Kanonenboote Verwendung. Unter den submarinen Streitkräften befinden sich vier Minenschifse und eine'Anzahl Minensuchboote, für besondere Zwecke sieht die Vorlage vor: drei Ver messungsfahrzeiigc^ drei Transportschiffe, ferner Schulschiffe, sowie Fahrzeuge zum Schutze der Fischerei je nach Bedarf. Für die Auslandsschisfe und die Panzer, die vor dem Jahre 1909 aus Stapel gelegt worden sind, wird die Maximallebensdauer von 28 Jahren, für die später ' auf Stapel gelegten auf 20 Fahre festgesetzt, 20 Fahre gelten auch für die Aufklärungsschiffe, dagegen 17 Fahre für die Torpedo- und Unterseeboote. Für die Kreuzer, sowie die Auslandsschiffe sind volle Besatzungen vorgesehen, ebenso für die Hälfte der Fahrzeuge der submarinen Verteidigung. Schließlich sind auch Arbeiten zur Verbesserung der Hafenanlagen in Aussicht genommen.
Lin Zwischenfall in der französischen Kammer.
Von einem für die Zustände im französischen Heere bezeichnenden Zwischenfall ivird berichtet:
Paris, 7. Febr. Als heute vormittag in den Wundeß* gängen der Kammer der dem Kabinett des Kriegsministers boigegebene Hauptmann Savoureau mit dem Deputierten Delirnier sprach, trat der Chrs.des Kabinetts des Kriegsministers General Toutee hinzu und befahl dem Hauptmann, die Kammer zu verlassen. Der Zwischenfall rief große Erregung hervor und wird wahrscheinlich in der Kammer zur Sprache gebracht. General 2outee soll dem .Hauptmann Savourean vorwerfen, daß er den Vorschriften zuwider einen an den Kriegsminister persönlich gerichteten Brief dem Minister dirett, ohne die Vermittelung des Chefs des Kabinetts, übergeben habe.
Paris, 7. Febr. < Kammer. > Der.heutige Auftritt zwischen dem General Tontee ttnd dem Hauptmann Lavon- reau, der dein Kriegsminister kurz zuvor Schriftstücke, übermittelt hatte, die ihm von einem Deputierten üb er gehen worden waren, veranlaßte den Deputierten Delirnier, den Kriegsntinister tim Nachmittag zu fragen. Delirnier nahm für die Deputierten das Recht in Anspruch, mit einem Minister direkt in Verbindung zu treten. General Brun erwiderte, er bedauere den Zwischenfall und achte die Rechte der Kammer. Er konnte mitteilen, daß General Toutee seinem Kabinett nicht mehr angehöre. (Beifall). Eine Tagesordnung, die dem Minister das Vertrauen ausspricht, wurde hieraus in einfacher Abstimmung angenommen. Darntt war der Zwischenfall erledigt.
Deutsches Reich.
Die preußische W ah lrech.t-sVorlage wird, so schreibt man uns aus Berlin, einem besonderen Au s s ch u ß von 2 8 Mitgliedern überwiesen werden. Bekannt- lich beruht die Zusammensetzung der Ausschüsse auf statistischen Berechnungen, bei denen die Fraktionen teils gut, teils weniger gut abschneiden. J-m Wahlrechtsausschuß wird der Freisinn mit 3. Mitgliedern, die Konservativen mit 9 Mitgliedern (sonst meist IQ) vertreten sein. Die übrigen Parteien sind wie folgt vertreten: Freitonservative 4, Nationalliberale 4, Zentrum G, Polen 1, Sozialdemokra.en 1 (die kleine sozialdemokratische' Fraktion von 6 Köpfen hat meistens kein Recht auf Ausschußbeteiligung, die statistische Berechnung für die Zusammensetzung der Ausschüsse war ihr diesmal holde Ter Vorsitz fällt den Freikonservativen zu, die Stellvertretung den Konservativen. Der Ausschuß wird seine .Arbeiten bereits am .16. oder 17. Februar beginnen.
Die Nationalliberallen beantragen im Reichstage, 1 o wird uns berichtet, zum M i l i t ä r h a u s h a l t, dem Reichstag, bis zur Vorlegung des Haushafts für 1911 eine Denkschrift über die Organisation des Militärbe- k l e i d u n g s w e s e n s sowie über die Kosten der Verwaltung uni) Verstellung der Bekleidungsstücke nach dem früheren und dem jetzt in der Einführung begriffenen System zugehen zu lassen. — Die Sozialdemokraten haben zum Haushalt des Reichskanzlers die Erhebung Elsaß- Lothringens zum Bundesstaat beantragt.
Für nächsten Sonntag planen die B e r l i n e r S o z i a \* bein o traten Protestverfamnllungen wegen der preußischen Wahlrechtsvorlage.
Ans Hambur g meldet man: Die Verhandlungen zwischen den deutschen und englischen Ostafrika linien führten zu einem liebe reinkommen, nach welchem die Castle-Linie den Dienst nach Ostafrika aufgibt und die Ostafritalinie sich vom englischen Südafritamarkt zurnckzieht. Die Verhandlungen werden fortgesetzt.
Ausland.
Ans Prag ivird gemeldet: Da die Einigungsverhandlungen zwischen den Deutschen und Tschechen zu keinem Ergebnis führten, wurde am Montag im.Landtag die Obstruktion von den Deutschen fortgesetzt. Es lagen 70 Dringlichkeitsanträge, 126 Petitionen vor, durch deren Verlesung die Sitzung ans gefüllt mürbe. Nächste Sitzung Donnerstag. Eine spätere Meldung lauter jedoch: Da neue A u s g l e i ch s v er h a n d lnn g e n zwischen den Deutschen und den Tfchechen eingeleitet sind, die nicht aussichtslos erscheinen, ist 'die nächste Landtagsfitznng für Dienstag an beraumt.
Der französische Ministerrat beschloß, von der Kammer- einen Kredit von 20 Millionen zur Unterstützung der durchs das Hochwasser Geschädigten zu verlangen.
Am Sonntag abend erfranfte, wie aus Stockholm gemeldet wird, K ö n i g G n st a v an Kolikschmerzeu. Abends stellten die Aerzte die Diagnose, daß es sich um eine Bl in d- d ar m e n tzü n d un g handle und beschlossen eine sofortige Operation. Diese wurde um Mitternacht vorgenommen und nahm einen günstigen Verlauf.
Wie aus der Pforte n..h Ziehenden K.eisen bc;lautet, gaben am Montag nachmittag der englische uno franzchische Botschafter dem Großwesir die identische Erklärung ab, daß die Schutz machte die Entsendung von kretischen Deputierten nach Athen nichr Anlassen und nöllgestfalls Maßregeln zur Verhinderung der Eutfendung treffen würden. Bei der definitiven Lösung der kretischen Frage würoen die Rechte der Türkei gewahrt. Am Dienstag sollen der italienische und der russische Botschafter gicia)c Erklärungen aüg eben.
Die Blätter in Ko n st au 11 n op e l melden, daß der Minister- rat das Programm für die Schisfsbaut cn genehmigte. Danach sollen im Verlaufe non zehn Jahren insgesamt fünf Millionen Pfund auf Schifssbauten verwandt werden: unter anderem find zwei' Dreadnoughts und zwei Panzerkreuzer vorgesehen.
Beim Repräsentantenhaus e in Washington ist heute ein Gesetzentwurf eingebracht ! vor den bezüglich der Gründung von Gesellfchallen, die sich mit dem internationalen Handel oder dem Handel zwischen einzelnen Staaten der Union befassen. Das Gesetz findet aus Gesellschaften Anwendung, die unter den Gesetzen irgend eines Staates • der Union ober eines fremden Staates errichtet worden sind. Nach dem Gesetzentwurf darf leine derartige Gesellschaft Obligationen irgend einer anderen Gesellschaft taufen, auf eine andere Weise erwerben oder im Besitz haben und sie hat auch nicht das Recht, Bankgeschäfte zu machen.
Zu der gestrigen Meldung aus Del; e r a n über die Ver- ach schic düng Ala es Sultane Hs, wird weiter gemeldet: Die Verabfchsedung ist hervorgerufen worden durch die s?btfrage in der Medsctzlis seitens der extremen Rechten, aus welchen Gründen das Verweilen der russischen Truppen in Persien fortdauere und welche Bcaßregeln seitens des Ministers des Anutzeren getroffen seien. Ala es ^altaneh antwortete nur nllt allgemeinen Phrasen und sprach die .Hoffnung aus, daß di: russischen Truppen bald abberufen werden würden. Diese Antwort des. Ministers wurde aufs schärfste kritisiert. Durch-di: Abstimmung sprach das Med-chlfs Ala es Sallaneh sein Mißttauen aus, worauf dieser seinen Mfchied einrelchte: augansaeint ich waren die Nativwalipen schon lange mit ihm unzufrieden und nützten diese Gelegenheit dazu aus, um ihn zu stürzen.
Aus Stadt und £att&.
Gießen, 8. Februar 1910.
-* Tage 2 kalender. Stadttheater: Dienstag abend 8 Uhr: „Der dunkle Punk t". Mittwoch nachmittag 31/, Uhr: „Ascheubröd e l". *
" Laudvsuniver fit ä k. Ter Großhcrzog hat den außer-ordentlichen Professor Oberlehrer Dr. August Messer in Gießen zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landesuniversität ernannt.
" O r d e n s a u g e l e g c n h e i t. Der G r o ß,h erzog Hut'dem Hauptmann im 1. Bad. Leib-Grenadier-Regiment M. 109 Freiherru v. Beust, seither Oberleutnant im Leib- garde-.Fnsauterie-Regimeirt (1. Hess.) Nr. 115, das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
~itelverleihung. Der Großhcrzog hat dein Oberlehrer an dem Realghmnasium zu Darmstadt Dr. Wilhelm Kalbfleisch den Charakter als Professor erteilt.
Kreispersoualien. Das Ministerium des Innern hat den Bureauvorsteher bei dem Kreisamt Schotten Johs. Hach beauftragt, bis auf weiteres die Stelle eines Bureauvorstehers bei dem Kreisamt Alsfeld zu versehen.
" Reichssteucrw esen. Im Namen des Deutsell, Kaisers wurden mit Ermächtigung des Großherzogs und ni ■ Verneinung des Ausschusses des Bundesrats für Zoll- ij Steuerwesen der Revisionskontrolleur Finanzaintmann Ein Pull mann in Mainz den Preußischen Hauptzollämtern - • Harburg, Läpeburg, Stade und Verden als Stationslontroll u mit dem Wöhnsitz in Harburg beigeorduct.
Der Gießener Männergesangverein hi-f wie man uns schreibt, am Samstag abend im Hotel Grc,' herzog sein Winterfest ab. Ter an musikalischen ®cm'ipll reiche Abend bot neben trefflich gesungenen Männerchö:c, eine Anzahl Lieder der Konzertsängerin Frl. Ruth Wal.dau^l aus Frankfurt a. M. Außer drei „Schuberts-Liedern fanuii noch Enna's „Du kehrest doch wieder", Arnold Mendel:- sohns „Wandlung über Nacht", sowie Brahms „Wiegenlitt' in wunderbar schöner Weise zu Gehör. Sämtliche Lied r zeugten von einer guten Schulung der jugendfrischen Stiiiuuei, und von einer musikalisch-sicheren Vortragsweise. Mit Hildach; jubelndem „Der Lenz ist da", dankte die Sängerin sti den stürmischen Beifall, der ihr zu teil wurde. Mit du Ausstellung des schönen Programmes als auch mit ber Ghören und der Klavierbegleitung der Gesänge zeigte sich Vlusiklehrcr Kasten wiederum als ein durchaus feinsinniger Dirigent und tüchtiger Musiker. Nicht unerwähnt darf au technisch schwieriges und schön vorgetragenes Flötensolo de- Herrn Jonas bleiben. Dem Konzert schloß sich ein Tanz an,
** Obst- und (Gartenbau! Es dürfte für die Virh Haber int Obst- und Gartenbau, für die Besitzer kleiner uub größerer Gärten von Interesse sein, daß am Samstag abend im Saale des Cafe Ebel Herr Dr. Hoffmann aus Fries berg i. H., ein Fachmann auf dem' Gebiete des Obstbaues einen Vor trag über „Z w c r g o b st bau i n .H ausg arten und S p a l i er o b st b a n a u Mauern" halten wir). Dieses Thema dürfte gerade für Gießen von befoiibcru- Bedeutung fein, da nicht jedermann einen jo großen Garren besitzt, um Hochstämme zu ziehen. Auch an Manern von Häusern, die an Höfen liegen, läßt sich mit Erfolg Cbit ziehen. Die Ortsgruppe des Oberheft. Obstbau vereine Gießen ladet den Liebhaber zu diesem Vortrage ein. Da Zutritt zu dem Vorrrag ist unentgeltlich.
** Plötzlicher Tod. In der Kaiser-Allee bewohnte die 68jährige Rentnerin Nonstadt allein ein Logis. Gestern fiel den Hausbewohnern auf, daß sich die Frau seit zwei Tagen nicht hatte sehen lassen und teilten dies der Pofte, mit. Diese ließ die Wohnung offnen und man fand die alte Dame auf einem Stuhl sitzend tot vor. Ein Herzschlag hatte den plötzlichen Tod herbeigeführt.
* Ei n Kuriosum wird uns aus der Nachbarschaft bt- richtct, daS nicht etwa ein Fastnachtsfcherz ist, sondern der Wir! lichkeit entspricht: Ein Metzgermetster hat kürftiM beim Wimu machen zum Füllen einen Dornt von solcher Ausdehmutg bcniiti, daß die fertige Wurst 22 Pfund schwer war.
** Cook ist und bleibt verschwunden. Ein Leser ans einem Nachbarstädtchen, der Sinn für Humor hat, sendet uns nachstehenden Schmerzensschrei: Heute früh kam Tr. Cook mit einem Eisenbahnzug aus der Richtung von Gießen hier an; er wollte sich vom Haardberg aus überzeugen, ob das von ihm aufgepflanzte Banner noch auf dem 9iorbpol flatterte, geriet jedoch beim Ueberschreiten der Bahnhofstraijc dermaßen in den daselbst befindlichen Dreck, daß er daun verschwand!
— Großen-Linden, 7. Febr. 2(m Samstag abeeil fand das Winterfest des Turnvereins statt. Die geräumige Turnhalle war von den A'lltgliedern des hiesig« Turnvereins sowie der Nachbarvereine sehr 'stark besetzt. Nachdem der 1. Sprecher Steinnagel die Nlltglieder begrübe, wickelte sich ein sehr reichhaltiges Programm ab, das 511111 größten Teil aus turnerischen Aufführungen bestand. Eine gute Aiisbildung zeigte namentlich die am Reck oorgefübili Riege. Auch die zwei Einakter sowie Coiiplets wurden seht gut gegeben. Großer Beifall wurde der von dem Turuwam eingeübten Glöckchen-Quadrille (Frühlings Erwachen), auü- geführt von 8 Damen, 311 teil.
=" Großen-Linden, 7. Febr. Arn Sonntag hatte tü hier eine stattliche Zahl von Sängern ulib Sangesfieunben i 1 Lokale des Gastwirts Phil. Schaum- zu 0cm Delegierleiuag xs
Lhaniecler.
Nun ist es doch Wahrheit geworden: Rostands Tier- Tumöbte, für die seit Jahren die unmäßigste Reklame gemacht wurde, ist nun uach mehrfachen Verschiebungen doch aufgcführt worden. Den Inhalt des Stückes haben wir bereits früher mitgcteilt und fo können wir uns auf die Schilderung des Eindruckes beschränken, den das Werk bei den verzückten Parisern gemacht hat. Mit Ausnahme einiger weniger Auftritte, die hübsche poetische Bilder bringen, enthält das Stück eine Menge von Flachheiten und unfreiwilliger Komik, namentlich im dritten Auszug. Daß das Werl enttäuschen mußte, war nach der ziemlich unverschämten Reklame allerdings vorauszusehen uni) selbst die Theater well wird in kurzer Zeit über das ausgevaufchtc Ereignis hinwcggehen. Ob sich andere Theater in Anbetrachr der außerordentlichen Kosten allerdings W> einer Aufführung entschließen werden, erscheint uns ziemlich sraglich. Paris schwärmt von seinem Hahn, und die Welt zuckt die Achseln, solang sie noch unbestechlich gegen Aeußerlichkeiten ist.
Hierzu schreibt uns unser Pariser Mitarbeiter:
Wird mau sich später mit leichtem Spötteln oder mit jener Ergriffenheit, die. all Denkenden bei der Erinnerung an ein. groß Tat auf jedwedem Gebiete empfinden, die Frage stellen, wie eigenartig oder wie tunftfinnig war doch das Paris vonl Fahre 1910? Aber ein Datum in der Theatergefchichte bildete die (Generalprobe des Chantecler vom Sonntag jedenfalls. Die bei solchen Geleaenbeiten immer 0 1- gangenen älieft.11 Autoriiäten des bromatifcLeit und a.-fellistaviu -n Lebens erinnern sich an keinen Fall, der an bi: El,anb:el.r Foneegung auch mir annähernd heraiireid.tc. Die Einrielllnug isi ia nie Pariser Stärke allerersten Ranges,,aber so wie beim Chantecler hat sie sich nach nie lelährt. Denn man hat latsächlich^ ans der Generalprobe eines Stückes mit einem, man mag bi: Sache aniehon, wie man will, neder überraschend neuen noch besonders llefen Vorwurfe ein n-eltgiffchichtllches Ereignis Zn raui.-gea.--v. in. Di: Frage bleibt eben nur, ob es auch llterargefcka. nft bestätigt wird. Die Ruhmes- rofaunen werden nun weiter blafen, daß der 'Welt^ wieder etwas. Großes von einein Franzefen beschert worden. Darin liegt e. ivytji: Bei bei „Chnntecleriabe" tritt wieder überzeugend das Bedürfnis di-je-, liebenswürdigen Volles hervor, die Äugen au, sich zu lenken. Und das ist denn awch in hervorragendster Weis gflung'en. Tie Strafen, bic bad Porte Saini-Mattin Theater um ■ geben ober berühren, glichen am Sonntag dem Schauplätze'eines denkwürvigen Creignistes. Fn nervöser Aufregung horchten Per- fon-en so -,iemlm ans allen Schichten d r Bprollcrung, start mit anss-änbischm Eiementert. r crmWt, - an . den Platten dcS gänzlich
neu. her gestellten MufEempLls, in dem die fo lange und lärmmbe Vorberkünbigung eben zum Ereignis wurde. Alle wallten dabei gewesen sein, wenn cs auch nur vor den Toren war. Die Auserwählten, die des Ernttitts würdig besunden worden waren, wurden wie Lieblinge der-Götter ehrftirchtsooll begrüßt und gleichzeitig lebhaft ausgefragt. Der Unterschied der Stände, der Zwang der Aiorm, alle Zurückhaltung rvaren verfch-wmiden. Vor der Größe des.Ereignisses war die allgemeine Brüderlichkeit zur Wirklichkeit geworden mib alles zitterte in gemeinsamer Begeisterung, zu hören und zu erfahren, wie „Ehanteele-rS" Probefiug ausgefallen. Triumph kündeten die Mienen schon beim Verlassen des Saales nach dem ersten Alte und man hätte meinen mögen, daß der Widerstrahl dieses Glanzes-von den Zügen der Hcranstretenden sich über das ganze Publikum verbreitete. Es war cigenilich crftruii-- lich, daß nicht in den spätesten Ab-endsiunden -noch Sonderblätter das „weiterschütternde" Ereignis verkündeten. Aber doch regen sich in dem überströmendem Jubel einige, allerdings zaghafte Stimmen, allerdings nicht des Zweifels an der-hehren Poesie des Werkes, sondern mir an der Zugkraft der Hühnerhof- und Walli- Allegorie auf das groß: Publikum. Und man führt Ziffern auf, um uachzuwllien, was überhaupt cinfommen müßte, um nur die Kosten zu decken, die sich die Leitung des Porte Saint-Martin Theaters für „Chantecler" auf er legt Hot. Aber diese trockenen Ern ägnngeü der Zahlenmensch-n werden van der begeisterten Menge übMhört, wenn nicht unwillig abgewiesen. Denn für inen Ruhmesjirahl muß in Frankreich immer das genügende Gold vorhanden fein.
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Björ n sv ns To deS lam pf. Nach Dep.-fcken, bi? in K 0 v e n 1; a g e n eingelansni find, hat der Todesi. uipi BjörnsonS gestern ',rüi, begonnen. j,i< ganze Familie, ist a.u Sterbelager ver- iumm.lt, auch der norweguche Gei-andtc tu Paris Hut ftcij mit luiner Gemahlin im Hotel eingesunden. Das norwegische Pgnzer- ick ii „Tordenillold" hat von der norwegischen Reg^oung Befehl T ollen, nach. Fraillreich äpzviei; n, sooaio b. - Todesnachricht ein- ..uIlsen ist, um die Leiche nach Norwegen übarzuführen. Infolge c.i letzten Nachrichten, die bi? norwegische Neuerung über das Be sine en Björn sons erhalten hat, wird das fponzerschift ständig unter Dampf-gehalten.
— Ibsen in Japan Auch Japan hat sich Ibsens Dichtergenie nun erobeift Tas voineimisle Theater in Tokio iühri gegemväriig Ibsens „John Wabriel Borkmann" auf. Teiü Borkmaim jpiell der hervorragende japanische Schauspieler Sadanji Ichikawa, und zivar in europäischer Tiachk und. wie das auch bei uns zur Geslogenbeil geworden ist, in Ibsens Maske.
Fran z ö f i i d,1 e Z e i tun g c n i 11 Dc 11 ks ch l a 11 d. Seit Ansung bii ^S Jahres besitzt Berlin eine französische Zeitung, das „Fon nal d'Allemagne", das ein Gegenstück zu der feit einigen Fahren 111 Paris erscheinenden deutschen „Pariser Zeitung" dar- ftellt. Bisher gab es auf deutschem Bvden nur in Elsaß-Lothringen
I Zeitungen, die ganz oder — wie der Mülkaufer „Expreß" s größerenteils in französischer Sprack:: geschrieben sind, daß cs iü- aber auch bei dem ,,J..nunal d'Allemagirist" lLinesN g« um > erste französische Zeitung in Altdentfck.and Lauheit, geh! v- Dr. Ludwig Salomons verdienstvoller „Geschichte des beiiffdcnj ZeittingSwefens" hervor. Schon 1 740 gab cs an „Fournal d-1 Berlin", das allerdings nur ein Fahr lang existierte, und etn.i später eine „Gazette d: Gotha", die sich beiübers durch ihre -Jv feiiidung des grof-cn Preußenkönigs hervortat. Größere B-edeutiu^ erlangte die „Gazette de Cologne", die ein gewisser Foh.uo j Rodcrique aus Matmedy von 1734 an mit ÜiitcrstützuNg c Rates der Stadt Köln herausgab und gleichfalls in fo start all-' sriderizianischcm Sinne redigierte, daß ihn der König in cinr1 jranzösischen Stachelvers als „singe b'Aretin" aposti.'vhi--b Dieser Roderique, der sich durch seine Zeitnng zu einer einst iß reichen Persönlichkeit aiitzchwang, Hofrat und sogar apoftohfci.-i Syndikus wurde, starb 1756; daS Blatt aber existierte noch ett»- dreißig Fahre weiter und vcrschivanb erst während der .'Re u J lutionsn irren. Auch die „Gazette d'Erlangen", bi: ein Proses?
T. G. Groß von 1741 —68 redigierte, gehörte bei Dem König t>rl Preußen feindlich gesinnten Prepciigne an, trotzdem |ie un Laid 1 leiner Schwester, der Markgräfin von Bavrenth, gedruckt mur)■ Sagegen besaß der König später in dein „Courier du Bas Rhir in Cleve (1769- 1803' ein f?rgan, bas fein:' 3nt:i.-ffen vertu' uno feine Richtung von Bertin einpfiug Eil« größere -liu; (- französischer Zeitungsgrünbnngen brächte die Eniigrant.-itzeii y 'Ausgang des 18. Jahrhunderts hervor, dock> waren cs Einta.s; fliegen mit Ausnahme des „Journal b? Franc fort", das bin Tafein bis zum Fahre 1866 fristete Aus dem Gebiete des Z.-i id-riitettrce]eu5 hat es auch nicht an Versuchen gefehlt, wenigst, u ivilweifc fraitzöfisch: Zeitschriften zu schaffen: wir erinnern an die dreisprachige Rem' „EoSntopolis", di? 1898 und) dreijährig e Bestehen einging, an di: in München erschienen: „Revue rrflitd allimand?" und an die gleichfalls wieder entschlafene deiitfh .ranzösische Zeitschrift „Ter Kontinent", die vor ein paar Jahm in Berlin erschien.
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenscha t- Wie verlautet, wird der Berliner Frauenarzt Gcheimrat O l'/ hausen mit Schluß des Somniersemesiers 1910 von icin-r Lehramt zurücktreten. Olshpusen ist 75 Fahre alt. — In Oi a im- h 0 t e 11 Ivurbe der Bankier R 0 11maier wegen großer DepiN unterschlagnitgen verhaftet. — Als Einbrecher in die ihre» von B r n eck wurde der Landstreicher Werner ans Posse1che.1v verhaftet. Die wertvolle Altardecke und die Tauffchiisfcl beiiti'l den f'idi noch in feinem Besitz. — Der Geheimc M edizunift - Prof. Dr. mcö. et phil. Victor Hensen, Tircktor des Phift> ' logischen Instituts an der Kieler Universität, vollendet cu* 10. ds. das 75. Lebensjahr.


