen wäre. Andererseits vermochten fünf Offiziere auf Wright-Flugapparaten die schwierige Strecke Mourmelon-Naney zurückzulegen, während zwei andere Offiziere von Vulains nach Troyes flogen, noch ein anderer von Mourmelon nach Verdun und schließlich Latham, der wegen Uebermüdung bei seinem sehr anstrengenden Fluge von Mourmelon nach Jssy-les-Aioulineaux den Wettbewerb in dem „Cireull ,be l'Est" aufgegeben hatte, sich das Vergnügen, inadjtc, auf dem Luftwege seiner Mutter in ihrem Schlosse bei Dreux einen Besuch abzustallen.
Die Fortschritte, die seit der vorjährigen Flugwoche m Reims erzielt worden sind, treten durch diese Angaben handgreiflich vor Augen. Denn damals konnten nur auf einem abgegrenzten Gelände in mehr oder minder großen Zwischenräumen mit Stockungen und unter Schwierigkeiten aller Art die von den besten Fahrern geführten Apparate auffliegen und zwar nur in unbestimmten Stunden, wenn sich gerade der Wind etwas gelegt hatte. Besonders verblüffend sind die Geschwindigkeiten, die hauptsächlich von den beiden Siegern der ersten Etappe, Leblanc und Aubrin, auf ihren Zweideckern Blsriot erreicht wurden. An und für sich ist die Z e i t u o n etwas über anderthalb Stunden für einen Flug von 135 Kilometern außerordentlich, nimmt man aber noch hinzu, daß wegen des dichten Nebels, der in den Morgenstunden des Sonntags herrschte, Verirrungen in der Luft unvermeidlich waren, so muß das Ergebnis noch verblüffender erscheinen. Auch der an dritter Stelle eingetroffene Lind- paitner hat mit feinem Zweidecker Sommer hinsichtlich der Geschwindigkeit Bedeutendes geleistet. Denn wenn er auch gegen die beiden ersten um 53 bzw. 48 Minuten zurückblieb, so ist zu bedenken, daß er, da er im Ueberlandsluge noch nicht sehr bewandert ist, aus Vorsicht dem Lause! der Seine folgte und somit einen beträchtlichen Umweg machte.
Sehr interessant und bewegt war der Flug Wey mann's auf einem Farman-Zweidecker. Er mußte nämlich, weil er in dem Nebel seinen Weg nicht zu finden vermochte, mehrfach niedergehen, so in Provins, wo er einen einsamen Spaziergänger an Bord nahm, aber 10 Kilometer weiter wieder absetzte, weil der Herr
plötzlich von einem Höhenfieber erfaßt wurde, das eine frappante Aehnlichkeit mit der Seekrankheit aufweist. Allerdings brauchte er nahezu fünf Stunden, um zum Ziele zu gelangen, wobei ihm noch das Unglück passiette, etwas vor dem Zielpunkte zu landen, weshalb er sich, um sich zu klassieren, noch einmal in die Lüfte erheben mußte. ,
Eine sehr große Luftreise hat der letzte Klastier To Mamet ans seinem Bleriot-Eindecker gemacht. Er wurde nämlich wert in das Marne-Departement abgetrieben und hat somit nach den vorläufigen Berechnungen statt der 135, nahezu 200 Kilometer zurückgelegt.
Bei der Landung rief besonders Lindpaintner wegen der Sicherheit, mit oer er auf das Ziel lossteuerte, unb tj>er Leichtigkeit des Niedergleitens Begeisterungsstürme hervor. Er erklärte, unter der in den oberen Regionen herrschenden Kalte empfindlich gelitten!zu haben. Seinen Aussagen zufolge rufen die Luftströmungen, dietaus den Tälern emporsteigeu, auf dem Nacken eine ähnliche Empfindung hervor, als erhielte man einen starken Faustschlag. Aber schließlich sind alle Eingetroffenen sehr zufrieden und wohlauf: da sich nunmehr auch die Witterung gebessert zu haben scheint, sehen sie mit frohen Erwartungen dem weiteren Verlaufe (des großen Rundfluges entgegen
Um kurz daran zu erinnern, handelt es sich bei dieser vom „Matin" veranstalteten großen Prüfung, folgende sechs Luftsttecken zurückzulegen: Patts—Troyes (7. August) 135, Troyes—Nancy (9. August) 160, Nancy—Mezisres (11. August) 160, M6zißres— Douai (13. August) 139, Douai—Amiens (15. August) 78, und Amiens—Patts (17. August) 110 Kilometer, zusammen also über 800 Kilometer. Es ist zweifellos, daß sich viel mehr von den erst für diese Prüfung genannten vierzig Fliegern an der Fahrt beteiligt hätten, wenn sie die glückliche Wendung des W e 11 e r s vorausgesehen hätten. t
Der patriotische Jubel der Franzosen wird aber durch die gleichzeitig ausgeführten gelungenen Flüge von Offizieren noch erhöht. In militärischen Kreisen wird besonders den Flügen der Leutnants Cammerman, Villierme, F6- quant und de Eoumont auf drei Farmcm-Doppeldeckern von Mourmelon nach Nancy große Bedeutung beigemessen. Die beiden ersten fuhren zusammen über Verdun unb trafen zuerst in Nancy ein, ungefähr in zwei unb einer halben Stunde; Leutnant F6- quant, der von dem Hauptmann Marie begleitet wurde, flog über Chalvns und Saint-Dizier, de Eaumont allein in mittlerer Höhe von 750 Metern über Bar-le-Duc; sie machten aber den Weg weiterhin gemeinsam über To ul. Als Ausgabe war ihnen zugewiesen, alles zu notieren, was sie unten auf der Erde an Erscheinungen erblicken konnten, Vorbeifaliren von Zügen, Menschenansammlungen usw. Ferner smd zu verzeichnen die Flüge des Leutnants Bellanger auf einem Blöttot-Eindecker von Mourmelon nach Verdun, des Leutnants Nkayol von Vulains nach Troyes auf dem Flugapparate, mit dem der Leutnant Cheueaux von Aillacoublay nach Vulaines gekommen war.
— Sud ermann unb die Presse. Das Berliner Tagblatt erhält den folgenden Brief:
In Nummer 394 Ihres sehr geschätzten Blattes macht sich ein als Ä)nkeus bezeichneter Artikelschreiber fl! D.Red.) — bezugnehmend auf eine freundliche Aeußerung des Kaisers über meine letzte Bühnenarbeit — zum Interpreten gewisser „Anderer", die mich auch hierin als den „lieben, alten Suderinann", „diese Mar litt des Naturalist m u s" absck)ätzen zu können glauben.
Nun habe ich zwar — insbesondere seit dem Erscheinen meiner Verrohunqsartikel — die vielfältige Freude erlebt, mich in der deutschen Presse zum „modernen! Kotzebue", zum „BuM-Bum-Raupach", zu einem „zweiten Clauren", zur „vergröberten Birch- Pfeif f er" ernannt Ku sehn, aber, kühn gestimmt durch die soeben empfangene neueste Medaille, versteigt sich mein Ehrgeiz zu noch höheren Zielen:
Ich will versuchen, mir bei gelegentlicher Herausgabe meiner Gedichte die Bezeichnung einer „auferstandenen Friederike Kempner" widerfpruck)slos zu verdienen und stelle mich für die Beurteilung meines nächsten Dramas, das höchst lügenhaft erfunden ist, als den „Karl May der Neuromantik" ergebenst zur Verfügung.
Durch diese Winke für künftige literarische Würdigung hoffe ich mich endlich mit jenen „Anderen" und ihrem Sprecher in Uebereinsttmmnng zu setzen.
Mit verbindlicher .Empfehlung
Ihr
„lieber alter" .S u d e r nt a n n.
*
— Vom Umb au d es Mainzer Stad ttheaters. Die Fertigstellung des Stadttheaters zum 1. Oktober wird sich nur auf die Bühne und den Zuschauerranm erstrecken, da das Foyer bis dahin nicht vollendet werden kann. Um den Raum in der vorgesehenen Art auszustalten, ist die Zeit zu kurz. Sollte der .Großherzog der Eröffnung beiwohnen, so wird man dem Ranme vorübergehend eine vorläufige Belleidung und Ausstattung geben.
— Kurze Nachrichten au s Ku n st u. W i s sen scha f t. 2>er Herbranb'sche Sängerbund in Köln hält am Sonntag ben> 28. Älugnst ds. Js., nachmittags 4 Uhr, im Hotel Elisen- hos auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück em Wohltätig- keitskonzert ab zu gunften des an der gleichen Stelle zu emd^ tenben Bismarck - National - Denkmals,


