160. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 55
Giehener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Tberhessen
Sie „Siegener Zamilienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchenllich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlid) zweimal.
Montag 7. März 1010
Notationsdruck und Verlag der Drühl'schen UnwersttätS - Buch- und Steindruckerei.
N. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:^Sl12. Tel.-Adro AnzeigerLießen.
AbkSmmttnge deutschen Stammes als hörige der Neger!
in beispiellos trauriges und beschämendes Blatt in Set Geschichte deutscher Auswanderung bildet die Entwicklung der deutschen Ansiedlung Scawr'otown aus Jamaica. Als im Jahre 1838 durch einen Beschluß des englischen Parlaments die 3fia^ oerei in allen britischen Kolonien ausgehoben wurde, suchten oic Pslanzer Jamaicas Arbeiterersatz in Europa, da der ireü gewordene Neger für die Arbeit in den Zucker- und Kassee- vlantagen nicht mehr zu haben war. Einem gewissenlosen Agenten gelang es, durch betrügerische Versprechungen 100 deutsche katho- tische Familien teils uom Niederrhein, teils aus Franken und dem Nhöugebirge zur Auswanderung nach Jamaica zu bewegen. Tie Auswanderer waren meist Bauern, zum Teil auch Handwerker. Das ihnen zur Andsiedlung angewiesene Land in dem mittleren Hochland der Insel erwies sich für jede Art von Bebauung fast unbrauchbar. Infolgedessen kehrten die Bemittelten nach Teutschlaiid zurück oder gingen, nach den Südstaaten der Aordamerikanischen Union. Ter größere Teil war durch seine Mittellosigkeit zum Bleiben gezwungen. Tie Kolonie geriet bald in Vergessenheit, in der Heimat galten die Auswanderer als verschollen. IfetD doch besteht sie heute rwch. Freilich haben die Bewohner von Seasordtown die Sprache des Mutterlandes längst vergessen und an ihrer Statt das Pidgin-Englisch der Jamaica-Neger (!) angenommen, und die meisten Namen sind nach dem Englischen hin verballhornt sSchwingmann in Swingman, s.leinhans in Elinance, Riehmann in Riman nsw.). Aber andere Namen wie Großkops, Schleiger, Sauerland sind unverändert geblieben und manche deutsche Sitten und Sagen leben unter den Leuten noch fort. Tie für jedes deutsche Gefühl und nicht zum wenigsten für den deutschen Rassenstolz geradezu be- idämenbe Trostlosigkeit ihrer Lage schildert der jetzige Missionar dieser Kolonie, P. Termott, wie die Mitteilungen des Vereins !ür das Teutschtum im Ausland berichten, im „Buffalo Volks- rreunb" mit folgenden Worten:
„Tie Leute leben in tiefster Armut: ihre ganze Habe besteht in einer armen Strohhütte mit ein paar Fuß Laubes darum, gänzlich ungenügend zum Unterhalt. Ta es in diesem abgelegenen Landesteile feine Fabriken gibt und nach Handwerkern keine Nachfrage besteht, so sind die Armen gezwungen, sich von den schwarzen Grundbesitzern einige Acker Land zu pachten oder bei ihnen Feldarbeit zu tun. Leute deutschen Blutes in demütiger Abhängigkeit vom Schwarzen! Mein Herz blutet, wenn ich sehen muß, wie diese kleinen deutschen Knaben mit ihren blauen, blanken Augen, mit ihrem Flachshaar und ihrer weißen Haut vor einem kohlschwarzen Landbesitzer in Unterwürfigkeit den Hut ziehen und ihn Massa anreden. Viele von diesen Kindern sind wahre Prachtkerle, und es ist herzzerreißend, zu sehen, wie diese prächtigen Jungen und Mädchen die Sprache und die Manieren der Neger annehmen."
Ta in ganz Jamaica auf 600 000 Neger und 150 000 Mischlinge höchstens 2000 Weiße kommen, so müssen die Mädchen dieser deu>scheu Kolonie die Stellung inner Magd in Negerin m i l i e n onnehmen, wo sie keineswegs gut behandelt werden und vielfach widerwärtige Nachstellungen erfahren müssen. Trotz- M-nt bestätigt der Pater Termott ausdrücklich, daß inmitten einer Atmosphäre von schwärzester Sittenlosigkeit diese deutsche» ^Mäd- d en sich die alte deutsche Sittenreinheit bewahrt hätten. Sogar der Torfschulmeister, Organist und Vorsänger in der Kirche dieser deutschen §ente ist ein Neger! Pater Termott hat den verständigen Plan gefaßt, eine Hausindustrie zu gründen, in der die deutschen Knaben und Mädchen durch Anfertigung von Pa- namahüten guten Verdienst finden werden, der sie von den Schwarzen unabhängig machen soll. Ter Earitas-Verband für das katholische Teut'chland beabsichtigt, sich dieser verirrten und verlassenen Kinder des deutschen Volkes anzunehmen und hat sich deswegen mit dem Verein für das Teutschtum im Ausland in Verbindung gesetzt. TaS Notwendigste wäre, den Armen neben der wirtschaftlichen Unabhängigkeit eine deutsche, schule, zu schaffen. Hierzu sollte jeder mithelfeii! Tie Tatsache, da» in einer Zeit, wo das Teutsche Reich und Volk in größter Blüte stehen, deutsche Stamiuesgeuossen wirtschaftlich, hiltureu und sprachlich in Negerhörigkeit seufzen, ist geradezu eine Schande für den deutschen Namen.
ICUiaics ZerriUeton.
— Schützt deutsche Ortsnamen! Man wird es keinem Deutschen verargen, wenn er in fremdsprachlicher Unterhaltung von Capetowii, New York, Milano redet und London und Edinburgh englisch ausspricht: in deutsch geführter Unterhaltung haben wir aber zum mindesten das Recht, das fremde Lprach- cigentum dem Geiste uns erer Sprache anzupassen: da reden wir von Neuyork und Kapstadt, da huldigen wir, mit Mailand Dein schöpferisch tätigen Sprachgeiste unserer Vorfahren, da sprechen wir London und Ediichurg jo aus, als ob es Deutsche Wörter wären Handelt es sich aber um Orte, in denen unsere Mutter- i brache jahrhundertelang geherrscht hat, tntb denen jetzt Gew.cht- ! aber den deutschen Namen raub u wollen, so ist cs untere Pflicht, lies wertvolle Stück unserer Muttersprache zu schützen. Jetzt, wo tie Madjaren planmäßig alle deutschen Ortsnamen Unga ns unter- i-rüden wollen, muß jeder Deutsche, dem seine Sprache lieb ist, diese Kamen scküpen. Schriftsteller, Lehrer, Wanderer und Kaufleute müssen in Wort und Schrift die über 60Q Jahre alten denn eben. Lrtsbezeichiiuugen bevorzugen,,wie z. B.: Herinannstadt, Klau- i'enhrrg, Schaßburg und Kronstadt, Preßburg, Oedenburg, Raab und. Gran, Leutschau und Kasckjau, Ofenpest und Ltuhlweißen- l-urg. - Oder wollen wir durch stumpfe Gleichgültigkeit mit dazu beitragen, daß die vielen deutschen Ortsnamen Ungarns untergehen, die so bescheiden und dock; so anschaulich von der größten deutschen Tat des Mittelalters, der Besiedlung des Ostens, erzählen? Wir iiollen uns nicht einmischen in die politischen Kämpfe dieses Landes, aber o i e f e O r t s n a m c n s i n d u n s e r E i g c n t u m , niijer deutsches Sprachgut, und das wollen wir uns nicht rauben lassen. — ' Auch in der Westschweiz gilt es allen Besitz zu verleid igen. Wenn schweizerische Behörden amtlich öfter von Jferten reden, wollen auch wir diese Stätte der Wirksamkeit des großen deutschen Erziehers Pestalozzi deutsch bezeichnen, und Neuenburg, das früher zu Preußen gehörte, in dem 3 o ber Bevölkerung Deutsche find, und das auch in Abteilungen wie „Neuenburger eec", „Neucnburgische Verfassung" lebt, muß'jeder Deutsche dem Neu- ckäfel porziahen. Unter allen Umständen müssen wir aber deutschen Orten beufia-e Namen geben: und so gibt es für uns nur Biel und Murten, nicht aber Vienna und Moral. — Wer sich genauer über diese Frage unterrichten will, laste sich von Dir. Lindsttöm in Hannover kostenlos das Verzeichnis deutscher Ortsnamen in Oesterreich senden und von Tb. Schröters Verlag in Leipzig für
— Ein B n d d h i st e n l l o st e r in Europa. Das erste Kloster, m bem aus europäischem Boden die Bewunderer und Ver- chrer allindischer Lebensiveishett abseits von dem lärmenden Treiben ber Welt ihr irdisches Leben verbringen können, ist im Entstehen. In Paz in Tirol, so wird im Eoenobium milgeteilt, >u einem beicheidenen Häuschen inmitten eines stillen schattigen Waldes weilt seit einiger Zeit der buddhistische Mönch Bhikthn Ayanalileka, der nach Europa gekommen ist mit der Absicht, den europäischen Buddhisten eine Heimstätte zu schaffen. Ein junger
Ein ReichLbesteuerungrgesetz.
O» Berlin, 5. März.
DerEntwuri eines Reichsbesteuerungsgesetzes, ber dem Reichstage zugegangen ist, bestimmt:
Tas Reich ist verpflichtet, die in einem Bundesstaat, einer Gemeinde oder einem wetteren Komnumatverbande iür die Benutzung der im öffentlichen Interesse unterhaltenen Veranstaltungen und für einzelne Handlungen der Amtsorgane allgemein jest- gcsetzlen Gebühren (Benutzungs- und Verwattungsgebühren) zu zahlen, sofern ihm nicht ein besonderer Rechtstttel aus Gebühren- sreiheit zusteht. Entsprechendes gilt hinsichtlich der Beiträge, welche behilis Deckung der Kosten für Herstellung und Unterhaltung ber durch das öffentliche Interesse erforderten Veraiistattmigen von denjenigen Grundeigentümern erhoben werden, denen hierdurch besondere wirljchaitliche Vorteile erwachsen, auch hinsichtlich der Straßenbaubeiträge. Tas Reich genießt Freiheit von allen zur Hebung gelangenden Staatssleuern nut Ausnahme der Abgaben von Malz und Bier. Von Geineiliden und iveitereti Kommunal- verdändcn kann das Reich lediglich, und zivar nur in demselben Umfange wie ber einzelne Bundesstaat, zu Realsteuern vom Grundbesitz und zu indirekten Steuern, die an' den Erwerb oder die Veraiitzerung von Grundstücken und von Rechten gelegt werden, für welche die auf Grundstücke bezüglichen Vorichnften gelten, sowie zu Abgaben von Malz und Bier herangezogen werden. Tie Verpftichlung der ottioiberechtigten Gemeinden in Elsaß-Lothringen zur Errichtung von Lltcoivergutmigsgeldern wird aufgehoben.
Euck Gemeinde, welche infolge eines in ihr oder in einer nahegelegenen Gemeinde aus Reichsmitteln unterhaltenen fabrikmäßigen oder sabrtkähnlichen ReichsbetnebS Ausgaben erivachjen, ist berechtigt, vom Reiche einen Zuschuß zu ihren Ausgaben zu verlangen, so'ern die in der Gemeinde wohneiiden und in den Betrieben be- schästigten Arbeiter und Angestellten mit, einem Dlenstemkommen von nicht mehr alS 200U All. liebst ihren Haushallmigsangehörigen am Anfang deS Rechnungsjahres mehr als lu Proz. der Zivilbevölkerung der Genieinde ausmachen. Zur Ermittelung ber Höhe bes Zuschusses wird fefigefiellt, wie viel an fortdauernden allgemeinen Verwattuiigstosten, Volksfchul- und Armenlasten m den letzten fünf Jahren durchschnittlich ainzubringen geivesen sind. Von dieser Summe wird das Ameil verrechnet und die von den bezeichneten Personen gezahlten direkten Gemeindesteuern m Abzug gebracht- Vou der hieraus sich ergebenden eimune berechnet sich der zu zahlende Zuschuß auf li0 Proz., wenn die staatlichen Arbeiter 1J bis 2U Proz. der Gesamtbevölkerung aiisinacheu, aus du Ptoz. bei 20, bis 4u Proz. der Bevolterung, auf 7U Proz. bei 4U bis 60 Proz. der Bevötterung, auf Uu Proz bet mehr als uO Proz. der Bevölkerung. Tie elsaß-iothringijchen Gemeinden, welche Siattonen ober Werkstätten der Reichseiienbahnen besitzen, werden ebenfalls entschädigt.
Tas Gesetz soll am 1. April 1910 in Kraft treten.
Der Zusammenschluß der tinkslibcralen Parteien.
4- Berlin, 5. März.
Als Präludium zu dem für morgen geplanten Zusammenschluß der Deutschen Voltspartei, der Freisinnigen Volkspartei, und der Freisinnigen Vereinigung fanden heute hier die Parteitage der beiden freisinnigen Parteien statt, nachdem Die Deutsche Voltspartei bereits vor zwei Wochen anr ihrem letzten Parteitage die Zustimmung zu dem Einigungsgedanten gegeben hatte. Wie immer war der Parteitag der Freis innigen Vottspartei nicht öft'enrlich, irährenü die Freisinnige Vereinigung im Parlettsaale des „Rheingold" in voller Oeffentlichfeit zu ihrer letzten Tagung 'Uiammentrat. Schon vor Beginn dec Sitzung verteilte Fraulein Marta Z ie tz 'Hamburg) einen Antrag der am Freitag versammelt gerne,enen „weiblichen Delegierten für die Parteitage der Freisinnigen Botts Partei und der Freisinnigen Vereinigung". In dem Anttage wird verlangt, daß m das Parteiprogramm der neu. zu bildenden großen Partei die Forderung aufgenommen werde, bas altice und passive T.ahlrecht für die Kommunalwahlen, für die Wahlen zu den Einzeilmtotagen und iin Reiche den Frauen zu verleihen.
Reichstagsabgeordnetcr Schrader hielt eine Eröffnungsrede. Der Redner gab einen Rückblick aus die Entwickelung der Freisinnigen Vereinigung und schloß: Wir stehen heute vor der Frage, nicht ob wir diesen oder jenen Punkt annelymen oder avlehnen wollen, sondern ob wir das Ganze annehmen oder ablehnen wollen.
Holländer imd ein junger Deutscher siud bereits bei dein buddhistischen Mönche eingelroffen. Sieben deutsche Buddhisten haben sich zusaminengelan, um Bhikkhu 9lyanatileka durch eine (lerne Reiile Die Aiögllchkett zum Leben zu schaffen. Ein zweiter Mönch aus Rangoon ist kürzlich angefommeii und die vier Buddhisten bilden die ersten Insassen des neuen Klosters, dessen Pläne bereits von einem Breslauer Architekten entworfen sind. Jin Walde sollen eine Anzahl kleiner, einsamer Hutten errichtet werden. Nyanatt- leta hat sich seit Jahren der Arbeit gewidmet, die buddhistischen Texte zu erläutern und m europäische Sprachen zu übertragen.
— Das Opernhaus der Kinder. Aus Newhork wird berichtet: Ein großzügiger Plan, der den Genuß von Opcritvor- flellitngen der amcrilaustchm Jugend umsonst oder zu ganz niedrigen Eintrittspreisen zugättglift machen will, ist von dem Newyorler Theateragenten Abonis i-rtiggestellt und beschäftigt gegenwärtig Die Ktewyorker Stadtbehörde. Wenn die Stadt dem Unternehmen einen Bauplatz im Zen trat pari kostenlos einräumt, soll hier ein Opernhaus errichtet werden, das Freivorstellungen für die Jugend Vorsicht. Zugleich werden der Stadt Newhort wöchentlich 5000 Billetts zur Verteilung au die unsren Beamten, die städtischen Arbeiter und die Armen zur Verfügung gestellt. Das neue Opernhaus soll 5000 Personen fassen. Ter ganze Opernbestand der amerikanischen Bühne, wie Carmen, Faust, Troubadour und Rigo- letto, sollen auf diese Weise der Jugend und den Minderbemiltelteu geboten werden.
— Marine-Akademien in EA)ina. Chma besitzt zurzeit vier Schulen zur Heranbildung vou Seeoffizieren. Tie erste wurde, ivie die „Sfmgtauer 91. Dl." berichten, n^ Futschou errichtet und stand unter der Leftung des Admirals Tracy; aus dieser Schule gingen die Persönlichkeiten hervor, die jetzt bei der Flotten- reform eine hervorragende Rolle spielen. Als zweite Alarineschule ivurde das Kolleg in Tientsin errichiet; daraus sollen vorzugsweije die Osfiziere für das Peyang-Geschwader ergänzt werden. Später ivurde die Akademie in Nanking gebaut zur Ergänzung der Oisi- jiere für das Nanyang-Gejchwader. Tie modernste Alanneschule besitzt Tschiiu: sie wurde vor etwa sechs Jahren^ von dem bekannten Admiral Sah Tschen ping errichtet. Tic Schule ivar ursprünglich zur Ausnahme von 6u Zöglingen geöaclit. Ta der Andrang von Schulern eui großer war, mußte der Gebäiidelomplex bedeutend vergrößert werden. Im '2lpril 19u8 ivar der Umbau iertiggeftefit und konnte von zweihundert Kadetten bezogen werben. Mit Ausnahme eines europäischen Lehrers (H. Bassett- ist ber Lehrkörper chinesisch. ,
k.-k. Heber eine interessante Zimmerpflanze berichtet G. Heick im „Kosmos". Die Mimose oder schamhafte Sinnpstanze (Mimosa pudicai findet in neuerer Zeit wachsendes Interesse, nachdem die rechten Blumenfreunde sich mehr unb mehr mit den biologischen Eigenschaften iljrer Pfleglinge befassen gelernt haben. „Rühr' mich nicht an!" Dieser Name Der Pflanze bezeichnet ihre Eigenart. Bei der geringsten Berührung oder Erschütterung legen sich die Fieberblättchen zusammen, und die Blatt-
Wir werden bann anberiettd Diejenigen Maßnahmen zu treffen haben, die nötig find, um die Ueberführung unserer Partei in die gemeinsame Pcwtei vollziehen zu können. (Beifall.-
Ter Generalsekretär Wein Hausen erstattete sodann den Organisationsbericht, indem er zugleich einen Ucberblirf über das letzte Gesckfilstsjahr gab.
Reichstagsabgeordneter Mommsen verbreitete sich über die „Linksliberale Einigung". Die Frakiftmsgemeiiischaft habe sich nach außen als geschlossene Partei sehr gut bewährt. Sie habe die Probe bestanden in Der Rolle als Regierungspartei, Die man aller- Dings nicht gewollt habe, und ebensogut in der Rolle der Oppositionspartei. Tie Perfonenfrage müsse man heute ausscheidrn. Tas müsse Sack-e des neuen Ausschusses fein. Heute gelt • es nur Die Watt per Leute, die von der Partei in Den gcsckfiiftssührendeN Ausschuß hineinkommen sollen, zu Denen D-as Vertrauen gehegt werden müsse. Daß sie Alannes genug sein werden, auch die Pcr- fonenfragc in einer Weise zu regeln, bat Partei und Liberalismus feinen Schaden er leiden werden.
Hieraus berickstete Der Reichstagsabgcordnele N a u m a n n über „N amen und Programm Der neuen Partei". Man stehe zwar heute noch mit gebundenen Händen la und habe das Programm als Ganzes anzunehmen oder abzul.hiien, ireint Der Zusammenschluß, überhaupt zustande iommcn falle, geradeso wie Die übrigen Parteien des Freisinns. Ucbrigens sei Der Name nicht „Sckiall und Rauch", sondern hier ein sehr wichtig er Faktor. Ter Redner bespricht eingel-end Die verschieben en aufgetauchten Namen und betont. Daß. man an ber Bezeichnung: „Fortschrittliche Volks" partei" festhalten wolle. Naumann erläuterte dann Das hinlänglich velannte Programm und streifte Dabei and; Die Forderung des Wahlrechts für die Frauen. Ucber alle Programme hinaus liege aber jene Energie, Die Dafür eintrete, Daß erst einmal für die Männer ein anständiges Wahlrecht geschaffen werde. .Lebhafter Beifall.)
An letzter Stelle berickstete Professor Tr. v. L i s z i über die „Organisation der neuen Partei". Er beDauerlc vor allem, bic notwendig gewordene Üluftösung des Generaiietretariats.
Tie Entschließung betr. das Fraucnwahlreckst, iüirD auf sßov schlag von Fräulein Tr. Bäumer in folgender Fassung angenommen : .
„Tie delegierttm Der Freisinnigen Bereinigung erklären nach wie vor, an Der Grundlage der politischen Gicichberechttgung der Frauen festhcckten und diese Grundlage auch ferner vertreten zu wollen."
Es folgen Wal. len. Für Den geschästsführenden Ausschuß der GesamtMrtei werden genrnh'lt: Die Abgeordneten Mommsen, G o t h e i n , v. Liszt, Naumann itnb P a üj nicke. Der erstgenannte als stellvertretender Voriitzenber ber Gesamtpartei. In ccn großen Ausschuß der Gesamtpartei werden 18 Delegierte und 18 Stellvertreter aus Den verschiedensten Teilen Deutschlands gewählt, Darunter der Abgeordnete Schrater -um stellvernetenden Vorsitzenden des großen .Ausschusses.
Hieraus gelangt unter anhaltendem Beifal 1 das Programmund das Organisationsstatut einstim-- mig zur Annahme. Der Bors inende Sckrader erklärte darauf Den fetzten Parteitag für geschlossen.
4- Berlin, 6. März.
Unter zahlreicher Beteiligung von Alitgliedern her Drei linksliberalen Parteien und in Anwesenheit fast aller freisinnigen und demotcalifchen Reichs- und Landtagsabgeordneten wurde heute im Wintergarten des Zenttalrheaters der Zusammenschluß der Freisinnigen Volkspartei, der Freifinnigen Vereinigung und der Deutschen Volkspariei zu Der „FortschrittlicheN Volkspartei" beschlossen. Tic Versammlung stellte zugleich den Ersten Parteitag Der neuen Partei dar.
Abgeordneter F u n ck iFrankfurt a. M begrüßte bic Erschienenen und betonte die Notwendigkeit, daß Die liberalen Parteien sich endlich zusammenschließen müßten, wenn sie auf politischem Gebiete etwas ^reichen wollten. Freilich werde Dabei von jeder Seite einige Selbstverleugnung geübt werden müssen. Hoffentlich werde Die neue Partei das Vertrauen rechtfer.^geth,. das man ihr entgegenbringe, iBeifall.)
Reichstagsabg. Tr. Müller- sDc c i it i n g c n warf einen Rückblick aus die bisherigen Einigungsbestrebungen. Ein starres Parteiprogramm sei nicht nötig, man werde sich nach der politischen Lage zu richten haben. Es sei. gegenwärtig eine schwere Zeit für den Liberalismus, ber von rechts und links bo-
IUXL-IMBmW 11 MH MMHBMBWMVWSMEBS IIM'IIItl"!« II ■UMta—MMBWW gHM» stiele unten herab, so daß Die Pflanze plötzlich wie abgesiorvLuj aussieht. Man taiut leicht Vorsteven, Dai uu.Ciiigewei.hte Personen beim Berühren der Pflanze ersck-reckt zurückiahrcu, fobalt) 1 ie die plötzliche merkwürdige Umruaiu'lung bemerken. Hieraus können wir auch einen Grund für das b/Usammenziehen Der Blätter oeim Berühren ableiten: die Pflanze schützt sieh vor Wildsraß; ccnn Die Tiere werden erschreckt zurücttveici en, wenn Die Blätter beim Berühren plötzlich gleich lebendigen Wesen zurüäwcichen. Auch bei Regen und Sturm und bei Eintritt der Dunkelheit ziehen sich die Blätter zusammen. Diese Schlafstellung, Die sich noch bei vielen andern Pflanzen imbet, soll bas Aus strahlen! ber Wärme verhindern, wahrend Der Sturm feine Fläche zu einem Angriff findet. Neben dieser Eigentümlichfeii ist es aber auch das zierliche Aeußere, das ten Blumensreuna oeianlaßt/ Der Mimose einen Päap am Fenster anzuneeisen. Tie zart geloderten/Blätter wirken zwischen anber-3 gei'taiteien Pflanzen be- fonders schmückend. Tie Mimose wird oft mit den fast gfeich- belauoten Zimmerakazien vcrwcck-sett, denen man meist den gleichen Namen beilegt. Tie echte Mimose oder schamlos! Sinnpftanze läßt sich sehr gut im Zimmer aus Samen ziehen, der im zeitigen Fcuhjahi in kleine Töpfe ausgesät wird, Die man mit Glas bedeckt und warm stellt Bald zeigen fick b:-._ jungen Pflänzchen und schon, wenn sick) bic ersten Blättchen entwickelt haben, tarnt nun ihre seltene Eigenschaft beobachten. Xie Mst- nuojen genannten schönen golDgeiben Blütenzweigc.
int zeitigen Frühjahr ein reger Handel getrieben/m ita'mhit-n. aus Italien und anderen MittelmeLrlänbern und sind von der Acacia Paradoxa gevilückt. Sie eignen iid1 prächtig ;ur Fül--' lung von Vasen. Auch Acacia flonbunda bringt herrliche ttchp- gelbc Blütenzweige hervor. Ein sehr schönes itahlgraues Lauü besitzt Die gleichfalls Mimose genannte Acacia cultriftrmis; cs wird in Den Blumengeschäften für feinere Binderei viel g.b/aucht und ebenfalls aus Italien bezogen. Alle diese und noch aitdere Arten, wie latirolia, linearis, relinaides, ttinewis uiw. tonnen auch in Töpsen gezogen werben. Besonders zur Zimmerkultuv •eignen sich: i’lcncio lophanta mit zierlickner, Der richtigen Mimose ähnlichen Belattbmtg und Acacia Paradoxa und ftoribunda mit gelben Blüten. Die zuletzt genaiinfeu Arten können im Lornnter auch im Freien Aufttcliung finden. Der Larnert der Aützien ist sehr hart: er bedarf daher längerer Zeit zum Keimen. Um dieses zu beschleunigen, kamt man die feste Schale Der Samen, leicht etwas anseilen unD Dann vor Der Aussaat einig Zett in lauwarmem Wasser quellen lassen. 3m übrigen empfiehlt sich dieselbe Behandlung wie bei Mimosa pudicn.
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft Ter neunte Kongreß der Deutschen Gesellschaft für orthopädische Chirurgie findet am Dienstag, 29. März, im Langenbeckhause zu Berlin unter dem Vorsitze von öernt Professor Dr. Joachrrnsthal statt.


