Nr. 182 Zweites Blatt
160. Jahrgang
Samstag 6. August 1810
Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gictzener Zamilienblätter" toerben dem .Anzeiger" viermal wöchentlich Heigelcg:, bas „llreil-latt für den Kreis Hießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger für Gberheffen
Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'schen Universitäts - Blich- und Stelndruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:S^II2. Tel.-AdruAnzelgerGreßen.
Vettkongretz für freies Christentum.
4- Berlin, 5. Aug.
Für die Teilnehmer des 5. Weltkongresses für freies Christentum und religiösen Fortschritt fand heute abend int Kaisersaatc des Landwehr-Kasinos ein Begrüßungsabcnd statt, zu dem zahlreiche Kongreßteilnehmer sich eingefunden hatten. Ter Saal bot mit seinen preußischen Schlachtcndildern einen eigenartigen Raum für einen Weltkongreß. Auf der einen Schmalseite befindet sich das Bild des Kaisers in Marineuniform, das er dem Kasino geschenkt hat.
Nach der Uebergabe des Präsidiums durch den zurücktretcndcn Präsidenten Tr.-Reverend Dr. Samuel A. Eliot (Boston) hielt Reichstagsabgeordneter Schrader folgende Eröffnungsrede:
Ter Bostoner Kongreß habe Deutschland besonders deshalb gewählt, um die Beziehungen zwischen der deutschen Theologie und dem Auslande zu erörtert^: dem sei der erste Hauptteil des Programms gewidmet. Ter Inhalt des übrigen Teils ergebe sich aus den besonderen Verhältnissen Deutschlands. Dort seien alle großen religiösen Fragen und Probleme noch durchaus aktuell: cs hätte deshalb deren Erörterung ein großer Raum gegeben werden müssen.
Ueber die Ziele des Kongresses sagte der Redner etwa folgendes: Der Kongreß fordert religiöse Freiheit, weil Religion, d. h. die Hingabe des Menschen an Gott, damit er in ihm lebendig werde und wirke, nur eine Tat der Freiheit sein kann. Dogmen und kirchliche Einrichtungen sind nur Wege zu diesem Ziel, sie stehen in zweiter Reihe und dürfen die Freiheit nicht beschränken. Nur in Freiheit können namentlich die großen Kirchen, welche von Gesetzes wegen Millionen von Menschen in sich vereinigen, eine friedliche, fortschreitende Entwicklung verbürgende Existenz haben. Religiöse Freiheit ist auch die notwendige Grundlage der gegenseitigen Anerkennung, der verschiedenen Religionsgemeinschaften, so daß sie ohne gehässige Bekämpfung ihrer Ausgabe gerecht werden können, auf ihrem besonderen Wege die Menschen zu Gott zu führen. Ihr Wert muß sich nach dem Maße bestimmen, in welchem sie dies Ziel erreichen. Für sie muß gelten, was Lessing seinen Nathan sagen läßt in der Fabel von den drei Ringen, die die drei damaligen Weltreligionen repräsentieren:
Es strebe von euch jeder um die Wette, die Kraft des Steins in seinem Ringe an Tag zu legen, komme dieser Kraft mit Sanftmut, mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun, mit innigster Ergebenheit in Gott zu Hilf. Und wenn sich dann der Steine Kräfte bei euern Kindes-Kindes-Kindern äußern, so lad ich über tausend tausend Jahre sie wiederum vor diesen Stuhl. Ta wird ein weiserer Mann aus diesem Stuhle sitzen als ich und sprechen —
Gottes Friede in der Religion und zwischen, den Religionen ist keine Utopie. Unsere ganze Entwicklung geht dahin. Zwar gibt es noch in vielen Ländern Religionsversolgungen die Fülle. Selten zwar mit der alten Roheit, aber empfindlich genug. In allen Kulturstaaten haben seit langer Zeit die größten Männer religiöse Freiheit vertreten: sie haben ausgesprochen, daß es eine Torheit und Schlechtigkeit ist, jemanden zu verfolgen, weil er Gott anders, oft genug sogar besser, verehrt. Vertiefung und Ausbreitung der Bildung, vor allem aber wahre, nicht nach Herrschaft, sondern nach Vervollkommnung strebende Religiosität werden diese traurige Erbschaft vergangener Zeiten allmählich beseitigen. Der Kongreß kann seinen Weg mit sicherer Hoffnung auf Erfolg weitergehen. Schon das ist ein großer Erfolg, daß dieser Kongreß in Berlin eine so große Zahl Teilnehmer vereinigt und daß so viele Redner ersten Ranges aus allen Ländern auf ihm sprechen. Ihre Worte werden hier viele aufmerksame Hörer beeinflussen und weit in alle Welt hinausgetragen werden und weiter wirken. Das ist ja ein Hauptsegen unserer heutigen Kultur, daß kein Gedanke, der etwas wert ist, verloren geht, sondern viele Stellen findet, an denen er Wurzel schlagen, wachsen und sich weiter verbreiten kann. Tas wird diesen! Kongreß, wie schon den früheren, sicher zuteil werden. Er wird auch wieder viele neu mit Begeisterung für seine Gedanken und Ziele erfüllen, sie zu gegenseitiger Unterstützung verbinden und sie ermutigen, für sie ein- zutreten, sie in das Leben zu führen. An dem großen, ja an dem größten Ziele der Menschheit mitzuarbeiten, sind wir berufen und gewillt, wir können nicht anders, als mit Freude uns in ihren 'Dienst stellen. Darum lassen Sie uns mit der frohen Hoffnung in die Beratungen eintreten, daß sie ihren Zweck erfüllen, der religiösen Freiheit, freiem Christentum und Brüderlichkeit und dem Fortschritt wirksam dienen werden.
Es folgten dann Ansprachen der Vertreter der verschiedenen Nationen.
Internationale Uriminalistische Vereinigung.
4 Brüssel, 4. Aug.
In den sortgesetzten Beratungen der Hauptversammlung der Internationalen Kriminalistischen Vereinigung beschäftigte sich der Kongreß mit der „Psychologie der Zeugenaussage". Erster Vortragender war der Direktor des Archivs für Psychologie Prof. Claparede (Genf). Er ging aus von den Gefahren, welche manche Zeugenaussagen bieten, die dem gefährlichen Einfluß 'der Suggestion unterliegen. Man muß eine Wissenschaft der Zeugenaussage schaffen und wenn man das tun will, kommt man ganz von selbst auf den Weg des Experiments, um die Glaubwürdigkeit eines Zeugen zu „messen". Man zahlt die wahren und falschen Aussagen eines Zeugen und bemißt danach seine Glaubwürdigkeit. Man hat gefunden, daß die größte Zahl der Zeugenaussagen wertlos sind, entweder wegen Unglaubwürdig- keit oder wegen mangelnder Intelligenz des Zeugen. Auf dein Wege des Experiments wird man sich auch überzeugen können, daß wahrheitsliebende Menschen oft die schlechtesten Zeugen sind. Schon die Methode der Ausfragung bietet Gefahren, weil dem Zeugen dadurch oft Aussagen suggeriert 1 verben, deren er sich früher gar nicht bewußt war. Die Zeugenaussagen der Kinder sind im Vergleich zu denen der Erwachsenen im allgemeinen nicht so schlecht, wie man annimmt. Auch die Zeugenaussagen der Frauen sind gut und brauchbar, zumal wenn es sich um Tinge handelt, für die sie sich interessieren, wie Kleider, Schmucksachen usw. Ter Redner weist nach, daß eine ganze Reil)e von Beobachtungen derselben Gegenstände durch mehrere Zeugen verschieden ausfallen können. Es kommt sogar vor, daß unter mehreren Zeugen übereinstimmend irrtümliche Angaben über einen Vorfall gemacht tv-erden. Gleichwohl kommt der Redner zu dem Schluß, daß die Heranziehung von Psychologen zu Zeugenaussagen im Interesse der praktischen Rechtspflege nicht 8 u empfehlen sei.
Ter Gegenberichterstatter Staatsanwalt Werner iGenf) hält cs für notwendig, daß die richterlichen Beamten nicht bloß Juristen seien: sie müßten das praktische Leben und das menschliche Herz kennen. Wenn das der Fall ist, werden sie auch die Kenntnis, der Psychologie richtig anwenden können. Man darf aber auch nicht alle Ergebnisse der psyckwlogischen Wissenschaft ohne weiteres bei den Angeklagten in Anwendung bringen, das würde nichts weiter bedeuten als etn Wiederauflebenlassen der alten Tortur.
Tie Geständnisse dürfen nur durch einfache Fragestellung erreicht werden. Tie Psychologie bedeichet für den Richter ein neues Hilfsmittel, das alter mit Vorsicht angewandt werden muß.
Ter letzte Gegenstand der Tagesordnung betraf die „Internationale Regelung der Aus l iefe r u n g s fr a g e".
2(115 Stadt Mild Caitd.
Gießen, 6. August 1910.
**Die Einnah'vren der Straßenbahn belaufen sich im ganzen seit ihrem Bestehen bis Ende Juni auf 74 796.67 Mk. oder täglich im Durchschnitt auf 336.75 Mt. Für die einzelnen Zeitabschnitte wurden vereinnahmt: No- vember-Te'.ember 1909 (U/s Monat) 16 003 Mk, 1. Vierteljahr 1910 27116.67 Mk., 2.. Vierteljahr 31680 Mk. Wenn man berücksichtigt, daß im Voranschlag mit einer täglichen Durchschnittseinnahme von £46 Mk. gerechnet wurde, wobei ein Anschuß von 28676 Mk. für die ersten 500 Betriebstage erforderlich gehalten wurde (vom 20. November 1909 bis 1. April 1911), dann kommt man zu dem Schluß, daß Verkehrszahlen überhaupt nicht zu schätzen sind. Man hat dieselbe Erfahrung auch in Zandern Städten gemacht. Ein von namhaften Bolkswirtschcrftlern anerkannter Grundsatz lehrt, daß die Verkehrsmittel nicht hinter dem Verkehr hinterher hinken sollen, sondern daß unter allen Umständen Verkehrsmittel zweifellos einen vermehrten Verkehr zur Folge haben, der der gesamten dabei interessierten Bevölkerung zum Vorteil gereicht. Daß das heimische Unternehmen ganz ohne Zuschuß in den ersten Jahren auskommt, ist zwar nicht zu erhoffen, da die im Voranschlag angenommenen Unkosten sich allein schon durch die Beschaffung von zwei weiteren Standwagen erheblich erhöht haben, deren Bedienung auch Geld kostet. Wenn es aber zutrifft, daß am Stromverbrauch der Straßenbahn dem Elektrizitätswerk als solches ein Gewinn von 10 000 Mk. jährlich zu fällt, so wird dieser Gewinn vollständig hinlangen, um den Zuschuß einige Jahre hindurch für unsere Straßenbahn wett zu machen, so daß die Steuerzahler dafür nicht in Anspruch genommen zu werden brauchen.
** „Heß-Eich e" Zu Ehren des Geheimerats Pro-, fessor Dr. Heß, der dieser Tage mit zehn Studierenden der Forstwissenschaft den Fürstlichen Waldungen zu B ü d i n g e n einen zweitägigen Besuch abstattebe, nannte der Fürst eine der stärksten Eichen des Büdinger Waldes, die an hervorragender Stelle steht, eß-Eiche".
** Die Großh. Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen veröffentlicht den Bericht über das erste Geschäftsjahr, das einen recht erfreulichen Verlauf genommen hat. Die Anregung zur Gründung einer „Großh. Zentrale für Mutter- und Säuglingsschutz in Hessen" gab der Großherzog gelegentlich der Taufe des Erbgroßherzogs. Tas Arbeitsgebiet des ärztlichen Ti- rettors übernahm Sanitätsrat Dr. Habicht, als der dem Vorstand angehörige und in Darmstadt ansässige Arzt. Tie Fühlung mit den auf demselben Gebiete tätigen Vereinen und sonstigen Wohlfahrtseinrichtungen ist enger geworden. Tie Mütterberatungsstelle des Allgemeinen Deutschen Frauen-Vereins, Ortsgruppe Darmstadt, wird demnächst in das Gebäude der Zentrale umziehen. In engere Beziehungen trat die Zentralstelle auch mit dem Diakonie-Verein, der Inneren Mission und dem Verband der evangelisch- lirchlichen Frauen-Vereine. Einen erfreulichen Fortschritt haben wir im Hebammenwesen zu verzeichnen. Insbesondere die Organisation der Hebammen ist überraschend fortgeschritten. Am Anfang dieses Jahres waren dank der Bemühungei: der Medizinalabteilung des Ministeriums des Innern schon 200 Hebammen in Hessen organisiert; einer Schätzung nach sind es jetzt 800; bald werden sämtliche 1260 Hebammen Hessens Hebammen-Kreisvereinen und diese dem Verband der Hebammenvereine beigetreten sein. Ein Freund der Bewegung hat eine größere Summe, die für die Hebammen und deren Förderung in den nächsten Jahren benutzt werden kann, als Arbeltskapital zur Verfügung gestellt. Die Vorträge waren von gutem (Äfolg begleitet. Einigen Gesuchen von Vereinigungen um pekuniäre Unterstützung konnte entsprochen werden. Wenn auch die Mittel der Zentrale beschränkt sind und Sparsamkeit geboten ist, so muß sie doch daraus bedacht sein, in Notfällen den auf dem Gebiet der Mutter- und Säuglingsfürsorge tätigen Institutionen dann beizustchen, wenn sie von anderer Seite keine Unterstützung erwarten können. Die erste Nummer der zwanglosen Schriften ist mit dem Bericht erschienen. Sie enthält eine von Regierungsrat Knöpsel zusammenbestellte Statistik der gesamten Säuglingssterblichkeit in Hessen mit sehr interessanten Erläuterungen, die ein helles Licht auf die Ursache der SäuglingssterbUchleit werfen und für unsere Arbeiten ungemein wertvoll sind. Der Großherzog und die Großherzogin haben ein Patronat der Grvßherzoglichen Zentrale gegründet. Die Organisation der Helferinnen des Patronats wird voraussichtlich mit anderen schon bestehenden Einrichtungen dahin wirken, Mädchen und Frauen, die zu einer ernsten sozialen Arbeit bereit sind, heranzuziehen. Einen bescheidenen Anfang, diese Kräfte zu sammeln, bildet die durch das Patronat gegebene Anregung, Wäsche für bedürftige Kinder herstellen zu helfen. Der Umbau des Gebäudes der Zentrale geht seiner Vollendung entgegen. Nach seiner Vollendung ist beabsichtigt, den Betrieb vorerst in beschränktem Umfang zu beginnen. Die Mütterberatungsstelle des Allgemeinen Deutschen Frauen-Dereins wird die ihr bereitgestellten ilmfangreichen Räume beziehen. Tie Geschäftsräume der Zentrale werden im Verwaltungsgebäude eingerichtet werden. Sollte es in einigen Jahren möglich sein, mit brauchbaren statistischen Unterlagen die Wirkung aller auf diesem Gebiete eingeleiteten Bestrebungen zu belegen, so wird man erkennen, wie gut die relativ kleinen Mittel angelegt waren, die die Tätigkeit der Zentrale verlangt. Bis dahin wird man auch allgemein wissen, daß die Zentrale in erster Linie nicht für kranke Kinder sorgen will, sondern vor allem danach strebt, gesunde Kinder gesund zu erhalten. Die Einnahmen belaufen sich einschl. von 1959.40 Ml. Beiträgen für 1909 und 72 448.50 Mk. Stiftungen auf 78 947.65 Mk., denen 78947.65 Mk. Ausgaben, in die das Barguthaben von 54 562.62 Mk. eingerechnet ist, gegenüberstehen. Das Gesamtvermögen beläuft sich auf 214 841.40 Mk.
** s2lbonnement§einführung für bie Benachrichtigung über die Ankunft von Eisenbahngütern. Vom 1. dss. Mts. an wurde für Mainz, Worms und Alzey die Einführung des ^2lvis-Abonnements" zum Preise von 20 Mk. genehmigt. Damit hat diese vieUunstrittene Angelegenheit eine vorläufige und teilweise Erledigung gefunden. Was die Herabsetzung des Preises bei der Einzelbenachrichtigung von 10 aus 5 Psg. betrifft, so werden erst noch weitere Untersuchungen vorgenommen, nach deren Abschluß 5 Pfennige erhoben werden, falls nicht örtliche Verhältnisse eine andcrwditige Regelung erfordern. — Die Einführung des Abonnements und der noch zu erwartenden Gebührenherabsetzung ist auf Vorstellung der Mainzer Handels- kainmer erfolgt und findet hoffentlich auch in anderen Städten bald Eingang.
•• Von den Wan dernden. Im Monat Juli nahmen 1256 Personen die Herberge zur Heimat (1548 im gleichen Monat des Vorjahres) in Anspruch. Von diesen nahmen gegen Arbeitsleistung 597 (831) die Herberge in Anspruch, 759 (717) waren Selbstzahler. — Der Arbeitsnachweis verfügte über 64 offene Stellen, von denen 18 wegen Fristablauf oder wegen Zurücknahme gestrichen wurden. Von den verbleibenden 46 Stellen wurden 44, und zwar durch 28 Handwerker und 16 ungelernte Arbeiter, besetzt, 2 Stellen wurden für den Monat August überschrieben. Von den untergebrachten Arbeitskräften gingen 32 nach außerhalb, 12 Leute nach Gießen.
— Langsdorf, 6. Aug. Es, wird uns geschrieben: Das Bestreben der Freunde alter Volkskunst, die kunstvollen Holzbauten unserer hessischen Dörfer von dem alten, aus Unverstand und mit Vorbedacht aufgetragenen Schmutz zu befreien und sie in alter Schönheit — soweit dies irgend möglich ist — neu erstehen zu lassen, hat in dem Weißbindermei st er Heinrich Schäfer VI. zu Langsdorf einen eifrigen und verständnisvollen Förderer gefunden. Wir empfehlen den Freunden der Volkskunst die Besichtigung der vortresilichen Arbeiten dieses Handwerksmeisters zu Langsdorf lind zu Langd bei Hungen. Den Namen aber dieses Mannes wollen wir darum in der Oeffentlichkeit hiermit genannt haben, einesteils, um' ihlll bamft den Dank auszusprechen für feine verdienstvollen Bemühungen im Interesse heimatlicher Kunstpflege, anderenteils, um anderen Handwerksmeistern, die noch die alte Häuser-Verschmier tun st üben und die Hallsbesitzer im Interesse ihres eigenenIGeldbeutels gegen diese vorzüglichen Kunstleistungen dazll ^noch auf* zuhetzen (zum Teil mit Erfolg) versuchen, öffentlich zu dokumentieren, daß nun endlich ihrem verabscheuenswerten Handwerksbetrieb die ihm gebührende Verachtung zuteil wird.
r. Hungen, 5. Aug. Aus Wetterau und Vogelsberg — Stand der Erntearbeiten. Im Vogelsberge hoffte man diese Woche mit der Heuernte fertig zu werden, dies ist jedoch nicht der Fall, da die Witterung nicht hilft; die nächste halbe Woche wird wohl noch darauf gehen, ehe das letzte Hell eingebracht wird. Dennoch wird die Kornernte beginnen; einzelne Aecker sind schon geschilitten. Zum Teil sind die Leute noch bei den Hackpflanz'en beschäftigt. Weizen, besonders aber Hafer stehen noch grasgrün im Felde; der Stand ist nicht schlecht und lvird eine befriedigende Ernte geben, wenn nichts außergewöhnliches eintritt. Die Ab- erntung dieser Fruchtarten wird kaum vor Ende Aliguft bis Mitte September vor sich gehen können, wenigstens in den höheren Lagen des Vogelsbergs, während die Tallagen jetzt schon bei dieser Ernte beschäftigt sind. In der Wetterau wird bis Ende nächster Woche, wenn das Wetter einiger- inaßen angeht, die gesamte Fruchternte unter Dach fein. Hier hilft besonders die größere Parzellierung infolge der Feldbereinigungen, was im Vogelsberg nicht der Fall ist. Bereits gehen die Dreschnlaschinen und man ist dieses Jahr darauf ans, die Frucht gleich ins Trockene zu bringen. Man kann damit rechnen, daß noch in nächster Woche (ooraus- gesetzt immer wieder die Witterung) die Grummeternte beginnt, deren Ausfall befriedigend werden wird. Die Hack- pslanzen stehen gut, der Ausfall der Kartoffelernte gibt bereits zu Besorgnissen Anlaß. — Bezüglich der H e r b stü b u n g e n, die in der Hungen-Licher Gegend beginnen lind sich bis Fiilda ziehen sollten, dürften infolge der verspäteten Ernte im Vogelsberg andere Bestimmungen zll erwarten sein. Durch Ordonnanzen ist in voriger Woche die Provinz besticht worden und die Rückforderung der bei den Bürgermeistereien bereits auSgegebenen Akten läßt vermuten, daß die gesamten Herbstubllngen in Oberhessen sich mehr nach der Wetterail ziehen werden. Damit würde der bezügliche Antrag deS LandtagSabg. Korell von Erfolg begleitet fei».
h. £auter b. Gründerg, 6. August. Am 28. August wird unser neues Schukhaus feierlich ferner Bestimmung übergeben. Der Gern ein berat ehrte fi'd) selbst, als er beschloß, für unsere Jugend den malerisch auf der Höhe ge* legenen, schmucken Bau zu errichtm, der zil ebener Erdei einen luftigen und hellen Älaff en raum enthält, während« sich eine Treppe hoch eine freundliche Lehrerwohnung befindet. In diesem Jahre werden nod) zehn neue Schulgebäude im Kreise Gießen eingeweiht werden.
— B a d - N a il h e i m, 5. Aug. Bis zum 4. August sind 2 4 3 7 3 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 7504 anwesend waren. Bäder ivurden bis zum 4. 9lugust 295 376 abgegeben.
m. Bad-9! anheim, 5. August. In der heutigem S t a bt ö er or bn et c n n e r f amm In n g haben 'sichl unsere Stadtväter nobel angelassen. Die 70er Veteran eit hatten beantragt, ihnen eine kleine Beihilfe zu den Unkosten des 40jährigen i>tppells in Dannstadt zu gewähren. Ter Finanzausschuß beantragte für jeden Teilnehmer 5Mk., das Plenum genehmigte 10 Mk. In Betracht kommen im


